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Sind alle Menschen Kinder Gottes?

Neu veröffentlich am 27.04.2016

In unserer nachchristlichen Generation haben viele Menschen nur ein sehr vages Bild von Gott. Auf der einen Seite will man nicht so wirklich wahrhaben, dass überhaupt ein Schöpfer existiert, doch auf der anderen, ist dann doch immer wieder von einem Gott die Rede. Was sich ein Mensch dann wirklich unter diesem Gott vorstellt, lässt sich kaum ausmachen. Doch das scheint auch niemanden weiter zu stören, denn mit der Begründung „glauben heißt nicht wissen“, hat man ja scheinbar das richtige Argument gefunden. Verwunderlich ist nur, dass es bei dieser Regel eine große Ausnahme gibt. Es gibt nämlich einen Punkt, an dem merkwürdigerweise nicht diese „man-weiß-nichts-Genaues-Mentalität“ vorherrschend ist, sondern an dem im allgemeinen große Gewissheit herrscht. Und dieser eine Punkt, an dem offensichtlich alle bestens Bescheid wissen, ist die feste Überzeugung, dass sofern dieser Gott tatsächlich existieren sollte, alle Menschen in den Himmel kommen. Denn wenn es IHN gibt, so die weitläufige Meinung, ist ER dazu verpflichtet, jeden Menschen in Sein Reich aufzunehmen. So hört man dann beispielweise nach dem Tod von bekannten Rock- oder Popstars von allen Seiten das Statement, dass sich “der da oben“ wohl gerade eine geniale Band zusammenstellen will. Auffällig ist, man redet nicht von Gott oder vom Vater im Himmel (so wie Jesus seine Jünger beten lehrte), sondern spricht eher distanziert von „dem da oben“. Ebenso bezeichnend ist, dass man mit absolutem Selbstverständnis davon ausgeht, dass jener ferne Gott, den geliebten Rockstar in Seine himmlische Band berufen hat. Wie der verstorbene Star gelebt hat, ob er den Himmel besungen, oder Loblieder auf die Hölle gesungen hat, spielt dabei überhaupt keine Rolle.

Auch wenn dies nur eines von vielen Beispielen ist, spiegelt es doch genau die Haltung wider, die auf einen Großteil der Menschheit zutrifft und diese besagt, dass der liebe Gott selbst die schlimmsten Gotteslästerer mit offenen Armen empfangen wird. Mit diesem Selbstverständnis sieht sich der Mensch, egal wie gottlos er auch leben mag, als ein Anwärter auf das Reich Gottes. Denn wenn dieser Gott existiert, dann steht außer Frage, dass wir alle Seine Kinder sind.
Verstärkt wird dieser Glaube an eine universelle Gotteskindschaft auch dadurch, dass es nie an religiösen Führern mangelt, die ihre Zeitgenossen in diesem Glauben bestätigen. Inhalt ihrer Theologie ist eine Art Universalreligion, nach der alle Menschen Kinder Gottes sind. Demnach bedeutet Mensch zu sein, automatisch ein Kind Gottes zu sein.
Andere sehen es vielleicht nicht ganz so pauschal, sondern denken, ihre Kirchenmitgliedschaft oder ihre Taufe sei der Garant ihrer Gotteskindschaft. Doch wie auch immer man zu dieser Überzeugung gelangt ist, eine Frage sollte sich jeder stellen, und die lautet: Erkennt Gott diese vermeidliche Gotteskindschaft an? Sieht ER das auch so? Ist wirklich für jeden Menschen zutreffend, was in Römer 8,17 geschrieben steht, wo es heißt: Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden? 
Ich will jetzt zwar noch nicht zu viel vorweg nehmen, doch wenn wirklich alle Menschen automatisch Kinder Gottes und somit auch Erben des Himmelreiches sind, wem gelten dann die Worte: Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! (1.Kor 6,9)?

Auch das ist Wort Gottes, auch das ist fester Bestandteil jener Schrift, über die Jesus sagte:Die Schrift kann doch nicht gebrochen werden“ (Joh 10,35). Somit tun wir gut daran, uns mit dieser Frage auseinanderzusetzten, denn die Schrift warnt nicht ohne Grund:Lasst euch nicht irreführen!“

Gerade um nicht in die irregeführt zu werden, ist es unerlässlich, dass wir unsere Antworten nicht in Meinungen oder Mehrheitsbeschlüssen von Menschen suchen, sondern im geschriebenen Wort Gottes.  Wenn man dies in Bezug auf die eingangs gestellte Frage macht, findet man eine klare Antwort, der wir uns nun schrittweise nähern wollen indem wir uns zunächst einmal in die Zeit zurückversetzen, in der Gottes Sohn auf dieser Welt gelebt hat. Gerade in Seinen Zeitgenossen finden wir nämlich eine auffällige Parallele, denn sie sahen sich wie selbstverständlich als auserwähltes Volk Gottes. Für sie stand völlig außer Frage, dass sie Nachkommen Abrahams und somit auch Erben der Verheißungen waren. Sie waren Juden durch Geburt, sie waren Juden durch Beschneidung und sie waren nach ihrem Verständnis ohne jeglichen Zweifel Kinder Gottes.
Ähnliches gilt für Deutschland und große Teile Europas, theoretisch haben wir hier eine christliche Kultur. Die meisten von uns wurden bereits im Säuglingsalter getauft. Darauf folgte bei den Katholiken die Kommunion und jenen, deren Eltern der Evangelischen Kirche zugehörig waren die Konfirmation. Viele lassen sich dann auch noch kirchlich trauen und weil viele Pfarrer, Sonntag für Sonntag, jedem beliebigen Zuhörer versichern, er sei durch die Taufe ein Kind Gottes geworden, ist es ja nicht allzu verwunderlich, dass es die meisten für eine Selbstverständlichkeit halten, in den Himmel zu kommen. „Wir sind ja schließlich keine Atheisten sondern Christen“, so die weit verbreitete Ansicht. Genau so sicher wie wir uns also als Gottes Kinder sehen, genauso überzeugt waren auch die Juden zur Zeit Jesus, allen voran die geistlichen Führer der damaligen Zeit. Sie waren ja schließlich die anerkannten Experten in Sachen Glaube, sie kannten die Heilige Schrift und wussten wie sie auszulegen war. Alles lief also in geregelten Bahnen, die religiösen Führer hatten alles unter Kontrolle, wurden vom Volk geehrt und bestimmten, wo es lang ging. Alles war scheinbar in bester Ordnung bis Johannes der Täufer auf den Plan trat. Er, der Vorbote von Jesus, ließ sich nicht von ihrer vorgespielten Frömmigkeit blenden, sondern entlarvte schonungslos ihre Scheinheiligkeit. Als sie zu ihm in die Wüste kamen, sagte er nicht etwa, „schön dass ihr den weiten strapaziösen Weg auf euch genommen habt, um euch von mir taufen zu lassen“, sondern empfing sie mit den erschütternden Worten: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater“ (Mt 3,7-9).

Viele der geistlichen Führer unserer Tage, bekämen wohl genau dieselben Worte von Johannes zu hören. Denn ein Großteil unter ihnen, gibt nur vor Gott zu dienen, doch ihr Leben sagt etwas anderes (vgl. Mt 21,30). Gott ging es niemals darum, dass man nur darum bemüht ist, nach außen hin einen frommen Schein zu wahren, sondern darum, wie es wirklich im Herzen eines Menschen aussieht. Und dies ist keineswegs nur die enge Sicht von Johannes dem Täufer, nein auch Jesus hat alle Scheinheiligkeit schonungslos aufdecktet. Denken wir hierbei nur an Seine Aussage: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat!“ (Mt 23,27).
Doch nicht nur jene, die in Amt und Würden stehen, sind dazu aufgefordert sich zu prüfen, ob ihr Glaube echt oder nur vorgetäuscht ist, sondern jeder Christ muss sich daran messen lassen, ob er so lebt, wie Jesus gelebt hat. Das ist nicht so weil ich es behaupte, sondern weil Gottes Wort unmissverständlich lehrt: „Wer sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht. Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind. Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt hat“ (1.Joh 2,4-6).

Das ist ein sehr, sehr hohes Ziel, das wir in diesem Leben nie zu 100% erreichen werden, aber es ist genau das, worum es beim christlichen Glauben geht. Damit will ich keineswegs behaupten, es ginge darum sich den Himmel durch gute Werke zu verdienen, sondern weise nur auf das Wesensmerkmal eines Menschen hin, dessen Herz durch Gottes Geist erneuert wurde. Es ist Gottes Geist, der ein menschliches Herz verwandelt, der die Ablehnung und Rebellion gegen Gottes Gebote umkehrt und stattdessen die Sehnsucht weckt, IHM zu gefallen. Die Folge davon ist eine Abscheu gegen die Sünde und die Sehnsucht nach einem reinen Herzen. Wer diese Sehnsucht nicht hat, kann Gott nicht sehen. Das Versprechen IHN zu sehen, gilt nur denen, die der Heiligung nachjagen, nur denen die reinen Herzens sind (vgl. Hebr. 12,14, Mt 5,8). Aus diesem Grund sollten wir das Gebet: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist“ (Ps 51,12), zu unserem eigenen machen.

Völlig zu Recht bemerkte bereits A.W. Tozer: Christen sind vor allem erst einmal Kinder Gottes, und als Kinder Gottes sind wir dem Wort Gottes verpflichtet. Wir sind einem Menschen und einem Buch verpflichtet. Dieser Mensch ist Jesus Christus, und das Buch ist die Heilige Schrift.
Wir können uns also nicht darauf berufen im Land der Reformation aufgewachsen zu sein, oder Kinder christlicher Eltern zu sein. Wir können uns auch nicht auf unsere Kirchenmitgliedschaft oder unsere Taufe berufen, sondern müssen uns fragen, ob unser Leben mit Gott in Ordnung ist. Sind wir durch Jesus mit Gott dem Vater versöhnt? Ist ER der HERR über unserem Leben? Können wir wirklich sagen, dass wir IHN liebhaben? Oder verlassen wir uns auf eine verstaubte Kirchentradition oder auf leere Worte von Theologen, die allen den Himmel versprechen? Bedenken wir hierbei bitte folgendes: Die angesehenen Pharisäer und Schriftgelehrten zurzeit Jesu haben sich auf ihre kirchliche Tradition, auf ihre Abstammung, auf ihre Beschneidung und auf ihre wichtige Stellung in Gesellschaft und Kirche verlassen. Sie waren felsenfest davon überzeugt, Kinder Gottes zu sein und doch musste Jesus ihnen sagen: „Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich lieben“ (Joh 8,42).
Erstaunlich ist, dass Jesus hier nicht mit Heiden oder Atheisten gesprochen hat, sondern mit Juden, genauer gesagt mit den Juden, die an IHN glaubten (vgl. Joh 8,31). Die Bedeutung ist klar, wenn dies den Juden galt, die an IHN glaubten, dann betrifft es auch uns Christen. Jeder kann behaupten, er sei gläubig, jeder kann sich Christ nennen und darauf bestehen, ein Kind Gottes zu sein, doch wenn er es wirklich ist, dann wird es sich in seiner Liebe zu Jesus zeigen. Die Worte: „Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich lieben“ (Joh 8,42), zeigen eindeutig, dass man echte Kinder Gottes, an ihrer Liebe zu Jesus erkennen kann. Aus diesem Grund sollte sich jeder Christ ernsthaft fragen, ob er Jesus wirklich lieb hat. Diese entscheidende Frage hat Jesus auch Simon Petrus gestellt. Dreimal fragte er den Jünger, der ihn dreimal verleugnet hatte: „Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? (Joh 21,15-17).

Hast du mich lieb?“, war die Frage, die Simon Petrus beantworten musste, ehe der den Auftrag empfing: „Weide meine Schafe!“ (V 17). Hier wird deutlich, dass die Liebe zu Jesus nicht nur das Kennzeichen wahrer Gotteskindschaft ist, sondern auch die Grundvoraussetzung, um IHM dienen zu können. Unsere Welt ist voll von Menschen, die sich Diener Gottes nennen, doch wer unter ihnen erfüllt dieses Kriterium? Aber nicht nur die geistlichen Hochwürden müssen sich dieser Frage stellen; sondern, wie schon gesagt, alle die sich als Christen bezeichnen. Jedem der sich als Christ und somit als Nachfolger von Jesus Christus sieht, gilt die Frage: „Hast du mich lieb?“. Denn nicht weniger als ungeteilte Liebe, erwartet Jesus von seinen Nachfolgern (vgl. Mt 10,37). Obwohl die Worte, „ich glaube an Jesus“, vielleicht etwas leichter über unsere Lippen gehen als das Bekenntnis, IHN zu lieben; besteht selbst hier die Gefahr, dass wir uns selbst betrügen. Daher gilt es, sicher gehen, dass es nicht nur leere Worte sind, denn ein Lippenbekenntnis hilft uns nicht weiter.
Dies führt uns zu der Frage, woran wir denn erkennen können, ob unsere Liebe echt ist. Glücklicherweise lässt uns die Schrift auch an diesem Punkt nicht im Unklaren, sondern nennt uns ein eindeutiges Prüfkriterium und das ist unsere Haltung gegenüber Gottes Wort. Im 14. Kapitel des Johannes Evangeliums finden wir hierzu sowohl die positive, als auch die negative Aussage. Die positive gibt uns Jesus in den Worten: „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten" (V 15) und die negative durch die Aussage: „Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht“ (V 24).

Die Lehre Jesu ist im Grunde sehr logisch und einleuchtend und doch tun wir uns schwer damit, es richtig einzuordnen. Auch viele religiöse Menschen haben das bis heute nicht so wirklich begriffen. Viele denken, es ginge beim christlichen Glauben um Werte oder Prinzipen, doch Jesus ist kein Prinzip, sondern eine reale Person. Für manche ist der Glaube eine Art mystischer Hokuspokus oder nur eine Schwärmerei. Andere meinen, es ginge darum Kerzen anzuzünden oder einen frommen, andächtigen Blick aufzusetzen, doch all das hat Jesus nicht gemeint.
Es ging Jesus auch nicht um Formalismus oder um passive Kirchenmitgliedschaft, so nach dem Motto: „Hauptsache die Kirchensteuer wird bezahlt, Hauptsache die allgemeinen Erwartungen wie: Kindertaufe, Kommunion, Konfirmation, kirchliche Trauung und eine Beerdigung, mit kirchlichen Zeremonien, finden Beachtung. Wer auch immer dieses Standardprogramm durchläuft, wird von der Allgemeinheit, als Christ bezeichnet. Mehr Religiosität kann man ja wohl auch nicht erwarten und wenn jemand doch etwas anderes behauptet, ist es schon wieder viel zu extrem.
Nun ist es aber so, dass derjenige, an den angeblich geglaubt wird, etwas anderes dazu sagt. Es sind nicht meine Worte, es ist nicht eine speziell von mir erfundene Sonderlehre, sondern es sind die Worte Jesu, die uns sagen, dass nur diejenigen, die IHN lieben, Kinder Gottes sind und das diese Liebe an unsere Haltung gegenüber Seinem Wort zu erkennen ist. Darum nennt Jesus auch nur jene „glückselig“, die das Wort Gottes hören und befolgen (Lk 11,28).

Ich möchte dazu ein ganz praktisches Beispiel nennen. Ist es nicht so, dass wir jemandem, der uns etwas bedeutet, gerne zuhören? Ist es nicht klar, dass wir, sofern wir jemand lieb haben, daran interessiert sind, von ihm zu hören, um mehr über ihn zu erfahren? Wir wollen doch wissen, was ihn erfreut und was ihm missfällt. Angenommen die Person, die wir am meisten lieben wäre für mehrere Monate im Ausland. Wie würden wir wohl reagieren, wenn wir einen Brief oder eine Email von diesem geliebten Menschen bekommen würden? Würden wir nicht darauf brennen, diese Email oder diesen Brief zu lesen? Genau so geht es jedem, der Jesus liebt mit der Bibel, er liest Gottes Wort nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil es von dem berichtet, den er liebt. Weil letztlich er selbst der Verfasser ist (vgl. 2.Tim 3,16; 2.Petr 1,21). Dasselbe gilt auch fürs Gebet, er betet weder um andere zu beindrucken, noch um religiöse Forderungen zu erfüllen, sondern nur aus dem einen Grund, er betet weil er Jesus liebt. Er betet weil es sein tiefstes Bedürfnis ist, sein Herz vor dem auszuschütten, den er über alles liebt. Genauso wie wir unsere Sorgen und unsere Freuden mit denen teilen, die wir lieben, teilt sie ein Christ mit Jesus. Für ihn gibt es nichts Wertvolleres, als Zeit mit Jesus zu verbringen. Jede Minute, die er damit verbringen kann sein Wort zu lesen oder eine Predigt über IHN zu hören, ist ihm kostbar und weil das so ist, spielt Jesus auch die wichtigste Rolle in seiner Zeiteinteilung. Es ist doch so, jeder Mensch findet Zeit für die Leute, die ihm wichtig sind, es kommt nur darauf an, welche Prioritäten man im Leben setzt.

Ist es da nicht verwunderlich, dass viele von denen, die sich Christen nennen, keine Zeit haben, um sonntags einen Gottesdienst zu besuchen? Dass sie keine Zeit fürs Bibellesen finden und es auch kaum für nötig halten, zu beten? So etwas ist anerzogener Menschenglaube, aber keine echte Liebe zu Jesus. Wenn Jesus uns wirklich etwas bedeutet, dann werden Seine Worte auch Bedeutung für unser Leben haben. Wenn ER uns etwas bedeutet, wird es unser sehnlichster Wunsch sein, IHM zu gefallen. Wenn wir Seine Gebote verfehlt haben, werden wir unsere Sünde nicht herunterspielen, sondern bekennen und um Vergebung bitten.
Wenn wir IHN lieben, wird es uns auch nicht unangenehm oder peinlich sein, wenn andere davon erfahren. Wenn unsere Liebe echt ist schämen wir uns nicht dafür. Wenn andere IHN verspotten und alles was er gesagt und getan hat, ins Lächerliche ziehen, werden wir nicht mitlästern, sondern IHN verteidigen. Genauso ist es doch auch wenn uns ein Mensch etwas bedeutet, wir können uns doch nicht amüsieren, wenn sein Name in den Schmutz gezogen wird. Wenn man Lügen und Gerüchte über ihn verbreitet, dann werden wir es, sofern er uns wirklich etwas bedeutet, richtig stellen. Sein Ruf wird uns nicht gleichgültig sein, weil wir ihn lieben.
Und noch etwas wird der Fall sein, wenn wir IHN wirklich lieben; wir werden alles daran setzen, IHN zu erfreuen. Wir werden bestrebt sein, das zu tun, was ER gutheißt und alles zu meiden, was IHM missfällt. Wir werden immer mehr lieben, was ER liebt und hassen, was ER hasst (vgl. Ps 45,8). Weil wir wissen, dass IHN Sünde beleidigt und kränkt, werden wir sie nicht länger in unserem Leben dulden. Unsere Frage wird nicht lauten: Wie weit können wir uns von IHM entfernen, um gerade noch so in den Himmel zu kommen, sondern was können wir tun, um IHM näher zu kommen?

Noch ein letztes Merkmal möchte ich nennen und das ist Sehnsucht. Es gibt keine echte Liebe ohne Sehnsucht und wenn sich zwei Menschen lieben besteht der sehnlichste Wunsch darin, zusammen zu sein. Aus diesem Grund sehnen sich alle Kinder Gottes, nach der Wiederkunft des HERRN. Namenchristen oder Weltmenschen wird es einerlei sein, ob Jesus wieder kommt, sie interessieren sich nicht dafür. Vielleicht haben sie auch nie davon gehört und das kommt einfach daher weil es ihnen völlig egal ist.
Um ein nachvollziehbares Beispiel zu geben, muss man sich nur mal fragen, wer würde uns wohl am Flughafen erwarten, wenn wir von einer langen Reise zurückkehren? Wer wüsste überhaupt, dass wir weg waren, dass wir an einem bestimmten Tag wieder kommen und wer würde uns freudig erwarten, wenn nicht der Mensch, der uns am meisten liebt? Genauso ist es mit denen, die Jesus lieben und intersannt ist, dass er auch nur den Menschen, die diese sehnsüchtige Erwartungshaltung haben, zum Heil erscheinen wird. Denn die Schrift sagt: Zum zweiten Mal wird er (Jesus) nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil (Hebr 9,28). 

Die Wiederkunft des Herrn war ein Thema, das die ersten Christen sehr beschäftigt hat. Diese Hoffnung war für sie die Motivation, trotz massiver Verfolgung, trotz Folter und Todesgefahr dem Missionsbefehl ihres Herrn zu gehorchen, durch den sie aufgefordert waren: „Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!“ (Mk 16,15).
Denken wir zum Beispiel an den Apostel Johannes, der aufgrund seines treuen Glaubenszeugnisses, auf die Insel Patmos verbannt wurde (vgl. Offb 1,9). Erinnern wir uns, mit welchen Worten er das letzte Buch der Bibel beendet, wie er im vorletzten Vers die Worte Jesu: „Ja, ich komme bald. Amen“, zitiert und darauf erwidert: „Komm, Herr Jesus!“ (Offb 22,20).
Dies war die Sehnsucht der ersten Christen, die der Wiederkunft ihres Herrn regelrecht entgegenfieberten. Doch dazu hatten sie sich nicht in Klöster zurückgezogen, sondern sind
, wie es ihnen der Herr aufgetragen hatte, umhergezogen, um die Botschaft des Evangeliums zu verbreiten. Sie hatten verstanden, dass mit dem Warten auf Jesus, nicht ein passives sich zurücklehnen gemeint war, sondern der treue Dienst für ihren Herrn (vgl. Lk 12,35-48: 19,11-17).
Dieser Dienst hatte sie alle gekostet,
Johannes war um seines Glaubens willen in Gefangenschaft geraten, die anderen Jünger waren meines Wissens zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr am Leben, sie hatten um ihres Zeugnisses willen, bereits den Märtyrertod erlitten.
Doch nicht nur den ersten Christen hat ihr Glaubensleben so einiges abverlangt, auch heute im zwanzigsten Jahrhundert, gibt es noch viele Länder, in denen Christen bis zum Tod verfolgt werden. Jesus hat das seinen Jüngern niemals vorenthalten, ER sagte: „Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten“ (Joh 16,20). Und im Hebräerbrief 11, 36-40 lesen wir: Andere aber wurden durch Verhöhnung und Geißelung versucht, dazu durch Fesseln und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, zersägt, starben den Tod durch das Schwert, gingen umher in Schafpelzen, in Ziegenfellen, Mangel leidend, bedrängt, geplagt. Sie, deren die Welt nicht wert war, irrten umher in Wüsten und Gebirgen und Höhlen und den Klüften der Erde. Und diese alle, die durch den Glauben ein Zeugnis erhielten, haben die Verheißung nicht erlangt, da Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns vollendet werden sollten. 
Die Frage ist, wie konnten sie das alles ertragen, was war ihre Motivation und was war ihre Hoffnung? Es ist ohne Zweifel, ihre Motivation kann nur die Liebe zu Jesus gewesen sein und ihre Hoffnung war Seine Wiederkunft. Wir wissen, sie haben die Wiederkunft des Herrn nicht erlebt, doch Gottes Wort sagt uns auch warum: Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen. Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb; an ihm werden die Himmel mit gewaltigem Geräusch vergehen, die Elemente aber werden im Brand aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr im Gericht erfunden werden. Da dies alles so aufgelöst wird, was für Leute müsst ihr dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit (2.Petrus 3,9-11).

Die Bibel zeigt uns deutlich, was für eine Sehnsucht die damaligen Christen nach der Wiederkunft des Herrn hatten. Nun könnte man sagen, klar bei all der Verfolgung und all dem Leid ist das ja auch kein Wunder. Doch ist es nicht ein Wunder, dass sie das alles so geduldig ertragen haben und unter keinen Umständen bereit waren, ihrem Glauben abzuschwören? Sie hielten standhaft an ihre Liebe zu Jesus fest, obwohl es viele von ihnen mit dem Leben bezahlen mussten. Sie suchten nicht nach dem bequemsten Weg, sie machten keine Zugeständnisse wenn es um die Verteidigung der Wahrheit des Evangeliums ging und warum das alles? Ganz einfach, weil sie Jesus wirklich liebten und Seinem Wort geglaubt haben.
Wer Jesus liebt, sehnt sich auch danach IHN zu sehen. Es ist das Werk des Heiligen Geistes im Herzen des Gläubigen, das die tiefe Sehnsucht weckt, Jesus von Angesicht zu Angesicht zu sehen und für immer mit IHM vereint zu sein. Ferner begründet sich die Freude auf den Himmel auch darin, dass dann vollendet wird, was bereits hier begonnen hat und das ist die Heiligung, die Verwandlung in sein Bild (vgl. 2.Kor 3,18). Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist (1.Joh 3,2).

Entscheidend ist, im Himmel wird nur vollendet, was hier zu Lebzeiten begonnen wurde.
Ich stimme mit Arthur Pink überein, der schrieb: Niemand wünscht sich ernsthaft, in Zukunft von Sünde frei zu sein, wenn er sich in der Gegenwart nicht aufrichtig von Sünde trennt. Wer hier nicht der Heiligkeit nachjagt, irrt sich gewaltig, wenn er meint, er wünsche sich Heiligkeit für die Ewigkeit.*
Im Himmel werden alle wahren Kinder Gottes endgültig von der Macht der Sünde befreit sein und genau das ist die Sehnsucht all derer, die Jesus wirklich lieb haben. Wahre Kinder Gottes leiden unter ihrer sündhaften Natur, sie führen einen Kampf gegen die Sünde in ihrem Leben, sie können die Sünde niemals tolerieren, weil es ihr größter Wunsch ist das Herz dessen zu erfreuen, der sie durch Sein kostbares Blut erkauft hat. Genau das ist der gute Kampf des Glaubens, in dem sich jeder wahre Christ befindet (vgl. Mt 18,9; 1.Tim 6,12).
Paulus konnte gegen Ende seines Leben sagen: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt; fortan liegt mir bereit der Siegeskranz der Gerechtigkeit, den der Herr, der gerechte Richter, mir als Belohnung geben wird an jenem Tag; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die sein Erscheinen lieb gewonnen haben“ (2.Tim 4,7-8).
Auch in diesem Vers wird deutlich, nur diejenigen, die Jesus lieb haben werden den Siegeskranz der Gerechtigkeit bekommen; nur diejenigen, die den guten Kampf des Glaubens gekämpft haben und Sein Erscheinen lieb gewonnen haben. Das Gott die Korne des Lebens nur denen verheißen hat, die IHN liebhaben, wird auch in Jakobus 1, 12 bestätigt. Glückselig der Mann, der die Versuchung erduldet! Denn nachdem er bewährt ist, wird er den Siegeskranz des Lebens empfangen, den der Herr denen verheißen hat, die ihn lieben. Es ist also offensichtlich, dass die Liebe zu Christus das Prüfkriterium dafür ist, ob wir wirklich Kinder Gottes, und somit Erben der Verheißung sind. Die Liebe zu Jesus ist das entscheidende Merkmal der wahren Gotteskindschaft. Auf den Punkt gebracht kann man also festhalten; ein Mensch der Jesus liebt, ist ein Kind Gottes; ein Mensch der Jesus nicht liebt, ist kein Kind Gottes. Diese Lehre zieht sich durch die ganze Bibel hindurch und kommt, wie schon gesagt, nicht von mir, sondern von Jesus selbst. ER selbst war es, der gesagt hat: „Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich lieben!“ (Joh 8,42). Und im selben Evangelium sagt ER an anderer Stelle: „Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat“ (Joh 5,23).
Fazit: Die Liebe zu Jesus ist das Prüfkriterium, ob wir wirklich Kinder Gottes sind, doch ob diese Liebe echt ist, zeigt sich nicht nur an dem, was wir sagen, sondern vor allem auch an dem, was wir tun. Denn wie bereits zitiert, die Lehre Jesu besagt: „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten".
Auch wenn es von vielen Kanzeln anders verkündigt wird, der Himmel wird nur den Kindern Gottes versprochen, nur jenen die sein Wort bewahren, nur jenen, die IHN lieben. Alle anderen würden sich an diesem Ort auch nur fehl am Platz fühlen, denn der Himmel ist der Ort, an dem einzig und allein Gott verehrt wird. Wenn wir im hier und jetzt keine Freudigkeit haben, Gott zu ehren, warum sollte es dann in der Ewigkeit anders sein?

Nachdem es mir hoffentlich gelungen ist aufzuzeigen, woran man erkennen kann, ob man ein Kind Gottes ist oder nicht, möchte ich auch aufzeigen, wie man ein Kind Gottes werden kann. Man wird es nicht durch die Taufe oder durch Kirchenmitgliedschaft, auch nicht durch die Teilnahme am Abendmahl oder dadurch, dass man christliche Eltern hat, sondern nur indem man sein Herz für Jesus öffnet (vgl. Offb 3,20) und IHN als HERRN und Erlöser annimmt. Gottes Wort sagt: „So viele ihn (Jesus) aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben“ (Joh 1,12). Falls irgendjemand, sei es ein Pfarrer, ein Bischof oder gar der Papst persönlich versichert, man würde durch die Taufe zu einem Kind Gottes, dann entspricht dies leider nicht dem, was Gottes Wort lehrt. Vielleicht ist es ein gutgemeintes Wunschdenken, doch es hilft niemand weiter, wenn man leere Versprechen macht, kein Diener Gottes hat das Recht mehr zu versprechen, als uns in Gottes Wort zugesagt wird, wer es dennoch tut, der wird das Urteil tragen, wer er auch sei (Gal 5,10).

Wer seinen Glauben auf leeres Menschenwort baut, der baut leider auf Sand, nur das geschrieben Wort ist der Fels auf dem die wahre Gemeinde gebaut ist. Wir dürfen uns also nicht blenden lassen, indem wir auf kirchliche Rituale oder sonst irgendetwas vertrauen das wir tun können oder getan haben, um Gott gnädig zu stimmen, sondern müssen unser ganzes Vertrauen auf das am Kreuz vollbrachte Erlösungswerk setzten. Es ist wichtig, dass wir uns eingestehen, dass es mit unsere eignen Gerechtigkeit nicht weit her ist, und dass wir all unser Versagen und all unsere Schuld am Kreuz ablegen. Jesus ist immer bereit zu vergeben, niemals hat ER einen Sünder der Buße tat, abgewiesen. Nur diejenigen, die meinen, sie hätten keine Erlösung nötig, stoßen bei IHM auf verschlossene Türen. Wer seine Schuld eingesteht und IHM bekennt, der wird Vergebung empfangen, der wird erfahren, dass Jesus Wort hält wenn ER verspricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh 6,37). Was hindert uns heute im Glauben zu IHM zu kommen? Was hält uns davon ab, die Versöhnung die uns Gott der Vater durch Seinen Sohn anbietet, anzunehmen? Der Apostel Paulus schrieb diesbezüglich: „Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2.Kor 5,20). Durch Jesus sind alle Menschen eingeladen zum Gnadenthron Gottes zu kommen. Wir alle werden dazu ermutigt, indem Sein Wort uns auffordert: „Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe!“ (Hebr 4,16).

Ich selbst bin dieser Einladung gefolgt, indem ich ein einfaches Gebet sprach und
IHM mein Versagen und meine Schuld bekannt habe und ich durfte erfahren, was uns in 1.Johannes 1,9 zugesichert wird: Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.



*Quellnachweis: A.W. Pink - Was ist rettender Glaube?, S 140

 

 

 

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