und

Wandel in einem neuen Leben

07.12.2016

 

Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. Römer 6,4

 

Die Vorstellung, dass die Gnade Gottes uns zur Zügellosigkeit führen sollte, ist für jeden Christen äußerst verabscheuenswürdig. Wir können solches nicht ertragen. Die Auffassung, dass die Lehren der Gnade ein Freibrief für Sünde sind, kommt vom Teufel, und wir entlarven diese mit einer Abscheu, tiefer als Worte es ausdrücken können. „Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben?“ Wenn wir uns zu Anfang zum Christentum bekennen, treffen wir auf das Gebot der Taufe, die uns die Notwendigkeit der Reinigung lehrt. Die Taufe ist in ihrer eigentlichen Form eine Waschung, und die Lehre darüber erfordert eine Reinigung der gründlichsten Art. Es ist ein Begräbnis, in welchem der Mensch als jemand betrachtet wird, der für die Sünde gestorben ist, und der als jemand betrachtet wird, der als neuer Mensch auferstanden ist. Die Taufe zeigt, wie in einem Gemälde, die Vereinigung des Gläubigen mit dem Herrn Jesus Christus in seiner Leidenstaufe und in seinem Tod, seinem Begräbnis und seiner Auferstehung. Indem wir uns diesem heiligen Gebot unterwerfen, erklären wir, dass wir glauben, mit ihm gestorben zu sein, weil er die Strafe, die ihm den Tod brachte, auf sich genommen hat, und wir glauben, der Welt und der Herrschaft der Sünde durch seinen Geist gestorben zu sein. Gleichzeitig bekennen wir auch unseren Glauben an die Auferstehung unseres Herrn und dass wir selbst, einsgemacht mit ihm, auferstanden sind und durch Glauben in einem neuen Leben wandeln. Die Taufe ist ein sehr beeindruckendes und lebendiges Symbol, aber sie ist bedeutungslos, es sei denn wir stehen zur Reinheit des Lebens auf. Die Grundlage dieses Bekenntnisses liegt in der Vereinigung jedes Gläubigen mit Christus Jesus. Wir sind mit ihm gestorben, weil wir eins sind mit ihm. Wir sind mit ihm auferstanden, weil wir eins sind mit ihm. Jeder Gläubige ist, nach dem Ratschluss göttlicher Gnade, mit Jesus gleichgesetzt. Er wurde dem Herrn Jesus vor Grundlegung der Welt gegeben und unter die Herrschaft seines Bundes gestellt. Der Herr Jesus litt für den Gläubigen als sein Stellvertreter, und gewissermaßen jeder Errettete starb in Christus, der ihm zum Stellvertreter wurde. Der Gläubige ist in Christus auferstanden kraft der Tatsache, dass der Heilige und sein Retter ewig einsgemacht wurden. Aus diesem Grund wird der Gläubige fortan leben, denn der Herr hat gesagt: „Weil ich lebe, werdet auch ihr leben.“ Unsere Bestimmung ist identisch mit derjenigen, die unser Bundeshaupt innehat. Sein Leben ist das Vorbild für unsere Erleben: er verwandelt uns gegenwärtig in sein Ebenbild, und wir werden sein wie er, wenn wir ihn sehen werden, wie er ist. O mein Zuhörer, wenn du nicht in Christus bist, hast du nichts. Außerhalb von Christus bist du in der Wildnis, mit ihm bist du im Paradies. In Christus besitzen wir alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis, der Gnade, der Macht und der Liebe. Alle Dinge sind dein, wenn du des Christus bist. Aus dem Einssein mit Christus folgt unsere Heiligung: wir können den Weg der Sünde nicht gehen, denn Christus tut dies nicht. Er starb der Sünde einmal, und seitdem sind wir ihr gestorben. Er ist auferstanden zur Herrlichkeit des Vaters, und wir sind mit ihm auferstanden zur Gerechtigkeit, zur Annahme und zur Freude.

Die Auferstehung unseres Herrn ist herrlich im Gegensatz zu seiner Demütigung. Sie hat in sich genug an Herrlichkeit, um seine Leiden von aller Schande, die sie mit sich brachten, freizukaufen. Wir lesen in Matthäus 20,18-19, wie er verraten, zum Tode verurteilt, den Heiden ausgeliefert, verspottet, gegeißelt und gekreuzigt werden sollte; aber wir sehen, dass all die Düsterkeit dieser schrecklichen Tragödie von den wenigen Worten hinweggenommen wird, die unser Herr am Ende sagte: „Und am dritten Tag werde ich auferstehen.“ Der Glanz der Auferstehung erleuchtet bis in alle Ecken das Tal des Todesschattens. Sein Tod war nicht unehrenhaft, denn seine Auferstehung setzte seinem Sterben ein Diadem auf. Wir feiern Gethsemane und Golgatha und finden in all dem Leiden keine Bitterkeit, denn der Tod wurde verschlungen im Sieg der Auferstehung. Das ganze irdische Leben Jesu mit seiner Armut, seiner Verleumdung, seinen Sorgen, seine Geißelung, sein Angespienwerden, seiner Kreuzigung wird durch seine herrliche Auferstehung über jeden Zweifel der Unehrenhaftigkeit erhoben.

Die Auferstehung unseres Herrn war die Demonstration der Herrlichkeit des Vaters. Für „Herrlichkeit“ mag man „Macht“ einsetzen, wenn du willst, denn es war ein großes Werk der Macht, Jesus von den Toten aufzuerwecken. Aber es war mehr als ein Wunder der Macht, denn alle Merkmale Gottes vereinten ihre Herrlichkeit in der Auferstehung Christi. Gottes Liebe erschien dort und öffnete verschlossene Augen; sein Wohlgefallen war wie Juwelen auf seinen tödlichen Wunden; seine Weisheit durchdrang die Herzen. Göttliche Gerechtigkeit befahl seine Befreiung aus dem Grab, und Barmherzigkeit lächelte, als sie sein Gesicht mit unsterblichen Lächeln erleuchtete. Hie und da ließ Jahweh all seine Herrlichkeit an uns vorüberziehen, und er rief den Namen des Herrn aus. Wenn du die Frage stellst, wo Gottes Herrlichkeit am meisten gesehen wird, werde ich nicht auf die Schöpfung noch auf Gottes Vorsehung hinweisen, sondern auf die Auferstehung Jesu aus den Toten. Es ist wahr, dass in der Stille des Grabs keine Zuschauer waren, aber Gott selbst war dort. Nachdem die Tat vollbracht war, gab es viele, die seine Herrlichkeit sahen; und als er nach seiner Pilgerschaft hier unten in einer Wolke in den Himmel aufgefahren ist, kam der ganze Himmel ihm entgegen, um den Überwinder über den Tod und die Hölle zu schauen. In seiner Auferstehung wurde die Herrlichkeit Gottes offenkundig gemacht. Der Schleier, der Gottes heilige Gegenwart verbarg, wurde von oben bis unten zerrissen; und die Herrlichkeit des Herrn wurde in der Auferstehung Christi von den Toten geschaut.

Christus ist von den Toten auferstanden, um nie mehr zu sterben. Einmal hat er gelitten, aber es war ein für allemal. Sein Sieg ist endgültig. Der wilde Löwe des Todes brüllte in den Weinbergen, um Samson zu verschlingen. Das Monster hatte bislang jeden überwunden, der ihn angegriffen hatte; aber dieses Mal hatte es seinen Meister gefunden. Unser größerer Samson zerriss ihn, als wäre es ein Kind; und obgleich unser Befreier in seinem Sieg fiel, stand er von den Toten auf in der Fülle des Lebens. Siehe, heute kommt er zu uns, die Hände voller Honig und lädt ein, uns davon zu nähren. Er hat es von dem Kadaver des Löwen genommen, den er erschlagen hat. Von nun an ist der Tod ein Vorratshaus an Süßem, statt einem Becher Galle. Für das Kind Gottes ist der Tod zu einer Stätte der Ruhe geworden. Der Tod ist nicht länger eine finstere und widerliche Gefängniszelle. Der Tod ist der Topf der Verwandlung von diesem armseligen Fleisch und Blut: der Leib wird in Vergänglichkeit gesät, aber er wird in Unvergänglichkeit und Unsterblichkeit auferweckt.

Heiligung, wie sie sich auf unseren Charakter auswirkt, besteht aus drei Dingen. Erstens, wir sterben der Sünde. Ein wunderbarer Tod. Dadurch trifft Jesus das Herz der Bosheit. Der Tod Christi lässt uns der Sünde sterben. Danach kommt das Begräbnis. Wir sind mit Christus begraben, und die Taufe ist von diesem Begräbnis Vorbild und Zeichen. Zugedeckt, um vergessen zu werden, sind wir der Sünde das, was ein toter Hirte für seine Herde ist. Wie die Schafe über das Grab des toten Hirten hinweggehen oder sich sogar darauf ernähren, so kommen unsere alten Sünden und Gewohnheiten über uns, aber wir, als tote Menschen, kennen diese nicht mehr. Wir sind in Bezug auf sie begraben. Um unsere Heiligung tatsächlich zu vollenden, empfangen wir himmlische Stärkung. Wenn wir mit Christus gestorben sind, glauben wir, dass wir mit ihm leben werden. Ja, wir leben in ihm und durch ihn, denn wer an ihn glaubt, hat ewiges Leben. Ich vertraue darauf, dass ihr wisst, was ich meine. Seid ihr in dieser Weise tot, in dieser Weise mit Christus begraben? Seid ihr jetzt auf diese Weise in der Gleichheit seiner Auferstehung erquickt worden? Dies ist euer freudiges Privileg, wenn ihr wirklich Gläubige in Christus und in einem Geist mit dem Herrn verbunden seid.

Das neue Leben, das Gott gibt, ist außerordentlich aktiv. Ich habe niemals gelesen, dass wir uns niederlegen sollen und in der Neuheit des Lebens schlafen sollen. Es ist wahr, ich habe Menschen getroffen, die bekannten, errettet zu sein, und aus diesem Grund nahmen sie alles auf die leichte Schulter und machten es sich in ihrer Untätigkeit im Glaubensleben bequem. Ich stelle sehr in Frage, ob du neues Leben hast, wenn du nicht wandelst. Gotteskinder gehören nicht einer trägen Rasse an. Da ist Kraft und Inbrunst in ihnen. Sie können nicht schlafen, wie andere es tun. Das neue Leben ähnelt dem Leben der Engel, und Engel verbringen den Tag nicht in Schlaf und Trägheit. Ich habe niemals etwas über träge Engel gehört. Sie sind wie Feuerflammen. Das neue Leben in einem Christen ist lebendig, energisch, kraftvoll. Das neue Leben bringt einen heiligen Wandel hervor, sobald es geschaffen wurde. Wenn du für Gott von neuem geboren wurdest, hast du deine Lethargie hinter dir gelassen, und du bist bereit, den Lauf, der vor dir liegt, zu vollenden. Es mag sein, dass du gelegentlich durch Krankheit matt und schläfrig wirst; aber du wirst diesen Zustand nie erwählen. Wenn du geistlich gesund bist, wirst du vor göttlichem Feuereifer leuchten und vor heiliger Inbrunst brennen, indem du Gefallen daran hast, dem Herrn zu dienen.

 


Christ's Resurrection and Our Newness of Life - A Sermon (No. 2197) Delivered on Lord's-day Morning, March 29th, 1891, by C. H. SPURGEON, At the Metropolitan Tabernacle, Newington

 

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