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3. Dein Reich komme

26.08.2018

 

Darum sollt ihr so beten:
Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Matthäus 6,9-13

 

Auch bei der zweiten Bitte, die da lautet: "Dein Reich komme", geht es ausschließlich um die Belange des Vaters. Aber nicht nur dies ist offensichtlich, sondern auch die Tatsache, dass sie die logische Folge der ersten Bitte ist. Denn sie knüpft direkt an die erste Bitte an; entspricht es nämlich wirklich dem aufrichtigen Herzenswunsch, dass der Name Gottes geheiligt wird, ist dies der naheliegende Gedanke, der sich aus der Bitte: „Geheiligt werde dein Name“, ergibt. Denn wo wird denn dem heiligen Gott uneingeschränkt die Ehre zuteil, die IHM zusteht? Ohne Frage, in Seinem Reich. In Seinem Reich ist die Frage der Macht geklärt, in Seinem Reich besteht kein Zweifel, wer das Sagen hat und wer auf dem Thron sitzt. In Seinem Reich ist IHM alles untertänig, da gibt es keine Spur von Auflehnung und Rebellion gegen Seinen Willen. Somit wird IHM uneingeschränkt die Ehre zuteil, die IHM als Schöpfer und Erhalter aller Dinge zusteht. Mit der Bitte: „Dein Reich komme!“, bringt der Beter Seinen Wunsch zum Ausdruck, dass Gott Seine Herrschaft sichtbar antritt. Was auch dem Wunsch entspricht, der am Ende der Offenbarung zu finden ist. Denn da kündigt Jesus den Seinen an: „Ja, ich komme bald“. Doch wie ist die Reaktion? Kommt hier etwa die Antwort: „HERR lass Dir ruhig Zeit!“, heißt es etwa: „Der Himmel kann warten?“ Nein, die Antwort lautet: „Amen, komm, Herr Jesus!“ (Offb 22,20).

Wenn wir uns dies bewusst machen, dann stellt sich natürlich die Frage, ob dies wirklich unserem Wunsch entspricht? Man kann nicht beten „Dein Reich komme!“, und sich hier zugleich so heimisch fühlen, dass man eher diese „der Himmel kann warten“-Mentalität hat. Ist es uns bewusst, dass wir hier nur Pilger und Fremdlinge sind? (vgl. 1.Petr 2,11). Können wir uns als Menschen sehen, die hier keine bleibende Stadt haben? So wie wir es im Hebräerbrief lesen, wenn gesagt wird. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir (Hebr 13,14). Haben wir diese Sehnsucht nach der zukünftigen Herrlichkeit, so dass wir uns quasi nur als Durchreisende sehen oder gehen wir voll im Hier und Jetzt auf? Die Frage ist, wo ist unser Schatz? Sammeln wir uns Schätze hier auf Erden oder Schätze im Himmel? Ich denke gerade, weil es uns hier so gut geht, stehen wir in der Gefahr, mehr auf die irdischen, als auf die himmlischen Güter ausgerichtet zu sein. Wir haben uns hier so gut eingerichtet, dass wir vielleicht tatsächlich Gefahr laufen, nur leere Worte aufzusagen, wenn wir die Bitte: „ Dein Reich komme!“, aussprechen. Doch wenn selbst Christen in dieser Gefahr stehen, wenn selbst ihnen gesagt werden muss: „Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist!“ (Kol 3,2), wie kann dieses Gebet dann dazu geeignet sein, es jedermann in den Mund zu legen? Wenn wir sehen welche Tiefe diese Aussagen haben, dann wird deutlich, ein Mensch, der Jesus Christus die Herrschaft über sein Leben verweigert, kann unmöglich solche Bitten formulieren, zumindest nicht aus wahrer Überzeugung und aus reinem Herzen, sondern nur in Form leerer Phrasen. Doch das war nie die Absicht, die Jesus hier verfolgt hat, sondern im Gegenteil, es war genau das, wovor ER ausdrücklich gewarnt hat, ehe ER Seinen Jüngern dieses Gebet gelehrt hat.

„Dein Reich komme“, bringt die tiefe Sehnsucht zum Ausdruck, dass der HERR Seine Herrschaft antrifft, indem ER Sein Reich sichtbar aufrichtet. Wer diese Bitte vor Gott bringt, der drückt damit aus, dass er der Wiederkunft des HERRN entgegenfiebert. Doch warum haben die ersten Christen das Reich Gottes so innig herbeigesehnt? Ich denke es lag daran, dass ihnen der Glaube sehr viel abverlangt hat. Sie mussten sehr viel erdulden um ihres Glaubens willen. Sie wurden verfolgt, sie wurden bedrängt, sie wurden benachteiligt und diskriminiert, doch was war ihre Haltung? Warum haben sie ihrem Glauben nicht einfach abgeschworen und irgendwie versucht, sich in dieser Welt zu arrangieren? Sie hätten sich viel Leid ersparen können wenn sie es, so wie heute vielfach üblich, mit dem Wort Gottes nicht ganz so genau genommen hätten. Dennoch blieben sie standhaft und haben die Wahrheit des Evangeliums nicht preisgegeben. Doch was war ihre Motivation, worauf haben sie gehofft und vertraut? Paulus bringt es in Römer 8,18 auf den Punkt, wenn er sagt: Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Die Hoffnung auf das zukünftige Reich war ihre Motivation durchzuhalten. Wenn sie um sich herum nichts mehr sahen, das ihnen Hoffnung oder Halt geben konnte, dann konnten sie sich mit dieser Hoffnung in dem HERRN ihrem Gott stärken (vgl. 1.Sam 30,6). Sie sahen in der Schmach Christi einen weitaus größeren Reichtum, als  in den vergänglichen Schätzen dieser Welt. Ihren Schatz hingegen konnte ihnen niemand nehmen, denn der war im Himmel sicher für sie aufbewahrt. Letztlich ist es diese Sichtweise, die unser Herz bewegen sollte, um die Bitte: „Dein Reich komme!“, auszusprechen. Doch wie sollte ein Mensch, der nur auf das Irdische gesinnt ist, solche Worte aussprechen können? Nichts könnte unpassender sein, und dennoch beten so viele dieses Gebet, ohne sich darüber im Klaren zu sein, was für eine Bitte sie damit vor Gott bringen. Menschen, die sich nicht der Herrschaft Gottes unterordnen wollen, sollten niemals so unbedachte Worte an Gott richten. Doch auch Christen sollten ihre Gesinnung immer wieder prüfen und ihr Denken anhand der Schrift korrigieren lassen.

Dazu ein weiteres Zitat von Martyn Lloyd-Jones, er schreibt: Wir können doch nicht die Bibel lesen, ohne zu der Schlussfolgerung zu kommen, dass der große Unterschied zwischen den Weltmenschen und Gottes Volk ist, dass Christen immer in dem Bewusstsein ihrer ewigen Bestimmung gelebt haben. Der natürliche Mensch steht seiner ewigen Bestimmung gleichgültig gegenüber. Für ihn ist dies die einzige Welt. Er denkt nur an sie, er lebt für sie und wird von ihr bestimmt. Der Christ dagegen geht durch dieses Leben auf der Erde in dem Bewusstsein, dass es nur eine Durchgangsphase ist, sozusagen eine Vorschule. Er sollte sich immer der Gegenwart Gottes bewusst sein und der einstigen Begegnung mit ihm. Dieser Gedanke sollte sein ganzes Leben bestimmen und kontrollieren. 1

Doch nun ein paar Worte an die Weltmenschen. Ob es ihnen bewusst ist oder nicht, ihr Wunsch kann es unmöglich sein, dass das Reich Gottes kommt, denn in diesem Reich ist kein Raum für Auflehnung und Rebellion gegen Gott, in diesem Reich ist IHM alles untertänig. Somit ist das Reich Gottes der Kontrast zu dieser gefallenen Welt. Einer Welt, in der Satan, der im Wort Gottes klar als der Fürst dieser Welt deklariert wird, die Menschheit an der Nase herumführt. Die Lüge, die er der Menschheit aufgetischt hat, ist der irrige Gedanke, dass die Unabhängigkeit von Gott das höchst erstrebenswerteste Ziel sei. Weit weg von Gottes Geboten und Gottes Ordnungen, so der Trugschluss, sei der beste Platz für die Entfaltung der menschlichen Seele. Menschen, die diese Lüge mehr lieben als die Wahrheit, dürfen sich einst nicht beklagen, wenn ihr endgültiges Schicksal, die ewige Gottesferne sein wird. Sie haben nur das bekommen, was dem sehnlichsten Wunsch ihres Herzens entsprach. Sie waren ein Lebenlang auf die größtmögliche Distanz zu Gott aus, und genau dieser Platz, ein Platz in äußerster Gottesferne, wird ihnen einst zugewiesen. 

Letztlich jagten sie ihr Leben lang hinter leeren Versprechen und unerfüllten Wünschen nach. Spätestens mit dem Tod wird alles wie eine Seifenblase zerplatzen. Die eigentliche Sehnsucht ihres Herzens wurde nie erfüllt, denn sie haben in ihrer Verblendung nicht erkannt, dass die einzig wahre Erfüllung in der ungetrübten Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn besteht. Denn letztlich kann die tiefste Sehnsucht im Herzen eines Menschen weder durch die Beziehung zu einem anderen Menschen, noch durch den Besitz von materiellen Gütern erfüllt werden. Denn der Mensch ist für die Gemeinschaft mit seinem Schöpfer geschaffen. Nur darin kann er die höchste Erfüllung finden. So schreibt es auch der Apostel Johannes, wenn er sagt: Wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist -, was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und das schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei (1.Joh 1,2-4).

Johannes schreibt von vollkommener Freude, doch worin ist diese begründet? Der Text gibt uns die Antwort: In der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn. Das ist der Schlüssel zu ungetrübter vollkommener Freude, und das wird es sein, was den Himmel ausmachen wird. Nichts mehr wird trennend zwischen dem Vater und Seinen Kindern stehen, denn die Sünde wird endgültig ausgelöscht sein. Hier auf Erden wird diese Freude oftmals getrübt, insbesondere dann, wenn die Gemeinschaft zwischen einem Kind Gottes und dem Vater durch Sünde zerstört wird. Weil Sünde die Gemeinschaft mit den Vater durchtrennt und sich das Kind Gottes dadurch von der Quelle seiner Glückseligkeit abschneidet. Daher ist für ein Kind Gottes nichts schmerzlicheres, als das Bewusstsein, Gott durch einen Fehltritt betrübt und verletzt zu haben. Ein Kind Gottes kann in diesem Fall nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen und so tun, als sei nichts weiter passiert. Im Gegenteil, es wird ihm ergehen, wie einst König David, der sagte: Denn als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird. - Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde. - Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten zur Zeit der Angst (Ps 32,3-5).

Der Gläubige hat bei der Wiedergeburt ein neues Herz bekommen, so dass er wirklich den Wunsch hat, Gott zu gefallen. Er strebt nach Heiligung und hat das Ziel, die Gebote Gottes zu halten, doch dies nicht, weil er sich einredet, er könne sich dadurch das Heil verdienen, sondern weil er den liebt, der ihn zuerst geliebt hat. Den, der Sein Leben für ihn gab, um ihn von der Herrschaft der Sünde zu befreien und die Schuld zu sühnen, die einst zwischen ihm und dem heiligen Gott stand. Doch es gibt noch ein anderes Gesetz im Gläubigen, das ihm schwer zu schaffen macht, und das ist die Tatsache, dass er noch in diesem sterblichen Leib ist. Paulus sagt hierzu: Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? (Röm 7,24). Doch wo sah Paulus das Hauptproblem mit seinem Leib? Er gibt uns selbst die Antwort, indem er wenige Verse zuvor sagt: Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. So finde ich nun das Gesetz, dass mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist (Röm 7,19-23).

Paulus erkannte also zwei Gesetze in sich, zum einen, der innige Wunsch und das tiefe Verlangen, ein gottwohlgefälliges Leben zu führen, doch dann nahm er noch etwas Anderes wahr, und das war das Gesetz der Sünde, das in seinen Gliedern war. Jesus hat diese Wahrheit mit einem einzigen Satz auf den Punkt gebracht, als er sprach: Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach (Mk 14,38). Man beachte, diese Worte waren an Seine Jünger gerichtet. Über einen Weltmenschen würde weder Jesus noch Paulus sagen, dass er willig sei, nach den Geboten Gottes zu leben. Vielmehr ist die Lehre der Schrift: Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt (Röm 3,11). Was Paulus also in Römer 7 beschrieben hat, ist der Kampf des Glaubens. Wer glaubt, der Christ hätte mit dem Kapitel Sünde völlig abgeschlossen, ist einem schwärmerischen Irrtum erlegen. Denn der Kampf gegen die Sünde endet nicht mit der Wiedergeburt, im Gegenteil, mit der Wiedergeburt beginnt dieser Kampf. Es ist allein der Wiedergeborene, der unter seiner sündhaften Natur leidet. Es ist der Gläubige, der dem Urteil Gottes über die gefallende menschliche Natur zustimmt. Er ist es, der seine geistliche Armut wahrnimmt und sich seiner Abhängigkeit von seinem HERRN bewusst ist. Wir müssen also realisieren, dass uns dieser Kampf gegen die Sünde verordnet ist. Ein Kampf, den ein Weltmensch nicht kennt, da er sich mit der Sünde arrangiert hat. Während einen Gläubigen nichts mehr betrüben kann, als die Sünde im eigenen Leben, während er dagegen ankämpft, sieht ein Ungläubiger seine Erfüllung und sein Lebensglück in der Sünde. Trauriger weise sieht der gefallene Mensch im Übertreten der göttlichen Gebote seine Freiheit, in Wahrheit jedoch ist er ein Sklave der Sünde. Letztlich liebt er genau das, was ihn zerstört, denn nichts ist selbstzerstörerischer als die Sünde.

Soweit also dieser Gegensatz zwischen den Kinder Gottes und den Kindern dieser Welt, doch nun zu dem, worauf ich hinauswill, und das ist folgende Aussage aus Römer 8: Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden - nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat - auf Hoffnung hin dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit frei gemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst und erwarten die Sohnschaft; die Erlösung unseres Leibes (Röm 8,20-23).

Paulus wollte erlöst werden von dem Leib des Todes, weil es seine große Sehnsucht war, völlig frei von Sünde zu sein. Genau dies wird der Fall sein, wenn ein Christ seinen Auferstehungsleib bekommen wird. Bislang hat der Gläubige quasi eine Anzahlung auf seine Erlösung bekommen, er hat die Erstlingsgabe des Geistes. Er ist versiegelt mit dem Heiligen Geist, der ein Unterpfand auf seine vollständige Erlösung ist (vgl. 2.Kor 1,22; Eph 4,30). Die Bitte: „Dein Reich komme“, bringt den Wunsch nach ungetrübter Gemeinschaft mit Gott zum Ausdruck, und diese werden wir im vollen Umfang erleben, wenn der HERR Sein Reich sichtbar aufrichten wird. Die Bitte: „Dein Reich komme!“, ist die tiefe Sehnsucht, endgültig und vollständig von der Macht der Sünde befreit zu sein, so dass sich kein Muskel und kein einziger Gedanke mehr gegen Gott auflehnt, sondern alles im völligen Einklang mit Seinem Willen steht. Und das ist letztlich die Hoffnung der Gläubigen, die der Apostel Johannes wie folgt beschreibt: Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist (1.Joh 3,2). Das also ist das Reich Gottes in vollendeter Form, es ist, wenn Jesus Seine Herrschaft antreten wird und alle Seine Nachfolger IHM gleich sein werden. Erst dann wird der Prozess der Heiligung vollkommen abgeschlossen sein. Und alle die auf Christus vertraut haben werden IHN sehen, wie ER ist; also von Angesicht zu Angesicht. Noch ist dies nicht verwirklicht, denn noch ist alles auf Hoffnung ausgerichtet, denn es ist wie Paulus sagt: Auf Hoffnung hin sind wir gerettet worden. Eine Hoffnung aber, die gesehen wird, ist keine Hoffnung. Denn wer hofft, was er sieht? (Röm 8,24).

Doch es gibt noch einen weiteren Aspekt, der in dieser Bitte zum Ausdruck kommt, und der ist darin zu sehen, dass das Reich Gottes da beginnt, wo ein Mensch sich der Herrschaft des Königs unterwirft. Denn an diesem Punkt beginnt das, was einst vollendet wird, wenn das Reich Gottes sichtbar erscheinen wird. Darum sagte Jesus auch: „Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch!“ (Lk 17,21). Und an anderer Stelle sagte ER über Seine Jünger, dass sie nicht von dieser Welt seien. Mit anderen Worten: Jeder Gläubige ist bereits im Hier und Jetzt schon ein Himmelsbürger, denn er richtet sein Leben schon jetzt nach den göttlichen Ordnungen aus. Über den Gesetzen  und Erwartungen dieser Welt, stehen für jedes wahre Kind Gottes, die königlichen Gesetze des Himmelreichs. Betet man: „Dein Reich komme!“, dann ist damit auch der Wunsch verbunden, dass sich das Reich Gottes hier auf Erden ausbreitet, indem es immer mehr Menschen werden, die sich der Herrschaft Gottes unterstellen. Die nächste Bitte, die darauf aufbaut, ist somit nur die logische Konsequenz, die sich daraus ergibt. Denn fragt man sich, was das Merkmal im Gottes Reich ist, so ist es eindeutig die Tatsache, dass Gott den Platz hat, der IHM zusteht, und das ist der Thron. Im Himmelreich macht niemand Gott Seine Herrschaft streitig, da gibt es keine Rebellion gegen Seine Ordnungen, ER allein ist es, der in Seinem Reich das Sagen hat. Demzufolge können auf die Bitte: „Dein Reich komme“, logisch betrachtet nur die Worte: „Dein Wille geschehe“, folgen, wobei die Aussage „wie im Himmel so auf Erden!“ nichts anderes ist, als der Wunsch, das der himmlische Standard, nämlich der bedingungslose Gehorsam gegenüber Gott, auch zum irdischen Standard wird.

Mehr dazu in der Fortsetzung dieser Beitragsreihe.

 

 

Quellangabe:
1. Martyn Lloyd-Jones - Bergpredigt. Band 2: "Unser Vater im Himmel..." 2. S. 180-181

 

 


 

 

Beitragsempfehlung: Was es bedeutet für Gott zu leben

 

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