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Wenn Blinde Blinde führen

03.09.2016

Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grubefallen? (Lukas 6,39)

Wenn ein Mann einen schlechten Führer seiner Seele wählt, steht am Ende aller schlechter Leiterschaft eine Grube.

Ein Mann lehrt Irrtum, wobei er erklärt, seine Lehre sei aus der Schrift abgeleitet; seinen Irrtum begründet er mit Schriftstellen, die er verdreht und missbraucht. Wenn Sie diesem Irrtum folgen und einen solchen Lehrer zu ihrem Führer machen, mag dies für eine Zeit angenehm sein, weil Sie glauben, mehr zu wissen als die einfachen Leute, die die guten, alten Wege gehen; aber, hören Sie auf meine Worte, es gibt eine Grube am Ende des Irrtums. Sie sehen sie noch nicht, aber es gibt sie, und Sie werden in der Grube enden, wenn Sie weiterhin ihrem Führer folgen.

Am Ende des Irrtums steht oft ein moralischer Graben, und mit dem Menschen geht es bergab, bergab, bergab, sie wissen kaum warum, bis ihre moralischen Prinzipien vergiftet sind, weil sie Irrlehren angenommen haben, und wie betrunkene Menschen schwanken sie in ihren Sünden.

Ein anderes Mal mag die Grube hinter einem kleineren Irrtum eine völlig verdorbene Lehre sein. Der erste Fehler war vergleichsweise gering, aber da er das Denken auf eine schiefe Bahn brachte, kam der Mann zwangsläufig zu Fall, und noch bevor er es erkennen musste, wurde er dahingegeben, einer Lüge zu glauben. Der blinde Mensch und sein Führer, wo auch immer sie umherirren, werden in der Grube enden; sie brauchen nicht zu sehen und können den Weg in die Grube nicht verfehlen.

Oh, in die Grube zu fallen ist einfach, aber wie werden sie daraus wieder gerettet? Ich möchte besonders den bekennenden Christen ernsthaft ans Herz legen, dass sie sehr vorsichtig sind, wenn neue Lehren in Erscheinung treten. Ich bitte Sie, sich an die Grube zu erinnern. Eine kleine Weichenstellung bei der Eisenbahn kann den Zug in den fernen Osten oder den fernen Westen leiten; die erste Weiche ein kleiner Richtungswechsel, aber ist man am Ziel angelangt, liegen sie weit auseinander.

Es gibt zwei Irrtümer, die kürzlich aufgekommen sind, von denen unsere Väter nichts wussten und mit denen sich einige sehr viel beschäftigen; und ich habe festgestellt, dass die Menschen, die ihnen erliegen, nicht mehr brauchbar sind. Ich habe Prediger gesehen, die sich nur ein wenig mit spekulativen Theorien eingelassen haben, und sie sind allmählich von einer weiten Toleranz in den Sozianismus (der Sozianismus leugnet die Göttlichkeit Jesu und lehrt, dass Jesus nur ein außergewöhnlicher Mensch war) oder Atheismus gefallen. In diese Grube fallen Tausende. Andere stürzen in eine gleich schreckliche Grube, d.h., sie halten äußerlich alle Lehren theoretisch fest, aber in Wirklichkeit glauben sie keine davon.

Menschen glauben heutzutage Wahrheiten, deren inneren Kern aber leugnen sie, und das eigentliche Leben und die wahre Bedeutung der Wahrheiten gehen verloren. Es gibt Mitglieder und geistliche Leiter von Denominationen, die der evangelikalen Lehre keinen Glauben schenken, oder wenn sie ihr glauben, dann halten sie diese für nicht besonders wichtig. Ihre Predigten sind Essays über Philosophie mit etwas Evangelium. Sie mischen ein Viertel eines Weizenkorns des Evangeliums in einen Atlantik von Gerede, und die armen Seelen werden mit Worten erfüllt, mit Worten ohne Kraft. Gott möge uns behüten, dass wir jemals das alte Evangelium verlassen und den Mut verlieren und den sicheren Trost, den es uns bringt. Aber in die Grube eines toten Bekenntnisses und philosophischer Träume werden wir sehr bald fallen, wenn wir uns einer falschen Leiterschaft anvertrauen.

All dies sollte uns daran hindern, so denke ich, überhaupt einen Menschen als unseren Führer zu wählen, denn wenn wir uns einem bloßen Menschen anvertrauen, selbst wenn er in 99 von 100 Prozent richtig liegt; liegt er in einem Punkt falsch, dann neigen wir dazu, uns von diesem einen Punkt mehr beeinflussen zu lassen als von allen anderen, die richtig sind. Was unseren Glauben angeht, ist dieser alte Fluch vielfach bestätigt: „Verflucht ist, wer auf Menschen vertraut und sein Fleisch zu seinem Arm macht.“

 


Auszug aus der Predigt: The Choice of a Leader.

Metropolitan Tabernacle, London, 1. August 1875.

 

 

Ursprüngliche Quelle und Dank:distomos.blogspot.commehr dazu unter dem Vorwort

 

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