und

Hosianna oder kreuzige ihn? I

Kostbar oder wertlos?  

Neu veröffentlicht am 20.03.2016

Eigentlich hatte ich ja vorgesehen die Beitragsreihe „Fluch oder Segen“ 14tägig fortzusetzen, doch als ich im letzten Teil etwas über den extremen Stimmungswechsel zwischen Palmsonntag und Karfreitag geschrieben habe, kam mir wieder ein Beitrag in den Sinn, den ich schon vor längerer Zeit veröffentlicht habe. Nachdem ich mir diesen Beitrag nochmal durchgelesen habe, kamen mir dazu einige neue Gedanken, daher habe ich mir überlegt, das Thema „Fluch oder Segen“ zu unterbrechen und dafür diesen Beitrag noch einmal neu zu veröffentlichen. Dies nicht zuletzt weil wir heute Palmsonntag haben und Karfreitag bevorsteht.

Wie schon im letzten Beitrag aufgezeigt, war der Stimmungswechsel zwischen Palmsonntag und Karfreitag so extrem, dass die anfängliche Begeisterung in Hass und Ablehnung umschlug. Begeisterung an sich, hat natürlich durchaus etwas Positives, doch es ist eben ein Unterschied, ob sie nur aus einer spontanen Euphorie entstanden ist, oder aufgrund wahrer Erkenntnis. Denn wenn es nur ein emotionales Stimmungshoch ist, kann sich das Blatt auch wieder sehr schnell wenden. Genauso ein Extrem, war die Reaktion auf Jesus. Als er auf einem Esel reitend nach Jerusalem einzog, hat ihm die Volksmenge noch begeistert zugejubelt: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!“ (Mk 11,9), doch am Karfreitag war die Stimmung schon ins komplette Gegenteil umgeschlagen, da schrien sie völlig aufgebracht: „Kreuzige ihn!“ (Mk 15,13).

So sehr sie Jesus zunächst verehrt hatten, so krass war am Karfreitag die Stimmung ins andere Extrem gekippt. Statt ihm zuzujubeln, forderten sie seine Hinrichtung. Am Palmsonntag hatten sie noch ihre Kleider auf dem Weg vor ihm ausgebreitet, und am Karfreitag haben die Soldaten, das Los um seine Kleider geworfen. Am Palmsonntag sahen sie in ihm einen, dem Verehrung gebührt, und am Karfreitag einen, der so verachtenswert war, dass er in ihren Augen den Tod verdient hatte.
Kommen wir mal kurz in unsere Zeit, wie sieht es denn da aus? Sicher, wir schreien nicht „kreuzige ihn“, aber nehmen wir mal ein Beispiel aus dem Sport: Wenn Fußballmannschaften gewinnen, dann werden die Spieler regelrecht vergöttert, doch wenn sie ein paar Spiele verlieren, dann sehen sie sich plötzlich einem gellenden Pfeifkonzert ausgesetzt. Oder denken wir an einen Trainer, der einst mit seinem Team die Meisterschaft errang und euphorisch gefeiert wurde. Nehmen wir an, es kommt eine Saison, in der sein Team eine Negativserie hinlegt und plötzlich mitten im Abstiegskampf steht. Nun fordern dieselben Fans, die ihn einst förmlich auf Händen trugen, seinen Rauswurf. Jetzt will man ihn nicht mehr feiern, sondern feuern. Warum dem so ist, liegt auch auf der Hand: Der Trainer wurde nicht um seiner Person willen verehrt, sondern nur um seines Erfolges willen. Bleibt der Erfolg aus, dann machen sich auch die Fans rar.
So ähnlich war es auch bei Jesus, man hatte gehofft, er würde das sichtbare Reich für Israel wiederherstellen (Apg 1,6). Man hatte gedacht, er würde die Feinde Israels zunichtemachen und sein Volk von der Herrschaft Roms befreien, doch weil der Zeitpunkt dafür noch nicht gekommen war, sagte er: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!“ (Joh 18,36).
So hatten sich die Hoffnungen Vieler zerschlagen, und plötzlich war er in ihren Augen nicht mehr der triumphale König, den sie huldigen und verehren wollten, sondern der Allerverachtetste und Unwerteste, einer den sie für nichts achteten. Jemand der in ihren Augen völlig wertlos war.

In der Überschrift habe ich die Frage gestellt: „Hosianna oder kreuzige ihn? Kostbar oder wertlos?“ Den himmelweiten Unterschied zwischen „Hosianna“ oder „kreuzige ihn!“, haben wir eben ein wenig beleuchtet, kommen wir nun zur Frage: „Kostbar oder wertlos?“
Für uns alle gibt es ja Dinge, die wir als besonders wertvoll erachten; und ebenso solche, mit denen wir nicht viel anfangen können. Die besonderen Dinge halten wir in Ehren, während die in unseren Augen wertlosen in der Mülltonne oder auf dem Sperrmüll landen. Doch wir machen diese Unterscheidung nicht nur bei materiellen Dingen, sondern auch bei Personen. Auch hier gruppieren wir ein, in wertvoll oder wertlos. Um hier ein Extrembeispiel zu nennen, möchte ich noch einmal auf den Fußball zurückkommen. Hier werden utopische Summen bezahlt, um Spieler zu verpflichten. Man spricht hier vom Marktwert eines Spielers. Die Liste in diesem Ranking wird derzeit von Lional Messi angeführt. Er hat einen aktuellen Marktwert von 120 Millionen Euro. Hier sehen wir, wie viel Wert ein guter Fußballspieler in unserer Welt hat. Wenn man das mal in Relation zu dem stellt, was Jesus, der Sohn Gottes, in unserer Welt für einen Wert hat, dann scheint es, als sei er nahezu wertlos. Denn jenen, die ihn beseitigen wollten, war er damals nur 30 Silberlinge Wert. Soviel bekam Judas für seinen Verrat. Der Grund warum ihn die Hohepriester überhaupt angeheuert hatten, bestand darin, dass sie Jesus ohne großes Aufsehen verhaften wollten. Denn es sollte nicht öffentlich, sondern klammheimlich geschehen (vgl. Mt 21,45-46). Daher kam ihnen einer wie Judas sehr gelegen, er wusste wo Jesus sich aufhielt. Er kannte nicht nur seine Gewohnheit, sich zum Gebet zurückzuziehen, sondern wusste auch den Ort. Und so verriet er seinen Herrn für 30 Silberlinge mit einem Kuss. Doch Gott war davon nicht überrascht, er hatte dies etwa 550 Jahre zuvor genauso durch den Propheten Sacharja wie folgt ankündigt: „Und sie wogen mir den Lohn dar, dreißig Silberstücke“ (Sach 11,12).

30 Silberstücke sind umgerechnet etwa 43 Euro, das war Jesus der damaligen Welt wert. Das ist nicht viel und noch schlimmer ist, dass es ein Kopfgeld war, es ging schließlich darum, ihn zu beseitigen. Man wollte ihn loshaben, weil er nicht ins Schema passte. Ist das nicht grotesk, wenn man bedenkt, dass er umhergezogen ist, um kranke Menschen zu heilen? Dass er sich immer für die anderen aufgeopfert hat und niemals irgendetwas Unrechtes getan hat? Niemals gab es einen Menschen, der mehr Mitgefühl, mehr Mitleid und mehr Liebe für seine Mitmenschen aufbrachte, als Jesus Christus, der Sohn Gottes.
Stellen wir uns auch vor Augen, was es ihn gekostet hat, Mensch zu werden: Er musste die Herrlichkeit, die er bei seinem Vater hatte aufgeben, und sich in die Hände seiner gefallen Geschöpfe begeben. Er bestand nicht darauf seine Vorrechte, die er als der Sohn Gottes hatte, festzuhalten, sondern lies den Glanz und den Reichtum des Himmels hinter sich. Anstatt sich wie ein König bedienen zu lassen, kam er, um uns zu dienen (vgl. Mt 20,28). Sein Geburtsort war nicht etwa ein prunkvoller Palast, sondern eine einfache Futterkrippe. Was für ein Kontrast, statt der Herrlichkeit des Himmels, nur ein ganz gewöhnlicher, schlichter Stall. Doch er nahm nicht nur diese Entbehrungen und Unannehmlichkeiten auf sich, sondern war auch von Beginn an, Verfolgungen und Anfeindungen ausgesetzt. Kaum war er im Stall von Bethlehem geboren, wurde bereits der erste Mordplan gegen ihn geschmiedet. Die Bibel berichtet von einem schrecklichen Kindermord. Als der König Herodes von der Geburt Jesus gehört hatte, fürchtete er um seinen Thron und da er nur den ungefähren Zeitpunkt der Geburt wusste, gab er den grausamen Befehl, dass in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Jungen bis zum Alter von zwei Jahren getötet wurden (vgl. Mt 2,16-17). 

Ein Engel, der Josef in einem Traum erschienen war, hatte ihn vor diesem teuflischen Plan gewarnt: "Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter mit dir und fliehe nach Ägypten und bleibe dort, bis ich es dir sage; denn Herodes will das Kind suchen, um es umzubringen!" (Mt 2,13). So flohen sie nach Ägypten und kehrten erst wieder nach Israel zurück nachdem Herodes gestorben war. Dort wuchs Jesus dann unter armen, bescheidenen Verhältnissen auf und war, wie schon gesagt, Anfeindungen und Widerspruch ausgesetzt. Der Hebräerbrief sagt diesbezüglich: Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst (Hebr 12,3). Dass ihm Widerspruch und Hass entgegnet wurde, wird auch durch eine Unterhaltung mit seinen Halbbrüdern deutlich in der er sagte: „Die Welt kann euch nicht hassen. Mich aber hasst sie, denn ich bezeuge von ihr, dass ihre Werke böse sind!“ (Joh 7,7).
Zum Zeitpunkt dieses Gespräches hatten ihn seine Halbbrüder, noch nicht als Messias erkannt, sondern im Gegenteil, sie zweifelten sogar an seinem Verstand und waren der Meinung, sie müssten ihn zurückhalten. Im Markus Evangelium heißt es dazu: Und als es die Seinen hörten, machten sie sich auf und wollten ihn festhalten; denn sie sprachen: Er ist von Sinnen (Mk. 3,21: 31). 
Trotz aller Widerstände, aller Ablehnung und aller Anfeindung führte er ein sündloses Leben und starb am Ende den qualvollen Tod eines Schwerverbrechers (vgl. 2.Kor 5,21).

Die Welt kann hier nichts erkennen, dass sie beeindruckt, für sie sieht es eher so aus, als sei Jesus gescheitert. So spotteten dann am Ende auch viele bei seiner Kreuzigung: „Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist Israels König, so steige er jetzt vom Kreuz herab, und wir werden an ihn glauben. Er vertraute auf Gott, der rette ihn jetzt, wenn er ihn liebt; denn er sagte: Ich bin Gottes Sohn“ (Mt 27,42-43).

Man sah in Jesus einen Verlierer, eine gescheiterte, verachtungswürdige Persönlichkeit. Man sah in ihm genau das, was Jesaja ca. 700 hundert Jahre zuvor prophezeit hatte: Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet (Jes 53,2-3).
Bis auf den heutigen Tag, hat sich daran nicht viel geändert. Auch in unserer Zeit, findet der Großteil der Menschheit keinen Gefallen an ihm. Jesus wird verachtet und verschmäht, er ist höchstens dafür gut, dass man auf seine Kosten ein paar Witze machen kann. Er ist gut für Satiren, um sich über ihn lustig zu machen, um ihn durch den Dreck zu ziehen; aber ansonsten kann man nicht viel mit ihm anfangen. Er wird als wertlos erachtet, völlig überflüssig, wer braucht ihn schon?

Doch egal was auch immer die gefallene Menschheit über ihn denken mag, entscheidend ist, was Gott der Vater über ihn sagt. Denn allein auf sein Wort kommt es an. Selbst wenn sich die ganze Welt gegen ihn verschwören würde, dann wäre dieser menschliche Aufstand nicht mehr, als ein Tropfen auf einem heißen Stein. Unsere persönliche Meinung hat hier weder Gewicht noch Bedeutung, wir sind abhängige Geschöpfe, deren Leben in der Hand ihres Schöpfers liegt. Und wenn dieser unser Schöpfer über Jesus sagt: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!“(Mt 17,5), wer sind wir, dass wir es uns erlauben können, diesen Christus zu ignorieren? Er ist der Sohn Gottes, der von den Toten auferweckt, zur Rechten Gottes sitzt, hoch über jedes Fürstentum und jede Gewalt, Macht und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht allein in dieser Weltzeit, sondern auch in der zukünftigen (Eph 1,21-22).

Hier sehen wir, wie gewaltig sich die Menschheit irrt, wenn sie diesen Christus, verächtlich als wertlos und unbrauchbar einstuft. Er ist nicht wertlos, sondern im Gegenteil: Er ist überaus kostbar (vgl 1. Pt 2,4-7) und daher lautet die alles entscheidende Frage: Wer ist dieser Christus in unseren Augen? Erachten wir ihn als wertlos, oder erkennen wir seine unübertreffliche Größe und Herrlichkeit?“ Denken wir, er sei nur einer von vielen Religionsstiftern gewesen, oder erkennen wir seine Einzigartigkeit? Ist uns bewusst, dass er der einzige Weg zu Gott dem Vater ist und dass wir in keinem anderen Namen das Heil finden? Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden (Apg 4,12). Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gab (1.Tim 2,5).
Für manche mag dies womöglich anmaßend klingen, bestürzt kommt vielleicht die Frage, was denn dann mit den anderen Religionen sei. Es kann doch nicht sein, dass Jesus der einzige Weg zu Gott ist. Doch ganz egal, ob es nun nach jedermann Geschmack ist oder nicht, genau das hat Jesus für sich beansprucht, unmissverständlich sagte er: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich!“ (Joh 14,6).

Spätestens hier wird deutlich, dass der Christus, der uns in der Bibel vorgestellt wird, polarisiert. Die einen sind ihm gefolgt, wo auch immer er gelehrt hat, und die anderen schmiedeten ständig Pläne, wie sie ihn beseitigen konnten. In unsere Zeit macht sich darüber wohl kaum jemand wirklich Gedanken, denn in unserer Zeit, hat Jesus leider noch weniger wert, als 30 Silberlinge. Den meisten Menschen ist er nämlich gar nichts wert, er ist ihnen völlig gleichgültig.
Doch wie kommt das, wie kann es sein, dass er uns gleichgültig ist? Eben habe ich noch behauptet, dass der Name Jesus polarisiert und nun spreche ich von Gleichgültigkeit. Nun ja, ich habe ja auch gesagt, dass der Jesus, der uns in der Bibel begegnet polarisiert. Diesem Jesus gegenüber kann niemand gleichgültig sein, gleichgültig kann man nur gegenüber dem Jesus sein, den große Teile der modernen Kirche uns als Jesus präsentieren. Einen Jesus, der immer lieb und nett ist, der immer zu allem Ja und Amen sagt, der sich immer anpasst, um es ja allen Recht zu machen. Einen der verzweifelt darum ringt, den Beifall der Masse zu bekommen, aber für den sich scheinbar kaum noch jemand interessiert. Offensichtlich können viele nichts mit Jesus anfangen, offensichtlich geht es einem Großteil unseres Volkes wie einst Pilatus, der aufgebrachten Menschenmenge mit der Frage:  „Was soll ich denn mit dem tun, den ihr den König der Juden nennt?“ (Mt 27,22), konfrontierte.
Erstaunlich dabei ist, dass zumindest das Volk wusste, wie man mit Jesus zu verfahren hat. Nicht dass ich es gutheißen will, es war ja schließlich der größte Justizirrtum der ganzen Menschheitsgeschichte, aber sie hatten zumindest eine Meinung und die lautete:„Hinweg mit ihm!“
Man muss sich das mal vorstellen, es gab zu dieser Zeit sogar den Brauch, dass zum Passafest ein Gefangener losgegeben werden konnte, doch als Pilatus das Volk vor die Wahl stellte, entweder Jesus; oder den aufständischen Mörder Barabbas zu begnadigen, da schrie die Masse des Volkes: Hinweg mit ihm, kreuzige ihn!“

Heute, könnte man meinen, würde so etwas nicht passieren, denn wir sind ja in einer aufgeklärten und toleranten Zeit. Doch liegt es wirklich an der größeren Toleranz, oder vielleicht daran, dass nicht mehr der Jesus verkündigt wird, der uns in den Berichten derer vorgestellt wird, die ihn wirklich gekannt haben, sondern ein anderer Jesus? (vgl. 2. Kor 11,4). Die Apostel jedenfalls zeigen uns einen Jesus, der von sich selbst sagte, dass er der Sohn Gottes sei, einer der sich auch nicht davor scheute Wahrheiten auszusprechen, die nicht nach jedermann Geschmack waren. Einer, der die Heuchelei der Pharisäer und Schriftgelehrten schonungslos aufdeckte. Oft und gerne wird über seine Seligpreisungen gesprochen, doch wer hat heute noch den Mut, über seine Wehrufe zu predigen? Kann es sein, dass wir uns unseren eigenen Jesus zusammengereimt haben? Kann es sein, dass wir von Generation zu Generation immer einseitiger mit Gottes Wort umgehen? Ist es nicht vielfach so, dass wir dazu neigen, positive Aussagen viel stärker zu betonen, als göttliche Unterweisungen und Mahnungen? Sprechen wir nicht viel häufiger über Gottes Liebe, als über seine Heiligkeit?
Sicher gibt es dem Herrn sei Dank, immer noch positive Ausnahmen, doch im Großen und Ganzen muss man leider feststellen, dass hier so einiges in Schieflage geraten ist. Von daher würden wir gut daran tun, wieder objektiver mit dem Wort Gottes umzugehen. Oder glauben wir wirklich, dass wir keine Unterweisung mehr nötig hätten? Bilden wir uns tatsächlich ein, wir hätten Belehrung und Ermahnung nicht mehr nötig? Ich für meinen Teil, kann dies jedenfalls nicht behaupten, mir geht es hier wie dem Apostel Paulus, der sagte: Ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist (Phil 3,13).

Das muss sich das mal vorstellen, der große Apostel, der bis in den dritten Himmel entrückt worden war (vgl. 2.Kor 12,3) hielt sich noch nicht für jemanden, der schon am Ziel war. Wer wäre ich, wenn ich so vermessen wäre, mir einzureden, ich sei schon vollendet? Sagt nicht die Schrift: Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist (1.Joh 3,2)? Nur wenn das unser Ziel ist, sind wir auf dem richtigen Weg, doch dieser Weg heißt: Nachfolge. Gerade in sogenannten christlichen Ländern, halten sich viele Menschen für Christen, doch offensichtlich wissen die Wenigsten, dass Christentum mehr ist als eine Staatsreligion ist. Es geht nicht darum, ob ich Kirchensteuer bezahle oder nicht, sondern um die Frage, ob ich ein Nachfolger von Jesus Christus bin. Und ihm nachzufolgen ist etwas anderes, als sich einzubilden ihm weit voraus zu sein. Von daher gilt es sicher zu gehen, ob wir ihm wirklich nachfolgen, oder ob wir ihm gar vorauseilen? (vgl. Lk 18,39; 1.Kor 4,8).

Mich erinnert dies an ein Erlebnis als unsere Kinder noch klein waren. Wir waren zum Wandern in den Bergen und mein Sohn war so voller Energie und Elan, dass er weit vorauseilte, ohne den Weg zu kennen. Wir haben gerufen, doch er hörte uns nicht. Unsere Hoffnung war, dass er wenigstens an der nächsten Weggabelung auf uns warten würde, doch leider vergeblich, er war weitergelaufen und wir wussten nicht, ob er den richtigen Weg genommen hatte, oder ob er in die falsche Richtung gelaufen war. Das dies gegen Ende der Tour war, und es schon auf den Abend zuging, war das eine ziemlich nervenaufreibende Suchaktion. Zum Glück ist alles gut ausgegangen, doch ich habe mich gewundert, dass er so unbekümmert vorrauseilte, ohne den Weg zu kennen.


Ist dies nicht treffendes ein Bild, für das unbekümmerte Christentum unserer Tage? Man ignoriert vielfach klare Weisungen der Schrift und wähnt sich dennoch auf dem richtigen Weg. Natürlich ist der Herr ist gerne bereit, uns den richtigen Weg zu weisen, doch wie soll das funktionieren, wenn wir uns einbilden, den Weg besser zu kennen, als er? Es ist ein großer Irrtum zu glauben, die Schrift sei uns gegeben, um uns auf unseren eigenen Wegen zu bestätigen, ihr Anliegen besteht darin, uns den Weg Gottes zu lehren. Darum wird uns 2. Timotheus 3,16 gesagt: Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit. Völlig zu Recht wird dieser Vers als Argument für die Inspiration der Heiligen Schrift angeführt. Doch dieser Vers macht nicht nur deutlich, dass die Autoren der Heiligen Schrift, vom Heiligen Geist inspiriert waren, sondern zeigt auch, wozu uns die Schrift gegeben ist. Ebenso wie alle Schrift von Gott eingegeben ist, gilt auch, dass alle Schrift nützlich ist zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit.

Wir denken heute gerne, man müsse es mit Überführung und Zurechtweisung nicht mehr so eng sehen und halten uns dabei sogar noch für aufgeklärt und Weise. Wir reden uns ein, Gottes Wort sei nicht so gewichtig und meinen tatsächlich, Gott würde es ohnehin nicht so genau nehmen. Man glaubt an den lieben Gott, der gerne mal fünf gerade sein lässt, doch ein Gott der heilig ist und der zu fürchten ist, das ist einem Großteil unserer aufklärten Christenheit fremd. Diese Gottesbild hält man für eine mittelalterliche Vorstellung, die man dank der Aufklärung überwunden hat. Man glaubt, man hätte sich weiterentwickelt und hält sich für klüger, doch Sprüche 1,7 macht deutlich, dass in Wahrheit das Gegenteil der Fall ist, denn da steht geschrieben: Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Die Toren verachten Weisheit und Zucht. Und einige Verse weiter lesen wir folgende Mahnung: Weil sie die Erkenntnis hassten und die Furcht des HERRN nicht erwählten, meinen Rat nicht wollten und all meine Zurechtweisung verschmähten, darum sollen sie essen von den Früchten ihres Wandels und satt werden an ihren Ratschlägen. Denn den Unverständigen bringt ihre Abkehr den Tod, und die Toren bringt ihre Sorglosigkeit um; wer aber mir gehorcht, wird sicher wohnen und ohne Sorge sein und kein Unglück fürchten (Spr 1,23-33).

Wahre Erkenntnis Gottes, führt immer zu Gottesfurcht. Wer Gott nicht fürchtet, kennt ihn allenfalls von Hörensagen. Wir können es durch die gesamte heilige Schrift hindurch beobachten, umso mehr jemand mit Gott in Berührung kam, umso mehr sich Gott jemand offenbarte, je größer war die Ehrfurcht vor Gott und Gottes Wort. Genau das fehlt jenen, die heute meinen, sie würden mit Gott auf du und du stehen. Wäre ihnen der Herr wirklich so oft erschienen, wie sie behaupten, dann würden sie sich nicht so leichtfertig über sein Wort hinwegsetzten.
Mir geht es hier nicht darum, eine neue Lehre aufzustellen, vielmehr besteht mein Anliegen darin, dass Wort Gottes unverfälscht weiterzugeben. Wenn ich über Jesus spreche oder schreibe, zählt für mich nur das, was die Bibel über ihn berichtet. Die Angabe der Bibelstellen dient dazu, dass jeder nachprüfen kann, ob das was ich schreibe, wirklich mit Gottes Wort übereinstimmt. Es geht auch nicht darum, dass ich mir einen Namen machen will, oder durch meine Seite Geld verdienen würde, nein, es geht darum, Jesus Christus so gut wie möglich bekannt zu machen und aufzuzeigen, dass er wirklich der Sohn Gottes ist. Er ist wirklich in der Lage ein Leben völlig zu erneuern. Egal wie hoffnungslos oder trostlos die Lage eines Menschen auch sein mag, er ist gekommen, damit wir das Leben haben. Wenn er in ein Leben kommt, wird buchstäblich alles neu (vgl. Offb 21,5). Man sieht das in all den Berichteten der Bibel und das Beste ist, man kann es im eigenen Leben erfahren.
Doch es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man Jesus kennt oder ob man nur mal irgendetwas über ihn gehört hat. Es gibt nämlich tausende von Meinungen über ihn und jeder sagt was anderes. Wer ihn wirklich kennen lernen will, musst auf das hören, was die über ihn gesagt haben, die ihm nahe standen - seine Jünger. Sie waren so von ihm begeistert, dass sie gar nicht anders konnten, als allen Leuten zu verkündigen, dass er der Sohn Gottes ist und dass wir nur in seinem Namen das Heil finden können. Als man verbieten wollte weiter über Jesus zu sprechen, sagten sie: Wir können's ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20).

 

So der Herr will, werde ich diesen Beitrag in Kürze fortsetzten, ehe ich dann, wie eingangs gesagt, das Thema „Fluch oder Segen“ fortsetzen möchte.

 

 

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