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Jüngerschaft oder oberflächliche Bekennerschaft?

Veröffentlicht am 18.03.2017

Fast wie vor Ehrfurcht erstarrt, lagen die Jünger in anbetender Haltung auf dem Boden, als ihnen der Auferstandene gegenüberstand und ihnen den Missionsbefehl gab, indem ER sprach: „Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe!“ (Mt 28,19-20).

Das ist wahrlich ein gewaltiger Befehl, doch worauf gründet er sich? Nun zweifelsfrei auf den, der ihn erteilt hat, doch worauf ich hinauswill, ist das Wort „Darum“. Denn dieses „Darum“ führt unweigerlich zu einem „Warum?“, und somit zur Frage: Warum sollten die Jünger diesen Befehl ausführen oder besser gesagt, was versetzte sie überhaupt in die Lage, diesen gewaltigen Auftrag in die Tat umzusetzen? Wir finden die Antwort, wenn wir uns fragen, worauf sich dieses „Darum“, bezieht. Logischerweise muss es sich auf etwas beziehen, das Jesus unmittelbar zuvor gesagt hat, doch was waren das für Worte? Welche Aussage hat ER dem Missionsbefehl vorangestellt? Sagte ER etwa: „Weil ihr nicht nur hochgebildet, intellektuell und sehr redegewandt seid, und es in euren Reihen Männer gibt, die mit den neuesten Marketingmethoden vertraut sind, und weil ihr zudem sehr kreativ seid und genau wisst, wie man Menschenmassen begeistern kann, darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern.“

 

Waren das Seine Worte? War es das, was die Jünger dazu in die Lage versetzen sollte, diese gewaltige Aufgabe umzusetzen? Schaut man sich die modernen Evangelisationsmethoden und Gemeindewachstumskonzepte unsere Tage so an, könnte man stark vermuten, Jesus hätte etwas Derartiges gesagt, doch dies ist natürlich weitgefehlt. Das waren gewiss nicht Seine Worte, denn was ER sagte war folgendes: „Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt!“ (Mt 28,18-20).

 

Obwohl der Missionsbefehl hinreichend bekannt ist, macht gerade der fehlgeleitete missionarische Eifer unserer Tage deutlich, dass man diesen Befehl völlig unterschätzt, indem man einfach davon ausgeht, dass die Aufgabe, die Jesus hier gestellt hat, im Bereich unserer menschlichen Möglichkeiten sei. Wer die richtigen Tricks und Kniffe kennt, der kann die Menschenmassen zu Jesus führen, so der Trugschluss. Bereits vor Jahrzehnten bemerkte Martyn Lloyd-Jones: Die Heilige Schrift sagt uns nicht nur eindeutig, dass wir das Evangelium, die wahre Botschaft verkündigen sollen; sie sagt uns auch, wie wir das zu tun haben. Sie sagt uns, dass wir das nüchtern und feierlich tun sollen, „in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern“, nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft“ (1.Kor 2,3-4). Aber heute werden evangelistische Methoden, die in einem schreienden Gegensatz zu dem obigen Wort stehen, mit dem Ergebnis gerechtfertigt, „Sieh dir die Ergebnisse an“, sagt man uns… Ist das noch Glauben an die Heilige Schrift? Nehmen wir da noch die Schrift als die letztgültige Norm? Wiederholen wir da nicht den alten Fehler des Saul, der sagte: „Ja, das ist schon richtig; ich dachte aber, das auf diese Weise zu tun“? Er versuchte, seinen Ungehorsam, durch gute Ergebnisse zu rechtfertigen.1

 

An dieser Feststellung hat sich bis heute nichts geändert, im Gegenteil, man ist mittlerweile noch viel weiter vom biblischen Kurs abgerückt, als es im Jahre 1959 der Fall war, denn in diesem Jahr erschien das Buch, aus dem ich eben zitiert habe, in der englischen Originalausgabe. Doch wie konnte es dazu kommen, warum hält man sich nicht mehr an die Anweisungen der Heiligen Schrift, sondern redet sich ein, mit menschlichen Methoden mehr erreichen zu können, als mit der schlichten Botschaft des Evangeliums? Offensichtlich weil man übersehen hat, dass Jesus zu aller erst die Aufmerksamkeit auf Seine eigene Macht gelenkt hat. Denn wenn ER direkt vor dem Missionsbefehl sagt, dass IHM alle Macht gegeben ist, auf wessen Macht sollen wir dann bei unseren Evangelisationsbemühungen hoffen? Auf unsere eigene, in Form unserer menschlichen Möglichkeiten, oder auf Seine Macht? Die Antwort liegt auf der Hand, auf Seine Macht natürlich. Doch wo finden wir diese Macht, wir finden sie in Seinem Wort, Sein Wort ist der gute Same, den es bei der Verkündigung des Evangeliums auszustreuen gilt (vgl. Lk 8,11). Es ist dieses Wort, durch das auch wir, als wir gläubig wurden, wiedergeboren wurden. So wie es Petrus schreibt: Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt (1.Petr 1,23).

 

Da Satan gegen dieses lebendige Wort nichts auszurichten vermag, verfolgt er eine ganz andere Strategie, und diese besteht darin, den Gläubigen einzureden, dass man Ungläubigen das Wort Gottes nicht zumuten könne. Zumindest nicht ungefiltert, sondern wenn überhaupt, nur selektiv, indem man hier und da, mal einen halben, leichtverdaulichen Bibelvers herauspickt. Ansonsten könnte es ja jemanden verletzen oder womöglich noch dazu führen, dass das Wort den Zuhörern durchs Herz geht. Nicht das sich noch jemand schuldig fühlt, es sollen sich doch immer alle wohlfühlen, denn Harmonie geht in unseren Tagen über alles. Also setzt das moderne Christentum auf Psychotricks und Unterhaltungselemente, um Gottesdienste so zu gestalten, dass sich auch Weltmenschen wohlfühlen können.
Doch wie gesehen, Jesus sagte, beim Missionsbefehl: „Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe!“ Heute hingegen sagt man, alles können wir den Menschen nicht zumuten, wir müssen behutsam und vorsichtig auf die Leute zugegen, nicht dass am Ende noch Leute sagen werden, unsere Rede sei zu hart, nicht dass sich welche abwenden. Jesus hat dies in Kauf genommen. „Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?“, lesen wir in Johannes 6,60, wo berichtet wird, dass sich viele über Seine Worte geärgert hatten. Doch was machte Jesus, hat ER sich etwa entschuldigt? Sprach ER etwa: „Tut mir leid, da habt ihr mich offensichtlich missverstanden!“? Nein, ER hat dem ganzen noch eins draufgesetzt, indem ER sprach: „Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben; aber es sind einige unter euch, die nicht glauben. Denn Jesus wusste von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer es war, der ihn überliefern würde. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt, dass niemand zu mir kommen kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben (Joh 6,63-65).

 

Und was war das Ende vom Lied, war es Jesus damit etwa gelungen, die Erwartungen Seiner Zuhörer zu erfüllen? Keineswegs, Vers 66 sagt: Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm. Doch offensichtlich war es auch nicht Sein Ziel, ihre Erwartungen zu erfüllen. Vielmehr bestand Sein Auftrag, wie ER es selbst gegenüber Pilatus bezeugt hat, darin, die Wahrheit zu bezeugen. „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme!“ (Joh 18,37). Jesus ging es nicht um eine oberflächliche Massenbekennerschaft, sondern um echte Jüngerschaft. ER wusste, dass alles, was IHM der Vater geben wird, zu IHM kommen würde (vgl. Joh 6,37), IHM war klar, dass jeder, der aus der Wahrheit ist, Seine Stimme hören wird. Darum hat ER die Wahrheit niemals abgeschwächt oder verdreht. Sein Ansatz bestand nicht darin, die Bedingungen für die Nachfolge so niedrig wie möglich anzusetzen, damit sich möglichst viele dafür begeistern lassen, sondern im Gegenteil, ER sprach: „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert!“ (Mt 10,38).

Wie weit ist doch das, was in unserer Generation vielfach als Evangelium präsentiert wird, von diesem Anspruch des HERRN entfernt? Während die moderne Verkündigung voll und ganz auf die Wünsche des Menschen abzielt und so den Eindruck vermittelt, es ginge dabei um Selbstverwirklichung, sprach Jesus unwiderlegbar von Selbstverleugnung. Machen wir uns also bewusst: Der Weg der Nachfolge, ist nicht der Weg der Selbstverwirklichung, sondern der Weg der Selbstverleugnung. Es geht auch nicht um Selbstbestimmung, sondern um Unterordnung, unter den offenbarten Willen Gottes. Jünger sind nicht jene, die dem HERRN vorausseilen, sondern jene, die IHM nachfolgen. Und dieses Nachfolgen zeigt sich im Gehorsam gegenüber Seinem Wort.

 

Wenn man den Menschen diese Wahrheit des Evangeliums vorenthält, worauf vertraut man dann? Man vertraut nicht auf die Macht von Gottes Wort, sondern auf psychologische Überlegungen. Somit wird deutlich: Anstatt auf die Macht dessen zu vertrauen, der sagte: „Mir ist alle Macht gegeben, im Himmel und auf Erden“, vertraut man auf menschliche Weisheit. Dies wiederum ist ein Beleg dafür, dass man sich gar nicht über die Trageweite des Sündenfalls im Klaren ist, denn man denkt tatsächlich, der Schlüssel zum Herzen eines Menschen, seien menschliche Methoden. Manche sind sogar so vermessen, zu behaupten, wenn es nur gelingt den richtigen Schlüssel zur Herzenstür eines Menschen zu finden, könne man jeden Menschen für Christus gewinnen. Und so feilen sie ständig an neuen Ideen, und sehen nicht, dass Gott allein den Schlüssel zum menschlichen Herzen hat. Wer tatsächlich glaubt, es sei im Rahmen der menschlichen Möglichkeiten, einen sündigen Menschen dahinzubringen, dass er sich selbstverleugnet, und ein Nachfolger von Christus wird, der ist sich nicht bewusst, dass gerade dies, ein Ding der Unmöglichkeit ist. Daher sagte Jesus: „Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott! Denn bei Gott sind alle Dinge möglich!“ (Mk 10,27).

 

Darum nochmal die Frage: Vertrauen wir auf unsere Methoden oder auf die unbegrenzte Macht Gottes, bei dem alle Dinge möglich sind? Nicht weniger als diese Macht ist nötig, damit ein geistlich Toter, zum Leben erweckt wird. Überlegen wir doch, wer hat den Jüngern den Auftrag zur Mission gegeben? Es war der Auferstandene, es war jener, der den Tod überwunden hat, und genau das ist auch erforderlich, wenn ein geistlich Toter zum Leben erweckt werden soll. Darum hat Jesus den Blick auf Seine Macht gelenkt und nicht auf das menschlich Machbare. Allein die Macht, die Jesus aus den Toten auferweckt hat, ist imstande geistliches Leben zu wecken. So schreibt es auch Paulus, indem er den Ephesern das Wunder ihrer Wiedergeburt erklärt, und dabei sagt, dass die überwältigende Größe der göttlichen Kraftwirkung in den Gläubigen, die selbe Kraft ist, die in Christus wirksam war, als ER aus den Toten auferweckt wurde (vgl. Eph 1,19-20). Gerade weil es so wenigen Christen bewusst ist, möchte ich es noch einmal betonen: Nicht weniger als diese Auferstehungsmacht, ist notwendig, damit ein geistlich Toter zum Leben erweckt wird. Ohne diese Geburt von oben, ohne diese Wiedergeburt, kann laut Jesus kein Mensch das Reich Gottes sehen, geschweige denn hineinkommen (vgl. Joh 3,3-6), doch der Same für diese Geburt von Oben, ist und bleibt das unverfälschte Wort Gottes (vgl. 1.Petr 1,23).  

 

Mit Methoden kann man vielleicht unterhalten, aber geistlich Tote werden dadurch nicht zum Leben erweckt, dazu bedarf es der Macht Gottes. Und diese offenbart sich in dem Wort, das Geist und Leben ist (vgl. Joh 6,63). Wie gesagt, Satan weiß dies nur zu gut, nur die Gläubigen haben es offenbar vergessen und sich vom Widersacher Gottes total verblenden lassen. So dass man heute nicht mehr predigen, sondern unterhalten will. Anstatt den guten Samen des Wortes auszustreuen, setzt man eher auf Zerstreuung und Ablenkung. Das hier nicht der Geist Gottes wirkt, ist offensichtlich. Hier regiert das von Satan verblendete Fleisch, hier setzt man sein Vertrauen nicht auf den lebendigen Gott, sondern auf menschliche Weisheit. Dennoch, die Wahrheit bleibt bestehen, Erweckung geschieht nicht durch irgendetwas, das im Bereich menschlicher Möglichkeiten wäre, sondern vielmehr, wie es uns Gott durch Sein Wort sagt: Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist! spricht der Herr der Heerscharen (Sach 4,6).

 

Aber dieser Geist ist nicht dort zu finden, wo man Sein Wort verwirft, wo man es umdeutet oder es nur selektiv betrachten will, sondern da, wo der ganze Ratschluss Gottes verkündigt wird. So wie es Jesus beim Missionsbefehl geboten hat, als ER sprach: „Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe!“. Warum konnte denn der Apostel Paulus sagen, er sei rein vom Blut aller? Wir finden die Antwort in Apostelgeschichte 20,26, wo er sagt: „Darum bezeuge ich euch am heutigen Tage, dass ich rein bin vom Blut aller; denn ich habe nicht unterlassen, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen!“. Paulus konnte nur sagen, er sei rein vom Blut aller, weil er nichts vom Ratschluss Gottes zurückgehalten hat. Hätte Paulus die Schrift, so wie heute üblich, nur selektiv gepredigt, hätte er sich schuldig gemacht (vgl. Hes 3,17-19). Somit kann, wer auch immer die Bibel zerpflückt, und nur über Verheißungen, nur über Gottes Liebe und Gottes Gnade reden will, nicht behaupten, er sei rein von dem Blut aller. Es ist auch nicht damit getan, Menschen durch Psychotricks und Überredenskunst zu einem oberflächlichen Glaubensbekenntnis zu drängen. Von Beginn an, ging es Jesus immer um wahre Jüngerschaft und niemals um oberflächliche Bekennerschaft. Darum sprach ER auch: „Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln!“ (Mk 8,38).
Wie viele schämen sich doch Seiner Worte, wie viele scheuen sich davor, das Evangelium unverfälscht und unzensiert weiterzugeben? Wenn sich dann der Heilige Geist zurückzieht, dann versucht man den toten Kirchenapparat durch menschliche Programme am Laufen zu halten. Es ist als würde man einen im Koma liegenden Patienten künstlich am Leben halten. Oder um es mit den Worten des HERRN zu sagen: „Du hast den Namen, daß du lebst, und bist doch tot!“ (Offb 3,1).

 

Der HERR hat den Leuchter jener Gemeinden, die Sein Wort verworfen haben, längst umgestürzt, denn immer wieder hat ER sie gewarnt: Bedenke nun, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Sonst komme ich rasch über dich und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegstoßen, wenn du nicht Buße tust! (Offb 2,5). Es wird viel unternommen, angeblich um Menschen für Christus zu gewinnen, doch was dabei immer weniger Beachtung findet, ist die Tatsache, dass die Grundvoraussetzung, um andere Menschen zu Jüngern zu machen, darin besteht, selbst ein Jünger zu sein. Nur wer Jesus nachfolgt, kann andere für Jesus gewinnen, daher sagte Jesus zu Seinen Jüngern: „Folgt mir nach, und ich will euch zu Menschenfischern machen!“ (Mk 1,17). Doch nachfolgen bedeutet nicht, es besser wissen zu wollen, als der, dem man angeblich folgen will, sondern auf das zu achten, was ER sagt. Anstatt sich permanent über Sein Wort hinwegzusetzen und zu glauben, mit eigenen Methoden mehr zu erreichen, gibt es an diesem Punkt nur eine angemessene Reaktion, und das ist Buße. Wer dazu nicht bereit ist, und sich einredet, man könne durch derartige Widerspenstigkeit irgendetwas auf geistlichem Gebiet erreichen, der erreicht nur eines, und das ist, das den Menschen die Wahrheit des Evangeliums vorenthalten wird. Was nur Satan in die Karten spielt. Ihm ist es gelungen, das Kreuz aus dem Zentrum der Verkündigung zu drängen. Der Blick wird nicht mehr auf das gerichtet, was Christus getan hat. Man vertraut nicht mehr auf Seine Macht und glaubt nicht an die Kraft Seines lebendigen Wortes, das schärfer ist, als jedes zweischneidige Schwert, sondern setzt auf menschlichen Ideenreichtum, auf Marketingmethoden, auf Erkenntnisse der Psychologie und erklärt Mission zu etwas, das ganz und gar im Bereich der menschlichen Möglichkeiten sei. Doch was dabei herauskommt, habe ich unter anderem im Beitrag: „Sie wünschen – wir predigen“ aufgezeigt. Letztlich hat man keine verbindliche Botschaft, denn unterm Strich hat man nichts, was die Welt nicht schon hätte. Nichts, womit man irgendjemand wirklich Halt und Orientierung geben könnte.

 

Bei den Aposteln hat sich dies alles ganz anders angehört. Ihre Botschaft lautete nicht: „Sorry, wir wissen auch nicht Genaues, aber sagt uns einfach was ihr gerne hören wollt!“, vielmehr traten sie mit völliger Gewissheit auf. So dass der Apostel Paulus voll Überzeugung sagen konnte: „Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu retten“ (1.Tim 1,15). Dies konnte er nur bezeugen, weil er die Rettermacht des HERRN selbst erfahren hatte. Daher folgen dieser Aussage, die Worte: „Von welchen ich der erste bin!“. Paulus war selbst von Sünde überführt worden, nur deshalb konnte er die Botschaft vom Kreuz mit einer solchen Überzeugung und Gewissheit weitergeben. Durch Gottes Gnade hatte er den Geist des Glaubens empfangen, allein aus diesem Grund war er dazu geeignet, das Evangelium zu verkündigen. So schreibt er an anderer Stelle: Da wir aber denselben Geist des Glaubens haben - nach dem, was geschrieben steht: "Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet" -, so glauben auch wir, darum reden wir auch (2.Kor 4,13: Ps 116,10). Heute fühlen sich so viele dazu berufen, auf einer Kanzel zu stehen, doch die Frage ist, wie viele unter ihnen, können das auch sagen? Wie viele predigen aus voller Glaubensüberzeugung? Wie viele glauben an das, was geschrieben steht? Und wie viele vertrauen auf die Macht des geschriebenen Wortes?

Es besteht kein Zweifel, wir leben in der Endzeit, denn vor unseren Augen erfüllt sich das prophetische Wort aus 2.Timotheus, wo über die religiösen Menschen der letzten Tage, gesagt wird: Die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen (2.Tim 3,5). Worin zeigt sich denn die Kraft der Gottseligkeit, darin die Welt zu überwinden oder darin, sich dieser Welt anzupassen? (vgl. Röm 12,2: 1.Joh 5,4). Es ist unmöglich ein Freund der Welt zu sein, und zugleich Jesus nachzufolgen (Jak 4,4: 1.Joh 2,15). Dennoch wird es heute gerne so dargestellt, weil man nicht bereit ist, die Schmach Christi zu tragen (vgl. Hebr 11,26), sondern in dieser Welt, etwas gelten will. Prüfen wir uns doch an diesem Punkt einmal selbst, und fragen uns, welche Aussage der Schrift auf uns zutrifft. Ist es das, was Jesus in Johannes 17,16 sagte: „Sie sind nicht von der Welt, wie ich nicht von der Welt bin“ oder sind es die Worte aus 1.Johannes 4,5, wo der Apostel schreibt: „Sie sind aus der Welt; darum reden sie von der Welt, und die Welt hört auf sie“?

Meiner festen Überzeugung nach, zeigt die Art und Weise, wie man Menschen für das Reich Gottes gewinnen will, ob man selbst ein Nachfolger ist, oder ob man nur den Schein der Gottseligkeit hat, aber deren Kraft verleugnet. Wie gesehen, Jesus hat, ehe ER Seinen Jüngern den Missionsbefehl gab, den Blick ganz klar auf Seine Macht gelenkt, denn Seine Macht allein ist entscheidend, um auf geistlichem Gebiet etwas ausrichten zu können. IHM ist alle Gewalt gegeben, im Himmel und auf Erden, wer dies ausblendet, und bei missionarischen Aktivitäten lieber auf menschliche Möglichkeiten setzt, der hat den Missionsbefehl völlig missverstanden. Auch wenn der Name Jesus dabei genannt wird, so ist Jesus letztlich doch außen vor, weil man sich Seiner klaren Anweisung widersetzt. Und diese beinhaltetet, alles zu halten, was ER befohlen hat, also nicht nur das, was einem zusagt. Doch leider tendieren wir heute dazu, nur soweit zu gehorchen, wie das geschriebene Wort mit unseren Vorstellungen übereinstimmt. Statt dem Wort zu gehorchen, streitet man mit der Bibel. Gerne versteckt man sich dabei auch hinter Argumenten wie „es ist lange her, als die Bibel geschrieben wurde, die Zeiten haben sich geändert“, oder werden die Aussagen, die nichts ins Konzept passen, einfach als die persönliche Meinung eines Paulus dargestellt, und nicht zuletzt, wird alles, was dem eigenen Geschmack zuwider ist, zur reinen Interpretations- und Ermessensache erklärt. Davon abgesehen, wird Jüngerschaft heute so dargestellt, als sei die Nachfolge nur eine freiwillige Zusatzoption für besonders fromme Christen. Was dabei ausgeblendet wird, ist die Tatsache, dass wer kein Jünger ist, auch kein Christ ist, sondern allenfalls den Schein der Gottseligkeit hat.

 

Worin besteht denn die Kraft der Gottseligkeit, ist es nicht die Kraft des Heiligen Geistes? Und was ist die Aufgabe des Heiligen Geistes? ER ist gekommen, um Jesus groß zu machen. Und welches Mittel benutzt ER? Es ist die Heilige Schrift, es sind die Worte, die die Schreiber unter Seiner Inspiration niedergeschrieben haben. Wie kann man also den Zustand einer Kirche, einer christlichen Gemeinde und nicht zuletzt den, seines eigenen Herzens prüfen? Ganz einfach, an diesen beiden Prüfkriterien, am Stellenwert vom Wort Gottes und daran, ob Jesus der Gekreuzigte großgemacht wird. Und an dieser Stelle sei noch einmal gesagt, Jesus hat im Missionsbefehl unmissverständlich befohlen, dass alles gelehrt wird, was ER geboten hat, nicht nur ein paar leichtverdauliche Aussagen, die nach jedermann Geschmack sind. Beachten wir ferner, Jesus hat keine unverbindlichen Empfehlungen ausgesprochen, ER hat geboten Sein Wort zu befolgen. Gehorsam ist also keine Option. Vielmehr gilt, was der Apostel Johannes schreibt:

Wer sagt: »Ich habe ihn erkannt«, und hält doch seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in einem solchen ist die Wahrheit nicht (1.Joh 2,4).
 

 

Heute wird das Christentum vielfach so dargestellt, als sei es eine Art Spielwiese, auf der sich jeder nach Belieben austoben kann, jeder darf sich als Christ bezeichnen, egal wie er zu Christus steht. So gibt es Homosexuelle, die ihre sexuelle Neigung offen ausleben und selbstsicher bekunden, dass sie Christen seien. Gott hat das natürlich zu tolerieren, denn das ist laut moderner Auffassung, das Einzige, was IHM zusteht. Doch die Wahrheit ist, dass die Behauptung, an den HERRN Jesus Christus glauben, überhaupt nichts nützt, solange jemand sein Leben an den weltlichen Maßstäben ausrichtet, anstatt nach dem Wort Gottes. 

 

Daher stimme ich mit Martyn Lloyd-Jones überein, wenn er sagt: Ich bin nicht daran interessiert, was für Erfahrungen die Leute gemacht haben mögen, wenn sie immer noch weltliche Menschen sind. Es hat keinen Zweck, dass sie behaupten, Glauben und Vertrauen zu haben, „denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist der Glaube ohne Werke tot“ (Jak 2,26). Der Psalmist sagt: „Die ihr den HERRN liebt, hasst das Böse!“ (Ps 97,10). Man kann den HERRN nicht lieben, ohne das Böse zu hassen. Es muss unbedingt mit dem Glauben einhergehen, dass man das Böse lässt und sich davon abwendet.2

Die Aussage, „alles zu halten, was der HERR geboten hat“, lässt überhaupt keinen anderen Schluss zu, als dass Jesus von Seinen Nachfolgern erwartet, dass sie sich entschieden vom allem abwenden, was ER in Seinem Wort als Sünde bezeichnet. In Bezug auf die sexuellen Sünden, ist dies nicht nur Homosexualität, sondern jede Form der Sexualität außerhalb der Ehe. Die Welt mag dies akzeptieren und tolerieren, ja, sie mag das regelrecht feiern, doch wer Jesus nachfolgen will, hat einen anderen Maßstab, und das ist Sein Wort. Man kann viel behaupten, doch letztlich zeigt unser Tun, wer wir wirklich sind. Wer sich über dieses Wort hinwegsetzt, kann noch so oft bekunden, er sei Christ, sein Verhalten zeigt, dass das Gegenteil der Fall ist. Denn wie gesehen, ist es nicht meine persönliche Sicht der Dinge, sondern die Lehre der Schrift, die besagt: Wer sagt: »Ich habe ihn erkannt«, und hält doch seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in einem solchen ist die Wahrheit nicht (1.Joh 2,4).

 
Doch zum Schluss des Missionsbefehls hat Jesus den Seinen noch etwas sehr Entscheidendes gesagt, und das sind die Worte: „Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt!“ Die Mission ist ein gewaltiger Auftrag, doch wer dazu berufen ist, der wurde nicht als Einzelkämpfer berufen. Selbst wenn man sich manchmal wie auf verlorenem Posten vorkommen mag, Jesus ist bei uns, dessen kann sich jeder gewiss sein, dessen Lebensziel darin besteht, dem HERRN treu nachzufolgen.  Amen

 

 

Quellangabe:
1. Martyn Lloyd-Jones - Bergpredigt. Band 2: "Unser Vater im Himmel..." S 307
2. Martyn Lloyd-Jones – Gott, der Heilige Geist, S.185


 

 

 

 

 

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