und

In der Lehre des Christus bleiben

Wer nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht

21.08.2016


Jeder, der abweicht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, der hat Gott nicht; wer in der Lehre des Christus bleibt, der hat den Vater und den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, den nehmt nicht auf ins Haus und grüßt ihn nicht! Denn wer ihn grüßt, macht sich seiner bösen Werke teilhaftig (2.Joh 9-11).
 

Wir leben heute in einer Zeit, in der die Worte des Johannes aus seinem 2. Brief für viele kein großes Gewicht mehr haben. „Wer in der Lehre des Christus bleibt, der hat den Vater und den Sohn“ (2.Joh 9). Das Bleiben in der Lehre des Christus ist die Voraussetzung für wahre Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn. Wer sich dieser Wahrheit des Johannes beugt, kann den so oft wiederholten Rufen „Lehre trennt, Liebe eint“ oder „Es geht nur um unsere Beziehung zu Jesus“ nicht länger Glauben schenken. Lehre und Liebe, Lehre und innige Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn sind keine Gegensätze, sondern Ergänzungen und letztlich die Grundlage für wahre Gemeinschaft.

Streitigkeiten um die Lehre belasten aber die Gemeinschaft unter Geschwistern, so der häufige Einwand. Gewiss, es gibt viele Lehrstreitigkeiten, die eher an Rechthaberei oder hochmütige Besserwisserei des Fleisches erinnern und die Gemeinschaft unter Geschwistern zerstören. Dennoch kann das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet und alle Lehre für nebensächlich erklärt werden. Die biblische Wahrheit ist und bleibt: „Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei“ (1.Joh 1,3-4).

Hier zeigt Johannes ein weiteres Mal, dass wahre Gemeinschaft unter Geschwistern nur auf der Grundlage der verkündigten Wahrheit stehen kann. Weder Erlebnisse noch Gefühle oder menschliche Überzeugungen, weder nach außen demonstrierte Harmonie noch ökumenische Events, weder meditative Erfahrungen mit all ihren religiösen Eindrücken noch kontemplative Übungen der Stille bilden das Fundament wahrer Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn - und mit den Glaubensgeschwistern. Es ist die Lehre des Christus, die verkündigte Wahrheit, welche echte Gemeinschaft im biblischen Sinne ermöglicht.

Nach weniger zu streben und ein menschliches Fundament zu schaffen, das vor Gott keinen Bestand hat, ist ebenso eine Sünde – Sünde bedeutet Zielverfehlung - wie nach mehr zu streben und zu glauben, erst wenn wir alle die gleichen theologischen Erkenntnisse haben, dann wäre Einheit und Gemeinschaft möglich. Solange Geschwister aufrichtig danach trachten, in der Lehre des Christus zu bleiben, sollten wahre Jünger Jesu auch dann nach Gemeinschaft und Einheit untereinander streben, wenn sie mit anderen Geschwistern nicht in allen Punkten übereinstimmen. Geschwister, die den aufrichtigen Wunsch haben, in der Lehre des Christus zu bleiben, zeigen, dass Lehre gewissermaßen wichtig für sie ist. Wem die Lehre unwichtig oder nebensächlich geworden ist, wird das Jesuwort „Wenn ihr in meinem Worte bleibt, dann seid ihr wahrhaft meine Jünger“ (Joh 8,31) ohnehin kaum etwas bedeuten.

Johannes fügt aber noch einen weiteren kleinen Zusatz hinzu, den man nicht übersehen sollte. „Wer abweicht und nicht in der Lehre des Christus bleibt.“ Johannes spricht vom abweichen. Dies lehrt uns, dass das Bleiben in der Lehre des Christus nur dann möglich ist, wenn der Jünger Christi nicht abweicht. Oder anders ausgedrückt, das Verlassen der Lehre des Christus beginnt mit einem Abweichen von der Lehre des Christus.

Das griechische Wort προάγω (proago) für abweichen bedeutet eigentlich voraus- oder vorangehen. Ist das nicht die menschliche Natur, die in ihrem Hochmut lieber selber leiten und führen will, als in Demut geleitet und geführt zu werden von dem Einen und Einzigen der es wert ist, ihm zu folgen, Christus. Nachfolger Christi gehen nicht voraus, sondern sie folgen ihrem Herrn und dem Wort ihres Herrn treu. Sie schaffen keine künstliche Trennung zwischen Wort und Geist, zwischen der Lehre des Christus und Christus selbst.

Eine weitere Ermahnung des Johannes in seinem 2. Brief macht das Bleiben in der Lehre des Christus und das Bleiben in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn so wichtig: „Seht euch vor, dass wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangen!“ (2.Joh 8). „Erarbeiten“ klingt im ersten Moment nicht nach einem freien Geschenk der Gnade. Doch auch die Gnade kennt „Arbeit“ und „Fleiß“. Petrus schreibt: „... ebendeshalb wendet auch allen Fleiß an und reicht in eurem Glauben die Tugend dar“ (2.Petr 1,5). Fleiß, der aus Glauben und Geist geboren ist, hat nichts mit den Werken der Gesetzlichkeit zu tun, die aus dem Fleisch kommen. Dieser Fleiß ist letztlich auch ein Gnadengeschenk.

Das Bleiben in der Lehre des Christus und in der Gemeinschaft des Christus kann der Jünger nur aus Gnade und nur aus Glauben „erarbeiten“. Das Bleiben in der Lehre des Christus und in der Gemeinschaft des Christus muss ständig neu verteidigt werden, damit es nicht verloren geht, und es sollte von jedem wahren Jünger Jesu mit allem Fleiß stets neu gesucht werden, damit er einmal den vollen Lohn empfängt.

Darum wollen wir dem Herrn nicht vorausgehen, sondern ihm nachfolgen und in seiner Lehre und in seiner Gemeinschaft bleiben.

 


Georg Walter © alle Rechte an diesem Artikel vorbehalten.

 

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