und

Mehrhabenwollen

Ein Beitrag von Georg Walter

11.09.2016

Sie sprachen: Du hast uns nie übervorteilt, noch uns unterdrückt, noch von jemandes Hand irgendetwas genommen! Er sprach: Der HERR ist Zeuge gegen euch, und sein Gesalbter ist Zeuge am heutigen Tag, dass ihr gar nichts in meiner Hand gefunden habt! Und sie sprachen: Er ist Zeuge! (1.Samuel 12,4-5).

Am Ende seines Dienstes sagte der Prophet Samuel zum Volk Israel: „Ich aber bin vor euch hergegangen von meiner Jugend an bis zu diesem Tag. Hier bin ich! Legt Zeugnis ab gegen mich vor dem HERRN und vor seinem Gesalbten: Wessen Ochsen habe ich genommen? Oder wessen Esel habe ich genommen? Wen habe ich übervorteilt? Wen habe ich misshandelt? Von wessen Hand habe ich Bestechungsgeld genommen, dass ich ihm zuliebe ein Auge zudrückte? So will ich es euch erstatten!“ (1Sam 12,2-4). Das Volk Israel konnte seinem Propheten nur das beste Zeugnis ausstellen: Sie hatten „gar nichts in seiner Hand gefunden.“ Samuels Dienst als Prophet des Herrn war tadellos.

Wohl dem, über den einmal vor dem Preisrichterstuhl Christi ein solches Urteil zufällt, wie es Samuel vom Volk bezeugt wurde. Vollkommen war Samuel gewiss nicht, aber in den Augen des Volkes Israel, also aus menschlicher Sicht, war sein prophetischer Dienst tadellos gewesen. Sofern wir aus dem biblischen Bericht wissen, machte der treue Prophet des Herrn niemals einen Kompromiss. Er wusste, er war der Knecht des Herrn, und als Knecht des Herrn wusste er, was Paulus den Galatern schrieb: „Rede ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich allerdings den Menschen noch gefällig wäre, so wäre ich nicht ein Knecht des Christus“ (Gal 1,10). Menschengefälligkeit ist für die Schwachheit des Fleisches eine Falle, die für Menschen allzu leicht und allzu schnell zu einem Stolperstein werden kann. Der Prophet Samuel war ein Knecht Gottes, der wusste, solche Stolpersteine in seinem sieben Jahrzehnte dauernden Dienst (ca. 1105 - 1030 v. Chr.) zu erkennen und zu meiden.

Es waren schwierige Zeiten, in welchen sich Israel zur Zeit Samuels befand. Der geistliche Stand des Volkes war alles andere als gesund, die Priesterschaft war ebenso bestechlich und verdorben wie die Richter. Die Stiftshütte war ohne die Bundeslade, und Götzendienst war unter Gottes Volk weit verbreitet. Samuel musste das eigene Volk Israel tadeln, weil es sich einen König „wie die Nationen“ wünschte (1Sam 8). Als Israel schließlich einen König hatte, wurde Saul, der erste König Israels, bald wegen seines Ungehorsams vom Herrn verworfen. Und Samuel war es, der König Saul das Wort des Herrn bringen musste, dass er sein Königtum eingebüßt hatte.

Gleichwohl trug der Dienst des gottesfürchtigen Samuel auch Früchte. Samuels Dienst erwies sich über seine Generation hinaus als ein Segen und hatte einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass sich der Zorn des Herrn von Israel abwendete (2Sa 24,25). David, den Samuel zum König salbte, sollte das Volk Israel in eine nie dagewesene Blütezeit führen.

Die heutige Zeit und der geistliche Zustand der Gemeinde Jesu weist viele Parallelen zu den Zeiten und der geistlichen Verfassung des Volkes Israel zur Zeit des Propheten Samuels auf. Aus vielen Gemeinden ist die Bundeslade, das Symbol für die Predigt der Wahrheiten des Evangeliums, gewichen. Biblische Verkündigung ist vielerorts dem Geschichtenerzählen (Storytelling), multimedialen Gottesdiensten, die alle Sinne ansprechen, und religiöser oder gar weltlicher Unterhaltung gewichen.

Weltliche Managementmethoden und Pragmatismus führten den besucherfreundlichen, sprich menschengefälligen, Gottesdienst ein. Bis in die geistlichen Leitungskreise sind Ehebruch, Ehescheidung und die Sucht nach Geld und Ruhm nicht zu übersehen. Das Leben zu genießen – so die Bezeichnung einer charismatischen TV-Sendung – ist vielen wichtiger geworden als Opfer und Treue in der Nachfolge. Das Wohlstandsevangelium erfasst immer weitere Teile des Evangelikalismus, wie Paulus trefflich voraussagte: „Sie werden sich von der gesunden Lehre abwenden und sich Lehrer anhäufen, die ihre Ohren kitzeln“ (2Tim 4,3).

Die immer weiter um sich greifende Verbreitung mystischer Lehren, der Einfluss der Emerging Church mit ihren liberalen Vorstellungen, ein Ökumenismus, der immer größere Teile der christlichen Gemeinde erfasst, und selbst „christliches“ Yoga oder Homöopathie sind heute in der evangelikalen Gemeinde anzutreffen – bis in konservative Kreise hinein. Dies alles ist moderner Götzendienst, der der Abgötterei und dem Irrglauben der Israeliten zur Zeit Samuels vergleichbar ist. Während sich Samuels kompromissloser Dienst über seine Generation hinaus als Segen erwies, erlebt der achtsame Beobachter unserer Tage, dass die Wächter weniger und die Menschengefälligkeit und Kompromissbereitschaft größer werden.

Manche wähnen sich besonders geistlich, wenn sie niemanden mehr kritisieren. Sie vergessen dabei das biblische Gebot, alles zu prüfen (1Thess 5,21), die Herde vor den Wölfen zu schützen (Phil 3,2), falsche Lehre zu meiden (Tit 2,1.8) und Irrlehrer unbedingt abzuweisen (Tit 3,10). Und wie schnell werden Bibelverse zur Rechtfertigung des eigenen kompromissbereiten Handelns gefunden! Dies ist das eine Extrem, und natürlich gibt es auch das andere Extrem. So mancher verwechselt die Verteidigung der Bibeltreue mit Besserwisserei und Rechthaberei und bricht unnötigen Bruderstreit vom Zaun.

Als Nehemia um ca. 445 v. Chr. Gottes Volk wieder in ihre Heimat zurückführte, bauten die Israeliten mit Kelle und mit Schwert die zerstörten Mauern Jerusalems wieder auf. Nur mit Kelle zu bauen ist ebenso unmöglich als mit dem Schwert allein. Es bedarf beides. Aber es gab noch eine wichtige Person, die diese Arbeit begleitete, der Schopharhornbläser. „Der Schopharhornbläser aber stand neben mir“, so berichtet Nehemia (Neh 4,12). Er hatte nur eine Aufgabe; er hielt nach dem Feind Ausschau, und wenn er in sein Schopharhorn blies, war das Volk gewarnt und griff zum Schwert, um den Feind zu bekämpfen.

Heute kann man den Eindruck bekommen, dass der Dienst des Wächters unter Gottes Volk nicht mehr gerne gesehen ist. Und manchmal scheint es so, als ob Gottes Volk es vorzieht, das Schwert gegen den eigenen Bruder anstatt gegen den Feind zu richten. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätten die Israeliten unter Nehemia sich dem Schopharhornbläser zugewandt, wenn er in sein Horn blies und ihn für sein Tun getadelt. Sie hätten dem Feind den Rücken zugekehrt, der unbemerkt in ihre Reihen hätte eindringen können, um das Werk des Herrn zum Erliegen zu bringen.

Zweifelsohne gibt es jene, die zu schnell und zu häufig ins Horn blasen, und die meinen, wer nicht nach ihren Vorstellungen Gemeinde baut, ist ebenso zu bekämpfen wie der gottlose Feind. Auch das ist eine Strategie des Teufels, die er nur zu gerne anwendet. Um besonders schlimme Entartungen des religiösen Fleisches handelt es sich, wenn selbstgerechte Überheblichkeit sich mit Torheit paart. Die Anhänger Roms haben ihren Papst, dem sie die Treue schwören und der für sie „unfehlbar“ redet; viele Evangelikale indes haben sich ihre „Päpste“ erkoren, deren Lehren sie wie Papageien nachplappern.

„An dem Ort, von dem ihr nun den Schall des Schopharhornes hören werdet, dort sammelt euch zu uns. Unser Gott wird für uns kämpfen!“ (Neh 4,14). Nur die Geistlichen erkennen den wahren Ton des göttlichen Schopharhornes, und sie sind es, die sich an dem Ort sammeln, den Gott für sie bestimmt hat. Vor allem aber leben sie aus der Gnade und aus dem Geist und wissen, dass „ihr Gott für sie kämpfen wird.“ Sie haben es gelernt, das religiöse Fleisch zu kreuzigen und den Papageienschnabel zu halten. Wenn sie reden, dann reden sie die Aussprüche Gottes (1Petr 4,11).

A. W. Tozer hat es trefflich ausgedrückt: „„Es ist ein schwerwiegender Fehler, wenn wir die Verkündigung eines großen christlichen Leiters einfach akzeptieren, ohne sie zu prüfen. Niemand kann jemals so bedeutend im Reich Gottes sein. Wir sollten Menschen nur dann folgen, wenn sie dem Herrn folgen, und wir sollten immer wachsam bleiben, damit wir nicht einem Menschen blind nachfolgen.“ (A.W. Tozer, The Set of the Sail, S. 163-164.)

Je länger man den geistlichen Niedergang unserer Zeit betrachtet, desto mehr kann man zu der Annahme kommen, wir leben bereits in der Zeit, die die Bibel als den großen endzeitlichen Abfall bezeichnet. Es scheint immer mehr Laodizea-Gemeinden zu geben, die von sich überzeugt sind, dass sie „reich sind und Überfluss haben, und es ihnen an nichts mangelt“, obgleich das Urteil des Herrn über sie lautet: „und du erkennst nicht, dass du elend und erbärmlich bist, arm, blind und entblößt“ (Offb 3,17). Mit einem wehen Herzen muss man zu der Einsicht kommen, in welch entsetzlichen Zustand auch erlöste Menschenherzen doch kommen können.

Kann es sein, dass dieser erbärmliche Zustand dadurch geworden ist, weil über Jahrzehnte zu viele Scheinbekehrte unsere Gemeinden füllten – Menschen mit einer äußerlichen Frömmigkeit, ohne den inneren Bankrott und ohne wahre Buße. Ludwig Henrichs sagt über solche: „Auch wenn er von Gnade redet, meint er Gesetz, wenn er von Mitgekreuzigtsein mit Christo spricht, meint er fromme Askese. Der Adamit in ihm ist nicht an seiner Wurzel getroffen, er lebt weiter, nur in einer anderen Form. Überall, wo Bekehrungen sich vollziehen, die zwar zu einer anderen Art des sittlichen Verhaltens führen, die aber nicht Neuschöpfungen in Christo sind, geschehen sie auf dem Boden des Gesetzes und darum außerhalb des Evangeliums, wenn auch unter der Verkündigung des Evangeliums.“ (Ludwig Henrichs, Geistliche Kraftlosigkeit der Gemeinde und ihre Überwindung, 1949, S.13.)

Gleich Laodizea hat sich über viele unter Gottes Volk eine Sattheit gelegt, die wahres geistliches Leben erstickt. In diesem Zusammenhang gewinnt das Jesuswort „Gebt Acht und hütet euch vor aller Habsucht, denn auch wenn jemand Überfluss hat, besteht sein Leben nicht durch seine Habe“ (Lk 12,15) noch eine ganz andere Bedeutung. Das griechische Wort pleonexia für Habsucht bedeutet eigentlich „Mehrhabenwollen“. Dieser Aspekt kann sehr viel weiter gedeutet werden als nur auf Hab und Gut. Die Sünde des Mehrhabenwollens hört nicht beim Geld auf.

Wikipdedia definiert „Pleonexie“ „zum einen als ein Mehr-Haben, ein Vorteil oder ein größerer Anteil, den ein Mensch im Vergleich zu anderen besitzen kann. Zum anderen als ein moralisch verwerfliches Mehr-Haben-Wollen, verwandt mit Habsucht, Gier und Anmaßung. In seiner Nikomachischen Ethik (EN 1129b 32) bezeichnet Aristoteles die Pleonexie als eine der drei Formen der Ungerechtigkeit.“ (URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Pleonexie)

Mehr Einfluss, mehr Bekanntheit, mehr Akzeptanz, mehr akademische Respektabilität – mehr, mehr, mehr von allen möglichen Dingen, welche sich als frommes Fleisch tarnen und dem Nachfolger Christi suggerieren, wenn er dies besitzt, dann lebt er in dem Überfluss, den Gott verheißen habe. Doch ein Mehr von dem, was nicht aus dem Geist, sondern aus dem Fleisch ist, betört den Geist des Nachfolgers Christi und macht ihn schläfrig.

Dies stimmt bedenklich, aber es erklärt vielleicht das Handeln vieler, die aus guten Motiven heraus mehr haben wollen. Diesem Mehrhabenwollen mag durchaus das gute Motiv zugrundeliegen, mehr Menschen mit dem Evangelium und der rettenden Botschaft Jesu zu erreichen. Es mag das edle Motiv sein, der Welt die Liebe und Einheit unter Gottes Volk demonstrieren zu wollen, damit diese zum lebendigen Glauben an Jesus finden. Gleichwohl zeigt die Bibel unmissverständlich, dass der gute Zweck oder das gute Motiv noch lange nicht die Mittel heiligt.

Und der Teufel mit seiner List weiß, dies umso besser für seine Zwecke einzuspannen. Er redet dem Frommen so lange gut zu, dass edle Motive immer gute Früchte bringen, bis dieser es schließlich selbst glaubt. Doch das Wort der Wahrheit führt allen unerbittlich vor Augen, dass selbst die besten Motive des Fleisches wie Lumpen vor Gott erscheinen. Wenn nicht das fromme Fleisch gänzlich ans Kreuz geheftet ist, dann sprudelt aus der Quelle fleischlicher Religiosität nicht das Wasser des Lebens, sondern die stinkende Kloake des Teufels. Wir wissen, der Teufel kann sich als Engel des Lichts verstellen, und doch ist die Engelsgestalt letztlich Satan selbst. Auch die Kloake des Teufels kann von vielen irrtümlicherweise als Lebensquelle betrachtet werden.

Der Teufel ruft nach mehr Einheit unter Gottes Volk. Das tut die Schrift ebenso. Doch anders als der Teufel nennt die Schrift Maßstäbe für diese Einheit. Einheit wird durch Liebe und Wahrheit realisiert. Der Teufel ruft nach Einheit ohne Wahrheit.

Der Teufel ruft nach mehr Liebe unter Gottes Volk. Das tut auch die Schrift. Doch die Agape-Liebe der Schrift hat Jesus, den fleischgewordenen Gott, zum Zentrum: „Wer mich liebt, hält meine Gebote“ (Jo 14,23). Der Teufel ruft nach Liebe ohne Gehorsam und stellt den Menschen und nicht Gott in den Mittelpunkt.

Der Teufel ruft nach mehr Aktivitäten. Auch die Schrift spricht davon, sich guter Werke zu befleißigen (2Petr 1,5; Spr 10,4; 13,4). Doch alles Tun der Schrift, wenn es vor Gott Bestand haben will, ist ein Tun aus der Gnade. Der Teufel ist erfolgreich, zu viele Christen in die Gesetzlichkeit zu führen. Ihr Tun ist nicht ein Werk der Gnade, sondern ein Werk des Fleisches.

Der Teufel ruft nach mehr Gerechtigkeit in dieser Welt. Die Schrift kündet von der Gerechtigkeit, die der wiederkommende Herr einmal aufrichten wird. Und alleine der Herr wird diese Gerechtigkeit errichten können. Nachdem der Teufel die großen Kirchen vor mehr als 100 Jahren betörte, den Weg des sozialen Evangeliums einzuschlagen, sind die Kirchen heute so blutleer geworden sind, dass sie trotz Hunderttausender sozialer Mitarbeiter immer mehr Mitglieder verlieren. Kürzlich sagte ein Bruder über die Evangelische Kirche, sie beschäftige heute ca. 100000 sozialdiakonische Mitarbeiter, aber entlässt einen ihrer letzten bibeltreuen Evangelisten.

Der Teufel ruft nach mehr akademischer Respektabilität. Spurgeon sagte einmal trefflich: „Es ist besser ein Patient des Herrn zu sein als ein Doktor der Theologie.“ Wohin die Gelehrsamkeit ohne Demut führt, zeigt das Fuller Seminar in den USA. Dieses theologische Seminar war einst angetreten, die uneingeschränkte Irrtumslosigkeit der Schrift hochzuhalten. Das ursprüngliche Glaubensbekenntnis aus dem Jahre 1947 war klar und deutlich. 1971 wurde in Bezug auf die Irrtumslosigkeit der Schrift der Satz „frei von jeglichem Irrtum in ihrer Ganzheit wie in ihren Teilen“ gestrichen und ersetzt durch „‚Die Schrift ist ein wesentlicher Teil und ein glaubwürdiger Bericht dieser göttlichen Selbstoffenbarung“. Es ist allemal besser, als Patient auf den Herrn angewiesen zu bleiben, als in theologischer Überheblichkeit die eigene Krankheit nicht erkennen zu können.

Der Teufel ruft nach mehr Herzensreligion. Man kann der Schrift nicht vorwerfen, dass sie dies nicht auch tut (Kol 3,23; 1Thess 2,4). Nirgends plädiert die Schrift für einen nur kalten Verstandesglauben. Doch dem Teufel ist es gelungen, die Mystik unter Gottes Volk wieder salonfähig zu machen. Die Schrift hingegen will das Herz des Menschen nicht mit Visionen, Eindrücken oder Gefühlen erfüllen, sondern mit dem Wort des Christus. Herzensreligion ohne Gottes Wort ist wie ein Schiff ohne Kapitän. Es mag sich in den Wellen und Wogen des Meeres drehen und eine Zeitlang erfreuen, aber führerlos geworden, kann es nicht auf Kurs bleiben und muss am Ende Schaden nehmen oder an den Felsen der Orientierungslosigkeit zerschellen.

Der Teufel ruft nach mehr Lebendigkeit in unseren Gottesdiensten. Manche Gemeinden folgen diesem Irrtum und meinen, je lauter die Musik, desto lebendiger die Gemeinde. Wie sehr sich die zeitgenössische Lobpreismusik der Welt angepasst hat, kann niemandem entgehen, der Gott wahrhaft anbetet und seine Nähe kennt. Was machen moderne Musiker, die den Geist nicht haben, doch alles aus dem kostbaren Jesus der Schrift. Für Mark Stuart von der „christlichen“ Band Audio Adrenaline ist „Jesus ist der größte Rebell, der jemals auf dem Angesicht der Erde wandelte“ (Pensacola News Journal, Pensacola, Fla., March 1, 1998, pp. 1, 6E). Sonny von der Musikgruppe P.O.D. sagte: “Wir glauben, dass Jesus der erste Rebell war, der erste Punk Rocker” (http://www.shoutweb.com/interviews/pod0700.phtml). Carman erklärt in seinem Video Live Radically Saved: “Jesus ist immer cool, er weiß, was Sache ist.” In dem Song Resurrection Rap stellt Carman Jesus als Straßenhippie dar. Phil Driscoll will wissen: “Gott ist der König der Seele, Er ist der König aller Rhythmen” (zitiert von Tim Fisher, Battle for Christian Music, S. 82). Die Messiah Prophet Band sieht in Jesus den „Meister des Metal“ und Barren Cross sagt: „Jesus rockt besser als Pot (Marihuana).“ Jesus wird auf diese Weise nach eigenem fleischlichem Ermessen „zurechtgestylt“ – ein bequemer Jesus, der unseren Vorstellungen folgt. Aber Jesus ist der HERR, der uns ruft, IHM zu folgen.

Und so ist ein großer Teil der Gemeinde von heute so überaus reich und satt und selbstgenügsam geworden. Die moderne Gemeinde hat mehr sozialdiakonische Dienste, mehr Lebendigkeit, mehr Offenheit, mehr Toleranz, mehr Liebe, mehr Einheit, mehr Herzensreligion, mehr akademische Respektabilität. Doch all dies hat einen großen Makel: Dieses Mehrhaben ist der Gemeinde zu einem gottfernen und mitunter gottlosen Überfluss geworden. Es bewahrheitet sich das alte Sprichwort: Manchmal ist weniger mehr. Dies alles hat dazu geführt, dass, weil geistliches Leben eben nicht durch im Haben und schon gar nicht im „Mehrhaben“ besteht, sondern im Sein besteht, die geistliche Kraft  gewichen ist.

Laut Paulus sind uns die Geschichten des Alten Bundes überliefert worden, damit wir nicht nach dem gleichen Beispiel des alttestamentlichen Gottesvolkes fallen sollen (1Kor 10,1-13). Was also lernen wir aus dem Dienst Samuels? Samuel hatte niemanden übervorteilt, unterdrückt oder sich jemals bestechen lassen. Nichts konnte man ihm vorwerfen. Treu und kompromisslos verrichtete er seinen Dienst. Er war mit seinem Dienst, seiner Respektabilität, seinem materiellen Auskommen, seiner Beziehung zu Gott zufrieden und verlangte nicht nach mehr. Ihm konnte niemand die Sünde des Mehr-Haben-Wollens vorwerfen!

 



Autor: Georg Walter, ursprüngliche Quelle: distomos.blogspot.com

 

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