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Wie wir die Bibel lesen sollen

05.09.2016

Ein Goldschmied besitzt Flaschen mit Säure, mit denen er alles erprobt, was ihm zum Ankauf angeboten wird, um zu prüfen, ob es sich um Gold oder lediglich um eine Fälschung handelt. Und ein Christ sollte Gottes Wort in seinen Händen halten und in als Schatz in seiner Seele bewahren, um damit alles zu prüfen, was er hört. „Prüft alles, das Gute behaltet“ (1Thess 5,21). Viele Hörer glauben alles, was gesagt wird aufgrund der Person, die ihnen etwas verkündet. Das ist nicht die Gesinnung Christi. Wir sollten nichts als lebendige christliche Wahrheit annehmen, es sei denn sie ist uns von oben gesandt worden. Und wie sehr wir einen Pastor oder Lehrer respektieren mögen, dürfen wir unser Urteilsvermögen wegen einer Person nicht aufgeben, um deren Lehre anzunehmen, nur weil diese Person sich entschieden hat, diese zu vertreten. Alles, was sich als Wahrheit Gottes ausgibt, das dir verkündet wird, mag es noch so glänzen vor Redekunst und mag es noch so vernünftig und richtig klingen, muss an der Schrift geprüft werden. Es ist jedoch sehr schwer, die Menschen zu bewegen, dies zu tun. In dem Augenblick, in welchem du ihnen sagst, dies zu tun, scheinen sie sich einzubilden, dass du aus finsteren Motiven heraus handelst.

In Bezug auf unseren christlichen Glauben gibt es einen Konservativismus in unserem Wesen, der an und für sich gut wäre, wenn er von einem anderen Prinzip in die Ausgewogenheit geführt würde: Festzuhalten an dem, von dem ich weiß, dass es richtig ist, aber bereit zu sein, alles zu empfangen oder alles zu tun, was Gott mich lehren möge, dass ich es empfangen oder tun solle - das ist noch richtiger. Ich muss wissen, an was ich festhalte, ansonsten könnte ich mich an dem verletzen, an dem ich mich festhalte und was ich gelernt habe.

Die Frau aus Samaria sagte: „Unsere Vorväter haben Gott auf diesem Berg angebetet.“ Dies ist das Argument von vielen Leuten. „Unsere Vorväter haben es so oder so gemacht.“ Dies wäre ein Hauptargument, das davon ausgeht, dass unsere Vorväter immer Recht hatten, aber ein sehr absurdes Argument, wenn wir davon ausgehen, dass sie falsch handelten. Ich hoffe, dass wir nicht sind wie dieser frühe Sachse, der fragte, wohin sein Vater und alle seine Vorfahren gegangen sind, und als man ihm sagte, dass sie zweifelsohne alle verloren waren, antwortete er dem Missionar, dass er lieber an den Ort kommen wolle, wo seine Vorfahren sind, als Christ zu werden und sich von ihnen zu trennen. Es gibt eine Reihe von Leuten, die scheinbar diese Überzeugung in sich haben und sich darin rühmen. Ihre Vorfahren glaubten dies oder jenes, und sie haben den Wunsch, ihnen nachzufolgen. Es gibt viele, die Glaubenslehren bekennen, die sie niemals selbst erkannt haben und die sie nicht wirklich verstehen und begreifen. Sie hatten die Schale, aber sie erreichen niemals den Kern.

Verhält es sich heute Abend nicht so mit vielen unter uns? Wenn dir eine Lehre Gottes durch den Kopf geht, finde eine Schriftstelle oder Schriftstellen, die sie beweist. Wenn es scheinbar andere Schriftstellen gibt, die in eine andere Richtung weisen, zerstückle und zerteile sie nicht, sondern akzeptiere alles und warte bis der Heilige Geist dir offenbart, worin sie alle übereinstimmen. Die Schrift muss nicht deine Meinung bestätigen, sondern deine Meinung muss sich dem gesegneten Wort unterordnen.

Es gibt eine Fabel über einen törichten Gärtner, der einen Baum hatte, welcher ein seltsames Wachstum aufwies. Der Gärtner wollte den Baum nicht beeinträchtigen und baute also eine Mauer um ihn herum, damit der Baum an dieser Mauer entlang wachse. Ich denke, der Mann ist bei weitem weiser, der keine Mauer baut und stattdessen den Baum beschneidet. Es gibt Leute, die eine Begabung haben, die Schrift zu verändern, damit diese sich ihrer Sichtweise anpasst, indem sie ein Wort streichen, ein anderes auslassen, oder die Bedeutung einer Schriftstelle völlig verändern, obgleich jeder weiß, dass all dies erzwungen und unnatürlich ist, oder sie basteln solange an einer Schriftstelle herum, bis sie die andere Bedeutung oder Eigenart annimmt, die ihnen passt. Das ist nicht Ehrfurcht. Das ist nicht die Art und Weise, wie man Gottes Wort behandeln sollte.

Gottes Wort ist kein Stück Wachs, das wir nach unseren Vorstellungen – oder den Vorstellungen irgendwelcher anderer Leute – formen können. Wenn kein anderer sagt, was er meint, Gott sagt immer, was er meint. Er will nicht, dass wir in einer Sprache sprechen, die ein halbes Dutzend verschiedener Bedeutungen hat – und Gott selbst spricht nicht in dieser Weise. Er spricht so klar, dass es nicht schwierig ist zu wissen, was Gott meint, wenn wir offen sind und wissen wollen, was er meint – insbesondere wenn wir diesbezüglich vor Gott treten. Lasst uns sodann diesen Rat annehmen und die Geister prüfen, ob sie von Gott sind, und lasst uns wie die edlen Beröer die Schrift durchforschen, ob es sich so verhält; also lasst uns die Schrift lesen und lasst uns prüfen, was wir lesen.

 


Spurgeon, How to Read the Bible. Predigt im Metropolitan Tabernacle, London, 21. Juni 1866.

 

 

 

 

Lehre kann gefährlich werden, wenn sie nicht praktiziert wird.

“Lehre wird gefährlich, wenn sie nicht praktiziert wird. Alle Lehren von Gottes Wort mögen sich schnell als gut und praktisch erweisen, wenn wir willig sind, sie umzusetzen. Diejenigen, die Lehre lediglich als etwas betrachten, das sich zum Debattieren eignet, verfehlen völlig das Ziel, denn die Wahrheit wird uns gelehrt, damit wir ein heiliges Leben führen. Das ist Gottes Ziel, wenn er uns mehr Licht gibt, damit wir durch dieses Licht noch mehr von seinem Licht erfüllt werden und für andere zum Licht werden."

Spurgeon, C H: Girded for the Work.

 

 

 

Ursprüngliche Quelle und Dank:distomos.blogspot.commehr dazu unter dem Vorwort

 

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