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Wer sich selbst erhöht

Veröffentlicht am 15.03.2017

 

In Matthäus 23 sagte Jesus: „Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden!“. Das war es im Grunde auch, worauf der letzte Beitrag abgezielt hat. Mir war es deshalb so wichtig, vor falscher Motivation zu warnen, weil dies ein unumstößliches geistliches Prinzip ist, das uns in der Schrift immer wieder vor Augen geführt wird. Was ich jedoch nicht behaupten will, ist, dass wir uns deshalb nicht gegenseitig ehren sollen, was es zu vermeiden gilt, ist Eigenlob und Ehrsucht. In Matthäus 23 zeigt uns Jesus diese falsche Herzenshaltung anhand des Fehlverhaltens der Schriftgelehrten und Pharisäer. Jesus ist hier wie immer erstaunlich direkt, so dass ER sich nicht davor scheut, die fromme Heuchelei dieser religiösen Führer öffentlich anzuprangern. Heute bezeichnet man so etwas als taktlos oder lieblos, doch wollen wir wirklich so vermessen sein und uns einbilden, wir hätten mehr Liebe als der Sohn Gottes?
Um zu verstehen, worauf Jesus mit dieser Warnung vor Selbsterhöhung abzielt, möchte ich Vers 5 zitieren. Hier deckt Jesus nämlich die wahre Motivation hinter all den Frömmigkeitsübungen der Schriftgelehrten und Pharisäer auf, indem ER sagt: Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Kleidern groß.

Nach außen hin vermittelten diese Männer, sie seien Diener Gottes, deren Ziel es sei, Gott zu verehren, doch in Wahrheit steckte ein anderes Motiv hinter ihrem Tun. In Wahrheit ging es ihnen nicht um die Ehre Gottes, sondern um ihre eigene. Jesus führt diese Haltung noch weiter aus, indem ER ihr Verhalten wie folgt beschreibt: Sie sitzen gern obenan beim Gastmahl und in den Synagogen und haben's gern, dass sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten Rabbi genannt werden.
Seinen Jüngern hingegen sagt Jesus: Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. Und ihr sollt niemand euren Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater: der im Himmel. Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus. Der Größte unter euch soll euer Diener sein (V 6-11).
Und darauf folgt schließlich die Aussage: Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden (V 12)

Nicht weil ich es sage, sollten wir uns davor hüten, uns selbst zu erhöhen, sondern weil es Jesus gelehrt hat, und dies nicht nur an dieser Stelle (vgl. Lk 14,11: 18,14). Immer wieder hat Jesus gezeigt, dass es wichtig ist, sich über die wahren Motive des eigenen Herzens im Klaren zu sein. Denn egal was man auf geistlichem Gebiet macht, egal um welchen Dienst es sich handelt, die Gefahr etwas nur zu tun, um menschliche Anerkennung zu bekommen, sollten wir nie unterschätzen. Es ist nicht grundsätzlich falsch, bei christlichen Veranstaltungen den Saal vollbekommen zu wollen, es ist auch nicht grundsätzlich falsch, den Wunsch zu haben, dass eine christliche Internetseite viele Besucher hat oder dass geistliche Beiträge von vielen gelesen werden. Falsch ist es nur dann, wenn man Abstriche beim geistlichen Inhalt macht, damit es eine breitere Masse anspricht. Sicher darf man auch Zahlen nennen, nur sollte man sich darüber im Klaren sein, welche Motivation dahintersteckt. Daher sollte man sich immer fragen: Dient es zur Ehre Gottes oder zu meiner eigenen Ehre? Denn egal wie geistlich ein Dienst nach außen hin erscheinen mag, das Prinzip das Jesus hier genannt hat, sollte uns davor schützen, von falschen Motiven angetrieben zu werden. Beim Predigen, wäre es, dass man den Geschmack der Zuhörer treffen möchte, anstatt sich wirklich treu an das Wort Gottes zu halten. Doch selbst beim öffentlichen Beten, besteht die Gefahr, dass man seine Gebete nur zum Schein hält, um andere zu beeindrucken. Genau das hat Jesus angedeutet, als ER die langen Gebetsriemen der Pharisäer erwähnt hat. An anderer Stelle sagte ER es noch deutlicher, indem ER ganz offen ansprach, dass sie zum Schein lange Gebete hielten (vgl. Mk 12,40: Lk 20,47).

Und so spricht Jesus auch in den einleitenden Worten zum Vaterunser folgende Warnung aus: Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin (Mt 6,5).
Wer nur betet, um andere zu beeindrucken, der mag den Beifall der Leute bekommen und wer nur predigt, um anderen zu gefallen, ebenso. Es mag sein, dass man dafür menschliche Anerkennung bekommt, doch das ist laut Jesus alles, was man dafür bekommen wird.
Martyn Lloyd-Jones kommentiert: Was haben sie gesucht? Sie suchten die Ehre der Menschen und sie haben sie auch bekommen.1
Allein in Matthäus 6 finden wir diesbezüglich dreimal die Aussage: Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin (V 2: 5: 6). Jesus nennt als Beispiel das Almosen geben, das Beten und das Fasten. Dazu wiederum ein sehr treffender Kommentar von Martyn Lloyd-Jones: Gottes Augen sind auf mich gerichtet. Es darf mir nicht um die Meinung anderer Leute gehen, noch darf Eigeninteresse vorherrschend sein. Gebe ich Almosen, dann gebe ich sie nicht, um gelobt zu werden. Das Gleiche betrifft auch mein Gebetsleben. Ich darf niemals den Eindruck hinterlassen wollen, ein „großer Beter“ zu sein. 2
Beten, Fasten und Almosen geben wäre an sich sehr lobenswert, doch wenn das Motiv dahinter nicht die Verehrung Gottes ist, sondern nur der Wunsch nach Lob und Anerkennung dahintersteckt, dann wird dadurch alles zunichte, weil es in Wahrheit kein Gottesdienst ist. Man dient nicht Gott, es geht nicht um Seine Ehre, sondern um die eigene Ehre. In all diesen Fällen gilt: Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Doch beachten wir nun den zweiten Teil der Aussage, so wie es auf der einen Seite ein geistliches Prinzip ist, dass derjenige, der sich selbst erhöht, erniedrigt wird, so gilt im Umkehrschluss, wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Und genau das ist auch Gottes Ziel mit unserem Leben, Sein Wort leitet uns zur Demut an, weil es Seine Absicht ist, uns zu erhöhen. Mit anderen Worten: Es wird Lohn für den Gerechten geben, das steht außer Frage, nur sollten wir diesen Lohn nicht von Menschen, sondern allein von Gott erwarten. Genau das macht wahren Glauben aus. Denn so steht es geschrieben: Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird (Hebr 11,6).
Wahrer Glaube rechnet mit Gott, wahrer Glaube vertraut darauf, dass unser Vater im Himmel, denen die IHN suchen, ein Belohner sein wird. Das heißt, der Gläubige ist nicht in erster Line auf Lob und Anerkennung von Menschen, also auf Lohn im Diesseits aus, sondern wartet auf den zukünftigen Lohn, der ihm durch das Wort Gottes versprochen ist. Und dieser Lohn wird so übertrefflich sein, dass wir unseren Augen nicht trauen werden, wie überreich uns der Vater beschenken wird. „Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“ (1.Kor 2,9: Jes 64,3), zitiert Paulus aus Jesaja und sagt an anderer Stelle: „Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll“ (Röm 8,18).

Das letztlich sollte unsere Motivation sein, so dass wir die Haltung eines Moses einnehmen können, über denn gesagt wird. Durch Glauben weigerte sich Mose, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter Pharaos zu heißen, und zog es vor, lieber zusammen mit dem Volk Gottes geplagt zu werden, als den zeitlichen Genuss der Sünde zu haben, indem er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung. Durch Glauben verließ er Ägypten und fürchtete die Wut des Königs nicht; denn er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren (Hebr 11,24-27).
Beachten wir auch, über Mose wird gesagt, dass er sehr demütig war. Obwohl er der Anführer eines ganzen Volkes war, heißt es über ihn: Der Mann Mose war sehr demütig, mehr als alle Menschen auf Erden (4.Mo 12,3). Genau diese Herzenshaltung sollten wir übernehmen, denn geschrieben steht: Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade (Spr 3,34: Jak 4,6: 1.Petr 5,5). Und Jakobus sagt in diesem Zusammenhang: So seid nun Gott untertan. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch (Jak 4,7). Satan selbst ist in seinem Wesen stolz und hochmütig, und so ist es nicht verwunderlich, dass er die Menschheit gerade durch diese Wesenseigenschaft zu Fall bringen möchte. Sein Ziel besteht ohne Zweifel darin, uns zu Fall zu bringen und er weiß es aus eigener Erfahrung nur zu gut: Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall (Spr 16,18). Aus diesem Grund warnt der Apostel Paulus: Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, indem wir einander herausfordern, einander beneiden! (Gal 5,26). Und im Philipperbrief schreibt der Apostel den Gläubigen, dass sie nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht tun sollen, und fordert stattdessen dazu auf: Dass in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst (Phil 2,3).

Damit kommen wir nun zu einem Punkt, den wir nicht übersehen dürfen, es ist immer so, dass wir Gott an erste Stelle setzen sollen und IHM allein die Ehre gebührt, dennoch zeigt uns die Schrift, dass wir auch unsere Glaubensgeschwister ehren sollen. Wenn ich jetzt noch einmal auf das Thema Erfolgsmeldungen und dergleichen zurückkomme, dann sei gesagt, dass es mir hauptsächlich um das Thema Eigenruhm ging. Wenn wir uns diesbezüglich die Haltung des Apostel Paulus ansehen, betont er auf der einen Seite: In der Bruderliebe seid herzlich zueinander, in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend (Röm 12,10), doch auf der anderen Seite, nämlich wenn es um seine eigene Ehre geht, sträubt er sich regelrecht dagegen, sich selbst zu rühmen. Mit anderen Worten, die Glaubensgeschwister sollen wir ehren, doch die eigene Ehre sollten wir nicht suchen. Somit können wir durchaus auch Verkaufszahlen des Buches eines Bruders nennen, sofern wir es für einen wertvollen geistlichen Beitrag halten, von dem wir überzeugt sind, das er auch anderen zum Segen wird. Auch dürfen wir Predigten und geistliche Dienste weiterempfehlen, was ich betonen wollte ist, dass man sich nicht selbst empfehlen oder in den Vordergrund stellen sollten, vor allem nicht in der Form, dass man mit vermeintlichen Erfolgen prahlt. Ansonsten gilt natürlich, dass ein Arbeiter seines Lohnes Wert ist, und so schreibt auch Paulus: Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelter Ehre gewürdigt werden, besonders die in Wort und Lehre arbeiten (1.Tim 5,17). Das heißt, wir sollten dankbar sein für jene, die uns am Wort dienen und sie auch entsprechend ehren.

Doch wie gesagt, in Bezug auf sich selbst, hat sich Paulus regelrecht davor gesträubt sich selbst zu rühmen. So sagt er im 2.Brief an die Korinther: Wenn gerühmt werden muss, so will ich mich der Zeichen meiner Schwachheit rühmen (2.Kor 11,30). Im ganzen Bibelabschnitt sieht man, dass es Paulus eigentlich zu wider ist, von seinen eigenen Erfolgen zu reden, doch leider hatte es sich bei den Korinthern so eingeschlichen, dass jene, die sich selbst rühmten, großen Eindruck auf sie machten. Das Thema zieht sich durch den ganzen Brief, so fragt Paulus bereits im 3. Kapitel: Fangen wir wieder an, uns selbst zu empfehlen? Brauchen wir etwa, wie gewisse Leute, Empfehlungsbriefe an euch oder Empfehlungsbriefe von euch? (2.Kor 3,1). Außerdem kritisierte Paulus die Korinther bereits in seinem ersten Brief, indem er sie fragt: Denn wenn einer sagt: Ich bin des Paulus, der andere aber: Ich des Apollos - seid ihr nicht menschlich? (1.Kor 3,4).
Obwohl es sogar um seine eigene Person ging, hat Paulus sich nicht gefreut, ein paar Anhänger zu haben. Auch nutzte er nicht die Situation, um gegenüber Apollos zu punkten und sich besser zu positionieren. Nein, vielmehr war es sein Ziel, dass die Korinther ihren Blick immer auf den HERRN richten sollten. Weil es der HERR allein ist, dem die Ehre gebührt. Hieran erkennen wir auch einen guten geistlichen Leiter. Sein Ziel wird es niemals sein, Nachfolger für sich selbst zu gewinnen, sondern Nachfolger für den HERRN. Genau das Gegenteil davon, ist ein Merkmal falscher Lehrer. Vor ihnen warnt Paulus, indem er sagt: Und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her (Apg 20,30).

Somit stellt sich immer die Frage, führt ein geistlicher Dienst in die Abhängigkeit vom HERRN oder in die Abhängigkeit von Menschen? Da wo Menschen sich selbst in den Mittelpunkt stellen, ist äußerste Vorsicht geboten. Die Diener Gottes sollten zwar sehr wohl geehrt werden, doch sie müssen daran gemessen werden, ob sie wirklich die unverfälschte Botschaft des Evangeliums weitergeben. Ist dies der Fall, dann wird Christus durch ihren Dienst erhöht. Denn allein ER hat den Namen, der über jedem Namen ist (Phil 2,9). Doch wie kam es dazu? Warum hat Gott IHM den Namen verliehen, der über allen Namen ist? War es etwa, weil Jesus ein Prahler war, dessen einziges Thema es war, alle wissen zu lassen, was für Erfolge er aufzuweisen hat? Gewiss nicht, vielmehr war das Gegenteil der Fall, und dies obwohl Jesus ohne Zweifel wesentlich mehr Grund als jeder andere gehabt hätte, um sich selbst zu rühmen. Aber wie gesagt, ER war kein Marktschreier, der sich selbst angepriesen hat, (vgl. Jes 42,2), vielmehr steht geschrieben: Erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters (Phil 2,8-10).

Wenn Jesus sich erniedrigt hat, sollten sich Seine Diener dann etwa selbst erhöhen? Gewiss nicht, wahre Diener Gottes sollten sich nicht selbst in den Vordergrund stellen, sondern vielmehr die Haltung von Johannes dem Täufer einnehmen, der sprach: Er muss wachsen, ich aber abnehmen (Joh 3,30). Mit anderen Worten, der Ruhm des HERRN soll sich mehren, nicht der eigene. Meine Erkenntnis anhand der Schrift ist, dass sich der HERR Seine Ehre mit niemand teilen wird. Das ist es im Grunde, was ich mit dem letzten Beitrag betonen wollte. Nicht die Diener Gottes, sondern Gott selbst sollte im Vordergrund stehen. So schreibt Paulus auch am Anfang des Briefes: Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit das Übermaß der Kraft von Gott sei und nicht aus uns (2.Kor 4,7).

Grundsätzlich gilt es, bei allen was man tut, zu fragen, ob man es wirklich zur Ehre Gottes macht oder zur eigenen Ehre. Ich will auch kein Pauschalurteil aussprechen oder mit Steinen auf Glaubensgeschwister werfen die Zahlen nennen, ich kann die Motive dahinter nicht erkennen, es geht letztlich darum, dass jeder sich an diesem Punkt selbst prüfen sollte, und dies nicht weil ich es sage, sondern weil Jesus sagte: Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Denn das geistliche Prinzip: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“, habe nicht ich aufgestellt, vielmehr war es Gott. Ich möchte daher nicht so verstanden werden, als ginge es mir darum, mich aufzuspielen oder andere bevormunden zu wollen. Wenn ich das Thema mit der Ruhmsucht und dem Trachten nach Erfolgszahlen so betone, liegt es unter anderem auch daran, weil ich hier selbst ein gebranntes Kind bin. In meiner Extremphase als Pfingstler, hatte ich mal die Vision einen Bestseller zu schreiben und da war ich nur auf Erfolg und Zahlen aus. Doch inzwischen kann ich wie der Psalmschreiber sagen: Bevor ich gedemütigt wurde, irrte ich (Ps 119,67).

Ich bin natürlich auch jetzt nicht frei von Irrtum, daher gilt es, das, was ich schreibe Anhand der Schrift prüfen, doch dies gilt grundsätzlich, egal wer etwas sagt oder schreibt, alles muss diesem Test unterzogen werden. Zum Abschluss möchte ich noch einmal betonen, dass nichts dagegen spricht Glaubensgeschwister weiterzuempfehlen, wovor man sich nach meinem Schriftverständnis hüten sollte, wäre, sich selbst zu empfehlen oder andere beindrucken zu wollen. Wenn man sich bei den Lesern nur bedanken will, ist es auch wieder etwas Anderes. Es kommt immer auf das Motiv und die Herzenshaltung an. An dieser Stelle auch ein Dank an die Leser, die dieser Seite treu geblieben sind. Es ist keine Frage, dass ich mich freue, wenn die Beiträge von vielen gelesen werden. Doch wie gesagt, meine Motivation ist, dass alles zur Ehre Gottes geschieht.

Darüber hinaus war es mir wichtig aufzuzeigen, dass es darum geht, unser Vertrauen nicht auf unsere menschlichen Möglichkeiten zu setzen, sondern allein auf die unbegrenzte Macht Gottes. Unser Vater im Himmel ist allmächtig, bei IHM sind alle Dinge möglich, ER ist weder auf prominente Menschen, noch auf akademische Titel, noch auf sonst irgendetwas angewiesen, was Menschen beeindrucken könnte. Wobei auch hier gilt, Ehre wem Ehre gebührt, ich will so etwas dadurch nicht abwerten, doch im Reich Gottes, sind es oft ganz unscheinbare, unbedeutende Leute, die der HERR gebrauchen kann. Und dies gilt nicht nur in Bezug auf Personen, sondern auch in Bezug auf die Rahmenbedingungen. Aus diesem Grund ist es nicht so entscheidend, ob der Saal bei einer Veranstaltung voll ist, oder ob eine Internetseite täglich 5 oder 500 Besucher hat. Der HERR kann durch viel oder wenig, Großes tun (vgl. 1.Sam 14,6), und oft sind es sogar die unscheinbaren Dinge, die ER bevorzugt dazu einsetzt, um Seinen Namen zu verherrlichen. Er ist der Töpfer, wir sind der Ton, und wenn je unbrauchbarer das Ausgangsmaterial, je größere Ehre wird dem Töpfer zuteil (vgl. Röm 9,21; 2.Kor 4,7). Und wiederum sagt der HERR: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig (2.Kor 12,9).

Bezeichnenderweise sind es dann auch die Korinther, die Paulus an ihre Berufung erinnert, indem er schreibt: Denn seht, eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind (1.Kor 1,26). Sie hatten sich blenden lassen von Leuten, die mit ihren eigenen Erfolgen prahlten, zudem gab es Spaltungen unter ihnen, so dass jene mit den vermeintlich besseren Gaben, verächtlich auf die anderen herabblickten, Paulus korrigierte diese falsche Haltung indem er ihnen sogar in beiden Briefen sagte: "Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!" (1.Kor 1,31; 2.Kor 10,17). Außerdem erklärte er ihnen anhand des menschlichen Körpers, das jedes Glied am Leib der Gemeinde eine wichtige Funktion hat und das nicht einer zum anderen sagen kann, er würde ihn nicht brauchen. Ebenso sollte sich auch keiner minderwertig oder unbrauchbar vorkommen (vgl. 1.Kor 12,12-25).

Abschließend sei noch bemerkt, dass in der Welt vor allem die hohe Auflage eines Buches beindruckt. Dabei steht natürlich außer Frage, je mehr Bücher ein Autor verkauft, je mehr Leute kann er erreichen, doch aus christlicher Sicht sollte mehr der Inhalt von Bedeutung sein, als die Verkaufszahl, ansonsten müssten wir alle Harry Potter lesen, doch würde uns das geistlich weiterbringen?
Überlegen wir uns doch mal an wen das Lukasevangeliums und die Apostelgeschichte ursprünglich adressiert war. Es war tatsächlich nur eine Person, Adressat war ein Mann namens Theophilus (vgl. Lk 1,3; Apg 1,1). Man stelle sich vor, Lukas hat all diesen Fleiß aufgewendet, um nur einer einzigen Person zu schreiben. Ist es nicht erstaunlich, für wie viele Menschen diese beiden Berichte bis heute zum Segen wurden? Heute sind sie Bestandteil, des meistgedruckten und meistverkauften Buches der Welt. Dennoch würde ich niemand sagen, „ließ die Bibel, sie ist ein Bestseller“, sondern, „ließ die Bibel, sie ist das Wort Gottes und die Quelle des Lebens“. Nicht die hohen Auflagen, nicht die hohen Verkaufszahlen machen die Bibel so wertvoll, sondern der Inhalt. Entscheidend ist, dass dieses Wort Geist und Leben ist. Wer also nur wenige Menschen durch seinen Dienst erreicht, sollte sich nicht entmutigen lassen. Ich bin mir sicher, in der Ewigkeit werden wir staunen, welchen Segen selbst die unscheinbarsten Dienste eingebracht haben. Denn es steht außer Frage, der HERR kann durch viel oder wenig, Großes tun. Entscheidend ist allein unsere Treue, alles andere können wir getrost dem HERRN überlassen. Wenn wir Sein Wort treu weitergeben, wird ER es nicht leer zurückkommen lassen.

Darum gelten einmal mehr die Worte von Martyn Lloyd-Jones, der im Hinblick auf die ökumenischen Bestrebungen, alle christlichen Denomination unabhängig ihres Glaubensbekenntnisses vereinen zu wollen, um in der Welt relevanter zu sein, folgendes sagte: Die Betonung liegt nicht auf Zahlen, sondern auf der Wahrheit Gottes. Denn wie groß auch die Körperschaft einer Kirche sein mag, sie wird auf die Welt keinen Einfluss gewinnen, es sei denn, sie kann der Welt die Wahrheit verkünden, eine feste Grundlage, die den Menschen Halt gibt. 3


 

 

Quellangaben:
1. Martyn Lloyd-Jones - Bergpredigt. Band 2: "Unser Vater im Himmel..." S.52
2. Ebd. S.87
3. Martyn Lloyd-Jones: Licht an einem dunklen Ort, S.5

 

 

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