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5. Unser tägliches Brot gib uns heute

02.09.2018

 

Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Matthäus 6,9-13

 

Ist der Verlauf dieses Gebets nicht erstaunlich? Es beginnt mit dem Höchsten, es beginnt mit dem heiligen, erhabenen Gott, der über allem thront und geht dann von den himmlischen Höhen direkt über auf unsere alltäglichen Belange. Die ersten drei Bitten haben uns immer weiter in die himmlischen Dimensionen geführt, doch dann mitten im Gebet führt uns diese vierte Bitte wieder auf unsere menschliche Ebene zurück. Plötzlich dreht es sich um unser tägliches Brot und somit um unsere alltäglichen Bedürfnisse. Aber nicht nur das ist erstaunlich und beachtenswert, sondern auch die Tatsache, dass unser himmlischer Vater ein offenes Ohr dafür hat. Mag sein, dass wir dies für selbstverständlich ansehen, doch nehmen wir nur mal an, wir würden unsere Bundeskanzlerin mit einer solchen Bitte konfrontieren. Nehmen wir an, wir würden uns bei Angela Merkel melden und sie mit unseren täglichen Bedürfnissen konfrontieren. Hätte sie wohl ein offenes Ohr dafür? Sie muss unser Land regieren, sie hat höhere Aufgaben, als sich um unsere täglichen Belange zu kümmern. Doch wer ist Frau Merkel im Vergleich zu Gott? Wenn sie aufgrund der Tatsache, dass sie unser Land regiert wichtigere Aufgaben hat, als sich persönlich um unser tägliches Brot zu kümmern, wieviel mehr müsste dies auf den zutreffen, der über das ganze Universum regiert? Aber genau dieser mächtige Gott ist es, der uns das großartige Vorrecht gewährt, sich um unsere täglichen Bedürfnisse zu kümmern. Aber nicht nur das, Jesus sagte sogar direkt vor dem Vaterunser: „Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet!“ (Mt 6,8). Der Vater im Himmel ist also um uns besorgt, ER ist besorgt um jedes kleinste Detail in unserem Leben. „Kein Haar von eurem Haupt soll verloren gehen“ (Lk 21,18), hat Jesus an anderer Stelle gesagt. Wir haben Gottes feste Zusage, dass ER uns nicht zu verlassen und nicht von uns weichen wird (vgl. Jos 1,5; Hebr 13,5).

Hier können wir also wirklich nur staunen und sehr, sehr dankbar sein. Doch zugleich könnte hier die Frage aufkommen, wozu wir überhaupt noch beten sollen? Wenn der himmlische Vater versprochen hat uns zu versorgen, wenn uns gesagt ist, dass ER alles weiß ehe wir bitten, könnte man vorschnell schlussfolgern, Gebet sei überflüssig. Und was für die Bitte um das tägliche Brot gilt, das gilt auch für die anderen Bitten; alle Bitten dieses Gebets sind auf göttliche Verheißungen gegründet. Womit wir hier konfrontiert werden ist jedoch kein Widerspruch, sondern vielmehr der Schlüssel für erhörliches Gebet. Denn das Geheimnis für eine Gebetserhörung lautet: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns (1.Joh 5,14). Nur wenn unsere Bitten mit den Willen Gottes übereinstimmen, haben wir die Zusage, dass unsere Gebete erhört werden. Nur in diesem Fall haben unsere Bitten eine Grundlage. Nur wenn wir uns auf Sein Wort berufen können, gilt uns die Zusage, dass ER uns erhören wird. Gerade hier haben viele Gläubige ein Verständnisproblem, man liest eine Verheißung und denkt sich: „Gut, diesen Punkt können wir abhaken, der HERR hat es versprochen, der HERR weiß darüber Bescheid, also ist diesbezüglich kein Gebet notwendig!" Doch so dürfen wir das Wort Gottes nicht interpretieren. Gottes Verheißungen stellen die Grundlage unserer Gebete dar, sie sind uns nicht gegeben, um das Gebet zu vernachlässigen, sondern um unsere Gebete zu bekräftigen.

Wie gesagt, dies gilt grundsätzlich für unsere Gebete und wir sehen es auch bei allen sechs Bitten des Vaterunsers. Allein bei der Bitte um das tägliche Brot haben wir so viele Verheißungen, dass es an dieser Stelle zu weit führen würde, alles aufzulisten. Allein wenn wir uns nur ansehen, was Jesus direkt nach dem Vaterunser sagt, dann wird dieser Gedanke im direkten Zusammenhang noch einmal sehr deutlich unterstrichen. Denn worum geht es nach dem Vaterunser, was sagt Jesus direkt im Anschluss? ER spricht vom Schätze sammeln. ER spricht davon, dass die Heiden nur darauf bedacht sind, Reichtum und irdische Schätze anzusammeln, um Seine Jünger davor zu warnen sich von dieser Denkweise anstecken zu lassen. Sein Fazit diesbezüglich lautet: So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen? Denn nach diesem allen trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles benötigt. Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden (Mt 6,31-33). Was für ein Tausch, wenn wir die Sache Gottes zur höchsten Priorität in unserem Leben machen, dann verspricht ER uns, dass ER sich um unsere alltäglichen Belange kümmern wird. Martyn Lloyd-Jones schreibt diesbezüglich: Wenn wir nur diese Tatsache begreifen könnten, dass der allmächtige HERR des Universums um alles, was uns betrifft, besorgt ist.1

Also halten wir fest, der Vater im Himmel weiß, was wir benötigen, ER hat versprochen, uns mit allem, was wir zu täglichen Leben benötigen zu versorgen, doch wir haben eine Bedingung, und diese Lautet: „Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden.“ Könnte uns der Vater ein besseres Angebot machen, als dieses? Wenn wir um die Sache des HERRN besorgt sind, wird ER sich um unsere Angelegenheiten kümmern. Und eine perfekte Anleitung dazu gibt uns Jesus durch dieses Gebet. Wir haben gesehen, dass sich dieses Gebet zu aller erst um den Vater und um Seine Ehre dreht. Weiter haben wir gesehen, dass, IHN zu Ehren, nicht nur bedeutet fromme Worte zu machen, sondern dass unser Leben unser Glaubenszeugnis bestätigen muss. Doch dann sehen wir auch, dass der allmächtige Gott versprochen hat, sich unserer Bedürfnisse anzunehmen. Da ER allmächtig ist, ist IHM keine Bitte zu groß, denn bei IHM ist kein Ding unmöglich, doch ebenso sehen wir, dass IHM keine Bitte zu klein oder zu gering ist, so dass ER uns abweisen würde. Nein, selbst für unser tägliches Brot will ER sorgen, wodurch drei Dinge deutlich werden:

1. Die Bitte um das tägliche Brot macht deutlich, dass wir in der täglichen Abhängigkeit zu Gott leben. Uns ist kein Brotvorrat für ein ganzes Jahr im Voraus versprochen, so dass wir nur einmal pro Jahr darum bitten müssten, vielmehr soll es unser tägliches Gebet sein, dass der Vater uns mit den Dingen versorgt, die wir zum täglichen Leben benötigen.

2. Das tägliche Brot zeigt aber auch, dass der Vater uns immer wieder frisches Brot geben will. Hätten wir den Vorrat für ein Jahr, wäre das Brot irgendwann hart, aber nicht das, es würde nicht lange dauern und unsere Brotvorräte wären schimmlig und ungenießbar. Dies gilt auch für die geistliche Speise, denn Jesus sagte: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht!“ Mt 4,4). Auch hier leben wir auch in dieser täglichen Abhängigkeit und auch hier will uns der Vater immer wieder mit frischer Speise versorgen. So heißt es auch im zweiten Vers von Psalms 23: Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

3. Doch die Bitte für das tägliche Brot macht auch deutlich, dass es eben nur um die alltäglichen Bedürfnisse geht, und nicht, wie die Verfechter des Wohlstands-Evangeliums verkündigen, um Reichtum und Überfluss. Nirgendwo finden wir eine Stelle, wo Jesus Seinen Nachfolgern irdischen Reichtum verspricht. Im Gegenteil, ER warnt sogar ausdrücklich davor, sich in dieser Welt Schätze zu sammeln. Mehr als Kleidung und Nahrung ist uns nicht versprochen. Jesus hat Seinen Nachfolgern diesbezüglich nie etwas vorgemacht, sondern sprach: „Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege!“ (Mt 8,20).

Wie kann also jemand, der IHM nachfolgen will, davon träumen in einem Palast zu leben? Wer den Vater um einen 6er im Lotto bittet, hat keine biblische Grundlage. Die meisten von uns haben weit mehr Luxus, als ihn Jesus je auf Erden hatte, doch das ist keine Selbstverständlichkeit, im Gegenteil, es ist eher die Ausnahme wenn es Christen so gut geht. In vielen Ländern ist es nicht so, in vielen Ländern werden Christen um ihres Glaubens willen benachteiligt und verfolgt. Wir haben keine Garantie, dass uns unser Wohlstand erhalten bleibt. Die einzigen Schätze, die uns erhalten bleiben, sind jene, die wir im Himmel sammeln, nur da können sie weder von Motten noch von Rost gefressen werden. Beachten wir hierzu auch die folgenden Worte des Apostel Paulus:
Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen. Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Begierden, welche die Menschen in Verderben und Untergang versenken. Denn eine Wurzel alles Bösen ist die Geldliebe, nach der einige getrachtet haben und von dem Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben. Du aber, Mensch Gottes, fliehe diese Dinge; strebe aber nach Gerechtigkeit, Gottseligkeit (1.Tim 6,8-11).

Es ist uns nicht mehr, aber auch nicht weniger versprochen, als Kleidung und Nahrung, und mehr beinhaltet diese Bitte um das tägliche Brot auch nicht. Wir können froh und dankbar sein, mehr zu haben, doch die Verkündiger des Wohlstandsevangeliums haben keine biblische Grundlage für ihre Lehre, denn diese ist nicht auf die Schrift, sondern allein auf ihr positives Denken gegründet. Doch Gott hat nicht versprochen zu unserem positiven Denken zu stehen, sondern zu Seinem Wort. Auf Sein Wort ist Verlass, die Gedanken jener Positivdenker hingegen sind wie Seifenblasen, die früher oder später an der Realität zerplatzen werden. Wer seinen Glauben allein auf positives Denken baut, wer glaubt Christen sei Reichtum versprochen, wer meint, Christen würden nie Krank oder falls doch, müsse man nur seine Gesundheit in Existenz zu sprechen, der ist einer Lüge aufgesessen, die Bibel lehrt so etwas nicht. Sowohl den Anhängern, als auch den Verkündigern des Wohlstands-Evangeliums wird es so ergehen, wie es Jesus im Gleichnis vom Sämann gesagt hat, als ER sprach: „Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört, und die Sorge der Zeit und der Betrug des Reichtums ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht“ (Mt 13,22).

Doch was wird dadurch deutlich? Was bedeutet es, wenn das Wort bei Menschen nicht aufgeht, wenn es keine Frucht bringt? Jesus gibt uns gegen Ende der Bergpredigt die Antwort, wenn ER sagt: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Liest man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? So bringt jeder gute Baum gute Früchte, aber der faule Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, noch kann ein fauler Baum gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Deshalb, an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter! (Mt 7,17-21)

Sehr Beachtliches können sie aufweisen, bis hin zu Weissagungen, Wunderwerken und Dämonenaustreibungen, nur eines fehlt ihnen, und das ist die Frucht in Form von Glaubensgehorsam gegenüber dem Wort Gottes. Darum bezeichnet sie Jesus als Übeltäter, in anderen Übersetzungen werden sie auch als Gesetzlose bezeichnet, wodurch deutlich wird, sie haben das Gesetz Gottes nicht in ihrem Herzen, sie haben sein Wort erstickt, und stattdessen ihre eigenen Lehren aufgerichtet. Lehren, bei denen es nur um ihre persönlichen Annehmlichkeiten geht. Nur darum, im Hier und Jetzt so viel wie möglich abzusahnen. Und so wundert es nicht, in welchem Luxus so mancher Wohlstandsevangelist badet. Doch genau dies entlarvt solche Menschen als falsche Propheten, vor denen es sich zu hüten gilt. Auch wenn ihre Worte noch so schön klingen, es sind eben doch nur leere Versprechen, die nicht auf das Wort Gottes, sondern auf die Überlegungen ihrer eigenen Herzen, gegründet sind.

Abschließend zu diesem Punkt, sei also noch einmal erwähnt, dass uns durch die Schrift nur die Dinge, die wir zu täglichen Leben benötigen versprochen sind. Nicht mehr und nicht weniger beinhaltet die Bitte: „Unser tägliches Brot gib uns heute!“. Es geht um die Versorgung mit den lebensnotwenigen Dingen, nicht um Überfluss, so dass wir auf die Idee kommen könnten, uns wie der reiche Kornbauer zu sagen: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Güter und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!
Doch wie geht dieses Gleichnis weiter, lobt Jesus diesen Mann? Sagt ER Seinen Jüngern etwa: „Wenn ihr mir nachfolgt, dann wird es nicht lange dauern, bis auch ihr nicht mehr wisst, wohin mit eurem großen Reichtum!“? Nein, das ist nicht die Lehre dieses Gleichnisses, im Gegenteil, Jesus sagt: Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, was du bereitet hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott (Lk 12,17-12). Wir sind nicht dazu erlöst worden, um uns hier auf Erden Schätze zu sammeln, sondern um uns an das Wort des HERRN zu halten, das uns diesbezüglich folgendes sagt: Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen (Mt 6,20). Und wie gesagt, wenn wir zuerst nach dem Reich Gottes und Seiner Gerechtigkeit trachten, wird uns alles andere zuteil, was wir zum Leben benötigen. Einen besseren Tausch können wir nicht machen, als die Sache Gottes zur höchsten Priorität in unserem Leben machen, um uns im Gegenzug darauf verlassen zu können, dass ER sich um unsere alltäglichen Belange kümmern wird. ER hat versprochen uns täglich mit allem Notwendigen zu versorgen. Was für eine unfassbare Güte, was für eine Motivation fürs Gebet und wie viel Grund zur Dankbarkeit.

 

Quellangabe
1. Martyn Lloyd-Jones - Bergpredigt. Band 2: "Unser Vater im Himmel..." S.79

 

www.evangeliums-botschaft.de

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