und

Erfolgsmeldungen zur eigenen Ehre

oder Frucht zur Ehre Gottes?

Veröffentlicht am: 03.03.2017

 

Würde ich die Besucher dieser Internetseite eines Tages mit den Worten: „Willkommen auf Deutschlands meistbesuchter christlicher Internetseite!“ begrüßen, dann wäre es sehr wahrscheinlich eine Lüge, doch selbst wenn es der Wahrheit entspräche, so hoffe ich nicht, je so töricht zu sein, mit Besucherzahlen zu prahlen. Was natürlich nicht bedeuten soll, ich würde mich nicht freuen, wenn die Beiträge gelesen werden. Dennoch bin ich der Überzeugung, es ist besser keine Zahlen zu nennen. Dabei ist mir durchaus bewusst, dass man mit Zahlen Leute beeindrucken kann, man denke nur an die Verkaufszahlen eines Produktes. Wer hier ganz oben steht, kann sicher sein, auch von den Letzten, die das Produkt bislang noch nicht kannten, wahrgenommen zu werden, denn hohe Verkaufszahlen bescheren einem Produkt mehr positive Aufmerksamkeit als andere, was wiederum zu noch größeren Verkaufszahlen führt. Denn sind die Zahlen hoch, hat man offensichtlich ein Produkt, das „in“ ist. Da natürlich jeder „in“ sein will, rennen auch sofort alle los, um genau das zu bekommen, was gerade angesagt ist. Ein typisches Beispiel hierfür sind auch die Musikcharts, jeder der etwas auf sich hält, muss den Nummer 1 Hit haben. Ebenso ist es bei Kinofilmen oder bei Büchern, jeder will den Bestseller haben.

Viele haben bei der Verbreitung des Evangeliums denselben Ansatz, man will die Menschen beeindrucken, und da nichts mehr beeindruckt, als hohe Besucherzahlen, zielen auch viele christliche Veranstaltungen nur darauf ab, die Masse anzulocken. Dass dabei oft jedes Mittel Recht ist, habe ich bereits vor geraumer Zeit im Beitrag „Evangelisation oder Unterhaltungsshow?“, aufgezeigt. Doch die Frage ist, lässt die Schrift darauf schließen, dass dies ein wirklich geistlicher Ansatz ist? Steckt wirklich der Heilige Geist hinter dieser Motivation? Oder anders gefragt, wem ist denn mit den bedrückenden Zahlen gedient? Handelt man dabei wirklich zur Ehre Gottes, will man hier wirklich den Namen Gottes großmachen, oder will man sich hier vielleicht eher selbst einen Namen machen? In Bezug auf Gemeinde, könnte es dann lauten, wir haben die größte Kirche in Deutschland, oder wenn es um eine Webseite geht, wäre da ständig von neuen Besucherrekorden die Rede. Doch wären beeindruckende Zahlen wirklich ein Indiz dafür, dass der Heilige Geist am Wirken ist? Wenn ja, wäre wohl das Gospelforum in Stuttgart ziemlich weit vorne, oder wenn es um Fernsehprediger ginge, wäre Joyce Meyer wohl die Frau der Stunde, denn sie hat sicher hohe Einschaltquoten. Doch werden Diener Gottes wirklich an Zahlen gemessen? Oder besteht hier nicht eher die Gefahr, dass einem die Zahlen zu Kopf steigen? Führt dies nicht eher zu Stolz, so dass es irgendwann mehr um den Hype um eine Person geht, als um die Verehrung Gottes?
Mich persönlich befremdet es sehr, wenn bekannte Starprediger nach dem Gottesdienst Autogramme geben. Doch genau das habe ich auf Veranstaltungen bekannter Fernsehprediger erlebt und ich muss sagen, der Andrang war groß.

Wer hier nicht achtsam ist, sieht seinen Erfolg recht bald als den Verdienst seiner eigenen Redegewandtheit und fängt förmlich an, sich von der Erfolgswelle tragen zu lassen. Steht man dann erst mal ganz oben auf der Beliebtheitsskala, dann will man sich da oben auch halten. Doch genau davor gilt es sich zu hüten, denn nicht wir, sondern Gott sollte ganz oben stehen. Wer dies missachtet, fängt irgendwann damit an, nur noch nach den Zahlen zu schielen. Alles wird diesem scheinbaren Erfolg untergeordnet, und so bleibt es unausweichlich, dass man predigen wird, was gerade „in“ ist. Genau dies hat die Schrift auch als ein Zeichen der Endzeit genannt. In 2. Timotheus wurde deutlich prophezeit, dass sich die Menschen Lehrer suchen werden, die ihnen nach den Ohren reden (2.Tim 4,3), und wer dem Irrtum unterliegt, geistliche Frucht könne in Zahlen gemessen werden, wird genau dieses Anforderungsprofil erfüllen, und den Menschen das erzählen, was sie gerne hören wollen. Im letzten Beitrag bin ich bereits auf dieses Thema eingegangen, doch an dieser Stelle will ich klar betonen, dass wir hier nicht nur auf die liberalen Theologen, oder auf jene, die sich an die Prinzipien der Gemeindewachstumsgurus halten, blicken dürfen. Keine Frage, sie sind diesem Irrtum unterlegen, dennoch sollten wir das Thema damit nicht so einfach abhaken, sondern uns an diesem Punkt selbst prüfen. Wenn wir uns für bibeltreu halten und bekunden, dass es uns wichtig sei, treu am Wort Gottes festzuhalten, haben wir zwar den richtigen Ansatz, doch eines sollten wir dabei bedenken: So gut und richtig das Bekenntnis, an die Inspiration der Schrift glauben, ist, so klar und deutlich stellt uns jene Bibelstelle, mit der wir dies gerne begründen, eine weitere Wahrheit vor Augen, die wir oft allzu gerne übersehen. Die besagte Bibelstelle finden wir ebenfalls im 2.Timotheusbrief, und zwar in Kapitel 3,16, wo folgendes zu lesen ist: Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit.

Wenn wir dies wirklich glauben, was hält uns davon ab, a l l e Schrift als nützlich anzusehen? Denn eines ist offensichtlich, diese Schriftstelle lehrt uns nicht nur, dass alle Schrift von Gott inspiriert wurde, sondern auch, dass a l l e Schrift nützlich ist zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit. Ebenso wie für jedes Wort in der Heiligen Schrift gilt, dass es inspiriert ist, gilt auch für jedes Wort, dass es nützlich ist. Der Heilige Geist hat die Schreiber nicht dazu inspiriert, Unwichtiges und Nebensächliches zu schreiben, damit die Bibel ein dickes Buch wird. Da gibt es weder Worte, noch Verse, noch Kapitel, noch Bücher, die nichts weiter als Füllstoff sind, nur damit wir mehr zu blättern haben, a l l e s ist nützlich. Doch glauben wir das auch? 

Es gibt dazu einen ganz einfachen praktischen Selbsttest, mit dem wir prüfen können, ob dies wirklich unserem Glauben entspricht, und dieser besteht darin, dass wir uns fragen, ob wir genau wie Paulus sagen können, nichts vom Ratschluss Gottes zurückzuhalten (vgl. Apg 20,27). Lehren wir die Schrift hingegen nur selektiv, was heutzutage sehr beliebt und nahezu üblich ist, dann zeigt es, dass wir nicht alles für nützlich halten. Doch was hält uns davon ab, welche Bedenken stecken letztlich dahinter, bestimmte biblische Bücher zu meiden oder bestimmte Kapitel zu überspringen? Nun, offensichtlich mangelt es an Glauben, dass alles nützlich ist, und so selektiert man aus, nachdem was die Leute gerne hören wollen. Man will die Erwartungen erfüllen, um keinen Gottesdienstbesucher zu verlieren, oder was Webzeiten angeht, damit kein Leser des Newsletters abspringt. Doch was ist die Motivation dahinter? Es ist nur ein Zahlenwert. Und wie gesagt, nicht nur die besucherfreundlichen Konzepte sind in diese Falle getappt, auch wir treten in diese Falle, wenn wir nur Themen ansprechen, bei denen wir auf Besucherzahlen aus sind. Selbst gute, wichtige Themen, können uns hier in eine falsche Richtung leiten. Denn wenn ich nur noch das Thema Endzeit von allen Seiten beleuchte, dann vernachlässige ich andere wichtige Themen, und habe offensichtlich vergessen, dass a l l e Schrift nützlich ist zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit.

Ebenso wird auch gerne der Wunsch nach kurzen Predigten und kurzen geistlichen Beiträgen erfüllt, weil die Menschen unserer Tage keine Zeit mehr finden, eine Predigt anzuhören, die länger als 20 Minuten geht oder einen Beitrag zu lesen, in dem nicht in maximal 15-20 Sätzen alles auf den Punkt gebracht wird. Die Bibel selbst erfüllt diese menschlichen Wünsche nicht, wir finden da kurze Psalme und lange Psalme, es gibt kurze Briefe und lange Briefe, und auch wenn uns der Hebräerbrief lang erscheint, so sagt doch der Schreiber am Ende: „Ich habe euch ja nur kurz geschrieben“ (Hebr 13,22). Bei all dem bestand die Motivation der Schreiber weder darin, ein Maximum an Seiten zu füllen, noch sich so kurz wie möglich zu fassen; nein, sie gaben wieder, was ihnen der Geist Gottes aufs Herz gelegt hatte. Doch wo besteht heute noch die Möglichkeit dies zu tun? Heute schaut jeder auf die Uhr, denn jeder meint, am meisten sei erreicht, mit möglichst geringem Zeitaufwand hier und dort ein wenig aufzuschnappen. So kann man dann bei allem ein wenig mitreden und meint, man hätte die Zeit gut ausgekauft.

Entsprechend wird dann auch die Bibel eher im Schnellverfahren gelesen, wobei es für viele fast eine Selbstverständlichkeit ist, nur die Verse herauszuziehen, die nach ihrem Geschmack sind und ihr Thema ansprechen. Selbst bei Bibelversen, die durch das Wort „und“ miteinander verbunden sind, macht man sich oft nicht die Mühe, den Vers vor diesem „und“ zu betrachten. Ein typisches Beispiel dafür habe ich in Teil 2 des Beitrags „Reformation 2017 - Sie wünschen wir predigen“, mit der einseitigen Betonung des Gebotes der Nächstenliebe, aufgezeigt. Während das Gebot der Nächstenliebe so dargestellt wird, als hinge der christliche Glaube einzig und allein an diesem einen Gebot, wird schlichtweg ignoriert, dass dieses Gebot durch das Wörtchen „und“ mit dem Gebot, „Gott zu lieben“ verbunden ist (vgl. Lk 10,27).
Man könnte hier weitere Beispiele anführen, doch worum es mir an dieser Stelle geht, ist die erschreckende Oberflächlichkeit im Umgang mit dem Wort Gottes und die Tatsache, dass man sich daran gewöhnt hat, es nur noch selektiv zu betrachten, und nur hier und da schnell etwas aufschnappen will. Ob damit wirklich mehr erreicht wird, ist mehr als fraglich. Die Tiefe des Reichtums, die uns Gott durch Sein Wort geschenkt hat, werden wir so jedenfalls nicht ergründen, im Gegenteil: Unsere moderne Fastfood Mentalität führt zu immer mehr Oberflächlichkeit. Wenn viele Christen sich ständig schwach fühlen, dann ist eine Ursache dafür, dass sie sich nicht darüber im Klaren sind, welcher Reichtum uns in Christus und Seinem Wort geschenkt ist.

Es ist wohl keine Übertreibung zu behaupten, dass Satans effektivste Methode, um Christen vom geistlichen Wachstum abzuhalten, darin besteht, sie immer mit etwas beschäftigt zu halten. Dabei ist es unbestreitbar, dass wir durch die vielen modernen Errungenschaften, eigentlich mehr Zeit zur Verfügung haben müssten. Doch obwohl man heute große Strecken in viel kürzer Zeit zurücklegen kann, obwohl man viel kürzere Arbeitszeiten hat und obwohl man dank moderner Technik vieles deutlich schneller erledigen kann, hetzen viele nur so durch den Tag. So ist man ständig abgelenkt und beschäftigt, und findet scheinbar keine freie Minute, für die Gemeinschaft mit Gott. Doch woher kommt das? Kommt es nicht daher, weil Radio, Fernsehen, Computer, Smartphone und dergleichen oft mehr Beachtung und Aufmerksamkeit bekommen, als das Wort Gottes?

Vielleicht sind es auch andere Dinge, die unsere Zeit in Beschlag nehmen. Vielleicht sind wir ja so gestrickt, dass wir immer andere Menschen um uns haben müssen, weil wir nicht gerne alleine sind. Doch es könnte auch so sein, dass das Gute dem besseren Feind ist, weil unser Bedürfnis andern zu helfen, so groß ist, dass wir keine Zeit für die Gemeinschaft mit Gott zu finden.
Nehmen wir uns doch hier ein Beispiel an Jesus, Seine Tage waren zweifelsohne wesentlich ausgefüllter als unsere. Alles Volk wollte IHN sehen, jeder wollte geheilt werden, und zudem investierte ER sehr viel Zeit, in die Unterweisung Seiner Jünger. Doch was sagt die Schrift? Heißt es etwa, aus diesem Grund fand ER keine Zeit, für die Gemeinschaft mit Seinem Vater? Nein, vielmehr wird berichtet, dass ER sich immer wieder zurückgezogen hat, um Zeit mit dem Vater zu verbringen (vgl. Mt 14,23; Mk 6,46, Lk 6,12: 22,39). Wer sind wir, wenn wir uns einreden, für uns gäbe es Wichtigeres, als die Gemeinschaft mit dem Vater zu pflegen? Wenn selbst der Sohn Gottes immer wieder auftanken musste, haben wir es dann nicht viele nötiger? Wir tun oft so viel, doch vergessen so leicht, dass wir ohne IHN nichts tun können (vlg. Joh 15,5). Zumindest nichts, was wirklich Frucht bringt und zur Ehre des Vaters ist. Außerdem übersehen wir, dass Gott unsere ungeteilte Liebe, sowohl verdient, als auch erwartet. Doch ist es nicht gerade ein Kennzeichen der Liebe, dass man sich Zeit dafür nimmt? Wie wäre es wohl um die Liebe zu meiner Frau bestellt, wenn ich für alles und Jeden Zeit hätte, nur nicht für die Gemeinschaft mit ihr? Und wie ist es mit unserer Liebe zum HERRN, reicht es nur zu sagen, dass wir IHN lieben? Völlig zurecht wird gesagt: „Für das, was einem wichtig ist, hat man Zeit!“ So müssen wir uns selbst fragen, wie wichtig ist uns die Gemeinschaft mit Gott? Wieviel Zeit räumen wir dem persönlichen Bibelstudium ein? Hat dies wirklich die erste Priorität in unserem Leben? Wenn ja, werden wir Zeit dafür finden, wenn nicht, werden uns tausend Gründe davon abhalten. Doch beachten wir, wo unser Schatz ist, da wird auch unser Herz sein. Gehört unser Herz wirklich dem HERRN, wenn wir mit Seinem Wort so umgehen als sei es Fastfood Nahrung? Wenn wir nur noch darauf aus sind, über die Bibelseiten hinwegzufliegen, um mit möglichst wenig Zeitaufwand viel erreichen zu wollen? Wenn es mehr darum geht, möglichst schnell durch die Bibel zu kommen, als zu erfassen, was uns Gottes Wort zu sagen hat? Wenn die Anzahl der gelesenen Kapitel mehr Bedeutung hat, als der Inhalt?

Aber wie gesehen sind nicht nur beim Bibellesen, Zahlen der falsche Ansatz, sondern auch bei der Umsetzung des Missionsauftrag. Denn Jesus sagte nicht, lehrt die Menschen recht oberflächlich, damit ihr möglichst viele bei Laune halten könnt, sondern: lehret sie halten a l l e s, was ich euch befohlen habe (Mt 28,20).
Doch anstatt, die Worte der HERRN ernst zu nehmen und gewissenhaft, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen, selektiert man aus, was nach dem Geschmack der Zuhörer ist. Denn das Motto lautet offensichtlich: Masse, statt Klasse. Dies zumindest wenn Besucherzahlen wichtiger sind, als die Treue zum HERRN und es letztlich nur darum geht, in dieser Welt etwas zu gelten. Und weil den Weltmenschen, wie eingangs gesehen, nichts mehr beeindruckt als Erfolgsmeldungen, in der Form, dass man in irgendeinem Ranking ganz oben steht, stehen bei vielen Überlegungen Zahlen im Fokus.
Dies ist unter anderem auch ein Grund dafür, warum man sich heute bedenkenlos mit jeglichen religiösen Gruppierungen zusammenschließt. Es zählt offensichtlich nur noch die Masse, so dass man sich von einer, des Inhalt beraubten Massenbewegung mehr verspricht, als davon, treu am Evangelium festzuhalten. Denn wenn es nur noch um Besucherzahlen geht, und man ständig neue Besucherrekorde aufstellen will, ist irgendwann jedes Mittel recht, um den Saal vollzubekommen. Fehlgeleitet von diesem Denken, meint man, der Prediger, der den größten Zuhörerkreis erreicht, sei der Erfolgreichste. Wobei das Wort Prediger in vielen Fällen durch das Wort Entertainer ersetzt werden müsste. Denn anstatt zu predigen, will man die Leute unterhalten und begeistern. Redegewandtheit und Wortwitz sind mehr gefragt, als die gesunde Lehre der Schrift. Das dies sehr gut ankommt, sehen wir in der Beliebtheit so mancher TV-Prediger, unter denen viele bereits eine Art Heldenstatus erlangt haben und fast wie Stars gefeiert werden. Man bezeichnet sie dann als sehr erfolgreich, doch sind hohe Einschaltquoten wirklich ein geeignetes Prüfkriterium, um einen geistlichen Dienst zu beurteilen? Manche messen es auch an Bekehrungen, doch können wir wirklich in die Herzen der Menschen blicken und feststellen, ob es nicht nur Scheinbekehrungen waren? Außerdem sollten wir uns vor Augen halten, dass große Propheten wie Jesaja, Jeremia oder auch Johannes der Täufer, durchs Raster fallen würden, wenn Gott ihren Dienst nur anhand von Zahlen bewertet hätte. Was Gott von Seinen Dienern erwartet, ist Treue. Es geht darum, den ganzen Ratschluss Gottes weiterzugeben und das Wachstum dem HERRN zu überlassen. Doch wenn sich Christen nur an Zahlen messen wollen, führt dies nicht nur zu Konkurrenzkampf und Neid, sondern auch zu Stolz. Dass dahinter nicht der Geist Gottes steht, möchte ich anhand einer sehr tragischen Begebenheit aus dem Leben Davids aufzeigen. Wir finden den Textabschnitt in 21 Kapitel des 1 Buches der Chronik, das mit folgender Aussage beginnt: Und Satan stellte sich gegen Israel und reizte David, Israel zu zählen (V 1).

Beachten wir, nicht der Geist Gottes, sondern der Geist des Widersachers, hatte das Herz Davids dazu bewegt, eine Volkszählung durchzuführen. Liest man dazu die Parallelstelle aus 2.Samuel 24, wird deutlich, dass Gott dies zuließ, weil das Volk Israel den Zorn Gottes auf sich gezogen hatte. Der genaue Grund dafür, wird zwar nicht direkt genannt, doch beachtet man das jeweilige Textumfeld, liegt die Antwort sehr nahe. Denn es ist wohl kein Zufall, dass der Heilige Geist es so angeordnet hat, dass in beiden Büchern, also sowohl bei 2.Samuel als auch im 1. Buch der Chronik, vor dem Kapitel über die Volkszählung, eine Auflistung der Helden Israels zu finden ist. Im Vordergrund stehen also die militärischen Erfolge Israels und der Blick wird dabei auf menschliche Heldentaten gelenkt. Somit ist es sehr naheliegend, dass sich Stolz und Selbstzufriedenheit breitgemacht hatten. Die Tatsache in Frieden leben zu können, schrieb man nicht der Güte Gottes zu, sondern der eigenen Stärke und dem eigenen Verdienst. Offensichtlich war eingetreten, wovor Gott Sein Volk bereits im 5. Buch gewarnt hatte, wo geschrieben steht: Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt, dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergisst, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft (5.Mo 8,12-14).

Dass dies ein sehr naheliegender Gedanke ist, sehen wir auch drin, dass Satans Strategie aufging. Es war ihm offensichtlich ein Leichtes, den Blick Davids, weg von Gott und Seiner Macht, hin zu menschlicher Stärke und menschlichem Eigenvermögen zu lenken. So dass David seine militärische Überlegenheit gerne in Zahlen sehen wollte, und sich von Satan dazu verleiten ließ, seine kriegstüchtigen Männer zu zählen. Doch obwohl Gott diese Versuchung zuließ, ließ ER David nicht ohne Vorwarnung ins Verderben laufen, sondern gebrauchte den Heerobersten Joab, um folgende Mahnung auszusprechen: Der HERR möge zu seinem Volk, so viele sie sein mögen, hundertmal mehr hinzufügen! Sind sie nicht alle, mein Herr und König, die Knechte meines Herrn? Warum verlangt mein Herr das? Warum soll es Israel zur Schuld werden? (V 3).
Leider fanden diese Worte kein Gehör bei David, er blieb fest und unerschütterlich in seinem Beschluss und bestand darauf, die aufwändige Volkszählung durchführen zu lassen. 9 Monate und 20 Tage vergingen, ehe Joab seinem König ein Zwischenergebnis verkünden konnte, demnach es in ganz Israel 1.100.000 und in Juda 470.000 Mann, wehrfähige Männer gab (V 2).
Damit war die Musterung zwar noch nicht vollständig abgeschlossen, denn die Stämme Levi und Benjamin waren noch nicht gezählt worden (Vgl. V 7 u. 1.Chr 27,24). Dennoch hatte König David seine Zahl, nun wusste er zumindest annähernd, um die Größe seines Heeres, nun konnte er stolz verlauten lassen, 1.570.000 kriegstüchtige Männer unter sich zu haben. Doch was hatte er sich davon versprochen? Hätte er nicht lieber die Einstellung seines leider viel zu früh verstorbenen Freundes Jonathan teilen sollen. Jener Jonathan, der in einer Situation zahlenmäßiger Unterlegenheit sprach: „Vielleicht wird der Herr durch uns wirken; denn es ist dem Herrn nicht schwer, durch viele oder durch wenige zu retten!“ (1.Sam 14,6).

Doch mehr als dies, hätte ihn seine eigene Jugendzeit eines Besseren belehren können. Hatte David vergessen, wie er einst Goliath gegenübergetreten war, und diesem angsteinflößenden Riesen, mutig entgegenhielt: „Du kommst zu mir mit Schwert und mit Speer und mit Wurfspieß; ich aber komme zu dir im Namen des Herrn der Heerscharen, des Gottes der Schlachtreihen Israels, die du verhöhnt hast! An diesem heutigen Tag wird dich der Herr in meine Hand ausliefern!“ (1.Sam 17,45). Damals als sich David diesem übermächtigen Gegner gegenübersah, da hatte er sein Vertrauen einzig und allein auf den HERRN gesetzt. Er sah in IHM den HERRN der Heerscharen und dieses Vertrauen wurde belohnt, der HERR schenkte David den Sieg über jenen Riesen, der ganz Israel in Furcht und Schrecken versetzt hatte. Doch was war aus diesem klaren Vertrauen in die Macht Gottes geworden? Offensichtlich war es abgelöst worden vom Vertrauen in menschliche Macht und Stärke. Denn anstatt, wie früher auf den HERRN zu vertrauen, hatte sich David dazu verleiten lassen, sein Vertrauen auf Fleisch zu setzen. Wie sehr Gott dies missfällt, erfahren wir in Jeremia 17, wo geschrieben steht: So spricht der Herr: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht, und dessen Herz vom Herrn weicht! (V 5).
Dies, so meine Überzeugung, war der Grund, warum diese Volkszählung in den Augen Gottes böse war (vgl. 1 Chr 21,7). Es war, weil offensichtlich nicht nur David, sondern das ganze Volk die falschen Schlüsse aus ihren militärischen Siegen gezogen hatten. Der HERR war es, der ihre Feinde in ihre Hände gegeben hatte, doch anstatt IHM dafür zu danken und IHM die Ehre zu geben, sahen sie sich selbst als die Helden.

Bei all dem Negativen, das uns hier als warnendes Beispiel dienen soll, ist eines positiv hervorzuheben, und das ist die Tatsache, dass David in seinem Gewissen von seiner Sünde überführt wurde. Obwohl er König war, war er nicht zu stolz, um seinen Fehler einzugestehen, sondern bekannte dem HERRN seine Schuld, indem er sprach: „Ich habe sehr gesündigt, dass ich diese Sache getan habe. Und nun lass doch die Schuld deines Knechtes vorübergehen! Denn ich habe sehr töricht gehandelt!“ (V 8-9).
Beachten wir, er gab sogar zu, sehr gesündigt zu haben, er hat sein Verhalten nicht verharmlost, er verwies auch nicht auf andere Könige, bei denen es auch üblich sei, mit der Anzahl ihres Heeres zu protzen. Nein, David bekannte seine Schuld und sah ein, sehr töricht gehandelt zu haben. Trotz dieser Reue, war die Sache damit noch nicht durch. Es hieß nicht einfach „Schwamm drüber“, so als würde Gott Seine einzige Daseinsberechtigung darin sehen, gnädig zu sein, und von jeglicher Bestrafung abzusehen. Nein, so wird es heute zwar gerne dargestellt, aber der biblische Bericht zeigt uns etwas anderes, denn da lesen wir, dass der HERR den Propheten Gad daraufhin beauftrage, David folgende Botschaft zu übermitteln: „So spricht der HERR: Nimm dir, entweder drei Jahre Hungersnot oder drei Monate lang Niederlage vor deinen Bedrängern, wobei das Schwert deiner Feinde dich einholt, oder drei Tage das Schwert des HERRN und Pest im Land, und dass der Engel des HERRN Verderben bringt im ganzen Gebiet Israels! Und nun sieh zu, was für eine Antwort ich dem zurückbringen soll, der mich gesandt hat!“ (V 11-12).

Wir neigen heute sehr dazu, Gott immer nur als den zu sehen, der gerne beide Augen zudrückt, und verdrängen Gottes Heiligkeit. Letztlich ist dies das Ergebnis, weil das Wort Gottes in der Regel nur noch sehr selektiv gepredigt wird, und viele sogar der Meinung sind, das Alte Testament hätte uns überhaupt nichts zu sagen. Doch das Textumfeld aus 2.Timotheus macht deutlich, dass mit a l l e Schrift sowohl das Neue, als auch das Alte Testament gemeint ist. Das bedeutet, auch das Alte Testament ist nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit. Und weil dem so ist, können wir auch aus dieser alttestamentlichen Begebenheit sehr viel lernen. Wie gesehen, können wir lernen, unsere Motive zu hinterfragen, indem wir prüfen, ob das, was wir tun, unserer eigenen Ehre oder der Ehre des HERRN dient. Stellen wir bei dieser Prüfung fest, dass ein bestimmtes Vorhaben bei dieser Prüfung durchs Raster fällt, kann die Anwendung nur die sein, dass wir dem HERRN danken, dass ER es uns durch Sein Wort gezeigt hat, und dass wir es sein lassen. Ist es dafür schon zu spät, weil wir den Fehler bereits begangen zu haben, zeigt uns die Reaktion Davids, dass wir uns nicht rausreden sollten, sondern uns in echter Reue vor dem HERRN demütigen sollten, indem wir unsere Schuld eingestehen und IHN um Vergebung bitten.

 

 

 

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