und

Wahrhaftige Jünger

Veröffentlicht am 04.05.2015


Im Johannes Evangelium spricht Jesus von wahrhaftiger Jüngerschaft. Bemerkenswert ist der Textzusammenhang, denn interessanterweise berichtet der Bibeltext unmittelbar zuvor, dass viele zum Glauben an ihn (Jesus) kamen (V30) und sagt dann: Jesus sprach nun zu den Juden, die ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger (Joh 8,31).

Ist es nicht erstaunlich, dass Jesus diese Worte ausgerechnet an jene gerichtet hat, die ihm glaubten? Glaube allein genügt doch, was will Jesus denn noch mehr? Nun, Jesus will offensichtlich nicht nur Sympathisanten, sondern erwartet, dass man sein Wort ernst nimmt und sich daran hält. Darum bezeichnet er nur diejenigen als wahrhaftige Jünger, die in seinem Wort bleiben. Nur jene, die sich an sein Wort halten, anstatt sich darüber hinwegsetzen. Solche, die sich nicht einbilden über seinem Wort zu stehen, sondern die sich unter sein Wort stellen. Das ist die Bedeutung von „im Wort bleiben“, es bedeutet, nicht über sein Wort hinaus zu gehen, nicht über das hinaus, was geschrieben steht! (1.Kor 4,6).

Doch „im Wort bleiben“, sagt noch mehr aus, es steht auch für eine beständige, fortlaufende Haltung. Es geht also nicht um ein einmaliges Erlebnis, um ein spontane Reaktion oder eine einmalige Entscheidung, sondern um etwas Kontinuierliches. Im Gegensatz dazu stehen Menschen, die sein Wort mit Freuen aufnehmen, aber keine Wurzel haben. Jesus bezeichnet sie als wetterwendisch weil sind in Zeiten von Bedrängnis oder Verfolgung um des Wortes willen, wieder vom Glauben abfallen. Bei anderen ersticken die Sorgen der Welt und der Betrug des Reichtums das Wort, so dass es keine Auswirkung auf ihr Leben hat (vgl. Mt 13,21-22).

Nach dem der Text gezeigt hat, dass sich wahrhaftige Jüngerschaft darin zeigt, dass man im Wort bleibt, führt dies unweigerlich zur Frage, was mit den anderen ist? Was ist mit denen, die sich zwar als Gläubig bezeichnen, aber es mit seinem Wort nicht ganz so ernst nehmen? Wie gesagt, Jesus sprach zu solchen die an ihn glaubten.
Verhält es sich hier etwa ähnlich wie im Sportverein, kann man hier auch in 2 Kategorien aufteilen, indem man einfach zwischen aktiven und passiven Mitgliedern unterscheidet? Die wahrhaftigen Jünger sind dann eben die Aktiven und jene, die im Grunde nur dem Namen nach „Christ“ sind, seien eben die Passiven. Hauptsache sie identifizieren sich irgendwie mit dem christlichen Glauben oder der Kirche, Hauptsache sie gehören irgendwie dazu.

Nun, wer so denkt, ist leider schief gewickelt ist, denn Christ wird man nicht dadurch, dass man sich als solcher bezeichnet. Man wird ja auch nicht Nationalspieler, indem man sich als solcher Bezeichnet. Ebenso wenig reicht es aus, sich ein Trikot der Nationalmannschaft überzuziehen. In die Nationalmannschaft kommt nur derjenige, der vom Bundestrainer ins Team berufen wird, doch sollte dies geschehen, erfolgt die Berufung sicher nicht weil jemand besonders geeignet erscheint das Trikot zu präsentieren.
Nationalspieler zu sein ist etwas ganz besonderes, ein Nationalspieler vertritt sein Land in einer bestimmten Sportart, doch so ruhmreich und toll dies zweifellos ist, im Vergleich zu der Berufung eines Christen, ist es gar nichts. Schließlich repräsentiert ein Christ nicht irgendein irdisches und somit vergängliches Reich, sondern das unvergängliche, himmlische Reich. Das ist eine unfassbar hohe Berufung und daher gilt es auch würdig dieser Berufung zu leben (vgl. Eph 4,1, Kol 1,10).

Die Bibel kennt übrigens auch solche Vergleiche mit dem Sport. Paulus beispielsweise vergleicht das Leben eines Christen mit einem Lauf, den es zu vollenden gilt (1.Kor 9,25) oder spricht an anderer Stelle von einem Wettkampf und stellt klar: Wer an einem Wettkampf teilnimmt, erhält den Siegeskranz nur, wenn er nach den Regeln kämpft (2.Tim 2,5).

Hier wird deutlich, ein Christ ist keineswegs in der passiven Zuschauerrolle, sondern nimmt aktiv am Wettkampf teil. Ein Kampf verlangt einen etwas ab. Es ist gerade in unserer Zeit nicht einfach auf der Seite von Jesus zu stehen, man muss es in Kauf nehmen, wenn man von anderen belächelt wird, wenn man als rückständig oder weltfremd gilt. Wer Shirts mit satanischen Symbolen trägt, gilt als super-cool, doch wer sich zu Jesus Christus bekennt, der ist mega-out. 
Doch das ist nicht das einzige Problem, mit dem ein Christ zu kämpfen hat. Er muss auch gegen Versuchungen ankämpfen. Was nicht bedeutet, dass ein Christ fehlerlos ist oder nie zu Fall kommt, aber es ist ein Unterschied, ob sich jemand mit der Sünde arrangiert und Frieden mit ihr schließt oder ob er dagegen ankämpft. Ob es ihn traurig stimmt, wenn er feststellt Gottes Gebot übertreten zu haben oder ob es im gleichgültig ist und er sich damit entschuldigt, die anderen würden es ja auch so machen. Ein Christ kann keineswegs alles mitmachen, nur weil es die anderen auch so machen. Nein, echter Glaube erweist sich dadurch, dass er sich nicht an den Zeitgeist anpasst und dass er dem Druck der Welt standhält. Eine Welt, die ihn gerade wegen dieser Haltung, als engstirnigen Fanatiker abstempeln wird. Genau diese Welt gilt es zu überwinden und echter Glaube wird sich genau darin erweisen (vgl. 1.Joh 5,4).
Nur wer diesen Kampf kämpft und überwindet, wird auf dem Siegerpodest landen (vgl. Offb. 3,5); wer hingegen nur dem Namen nach Christ ist, für den gilt was Jesus in Offenbarung 3,1 sagt: "Ich kenne deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebst, und bist tot".

Jeder kennt den Begriff "Namenschrist", sehr wahrscheinlich wurde er von dieser Bibelstelle abgeleitet. Jeder weiß was damit gemeint ist, es sind Menschen die vorgeben etwas zu sein, was sie sie Wirklichkeit nicht sind. Man nennt sie Heuchler und viele Leute denken generell so über das Christentum. Sie sagen, das sind doch alles nur Heuchler, sonntags rennen sie im frommen Mäntelchen in die Kirche, aber im Alltag sind sie auch nicht besser als andere, im Gegenteil sie sind noch schlimmer. Ja, es ist schade, aber es ist wahr, gerade in unserem Land wird das Christentum immer oberflächlicher.

Doch bei dieser allgemeinen Feststellung darf man nicht stehen bleiben, sattdessen sollte sich jeder zuerst selbst prüfen. Sind nicht oftmals diejenigen, die mit dem Finger auf die Frommen zeigen, selbst Mitglied in einer Kirche? Sind es nicht oftmals solche, die ihre Kinder konfirmieren lassen oder als Taufpaten geloben, auf eine christliche Erziehung zu achten, während sie sich nur zu solchen Anlässen, in die Kirche schleppen? Ist das nicht eine viel größere Heuchelei? Spielt man da nicht auch den frommen Christen, während man am Stammtisch oder im Sportverein über alles Christliche herzieht?
Und wie ist es bei den vielen Beerdigungen, da wollen dann viele doch wieder was Christliches haben. Im Leben will man nicht viel wissen von Gottes Weg, aber bei der Beerdigung soll dann das Ruder nochmal rumgerissen werden. Da soll der Pfarrer die Leute in den Himmel beten.

So sind viele Kirchen zu einer Art Dienstleistungsservice für Feierlichkeiten oder Begräbnisse geworden und die steuerzahlenden Kirchenmitglieder sehen sich als Kunden, die ein Anrecht auf eine schöne Zeremonie haben. Das ist leider das große Missverständnis in unserer Zeit, es ist eine Form von christlicher Kirche, die nur eine christliche Etikette anbietet, aber darum geht es nicht beim Christentum. Beim Christentum geht es, wie Jesus selbst sagt, darum, IHM nachzufolgen. Es geht darum, sein Jünger zu sein und das ist nicht nur irgendetwas intellektuelles, es geht nicht nur um ein Glaubensbekenntnis, sondern es geht um die Frage, nach welchen Maßstab ich mein Leben führe, nach meinem eigenen oder nach seinem? Wem gehört der Thron meines Herzens, meinem Ego oder dem Herrn? Folge ich ihm wirklich kompromisslos nach, koste es was es wolle oder richte ich mich nur so lange an sein Wort, wie es mir keinen Strich durch die Rechnung macht?
Lass ich alle unbequemen Aussagen unter den Tisch fallen oder bin auch bereit, um des Glaubens Willen Nachteile in Kauf zu nehmen?
Was ist die Priorität in meinem Leben? Geht es nur darum möglichst schnell meine persönlichen Ziele zu erreichen, oder bin ich bereit mich IHM zur Verfügung zu stellen und zu SEINER Ehre zu leben?

Das ist nicht meine spezielle Sonderlehre, sondern das was Jesus selbst gelehrt hat. Es geht um sein Wort, nicht ich, sondern er sagt: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger!“ 
Betrachtet man diese Aussage, so wird deutlich, dass all jene, die über sein Wort hinausgehen, in Wahrheit nicht seine Jünger sind. Darüber hinausgehen kann man indem man gewisse Schriftstellen ignoriert oder so umdeutet, dass sie einem ins Konzept passen oder indem man dem Evangelium noch etwas hinzufügt. Das ist übrigens ein typisches Merkmal von Sekten, in der Regel haben sie außer der Bibel noch ein zusätzliches Buch, zusätzliche Schriften oder einen ganz besonderen Propheten, dessen Wort auf gleiche Stufe wie die Bibel gestellt wird oder sogar noch über das geschriebene Wort gestellt wird.

Doch auch hier muss sich jeder zunächst einmal selbst prüfen, welchen Stellenwert das Wort Gottes für ihn hat. Der Jesus, zu dem sich die Christenheit bekennt, war so fest von der Irrtumslosigkeit der Schrift überzeugt, dass er sagte, dass sie nicht gebrochen werden kann (Joh. 10,35) und dass nicht mal ein Strichlein davon vergehen wird (Mt 5,18). Er hat nicht die geringsten Abstriche vom Wort Gottes gemacht, doch wie steht es um uns?

Es ist wichtig, dass wir diese Frage für uns selbst beantworten, weil unsere Haltung zu seinem Wort klar macht, wo wir wirklich stehen. Nur wenn wir seinem Wort vertrauen, vertrauen wir ihm. Nur wenn wir dem Wort in allem gehorchen, gehorchen wir ihm, denn auf das Wort zu hören, bedeutet auf Jesus zu hören. Im Umkehrschluss gilt: Wer dem Wort misstraut, der misstraut auch ihm, wer es missachtet, der missachtet ihn und wer es verwirft, der verwirft ihn. Man kann das Wort nicht von Jesus trennen, denn Jesus identifiziert sich mit dem Wort Gottes und das Wort Gottes mit Ihm. Hinsichtlich dessen müssen wir uns fragen, auf welcher Seite wir stehen; stehen wir auf der Seite des Herrn, dann werden wir uns weder des Herrn, noch seiner Worte schämen (Lk 9,26), stehen wir hingegen auf der Seite der Welt, dann werden wir nach und nach, jede Wahrheit der Schrift preisgeben, die dem Zeitgeist widerspricht. Martin Luther sagte: Wenn ich mich mit der lautesten Stimme deutlich zu jeder Einzelheit der Wahrheit Gottes bekennen würde, außer zu dem einen kleinen Punkt, den die Welt und der Teufel gegenwärtig angreifen, dann würde ich mich nicht wirklich zu Christus bekennen, wie kühn mein ›Bekenntnis‹ auch sein möge. Die Treue eines Soldaten beweist sich da, wo gerade der Kampf wütet.
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Als Gottes Kinder können wir uns nur erweisen, wenn wir uns an sein Wort halten und zwar nicht nur indem wir sagen, dass wir der Bibel glauben, sondern indem wir unser Leben danach ausrichten. Ansonsten sind wir ein Hindernis fürs Evangelium weil wir den Eindruck vermitteln, man müsse Gott nicht so ernst nehmen. Wir sagen zwar, wir würden die Bibel für sein Wort halten, geben aber durch unser Verhalten zu verstehen, dass das was Gott zu sagen hat, nicht so gewichtig sei. So als seien es nur ein paar nett gemeinte Ratschläge, die man, je nach Lust und Laune, befolgen kann oder auch nicht.
Doch wenn wir so eine Haltung einnehmen, erweisen wir uns nicht als wahrhaftige Jünger, nicht als solche, die auf Jesus hören und ihm nachfolgen, sondern als solche, die sich einbilden, es besser zu wissen und lieber ihre eigenen Wege gehen. Doch mit welchem Recht nennen wir ihn dann Herr? (vgl Lk 6,46)

Vermutlich wiederhole ich mich hier ständig, doch wir haben leider in unserem Land so ein oberflächliches Christentum, dass man es gar nicht oft genug sagen kann, es geht um Nachfolge, es geht um Gehorsam und nicht um Kirchenmitgliedschaft. Wer sich Christ nennt, für den gilt: Schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen. Tut alles ohne Murren und ohne Zweifel, damit ihr ohne Tadel und lauter seid, Gottes Kinder, ohne Makel mitten unter einem verdorbenen und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr scheint als Lichter in der Welt, dadurch dass ihr festhaltet am Wort des Lebens (Phil 2,12-16).

Auch hier wird deutlich, es geht nicht nur um ein Lippenbekenntnis, sondern darum wie wir unser Leben führen. Weil wir so sehr dazu neigen schnell einen Haken hinter das Thema “Glaube“ zu setzen, betont die Bibel dies immer und immer wieder. In Johannes 1. 2,5-6 wird uns gesagt: Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollendet. Hieran erkennen wir, dass wir in ihm sind. Wer sagt, dass er in ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt ist. Es geht also nicht um Mehrheitsbeschlüsse, es geht nicht darum was die Allgemeinheit sagt, sondern darum was Gott uns durch sein Wort sagt. Das allein muss unser Maßstab sein, wenn wir ihm nachfolgen wollen.

Manche meinen ja tatsächlich man müsse sich der Welt anpassen, um sie für Christus zu gewinnen, doch die Bibel sagt uns das genaue Gegenteil, da heißt es: Paßt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern laßt euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist (Röm 12,2).
Ein Christ der sich der Welt und ihren Maßstäben anpasst, kann der Welt keine Orientierung geben. Natürlich halten ihn alle für umgänglich und finden es gut, dass er alles so locker sieht, aber was hat so ein angepasstes Christentum für eine Strahlkraft, was soll es anziehend machen und vor allem, was soll es von irgendetwas unterscheiden, das die Welt nicht auch zu bieten hat?
Tozer hat Recht, wenn er sagt: Die Kraft des Christentums zeigt sich in der Ablehnung der Wege der gefallenen Menschheit, niemals in der Übereinstimmung mit ihnen.
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Als Christen sind wir aufgefordert unser Licht vor den Menschen leuchten zu lassen. Licht passt sich niemals der Finsternis an und es ist auch nicht dazu gedacht im Verborgenen zu leuchten. Jesus sprach das sehr deutlich an, als er sagte: Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell, und sie leuchtet allen, die im Hause sind. So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen (Mt 5,14-16).

Jesus sagte auch, ihr sollt meine Zeugen sein und dieses Zeugnis muss, wie gesagt, eine zweifache Wirkung haben. Zum einen ist klar, dass wir uns zu ihm bekennen sollen, indem wir einen ganz klaren Standpunkt einnehmen und uns eindeutig auf seine Seite stellen. Dies ist entscheidend, weil die Bibel keinen Mittelweg kennt, es ist nur von einem schmalen und einem breiten Weg die Rede und so unterschiedlich die Wege, so gegensätzlich ist auch das jeweilige Ziel. Der eine Weg endet in der ewigen Verdammnis, der andere führt zum ewigen Leben.
Christen sind es Gott und ihren Mitmenschen schuldig, dass ihr Leben sich positiv gegenüber dem der Allgemeinheit abhebt. (vgl 1. Pt 2,15) Und dazu müssen wir auf das Wort Gottes hören, indem uns (wie bereits zitiert) gesagt wird, dass wir in dieser verdrehten und verkehrten Welt, als unbescholtene Kinder Gottes, wie Himmelslichter leuchten sollen, indem ihr das Wort des Lebens festhaltet (vgl. Phil 2,14-16).

Wie sich Licht von der Finsternis abhebt, so deutlich soll sich das Leben eines Christen, vom Leben eines Weltmenschen unterscheiden und dies kann nur geschehen, wenn wir das Wort des Lebens festhalten. Überall da, wo Christen oder Kirchen das Wort Gottes verwerfen, verlieren sie ihre Strahlkraft. Wir können uns nur dann von der Welt und ihren Maßstäben abheben, wenn wir Gottes Wort zu unserem Maßstab machen. Statt es zu verwerfen, geht es darum, es zu bewahren und daran festzuhalten und dies eben nicht nur in der Theorie, sondern im praktischen Leben. Das bedeutet nicht, dass sich ein Christ dadurch den Himmel verdienen muss, aber es bedeutet, dass er gemäß seiner Berufung und gemäß dessen was Gott in seinem Leben bewirkt hat leben soll. Es ist ja nicht so, dass man Christ wird indem man gute Vorsätze fasst und sich dann zusammenreißt, um diese in strenger Selbstdisziplin umzusetzen. Nein, so ist es nicht, Christ wird man dadurch, dass man seine eigene Unfähigkeit erkennt und sein Vertrauen ganz auf die Gottes Gnade setzt, ganz auf das was Jesus für uns getan hat. Man wird es indem man sowohl die Erlösung als auch den Erlöser annimmt. William MacDonald bringt es so zum Ausdruck: Viel zu viele Leute leben in der irrigen Vorstellung, dass man Christ wird, indem man ein christliches Leben führt. Ganz und gar nicht! Man muss zuerst Christ werden, ehe man überhaupt fähig ist, diese Art von Leben zu verwirklichen. Das Leben in der Nachfolge, ist ein übernatürliches Leben. Niemand hat in sich selbst die Kraft dazu.
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Im Leben des Christen beruht alles, von Anfang bis Ende, auf Gottes eingreifen. Es ist allein sein Werk, ist allein seine Gnade und darum gebührt auch ihm allein die ungeteilte Ehre. Ein Christ kann sich nicht selbst auf die Schulter klopfen, er kann nicht behaupten, klüger oder besser, als irgendein anderer Mensch gewesen zu sein. Gottes Wort stellt klar heraus: Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen (Eph 2, 8-9).

Alles beruht allein auf sein Werk, alles ist allein sein Verdienst, alles ist seine Gabe, alles ist allein seiner unbegreiflichen Gnade zu verdanken. Es ist reine Gnade, wenn der Heilige Geist ein menschliches Herz durchs Wort erleuchtet und von Sünde überführt. Es ist reine unverdiente Gnade, wenn ein Mensch erkennten darf, dass seine eigene Gerechtigkeit vor dem heiligen Gott wie ein schmutziges Kleid ist. Es ist reine Gnade wenn Gottes Geist ihn zu echter Umkehr, zu echter Buße leitet. Es ist Gnade, wenn er durch die enge Pforte durchgehen kann, die zum Leben führt und es ist ebenso Gnade, diesen schmalen Weg zu gehen, der zum Leben führt. Römer 8, 30 sagt: Die er aber vorherbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und die er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; die er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.
Und ein Vers zuvor wird gesagt worin diese Verherrlichung besteht, da heißt es: Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein. 
Und hier möchte ich noch einmal betonen, es ist Gott der Beides bewirkt, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen. Ich habe den Vers bereits oben zitiert und er steht unmittelbar in dem Zusammenhang mit der Aufforderung: Schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. 

Jeder Christ ist dazu aufgefordert ein heiliges Leben zu führen. Denn es steht geschrieben: "Seid heilig, denn ich bin heilig" (1. Petrus 1,16). Doch Gott fordert nicht irgendetwas von seinen Kindern, wozu er sie nicht auch befähigt hat. In eigner Kraft ist es unmöglich Jesus nachzuahmen, aus diesem Grund sagte Jesus auch, dass wir ohne ihn nichts tun können (vgl Joh 15,5). Nur in der beständigen Verbindung mit ihm, kann ein Christ Frucht bringen, nur in der Verbindung mit ihm, der das Licht der Welt ist, kann auch ein Christ Licht sein. Was das ganz praktisch bedeutet, hat Spurgoen in seinem Buch „Heilig dem Herrn“, wie folgt formuliert: Ein Christ sollte in seinem Leben so scheinen, dass die, welche in seine Nähe kommen, in seinem Leben ihren eigenen Charakter, ihre eigenen Sünden, ihren verlorenen Zustand sehen können. Er sollte so leben, dass eine Person nicht eine Woche mit ihm  zusammen sein kann, ohne das Evangelium kennen zu lernen. Sein Reden und sein Wandel sollten derartig sein, dass alle, die um ihn her sind, den Weg zum Himmel verstehen können. Dinge, welche die Menschen nicht sehen wollen und ohne ihn nicht sehen können, sollten da, wo er ist, sehr deutlich werden.42

Vielleicht geht es ja dem ein oder anderen an diesem Punkt genau wie mir. Vielleicht kann der ein oder andere auch nicht behaupten, dass all das schon vollkommen auf ihn zutrifft, aber wenn dem so sein sollte, was hindert uns daran, dies zu unserem Gebetsanliegen zu machen? Wir können den Vater doch bitten, dass er unser Leben immer mehr verändert und dass wir mit jedem Tag diesem Ideal ein wenig näher kommen, indem wir Jesus tagtäglich ein wenig ähnlicher werden. Möge sich durch die Gnade Gottes in unserem Leben immer mehr erfüllen was in 2. Korinther 3, 18 gesagt wird, wo geschrieben steht: Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht.
Wer diesen Wunsch verspürst, kann sich sicher sein, dass Gott schon in seinem Leben am Wirken ist, denn von Natur aus wünscht sich das kein Mensch, doch das Gute ist, wie schon gesagt: Gott bewirkt Beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Und zu guter Letzt, Nachfolge zeigt sich im Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes, doch Gott ist uns immer einen Schritt voraus, wenn ein Mensch beginnt nach Gott zu suchen, dann nur weil Gottes Geist in dazu bewegt hat. Gottes Wort sagt: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte (Jer 31,3).
Und die einzig angemessene Reaktion auf diese Liebe lautet: Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt (1.Joh 4,19).
Ein Christ ist kein Sklave, der sich unter der schweren Last des Gesetzes abplagt, sondern ein geliebtes Kind Gottes, dem es Freude bereitet Gott zu gefallen. Er gehorcht nicht um gerettet zu werden, sondern weil er gerettet ist. Er gehorcht nicht aus Furcht vor Strafe, sondern aus Liebe zu dem der ihn zuerst geliebt hat. Denn wenn man jemand liebt, dann möchte man ihm gefallen, man will ihn erfreuen und sollte man ihn betrüben, bereitet es einem Kummer. Darum kann ein wahrhaftiger Jünger sein Lebensglück niemals darin finden, dass er an seinem sündigen Lebensstil festhält, sondern darin, dem zu gefallen, der ihn durch so einen unfassbar hohen Preis teuer erkauft hat. Wenn er es nicht Wert ist, dass wir für IHN leben, wer soll es dann sein?

Darüber hinaus ist auch klar, dass er gute Gedanken über das Leben seiner Kinder hat (Jer. 29,11). Seine Befehle und Ordnungen dienen uns nur zum Besten und das ist nicht so, weil ich es behaupte, sondern weil es uns durch das Wort Gottes zusichert wird, es ist Gott selbst, der uns sagt: So spricht der Herr, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehrt, was dir nützlich ist, der dich leitet auf dem Weg, den du gehen sollst (Jes 48, 17). 
Er hat uns geschaffen, wenn er nicht weiß was für uns das Beste für uns ist, wer dann?
Die Frage ist, vertrauen wir ihm oder hören wir lieber auf andere?
Ich kann nur dazu ermutigen IHM zu vertrauen, weil es keinen vertrauenswürdigeren gibt, als den, der nicht lügen kann. Er ist gut, er ist absolut vertrauenswürdig und bei IHM sind Macht und Gnade vereint (vgl Ps 62,12-13).
Wäre ER nur Mächtig, aber ohne Gnade, was würde es uns nützen? Wie könnten wir hoffen, dass er seine Macht dazu gebraucht, um uns zu helfen? Wäre er nur Gnädig und würde uns das aller beste Wünschen, was würde es uns bringen, wenn er nicht die Macht hätte, uns tatsächlich zu helfen. Nun ist es aber so, dass er beide Eigenschaften hat und darum ist die Hoffnung auf IHN niemals vergebens und somit kann ich nur unterstreichen, was der Liederdichter sagt:

Keiner wird zuschanden, welcher Gottes harrt;
sollt ich sein der erste, der zuschanden ward?
Nein, das ist unmöglich, du getreuer Hort!
Eher fällt der Himmel, eh mich täuscht dein Wort! 
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Niemals würde ich mein altes Leben zurück haben wollen, ich habe so ziemlich alles ausprobiert, ich habe überall gesucht, doch ein erfülltes Leben, habe ich nur bei IHM gefunden. Er allein ist die Quelle des Lebens, alles andere sind nur löchrige Brunnen (vgl Jer 2,13). Es bedeutet nicht, dass ich keine Probleme mehr habe, aber es bedeutet, dass ich jemanden habe, der mir immer treu zur Seite steht und mir durchhilft. Und weil er am besten weiß, was für mich das Beste ist, lautet mein Gebet:

Ich weiß, dass du mein Vater bist
in dessen Arm ich wohlgeboren
Ich will nicht fragen wie du führst
ich will DIR folgen ohne Sorgen 
Und gäbest DU in meine Hand mein Schicksal
dass ich selbst es wende
ich legt mit kindlichem Vertrau’n
es doch zurück in deine Hände. 
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