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3. Ich aber sage euch… (Ehebruch, Scheidung)

20.01.2018

Ehebruch

 

Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch, dass jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen. Wenn aber dein rechtes Auge dir Anlass zur Sünde gibt, so reiß es aus und wirf es von dir! Denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn deine rechte Hand dir Anlass zur Sünde gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir! Denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.
(Matthäus 5,27-30)

 

Kommen wir nun zum zweiten Themenbereich den Jesus verwendet hat, um die falschen Auslegungen der religiösen Führer zu widerlegen, und das ist deren Lehre zum Thema Ehebruch. Während es beim ersten Beispiel, das die falsche Auslegung des Gebotes „Du sollst nicht töten“, zum Inhalt hatte, auf den ersten Blick nicht ganz so offensichtlich war, dass Jesus keine neue Lehre einführen wollte, sondern nur falsche Auslegungen des Gesetzes widerlegte, ist es beim zweiten Beispiel zum Thema Ehebruch offensichtlich. Auch hier haben die Pharisäer und Schriftgelehrten wieder nur den tatsächlichen Ehebruch, also nur die reale, sichtbare Tat als eine Übertretung des Gesetzes gesehen. Jesus widerlegt diese oberflächliche Sichtweise, indem ER sagt: Dass jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen.

 

Und wieder lautet die Frage, hat Jesus hier etwas völlig Neues gelehrt? Etwas das die Pharisäer und Schriftgelehrten gar nicht wissen konnten? Die Antwort lautet, nein, denn in den 10 Geboten wird nicht nur gesagt: „Du sollst nicht Ehebrechen!“ (2.Mo 20,14; 5.Mo 5,18), sondern, wie wir es im zehnten Gebot lesen, auch: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau“ (2.Mo 20,17; 5.Mo 5,12). Somit ist also das, was Jesus an dieser Stelle deutlich macht, bereits fest in den 10 Geboten verankert. Bereits da wird schon der Gedanke an Ehebruch als Sünde verurteilt. Nicht erst wenn es tatsächlich zur Affäre kommt, sondern bereits, wenn sich dieser Gedanke im Herzen festsetzt. William MacDonald kommentiert: Vielleicht könnte einer voller Stolz darauf hinweisen, dass er dieses Gebot noch nie gebrochen hat, doch trotzdem mag er »Augen voll Begier nach einer Ehebrecherin« haben (2.Petr 2,14). Während nach außen hin alles stimmt, kann es sein, dass seine Gedanken ständig um Unreines kreisen.1
 

Wir sehen also auch im Alten Testament hat die Schrift schon bei der Entstehung der Sünde angesetzt. Die Frage, ob jemand an diesem Punkt zu Fall kommt, beginnt bereits in dem Moment, in dem wir derartigen Gedanken nachgehen. Wobei klar zu differenzieren ist, ob man plötzlich mit einem Gedanken konfrontiert wird oder ob man diesem Gedanken Raum gibt, so dass er sich bildlich gesehen in der Gedankenwelt einnisten kann. Es war Martin Luther der diesbezüglich sagte: Du kannst nicht verhindern, dass ein Vogelschwarm über deinen Kopf hinwegfliegt. Aber du kannst verhindern, dass er in deinen Haaren nistet.2

 

Wir müssen also in unserer Gedankenwelt ansetzen und uns auch bewusstmachen, worauf wir fokussiert sind. Was nimmt uns in Beschlag, was nimmt unsere Gedanken gefangen, worauf ist unser Blick gerichtet? Hiob hatte diesbezüglich einen sehr hilfreichen Vorsatz gefasst, und dieser lautete wie folgt: Ich hatte einen Bund gemacht mit meinen Augen, dass ich nicht lüstern blickte auf eine Jungfrau (Hi 31,1). Wenn wir keine derartigen Vorkehrungen treffen, sondern einfach so in den Tag leben, dann ist es vergleichbar, als würden wir stillhalten, während eine Spinne ihr Netz um uns strickt. Daher sind wir, wie Hebräer 12,1 sagt, dazu aufgefordert, die uns so leicht umstrickende Sünde abzulegen. Und der erste Ansatz hierbei, gilt unserer Gedankenwelt. E. Stanley Jones hat die Bedeutung dieses Verses getroffen, als er schrieb: »Ob du an Ehebruch denkst oder ihn ausführst, du wirst deinen Trieb dadurch nicht beruhigen, denn du versuchst, mit Öl Flammen zu löschen.« Die Sünde beginnt in unseren Gedanken, und wenn wir sie nähren, dann wird der Gedanke schließlich zur Tat.3

 

Daher gilt es unser Denken durch das Wort Gottes bestimmen und leiten zu lassen, und alle Gedanken unter den Gehorsam Christi zu stellen (vgl. Röm 12,2; 2.Kor 10,5). Das ist das Ideal, das es anzustreben gilt, um an diesem Punkt nicht zu Fall zukommen. Bilder und Worte beeinflussen unser Denken; die Welt um uns herum ist nicht neutral (vgl. 1.Joh 2,16), daher gilt es darauf zu achten, mit was wir uns beschäftigen, welchen Dingen wir uns aussetzen. Dass es genau hier anzusetzen gilt, macht Jesus durch das sehr drastische Beispiel der Selbstverstümmelung deutlich, indem ER bildlich gesehen, dazu auffordert, sich eher ein Auge auszureißen oder die Hand abzuhacken als derartigen Gedanken Raum zu geben oder sich entsprechenden Handlungen hinzugeben. Da ich bereits in der 4-teiligen Beitragsreihe „Sei radikal“ sehr ausführlich auf die Parallelstelle zu diesem Textabschnitt eingegangen bin, möchte ich das Thema hier etwas kürzer fassen und nur ein paar wesentliche Punkte betonen, wobei ich zu aller erst hervorheben will, dass letztlich jede Sünde in der Gedankenwelt entsteht. Wir dürfen also niemals die Schuld bei Gott suchen, schuld ist weder Gott, noch sind es Seine Gebote. Schuld an unserem Dilemma ist allein unsere sündhafte Natur. Die Gebote bringen nur ans Licht, dass der Mensch eben nicht so edel und vollkommen ist, wie er sich im Allgemeinen sieht. Treffend sagt uns der Jakobusbrief: Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand. Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, bringt sie Sünde hervor; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod (Jak 1,13-15).

 

Dieser Vergleich ist selbstsprechend, und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, müssen wir zugeben, dass die Schrift genau das offenlegt, was uns Menschen zu schaffen macht und ohne Gottes Eingreifen letztlich auch zu Fall bringt. Außerdem möchte ich anmerken, dass Jesus die Reihenfolge von Auge und Hand nicht zufällig gewählt hat, sondern uns hier ein geistliches Prinzip vor Augen führt, das durch folgendes Zitat treffend beschrieben ist:

 

Säe einen Gedanken und ernte eine Tat,
säe eine Tat und ernte eine Gewohnheit,
säe eine Gewohnheit und ernte einen Charakter.

 

Das Auge ist ein Bild dafür, wie die Versuchung an uns herantritt, das erste ist, dass wir etwas für Begehrenswert halten, doch das geschieht nicht ehe wir damit konfrontiert werden. Beim Sündenfall wird über Eva berichtet: Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend (1.Mo 3,6). Genau das ist charakteristisch für unsere Welt, es ist das, wovon die Werbung lebt und was die meisten Menschen tagtäglich antreibt. Der Apostel Johannes beschreibt diese typische weltliche Haltung wie folgt: Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt (1.Joh 2,16). Genau hier müssen wir, laut der Lehre unseres Herrn, wachsam sein, gerade über die Medien werden wir heute regelrecht mit freizügigen Bildern überhäuft, zudem lebt das Internet förmlich von der Phonographie. Wer sich entsprechenden Bildern und Filmen aussetzt, dessen Gedankenwelt wird davon in Beschlag genommen. Die Frage ist, lassen wir uns von so etwas gefangen nehmen, bleibt unser Blick haften, wenn wir mit so aufreizenden Bildern oder pornografischen Inhalten konfrontierte werden oder suchen wir gar gezielt danach? Wenn wir diesbezüglich ein weiteres Zitat aus der Bergpredigt, nämlich die Aussage: „Die Lampe des Leibes ist das Auge“ (Mt 6,22), betrachten, wird deutlich, dass genau das, worauf unser Blick fokussiert ist, letztlich auch das ist, worauf wir unser Leben ausrichten. Es ist wie mit einem Auto, die Scheinwerfer strahlen nicht irgendwo hin, sondern immer in Fahrtrichtung. Somit können und sollen wir uns bereits an diesem Punkt prüfen. Wir dürfen hier den Dingen nicht einfach ihren Lauf lassen. Im Gegenteil, wer hier nicht rigoros die Reißleine zieht, der wird nicht beim Anschauen stehenbleiben, vielmehr wird das, was er auf sich einwirken lässt, seine Gedankenwelt in Besitz nehmen und früher oder später wird er das, was er sich in Gedanken ausmalt, in die Tat umsetzen.


Und damit sind wir bei der Hand, bildlich gesehen, steht die Hand für die Tat, sollte jemand an diesem Punkt angelangt sein, dann ist er aufgefordert, sich die Hand abzuhacken, doch nicht nur das, er soll sie wegwerfen. „Hau sie ab und wirf sie von dir!“, sagt Jesus in diesem Fall und macht damit deutlich, dass der Bruch mit der Sünde so rigoros sein muss, dass man auf größtmögliche Distanz geht. Denken wir an Joseph, der vor der Frau des Pharaos geflüchtet ist. Wir müssen uns von allem und jedem fernhalten, der uns auf diesem Gebiet zu Fall bringen könnte. Wird dieser Punkt überschritten, kommt es zur Tat, wiederholt sich die Tat, wird es zu einem Lebensweg.

Vielleicht würden wir ja erwarten, dass es hier eine Differenzierung gibt, so dass Jesus sagen würde, der erste Fall ist noch nicht ganz so tragisch, beim zweiten, nämlich der Tat, wird es schon deutlich kritischer, doch die Warnung die jeweils folgt lautet: Denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.

 

Die Anwendung, die wir daraus ziehen können, ist eine zweifache:

 

1.Wir dürfen Sünde nicht kategorisieren, es steht uns nicht zu, irgendeine Sünde zu verharmlosen, stattdessen müssen wir die Abscheulichkeit der Sünde erkennen und einen Hass gegen sie entwickeln (vgl. Ps 97,10). Bedenken wir dabei zum einen, welche tragische Konsequenz die Sünde für den Sohn Gottes hatte, der Sohn Gottes wurde um unserer Sünde gemartert. ER musste diesen qualvollen Tod erleiden, ER musste für uns die Gottverlassenheit ertragen, das war der Preis, der nötig war, um unsere Sündenschuld zu begleichen. Bedenken wir aber auch die andere Seite, und das ist die, die Jesus hier hervorhebt: Bedenken wir, welche Konsequenz die Sünde für uns hat, wenn wir die Versöhnung, die Gott uns durch Seinen Sohn schenkt, ausschlagen und den Weg der Sünde unbeirrt fortsetzen. In diesem Fall wartet das Gericht Gottes auf uns. Jesus spricht in diesem kurzen Textabschnitt zweimal von der Hölle. Ich möchte hierzu Jerry Bridges zitieren, auch wenn er folgende Worte im Zusammenhang mit Leid und Schicksalsschlägen festgehalten hat, so lässt sich dies auch auf das Beispiel mit der Selbstverstümmelung übertragen. Für uns steht körperliche Unversehrtheit an höchster Stelle, für Jesus das ewige Schicksal unserer Seele, daher, so meine ich, können wir die Worte des Autors auch hier anwenden: Alle nur denkbaren Notlagen, die in unserem Leben geschehen könnten, lassen sich in keiner Weise mit der tragischen Situation vergleichen, die uns treffen wird, wenn wir auf ewig von Gott getrennt sind. Jesus sagte, dass es kein Glück auf dieser Erde gibt, das mit der Freude darüber zu verbleichen ist, dass unsere Namen im Himmel geschrieben sind (Lk 10,20). Ebenso lässt sich kein irdisches Unglück mit Gottes ewigem Gericht in der Hölle vergleichen.4 Im selben Buch schreibt der Autor: Mir hat sich ein Spruch eingeprägt, den ich einmal in einer Predigt gehört habe: „Alles auf dieser Seite der Hölle, ist reine Gnade“ 5

Während wir dazu neigen, nur auf unser körperliches Wohl zu achten und unser Seele verkümmern lassen, rückt der HERR die Dinge ins rechte Verhältnis. ER zeigt uns, wo unser Weg endet, wenn wir nicht bereit sind, mit der Sünde zu brechen. Wir müssen es also lernen, diese Sichtweise zu übernehmen, das Kostbarste das wir besitzen, ist unsere unsterbliche Seele. Auch wenn viele Menschen glauben, mit dem Tod sei alles vorbei, so haben sie doch eine leise Vorahnung, dass dies ein Trugschluss ist. Die Wahrheit ist: Der Staub kehrt zur Erde zurück, so wie er gewesen, und der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben hat (Pred 12,7). Und weil dem so ist, sprach Jesus an anderer Stelle: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ (Mt 16,26). Noch deutlicher wurde ER in Matthäus 10,28, wo wir folgende Aussage finden: „Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle“ (Mt 10,28).

 

2. Die zweite Anwendung, ist in einen radikalen Bruch mit der Sünde zu sehen. Wir müssen alles daransetzen der Sünde zu widerstehen. Sie darf in uns keinen Raum finden, wir müssen sie in unserem Inneren zerstören. Es darf an diesem Punkt keine Kompromisse geben, ebenso wenig dürfen wir hier irgendetwas auf die lange Bank schieben. Entscheidend ist immer die sofortige Reaktion. In der Situation in der uns Gottes Wort von einer Sünde überführt, sind wir zur radikalen Buße aufgefordert. Mit andern Worten, egal ob wir uns im erstgenannten Beispiel mit dem Auge wiederfinden oder ob es bereits zur Tat übergegangen ist, in beiden Fällen, fordert uns Jesus zur sofortigen Buße auf. Denn Buße heißt eben nicht, „es tut mir leid, aber ich gehe trotzdem einen Schritt weiter“, sondern kann nur dann als wahre Umkehr gesehen werden, wenn es sich um einen radikalen Bruch mit der Sünde handelt. Solange wir nur entsprechende Phantasien und Gedanken haben, können wir also nicht einfach sagen, „die Gedanken sind frei“, oder wie es einer weltlichen Redewendung entspricht: „Appetit darf man sich woanders holen, aber gegessen wird Zuhause“. Vielmehr macht auch dieses Beispiel deutlich, dass das Gesetz bereits ansetzt, bevor es zur sichtbaren Ausführung kommt. Wenn wir es also nicht lernen, unsere Gedanken zu kontrollieren, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zur Tat kommt. Das Gute ist, dass wir im Kampf gegen die Sünde, nicht auf uns alleine gestellt sind, sondern durch den Heiligen Geistes auch dazu befähigt werden. Dennoch ist es für den Gläubigen nötig, mit dem Geist auf diesem Gebiet zusammenzuarbeiten und sich einer strengen Selbstdisziplin zu unterwerfen.3 Daher sei abschließend zu diesem Punkt noch einmal gesagt: Genau an dem Punkt, an dem wir stehen, wenn uns Gottes Wort von einer Sünde überführt, sind wir dazu aufgefordert, einen klaren Schlussstrich zu ziehen. Wir dürfen nicht mit der Sünde spielen, indem wir uns in diesem Bereich selbstüberschätzen, sondern müssen die Warnungen der Schrift ernstnehmen und wachsam sein (vgl. 1.Kor 10,12; Lk 22,31; 1.Petr 5,8).

 

 

Kommen wir nun zum nächsten Punkt, der thematisch eng im Zusammenhang mit "Ehebruch" steht, und das ist das Thema:

 

Scheidung

Es ist aber gesagt: Wer seine Frau entlassen will, gebe ihr einen Scheidebrief. Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entlassen wird, außer aufgrund von Hurerei, macht, dass mit ihr Ehebruch begangen wird; und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch (Matthäus 5,31-32).

Der Irrtum, den Jesus hier aufdeckt, ist die oberflächliche Haltung, die bei den Pharisäern und Schriftgelehrten in Bezug auf Scheidung vorherrschend war. Gemäß ihrer verdrehten Lehre waren bereits kleinste Bagatellen ausreichend, um seine Frau zu entlassen. Überspitzt gesagt war ihnen eine Begründung, wie, „meine Frau kann nicht gut kochen“, bereits gewichtig genug, um einen Scheidebrief auszustellen. Jeder Vorwand war Recht, um die Frau loswerden zu können. Es hatte sich eine total chaotische Situation entwickelt, die Martyn Lloyd-Jones wie folgt beschreibt: Wie wir wissen, hatten die Männer damals eine sehr abschätzige und schlechte Meinung von den Frauen. Und sie kamen zur Überzeugung, sie hätten das Recht, sich aus fast jedem frivolen und unwürdigen Grund von ihren Frauen scheiden zu lassen. Wenn ein Mann, aus welchen Gründen auch immer, seine Frau loswerden wollte, dann tat er das. Er brachte irgendeine billige Begründung vor, und auf dieser Grundlage wurde er von ihr geschieden. 6

Die religiösen Führer förderten und unterstützten dies, indem sie bereitwillig Scheidungsbriefe ausstellten und somit signalisierten, dass dieses Verhalten im Sinne Gottes sei. Auch heute wird kirchlich vieles abgesegnet, als sei es im Sinne Gottes, doch wenn man die Schrift diesbezüglich studiert, wird deutlich, dass oft genau das Gegenteil der Fall ist. Statt dem Willen Gottes gerecht zu werden, versucht man das Wort Gottes so auszulegen, dass es den menschlichen Wünschen und Begierden entspricht. Genau das war die Situation, man hatte die Schrift umgedeutet, um den menschlichen Erwartungen entgegenzukommen. Der konkrete Fehler war die Überbetonung des Scheidebriefes, der zwar gewiss wichtig war, aber nicht über die Bedeutung der Ehe gestellt werden durfte. Nicht das formelle Ausstellen dieses Scheidebriefs war das Wesentliche, sondern eine aufrichtige Untersuchung, ob die Scheidung überhaupt berechtigt war. Mit anderen Worten, die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten den Scheidebrief in den Mittelpunkt gestellt: „Wer seine Frau entlassen will, gebe ihr einen Scheidebrief“, war ihr Argument, die Bedeutung der Ehe und die wahre Absicht, die dahintersteckt, hatten sie völlig missachtet. Ein weiteres Zitat von Martyn Lloyd-Jones bringt die Verdrehung des mosaischen Gesetzes durch die Pharisäer und Schriftgelehrten, wie folgt auf den Punkt: Sie wichen der Bedeutung des Gesetzes aus und umgingen sie mit ihren spitzfindigen Auslegungen, Traditionen und Ergänzungen. Das Resultat war, dass die eigentliche Absicht des Gesetzes verdeckt und rückgängig gemacht wurde.7

Genau diesem Missstand begegnete Jesus, indem ER sagte, dass es nur einen Grund für die Scheidung gibt, und das ist Ehebruch. Gottes Plan für die Ehe ist eine Lebensgemeinschaft, die nur durch den Tod auseinandergerissen wird (vgl. Röm 7,2-3). Das Ideal, das der Schöpfungsordnung entspricht, ist somit ein Paar, bestehend aus Mann und Frau, das sich ewig treu bleibt. „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein“ (1.Mo 2,24; Mt 19,5), war der Grundsatz, den Jesus an anderer Stelle aufgegriffen hat, um den Schriftgelehrten und Pharisäern das Prinzip der Unauflöslichkeit der Ehe, vor Augen zu führen. Unmissverständlich sagte ER in diesem Zusammenhang: „So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!“ (vgl. Mt 19,6). Dieser Vers zeigt uns aber nicht nur die Unauflöslichkeit der Ehe, sondern auch, dass die Ehe keine Erfindung des Menschen, sondern ein von Gott eingeführter Bund ist. Somit ist die Ehe zwischen Mann und Frau, mehr als ein zivilrechtlicher Vertrag oder ein Sakrament, sie ist ein von Gott eingesetzter Bund, durch den diese zu einem Fleisch werden. Die ursprüngliche Absicht für die Ehe, ist eine unauflösbare Bindung. Auch wenn unsere Gesellschaft diesbezüglich sehr abgestumpft ist, und Scheidungen beinahe schon als Normalität angesehen werden, so müssen wir es lernen, die Sicht Gottes zu übernehmen, und diese finden wir in Maleachi 2,16, wo geschrieben steht: „Denn ich hasse Scheidung, spricht der HERR, der Gott Israels!“

Soweit das Ideal, das aufgrund des Sündenfalls nicht ohne Ausnahme stehen kann; obwohl Gott Scheidung grundsätzlich hasst, gibt es die von Jesus genannte Ausnahme: „Außer aufgrund von Hurerei“. Wird der Ehepartner untreu, ist der andere Partner nicht mehr dazu verpflichtet, diese Ehe weiterzuführen. Das bedeutet nicht, dass er sich nicht mehr versöhnen darf, sondern dass er nicht mehr in der Pflicht steht, diese Ehe weiterzuführen. Sicher ist jeder Fall anders zu bewerten, so dass man es sich hier auch nicht zu einfach machen sollte. Die Scheidung darf nie das Ideal sein. Jesus erlaubt die Trennung im Fall von Untreue, gebietet sie aber nicht. Genau das, haben die Pharisäer und Schriftgelehrten missachtet, indem sie Mose so auslegten, als sei der Scheidebrief ein göttliches Gebot, womit sie die Ausnahme mehr oder weniger zur Regel machten. Das Gesetz Mose klärt nicht den Normalfall, der in ewiger Treue zu sehen ist, sondern die Ausnahme. Der Scheidebrief ist also kein Gebot, sondern ein Zugeständnis, und die Begründung ist, wie Jesus sagte: „Wegen eurer Herzenshärtigkeit“ (Mt 19,7). Der Scheidebrief war also nur dazu gedacht, Ordnung ins menschliche Chaos zu bringen, und vor allem auch dem unschuldigen, betrogenen Teil, die Möglichkeit auf einen Neuanfang zu geben. Wie gesagt, die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten an diesem Punkt eine sehr oberflächliche Haltung, womit ihre Sichtweise dem heutigen Zeitgeist sehr ähnlich war. Denn auch bei uns muss kein triftiger Grund vorliegen, um die Scheidung einreichen zu können.

Wie gesagt, Jesus korrigiert dieses Denken, in dem ER uns vor diesem Extrem warnt, doch wie der Mensch so ist, kommt er oft von einem Extrem ins andere, und dieses ist darin zu sehen, dass es christliche Kreise gibt, in denen geschiedenen Glaubensgeschwistern Lasten auferlegt werden, für die man selbst nicht mal den kleinen Finger rühren würde (vgl. Mt 23,4). Es mag sich besonders fromm anhören, Geschiedenen nur zwei Optionen zu lassen: Entweder wieder zum Ex-Partner zurück oder von nun an in ewiger Keuschheit zu leben. Doch wenn das Wort Gottes im Falle einer schriftgemäßen Scheidung die Wiederheirat verbieten würde, dann würde sich doch auch die Scheidung erübrigen. Von daher sollte man sich vorsehen, vorschnell zu gebieten, dass solche Glaubensgeschwister nicht mehr heiraten dürfen (vgl. 1.Tim 4,3). Ist nicht eine junge Frau, die von ihrem Partner betrogen und verlassen wurde, in einer ähnlichen Lage wie eine Witwe? Kann man ihr wirklich ein Keuschheitsgelübde auferlegen oder gilt in ihrem Fall nicht eher, was in 1.Korinther 7,9 geschrieben steht: Wenn sie sich aber nicht enthalten können, sollen sie heiraten; denn es ist besser, zu heiraten, als in Begierde zu brennen. William MacDonald hat es meines Erachtens sehr gut thematisiert, indem er folgendes festgehalten hat: Es wird oft behauptet, dass Scheidung im Neuen Testament zwar erlaubt sei, aber die Wiederheirat nicht erwähnt wird. Dennoch geht das Argument an der Fragestellung vorbei. Wiederheirat des unschuldigen Teiles wird im Neuen Testament nicht verurteilt – nur bei dem, der den Anlass zur Scheidung gegeben hat. Außerdem ist einer der Hauptgründe für schriftgemäße Scheidung die Möglichkeit zur Wiederheirat, sonst würde ja eine einfache Trennung ausreichen.8

Eine weitere Konstellation, bei der ein Christ nicht mehr an sein Eheversprechen gebunden ist, gilt im Falle eines ungläubigen Ehepartners; Voraussetzung hierbei ist jedoch, dass die Scheidung vom ungläubigen Ehepartner ausgeht. In 1. Korinther 7,15 sagt Gottes Wort: Wenn aber der Ungläubige sich scheidet, so scheide er sich. Der Bruder oder die Schwester ist in solchen Fällen nicht gebunden; zum Frieden hat uns Gott doch berufen (1.Kor 7,15). In den meisten Fällen deckt sich diese Situation sogar mit dem von Jesus beschriebenen Fall des Ehebruchs, denn in der Regel ist ein neuer Partner der Hauptgrund, warum eine Scheidung angestrebt wird.

Ein weiteres Fallbeispiel das hier noch zu erwähnen ist, betrifft jene, die bereits geschieden waren, als sie zum Glauben kamen. In diesem Fall gilt bezüglich der Sünde, was auch für jede andere Form von Sünde gilt, Jesus hat den vollen Preis dafür bezahlt. Paulus nennt diesbezüglich eine Liste von vergangenen Sünden, die durch das Blut Christi getilgt wurden. Wir finden diese in 1. Korinther 6, wo in Vers 11 zu sehen ist, dass unter jenen, die in Korinth zum rettenden Glauben kamen, auch Ehebrecher waren. Sowohl diese Bibelstelle, wie auch die gesamte Lehre des Neuen Testaments, lassen keinen Zweifel, dass die Sünden vor der Bekehrung vollständig vergeben worden sind. Ist also jemand zum Zeitpunkt der Wiedergeburt bereits geschieden, darf ihm meiner Auffassung nach nicht auferlegt werden, dass es nur die Option gäbe, für immer alleine zu leben oder wieder zum Ex-Partner zurückzukehren. Wenn möglich würde ich das natürlich nicht ausschließen, doch in diesem Fall gilt es auch darauf zu achten, ob dadurch nicht die Anweisung: Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen (2.Kor 6,14), missachtet wird.

Soweit einmal zu den schriftgemäßen „Ausnahmen“, denn wie gesagt, Scheidung darf nie der Normalfall unter Christen sein, doch weil es diese Ausnahmen gibt, dürfen wir Geschiedenen nicht unnötige Lasten auferlegen, sondern müssen uns vorsehen, nicht in dieses Extrem zu verfallen, keine Ausnahme zu akzeptieren. Dies kann übrigens auch dann der Fall sein, wenn eine betroffene Person zu streng zu sich selbst ist. Denn es können nicht nur Außenstehende sein, die einem Dinge aufbürden, die Gott gar nicht erwartet, sondern es kann durchaus auch der Fall sein, dass man seinem Glück selbst im Wege steht.

Da auch Christen nicht vollkommen sind, möchte ich abschließend noch einige hilfreiche Gedanken von William MacDonalds weitergeben, der sich mit der schwierigen Frage auseinandergesetzt hat, was für Christen gilt, die sich aus schriftwidrigen Gründen scheiden lassen und dann wieder heiraten. Dabei wirft er die Frage auf: Können sie wieder in die Gemeinschaft der Gemeinde aufgenommen werden? Und führt dann weiter aus: Die Antwort beruht darauf, ob ein Fehltritt in Form eines einmaligen Ehebruchs oder ein weiterhin bestehendes ehebrecherisches Verhältnis vorliegt. Wenn dieses Paar im Ehebruch lebt, dann müssten sie nicht nur ihre Sünde bekennen, sondern auch ihren gegenwärtigen Partner verlassen. Aber Gottes Lösung für ein Problem besteht nie darin, schwierigere Probleme als vorher aufzuwerfen. Wenn Menschen, um einen ehelichen Konflikt zu entwirren, in Sünde getrieben oder Frau und Kinder ohne Geld und Obdach zurückgelassen würden, dann wäre die Heilung schlimmer als die Krankheit. Nach der Meinung des Autors können Christen, die sich unschriftgemäß haben scheiden lassen und dann wieder geheiratet haben, echte Buße von ihrer Sünde tun und wieder in die Gemeinschaft des Herrn und der Gemeinde aufgenommen werden. In Scheidungsfragen liegt fast jeder Fall anders. Deshalb müssen die Ältesten einer Gemeinde jeden Fall einzeln untersuchen und ihn gemäß dem Wort Gottes beurteilen. Wenn einmal Gemeindezucht geübt werden muss, dann sollten sich alle Beteiligten der Entscheidung der Ältesten unterordnen.3

Auch wenn diese Abhandlung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, so hoffe ich, dass sie hilfreich ist, um den biblischen Standpunkt zu diesem Thema zu vermitteln. Ich möchte niemand verurteilen, der geschieden ist, sondern nur eine Hilfestellung geben, um den Willen des HERRN diesbezüglich zu erkennen.

 

 

Quellangaben:
1. William MacDonalds – Kommentar zum Neuen Testament, S.45
2. https://zitatezumnachdenken.com/martin-luther/9425
3. William MacDonalds – Kommentar zum Neuen Testament, S.46
4. Jerry Bridges – Gott vertrauen, S.117

5. Ebd. S.119
6. Martyn Lloyd-Jones – Bergpredigt Band 1, S. 301/302
7. Ebd. S. 304/305
8. William MacDonalds – Kommentar zum Neuen Testament. S.47

 

 

 

Komplette Beitragsreihe als PDF 36 Seiten A4

 

 


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