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Fortsetzung

 

Eine praktische Anwendung, die wir hieraus ableiten können, ist darin zu sehen, dass wir die biblische Botschaft nur dann unmissverständlich ausrichten können, wenn wir auch dazu bereit sind, sie klar von den falschen Lehren abzugrenzen. Nehmen wir uns daher zu Herzen: Für bibeltreue Verkündigung ist es unverzichtbar das Richtige vom Falschen abzugrenzen. Niemand kann die Wahrheit, und damit den Herrn Jesus Christus (vgl. Joh 14,6), wirklich von ganzem Herzen lieben, ohne sich von allem abzuwenden, was IHM missfällt (vgl. Ps 97,10; 2.Tim 2,19). Gerade damit, so nicht nur meine Beobachtung, tut sich das Christentum unserer Tage besonders schwer. Man meidet jegliche Art von Konfrontation, weil man unter keinen Umständen die Harmonie gefährden will. Notfalls macht man gute Miene zum bösen Spiel, nur um nirgendwo anzuecken oder unangenehm aufzufallen. Treffend kommt John MacArthur diesbezüglich zu folgender Anmerkung: Viele Christen haben die biblische Klarheit aufgegeben und sich stattdessen für ein Leben der Verwirrung und der Kompromisse entschieden. Sie akzeptieren zu viel und beurteilen zu wenig. Gottes Wort macht deutlich, dass nicht alles, was glänzt, echtes Gold ist. Überall wimmelt es von Irrlehren. Die Versuchungen, sie anzunehmen, sind groß. Auf dem Spiel steht die Ewigkeit. Aus diesem Grund brauchen wir biblisches Unterscheidungsvermögen.1
Eine ähnliche Sichtweise vertrat auch A.W. Tozer, der hierzu folgendes festgehalten hat: Bei dem Versuch, den empfundenen Bedürfnissen der Nichtchristen entgegenzukommen, haben viele Gemeinden ihre Gottesdienste radikal umgestaltet. Beinahe alles ist da zu finden: moderne weltliche Musik, Anspiele, Komödien, Tanz, Zaubertricks, alles, außer gesunden biblischen Predigten und Anbetung Gottes. Die Umgestaltung des Gottesdienstes zu einem evangelikalen Kleinzirkus führt unweigerlich zur Abwertung der Anbetung. Anbetung passt nicht in einen Gottesdienst, der darauf abzielt, unbekehrte Sünder zu unterhalten. Wenn die Gemeinde zusammenkommt, soll sie Gott preisen und anbeten, nicht Ungläubige unterhalten.1

Laut meinem Bibelverständnis, haben wir einen zweifachen Auftrag, erstens geht es in der christlichen Gemeinde um die Verherrlichung und Verehrung Gottes, zweitens darum, die rettende Botschaft des Evangeliums unverfälscht weiterzugeben. Wenn wir falsche Lehre und falsche Praktiken dulden, werden wir weder dem einen, noch dem anderen gerecht. Von daher ist es, wie bereits erwähnt, unverzichtbar, falsche Lehren abzugrenzen. Dies ist nicht so, weil ich es behaupte, sondern, weil wir es, wie gesehen, bei Jesus beobachten können. ER hat klar abgegrenzt, zwischen falscher und richtiger Lehre, indem ER die falschen Lehren bloßgestellt hat. Erst danach hat ER durch die Ausführungen, die den Worten: „Ich aber sage euch…", jeweils folgten, aufgezeigt, was der wahren Bedeutung der Schrift entspricht. Damit hat sich Jesus über die geistlichen Autoritäten gestellt und deren Fehldeutungen der Schrift in den Kontrast zu Seiner positiven Auslegung des Gesetzes gestellt. Um dies praktisch zu illustrieren, wählte ER folgende Themenbereiche: „Töten, Ehebruch, Scheidung, Schwören, Vergeltung und Feindesliebe, worauf ich später detaillierter eingehen werde*, vorerst soll es nur um das grundsätzliche Prinzip gehen, und dieses ist daran festzumachen, dass sich Jesus nie über das geschriebene Wort gestellt hat (vgl. 1.Kor 4,6), im Gegenteil: ER hat keinerlei Abweichung zum Wort toleriert, sondern jegliche Verdrehung und Umdeutung der Schrift, klar verurteilt. Nicht die kleinste Fehlinterpretation ließ ER aus Toleranz einfach so stehen. Betrachtet man, was heute alles in Seinem Namen veranstaltet wird, kommt man nicht umhin, dass genau diese Tatsache nur noch von wenigen wahrgenommen wird. Viel eher gewinnt man den Eindruck, als hätte Jesus gesagt: „Vergesst das Alte Testament, verwerft das Bild eines heiligen und gerechten Gottes, ab sofort gilt es nur noch den gnädigen Gott zu sehen, der alles durchgehen lässt und bei dem ihr immer drei Wünsche freihabt!“.

Daher sei es noch einmal klar hervorgehoben: das „Aber“ des HERRN, stand nicht dem Gesetz Gottes entgegen, sondern der Verdrehung der göttlichen Ordnungen. Während heute vielfach die Meinung vorherrscht, man müsse allen religiösen Bemühungen etwas Gutes abgewinnen, konnte sich Jesus nicht damit arrangieren, wenn sich religiöse Menschen die Freiheit herausnahmen, das Wort Gottes in jede beliebige Richtung zu deuten. Nein, ER hat ganz gewiss nicht alles akzeptiert, das einen frommen Anschein hatte, sondern fand gegen jede Form von selbsterdachter Scheinreligion solch klare Worte, wie wir sie beispielsweise in Markus 7,6-9 vorfinden, wo ER den religiösen Führern folgende Vorhaltung machte: Trefflich hat Jesaja von euch Heuchlern geweissagt, wie geschrieben steht: »Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, doch ihr Herz ist fern von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, weil sie Lehren vortragen, die Menschengebote sind.« Denn ihr verlasst das Gebot Gottes und haltet die Überlieferung der Menschen ein, Waschungen von Krügen und Bechern; und viele andere ähnliche Dinge tut ihr. Und er sprach zu ihnen: Trefflich verwerft ihr das Gebot Gottes, um eure Überlieferung festzuhalten (Mk 7,6-9).

Ist nicht auch für unsere Generation zutreffend, was Jesus der religiösen Obrigkeit Seiner Tage entgegenhielt? Haben nicht auch bei uns vielerorts menschliche Gebote und kirchliche Traditionen mehr Gewicht, als das Wort Gottes? Ist es nicht zutreffend, dass moderne Predigten eher einem Gemisch aus Humanismus, Psychologie und Bibelkritik entsprechen, als der gesunden Lehre der Schrift? Die Frage ist, wie gehen wir damit um? Können wir es geduldig ertragen, wenn die Wahrheit verdrängt wird oder sind wir bereit das Evangelium gegenüber Irrtümern und Sonderlehren zu verteidigen? (vgl. Jes 49,15; Hes 9,4).

Wir können nicht objektiv mit diesem Bibeltext umgehen, ohne zu dieser Anwendung zu kommen. Denn unübersehbar hat der HERR Jesus kein Loblied auf das religiöse Treiben Seiner Tage angestimmt, sondern jegliche Form von Heuchelei und selbsterdachter Religion bloßgestellt. Was anderes lehrt uns dies, als dass wir nicht um die Unterscheidung zwischen falscher und richtiger Lehre herumkommen? (vgl. 1.Joh 4,1). Wer das im Namen einer falsch verstandenen Toleranz ausblenden will, oder glaubt, es ging nur darum das Positive zu vermitteln, der übersieht, dass es der Sohn Gottes nicht nur dabei bewenden ließ, die richtige Lehre zu verbreiten, sondern Seine Stimme zugleich gegen falsche Lehren erhob. In seinem Kommentar zu diesem Bibelabschnitt, hat Martyn Lloyd-Jones die allgemeine Beobachtung festgehalten, dass unser Herr sich nicht damit zufrieden gab, nur positive Lehraussagen zu machen, er machte auch negative. Er begnügte sich nicht damit, nur seine Lehre zum Ausdruck zu bringen. Er kritisierte auch andere Lehren.2

Naturgemäß tendieren wir zum Positiven oder gehen zumindest davon aus, man müsse immer mit dem Positiven beginnen. Betrachtet man jedoch diesen Textabschnitt, stellt man fest, dass Jesus genau umgekehrt vorgegangen ist. Seinen Belehrungen, die ER jeweils durch Worte: „Ich aber sage euch…“ eingeleitet hat, stellte ER jeweils die Aufdeckung eines ganz konkreten Missstands voran. ER beschrieb zuerst den Irrtum, der sich eingeschlichen hatte, ehe ER auf den wahren Sinn des Wortes einging.

Dieselbe Vorgehensweise können wir auch im nachfolgenden Kapitel bei Seiner Lehre über wahres Beten feststellen, auch hier fällt auf, dass Jesus nicht mit dem Vaterunser beginnt, sondern diesem Gebet voranstellt, wie man nicht beten soll (vgl. Mt 6,6-8). ER deckt also zuerst falsche Haltungen und Ansätze auf, ehe ER vermittelt, was unter wahrer Anbetung zu verstehen ist. Um einen bildlichen Vergleich zu bringen, muss man sich nur eine vollgeschriebene Schultafel vorstellen. Wenn etwas Falsches an der Tafel steht, muss man zuerst die Tafel wischen, ehe man das Richtige aufzeigen kann. Ähnlich ist es mit unserem Denken, wenn uns durch geistliche Autoritäten, durch Kirchentradition oder durch Erziehung falsches Wissen über Gott vermittelt wurde, dann gilt es zuerst die Irrtümer auszuräumen, ehe man für das wahre Evangelium aufnahmefähig ist. Dies gilt insbesondere auch deshalb, weil sich aufgrund falscher und oberflächlicher Lehre, viele Menschen in falscher Sicherheit wiegen. Wenn der Pastor und Bibellehrer John MacArthur, diesbezüglich feststellt: „Die heutigen Predigten sind weder tiefgründig noch erhaben. Sie gehen weder in die Tiefe noch reichen sie in die Höhe. Ihr einziges Ziel ist Unterhaltung“ 1, bringt er diesen Missstand meines Erachtens sehr gut auf den Punkt. Aufgrund menschengefälliger Verkündigung, geht man üblicherweise davon aus, dass die Kirchenmitgliedschaft wie eine Art Versicherungspolice zu sehen ist, solange katholisch oder evangelisch im Personalausweis steht und man brav die Kirchensteuern zahlt, ist einem ein Platz im Reich Gottes sicher. Dahingegen gilt für das offizielle Namenschristentum, dasselbe, was Paulus seinerzeit seinen Mitjuden sagte: Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist; auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und [seine] Beschneidung [geschieht] am Herzen, im Geist, nicht dem Buchstaben nach. Seine Anerkennung kommt nicht von Menschen, sondern von Gott (Röm 2,28-29).

Es geht nicht um den Buchstaben, es geht nicht um Formalismus; nicht Äußerlichkeiten, wie die bloße Kirchenzugehörigkeit, die Taufe oder die Teilnahmen an bestimmten Zeremonien, sind entscheidend, sondern unser Herz. Der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, der HERR aber sieht das Herz an! (1.Sam 16,7). Und wenn Jesus in ein unerlöstes Menschenherz blickt, dann sieht ER: Böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen (Mt 15,9). Aus diesem Grund können wir uns durch eigenes religiöses Bemühen nicht besser machen, wir können maximal nach außen hin einen frommen Schein wahren, aber eine wirkliche Erneuerung des Herzens, steht allein in Gottes Macht, und deshalb brauchen wir alle Erlösung, das Heil liegt nicht in unserer eigenen Hand, vielmehr zeigt uns das Zeugnis der Heiligen Schrift, dass es nur im Namen des HERRN Jesus zu finden ist. Denn es ist in keinem anderen das Heil; denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen! (Apg 4,12). Sicher hätten wir das gerne selbst in der Hand, aber Gottes Wort lässt keinen Zweifel, dass es außerhalb unserer Möglichkeiten steht. Wir können uns nicht selbst retten, Rettung finden wir allein in dem Namen des HERRN Jesus (vgl. Apg 2,21; Röm 10,13).

Wenn uns die Schrift dies so deutlich vor Augen stellt, sollten wir nicht gekränkt ober beleidigt sein, sondern vielmehr dankbar, dass Gottes Wort auch heute noch zu unseren Herzen redet. Auch wenn uns diese Lehre vielleicht im ersten Moment gegen den Strich gehen sollte, gilt es zu bedenken, dass eine gute Absicht dahintersteckt, denn letztlich geht es darum, dass wir von einem falsch eingeschlagenen Kurs korrigiert werden. Wenn Missstände aufgedeckt werden und wir bereit sind, uns diesen zu stellen, dann ist der allmächtige Gott der letzte, der uns im Regen stehen lässt. Es ist gewiss nicht so, als würde uns Gottes Wort niedermachen, weil Gott grundsätzlich Freunde daran hätte (vgl. Kla 3,33), vielmehr geht es darum, uns mit unserer geistlichen Not zu konfrontieren. Ohne diese Erkenntnis, sind wir nicht bereit, Seine Hilfe anzunehmen. Überlegen wir uns, wie kommt der Psalmist zu der Aussage: „Bevor ich gedemütigt wurde, irrte ich. Jetzt aber halte ich dein Wort“ (Ps 119,67)? Die Antwort ist offensichtlich, die Tatsache, dass er gedemütigt wurde, hat ihn von seinem Irrtum korrigiert und die Konsequenz, die er daraus gezogen hat, lautet: Jetzt aber halte ich dein Wort. Wäre er nicht gedemütigt worden, wäre er nicht mit seiner Verfehlung konfrontiert worden, dann hätte er weder wahrgenommen, sich im Irrtum zu befinden, noch hätte er den Entschluss gefasst, sich fortan an das Wort Gottes zu halten. In dem Augenblick, in dem uns Gottes Wort trifft, und wir mit unserem Versagen konfrontiert werden, mag dies ohne Zweifel sehr schmerzlich sein, doch wenn es zu einem wahren Zerbruch in unserem Herzen führt, und wir dadurch regelrecht in die Arme des Erlösers getrieben werden, können wir im Nachhinein bekennen: „Siehe, zum Heil wurde mir bitteres Leid“ (Jer 38,17).

Von daher ist die heute so weit verbreitete Haltung, immer nur nettes und positives sagen zu müssen, ein total verfehlter Ansatz. Wer auch immer diesen Standpunkt vertritt, kann sich weder auf den HERRN Jesus, noch auf die Apostel berufen. Denn wie gesehen, Jesus hat sich jeglicher Art, die Schrift abzuschwächen oder umzudeuten, deutlich entgegengestellt. Um aufzuzeigen, dass diese Haltung auch bei den Aposteln zu beobachten ist, sei exemplarisch der Apostel Paulus genannt, den ich diesbezüglich mit folgenden Worten zitieren möchte: Denn wir sind nicht wie so viele, die das Wort Gottes verfälschen, sondern aus Lauterkeit, von Gott aus reden wir vor dem Angesicht Gottes in Christus (2.Kor 2,17, vgl. Gal 1,8-9). Hier sehen wir, bereits zurzeit der Apostel gab es viele, die sich die Freiheit herausnahmen, das Wort Gottes nach blieben umzudeuten. Von einer solchen Haltung grenzt sich der Apostel Paulus ganz klar ab, indem er bekundet: „Wir sind nicht wie so viele, die das Wort Gottes verfälschen“. Wie leicht lassen wir uns dazu verleiten, das Evangelium aus lauter Rücksicht und Vorsicht abzuschwächen, weil wir der Konfrontation ausweichen wollen und Angst davor haben, uns unbeliebt zu machen. Selbst der unvergessene Martyn Lloyd-Jones schrieb diesbezüglich: Wir sind alle so diplomatisch…Die Folge ist, dass die Menschen nicht wissen, was das Evangelium ist. Was am Anfang gesagt wird, wird oft am Ende wieder zurückgenommen, und man weiß nicht, wo man eigentlich steht, und die Trompete gibt einen undeutlichen Klang von sich. Wir fürchten uns so sehr davor, Menschen zu beleidigen, dass wir dazu neigen, die Wahrheit zurückzuhalten.3

Daher gilt es wahrzunehmen, dass jegliche Anpassung die Kraft des göttlichen Wortes abschwächt. Wie gesehen, die Ursache hierfür ist die mangelnde Bereitschaft zur Konfrontation. Doch bedenken wir: Wahrheit bringt Konfrontation mit sich, wer ihr aus angeblicher Liebe ausweicht, liefert weltliche Menschen letztlich dem Verderben aus. Natürlich gilt es die Wahrheit in Liebe weiterzugeben, nicht in rechthaberischer Gesetzlichkeit und Kritiksucht; aber die Rechnung, man könne Menschen zur Umkehr bewegen, ohne ihnen zuvor verdeutlicht zu haben, dass sie auf dem falschen Weg sind, kann nicht aufgehen. Denn so lange man an das Gute im Menschen und insbesondere an das Gute in sich selbst glaubt und in der Annahme lebt, ein Platz im Reich Gottes sei einem sicher, wird sich im Herzen kein Platz für DEN einen finden, der gekommen ist, um uns zu erlösen, und das ist der Sohn Gottes. Treffend hat Bischof J.C. Ryle festgehalten: Wir sind nie auf dem Weg des Heils, bis wir erkennen, dass wir verloren, verdorben, schuldig und hilflos sind.4

Wer auch immer meint, er müsse aus Rücksichtnahme die Heiligkeit Gottes und die sündhafte Natur des Menschen aus der Verkündigung ausklammern, verfehlt die wahre Absicht des Evangeliums, die in der Errettung verlorener Seelen zu sehen ist. Das war der Grund, warum der Sohn Gottes Mensch wurde, warum ER Sein kostbares Blut vergossen hat, und den qualvollen Kreuzestod auf sich nahm. ER trug die Strafe für unsere Sünden. Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht (2.Kor 5,21). Blendet man die Sünde aus, erklärt man dieses unfassbare, alles überragende Erlösungswerk, als vollkommen überflüssig. Von daher kommen wir nicht umhin, unerrettete Menschen mit ihrer Verlorenheit zu konfrontieren und ihnen jegliche Illusion zu rauben, dass ihre guten Werke ausreichen, um sich einen Platz im Reich Gottes zu verdienen. Wäre dies möglich, dann wäre der Sohn Gottes umsonst gestorben. Davon abgesehen, leuchtet die Herrlichkeit des Kreuzes vor dem dunklen Hintergrund unserer Verdorbenheit am hellsten. Auch wenn es in unserer humanistisch geprägten Gesellschaft als lieblos oder gar als intolerant angesehen wird, wenn die sündhafte Natur des Menschen thematisiert wird, und es fast als skandalös angesehen wird, wenn auch die Kehrseite des Evangeliums zur Sprache kommt - wenn nicht nur von errettet sein, sondern auf von verloren sein, die Rede ist - so gilt es wahrzunehmen: Jene falsche Nächstenliebe, die es "unfreundlich" nennt, wenn man sagt, dass jemand sich im Irrtum befinde, findet in der Sprache, die der Herr Jesus gebraucht, keine Stütze. Er nannte Dinge bei ihrem wirklichen Namen. Er wusste, dass man für akute Krankheit harte Medizin benötigt. Er wollte uns wissen lassen, dass der treuste Freund unserer Seelen nicht der Mensch ist, der immer "schöne Dinge" zu uns sagt und mit allem übereinstimmt, was wir sagen, sondern der Mensch, der uns am meisten die Wahrheit sagt.5

Wenn wir den Menschen unseren HERRN Jesus Christus bezeugen wollen, wenn wir wirklich das Evangelium weitergeben wollen, müssen wir bei der Wahrheit bleiben. Unsere Verantwortung ist es die Botschaft unverfälscht weiterzugeben, alles Weitere steht in der Verantwortung des HERRN, wir können nur die Wahrheit bezeugen, was sie in den Herzen der einzelnen ausrichtet, liegt allein in Gottes Hand. Wobei wir fest darauf vertrauen dürfen: Wenn wir uns klar hinter Sein Wort stellen, wird ER sich gewiss hinter unseren Dienst stellen. Treffend sagt John MacArthur: Wir Prediger können keine Menschen retten. Wir können Menschen nicht durch unsere Erkenntnis oder Schlauheit verändern, auch nicht dadurch, dass wir sie unterhalten oder auf ihre menschlichen Launen, Wünsche und Ziele eingehen. Es gibt nur einen, der Sünder verändern kann, und das ist Gott. Und er tut es durch seinen Heiligen Geist durch das Wort. Pastoren müssen also das Wort predigen. Nur so kann ihr Dienst echte Frucht hervorbringen. Gottes Wort kommt niemals leer zurück.1

Bevor es in der Fortsetzung dieser Beitragsreihe um eine Vertiefung der einzelnen Punkte gehen soll, möchte ich abschließend noch folgenden Gedanken weitergeben: Ebenso klar, wie es an der gesunden Lehre festzuhalten gilt, lehrt uns die Schrift, dass wir uns nicht mit dem Irrtum vereinen oder engagieren dürfen, sondern uns diesem, genau wie es uns der HERR und die Apostel vorgelebt und gelehrt haben, entgegenstellen müssen (vgl. Phil 1,27; Jud 3). Es ist gewiss keine christliche Tugend, wenn wir Zugeständnisse gegenüber falschen Lehren machen, vielmehr gilt: Der Wächter, der still ist, wenn er ein Feuer sieht, ist schuldig wegen großer Vernachlässigung; der Doktor, der uns sagt, dass es gut mit uns wird, wenn wir sterben, ist ein falscher Freund, und der Pastor, der seinen Leuten in den Predigten die Hölle vorenthält, ist weder ein glaubwürdiger noch ein hilfreicher Mensch.6

 

 

Quellangaben
1. http://l-gassmann.de/christenheit-heute
2. Martyn Lloyd-Jones - Bergpredigt, Band 1, S. 217
3. Martyn Lloyd-Jones - Mit ganzem Einsatz, S .411
4. J.C. Ryle - Lukas Band 3, S. 90
5. J.C. Ryle - Lukas Band 2, S. 228
6. J.C. Ryle - Seid heilig! S. 263


 

*Komplette Beitragsreihe über diesen Textabschnitt als PDF-Download (39 Seiten A4)

 

 

www.evangeliums-botschaft.de

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