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Reale Hoffnung oder nur billiger Trost?

11.07.2018

 

Hingehaltene Hoffnung macht das Herz krank; ein erfüllter Wunsch aber ist ein Baum des Lebens (Spr 13,12).

Gottes Wort bringt hier eine Wahrheit ans Licht, die kaum jemand leugnen wird: Hingehaltene Hoffnung macht das Herz krank. Doch wenn dies im Wort Gottes so klar gesagt wird, dann sollte man eigentlich vermuten, dass uns Gott bezüglich Seiner Versprechen gerade solche langen Perioden des Wartens ersparen würde. Wenn ER doch nur zu gut weiß, dass es unser Herz krank macht, wenn sich das worauf wir hoffen, ewig hinauszögert, sollte ER doch alles tun, um uns übermäßiges Warten zu ersparen. Erstaunlicher Weise ist dennoch oftmals eher das Gegenteil der Fall. Denn betrachtet man beispielsweise das Leben der Glaubensväter, die uns im Alten Testament begegnen, ist gerade dieses übermäßig lange Warten zu beobachten. Sie mussten sehr lange ausharren, bis sich erfüllte, was Gott ihnen zugesagt hatte. Ob es Abraham, Josef oder David betrifft, sie alle bekamen eine göttliche Verheißung, eine Zusage, die fast zu schön war, um wahr zu sein. Doch bis zum Zeitpunkt der Erfüllung, vergingen sehr viele Jahre. Jahre des Wartens und zugleich auch Jahre, die zu sagen schienen, dass Gott Sein Versprechen vergessen hatte. Aber nicht nur das, je mehr Zeit verging, je mehr stellte das, was Gott versprochen hatte eine größere Unmöglichkeit dar.

Bei Abraham war es das Versprechen mit seiner Frau Sarah einen Sohn zu haben. In jungen Jahren hätte man sich wohl nicht viel dabei gedacht, doch zum Zeitpunkt des Versprechens waren beide im Alter schon weit vorgerückt. Entsprechend hätte man wohl gedacht, dass die Erfüllung dieser Zusage nicht lange auf sich warten ließ, doch weit gefehlt, die Erfüllung zögerte sich weit über das geeignete Alter hinaus. Abraham war bereits 100 Jahre alt, als Sarah den von Gott versprochenen Sohn Isaak gebar (vgl. 1.Mo 21,5).

Kommen wir zu Josef. Er hatte in seiner frühen Jungend einen Traum in dem ihm Gott gezeigt hatte, dass er einmal ein sehr mächtiger und einflussreicher Mann sein würde. Aber was brachte es ihm ein? Zunächst einmal die Missgunst seiner Brüder, die so groß war, dass sie ihn als Sklaven verkauften. So landete er in Ägypten am Hof des Pharaos. Doch dort ging es für ihn sogar noch weiter bergab. Dies aber nicht, weil er Gott ungehorsam gewesen wäre, sondern im Gegenteil, gerade seine Gottesfurcht brachte ihn in noch größere Schwierigkeiten. Der Frau des Pharaos war es trotz täglichem Drängen nicht geglückt Josef zu verführen. Dadurch gekränkt, brachte sie ihn auf sehr niederträchtige Weise in Misskredit, indem sie behauptete, Josef hätte versucht sie zu vergewaltigen (vgl. 1.Mo 39,14), woraufhin er im Gefängnis landete. Alles schien gegen die Verheißung Gottes zu sprechen, denn selbst im Gefängnis verzögerte sich seine Hoffnung auf Freilassung. Das was ihm von Gott versprochen war, nämlich ein einflussreicher, mächtiger Mann zu werden, schien in unendliche Ferne gerückt zu sein, denn was er durchlebte, war eher das Gegenteil von dem, was ihm Gott zugesagt hatte. Genau wie bei Abraham ging auch bei Josef erst viele Jahre später das Verheißene in Erfüllung. Gott hatte beiden diese lange Zeit des Wartens zugemutet, obwohl ER wusste, dass hingehaltene Hoffnung das Herz krank macht und genau dasselbe werden wir auch bei David sehen.

David war bereits in jungen Jahren im Auftrag Gottes zum König gesalbt worden. Er war zu jenem Zeitpunkt noch so jung und schmächtig, dass ihn weder sein Vater noch der beauftragte Prophet Samuel auf dem Zettel hatte. Erst nachdem sein Vater Isai dem Propheten alle seine Söhne vorgestellt hatte, kam ihm David in den Sinn. Betrachtet man dann, wie sein Leben weiterverlaufen ist, dann stellt man fest, dass etliche Jahre vergangen sind, bis der den Thron bestiegen hat. Aber nicht nur das, er musste etliche Widerwertigkeiten durchstehen und war ständig mit einer Realität konfrontiert, die ihm alles sagte, nur nicht, dass es irgendeine Aussicht gab, König von Israel zu werden. Schließlich war Saul König und die Nachfolge eines Königs ist immer so geregelt, dass der älteste Sohn automatisch der nächste Thronanwärter ist. Doch dieser Sohn hieß Jonathan und war Davids bester Freund. Selbst wenn König Saul eines Tages sterben würde, so war auch David klar, würde nicht er, sondern sein bester Freund die Krone erben. Aber nicht nur das, aufgrund seiner militärischen Erfolge und der Tatsache, dass das Volk David mehr verehrte als König Saul, wurde dieser so eifersüchtig, dass er David nach dem Leben trachtete. Und wieder sehen wir dasselbe Muster, es vergingen Jahre bis David die Erfüllung dessen erlebte, was ihm verheißen war. Jahre, in denen alles gegen das sprach, was Gott ihm zugesagt hatte. Jahre, in denen rein menschlich gesehen mit allem zu rechnen war, nur nicht damit, dass sich die göttliche Verheißung in seinem Leben erfüllen würde. Man könnte hier problemlos weitere alttestamentliche Beispiele anführen, doch allein diese drei zeigen uns nicht nur, dass Gottes Handeln unser Verstehen weit übersteigt, sondern auch, dass ER offensichtlich bewusst Dinge zulässt, die das Herz Seiner Kinder krank machen.

Nun stellt sich natürlich zu aller erst die Frage, ob hiervon nur die Patriarchen des Alten Bundes betroffen waren oder ob es auch vergleichbare Beispiele im Neuen Testament gibt. Die Antwort lautet: Ja, es gibt sie. Da werden uns zum Beispiel gleich zu Beginn des Lukas Evangeliums die Eltern von Johannes dem Täufer vorgestellt. Ihr Gebet und ihre Hoffnung, war der Wunsch ein Kind zu bekommen; doch Elisabeth war unfruchtbar. Als dann eines Tages dem Zacharias ein Engel erschien war dieser bereits hochbetagt. Der Zeitpunkt von Gottes Eingreifen war also aus menschlicher Sicht völlig ungünstig und eindeutig zu spät, denn zwischenzeitlich stand dem Plan Gottes nicht nur Unfruchtbarkeit von Elisabeth im Weg, sondern auch die Problematik, dass Zacherias das zeugungsfähige Alter überschritten hatte. Genau in dieser Situation, bekam er die Zusage, dass seine Gebete erhört wurden. Elisabeth seine Frau sollte schwanger werden und einen Sohn gebären. Das alles klang in seinen Ohren so unglaublich, dass er von dem Engel, der ihm diese freudige Botschaft überbrachte, ein Zeichen forderte. Daraus lässt sich schließen, dass er die Hoffnung längst aufgegeben hatte. Als Zeichen, dass die Botschaft wirklich von Gott war, war er bis zur Geburt von Johannes stumm.

Dann begegnet uns im selben Evangelium ein Mann namens Simeon. Ihm war vom Heiligen Geist geweissagt worden, er sollte den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen (Lk 2,27), doch bis es sich erfüllte, sind offensichtlich viele Jahre vergangen, denn seine Worte: „Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen (Lk 2,29-30), lassen kaum einen anderen Schluss zu, als dass er zum Zeitpunkt der Erfüllung dieser Verheißung bereits hochbetagt war. Was im Übrigen auch auf die Prophetin Hanna zutraf, die ebenfalls das Vorrecht hatte, den neugeborenen Messias zu sehen (vgl. Lk 2,36).

Sie alle mussten langen warten, bis sich die Zusagen, auf die sie ihre Hoffnung setzten erfüllten und ihre Gebete erhört wurden. Und dies obwohl Gott doch zu gut weiß, dass hingehaltene Hoffnung das Herz krank macht. Die Frage die sich hier stellt, lautet: Warum mutet Gott Seinen Kindern so etwas zu? Denn selbst wenn uns die Beispiele vom Neuen Testament zu weit weg erscheinen, ist es doch ein grundsätzliches Phänomen der christlichen Hoffnung. Denn letztlich haben doch nicht nur Hanna und Simeon auf eine Begegnung mit dem Messias gehofft, im Grunde ist es doch die christliche Hoffnung schlechthin. Jesus hat doch versprochen, ER würde wiederkommen und es war diese Hoffnung, die selbst die urchristliche Gemeinde motivierte und antrieb. Dennoch waren sie nicht die Generation, die erleben durfte, was Paulus in 1.Thessaloniker 4,15-17 angekündigt hat:

Denn das sagen wir euch mit einem Wort des Herrn, dass wir, die wir leben und übrig bleiben bis zum Kommen des Herrn, denen nicht zuvorkommen werden, die entschlafen sind. Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Ruf ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und die Toten werden in Christus auferstehen zuerst. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft. Und so werden wir beim Herrn sein allezeit.

Wenn man die Formulierung beachtet, war dies damals, vor rund zweitausend Jahren eine reale Hoffnung der Gläubigen. Paulus schreibt, wir leben und übrig bleiben bis zum Kommen des Herrn. Offensichtlich, hat Paulus zu jener Zeit selbst damit gerechnet, das Grab nicht zu sehen, sondern entrückt zu werden. Dementsprechend könnte man sich fragen, ob dies nicht eine billige Vertröstung auf einen Sankt-Nimmerleins-Tag ist. Genau das werfen ja auch Kritiker dem Christentum vor. Karl Marx beispielsweise sah es als „das Opium des Volkes“ und von dieser Haltung ist auch heute noch der Kommunismus geprägt. Man sieht im Christentum und in Religion im Allgemeinen einen billigen Trost, hinter dem sich in Wahrheit nichts verbirgt. Genauso könnte man auch fragen, ob es Gott so macht, wie in dem Beispiel mit dem Hund und dem Knochen; der Hund hat den Knochen zwar immer in Sichtweite, doch in dem Maße, wie er sich auf den Knochen zubewegt, wird dieser vor seiner Nase hergezogen. So hält man den Hund am Laufen, doch das Erhoffte bleibt für ihn unerreichbar. Und wie gesehen, es ist sogar Gottes Wort das uns sagt, dass eine solche Hinhaltetaktik das menschliche Herz krank macht. Daher nochmal die Frage, warum verzögern sich Gottes Verheißungen? Warum mutet ER Seinen Kindern etwas zu?

Da ER zu gut weiß, dass es unser Herz krank macht, scheint dies offensichtlich die Absicht zu sein. Doch wozu sollte ER unser Herz krank machen? Nun, genau genommen, ist unser Herz durch den Sündenfall von Natur aus krank, nur nimmt es der natürliche Mensch nicht wahr. Auch mir wäre es nie bewusst geworden, wäre da nicht das Wort Gottes das mir sagt: Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es (Jer 17,9). So ernüchternd dieses göttliche Urteil über das menschliche Herz ist, so erfreulich ist es, dass Gott sich mit unserem Herzen auskennt. ER weiß, wer wir wirklich sind, was wir denken und was uns bewegt und der entscheidende Punkt ist, dass ER unser Herz heilen will. Was auf den ersten Blick irritierend und verwirrend erscheint, nämlich, dass Gott Dinge zulässt, die unser Herz krank machen, hat ein ganz bestimmtes Ziel, und das ist unsere Wiederherstellung. Gott lässt Zerbruch in unserem Leben zu, doch ER belässt es nicht bei einem zerbrochenen Herzen, sondern arbeitet gerade mit diesem Zerbruch.

Wir hatten eingangs gesehen, wie es David ergangen ist. Es verging eine sehr lange Zeit bis sich erfüllte, was Gott ihm zugesagt hatte, doch es ist ausgerechnet dieser David, dem wir folgende Zeilen zu verdanken haben: Nahe ist der HERR denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er (Ps 34,19). David konnte dies mit Gewissheit sagen, weil er es selbst genauso erlebt hatte. Er musste durch tiefen Zerbruch, um der David zu werden, der im Neuen Testament als ein Mann nach dem Herzen Gottes bezeichnet wurde (vgl. Apg 13,22). Letztlich war es bei ihm genau wie bei allen anderen Glaubenshelden: Ihr Glaube wurde erprobt, wie man Gold im Feuer prüft, doch sie alle haben sich bewährt. Entsprechend werden auch wir durch die Schriften ermutigt, im Glauben auszuharren. Insbesondere im Hebräerbrief ist dies ein Schwerpunktthema, so lesen wir in Kapitel 12, Vers 1, die Aufforderung den vor uns liegenden Wettlauf mit Ausdauer zu laufen, und werden dabei an die vielen Glaubenshelden erinnert, die uns vorausgegangen sind. Sie werden als eine Wolke von Zeugen beschrieben, die uns Mut machen sollen, an der göttlichen Verheißung festzuhalten, selbst dann, wenn alle Umstände dagegensprechen. Dass man für diese Art Glaube sehr viel Geduld aufbringen muss, zeigt der Schreiber des Hebräerbriefs im 6. Kapitel, wo er folgende Aussage trifft: Wir wünschen aber, dass jeder von euch denselben Eifer beweise, sodass ihr die Hoffnung mit voller Gewissheit festhaltet bis ans Ende, damit ihr ja nicht träge werdet, sondern Nachfolger derer, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen erben (Hebr 6,11).

Von Natur aus warten wir nicht sehr gerne, sondern hätten am liebsten alles sofort; doch würde uns Gott alles sofort geben, wie sollten wir je Geduld lernen? Außerdem sind wir von Natur aus eher so veranlagt, dass wir die Dinge, die uns einfach so in den Schoß fallen, gar nicht richtig zu schätzen wissen. Müssen wir jedoch lange warten, bis wir das Erhoffte erhalten, dann hat es für uns viel mehr Bedeutung. Doch es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Glaubensväter das Verheißene nicht erlangt haben. Auch diesen nennt uns der Schreiber des Hebräerbriefes, indem er in Bezug auf die großen Glaubenshelden des Alten Bundes sagt: Und diese alle, obgleich sie durch den Glauben ein gutes Zeugnis empfingen, haben das Verheißene nicht erlangt, weil Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns vollendet würden (Hebr 11,39-40). Und wenn wir einst erleben, was wir gehofft und geglaubt haben, werden wir sein wie die Träumenden (Ps 126,1); und es wird sich erfüllen, was in Offenbarung 21,4 geschrieben steht: Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.

Amen

 

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