und

Keine Kompromisse mit der Welt

In Wahrheit verwandeln sie den Tempel in ein Theater

23.09.2016

Wenn die Welt nicht zu Jesus kommen wird, soll Jesus dann seine Lehren an die Welt anpassen? Mit anderen Worten, wenn die Welt sich nicht aufmacht zur Gemeinde zu kommen, soll die Gemeinde sich dann der Welt anpassen?

Anstatt Menschen zur Buße zu rufen und anstatt sich von den Sündern abzukehren und sich von ihnen abzusondern, lasst uns mit der ungöttlichen Welt in einen Bund treten und uns mit ihr verbrüdern, um sie auf diese Weise zu beeinflussen, indem wir zulassen, dass die Welt uns beeinflusst.

Lasst uns eine "christliche Welt" haben. Zu diesem Zweck lasst uns unsere Lehren revidieren. Einige davon sind altmodisch, abschreckend, hart, unpopulär; lasst uns diese aufgeben. Verwendet die alten Begriffe, um den sturen Rechtgläubigen zu gefallen, aber gebt ihnen eine neue Bedeutung, um die philosophischen Ungläubigen, die sich herumtreiben, zu gewinnen.

Macht die Kanten unbequemer Wahrheiten rund, und werdet moderater in eurem dogmatischen Ton der unfehlbaren Offenbarung: sagt, dass Abraham und Moses Fehler machten und dass die Bücher, die so lange verehrt wurden, voll von Irrtümern sind. Untergrabt den alten Glauben und führt den neuen Zweifel ein; denn die Zeiten haben sich verändert, und der Zeitgeist legt es nahe, alles hinter sich zu lassen, was absolut gerecht und mit Sicherheit von Gott ist.

Die verführerische Verdrehung der Lehre wird von einer Fälschung der Erfahrung begleitet. Den Menschen wird nun gesagt, dass sie gut geboren wurden oder durch die Kindertaufe gut gemacht wurden, und so wird der große Satz „Du musst von neuem geboren werden“ all seiner Kraft entleert.

Buße wird ignoriert, Glaube ist eine Medizin auf dem Markt, der mit „ehrlichem Zweifel“ verglichen wird, und Reue über Sünde und Gemeinschaft mit Gott werden abgeschafft, um den Weg freizumachen für Unterhaltung und Sozialismus und Politik jeder Art. Eine neue Schöpfung in Christus wird als die saure Erfindung engstirniger Puritaner betrachtet.

Es ist wahr, im selben Atemzug preisen sie Oliver Cromwell; aber 1888 ist nicht 1648. Was gut und groß war über dreihundert Jahre ist heute nur noch eine Phrase. Das sagt uns das moderne Denken; und unter seiner Führung wird alle Religion heruntergespielt.

Der christliche Glaube wird verachtet und anstelle von ihm wird eine dem Zeitgeist entsprechende Moralität aufgerichtet. Richte dich schön her am Sonntag; benimm dich; und vor allem, glaube alles, außer das, was du in der Bibel liest, und dann bist du in Ordnung. Sei zeitgemäß und denke so wie diejenigen, die von sich sagen, sie seien wissenschaftlich – das ist das erste und wichtigste Gebot der modernen Schule; und das zweite Gebot ist ihm gleich – hebe dich nicht von der Masse ab, sondern sei so weltlich wie deine Nachbarn.

Wie Isaak sich nach Padan-Aram hinabbegibt, so begibt sich die Gemeinde hinab in die Welt. Die Menschen sagen scheinbar: Es macht keinen Sinn, auf den alten Wegen weiterzugehen, um den einen oder anderen aus der großen Masse herauszuholen. Wir wollen einen schnelleren Weg.

Zu warten, bis die Leute wiedergeboren sind und Nachfolger Christi werden, ist ein langer Prozess: Lasst uns die Trennung zwischen Wiedergeborenen und Nichtwiedergeborenen aufheben. Kommt in die Gemeinde, ihr alle, bekehrt oder unbekehrt. Ihr habt gute Wünsche und gute Vorsätze; das ist ausreichend; macht euch keine Sorgen darüber hinaus.

Es ist wahr, dass ihr nicht an das Evangelium glaubt, aber wir tun es auch nicht. Ihr glaubt an das eine oder andere. Kommt; es spielt keine Rolle, wenn ihr nichts glaubt; euer „ehrlicher Zweifel“ ist bei weitem besser als der Glaube. „Aber,“ so sagt ihr, „niemand spricht auf diese Weise.“

Möglicherweise verwenden sie nicht die gleichen Worte, aber dies ist die Realität des heutigen Christentums; dies ist der Zeitgeist. Ich kann die tolerantesten Aussagen, die ich mache, rechtfertigen durch das Handeln oder Reden gewisser Verkündiger, die unseren heiligen Glauben heimtückisch verraten unter dem Vorwand, ihn an dieses progressive Zeitalter anzupassen.

Der neue Plan besteht darin, die Gemeinde mit der Welt zu vermischen, um sie auf diese Weise zu beherrschen. Durch halbdramatische Aufführungen werden Gebetshäuser dem Theater immer ähnlicher; ihre Gottesdienste werden zu Musikveranstaltungen, und ihre Predigten werden zu politischen Ansprachen oder philosophischen Essays - in Wahrheit verwandeln sie den Tempel in ein Theater, sie machen Prediger zu Schauspielern, deren Aufgabe darin besteht, die Menschen zu erheitern.

Ist es nicht so, dass der Tag des Herrn mehr und mehr zu einem Tag der Freizeit und Untätigkeit wird und das Haus des Herrn zu einem Tempel voller Räucherwerk und voller Götzen oder einem politischen Club, wo es mehr Enthusiasmus für eine Partei als Eifer für Gott gibt? O weh! die Zäune wurden entfernt, die Mauern eingeebnet, und für viele gibt es von nun an keine Gemeinde mehr, es sei denn sie ist ein Teil der Welt geworden, keinen Gott, es sei denn er ist eine unergründliche Kraft, durch die die Naturgesetze wirken.

Das ist dann der Vorschlag. Um die Welt zu gewinnen, muss der Herr Jesus sich selbst, sein Volk und sein Wort der Welt anpassen. Ich will mich nicht länger bei einem so abscheulichen Vorschlag aufhalten...

Hört die klare, glaubensstarke Widerlegung dieses Vorschlags durch seinen Meister. Kurz und scharf sagt er: "Hüte dich wohl, meinen Sohn dorthin zurückzubringen!" (1Mo 24,6). Der Herr Jesus Christus steht der großen Auswandererfeier vor, die gerade aus der Welt ausgegangen ist. Zu seinen Jüngern sagt er: "Ihr seid nicht von der Welt, wie ich nicht von der Welt bin."

Wir sind von Geburt aus nicht von der Welt, nicht von der Welt in Bezug auf ihr Leben, nicht von der Welt, was ihre Ziele angeht, nicht von der Welt im Geist, nicht von der Welt im Hinblick auf irgendetwas. Jesus, und alle, die in Ihm sind, bilden ein neues Geschlecht. Der Vorschlag, in die Welt zurückzugehen, ist abscheulich angesichts unserer besten Empfindungen, ja tödlich für unser edles Leben.

Eine Stimme aus dem Himmel ruft: "Hüte dich wohl, meinen Sohn dorthin zurückzubringen." Lasst es nicht zu, dass das Volk, das der Herr aus Ägypten herausgeführt hat, in das Haus der Sklaverei zurückkehrt; sondern lasst die Kinder herauskommen und sich absondern, und der Herr Jahweh wird ihnen ein Vater sein.

 


Charles Spurgeon, No Compromise. Predigt im Metropolitan Tabernacle, London, 7. Oktober 1888.

 

Ursprüngliche Quelle und Dank:distomos.blogspot.commehr dazu unter dem Vorwort

 

 

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