und

Wie durchs Feuer gerettet?

Immer haarscharf im Grenzbereich oder mitten im Zentrum vom Willen Gottes?


Veröffentlicht am 16.06.2017

Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird's klarmachen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch (1.Korinther 3,11-15).
 

Dieser Textabschnitt spricht vom Tage des Gerichts, ein Bild das vielen Menschen, die sich nach ihrem Verständnis als Christen einstufen, eher befremdlich ist. Gericht, Strafe, Hölle, Satan, all das sind Begriffe, die in der menschengefälligen Verkündigung unserer Tage kaum eine Rolle spielen. Stattdessen wird nur das Bild eines „Lieben Gottes“ vermittelt, der immer ein Auge zudrückt und über jegliche Form von Sünde großzügig hinwegsieht. Ein Gott, der sofern ER überhaupt eine Vorstellung von Moral hat, diese stets an den Wünschen und Ansichten der Menschen ausrichtet. Gerade so, als seien IHM Seine eigenen Geschöpfe moralisch überlegen, so dass ER nun zusehen müsse, mit der Menschheit schritthalten zu können. Entsprechend dieser oberflächlichen Lehre, ist ein völlig falsches Gottesbild entstanden, bei dem man sich einem Gott gegenübersieht, den man nicht so ernst nehmen müsse. Demzufolge ist der Glaube vieler, bis auf ein Minimum abgestumpft. Entweder man hat es nie wirklich erfahren oder man hat es schlicht und ergreifend vergessen, dass man bei der Errettung buchstäblich vom Feuer herausgerissen wurde. Denn entgegen der allgemeinen Auffassung, sieht Gott nicht wohlwollend auf das sündhafte Treiben der Menschheit herab, vielmehr steht geschrieben, dass Sein Zorn über der Menschheit entbrannt ist. So heißt es in Römer 1,18: Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.

Viele glauben, das Bild eines zornigen Gottes, würde nicht der Lehre des Neuen Testaments entsprechen. Sie denken, der Gott im Alten Testament sei viel strenger gewesen, als der Gott im Neuen Testament, doch diese Auffassung deckt sich nicht mit der Lehre des Neuen Testaments, denn nicht nur eben zitierte Bibelstelle aus dem Römerbrief widerlegt dies, sondern die gesamte Lehre des Neuen Testaments, einschließlich dessen, was in den Evangelien gelehrt wird. Natürlich ist die Kernaussage darin zu verstehen, dass der Sohn Gottes der Welt Sünden ans Kreuz getragen hat, doch dies ist weder eine Pauschalerlösung für alle, noch kann daraus abgeleitet werden, Gott würde es seit Golgatha nicht mehr so eng sehen mit der Sünde. Nein, die Lehre der Schrift besagt eindeutig: Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm (Joh 3,36).

Hier wird deutlich, der Zorn Gottes kommt nicht über Menschen, die in Rebellion und Sünde leben, sondern er bleibt auf ihnen. Denn wer außerhalb von Christus steht, der steht nicht unter der Gnade, sondern unter dem Gesetz und somit unter dem Zorn Gottes. Menschen, die nicht durch das Blut des Lammes, mit Gott versöhnt sind, stehen bereits unter göttlichem Gericht. Ein Gericht, das sich so auswirkt, wie es in Römer 1 weiter beschrieben wird, indem geschrieben steht: Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen. Und wie sie es für nichts geachtet haben, Gott zu erkennen, hat sie Gott dahingegeben in verkehrten Sinn, sodass sie tun, was nicht recht ist, voll von aller Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier, Bosheit, voll Neid, Mord, Hader, List, Niedertracht. Sie wissen, dass, die solches tun, nach Gottes Recht den Tod verdienen; aber sie tun es nicht allein, sondern haben auch Gefallen an denen, die es tun (Röm 1,21.26-29.32).

Gerade, weil diese biblische Lehre selbst unter den Evangelikalen immer weniger Beachtung findet, ist es wichtig, dass uns dieser Hintergrund bewusst ist. Satan ist der Fürst dieser Welt und die Menschheit steht unter dem göttlichen Gericht des Dahingebens. Was sich tagtäglich abspielt, ist bereits Ausmaß dieses Gerichts. Der Mensch, so wie er von Natur aus in diese Welt geboren wird, liebt die Finsternis mehr als das Licht. Er tendiert nicht dazu, nach dem Willen Gottes zu leben, er ist nicht darauf bedacht, innerhalb der göttlichen Ordnungen zu leben, sondern findet Freude und Gefallen darin, Gottes Gebote zu übertreten. Während er einen Reiz im Verbotenen sieht, empfindet er das Befolgen von Gottes Geboten als langweilig und uncool. Genau diese Einstellung wird ihm zum Verhängnis, denn gerade weil er gefallen an Ungerechtigkeit hat, weil er die Lüge gegenüber der Wahrheit bevorzugt, besteht Gottes Gericht darin, dem rebellischen Menschen zu geben, wonach sein Herz verlangt. In seiner Auflehnung sehnt er sich nach Lüge und Täuschung, und genau dies wird ihm zuteil. Und weil er Gottes Ordnungen partout nicht akzeptieren will und nicht einmal einsehen kann, dass Gott den Menschen von Anfang an, als Mann und Frau geschaffen hat, überlässt ihn Gott dem Gericht, das in der Halsstarrigkeit zu sehen ist, dass der Mensch unserer Tage die Schöpfungsordnung verwirft, denn anstatt am Familienbild von Mann und Frau festzuhalten, besteht der Mensch darauf, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen ebenso berechtigt seien. Aber nicht nur das, man pocht dabei sogar auf den göttlichen Segen und besteht neben der staatlichen Anerkennung auf das Recht einer kirchlichen Trauung. Doch selbst damit noch nicht genug, man hält es mittlerweile beinahe für selbstverständlich, dass solchen Paaren Kinder zustehen. Von diesem Denken ist aber nicht nur die säkulare Welt geprägt, sondern auch weite Kreise innerhalb der Christenheit. Das Ganze geht sogar so weit, dass es Diskussionen darüber gibt, ob die Partner homosexueller Pfarrer auch im Pfarrhaus leben dürfen oder nicht. Nach der gesunden Lehre der Schrift, ist diese Fragestellung total verfehlt, laut der Schrift kann es hier nicht darum gehen, ob einem homosexuellen Pfarrer dieses Recht zusteht, sondern vielmehr um die Frage, mit welchem Recht ein solcher Mensch überhaupt Pfarrer ist? Laut der Schrift, wäre sein Platz gewiss nicht auf der Kanzel, nein, er dürfte noch nicht einmal Teil der Gemeinde sein (1.Tim 3,2.12; Tit 1,6; 1.Kor 5,9.10.13; 1.Tit 1,3-11).

Soweit diese kurze Zustandsbeschreibung, kommen wir nun wieder zum eigentlichen Ausgangstext zurück. Zunächst einmal macht diese Schriftstelle deutlich, dass der christliche Glaube keine menschliche Erfindung ist, sondern dass dieser Glaube eine feste Grundlage hat. Paulus schreibt: Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Allein das Werk, das Christus vollbracht hat, ist Grundlage der Erlösung. Auf diesen Grund zu bauen, bedeutet dem offenbarten Wort Gottes zu gehorchen. Weil man es gerade in unserer Zeit nicht mehr so genau nehmen möchte, gilt es zu verinnerlichen, dass Jesus in Bergpredigt gesagt hat: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen!“ (Mt 5,17-20). Wir haben noch nicht einmal das Recht, eines der kleinsten Gebote aufzulösen. Dennoch sind heute viele unterwegs, die sich nicht mehr an die Schrift halten wollen und stattdessen neue Wege bevorzugen. Teilweise geschieht dies auch unter dem Vorwand, man wolle die Welt mit dem Evangelium erreichen. So ist man der Auffassung, man dürfe sich nicht zu weit von der Welt distanzieren. Entsprechend, geht es dann darum, der Welt zu zeigen, dass Christen gar nicht so großartig anders sind und so ist man dann regelrechst stolz, fast alles mitmachen zu können, was alle anderen auch so treiben. Bildlich gesehen, geht man immer hart an der Grenze des schmalen Weges. Mal ist man mit beiden Beinen darauf, mal setzt man einen Fuß daneben. Im Prinzip wird dabei ständig neu ausgelotet, wie weit man gehen kann, um gerade noch so im Bereich des Erlaubten zu sein. Auf diese Weise, so die Meinung, könne man das Gottes Reich bauen. Man redet sich ein, entscheidend sei es in dieser Welt Relevant und Anerkannt zu sein. Während das Wort Gottes Absonderung lehrt, setzt man auf Vermischung und Anpassung. Hier stellen sich zwei Fragen:
1.Bringt dieser Dienst tatsächlich die Frucht ein, die man sich davon verspricht?
2.Wo befinden sich nun jene, die diesen Weg der Anpassung eingeschlagen haben? Wo befinden sich jene, die immer mit einem Auge Richtung Welt schielen? Sind sie noch innerhalb des Reiches Gottes oder befinden sie sich außerhalb?

Sehen wir uns an, was der Text dazu sagt, wie gesehen, Paulus hat die Gläubigen daran erinnert, dass niemand einen anderen Grund legen kann. Der Grund ist durch das Opfer am Kreuz und den Abschluss des biblischen Kanons gelegt. Ein für alle Mal ist sowohl das Werk der Erlösung vollbracht, als auch die Selbstoffenbarung Gottes vollendet. Auf dieser Grundlage gilt es nun aufzubauen, und zwar weder leichtfertig noch unbekümmert, sondern sorgfältig. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut (1.Kor 3,10), lauten die Worte, die Paulus dem Abschnitt vorangestellt hat. Die Grundlage steht fest, daran gibt es nichts mehr zu rütteln, entscheidend ist, wie wir darauf bauen. Ob zu Gottes Wohlgefallen oder eher nicht, wird, wie der Text zeigt, der Tag des Gerichts ans Licht bringen. Und so lesen wir weiter: Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird's klarmachen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch (1.Kor 3,11-15).

Die Illustration die Paulus hier verwendet, zeigt uns die unterschiedlichen Materialen, mit denen Menschen das Reich Gottes bauen. Während Holz, Stroh und Heu leicht entflammbare Materialen sind, die der göttlichen Feuerprobe nicht standhalten werden, stehen Gold, Silber und Edelsteine, für Materialen, die das Feuer nicht zerstören wird. Beachtet man nun den Kontext aus dem 1.Korintherbrief, dann sind die minderwertigen Materialen ein Bild für alle Werke, die in menschlicher Weisheit getan werden. Hier drängt sich der Mensch in den Vordergrund und hier ist es in der Regel auch der Mensch, der geehrt wird und nach Anerkennung sucht, daher steht keine zukünftige Belohnung mehr aus. Ein solcher Dienst wird keine bleibende Frucht einbringen, vielmehr trifft zu, was Jesus gesagt hat: Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt (Mt 6,2.5.16). Die hochwertigen, edlen Materialien stehen für einen Dienst zur Ehre Gottes. Dieser Dienst wird bleibende Frucht einbringen, weil er gekennzeichnet ist von Gottes Weisheit. Gold, Silber und Edelsteine stehen für Werke die in der Kraft Gottes und auf Grundlage Seines offenbarten Willens getan werden. Wer diese Werke vorweisen kann, der hat sich Schätze im Himmelreich gesammelt (vgl. Mt 6,19-20) wofür er Lohn empfangen wird. Gerade, weil Paulus in diesem Brief sehr stark gegen die menschliche Weisheit argumentiert, können wir hier ganz deutlich sehen, wie sehr es Gott missfällt, wenn Menschen Sein Reich auf ihre eigene Weise bauen wollen. Unterstrichen wird dies durch die deutliche Warnung: Wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr (1.Kor 3,17).

Die Korinther hatten mit Menschen geprahlt und Paulus bringt etliche Argumente, um ihnen vor Augen zu führen, wie töricht dies ist. Allem voran hatte er ihnen deutlich gemacht, dass sie durch Gottes Macht und Gottes Weisheit errettet wurden und so erklärt er dann nach dieser Warnung: Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott (1.Kor 3,18). Hier wird deutlich, dass göttliche und menschliche Weisheit völlig entgegengesetzt sind, sie sind so unvereinbar wie Licht und Finsternis. Daher ist jeglicher Versuch, sie auf einen Nenner zu bringen, töricht. Denn in dem Maße, wie auf menschliche Weisheit gebaut wird, verwirft man die göttliche Weisheit, die sich im Kreuz offenbart, wodurch die Verkündigung der Kraft Gottes beraubt wird (vgl. 1.Kor 1,24; 2,5). Gerade in unserer Zeit, hält man es für äußerst klug, die Botschaft von Kreuz abzuschwächen oder umzudeuten, denn genau wie damals, so ist diese Botschaft in den Augen dieser Welt auch heute noch „Torheit“. Wer auch immer in dieser Welt etwas gelten will, wird das Ärgernis des Kreuzes beiseitelassen (vgl. Gal 5,11) und stattdessen lieber auf menschliche Methoden setzen.
Auch wenn dieser Bibelabschnitt an Gläubige gerichtet ist und gesagt wird, dass selbst jene, die in falscher Weise bauen, errettet werden, so muss uns bewusst sein, dass dies nur für wahre Kinder Gottes gilt. Herr, Herr-Sager und Irrlehrer hingegen, können nicht darauf hoffen, wie durchs Feuer hindurch gerettet zu werden. An diesem Punkt jedoch wird es sehr schwierig zu unterscheiden, denn die Erretteten, die zu falschen Methoden tendieren, bewegen sich bildlich gesehen am äußersten Rand des schmalen Weges, Irrlehrer hingegen, versuchen dem schmalen Weg möglichst nahe zu kommen, damit sie als Gläubige wahrgenommen werden. Wer in diesem Fall auf welcher Seite seht, kann alleine Gott beurteilen.

Sollte es uns in Anbetracht dessen nicht Warnung genug sein, dass Jesus in der Bergpredigt verdeutlicht hat, dass es für jene, die IHN nur Herr nannten, IHM jedoch die Herrschaft über ihr Leben verweigerten, am Tage des Gerichts ein sehr böses Erwachen geben wird? (vgl. Mt 7,21-23). Können wir es angesichts dessen wirklich darauf ankommen lassen, gerade noch so durchs Feuer gerettet zu werden oder sollten wir uns, sofern wir wirklich errettet sind, nicht besser überlegen, wo wir herkommen? Was war denn unser Leben ohne Gott? Gilt nicht auch für uns, was in Titus 3,3 gesagt wird: Denn auch wir waren früher unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, waren mancherlei Begierden und Gelüsten dienstbar und lebten in Bosheit und Neid, waren verhasst und hassten uns untereinander?
Der Gläubige stand vor seiner Bekehrung genau wie alle anderen unter dem Zorn Gottes, auch er steuerte direkt auf das göttliche Gericht zu, doch dann wurde er auferweckt, kam vom geistlichen Tod zum geistlichen Leben (vgl. Kol 2,13). Dies ist das gewaltige Wunder der Wiedergeburt, das uns in Staunen und Dankbarkeit versetzen sollte. Einst waren wir Finsternis und gingen genau wie die anderen in die Irre, doch durch Gottes Gnade wurden wir errettet, sodass buchstäblich zutrifft, was in Sacharia 3,2 geschrieben steht: Ist dieser nicht ein Holzscheit, das aus dem Feuer herausgerissen ist? (vgl. Am 4,11). Und die Antwort lautet bei allen wahren Kindern Gottes eindeutig „ja“. Doch ist es angesichts dessen nachvollziehbar, dass jemand, der mitten aus dem Feuer des göttlichen Gerichts herausgezogen wurde - jemand der buchstäblich noch Brandgeruch an sich hatte - ständig dazu tendiert, mit dem Feuer zu spielen? Ich habe diesen Beitrag mit der Frage, „immer haarscharf im Grenzbereich oder mitten im Zentrum vom Willen Gottes?“, überschrieben, weil uns dieser Bibelabschnitt meines Erachtens genau mit dieser Frage konfrontiert. Doch daraus ergibt sich noch eine weitere Frage, und diese lautet, ob wir es wirklich darauf ankommen lassen wollen, gerade noch so zu den Geretteten zu gehören?

Ich möchte dazu eine kleine Illustration weitergeben: Angenommen wir säßen in der Todeszelle und würden auf unsere Hinrichtung warten. Wie würden wir uns verhalten, wenn jemand mit einem Dartpfeil auf uns zukommen würde und folgendes erklären würde: „Pass auf, wenn du mit diesem Pfeil die Dartscheibe triffst, dann wirst du begnadigt, wenn du sie verfehlst, und sei es nur um einen Millimeter wird heute noch das Todesurteil vollstreckt!“
Wäre es in diesem Fall besonders weise, den Rand der Dartscheibe anzuvisieren? Wäre es ratsam, von vorneherein nur die Mindestanforderung anzuvisieren, nach dem Motto „knapp innerhalb“ reicht ja noch aus, oder wäre es nicht weitaus klüger, genau auf die Mitte zu zielen? Die Mitte könnten wir sogar um mehrere Zentimeter verfehlen und wären immer noch innerhalb des Ziels, beim Rand hingegen würde es um eine Millimeterentscheidung gehen. Die Frage ist, würden wir in dieser Situation den äußersten Nervenkitzel bevorzugen oder wären wir lieber auf der sicheren Seite?

Das Wort Gottes ist uns nicht gegeben, um immer genau die äußerste Grenze ausloten zu können, damit wir immer noch gerade so im Willen Gottes sind, sondern damit wir so nahe wie möglich im Willen Gottes leben. Dieses Ziel gilt es anzuvisieren, und je mehr wir innerhalb dieses Ziels leben, je mehr wird der Friede Gottes in unserem Herzen regieren. Je mehr wir darauf bedacht sind, unser Gewissen rein zu bewahren, je mehr erleben wir die ungetrübte Gemeinschaft mit Gott, worin die Erfüllung des Glaubenslebens und das Ziel unserer Berufung besteht (vgl. 1.Kor 1,9; 1.Tim 1,5). Der Apostel Johannes schreibt diesbezüglich: Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und das schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei (1.Joh 1,3-4).

Die vollkommene Freude, von der Johannes hier schreibt, besteht in der Gemeinschaft mit dem Vater und mit Seinem Sohn Jesus Christus. Doch diese Gemeinschaft wird durch Sünde getrübt und unterbrochen. Christen die sich immer an der Welt orientieren, betrüben den Heiligen Geist, was zur Folge hat, dass sie ständig unzufrieden sind und sich noch weiter nach dem ausstrecken, was die Welt zu bieten hat. Somit begeht man die gleiche Sünde, wie das Volk des Alten Bundes, über das gesagt wurde: Denn mein Volk tut eine zwiefache Sünde: Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und das Wasser nicht halten (Jer 2,13). Man will zwar irgendwie Anteil haben an den göttlichen Segnungen, doch zugleich will man sich auch in dieser Welt nichts entgehen lassen. Und je mehr Leute vorgeben Kinder Gottes zu sein und es ebenso handhaben, je mehr fühlt man sich darin bestärkt, die Ansprüche der Heiligen Schrift und die Bedingungen der Nachfolge auf ein Minimum herunterzuschrauben. So bewegt man sich immer haarscharf an der Grenze und wundert sich, warum man so oft von Zweifeln geplagt wird. Denn das Zeugnis der Heilsgewissheit wird man auf diese Weise kaum erhalten, denn dies wird nur jenen zuteil, die ihr größtes Glück und ihre wahre Erfüllung in der ungetrübten Gemeinschaft mit Gott sehen und daher darauf bedacht sind, Gott zu gefallen. Sie haben den Frieden Gottes im Herzen und dürfen erfahren, was Bischof J.C. Ryle wie folgt in Worte fasste: Es gibt einen Abgrund im menschlichen Herzen, den nichts anderes ausfüllen kann als der Friede Gottes. 2.

In dem Maße, wie wir in der Heiligung leben und darin Fortschritte machen, wird auch die Freude an unserem Heil zunehmen und der Friede Gottes unsere Herzen erfüllen. Ein Weltmensch kennt diesen Frieden nicht, er ist ständig auf der Suche nach Erfüllung und Glück, doch er sucht stets an der falschen Stelle. Er sucht nicht bei der Quelle des Lebens, nämlich bei Gott (vgl. Offb 21,9), sondern hofft immerzu auf die leeren Versprechen Satans, der ihm die Sünde schmackhaft macht. Gottes Wort macht kein Geheimnis daraus, dass die Sünde einen zeitlichen Genuss bietet (Hebr 11,25), doch es warnt auch in aller Deutlichkeit, wo der Weg des Sünders endet. Er endet im Gericht, und genau darum sagt und das Wort Gottes, dass die Sünde der Leute Verderben ist (vgl. Spr 14,34). Doch jetzt wieder zurück zu jenen, die diesem Verderben entronnen sind, kann es wirklich ihr Ziel sein, auf keinen Fall den Anschluss zur Welt zu verlieren? Kann das Ziel wirklich darin bestehen, immer mit der Welt schritthalten zu müssen? Beachten wir auch, Jesus hat den Weg der Nachfolge, nicht nur als schmalen Weg beschrieben, sondern sagte auch, dass es nur wenige sind, die darauf wandeln. Sollten wir uns da nicht auf die Mitte dieses Weges fokussieren, anstatt ständig den Grenzbereich anzuvisieren? Sollten wir nicht sichergehen, wirklich zu diesen wenigen zu zählen?
Wie sind wir denn im Straßenverkehr unterwegs? Fahren wir mit dem linken Vorderrad etwa immer auf dem Mittelstreifen? Suchen wir hier diesen Nervenkitzel solange bis uns auf der Gegenspur jemand entgegenkommt, der ebenfalls darauf aus ist, seine Fahrspur bis auf den letzten Millimeter auszureizen? „Immer haarscharf am Limit“, ist durchaus ein gängiges Motto in dieser Welt, doch sollte dies auch das Leitmotiv für die Nachfolge sein? Sollten es Kinder Gottes wirklich darauf anlegen, gerade noch so durchs Feuer gerettet zu werden und sich am Tage des Gerichts überraschen lassen, ob es noch gut ausgegangen ist oder nicht?

Ist man sich bei einer solchen Überlegung wirklich bewusst, was auf dem Spiel steht? Wir sagen Gott ist gütig, Gott ist geduldig, wir müssen nicht alles immer so eng sehen. Richtig, Gott ist tatsächlich voller Güte, doch ist ER nur gütig, damit wir immer ans Limit gehen können? Die Schrift gibt uns keine Grundlage für diese Annahme, sondern konfrontiert uns mit folgender Frage: Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet? Du aber mit deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufst dir selbst Zorn an auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, der einem jeden geben wird nach seinen Werken: ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben; Ungnade und Zorn aber denen, die streitsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit (Röm 2,4-8).

Müssen sich Christen, die sich immer am Rande des Erlaubten bewegen, nicht fragen, ob sie überhaupt auf der richtigen Seite stehen? Denken wir noch einmal an das Beispiel mit der Dartscheibe. Was ist wenn der Pfeil nicht haarscharf innerhalb, sondern ganz knapp außerhalb ist? Nehmen wir hierzu die Zeit Noahs als Beispiel. Jesus hat angekündigt, dass es in der Zeit unmittelbar vor Seiner Wiederkunft so sein wird, wie in den Tagen Noahs (vgl. Lk 17,26). Doch wie war es als plötzlich das göttliche Strafgericht über die Menschheit hereinbrach? Sind wir uns dessen bewusst, dass nur 8 Personen dieses Unglück überlebt haben? Und wo befanden sie sich? Sie waren eindeutig innerhalb der Arche. Sicher gab es an jenem Tag auch Menschen, die in der Sichtweite der Arche waren, sie konnten beobachten, wie Noah und seine Familie ins Schiff gingen, doch hat es ihnen etwas genützt, dass sie so nah am Geschehen waren? Andere standen vielleicht so dicht davor, dass sie die Arche berühren konnten, sie waren nur einen Schritt davon entfernt, doch was hat es ihnen genützt? Auch sie kamen in den Fluten um, weil sie es versäumt hatten, klar durch die Tür zu gehen. Sie wollten keine klare Trennung von der Welt, sondern dachten vielleicht, es sei ausreichend, sich in der Nähe der Arche aufzuhalten. Schließlich wurde Noah ja auch belächelt und verhöhnt, so musste man schon eine gewisse Distanz wahren, um sich nicht selbst zum Gespött zu machen. Und ist es in unseren Tagen nicht dasselbe mit unserer Stellung zum Gekreuzigten? Doch diese leicht distanzierte Haltung, nützte den Zeitgenossen Noahs nichts. Egal wie nahe sie der Arche standen, Rettung gab es nur innerhalb der Arche. Außerhalb der Arche gab es keine Rettung, weder für jene, die meilenweit entfernt waren, noch für jene, die ganz dicht davorstanden. Als die Sintflut hereinbrach, wurden alle unter den Wassermassen begraben.

Wenn Jesus nun gelehrt hat, dass es am Tage Seiner Wiederkunft genauso sein würde, wie in jenen Tagen, legt ER uns damit die Frage nahe, ob wir wirklich klar auf Seiner Seite zu stehen? Das Wort Gottes sagt: So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind (Röm 8,1). Sind wir in Christus, ist ER in uns und wir in IHM? Sollten wir hier nicht Klarheit haben, sollten wir uns hier nicht der Selbstprüfung unterziehen, die uns auffordert: Prüft euch, ob ihr im Glauben seid, untersucht euch! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? (2.Kor 13,5). Und daher sei abschließend noch einmal gefragt, ob es nicht viel ratsamer ist, klar den Weg mit dem HERRN zu gehen, anstatt ständig in Richtung Welt zu schielen, und immer zu befürchten, man könnte etwas verpassen? Wer auch immer diesen Nervenkitzel bevorzugt, wer auch immer genau die Grenze ausloten will, anstatt klar innerhalb des Willen Gottes zu leben, eines wird ihm der HERR, sofern dieser Glaube überhaupt echt ist, nicht gewähren, und das ist Heilsgewissheit. Sollte jemand, der sich ständig in der Grauzone bewegt, sie dennoch haben, ist sogar äußerst fraglich, ob er dieses innere Zeugnis wirklich vom Heiligen Geist hat, oder ob es nicht eher ein Geist der Täuschung ist. Ich jedenfalls teile die Überzeugung von J.C. Ryle der diesbezüglich folgendes bemerkt hat: Der Mensch, der am engsten mit Gott in Christus wandelt, wird weitgehend im größten Frieden bewahrt. Der Gläubige, der dem Herrn am konsequentesten folgt und nach dem höchsten Grad der Heiligung strebt, wird gewöhnlich die gewisseste Hoffnung genießen und die klarste Überzeugung von seiner Rettung haben. 2

 

Quellangaben

1. J.C. Ryle, Heilsgewissheit - S.39
2. Ebd. S.42


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Predigtempfehlung:

Ein Leben an der Grenze des Willen Gottes - Tim Kelly

 

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Weltliche Frömmigkeit und fromme Weltlichkeit - Spurgeon

Wie in den Tagen Noahs

 

www.evangeliums-botschaft.de

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