Jesus Christus, unsere Hoffnung (1.Tim 1,1) und und

Wer von euch ohne Sünde ist...

11.06.2018

 

Ein sehr bekanntes Zitat von Jesus lautet: „Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen.“

Hier stellt sich natürlich die Frage: „Gibt es überhaupt jemand der ohne Sünde ist?“ „Klar doch, ich glaube an das Gute im Menschen", wird jetzt vielleicht mancher denken, doch was sagt die Bibel zu diesem Thema? Um das herauszufinden möchte ich zunächst einmal auf den Bibelabschnitt eingehen, in dem dieses Zitat zu finden ist: Früh am Morgen war Jesus wieder im Tempel. Das ganze Volk versammelte sich um ihn, und er setzte sich und begann zu lehren. Da kamen die Schriftgelehrten und die Pharisäer mit einer Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte, sodass jeder sie sehen konnte. Dann wandten sie sich an Jesus. »Meister«, sagten sie, »diese Frau ist eine Ehebrecherin; sie ist auf frischer Tat ertappt worden. Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu?« Mit dieser Frage wollten sie Jesus eine Falle stellen, um dann Anklage gegen ihn erheben zu können. Aber Jesus beugte sich vor und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie jedoch darauf bestanden, auf ihre Frage eine Antwort zu bekommen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen.« Dann beugte er sich wieder vor und schrieb auf die Erde. Von seinen Worten getroffen, verließ einer nach dem anderen den Platz; die ältesten unter ihnen gingen als Erste. Zuletzt war Jesus allein mit der Frau, die immer noch da stand, wo ihre Ankläger sie hingestellt hatten (Joh 8,1-9).

Jesus sagte von sich selbst, dass ER barmherzig sei, ist es da nicht grobfahrlässig zu sagen, "wer ohne Sünde ist soll den ersten Stein werfen?" Was wäre gewesen, wenn tatsächlich ein Sündloser darunter gewesen wäre? Immerhin wird uns doch gleich zu Beginn des Textes gesagt, dass die ganze Volksmenge versammelt war, da wird doch wenigstens ein Mensch darunter gewesen sein, der ein sündloses Leben führte. Immerhin waren es ja auch sehr religiöse Menschen, die da vor Jesus standen, um den Skandal des Ehebruchs ans Licht zu bringen. Sollte es denn unter jenen ehrenwerten Sittenwächtern nicht zumindest einen geben, der Gottes Gebote Zeit seines Lebens erfüllt hat?

Doch sehen wir uns den Text noch etwas genauer an. Da wird berichtet, dass eine Frau beim Ehebruch ertappt wurde. Ist es nicht sonderbar? Gehören zum Ehebruch nicht immer zwei? Wie konnten sie diese Frau auf frischer Tat beim Ehebruch ertappen und den Mann übersehen? Ist das nicht scheinheilig? Der Mann soll ungeschoren davonkommen, aber die Frau muss unbedingt getötet werden. Nicht nur das verwundert, sondern auch die Tatsache, dass diese frommen Männer am helllichten Tag Zeugen dieses Ehebruchs wurden. Hatten sie dieser Frau etwa hinterher spioniert oder war diese Tat gar vorsätzlich inszeniert? Eines jedenfalls ist klar, sie wollten Jesus eine Falle stellen. Es war nämlich immer ihr Bestreben, sich schwierige Konstellationen auszudenken, um irgendetwas zu finden, das sie gegen IHN verwenden konnten. Hätte Jesus der Steinigung zugestimmt, hätte es geheißen: „Wir dachten du bist gekommen um Sünder zu retten?“ Hätte ER sich dagegen ausgesprochen, hätten sie IHM vorgehalten, ER würde sich nicht an das Gesetz halten.

Ist das nicht auch eine Frage die uns bewegt? Da ist auf der einen Seite ein gerechter und heiliger Gott, der keine Sünde ungestraft lässt und auf der anderen Seite ein barmherziger, gnädiger und gütiger Gott. Wie ist das in Einklang zu bringen? Wie kann Gott Gericht üben, wenn ER ein Gott der Liebe ist? Auf diese Frage gibt es eine kostbare Antwort: Durch das Kreuz von Golgatha! Dort hat Gott Seine Gerechtigkeit und Sein Gericht mit Seiner Liebe und Seiner Barmherzigkeit in Einklang gebracht. Denn dort hat er den, der ohne jede Sünde war (Jesus) für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch die Verbindung mit ihm die Gerechtigkeit bekommen, mit der wir vor Gott bestehen können (2.Kor 5,21).

Genau das ist der Punkt, um den es im Evangelium geht. Viele haben dieselbe Haltung wie die Pharisäer, sie haben eine sehr hohe Meinung von sich selbst und glauben Fehler würden nur die anderen machen. Eine Begegnung mit Jesus bringt diese fromme Fassade jedoch schnell zum Einsturz. Die Aufforderung: Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen!, hatte genügt, um ihnen förmlich den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Diese Worte hatten sie getroffen. Von ihrem Gewissen überführt, schlich sich einer nach dem anderen davon. Hier stellt sich die Frage, wie reagieren wir, wenn uns Gottes Wort von unserer Sünde überführt? Schleichen wir uns auch davon oder machen wir es wie diese Ehebrecherin? Auch sie wurde von ihrer Sünde überführt, doch im Gegensatz zu ihren Anklägern blieb sie bei Jesus. Sie setzte ihre Hoffnung auf IHN und wurde nicht enttäuscht. »Wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?«, wollte Jesus wissen. »Nein, Herr, keiner«, antwortete sie. Da sagte Jesus: »Ich verurteile dich auch nicht; du darfst gehen. Sündige von jetzt an nicht mehr!« (Joh 8,10-11)

Jetzt könnte man sagen: „Klar, die Pharisäer waren eben oberscheinheilig Leute, das weiß doch jeder!“. Mag sein, aber die Frage ist: „Wo stehen wir?“ Kann es vielleicht sein, dass wir auch durch Stolz verblendet sind? Jesus hatte einen ganz klaren Auftrag von Seinem Vater bekommen und der lautete, wie ER selbst sagte: „Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten" (Mt 9,13).

Das ist unfair könnte man meinen, denn was ist mit den Gerechten, hat Gott etwa was gegen gerechte Menschen? Nein, sicher nicht, das Problem ist einfach nur, dass es in Gottes Augen keine gerechneten Menschen gibt. Wenn wir trotzdem darauf bestehen, sündlos zu sein, erklären wir Gott sogar zum Lügner. Unmissverständlich sagt uns Sein Wort: Wenn wir behaupten, wir hätten nicht gesündigt, machen wir Gott damit zum Lügner und beweisen, dass sein Wort nicht in unserem Herzen ist. Und im selben Zusammenhang wird gesagt: Wenn wir sagen, wir seien ohne Schuld, betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns. Doch wenn wir ihm unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns vergibt und uns von allem Bösen reinigt. (1.Joh 1,10.8-9).

Letztlich ist es also nur Selbstbetrug, wenn wir darauf bestehen, sündlos zu sein. Dennoch fällt es uns von Natur aus, unheimlich Schwer unsere Schuld vor Gott einzugestehen. Ständig sind wir darum bemüht, uns besser darzustellen als wir in Wahrheit sind. Gott jedoch kennt unser Herz und Seine Diagnose lautet: Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es (Jer 17,9). Auch Jesus hat diese Wahrheit unschöne ausgesprochen. Ohne irgendetwas zu beschönigen sprach ER: „Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen die bösen Gedanken hervor, Ehebruch, Unzucht, Mord, Diebstahl, Geiz, Bosheit, Betrug, Zügellosigkeit, Neid, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen heraus und verunreinigt den Menschen“ (Mk 7,21-23).

Wenn Jesus das so schonungslos aufdeckt, dann nicht, weil ER Freude daran hätte, uns niederzumachen, sondern weil ER uns helfen will. ER hat gute Gedanken und Absichten. Sein Ziel besteht darin, uns zu helfen und zu heilen. Seine Haltung entspricht der eines Arztes. „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder zur Buße“ (Lk 5,31-32).

Die Bibel ist tatsächlich so ausgerichtet, dass sie uns zur Umkehr leiten will. Das liegt gewiss nicht daran, dass wir Gott gleichgültig sind, sondern im Gegenteil, es macht deutlich, dass wir IHM sehr wichtig sind. Wäre Gott nicht so barmherzig, würde ER die ganze Menschheit ins Verderben rennen lassen, doch weil ER langsam zum Zorn und groß an Güte und Barmherzigkeit ist, fordert ER uns durch Sein Wort zur Umkehr auf. Wir sollten uns darüber nicht ärgern, sondern dankbar sein. Nehmen wir einmal an, wir fahren in den Urlaub und schlagen versehentlich die falsche Richtung ein. Was wird wohl unser Navi sagen? Ganz klar: „Bitte wenden!“ Und wie regieren wir, sind wir etwa sauer aufs Navi und bestehen darauf, es besser zu wissen, oder hören wir auf die freundliche Stimme und kehren um? Genauso sollten wir auch auf Gottes Wort reagieren. Es zeigt uns den Weg ins Himmelreich, es führt uns zu Gott. Doch es funktioniert nur, wenn wir auch bereit sind, Korrektur anzunehmen. Wir mögen noch so überzeugt sein, aufgrund unserer eigenen Werke und Verdienste vor Gott bestehen zu können, selbst wenn wir denken, wir seien zu 100% im Soll, erklärt uns Gottes Wort, dass genau das Gegenteil der Fall ist – wir sind zu 100% im Minus. Auch wenn es noch unschön klingen mag, die Bibel sagt, dass wir alle Sünder sind (vgl. Römer 3, 10-12). Wir müssen uns bewusstmachen, Gottes Wort offenbart uns diese Wahrheit, weil uns nur die Wahrheit vor Irrtum und Selbstbetrug befreien kann. Entscheidend ist, wie wir mit dieser Wahrheit umgehen? Bleiben wir halsstarrig und halten daran fest, dass wir es auch ohne Jesus in den Himmel schaffen, oder sind wir bereit unsere Schuld einzugestehen und zu Gott umzukehren?

Egal wie sehr sich ein Mensch auch anstrengt, er wird es nie schaffen, den heiligen Ansprüchen Gottes gerecht zu werden. Erlösung ist immer ein unverdientes Geschenk. Nur das Werk vom Kreuz macht uns vor Gott gerecht. Darum schreibt Paulus in Römer 3,22-25: Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit. 

Erlösung geschieht also niemals aufgrund unserer eigenen Leistung, sondern ist völlig unverdient. Es geht nicht um etwas das uns zusteht, sondern um Begnadigung. Der biblische Grundsatz lautet: Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es (Eph 2,8). Wenn wir uns Gottes Gnade verdienen müssten, wäre es keine Gnade mehr, Seine Erlösung ist ein unverdientes Geschenk. Wir können niemals durch unsere eigene Gerechtigkeit oder guten Werke vor dem reinen, heiligen Gott bestehen. ER ist vollkommen, ER ist rein, in IHM ist keine Finsternis. Daher können wir einzig und allein aufgrund des Opfers, das Jesus am Kreuz vollbracht hat, vor Gott bestehen. Nur in Christus ist das Heil. ER war wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich. Nur ER konnte uns freikaufen von dem Fluch der Sünde und des Todes. Wir können vor Gott nur bestehen, wenn wir Jesus Christus als unseren HERRN und Erlöser annehmen. Der gerechte Gott kann einen Sünder nur durch Jesu Werk am Kreuz freisprechen. Glauben bedeutet also sein Vertrauen ganz das zu setzen, was Christus für uns getan hat. ER ist Retter und Erlöser. Im Garten Eden war dem Menschen alles erlaubt, nur ein einziges Gebot hatte Gott, Adam und Eva gegeben, sie durften nicht von dem Baum mit der Frucht der Erkenntnis essen, doch genau das taten sie. Nun gebietet Gott dem Menschen, dass wir an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben sollen (1.Joh 3,23).

Es ist unsere Entscheidung, wie wir darauf regieren. Beharren wir weiter auf Selbsterlösung und setzen unser Vertrauen auf eigene Werke, oder vertrauen wir auf das Werk, das Jesus am Kreuz für uns vollbracht hat. Ich kann nur dazu ermutigen, auf das zu vertrauen, was Jesus für uns getan hat, denn mit weniger kann sich Gott niemals zufriedengeben. Der Fernsehevangelist Wolfgang Wegert sagte einmal: "Was wir tun, das reicht niemals für den Himmel. Aber was Gott getan hat in Jesus Christus, das reicht für alle Ewigkeit!"

 

 

www.evangeliums-botschaft.de

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