und

Seelig sind...

 

22.10.2015

In der katholischen Kirche ist es eine Tradition, dass verstorbene Päpste heiliggesprochen werden. Da könnte man doch sagen, selig ist es Papst zu sein, noch besser, verstorbener Papst. Scheinbar sind nur tote Päpste wirklich selig weil nur ihnen Heiligkeit zugesprochen wird.
Soweit zur Sicht der katholischen Kirche, kommen wir nun zu Sicht der Bibel, hier wird interessanterweise jeder Gläubige als heilig bezeichnet. Hier gibt es keine Zweiklassengesellschaft, hier stehen nicht die religiösen Führer weit über dem Normalchristen, sondern hier gilt: „In Demut achte einer den andern höher als sich selbst (Phil 2,3) und „der Größte aber unter euch soll euer Diener sein“ (Mt 23,11).
Aus diesem Grund bezeichnet die Bibel alle Gläubigen, ausnahmslos als Heilige. Wir sehen das ganz deutlich in den Briefen des Apostel Paulus. Seinen Brief an die Gläubigen in Ephesus beginnt er mit den Worten: Paulus, ein Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, an die Heiligen in Ephesus (Eph 1,1).
An die Christen in Rom schreibt er: An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom (Röm 1,7) und die Gemeinde in Korinth begrüßt er mit den Worten: An die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen (1.Kor 1,2).

Doch nicht nur Paulus hat alle Gläubigen als Heilige bezeichnet, sondern auch Petrus, er bezeichnet sie sogar als ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum und eine heilige Nation (1. Petr 2, 9). Ebenso finden wir im Hebräerbrief die Bezeichnung: Heilige Brüder (Hebr 3, 1) oder im Judasbrief die Aufforderung für den ein für alle Mal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen. (Jud 3)

Weil der Glaube nicht nur besonderen geistlichen Führern überliefert wurde, macht auch diese Bibelstelle deutlich, dass in der Schrift alle Gläubigen als Heilige bezeichnet werden. Wir sehen also, man muss kein verstorbener Papst sein, um als heilig zu gelten, somit ist auch meine Aussage: „Selig ist es Papst zu sein“, schon wieder hinfällig. Das hat Jesus auch nie gesagt, nein, seine Seligpreisungen beginnen mit der der Aussage: „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich“ (Mt. 5,3)"

Nun stellt sich natürlich die Frage, was bedeutet Seligkeit und wer ist in Gottes Augen selig?
Mein erster Gedanke dazu ist Seelenfrieden. (siehe auch Mt. 11,29) Ein seliger Mensch hat Frieden für seine Seele gefunden. Doch wodurch? Haben die verstorbenen Päpste ihren Frieden gefunden weil sie tot sind oder kann man diesen Zustand auch schon im irdischen Leben erfahren?
Ich denke ja, denn als Jesus seine Bergpredigt mit den Worten, „Selig sind, die da geistlich arm sind“, eröffnete, sprach er nicht zu Toten; es waren eindeutig Lebende, denen er etwas über die geistliche Armut erzählte.

Doch was bedeutet es geistlich arm zu sein? Was hat es mit diesem Begriff, der uns fast wie ein Fremdwort erscheint, auf sich? Zum einfacheren Verständnis, will ich mal den Text aus der "Guten Nachricht" zitieren. Dort steht: Freuen dürfen sich alle, die nur noch von Gott etwas erwarten.

Ich denke dadurch ist die geistliche Armut sehr gut beschrieben, es geht also um die richtige Selbsterkenntnis. Es geht darum, dass wir unsere Abhängigkeit von Gott erkennen. Der religiöse Mensch setzt sein Vertrauen auf seine guten Werke und auf das Einhalten von bestimmten Vorschriften. Oft stehen dabei sogar mehr äußerliche Sachen, wie bestimmte Kleidungsordnungen oder das anzünden von Kerzen im Vordergrund, während das, worauf es Gott in erster Linie ankommt, im Hintergrund steht oder gar nicht beachtet wird. Aus diesem Grund hat Jesus die geistlichen Führer seiner Zeit auch oft kritisiert. Die Selbstgerechtigkeit dieser typischen Pharisäerhaltung und die demütige Haltung eines Menschen, der sich seiner Abhängigkeit von Gott bewusst war, hat Jesus in folgendem Gleichnis illustriert:

Dann wandte sich Jesus einigen Leuten zu, die voller Selbstvertrauen meinten, in Gottes Augen untadelig dazustehen, und deshalb für alle anderen nur Verachtung übrig hatten. Er erzählte ihnen folgende Geschichte:
»Zwei Männer gingen hinauf in den Tempel, um zu beten, ein Pharisäer und ein Zolleinnehmer.
Der Pharisäer stellte sich vorne hin und betete leise bei sich: ›Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen, alle diese Räuber, Betrüger und Ehebrecher, oder auch wie dieser Zolleinnehmer hier! Ich faste zwei Tage in der Woche und gebe dir den vorgeschriebenen Zehnten sogar noch von dem, was ich bei anderen einkaufe!‹
Der Zolleinnehmer aber stand ganz hinten und getraute sich nicht einmal, zum Himmel aufzublicken. Er schlug sich zerknirscht an die Brust und sagte: ›Gott, hab Erbarmen mit mir, ich bin ein sündiger Mensch!‹«
Jesus schloss: »Ich sage euch, der Zolleinnehmer ging aus dem Tempel in sein Haus hinunter als einer, den Gott für gerecht erklärt hatte – ganz im Unterschied zu dem Pharisäer. Denn alle, die sich selbst groß machen, werden von Gott gedemütigt, und alle, die sich selbst gering achten, werden von ihm zu Ehren gebracht.« (Lukas 18, 9-14


Geistliche Armut ist also eine gesunde Selbsteinschätzung gegenüber Gott. Es ist die Erkenntnis, dass wir Gott nicht mit religiösen Übungen beeindrucken können, sondern, dass wir auf seine Gnade angewiesen sind. Dieses Bewusstsein hatte der verachtete Zolleinnehmer und diese Haltung sehen wir immer wieder in der Bibel. So betete beispielsweise der Prophet Daniel: Wir wissen, dass wir es nicht verdient haben. Wir vertrauen nicht auf unsere Leistungen, sondern allein auf dein großes Erbarmen (Dan. 9,18). 
Und David schrieb: Wohl dem Menschen, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Trug ist! (Psalm 32, 2)

Erst wenn wir von dem Selbstbetrug, wir seien perfekt genug, um durch unsere eigene Leistung in den Himmel zu kommen, befreit werden und mit David beten: Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist (Ps 51,12), zählen wir zu den Menschen, die Jesus als selig bezeichnet. Erst dann gilt uns sein Versprechen: Denn ihnen gehört das Himmelreich.

Geistliche Armut ist echte Sündererkenntnis, denn nur wer Erkenntnis seiner eigenen Sündhaftigkeit hat, kann Gott um ein reines Herz bitten. Wer hingegen von seiner eignen Frömmigkeit überzeugt ist, wird nicht im Traum daran denken, ein solches Gebet zu sprechen. Wer sich selbst für rein hält, bittet nicht um ein reines Herz. Wer sich einredet, mit ihm sei alles in bester Ordnung, wird nie einen Arzt aufsuchen. Doch Jesus sagte, er sei nicht für die Gesunden gekommen, sondern für die Kranken. Er kam nicht für die Gerechten, sondern für die Sünder. Somit ist es nur allzu logisch, dass er die geistliche Armut an den Anfang der Seligpreisungen stellt. Bevor wir nicht wie einst Petrus, vor der Heiligkeit des Herrn Jesus niederfallen und eingestehen: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch“ (Lk 5, 8), haben wir nicht annähernd erkannt, wer er ist und wer wir sind. Er ist vollkommen rein und heilig und wir sind sündige Menschen, deren Gerechtigkeit, vor dem, der Augen wie Feuerflammen hat, wie ein schmutziges Kleid ist (Jes 64,5; Offb 2,18).

Geistliche Armut ist ein Wesensmerkmal jedes wahren Gläubigen. Ein Christ ist praktisch jemand, der vor dem Heiligen Gott kapituliert hat. Ein Christ ist jemand, der eingesehen hat, dass er nie und nimmer in der Lage ist, den heiligen Standard, den uns Jesus in der Bergpredigt vorgelegt hat, zu erfüllen. Geistliche Armut ist eine realistische Selbsteinschätzung, die einer Bankrotterklärung gleichkommt. Geistliche Armut ist das Eingeständnis: „Lieber Herr Jesus, ich habe bislang in eigner Kraft irgendwie versucht ein guter Mensch zu sein, doch ich bin kläglich gescheitert“. Geistliche Armut bedeutet, wie der große Apostel Paulus, einzugestehen: „Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht“ (Röm 7,8).

Wer an diesen Punkt angelangt ist, erwartet nichts mehr von sich selbst, sondern setzt sein ganzes Vertrauen, in den, der uns sagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig (2. Kor 12,9).

Es ist wirklich wahr, wir können ohne Jesus nichts tun (Joh 15. 5), doch es kostet uns die Überwindung unseres Stolzes, dies einzugestehen. Normal sind wir so von uns überzeugt, dass wir denken, Gott müsste einen roten Teppich vor uns ausrollen. Wir sind teilweise so vermessen, dass wir meinen, Gott könnte froh sein, wenn wir uns dazu herablassen an ihn zu glauben.
Doch die Wahrheit sieht anders aus. In Wahrheit muss nicht er froh sein, wenn wir uns mit ihm abgeben, sondern umgekehrt, wir können heilfroh sein, dass er sich mit uns abgibt. Vergessen wir die viel zu oft gestellte Frage: „Wie kann Gott das zulassen?“ und lassen wir uns lieber diese Frage gefallen: „Was hast du von meinen Geboten zu reden und nimmst meinen Bund in deinen Mund, da du doch Zucht hassest und wirfst meine Worte hinter dich?“ (Ps 50, 16)
Ist es nicht wahr, dass wir seine Gebote hinter uns geworfen haben, dass wir unsere eigenen Wege gegangen sind und nur dann nach ihm gefragt haben, wenn etwas schief gelaufen ist?
Woher nehmen wir nur dieses Selbstverständnis, wir seien von Natur aus tauglich für das Reich Gottes? Wie kommen wir darauf, dass wir ein Recht auf Gottes Liebe hätten? Woher kommt dieses Selbstverständnis, Gott sei uns etwas schuldig?
Wenn wir es tatsächlich für selbstverständlich halten, dass wir in den Himmel kommen, wenn wir wirklich der Meinung sind, satt Strafe Belohnung zu verdienen, entspricht unsere Einstellung einem verurteilten Schwerverbrecher, der anstatt mit Bestrafung zu rechnen, auf eine Belohnung hofft. Genauso verhält sich der Mensch gegenüber Gott, er meint Gott sei ihm etwas schuldig, doch in Wahrheit sind wir die Schuldigen. Aber, und das ist das paradoxe, Gott sieht tatsächlich von der Bestrafung ab und sagt uns in seinem Wort: Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung (2.Kor 5,19).

Das ist doch wirklich unfassbar, uns, die wir permanent seine Gebote übertreten haben und ihn dann auch noch anklagen, wenn wir säen, was wir geerntet haben, bietet Gott durch das Kreuz von Golgatha Versöhnung an. Doch die Frage ist, wie gehen wir damit um, wie regieren wir auf dieses unbegreiflich, großzügige Gnadenangebot Gottes?
Halten wir weiter daran fest, dass wir keine Erlösung nötig haben? Hoffen wir weiter auf unsere eigene Gerechtigkeit oder gestehen wir unsere Schuld und unser Versagen ein und nehmen die Erlösung an, die uns durch Jesus geschenkt wird?

Genau vor diese Entscheidung stellt uns das Evangelium. Es ist die wichtigste Entscheidung im Leben eines Menschen, niemand kann sie uns abnehmen, wir müssen sie selbst treffen. Gottes Wort ist unmissverständlich, es macht uns klar, dass unsere unsterbliche Seele ohne Jesus Christus auf ewig verloren ist. Ohne Christus, sind wir ausgeschlossen von Gottes neuer herrlicher Welt, ohne ihn sind wir außerhalb des Gnadenbundes, ohne ihn gibt es keine Hoffnung für uns (vgl Eph 2,12), doch mit ihm gelten uns alle Verheißungen, denn so viele Verheißungen Gottes es gibt, in ihm ist das Ja, deshalb auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre durch uns (2.Kor 1,20).

Wenn Jesus noch nicht dein Herr ist, dann lass die Gelegenheit nicht vorübergehen, dann sprich heute ein Gebet und erkläre Konkurs, gestehe ein, dass du es nicht alleine schaffst, gestehe ein, dass du seine Gebote übertreten hast, bekenne ihm deine Schuld und er wird reagieren, wie er es in seinem Wort zugesagt hat. Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen (Joh 6,37).



 




Weiterführend möchte ich zu diesem Thema die 26-teilige Predigtreihe zur Bergpredigt von Wolfgang Nestvogel weiterempfehlen. Die Predigten sind als MP3 und teileweise auch als PDF unter sermon-online erhältlich.

 

 

 

www.evangeliums-botschaft.de

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