und

Lügenprophet oder wahrhaftiger Prophet?

Selbst berufen oder von Gott berufen?
 

Veröffentlicht am 16.05.2016

So spricht der Herr: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht, und dessen Herz vom Herrn weicht! Er wird sein wie ein kahler Strauch in der Einöde; er wird nichts Gutes kommen sehen, sondern muß in dürren Wüstenstrichen hausen, in einem salzigen Land, wo niemand wohnt. Gesegnet ist der Mann, der auf den Herrn vertraut und dessen Zuversicht der Herr geworden ist! Denn er wird sein wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und seine Wurzeln am Bach ausstreckt, der die Hitze nicht fürchtet, wenn sie kommt, sondern seine Blätter bleiben grün; auch in einem dürren Jahr braucht er sich nicht zu sorgen, und er hört nicht auf, Frucht zu bringen (Jeremia 17,5-8).

Wenn man das Buch Jeremia liest, ist ein Thema unübersehbar und das ist die ständige Konfrontation des Propheten Jeremia, mit den falschen Propheten und dem scheinheiligen Priestertum seiner Tage. Warum ich als Ausgangspunkt dieses Kapitels, erneut die eingangs zitierte Bibelstelle ausgewählt habe, wird vielleicht offensichtlicher, wenn wir mit einem kurzen Exkurs ins Neue Testament beginnen, und uns das Auftreten von Johannes dem Täufer ansehen. Er, der Vorbote des HERRN, lebte in Abgeschiedenheit, hatte ein Gewand aus Kamelhaaren und ernährte sich von Heuschrecken und wildem Honig. Die Menschen aus Jerusalem und ganz Judäa, sowie aller Länder am Jordan kamen zu ihm, um ihre Sünden zu bekennen und sich im Jordan taufen zu lassen. Genau an diesem Punkt, schildert der biblische Bericht eine Konfrontation zwischen Johannes und der geistlichen Elite jener Tage, in dem folgendes zu lesen ist:
Als er nun viele Pharisäer und Sadduzäer sah zu seiner Taufe kommen, sprach er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? Seht zu, bringt rechtschaffene Frucht der Buße! Denkt nur nicht, dass ihr bei euch sagen könntet: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum: jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Er hat seine Worfschaufel in der Hand; er wird seine Tenne fegen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer (Mt 3,7-10).

Hier haben wir also dasselbe Bild wie beim Propheten Jeremia. Auch Johannes greift den Vergleich mit den Bäumen auf und bezeichnet dabei die religiösen Führer, als fruchtlose Bäume. Dass sich Gott dies auf Dauer nicht bieten lässt, macht er durch die Ankündigung deutlich, dass die Axt schon an die Wurzel der Bäume gelegt ist und dass jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, abgehauen und ins Feuer geworfen wird. Wer nun denkt, Johannes sei eben noch sehr streng und gesetzlich gewesen und meint, Jesus hätte es bestimmt viel lockerer gesehen, der wird in Matthäus 7 eines Besseren belehrt. Da greift Jesus nämlich auf das gleiche Bild zurück, indem ER dieselbe Aussage trifft und sagt: Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen! (V 19)“ Wenn man nun berücksichtigt, dass diese Aussage des HERRN mitten im Kontext Seiner Warnung vor falschen Propheten zu finden ist (vgl. Mt 7,15-23) wird der Zusammenhang zwischen dem Gleichnis aus dem Propheten Jeremia und der Thematik des falschen Prophetentums mehr als deutlich. So gegensätzlich, wie der blühende Baum und der vertrocknete Strauch aus dem Gleichnis Jeremias, so gegensätzlich sind wahre und falsche Propheten, wahre Diener Gottes und betrügerische Arbeiter. Wobei hier auch gesagt werden muss, dass uns Gottes Wort einen Blick hinter die Kulissen gibt und sich die Aussagen vorrangig auf das geistliche Leben der falschen Propheten beziehen. Die Außendarstellung der Lügenpropheten sieht natürlich ganz anders aus, nach außen hin, können sich falsche Propheten meist sehr gut verkaufen. Oftmals machen sie sogar mächtig Eindruck auf ihr Umfeld, sodass sie beispielsweise der Apostel Paulus in ironischer Weise, als die „übergroßen Apostel“ bezeichnet. Er selbst hingegen war so bescheiden, dass er sich als der geringste Apostel bezeichnete, einer der nicht würdig sei, Apostel genannt zu werden (vgl. 1.Kor 15,9). Im Gegensatz zu diesen „Überaposteln“ ging es ihm aber auch nie darum, sich selbst in Szene zu setzen, stattdessen war der Mittelpunkt seiner Verkündigung allein Christus (vgl. 2.Kor 4,5). Daher waren seine Worte, genau wie es beim HERRN der Fall war; Geist und Leben (Joh 6,63), während die nichtigen Worte jener falschen Apostel, nichts als der leere Trug ihres eigenen Herzens waren (Kol 2,8; Jer 23,26).

Und genau dies ist der Unterschied, den Gottes Wort herausstellt, es geht nicht um das, was jemand nach außen hin darstellt, sondern darum, ob er wirklich durch Gottes Geist erneuert wurde. Nur wenn dies der Fall ist, und tatsächlich geistliches Leben vorhanden ist, kann Frucht für das Reich Gottes entstehen. Grundvoraussetzung dafür ist eine neue Geburt durch den Geist Gottes, sowie Jesus gelehrt hat: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen! Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist (Joh 3,5-6). In Vers 3 desselben Kapitels sagt ER auch: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen!“, eine andere Übersetzungsmöglichkeit wäre, „wenn jemand nicht von oben gezeugt wird“ oder „von oben geboren wird“. Letztlich wird hier deutlich, das Entscheidende ist das göttliche Eingreifen. Ohne Gottes Initiative ist der Mensch hoffnungslos verloren. Der Verstand des natürlichen Menschen ist verfinstert, sein Herz ist verblendet und sein Sinnen und Trachten kreist um alles, nur nicht um seinen Schöpfer. Daher ist ihm weder daran gelegen, Gott zu ehren, noch Ihm zu danken, geschweige denn, nach Seinem Willen zu fragen. Von Natur aus geht der Mensch immer seinen eigenen Weg, niemals den Weg Gottes. So wie geschrieben steht: Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg (Jes 53,6). Dass dies selbst dann der Fall ist, wenn er das Gegenteil bekundet, haben die letzten beiden Kapitel gezeigt. Voraussetzung ist also, dass Gott eingreift, indem ER das Herz erneuert (vgl. Jer 31,11, Hes 36,26). Um hier wieder auf das Bild mit dem Baum zurückzukommen, ist das Entscheidende, ob ein Baum von Gott gepflanzt wurde oder nicht. Dass es um diese grundsätzliche Frage geht, macht Jesus durch folgende Worte deutlich: Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen (Mt 15,13). Mit diesem Gedanken kommen wir zum ersten Unterscheidungskriterium, zwischen Lügenpropheten und wahren Dienern Gottes und das ist die unterschiedliche Berufung.

1. Unterschiedliche Berufung

Wenn man sich ansieht, wie Jeremia zum Propheten wurde, wird deutlich, dass er sich nicht selbst dazu ernannte, sondern von Gott dazu auserwählt wurde. Wir sehen dies gleich zu Beginn des Prophetenbuches, wo Jeremia seine Berufung mit folgenden Worten schildert: Und des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund (Jer 1,4-9, vgl. Jer 31,3).

Dieser Vers zeigt unwiderlegbar, dass die Initiative von Gott ausging. ER war es, der Jeremia erwählt hatte und dies geschah, noch ehe der Prophet geboren war. Lange bevor Jeremia irgendetwas Gutes oder Böses getan hatte, oder im Stande gewesen wäre, eine Entscheidung zu treffen, hatte Gott bereits Seine Auswahl getroffen. Es war Gottes Berufung, es war Gottes Entscheidung und nicht die freie Berufswahl des Propheten. Jeremia selbst hätte sich wohl kaum dazu entschlossen, Prophet zu werden, denn dieser Aufgabe hätte er sich, wie seine Berufung uns zeigt, nie gewachsen gefühlt. Hier sehen wir den Gegensatz zu den Lügenpropheten, während sie gewaltig auftraten und viel Aufsehen um ihre „geistliche“ Vollmacht machten, war Jeremia bei weitem nicht so von sich selbst überzeugt. Im Gegenteil, er war so demütig, dass er beim Gedanken an diesen gewaltigen Auftrag regelrecht schlottrige Knie bekam. Da war keine Spur von Überheblichkeit, hier kam nicht die selbstsichere Antwort: „Gut, dass du so eine fähige Kapazität wie mich für diesen Dienst auserkoren hast“, sondern eine völlig realistische Einschätzung, in der er zum Ausdruck brachte, sich dieser gewaltigen Aufgabe nicht gewachsen zu fühlen. Seine Worte waren: „Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen!“
Hatte sich der Herr mit der Erwählung Jeremias etwa vertan? Warum erwählte ER nicht einen Mann, der selbstsicherer und redebegabter war, einen, der weiß, wo es lang geht? Warum ausgerechnet den schüchternen, unsicheren Jeremia? Nach menschlichem Ermessen jedenfalls, war Jeremia eindeutig die falsche Wahl, nach göttlichem jedoch genau die richtige; denn sind es nicht gerade solche Menschen, die Gott bevorzugt in seinen Dienst beruft? So wie geschrieben steht: Das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist (1.Kor 1,28).

Arthur Pink kommentiert diesen Vers wie folgt: Der menschliche Verstand hätte wohl erwartet, daß eine Auserwählung aus den Reihen der Wohlhabenden und Einflußreichen, der Liebenswürdigen und Kultivierten vorgenommen würde, auf daß das Christentum durch seinen prunkvollen, fleischlichen Glanz die Zustimmung und den Beifall der Welt gewönne. Doch im Gegenteil! „Was hoch ist bei den Menschen, das ist ein Greuel bei Gott“ (Lk 16,15). Gott erwählt das „Geringe“.16 Gott erwählt keine Übermenschen, sondern ganz gewöhnliche, oftmals sogar verachtete und ausgegrenzte Menschen, um sich durch sie zu verherrlichen, darum heißt es an anderer Stelle: Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit das Übermaß der Kraft von Gott sei und nicht aus uns (2.Kor 4,7). Die Ehre gebührt nicht den Gefäßen, sondern dem, der sie mit der Kraft Seines Geistes erfüllt. 

Die Lügenpropheten hielten sich für besonders bevollmächtigt und begabt, Jeremia hingegen war demütig und bescheiden. Im Gegensatz zu den Superpropheten hielt er sich nicht für vollmächtig, sondern für ohnmächtig. Genau das ist auch das Kennzeichen aller, denen Gott wirklich begegnet ist, denn bei seiner überwältigenden Größe und Herrlichkeit, da findet der Mensch zu wahrer Selbsterkenntnis und Demut. In Seiner Gegenwart singt niemand, „Die Welt ist klein und wir sind groß“. In Gottes Gegenwart fühlt sich niemand groß, vielmehr sprechen Menschen, denen Gott begegnet ist: Wehe mir, denn ich bin verloren. Denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich, und mitten in einem Volk mit unreinen Lippen wohne ich. Denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen (Jes 6,5). Wahre Gotteserkenntnis führt zu wahrer Selbsterkenntnis und damit unweigerlich zu dem Bewusstsein, Seiner nicht würdig zu sein. Wenn wir Gott erkennen, erkennen wir zugleich, wie schwach und hilflos wir sind, und werden uns unserer vollkommen Abhängigkeit von Ihm bewusst. ER ist sowohl Anfänger, als auch Vollender unseres Glaubens (Hebr 12,2), ohne IHN und ohne Sein Eingreifen in unser Leben, sind wir hoffnungslos verloren. Jesus machte keine leeren Worte, als ER sagte: „Ohne mich könnt ihr nichts tun (Joh 15,15). Wir können nur in der Verbindung mit Ihm Frucht bringen, doch die Grundvoraussetzung ist, so banal es klingen mag, zunächst einmal, dass wir überhaupt geistliches Leben haben, ein toter Baum wird selbst bei täglicher Bewässerung keine Frucht bringen. Jeremia war kein toter Baum, er war ein Baum den Gott selbst gepflanzt hatte. Gott selbst war es, der ihn zum Dienst erwählt hatte.

Dieses geistliche Prinzip der Erwählung, zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Schrift. Wir sehen es angefangen von Noah, Mose und David, bis hin zu den Propheten und finden es auch im Neuen Testament, bei der Erwählung der Jünger, wo Jesus sagt: Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt (Joh 15,16). Ebenso wie es bei den Glaubenshelden des Alten Bundes, ebenso wie es bei den Jüngern war, so war es auch bei Paulus, auch er hatte sich nicht für Jesus entschieden, sondern im Gegenteil, er hatte die Gemeinde sogar bis aufs Blut verfolgt, doch als Jesus ihm entgegentrat und sprach: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“(Apg 9,4), wurde sein Leben radikal verändert: Der eifrigste Christenverfolger, wurde zum eifrigsten Evangelisten. Ausgerechnet er, der die Gemeinde ausrotten wollte, wurde zu dem, der sie pflanzen und bauen sollte. Der HERR selbst war es, der ihn zu diesem Dienst auserwählt, befähigt und berufen hatte. Auch wenn viele diese Lehre der Erwählung nicht mögen, so ist sie doch eine der zentralen Lehren der Schrift. Da die Souveränität Gottes, Schwerpunkt des letzten Kapitels sein wird, möchte ich dieses Thema an dieser Stelle nur auf die Aussage beschränken, dass die Initiative zur Errettung immer von Gott ausgeht. Kein Mensch kann sich aus eigener Kraft, selbst aus dem Sumpf der Sünde herausziehen. Ohne das Eingreifen Gottes, ist es im Leben eines Menschen so finster, dass er noch nicht einmal in der Lage ist, seine eigene Verlorenheit wahrzunehmen. Wie bereits erwähnt, sagte Jesus, dass wer nicht von oben geboren ist, das Reich Gottes noch nicht einmal sehen kann. Somit können nur jene als eine Pflanzung des himmlischen Vaters gesehen werden, die von oben geboren sind. Die anderen sind nur aus dem Fleisch geboren, d.h. bei ihnen fand keine Erneuerung statt, über sie sagt die Schrift: Die aber, die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen (Röm 8,8). Alles, was solche Menschen praktizieren können, ist ein eigenwilliger Gottesdienst. Sie errichten ein religiöses System, das sich an ihren selbstsüchtigen Interessen ausrichtet, aber nicht nach dem Willen Gottes. Das alles hat zwar einen sehr frommen Anstrich, doch es dient letztlich nur der Befriedigung des Fleisches (vgl. Kol 2,23). Ganz vom Geist der Welt geprägt, dreht sich letztlich alles um das selbstsüchtige Ich, das es zu befriedigen gilt. Treffend schreibt hier der Apostel Johannes: Sie sind aus der Welt, deswegen reden sie aus dem Geist der Welt (1.Joh 4,5). Da sie nicht durch Gottes Geist erneuert wurden, leben sie noch in ihrer gefallenen menschlichen Natur, aus diesem Grund decken sich ihre Interessen auch mit denen der Welt, folglich endet die Aussage des Apostels, mit den Worten: Und die Welt hört auf sie.

Diese Erfahrung haben die Diener Gottes zu allen Zeiten gemacht, auch bei Jeremia war es nicht anders, während er Ablehnung erfuhr und die Mehrheit des Volkes die Ohren vor seinem Reden verschlossen hatte, standen die Lügenpropheten hoch im Kurs, ihnen schenkte das Volk Gehör. Nach weltlichem Maßstab würde man sagen, sie haben die Botschaft besser verkauft, doch in Wahrheit, muss man sagen, dass sie den HERRN verkauft haben. Sie gaben sich zwar als Seine Diener aus und beanspruchten in Seinem Namen zu reden, doch der Gott, dem sie vorgaben zu dienen, wies dies weit von sich, indem ER sprach: Diese Propheten weissagen Lüge in meinem Namen; ich habe sie nicht gesandt und ihnen nichts befohlen und nicht zu ihnen geredet. Sie predigen euch falsche Offenbarungen, nichtige Wahrsagung und ihres Herzens Trug (Jer 14,14). 

Man kann das Buch Jeremia nicht lesen, ohne wahrzunehmen, dass sich Gott eindeutig von diesen falschen Propheten distanziert hat, wenn ich richtig gezählt habe, findet man siebenmal die Aussage, dass der HERR diese Propheten nicht gesandt hat (Vgl. Jer 14,14: 14,15: 23,28: 23,32: 27,15: 29,9: 29,31).


2. Unterschiedliche Ziele

Ebenso unterschiedlich wie die Berufung, ist auch die Gesinnung und die Motivation für den Dienst. So wie man über wahre Diener Gottes sagen kann, dass sie in göttlicher Mission unterwegs sind, so trifft auf betrügerische Arbeiter und falsche Propheten zu, dass sie in eigener Mission unterwegs sind. Echten Dienern Gottes geht es um die Interessen ihres Herrn, bei falschen Propheten hingegen dreht es sich um deren Eigeninteressen. Während sich der Dienst treuer Diener um die Ehre ihres HERRN dreht, geht es betrügerischen Arbeitern und falschen Propheten um die eigene Ehre. Nicht der HERR, sondern sie selbst wollen glänzen und bewundert werden. Aus diesem Grund stellen sie sich mit ihren Fähigkeiten, mit ihrer Vollmacht und ihren herausragenden Gaben gerne selbst in den Mittelpunkt. Im Gegensatz dazu teilen treue Diener Gottes die Einstellung von Johannes dem Täufer, der sagte: Er (Jesus) muss wachsen, ich aber abnehmen“ (Joh 3,30).

Sie versuchen nicht den Fokus auf sich zu lenken, sondern sehen sich nur als Boten, die zu ihrem HERRN einladen. Ein wahrer Diener Gottes, führt Menschen zu Jesus, ein falscher Apostel hingegen versucht die Jünger hinter sich herzulocken. Das heißt, er führt in eine Abhängigkeit von sich und seinem Dienst, anstatt in eine Abhängigkeit von Jesus. Paulus hat dies mit folgenden Worten angekündigt: Und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her (Apg 20,30). Und dies hat sich bis in unsere Tage bewahrheitet. Da Irrlehrer und falsche Propheten die Ehre bei den Menschen mehr lieben, als die Ehre bei Gott (vgl. Joh 12,43), halten sie sich nicht an das Wort Gottes, sondern richten ihre Botschaft an dem Geschmack ihrer Zuhörer aus. Da die Botschaft vom Kreuz, dem natürlichen Menschen eine Torheit ist (vgl. 1.Kor 1,23) und folglich auf viel Widerspruch und Ablehnung stößt, ist sie nicht Inhalt ihrer Lehre. Ebenso meiden sie in ihrer Verkündigung jegliche Botschaft von Strafe und Gericht, denn hierfür würden sie ja keinen Applaus ernten. Weil sie aber genau darauf aus sind, erzählen sie den Menschen, wonach deren Ohren jucken. Gottes Wort hat lange im Voraus angekündigt, dass eine Zeit kommen wird, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken (2.Tim 4,3). Und genau dieser Wunsch der Zuhörer, ist ihnen Befehl. Wenn sie nur beliebt sind, wenn nur ihr Posten sicher ist, dann ist für sie die Welt in Ordnung. Paulus bringt ihre Einstellung an anderer Stelle wie folgt auf den Punkt: Denn viele leben so, dass ich euch oft von ihnen gesagt habe, nun aber sage ich's auch unter Tränen: Sie sind die Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist die Verdammnis, ihr Gott ist der Bauch und ihre Ehre ist in ihrer Schande; sie sind irdisch gesinnt (Phil 3,18-19). Die Aussage, dass ihr Gott ihr Bauch ist, macht deutlich, dass es ihnen nur um ihr irdisches Wohlergehen geht. Sie sind ausschließlich irdisch gesinnt. Da ihr Denken und Handeln ganz und gar auf das Diesseits ausgerichtet ist, wollen sie die Belohnung für ihren Dienst schon im Hier und Jetzt. Aus diesem Grund sagte Jesus: Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin (Mt 6,2: 5: 16). Sie sind Menschen, deren Teil im Leben von dieser Welt ist (Ps 17,14). Weil sie bereits im Hier und Jetzt abkassieren, steht keine zukünftige Belohnung mehr für sie aus.

Die Motivation eines wahren Dieners Gottes hingegen ist eine völlig andere. Paulus beschreibt sie mit folgenden Worten: Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann (Phil 3,20-21). Wahre Diener Gottes suchen ihre Bestätigung nicht in der Anerkennung dieser Welt sondern darin, Gott zu gefallen (vgl. Gal 1,10). Dass sowohl Ausrichtung als auch Ziel ihres Dienstes entgegen dem der betrügerischen Arbeiter und falschen Propheten ist, sehen wir darin, dass sie nicht auf eine irdische, sondern auf eine himmlische Belohnung aus sind. Ein gutes Beispiel dafür ist Mose, über den es heißt, dass er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung (Hebr 11,26). Und diese Belohnung war die Hoffnung auf das neue Jerusalem, so wie geschrieben steht: Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir (Hebr 13,14). So schreibt auch der Apostel Paulus an anderer Stelle: Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist (Kol 3,2).

3. Unterschiedliches Gottesbild

Ein weiteres Unterscheidungskriterium ist das unterschiedliche Gottesbild. Ein wahrer Diener Gottes, formt sich sein Gottesbild nicht nach den Wünschen und Vorstellungen seines eigenen Herzens, sondern gründet seinen Glauben auf die Selbstoffenbarung Gottes, die uns durch die Schrift gegeben ist. Ebenso vertraut er auch auf das Selbstzeugnis der Schrift, das besagt, dass dieses Wort nicht Menschen - sondern Gottes Wort ist. Folglich erkennt er die Schrift als höchste Autorität über seinem Leben an. Sein Dienst besteht darin, die Wahrheit der Schrift zu bewahren und gegenüber Irrlehren und Irrtümern zu verteidigen. Somit ist auch das Gottesbild das er vermittelt, auf die Selbstoffenbarung Gottes gegründet, wie es in der Schrift überliefert wurde. Da er die Schrift als Autorität über sein Leben anerkennt, richtet er sein Leben am Wort Gottes aus und ist auch bereit, Korrektur und Zurechtweisung anzunehmen. Lügenpropheten und betrügerische Arbeiter hingegen, machen sich ihr eigenes Gottesbild. Sie formen sich einen Gott, der zu ihren Wünschen und Vorstellungen passt. Indem sie ihre Wünsche, und ihren Intellekt über die Schrift stellen, lehnen sie das Wort Gottes als Autorität über ihr Leben ab, und sind auch nicht bereit, sich von der Schrift beurteilen zu lassen. Anstatt zu akzeptieren, dass Gottes Wort Richter über die Gesinnung ihres Herzens ist, erheben sie sich über das Wort und unterwerfen es ihrem eigenen Urteil. Durch diese Einstellung machen sie deutlich, dass sie immer noch Herr über ihrem eigenen Leben sind. Sie bezeichnen sich zwar als Seine Diener, doch sie dienen in Wahrheit nicht Ihm, sondern sich selbst; sie geben vor, den Weg Gottes zu gehen, doch gehen in Wahrheit ihren eigenen Weg. Bezeichnend ist auch, dass sie weder wahre Ehrfurcht vor Gott, noch vor Gottes Wort haben. Während wahre Diener Gottes vor dem Wort Gottes zittern (vgl. Jer 23,9; Jes 66,2), sehen jene alles ganz locker und pragmatisch. Gerichtsworte nehmen sie nicht ernst, ihr Gott ist ein ganz, ganz lieber und toleranter, der gerne fünf gerade sein lässt. Sie wollen nicht wahrhaben, dass der Weg des Sünders im Verderben endet. Sie haben nur angenehme süße Worte, sie sichern allen Gottes Wohlwollen zu, laut ihrer Ansicht kommen alle Menschen in den Himmel, egal ob sie gottesfürchtig sind oder nicht. Wenn Namenschristen ihre Gottesdienste besuchen, geschieht im Grunde dasselbe, wie bereits bei der Generation Jeremias, genau wie die Lügenpropheten damals, versprechen auch sie allen, die den HERRN verworfen haben: „Der HERR hat geredet: Ihr werdet Frieden haben", und zu jedem, der in der Verstocktheit seines Herzens lebt, sagen sie: "Kein Unglück wird über euch kommen." (Jer 23,17, vgl. Hes 13,22). 

Durch diese Art der Verkündigung tragen sie dazu bei, dass Gott nicht mehr ernst genommen wird. Statt gottlose Menschen zu korrigieren oder zu ermahnen, stärken sie die Hände der Gottlosen. Doch sie verkündigen eine billige Gnade, denn ihr leeres Pauschalversprechen: „Friede!, Friede!“ (Jer 6,14: 8,11), lässt sich nicht mit der Aussage: Kein Friede den Gottlosen! (Jes 57,21) vereinbaren. Aber nicht nur diese Schriftstelle sondern die ganze Heilslehre wird von ihnen außer Acht gelassen, doch dies ist für sie nicht weiter von Belang, schließlich stehen sie ja weit über dem Wort Gottes. Wenn man sich nun fragt, wie man nur so dreist und unverfroren sein kann, dann findet man einen der Hauptgründe darin, dass sie nicht von Gottesfurcht, sondern von Karrieredenken geleitet sind. Anerkennung bei den Menschen, steht bei ihnen weit über dem Wunsch, Gott zu gefallen. Die Motivation für ihren Dienst, ist die Erfüllung der eigenen Wünsche, statt Selbstverleugnung, ist bei ihnen Selbstverwirklichung angesagt. Treffend sagt die Schrift, dass sie sich selbst weiden (vgl. Jud 12; vgl. Hes 34,2: 10).

Wahre Diener Gottes hingegen teilen die Einstellung des Apostel Paulus, der sagen konnte: Also reden wir, nicht um Menschen zu gefallen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft (1.Thess 2,4). Treue Diener Gottes sehen ihren Auftrag nicht darin, Ungläubige in ihren falschen Wegen zu bestärken, ihre Botschaft für Abtrünnige und Namenschristen lautet nicht „Friede!, Friede!“, sondern: „Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht!“ (Apg 2,40) Daher predigen sie Umkehr und Buße, anstatt Gottlose in ihrem falschen Weg zu bestärken und ihnen pauschal Gottes Segen zu versprechen.

 


Diese war ein Auszug aus der Beitragsreihe "Fluch oder Segen", die komplette Beitragsreihe, bestehend aus den folgenden Kapiteln, ​stelle ich anbei kostenlos als Download zur Verfügung:

 

1. Europa wohin? – Untergang oder Aufstieg? (Teil 1)

2. Europa wohin? – Untergang oder Aufstieg? (Teil 2)

3. Lüge oder Wahrheit?

4. Selbstvertrauen oder Gottvertrauen?

5. Menschenkraft oder Gotteskraft?

6. Götzendienst oder Gottesdienst?

7. Freund oder Sklave?

8. Selbstbetrug oder Selbsterkenntnis?

9. Eigenwille oder Gottes Wille?

10.Lügenprophet oder wahrhaftiger Prophet? (Teil 1)

11.Lügenprophet oder wahrhaftiger Prophet? (Teil 2)

12.Lügenprophet oder wahrhaftiger Prophet? (Teil 3)

13.Natürliche Geburt oder geistliche Geburt? (Teil 1)

14.Natürliche Geburt oder geistliche Geburt? (Teil 2)

 

 

Buch "Fluch oder Segen" als 


 


 

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