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Lieben wir Jesus wirklich?

Jesus sagte: „Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten“ (Joh 14,15).
Er sagte nicht „müsst“ sondern „werdet“, das ist ein großer Unterschied. Das Gesetz sagt: "Du musst, sonst hat es Konsequenzen!", konsequente Liebe hingegen sagt: "Ich will!", und zwar nicht aus Angst oder Furcht vor Strafe, sondern weil es das Kennzeichen wahrer Liebe ist, dass sie der Person, die sie liebt gefallen will. Anstatt diese Person zu betrüben, zu hintergehen und zu enttäuschen, besteht die Motivation darin sie zu erfreuen.

Dazu mal ein ganz praktisches Beispiel: Es könnte sein, dass ich meine Frau nur aus dem Grund nicht betrüge, weil ich befürchte, dass sie die Scheidung einreichen würde, wenn sie dahinter käme. Das wäre ein möglicher Grund, ein anderer wäre, dass ich sage: „Wie könnte ich sie so tief verletzten, dass ich jemals Fremdgehe?“ Das Ergebnis wäre natürlich in beiden Fällen, dass ich ihr treu wäre, doch es sind zwei völlig unterschiedliche Motive. Das erste Motiv wäre nur Verlustangst. Die Grundlage meiner Treue wäre die Befürchtung Abstriche bei meinem Lebensstandard machen zu müssen. Es wäre die Angst, Unterhaltszahlungen für die Kinder leisten zu müssen, in eine höhere Steuerklasse zu kommen und mir ein neues Zuhause suchen zu müssen, wofür ebenfalls zusätzliche Kosten entstehen würden,...

Doch wenn das der Hauptgrund für meine Treue wäre, dann wäre das Motiv nicht die Liebe zu meiner Frau, sondern nur die Liebe zu mir selbst. Es ginge dabei nur um mich, nur um meine Vorteile. Beim anderen Beispiel hingegen, geht es um sie, es geht darum sie nicht zu verletzten, sondern im Gegenteil: Ich möchte sie erfreuen, denn nur das kann das Ziel echter Liebe sein. Es kann doch nicht darum gehen, auszuloten, wie weit ich gehen kann, ehe sie die Scheidung einreicht, sondern umgekehrt, die Frage muss lauten: „Was kann ich tun, um ihr zu gefallen?“

Ich denke, wenn jemand frisch verliebt ist, dann muss ihm keiner sagen, er müsse mehr Zeit mit seiner Freundin verbringen oder ihn dazu ermahnen, er solle die WhatsApp Nachrichten seiner Freundin lesen. Doch wie viele halten sich für Christen und haben keine Zeit, sich mit dem zu befassen, was Christus uns durch sein Wort zu sagen hat? Durch die Schrift haben wir die Möglichkeit Ihn immer besser kennen zu lernen, um zu erfahren, wer Er ist und wie Er denkt und wen das nicht interessiert, der kann Ihn weder kennen, noch behaupten, Ihn über alles zu lieben. Denn würde er Ihn wirklich lieben, dann wäre ihm niemals gleichgültig, was Er zu sagen hat, im Gegenteil, wer Ihn wirklich liebt, der wird Seinen Worten lauschen wie einst Maria und darauf achten, dass ihm kein Wort entgeht (vgl Lk 10,39).

Darum sagte Jesus: „Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten“. Es ist das Wesen echter Liebe, dass man immer mehr über den Auserkorenen erfahren möchte, um zu wissen, was ihn erfreut und was ihn verletzt. Daher kann das Bestreben eines Christen nur sein, alles was Jesus verletzt zu meiden und alles was Ihn erfreut zu tun. Genau darin können wir uns prüfen und feststellen, ob wir Ihn wirklich lieben, oder ob unser Glaube nur ein leeres Lippenbekenntnis ist (vgl Mk 7,6). 

 

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