und

Wiedergeburt und freier Wille

30.07.2016

Der Mensch ist so tief gefallen, dass er das Gesetz nicht halten kann. Eher verändert ein Äthiopier seine Hautfarbe oder ein Leopard seine Flecken, als dass der Mensch, der gewohnt ist, Böses zu tun, es lernt, Gutes zu tun (Jer 13,23); was der Mensch aufgrund der Verdorbenheit seines Fleisches jedoch nicht tun kann, tut Gott in ihm, indem er in ihm das Wollen und Vollbringen zu seinem Wohlgefallen wirkt. O, was für eine erstaunliche Gnade dies ist, die uns nicht nur unseren Mangel am Wollen vergibt, sondern auch unseren Mangel an Kraft beseitigt!

Und, liebe Freunde, ist es nicht eine wunderbare Gnade, wie Gott dies tut, ohne den Menschen in irgendeiner Weise zu zerstören? Der Mensch ist ein Geschöpf mit einem Willen – einem „freien Willen,“ wie er manchmal genannt wird -, ein Geschöpf, das für seine Taten verantwortlich ist; Gott kommt nicht und verändert unsere Herzen durch einen leiblichen Prozess, wie es sich einige erträumen, sondern durch einen geistlichen Prozess, niemals indem er unsere Natur verunstaltet, sondern indem er sie zurechtbringt.

Wenn ein Mensch ein Kind Gottes wird, hat er noch immer einen freien Willen. Gott zerstört das feine Gefüge unserer Natur nicht, sondern er ordnet es fachmännisch an. Wir werden Christen, indem wir selbst ganz zustimmen und dies bejahen; und wir halten Gottes Gebot nicht aus Zwang, sondern alleine aus dem lieblichen Drängen der Liebe. Wir halten die Gebote nicht, weil wir nicht anders handeln könnten, sondern wir halten sie, weil wir uns so entschieden haben, weil es uns Freude bereitet, sie zu halten, und dies scheint mir das größte Wunder der Gnade zu sein.

Seht, liebe Freunde, wie verschieden die Art und Weise des Wirkens des Herrn und unser Wirken ist. Wenn du einen Mann bezwingst, der ein böses Leben führt und ihn in Ketten legst, kannst du ihn zur Ehrlichkeit zwingen… aber dies ist nicht die Art und Weise, wie der Herr handelt.

Gott, der den Menschen in den Garten Eden setzte und niemals einen Zaun um den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen errichtete, sondern dem Menschen seine Freiheit ließ, handelt heute noch in gleicher Weise durch seine Gnade. Er überlässt den Menschen der Macht seines Inneren, und dennoch handeln der Mensch recht, weil er durch Gottes Gnade so verändert und erneuert wurde, dass er Freude daran hat, das zu tun, was er einst verabscheute.

Ich bewundere die Gnade Gottes, die auf diese Weise wirkt. Wir hätten die kaputte Uhr auseinandergenommen und die Hälfte der Zahnräder zerstört und neue gemacht oder etwas in dieser Art. Aber Gott weiß, wie er den Menschen so belässt, wie er war, bevor er sich bekehrte, und doch schafft Gott einen ganz neuen Menschen, indem das Alte vergeht und alles neu wird.

Und auch dies ist sehr schön, wenn Gott sein Gesetz auf das Herz seines Volkes schreibt, tut er es, um es zu bewahren. Wenn Gottes Gesetz auf das Herz des Menschen geschrieben wird, wird dieses Herz auf eine göttliche Weise zu einem Besitz des Königs, denn der Name des Königs findet sich dort, und das Herz, auf das Gott seinen Namen geschrieben hat, kann niemals verloren gehen.

 


Charles Spurgeon, God’s Law in Man’s Heart. Predigt am Sonntagabend im Metropolitan Tabernacle, London, 28. Juni 1885.

 

 

Ursprüngliche Quelle und Dank:distomos.blogspot.commehr dazu unter dem Vorwort

 

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