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Toleranz und Wahrheitsliebe

22.08.2016

Unsere Vorväter waren weniger tolerant als wir, und es ist zu befürchten, dass sie auch aufrichtiger waren. Es wird ein trauriger Verlust für unseren Gewinn in Bezug auf Barmherzigkeit sein, wenn es sich herausstellt, dass wir auf dem Gebiet der Wahrhaftigkeit versagt haben.

Es gibt nicht unbedingt eine Verbindung zwischen den zwei Möglichkeiten, in der Toleranz zu wachsen und in der Ehrlichkeit abzunehmen, aber wir befürchten, dass es dies gegeben hat und derzeit gibt.

Theologischen Lehrern gestehen wir Gedankenfreiheit und Meinungsäußerung frei zu, die zu anderen Zeiten nur unter ernsthaften Schwierigkeiten möglich waren, aber wir lassen es ebenso zu, dass ein Maß an Unwahrhaftigkeit unter Predigern grassiert, vor dem man in früheren Tagen entschieden zurückgeschreckt wäre…

Wir beklagen uns nicht darüber, dass diese Männer ihre Ansichten geändert haben und ihre früheren Glaubensbekenntnisse über Bord warfen, sondern dass sie, nachdem sie dies getan hatten, nicht sofort ihr Amt niederlegten vor der Gemeinschaft, deren Glauben sie nicht länger nährten. Ihr Fehler ist nicht, dass sie eine andere Meinung haben, sondern dass sie, die sie eine andere Meinung vertreten, ein Amt suchen, dessen oberste Notwendigkeit Übereinstimmung ist.

Alle Elemente der niedersten Art von Gaunerei sammeln sich in dem Übel, das wir heute ablehnen. Verrat ist nie verräterischer, als wenn er dazu führt, dass ein Mann eine Lehre aufgibt, von der er feierlich schwor, für sie einzustehen, und durch deren Verkündigung er seinen Lebensunterhalt verdient…

Dass Glaubensbekenntnisse jemals niedergeschrieben wurden, wird ständig als ein bedauernswerter Umstand beklagt. Es heißt: „Lasst alleine die Bibel das Bekenntnis der Gemeinde sein, und lasst die Prediger die Bibel nach bestem Gewissen erklären.“ Hier treten wir wieder in eine Debatte ein; aber lasst uns alle, die diesen Einwand vorbringen, daran erinnern, dass es Glaubensbekenntnisse gibt, dass die Gemeinden sie nie aufgegeben haben, dass Personen nicht gezwungen werden, Prediger dieser Gemeinden zu sein und dass sie sich folglich nicht als Lehrer anbieten sollten, wenn sie diesen Glaubensbekenntnissen widersprechen; vor allem, sie sollten niemals einer Lehre zustimmen, die sie nicht glauben.

 


Charles Spurgeon, Auszug aus dem Artikel Ministers Sailing under False Colours (Prediger, die unter falscher Flagge segeln) in der Zeitschrift Sword and Trowel, Februar 1870.

 

 

Ursprüngliche Quelle und Dank:distomos.blogspot.commehr dazu unter dem Vorwort

 

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