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Zeichen und Wunder I

Veröffentlicht am 26.10.2015

Vor allem in pfingstlerischen- und charismatischen Kreisen ist die Meinung weit verbreitet, dass es Gottes Absicht sei, Menschen durch Zeichen und Wunder zum Glauben zu führen. Man meint, wenn große Wunder geschehen, dann würden sich die Leute scharenweise bekehren und zum lebendigen Glauben kommen. Rein aus menschlicher Sicht, ist diese Denkweise durchaus nachvollziehbar, doch die Frage ist, sieht es Gott auch so? Sind Zeichen und Wunder tatsächlich das von IHM vorgesehene Mittel, um Menschen zum rettenden Glauben zu führen? 

Um dieser Frage nachzugehen, wollen wir zunächst einmal kurz auf die Geschichte des Volkes Israel zurückblicken. Ausgangspunkt hierbei ist eine gute Zusammenfassung, die wir in Pslam 78 finden. Hier sind es insbesondere die Verse 10-11, die uns aufhorchen lassen sollten, in denen überraschenderweise nicht gesagt wird: Sie hielten den Bund Gottes und wollten in Seinem Gesetz wandeln, weil sie Seine Taten und Seine Wunder, die ER ihnen erwiesen hatte, nicht vergaßen. Sondern im Gegenteil, hier steht geschrieben: Sie hielten den Bund Gottes nicht und wollten nicht in seinem Gesetz wandeln und vergaßen seine Taten und seine Wunder, die er ihnen erwiesen hatte.

Ist das nicht erstaunlich? Hier ist von einer Generation die Rede, die fast täglich spektakuläre Wunder erlebt hatte, und trotzdem wird uns gesagt, dass sie den Bund Gottes verwarfen und all Seine gewaltigen Taten und Wunder vergaßen. Trotz all der gewaltigen Zeichen, die sie mit eigenen Augen gesehen hatten, wollten sie nicht nach Seinem Gesetz wandeln. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, was für erstaunliche Zeichen und Wunder Gott durch Mose vollbracht hatte. Schauen wir uns dazu mal die Verse 42-53 an, in denen der Psalmist die Taten Gottes wie folgt zusammenfasst: Sie dachten nicht an die Taten seiner Hand, an den Tag, als er sie erlöste von den Feinden, wie er seine Zeichen in Ägypten getan hatte und seine Wunder im Lande Zoan; als er ihre Ströme in Blut verwandelte, dass sie aus ihren Flüssen nicht trinken konnten; als er Ungeziefer unter sie schickte, das sie fraß, und Frösche, die ihnen Verderben brachten, und ihr Gewächs den Raupen gab und ihre Saat den Heuschrecken; als er ihre Weinstöcke mit Hagel schlug und ihre Maulbeerbäume mit Schloßen; als er ihr Vieh preisgab dem Hagel und ihre Herden dem Wetterstrahl; als er die Glut seines Zornes unter sie sandte, Grimm und Wut und Drangsal, eine Schar Verderben bringender Engel; als er seinem Zorn freien Lauf ließ / und ihre Seele vor dem Tode nicht bewahrte und ihr Leben preisgab der Pest; als er alle Erstgeburt in Ägypten schlug, die Erstlinge ihrer Kraft in den Zelten Hams. Er ließ sein Volk ausziehen wie Schafe und führte sie wie eine Herde in der Wüste; und er leitete sie sicher, / dass sie sich nicht fürchteten; aber ihre Feinde bedeckte das Meer. 

Das ist doch gewaltig, Gott hatte Sein Volk mit mächtiger Hand aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Trockenen Fußes waren sie mitten durchs Meer gezogen, doch kaum hatten sie das andere Ufer erreicht, flossen die Wassermassen wieder zurück und überfluteten ihre Verfolger. Dieselben Wassermassen, die Gott zuvor wie eine feste Mauer neben sie gestellt hatte, wurden zum Grab ihrer Verfolger. Der stolze Pharao und sein gesamtes Kriegsheer wurden bis auf den letzten Mann vernichtet, und das einstige Sklavenvolk war mit einem Schlag von seinen Unterdrückern befreit. Darüber hinaus leitete ER sie tagsüber durch eine Wolkensäule und bei Nacht durch eine Feuersäule. Er spaltete die Felsen in der Wüste und tränkte sie mit Wasser in Fülle; er ließ Bäche aus den Felsen kommen, dass sie hinabflossen wie Wasserströme (vgl. 15-16). Dazu wurde dieses Volk auf übernatürliche Weise mit Manna ernährt. Der Bibeltext sagt: Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen (V 24).

Ja, Gott ist wirklich groß und ER ist ohne jeglichen Zweifel ein Gott, der Wunder tut. Doch die Frage ist, was will ER mit diesen Wundern bezwecken? Besteht Seine Absicht wirklich darin, durch Zeichen und Wunder Menschen zum Glauben zu führen? Nun, wenn dem so sein sollte, wie ist dann die Reaktion der Israeliten zu erklären? Bei ihnen war ja der gewünschte Erfolg ausgeblieben. Sie hatten ja all diese spektakulären Zeichen und Wunder erlebt und waren offensichtlich trotz dieser übernatürlichen Ereignisse nicht zum Glauben gekommen.

Natürlich sind wir damit im Alten Testament und darum könnte vielleicht der Einwand kommen, dass dieses Beispiel für uns, die wir im Zeitalter der Gemeinde leben, nicht relevant sei. Doch diesem Argument, nimmt Hebräer 3,15-19 sofort den Wind aus den Segeln, denn da wird genau auf diese Generation Bezug genommen. Wenn es heißt: »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht, wie es bei der Verbitterung geschah« wer hat sie denn gehört und sich verbittert? Waren's nicht alle, die von Ägypten auszogen mit Mose? Und über wen war Gott zornig vierzig Jahre lang? War's nicht über die, die sündigten und deren Leiber in der Wüste zerfielen? Wem aber schwor er, dass sie nicht zu seiner Ruhe kommen sollten, wenn nicht den Ungehorsamen? Und wir sehen, dass sie nicht dahin kommen konnten wegen des Unglaubens.

Kann es einen deutlicheren Schriftbeleg dafür geben, dass Zeichen und Wunder nicht zwingend zum Glauben führen? Denn das Fazit lautet nicht, dass sie alle gläubig wurden, sondern vielmehr werden sie als ungehorsam und ungläubig bezeichnet. Also das genaue Gegenteil, statt Glaube und Gehorsam, Unglaube und Ungehorsam. Wer also behauptet, Gott würde Zeichen und Wunder gebrauchen, um Menschen zum Glauben zu führen, der unterstellt, dass der allwissende, unfehlbare, allmächtige, Gott, einen Fehler gemacht hat. Schließlich war ja diese Generation ein Paradebeispiel von Menschen, die buchstäblich tagtäglich, gewaltige Zeichen und Wunder erlebten und dennoch führte es nicht zum scheinbar beabsichtigten Ziel.

Aber wie kann das sein, wo ER doch unfehlbar und allmächtig ist? Ganz einfach, weil dies nie der eigentliche Sinn und Zweck der Zeichen und Wunder war. Doch wie komme ich darauf? Auch das ist einfach zu beantworten, ich komme darauf, weil es uns in Gottes Wort gesagt wird. Wir haben ja eben einige Verse von Psalm 78 betrachtet, doch gehen wir nur einen Psalm zurück, finden wir dort folgende Aussage: Du bist der Gott, der Wunder tut, du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern (Ps 77,15). 
Und damit haben wir die Antwort, Gott setzt Zeichen und Wunder nicht dazu ein, Menschen vom Glauben zu überzeugen, sondern um allen Völkern Seine Macht zu beweisen. Zeichen und Wunder sind also eine Demonstration von Gottes unbegrenzter Macht, sie dienen ausschließlich zu Seiner Verherrlichung und Seiner Ehre und es liegt allein in Seiner Hand, wann und wo ER sie einsetzt. 

Wenn wir dann etwas weiter gehen in der Geschichte Israels, sehen wir, dass die Völker diese Machtdemonstration durchaus wahrgenommen haben. Denken wir nur an die Einnahme der Stadt Jericho. Als die Hure Rahab die israelischen Kundschafter bei sich aufnahm, sagte sie zu ihnen: Wir haben gehört, wie der HERR das Wasser im Schilfmeer ausgetrocknet hat vor euch her, als ihr aus Ägypten zogt, und was ihr den beiden Königen der Amoriter, Sihon und Og, jenseits des Jordans getan habt, wie ihr an ihnen den Bann vollstreckt habt. Und seitdem wir das gehört haben, ist unser Herz verzagt und es wagt keiner mehr, vor euch zu atmen; denn der HERR, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf Erden (Jos 2,10-11).

Nachdem wir uns damit beschäftigt haben, dass echter Glaube nicht durch Zeichen und Wunder gewirkt wird, wollen wir die Frage, wie denn nun echter Glaube entsteht, natürlich nicht unbeantwortet lassen. Wir finden die Antwort in Römer 10,17, da heißt es: So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.
Natürlich bedeutet das nicht, dass jeder Mensch, der das Evangelium hört, automatisch gläubig wird, aber es macht deutlich, dass die Verkündigung des Wortes, die Voraussetzung dafür ist. Jesus selbst hat es mit dem Prinzip von Saat und Ernte verglichen. Nur da, wo wirklich das unverfälschte Evangelium gesät wird, kann mit der Frucht echten Glaubens gerechnet werden. Dies hat Jesus im Gleichnis vom Sämann sehr gut verdeutlicht. Und weil das Wort der gute Same ist, lautet der Missionsbefehl auch nicht, gehet hin und heilt alle Kranken, sondern: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! (Mk 16,15)

Es geht also weder darum, die Menschen durch spektakuläre Wunder zu beeindrucken, noch darum sie zu unterhalten, sonder es geht um die Botschaft von der Versöhnung mit Gott. Es geht um die Botschaft vom Kreuz. Eine Botschaft, über die Gottes Wort uns sagt: Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft (1.Kor 1,18). Und wie eindeutig der Apostel Paulus auf diese Botschaft vom Kreuz gesetzt hat, machen folgende Worte deutlich: Und weil denn Juden Zeichen fordern und Griechen Weisheit suchen, predigen wir Christus als gekreuzigt, den Juden ein Ärgernis und den Nationen eine Torheit; den Berufenen selbst aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit (1.Kor 1,22-24).

Hier sehen wir, wie sehr sich Paulus auf die reine, klare Verkündigung des Evangeliums verlassen hat. Er kam nicht mit überredenden Worten (vgl 1.Kor 2,4) und hatte auch kein Gemeindewachstumskonzept. Er ging auch nicht auf die Wünsche seiner Zuhörer ein, sondern verkündigte unbeirrt, die Botschaft vom Kreuz. Wir wissen, dass durch Paulus tatsächlich viele ungewöhnliche Wunder geschehen sind (Apg 19, 11-12), und dennoch ging er nicht auf die Juden ein, die Zeichen von ihm forderten, sondern setzte allein auf die Kraft Gottes, die sich in der Botschaft vom Kreuz erweist. Paulus wusste: Gott steht zu Seinem Wort, er wusste, es wird nicht leer zurückkommen (vgl Jes 55,11). Die Frage ist, wissen wir das auch noch?
Oder anders gefragt, mit welchen Erwartungen besuchen wir einen Gottesdienst oder eine Glaubenskonferenz? Sind wir auf ein geistliches Spektakel aus, wollen wir etwas Spektakuläres erleben, oder sind wir wirklich am Wort des Lebens interessiert?

Denken wir nur an die Brotvermehrung, tausende Menschen waren begeistert und hatten Lust auf mehr. Doch als Jesus über die geistliche Bedeutung der Brotvermehrung sprach und statt Faszination und Spektakel christliche Lehre auf dem Programm stand, da ist die Stimmung der breiten Masse plötzlich gekippt. Nein, dafür hatten sie kein offenes Ohr, stattdessen sprachen sie: Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? (Joh 6,30)
Unfassbar oder? Sie hatten doch einen Tag zuvor erlebt, wie Jesus vor ihren Augen 5 Gerstenbrote und 2 Fische auf übernatürliche Weise vermehrt hatte, so dass ca. 5000 Männer (Frauen und Kinder nicht mitgerechnet) satt wurden und danach sogar noch 12 Körbe übrig waren. Anschließend waren sie so begeistert, dass sie sagten: „Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll“ (Joh 6,14), doch bereits einen Tag später war die Anfangseuphorie auch schon wieder verflogen. Einen Tag später forderten sie wieder ein Zeichen. „Damit wir sehen und glauben“, so die Begründung und hier haben wir ihr großes Missverständnis, sie wollten sehen, um zu glauben, doch für echte Nachfolger gilt: Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen (2.Kor 5,7).

Der echte Glaube sagt: Dein Wille geschehe. Echter Glaube spricht wie die Freunde Daniels: Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns erretten; aus dem glühenden Ofen und aus deiner Hand, o König, kann er erretten. Und wenn er's nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild, das du hast aufrichten lassen, nicht anbeten wollen (Dan 3,17-18).
Doch davon war die wundersüchtige Menge weit entfernt, stattdessen lesen wir: Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? (Joh 6,60). Und ein paar Verse weiter heißt es dann sogar: Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm (V 66). 

Und was macht Jesus, rennt ER ihnen nach, zaubert ER für sie ein paar Kaninchen aus dem Hut, oder spendiert ER statt Brot und Fisch, Schnitzel mit Pommes?
Nein, all das passiert nicht, stattdessen wendet ER sich Seinen Jüngern zu und fragt: „Wollt ihr auch weggehen?“ (V 67)
Und dann kommt die alles entscheidende Gegenfrage: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes (V 68-69).
Den Jüngern ging es nicht um die Wunder, sondern um die Person. Sie liebten Jesus nicht wegen Seiner übernatürlichen Kraft, sondern um Seiner selbst willen. Jesus war für sie kein Dienstleister, sondern ER war ihr Freund und was ER ihnen zu sagen hatte, war ihnen wichtig. Sein Wort hatte für sie Bedeutung, sie hatten erkannt, dass ER Worte des ewigen Lebens hat (vgl. Joh 6,68). Der Masse hingegen, ging es nur um das Hier und Jetzt, sie wollten jetzt ein Wunder erleben. Das Wunder der Brotvermehrung war für sie bereits Schnee von gestern.

So hat uns auch dieses Beispiel gezeigt, dass Wunder nicht zwangsläufig zum Glauben führen. Diese Leute haben die Brotvermehrung miterlebt und doch forderten sie ein weiteres Zeichen um glauben zu können. Interessanterweise gibt es hier auch eine Parallele zum eingangs erwähnten Beispiel mit dem Volk Israel. Das Volk war ja während der Wüstenwanderung auf übernatürliche Weise durch Manna ernährt worden und genau darauf kamen sie zurück, als sie ein weiteres Zeichen von Jesus forderten: Unsre Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen (Joh 6,31).
Die Brotvermehrung war also nicht genug, um glauben zu können, Brot vom Himmel musste es schon sein, so wie es bei ihren Glaubensvätern der Fall war. Doch was die für einen Glauben hatten, haben wir ja eingangs gesehen. Es war diese Generation, über die gesagt wird: Über wen war Gott zornig vierzig Jahre lang? War's nicht über die, die sündigten und deren Leiber in der Wüste zerfielen? Wem aber schwor er, dass sie nicht zu seiner Ruhe kommen sollten, wenn nicht den Ungehorsamen? Und wir sehen, dass sie nicht dahin kommen konnten wegen des Unglaubens (Hebr 3,15-19).

Und Unglaube war auch hier das Ergebnis, und der Grund dafür war die Tatsache, dass diese Menschen nur auf Erlebnis und Erfahrung aus waren. Auf diesem Irrweg ist auch der charismatische Glaube vielfach unterwegs. Daher hat die Verkündigung eine völlig falsche Gewichtung. Die Botschaft der Rettung und Umkehr wird in den Hintergrund gedrängt. Und anstatt nach der Heiligung, und somit nach der Frucht des Geistes gestrebt wird, ist man hauptsächlich auf spektakuläre Gaben und übernatürliche Zeichen aus. Man sucht in Wahrheit nicht den HERRN, sondern eher den besonderen Kick. Es kommt kaum noch zu Überführung von Sünde, weil nur noch eine einseitige Botschaft der Liebe Gottes verkündet wird, bei der Seine heilende Kraft verkündet wird, wobei unerwähnt bleibt, dass wir Sünder von Gott in Seiner Heiligkeit getrennt sind und ohne Annahme der Vergebung auch getrennt bleiben. Anstatt um Buße und Abkehr von Sünden, geht es ausschließlich um geht es ausschließlich um körperliches Wohlbefinden Leben in dieser Welt. Egal welche Not ein Mensch hat, ob Krankheit, Armut oder was auch immer, alles was ihm gesagt wird, ist: „Komm zu Jesus und all deine Probleme werden gelöst“. Das größte Problem, nämlich die sündhafte Natur des Menschen, wird nicht angesprochen. Es geht nur um Lebenshilfe für dieses vergängliche Leben hier auf Erden, aber nicht mehr um die Errettung der unsterblichen Seele. Doch diese Errettung war der Grund, warum Jesus Mensch wurde und das ist die Hauptbotschaft des Evangeliums, so wie es Jesus selbst formulierte, als ER sprach: „Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“ (Lk 19,10).

Bei all dem wird auch übersehen, dass körperliche Leiden, ein vom HERRN verordnetes Mittel sind, um die Gläubigen in das Bild Jesu Christi umzugestalten. Wenn sogar über den Sohn Gottes geschrieben steht: Er lernte, obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam (Hebr 5,8), wie können dann Gläubige davon ausgehen, dass ihnen sämtliche Leiden erspart würden? Haben wir es denn nicht noch viel nötiger, den Gehorsam zu lernen, als der HERR? Gott der Vater verwöhnt Seine Kinder nicht, vielmehr steht geschrieben:  Mein Sohn, schätze nicht gering des Herrn Züchtigung, und ermatte nicht, wenn du von ihm gestraft wirst! Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt."  Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung: Gott behandelt euch als Söhne. Denn ist der ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und nicht Söhne. Alle Züchtigung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit (Hebr 12,5-8 +11).
Und im 1.Petrusbrief wird den Gläubigen gesagt: Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn; denn wer im Fleisch gelitten hat, der hat Ruhe vor der Sünde, dass er hinfort die noch übrige Zeit im Fleisch nicht den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes lebe (1.Petr 4,1-2).

Abschließend möchte ich Joni Eareckson-Tada zitieren, sie sagte sinngemäß: „Wir sehen in der körperlichen Heilung das Wichtigste, doch für Gott ist unsere Seele viel wichtiger“ 1
Würde ich, als körperlich gesunder Mensch, so etwas sagen, würde ein Kranker wohl denken, der hat leicht reden, doch ich habe diesen Satz nur zitiert, es sind die Worte von Joni, einer Christin, die vom Kopf an gelähmt ist und weder Arme noch Beine benutzen kann. Ihr ist etwas aufgegangen, was viele Christen bei all den Zeichen und Wundern, die Jesus vollbracht hat, gerne übersehen. Ihr ist aufgegangen, dass die Wunder nur eine Begleiterscheinung waren, Jesus hat ein Stück Himmel hier auf die Erde gebracht, doch Sein Hauptanliegen war es, Menschen von der Macht der Sünde zu befreien. In Markus 1, 34-38, ist dazu folgendes zu lesen: Und er (Jesus) half vielen Kranken, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren, und trieb viele böse Geister aus und ließ die Geister nicht reden; denn sie kannten ihn. Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort. Simon aber und die bei ihm waren, eilten ihm nach. Und als sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich.
Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Städte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.

Jesus kam also nicht in erster Linie, um zu heilen sondern um zu predigen. Denn wie schon festgestellt, der Glaube kommt nicht durch Zeichen und Wunder, sondern durch die Verkündigung des Evangeliums. Ich hoffe, es kommt jetzt nicht so rüber, als würde ich Wunder abwerten oder gar ablehnen. Das ist sicher nicht der Fall, es geht mir nur darum aufzuzeigen, dass es nicht Gottes Absicht ist, Menschen durch sensationelle Zeichen und Wunder zum Glauben zu führen. Das Entscheidende sind nämlich nicht spektakuläre Zeichen und Wunder sondern ein neues Herz denn dies ist das größte Wunder. Allein auf dieses übernatürliche Eingreifen Gottes kommt es an, wenn es um Errettung geht. Das wird auch im letzten Kapitel von Mose deutlich, da zieht Mose Resümee und sagt zum Volk: Ihr habt alles gesehen, was der HERR vor euren Augen in Ägypten dem Pharao und allen seinen Großen und seinem ganzen Lande getan hat, die gewaltigen Proben seiner Macht, die deine Augen gesehen haben, die großen Zeichen und Wunder. Und der HERR hat euch bis auf diesen heutigen Tag noch nicht ein Herz gegeben, das verständig wäre, Augen, die da sähen, und Ohren, die da hörten (5.Mo 29,1-3).

Ich bin also nicht gegen Wunder, sondern wollte nur klarstellen, dass es nicht auf Zeichen und Wunder ankommt sondern auf ein neues Herz. Es geht um eine neue Geburt, es geht darum, dass Gott einen geistlich Toten zu neuem Leben erweckt, und die Voraussetzung dafür ist, dass wir Christen das Evangelium weitergeben. Denn genau dadurch sind wir schließlich selbst zum Glauben gekommen. Aus diesem Grund wird uns im Petrusbrief gesagt: Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt (1.Petr 1,23).

Dass wirklich das geschriebene Wort das Entscheidende ist, macht auch der Apostel Johannes deutlich. Er schreibt am Ende seines Evangeliums: Noch viele andere Zeichen tat Jesus nun vor seinen Jüngern, die in diesem Buch nicht geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen (Joh 20,30-31).
Hier müssen wir genau auf den Wortlaut achten. Johannes sagt, diese Zeichen sind geschrieben, damit ihr glaubt. Er sagt also nicht, diese Zeichen geschehen (fortlaufend), damit ihr glaubt, sondern, dass sie schriftlich festgehalten wurden, damit wir glauben. Gott selbst hat dafür gesorgt, dass alles aufgeschrieben und bis in unsere Zeit erhalten blieb. Wir können die Bedeutung der Schrift gar nicht hoch genug einstufen, weil darin Gott selbst zu uns redet. Menschlich denken wir, wenn nur etwas Spektakuläres passieren würde, wenn beispielsweise ein Toter auferstehen würde, dann würden die Menschen bestimmt glauben, doch Jesus hat etwas anderes gelehrt, ER sagte: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten aufstünde (Lk 16,31). Zur Zeit Jesu lag nur das Alte Testament in schriftlicher Form vor, und ER sagte, wenn wir diesem Zeugnis der Schrift nicht glauben, dann glauben wir selbst dann nicht, wenn jemand von den Toten aufersteht. Das heißt nicht einmal so ein außergewöhnliches Wunder, wie eine Totenauferstehung, führt laut Jesus zu echtem Glauben. Es bleibt also dabei, so kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi (Röm 10,17).

Und dazu sollte man noch bedenken, dass unsere Generation nicht nur das Alte sondern auch das Neue Testament hat. Wenn also das Alte Testament schon Schriftbeleg genug ist, um zum rettenden Glauben zu finden, wie viel mehr das Gesamtzeugnis der Schrift, worin uns der ganze Ratschluss Gottes überliefert wurde (vgl. Apg 20,27, Kol 1,25-26), und weil uns mit dem Neuen Testament sogar noch mehr anvertraut ist, heißt es im Hebräerbrief:
Deswegen müssen wir umso mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa am Ziel vorbeigleiten. Denn wenn das durch Engel verkündete Wort fest war und jede Übertretung und jeder Ungehorsam gerechte Vergeltung empfing, wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Rettung missachten? Sie ist ja, nachdem sie ihren Anfang damit genommen hatte, dass sie durch den Herrn verkündet wurde, uns gegenüber von denen bestätigt worden, die es gehört haben, wobei Gott zugleich Zeugnis gab durch Zeichen und Wunder und mancherlei Machttaten und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen (Hebr 2,1-4).
Und auch hier sagt die Schrift nicht, Gott gibt Zeugnis durch Zeichen und Wunder, sondern Gott gab Zeugnis durch Zeichen und Wunder. 

Bei all dem bin ich dennoch überzeugt, dass Gott auch heute noch Kranke heilt, doch hier gilt Jakobus 5, 14-16: Ist jemand krank unter euch? Er rufe die Ältesten der Gemeinde zu sich, und sie mögen über ihm beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt nun einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet!
Dieser Text ermutigt nicht nur die Kranken dazu die Ältesten zu rufen, um mit sich beten zu lassen, sondern er enthält noch eine weitere Aufforderung, die leider häufig übersehen wird, und auf diese möchte ich kurz eingehen. Gerade in pfingstlerischen und charismatischen Kreisen erfreuen sich „sogenannte“ Heilungsgottesdienste großer Beliebtheit. Sehr schnell werden dabei allen die Hände aufgelegt, schnell wird der HERR um Heilung gebeten, doch eines wird dabei gerne übersehen, und das ist die Tatsache, dass vor der Aussage: Betet füreinander, damit ihr geheilt werdet!“, gesagt wird: „Bekennt nun einander die Sünden“.
Hier sehen wir, dass Jakobus das Thema Sünde nicht ausklammert oder gar die körperliche Gesundheit über alles stellt, vielmehr geht es ihm um das Seelenheil und darum, dass die Gläubigen darauf achten, dass ihre Beziehung mit Gott in Ordnung ist. Wenn Gottes Wort, hier ebenso wie an vielen andren Stellen, auf das Thema Sünde zu sprechen kommt, geschieht dies aus gutem Grund, es geschieht weil eben nicht die Krankheit, sondern die Sünde, die größte Not im Leben des Menschen ist. Daher heißt es auch in Klagelieder: Was beklagt sich der Mensch, der noch am Leben ist? Es hätte sich wahrlich jeder über seine Sünde zu beklagen! (Kla 3,39).

Wie gut, dass ER bereit ist zu vergeben, wie gut, dass wir all unsere Sündenlast bei IHM abgeben können. Wahrlich ER ist gekommen, um Sein Volk von der Sünde zu retten (vgl. Mt 1,21). ER ist und bleibt der Sünderheiland und wer schuldbeladen zu IHM kommt, wird nicht hinausgestoßen. Und dafür gebührt IHM bis in alle Ewigkeit aller Dank und alle Ehre. Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lobpreis (Offb 5,12).



 

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