und

Großen Frieden haben, die dein Gesetz lieben

19.11.2016

Großen Frieden haben, die dein Gesetz lieben, und nichts bringt sie zu Fall (Ps 119,165)

 

Dies ist Teil eines erbaulichen Schriftabschnitts. Es handelt sich nicht nur um eine Aussage, wonach großer Friede über all jene kommt, die Gottes Gesetz lieben, sondern es ist Ausdruck einer Lobeshymne auf den Herrn. Wir können den Herrn nicht in einer besseren Weise preisen, als dass wir Dinge über ihn und sein Wort aussagen. Wenn ihr den Wunsch habt, Gott zu preisen, müsst ihr von ihm als dem sprechen, der er ist. Wollt ihr ein annehmbares Trankopfer vor ihm darbringen, müsst ihr das Gefäß mit ihm selbst füllen als Quelle aller Vortrefflichkeit. Unsere Lobgesänge sind einfach Kundgebungen dessen, was Gott ist – es kann keinen höheren Lobgesang geben. Sein Lobgesang kann nur sein eigenes Licht wiederspiegeln. Alle Herrlichkeit ist bereits in ihm, nichts kann ihm hinzugefügt werden.

Wenn wir ihn oder sein Gesetz verehren und ihm dafür danken, dass er uns sein Wort gegeben hat, können wir nicht anders als erkennen, wie das Gesetz das Herz verändert, und wir preisen ihn, weil dies so ist. Wir brauchen nicht schmeichelnde Titel anhäufen, wie Menschen es mit ihren Königen tun. Wir brauchen keine übertriebenen Ausdrücke erfinden. Wir müssen nur die einfache Wahrheit über Gott aussprechen, und wir haben ihn damit gepriesen.

Mit dem Wort „Gesetz“ an dieser Stelle sind nicht nur die Zehn Gebote gemeint, sondern die gesamte göttliche Offenbarung, wie es in Davids Zeit war und wie es heute ist. Was immer Gott offenbart hat, wird von heiligen Menschen geliebt. Dieses heilige Buch, das wir gewöhnlicherweise als Bibel bezeichnen, enthält Gottes Gedanken, die er als angemessen betrachtet, den Menschen zu offenbaren. Es ist das Gesetz der Heiligkeit als Leitlinie unseres Handelns, und es ist das Gesetz des Glaubens, durch das wir seine göttliche Gnade empfangen. Hier haben wir das Gesetz des Königreichs der Himmel, das Gesetz des Lebens in Christus Jesus. Als ein Gesetz der Werke überführt uns dieses heilige Buch von Sünde. Als Gesetz der Liebe führt es uns zu Jeus, um Vergebung durch sein Blut zu empfangen. In den Tagen Davids war das Gesetz ein weniger umfangreiches Buch als das unsrige heute, aber er fand großen Frieden, als er es las – es war selbst damals in der Lage, höchste geistliche Ziele zu erreichen. Wir haben dieses Buch in größerem Umfang, aber es ist ein und dasselbe. Das gleiche Evangelium ist in 1Mose wie in Matthäus. Das Alte Testament war in sich selbst vollkommen als das Gesetz des Herrn, und das Neue Testament ist nichts als die Erweiterung der gleichen alten Wahrheit, die das Alte Testament enthält. Wir erfreuen uns daran, dass unsere erweiterte Auflage des Wortes Gottes nichts enthält, was diesen großen Frieden, den die früheren Schriften hervorrufen konnten, geringer macht. Das Licht wird klarer, die Freude größer, und die Gründe für diesen großen Frieden werden deutlicher gesehen. Gottes Gesetz umfasst alle seine Prinzipien, und indem wir diesen folgen, haben wir Frieden im Gewissen. Es enthält alle seine Verheißungen, und diese sind unser großer Friede in der Stunde der Not. Und es enthält alle jene großen Lehren, die sich um das Kreuz Christi und den Bund der Gnade drehen, und jede dieser Lehren ist eine Quelle des Friedens für unsere Herzen. Wir nehmen dieses Buch als Ganzes, und auf diese Weise erlangen wir Frieden. Wir wagen es nicht, es in Stücke zu zerreißen, wir würden keinen Teil davon weglassen, damit wir nicht der gesegneten Auswirkung verlustig gehen, die es als Ganzes hervorbringen kann. Als Lernende sitzen wir zu den Füßen Jesu, unseres Meisters, und beugen unser Herz und unser Denken unter die unfehlbare Lehre des Heiligen Geistes, der in alle Wahrheit führt. Wir erleben, dass der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, unsere Herz und unser Denken in Christus Jesus bewahrt.

Drei Dinge im Text sind es wert, auf die man ernstlich achten sollte. Möge der Geist Gottes alles segnen, was wir sagen! Erstens, hier geht es um eine Person – „die dein Gesetz lieben“. Liebe ist in der Tiefe – sie ist im Herzen – sie ist nichts an der Oberfläche, sie ist dem eigenen Selbst des Menschen zueigen. Wie der Mensch liebt, so ist er. Gottes Gesetz zu lieben, heißt, dass das wahre Wesen und der Kern unseres Menschseins sich in einem rechten Zustand befindet. Das Wort zu lieben bedeutet mehr, als es zu lesen, obgleich wir es Tag und Nacht studieren sollten. Es bedeutet sogar mehr, als es zu verstehen. Denn das kalte Licht des Verstands ist von geringem Wert im Vergleich zu den warmen Sonnenstrahlen der Liebe. Viele verstehen zweifelsohne die Wahrheiten, die in Gottes Wort gelehrt werden, und sind auf diese Weise rechtgläubig in ihrem Bekenntnis. Aber ohne Liebe ist ihr Glaube tot. Du kannst das Gesetz Gottes nicht lernen, wie du die Naturgesetze lernst. Dein Herz muss von ihm ergriffen sein, und du musst ihm in deinem Leben gehorchen, oder du kennst es nicht wirklich. Nur derjenige, der den Willen Gottes tut, kann die Lehre erkennen. Bloßes Wissen bringt dem Menschen keinen Frieden. Die Wahrheit muss vom Kopf ins Herz gelangen, bevor ihre Macht erkannt wird. Einige versuchen das Gesetz des Herrn zu halten, indem sie das äußere Leben der Moral und Religion anpassen. Aber wie weit ist dies von der Liebe des Herzens entfernt. Sklavische Furcht und Angst vor Gott ist besser als völlig gleichgültig zu sein, aber es ist im Vergleich zur Liebe eine armselige Sache. Sklaven gehorchen ihren Meistern wegen der Peitsche, und viele folgen äußerlich dem Wort, weil sie im Geist geknechtet sind, was ihnen nicht erlaubt zu rebellieren. Aber es fehlt ihnen etwas – nichts am Glauben ist gesund, solange es nicht aus dem Herzen kommt.

Gott sagt: „Mein Sohn, gib mir dein Herz“, und er kann sich nicht mit weniger zufrieden geben. Prüft euch, meine Zuhörer, und erkennt, ob ihr wirklich das Gesetz des Herrn liebt. Derjenige, der das Wort liebt, würde nicht wollen, dass es verändert wird oder dass man ihm etwas hinzutut oder hinwegnimmt – für ihn ist es Offenbarung genug und nichts weiter. Denn er ist zufrieden mit dem, was Gott ihm nach seinem Willen lehrt. Wenn er auf irgendeinen Mangel an Zustimmung in seinen eigenen Gedanken in Bezug auf Gottes Gedanken trifft, verwirft er seine eigenen Gedanken und lässt stattdessen die göttlichen Gedanken deren Stelle einnehmen. Wie er mit Gott in Christus Jesus versöhnt ist, so ist sein Denken mit der Lehre versöhnt, gegen die er zuerst rebellierte. Er liebt das Gesetz des Herrn, so wie er es vorfindet. Und anstatt es zu richten oder sich anzumaßen, als Diktator zu bestimmen, wie es sein sollte, ist er demütig und sanftmütig und ruft aus: „Sprich, Herr, dein Diener hört.“

Er liebt jede Wahrheit, die der Herr verkündet – ja, und sogar den Stil und die Methode seiner Verkündigung. Jedes Wort von Gottes Buch klingt wie Musik in den Ohren, es ist schön in seinen Augen, es ist Honig für seinen Mund und Nahrung für seine Seele. Die Lehren von Gottes Wort sind dem unterwiesenen Gläubigen nicht nur Glaubensartikel, sondern lebendige Dinge. Unser Glaube saugt sie auf und unsere Erfahrung spiegelt sie wieder. Wir könnten auf alles verzichten außer auf das, was wir aus diesem heiligen Buch durch die Lehre des Heiligen Geistes gelernt haben. Denn dies fließt durch unsere Seelen wie das Blut durch unseren Leib, und es ist mit jedem lebenswichtigen Teil unseres Seins verflochten. Wie gewisse Insekten die Farbe der Blätter annehmen, die sie verspeisen, so sind wir bis ins Innere unserer Natur getränkt mit dem lebendigen und unzerstörbaren Wort. Es hat seine eigene Inspiration bewiesen, indem es uns mit seinem Geist inspiriert hat. Jetzt leben wir in dem Wort wie ein Fisch im Fluss. Es ist das Element unseres geistlichen Lebens.

Diese inwendige und geistliche Liebe für Gottes Wort schließt viele andere gute Dinge ein.

Lest den ersten Vers dieses Psalmabschnitts, den 161. Vers [Ps 119]: „Fürsten verfolgen mich ohne Ursache; aber vor deinem Wort fürchtet sich mein Herz.“ Die Liebe zu Gottes Gesetz schließt tiefe Ehrfurcht für es ein. Der Mann ist gesegnet, der vor Gottes Wort zitter. Dieses Buch kann nicht mit anderen Büchern verglichen werden. Es ist nicht in der gleichen Kategorie und Ordnung wie diese. Es ist inspiriert in einem Sinne, wie diese es nicht sind. Es ist einzigartig und kein anderes Buch ist ihm gleich. Wie die Alpen sich über einen Maulwurfhügel in der Wiese erheben, so erhebt sich die Heilige Schrift über die reinste, wahrste und heiligste Literatur, wie sie von Menschen verfasst wurde. Selbst wenn alle diese anderen Bücher von Irrtum gereinigt und im höchsten Maße dem menschlichen Wissen entsprechend korrigiert werden, würden sie dennoch nicht dem Buch Gottes gleichkommen, ebenso wenig wie der Mensch zu Gott werden kann. Es ist von höchster und anderer Qualität im Vergleich zu dem gesamten Rest von ihnen. Wir fühlen uns frei, andere Schriften zu kritisieren, aber „vor deinem Wort fürchtet sich mein Herz.“ Der Mensch, der Gottes Wort liebt, achtet es nicht gering. Es ist zu heilig, dass man mit ihm spiele. Er verspottet es nicht. Denn er glaubt, dass es Gottes Wort ist. Mit einer Fügsamkeit, die wahre Sohnschaft mit sich bringt, ist es für ihn genug, dass sein Vater so gesprochen hat. Seine einzige Furcht ist, die Bedeutung der Worte seines Vaters so weit wie möglich zu begreifen – und in diesem Wissen ist jede Debatte ausgeschlossen. „So spricht der Herr“ ist für jedes wahre Gotteskind der Schlusspunkt. Ich habe euch, meine lieben Freunde, oft gesagt, dass ich die schwierigen Stellen in der Heiligen Schrift als Betpulte betrachte, wo ich meine Knie beuge und den herrlichen Herrn anbete. Was wir mit unserem Verstand nicht erfassen können, erfassen wir mit unserer Hingabe. Gottesfurcht ist ein Hauptelement in dieser Liebe zu Gottes Gesetz, die großen Frieden bringt. Dies führt zur Freude daran. Lies Vers 162: „Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute findet.“ Wie ein Eroberer in der glücklichen Stunde des Sieges beim Verteilen der Beute ausrufen, so freuen sich Gläubige an Gottes Wort. Ich kann mich daran erinnern, wie ich als Jugendlicher große Freude hatte, als sich mir die Lehren der göttlichen Gnade Schritt für Schritt erschlossen durch den Geist der Wahrheit. Ich habe nicht sofort die ganze Kette dieser kostbaren Wahrheit erfasst. Ich wusste, dass Jesus an meiner Stelle litt und dass ich im Glauben an ihn Frieden fand. Aber die tiefen Dinge des Gnadenbundes erschlossen sich mir eines nach dem anderen, so wie es bei Nacht ist, wenn du erst einen Stern sieht, dann einen weiteren und nach und nach ist der ganze Himmel übersät mit ihnen.

Als mir zum ersten Mal klar wurde, dass das Heil ganz aus Gnaden war, was für eine Offenbarung war dies! Ich erkannte, dass Gott mich geschaffen hatte, um mich von anderen zu unterscheiden – ich maß mein Heil gänzlich seiner freien Gunst zu. Ich begriff, dass es auf der Grundlage der Gnade, die ich empfangen hatte, eine Absicht gegeben haben muss, dass diese Gnade gegeben wurde, und dann erfüllte die herrliche Tatsache einer Erwählung aus Gnaden meine Seele wie ein Strom von Freude. Ich erfasste, dass die Liebe Gottes zu den Seinen ohne Anfang war – eine grenzenlose, unergründliche, unendliche, nie endende Liebe – die jedes erwählte Gefäß der Gnade von der Gnade in die Herrlichkeit führt. Was für ein Gott ist der Gott der souveränen Gnade! Wie erfreute sich meine Seele, als ich den Gott der Liebe in seiner Souveränität, seiner Unveränderlichkeit, seine Treue und seiner Allmacht erkannte!

„Dir, Herr, ist keiner gleich unter den Göttern“ (Ps 86,8). So wird sich jeder neue Bekehrte hier freuen, wenn er das Gesetz des Herrn liebt, so dass er fortfährt, es zu studieren und durch den Heiligen Geist Erleuchtung in Bezug auf das Gesetz zu empfangen. In dem Maße, wie das Gotteskind in die tiefen Dinge Gottes hineinschaut, wird es bereit werden, vor Freude in die Hände zu klatschen. Es ist ein kostbares Gefühl, zu empfinden, dass du wächst. Bäume, so gehe ich davon aus, wissen nicht, wenn sie wachsen, aber Männer und Frauen wissen es – wenn das Wachstum geistlich ist. Wir scheinen in einen neuen Himmel und eine neue Erde einzugehen, wenn wir Gottes Wahrheiten erkunden. Ein neuer Gast ist gekommen, um in unserem Denken zu leben, und er hat Festmähler mit sich gebracht, die wir nie zuvor geschmeckt haben.

O wie glücklich ist der Mann, bei dem die Heilige Schrift das Denken für die unschätzbaren Kostbarkeiten öffnet! Wir wissen, dass wir Gottes Wort lieben, wenn wir uns an ihm erfreuen können! Wir wünschten, dass wir jedes Krümmel der Schrift sammeln könnten und Nahrung in seinen kleinsten Teilen finden. Selbst seine bitteren Tadel sind uns süß. Ich würde sogar die Füße der Schrift küssen und sie mit meinen Tränen waschen!

Ach, wie könnte ich in einem Gedanken, geschweige denn in einem Wort, gegen es sündigen. Die kleinen Dinge Gottes sind kostbarer als die großen Dinge der Menschen. Die Wahrheit Gottes ist keine Bagatelle für jemanden, der sich seinen Weg zu ihr erkämpft hat und in der Schule der Bedrängnis gelernt hat.

Beschönigungen, Erklärungen und Verteidigungsschriften können aus den besten Motiven heraus gemacht werden. Aber zu oft erwecken sie bei den Gegnern den Eindruck, dass man zugibt, Gottes allerheiligstes Wort enthält etwas, was zweifelhaft oder schwach oder überholt ist. Es sieht so aus, als ob man es mit menschlicher Weisheit verteidigen muss. Brüder, das Wort des Herrn kann alleine stehen, ohne die Stütze, die ihm viele geben wollen. Diese Stützen gehen dahin, und dann denken unsere Gegner, dass auch das Buch dahingeht.

Das Wort Gottes kann für sich selbst Sorge tragen und wird es tun, wenn wir es predigen und aufhören, es zu verteidigen. Siehst du den Löwen? Um ihn zu erhalten, haben sie ihn in einen Käfig gesperrt – ihn hinter eisernen Gittern eingeschlossen, um ihn vor seinen Feinden zu bewahren! Siehe, wie bewaffnete Männer sich versammelt haben, um den Löwen zu schützen. Was für ein Gedröhn sie mit ihren Schwertern und Speeren sie machen! Diese mächtigen Männer wollen einen Löwen verteidigen. O Toren und Kleinmütige! Öffnet die Türe! Lasst den Herrn der Wälder frei. Wer wird es wagen, ihm zu begegnen? Was kümmert er sich um deine Beschützer? Lasst das reine Evangelium ausgehen mit all seiner löwengleichen Majestät, und bald wir es sich seinen Weg bahnen und sich seiner Widersacher entledigen. Ja, ohne den Versuch, sich für die ernsteren Wahrheiten der Offenbarung zu entschuldigen, preisen wir sieben Mal am Tag den Herrn dafür, dass er uns sein Rechtssprüche gegeben hat, die so gerecht und gewiss sind.

Diejenigen, die Gottes Wort lieben, werden darüber nachsinnen und es zur rechten Hand machen. Was für ein Begleiter ist die Bibel! Sie spricht mit uns auf unserem Weg, sie unterhält sich mit uns in unserem Bett – sie kennt uns durch und durch und hat für jede Situation des Lebens ein passendes Wort. So können wir nicht lange sein, ohne die liebende Stimme unseres Geliebten in diesem Buch der Bücher zu hören. Ich hoffe, wir erkennen, was für ein Mensch im ersten Psalm beschrieben wird. „Er hat seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz nachsinnt Tag und Nacht. Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen …“ (Ps 1,2-3). Liebe zu Gottes Wort schafft großen Mut, es zu verteidigen. Es ist wunderbar, wie selbst die schüchternsten Geschöpfe ihre Jungen verteidigen, wie selbst eine Henne zu einem fürchterlichen Vogel wird, wenn sie sich um ihre Kücken sorgt, in gleicher Weise werden ruhige Männer und Frauen für den ein für allemal den Heiligen überlieferten Glauben kämpfen und werden nicht gefügig unterwerfen, wenn sie sehen, wie die Wahrheit Gottes durch die Jagdhunde des Irrtums und Heuchelei in Stücke gerissen wird.

Die Liebe zum Gesetz Gottes bringt Bußfertigkeit hervor, wenn man gegen es gesündigt hat, sowie Beharrlichkeit in Gehorsam gegenüber ihm. Es gebiert auch Geduld im Leid, denn es führt den Menschen dahin, dass er sich dem Willen Gottes, den er so sehr liebt, unterwirft. Er sagt: „Es ist der Herr. Lass ihn tun, was ihm gut erscheint.“ Das Wort Gottes bringt Heiligung hervor und fördert diese. Jesus sagte: „Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit“ (Jo 17,17). Du kannst die Schrift nicht emsig studieren und sie lieben von ganzem Herzen, ohne dass dein Denken und Handeln von ihr gewürzt und gesüsst wird. Eine Milde und Freundlichkeit wird durch den echten Klang des Wortes in deinen Geist eingegossen. Eine heilige Zartfühligkeit und Behutsamkeit im Verhalten wird dein tägliches Leben umgeben in dem Maße, in dem dein Denken sich in die Schrift vertieft. Lasst mich, meine geliebten Freunde, euch anbefehlen, dass ihr mit dem Gesetz des Herrn lebt, bis selbst die Menschen der Welt erkennen, dass ihr eine kostbare Gemeinschaft pflegt. Das billige Leben der meisten Menschen sind der passende Ausdruck des Unrats, den sie lesen. Ein Leben, das sich von Romanen ernährt, ist ein Leben als Roman. Ein Leben, das sich von göttlichen Tatsachen nährt, wird ein Leben göttlicher Tatsachen werden.

Ich habe keine Zeit, euch all den lieblichen Nutzen des Gesetzes des Herrn zu zeigen – es trägt viel zur Bildung eines vollkommenen Charakters bei. Keine verändernde Kraft ist mehr zu erstreben als die des Wortes des Herrn, indem man es liebt. Allerdings muss ich hinzufügen, dass es das Werk des Heiligen Geistes ist, wenn in einem von uns die Liebe zum Gesetz des Herrn ist. Das Natürliche liebt Gott nicht, und folglich liebt es nicht Gottes Gesetz. Die menschliche Natur steht in offener und aktiver Rebellion gegen alles, was von dem dreimal heiligen Gott angeordnet oder anempfohlen ist. Wenn du also Gott und sein heiliges Gesetz liebst, war der Heilige Geist am Wirken in dir. Und diese neue Liebe ist Beweis, dass du eine neue Schöpfung bist. Die alte Natur liebt alles, was von der Erde irdisch ist. Es ist alleine das neue und himmlische Leben, das die himmlischen Dinge schätzen und lieben kann. Meine Brüder und Schwestern, lasst eure Liebe zum Gesetz der Beweis eurer Wiedergeburt sein – ihr seid von der Finsternis in sein wunderbares Licht versetzt – denn ihr liebt das Licht. Lasst dies Beweis für eure Erwählung sein – ihr hättet Gott und sein Gesetz nie gelebt, wenn er euch nicht zuerst liebte. Was kann eure Liebe zu Gott sein als eine Wiederspiegelung seiner Liebe zu euch? Hört ihn sagen: „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt“ (Jes 31,3). Erkenne auch in dieser Liebe zu Gottes Gesetz den prophetischen Hinweis auf deine endgültige Vollkommenheit. Wir halten das Gesetz nicht, wie wir es sollten. Aber wenn wir begehren es zu halten, wird es zum eigentlichen Gesetz unseres Lebens, das unseren Willen stärkt. Gibt es ein starkes und leidenschaftliches Begehren, Gottes Wort in allen Dingen zu akzeptieren und ihm zu gehorchen, sowie durch es im Denken und im Leben verwandelt zu werden, wird dieses Begehren letztlich den Sieg erringen. Mache guten Gebrauch vom Schwert des Geistes, was ist Gottes Wort – und versetze der Sünde durch die Kraft deiner Liebe scharfe und schwere Stöße, und du wirst siegreich sein, bis jeder Gedanke unter den Gehorsam des Gesetzes Christi gekommen ist.

Jeder muss irgendwo Unfehlbarkeit finden. Einige denken, sie finden sie beim Papst in Rom, andere träumen davon, dass sie sie in sich selbst finden – die zweite Vorstellung ist nicht weniger wahr als die erste. Andere von uns glauben, dass Unfehlbarkeit im Wort Gottes zu finden ist – dieses Buch ist für uns die letzte Instanz. Wenn Gottes Heiliger Geist uns in alle Wahrheit leitet, wie er sie in diesem Buch geoffenbart hat, haben wir die volle Gewissheit, dass wir die Wahrheit Gottes kennen, und wir sprechen aus Erfahrung, wenn wir sagen, dass der liebende Glaube an das Wort uns großen Frieden in unserem Denken bringt. Mir ist es egal, was vermeintliche Philosophen entdecken mögen – sie können nichts Wahres entdecken, was im Widerspruch zu Gottes Wort steht. Ich weiß, dass ich das verkünde, was für meinen Nächsten im höchsten und besten Sinne das Beste ist, wenn ich keine Theorie äußere, sondern die Offenbarung vom Himmel darlege.

Diejenigen, die Gottes Wort lieben, haben zudem großen Frieden, der aus einem ruhigen Gewissen kommt. Das Gewissen ist eine fürchterliche wilde Bestie, wenn sie geweckt und gereizt wird durch ein Empfinden von Sünde. Nichts als die großartige Lehre des stellvertretenden Opfers Christi wird das Gewissen wirksam und hinreichend beruhigen. Wenn wir erkennen, dass Gott all unsere Vergehen auf seinen eingeborenen Sohn legte, und dass die Strafe zu unserem Frieden von ihm als unser Stellvertreter abverlangt wurde, dann lächelt das Gewissen über uns.

Wenn Gott zufrieden gestellt ist in Bezug auf unsere Sünden, dann sind auch wir zufrieden. Wir sehen in dem Opfer unseres Herrn Jesus Christus das, was Gottes Gerechtigkeit Genüge tun muss, und darum empfängt unser Gewissen eine sichere und heilige Ruhe, und wir haben Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir die Erlösung empfangen haben. Und das gleiche Gewissen bringt großen Frieden, wenn es von Erneuerung im Herzen und im Leben zeugt. Wenn ein Mensch in seiner eigenen Seele weiß, dass er begehrt zu tun, das recht ist in den Augen Gottes, und dass er nach einem reinen, gnadenreiche, sinnvollen Leben trachtet, hat er großen Frieden, wenn andere ihn lächerlich machen. Wenn du deinen eigenen Weg gehst und unehrlich aus Eigennutzen handelst, wird Friede nicht in dein Herz einziehen. Aber wenn du Gottes Gesetz liebst und strikt integer wandelst, wirst du in deinem Innern einen Engel des Friedens haben, der dich in der Stunde der Not tröstet. Das Zeugnis eines guten Gewissens ist wie das Lied der Engel unter den Hirten Bethlehems.

Geliebte, was für ein Friede die Liebe zum Wort in das Herz bringt! Jedes Herz braucht ein Objekt der Liebe. Wie viele Herzen wurden gebrochen, weil die geliebten Dinge ihnen Enttäuschung brachte oder sich als falsche Hoffnung erwiesen? Aber wenn du Gottes Wort liebst, wird deine Liebe nicht für ein unwürdiges Objekt verschwendet. Sie bringt dich in die Nähe Christi und du liebst ihn inniglich, und ganz gleich wie sehr dein Herz an ihm hängt, du bist immer sicher. Jesus ist seinen Freunden niemals ein Judas. Jesus kann nicht zu sehr geliebt werden, und folglich hat das Herz großen Frieden, wenn es zu ihm kommt.

Gottes Wort zu lieben bringt großen Frieden, was unsere Wünsche angeht. Du wirst nicht nach Reichtum streben, wenn dir das Wort besser ist als feinstes Gold. Du wirst nicht den Ehrgeiz haben, unter Menschen zu leuchten, wenn dir das Wort des Herrn ein Königreich ist, das groß genug ist. Deine Wünsche werden von wahrer Weisheit geleitet, wenn dein Herz vom Wort des Herrn, das reichlich in dir wohnt, in Beschlag genommen wurde. Wenn Christus selbst in uns alles in allem ist, haben wir den Anker im Hafen des Friedens geworfen. Wenn unsere Wünsche auf der Weide zu den Füßen des großen Hirten gestillt werden, hört unser Ehrgeiz auf, und wir bleiben daheim in Frieden.

Zufrieden mit einem Mahl an Kräutern in der Gemeinschaft unseres Herrn, sehnen wir uns nicht länger nach einem Ochsen des Bösen, der in seinen Wegen Reichtum erwirbt. Das Gesetz zu lieben bedeutet Habsucht abzulegen, und endet die Habsucht, kommt großer Friede.

Wenn wir Gottes Gesetz lieben, ergreifen wir den Frieden, indem wir uns Gott ganz hingeben, wir fügen uns seinem Willen und wollen ihm genügen. Es ist nutzlos, mit Gott zu streiten. Lasst mich weitergehen und sagen – es ist eine Schande, undankbar und böse – für ein Gotteskind, dies zu tun. Wenn wir uns Gott gänzlich hingeben, wird das Betrübnis unserer Seele eine Ende haben. Der Stachel unseres Elends ist unsere Rebellion gegen den göttlichen Willen. Wenn wir Gottes Wort innig lieben, haben wir Gefallen an Verfolgung, Drangsal, und Krankheit, da sie uns die göttlichen Weisheiten lehren und uns die verborgenen Belange des Geistes eröffnen. Unser Denken ist Gott nahe, und es hat Gefallen an allem, was ihm gefällt, dass wir nicht begehren, weniger zu leiden oder weniger schwach zu sein oder weniger versucht zu werden, als Gottes Wille es uns auferlegt. Das Gesetz und den Geber des Gesetzes zu lieben geht weite Wege in der Liebe zu allem, was er bestimmt und verordnet. Und dies ist ein Garten des Friedens für alle, die ihn kennen.

Ferner bringt die Liebe zum Wort ein frohes Vertrauen an Gott hervor, was die Dinge der Vergangenheit, der Gegenwart und Zukunft angeht. Was immer der Herr tut oder zulässt, muss richtig sein oder sich als recht erweisen. „Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind“ (Rö 8,28). Dies ist ein Glaube, der Friede atmet. Wenn wir Gottes Wort lieben, sehen wir Gott am Anfang aller Dinge, Gott am Ende aller Dinge und Gott in der Mitte aller Dinge. Und wenn wir den, den wir lieben, als gegenwärtig betrachten, hören die Gedanken der Angst auf. „Wie ein entwöhntes Kind ist meine Seele still in mir“ (Ps 131,2). Über einen solchen Menschen steht geschrieben: „Seine Seele wird im Guten wohnen“ (Ps 25,13). Den Herrn, den er sich zu seinem Hirten erwählt, lässt ihn auf grünen Weiden lagern, und er bittet um nichts weiter.

Ferner, der Mann, der Gottes Gesetz liebt, ist nicht getroffen, wenn er alleine steht. Für einige Personen ist es unmöglich, einen einsamen Weg zu gehen, aber derjenige der wirklich Gottes Gesetz, hat sich entschieden, dass er dem Herrn und seiner Wahrheit anhängen wird, wenn alle Menschen ihn verlassen. Kannst du alleine stehen? Kränkt dich Einsamkeit? Was mich angeht, ich bin entschieden durch Gottes Gnade, nicht der Menge zu folgen, die Böses tut. Ich werde mich an den alten Glauben und den alten Weg halten, selbst wenn ich keinen Begleiter zwischen hier und den himmlischen Toren finde. Ich denke nicht, dass ein Mensch Gottes Wort tief liebt, bis es in ihm einen eigenständigen Frieden hervorbringt, so dass er sich nicht mehr aus sich selbst nährt und das Wasser aus den Zisternen eigener Erfahrungen trinkt. Paulus war nicht verletzt, obgleich ihm bei seiner ersten Rede niemand beistand. Was haben wir mit anderen Menschen zu schaffen als Unterstützer unseres Glaubens? Sie stehen und fallen ihrem eigenen Herrn. Was unseren Meister im Himmel angeht, lasst uns ihm folgen im Leben und im Sterben. Denn zu wem sonst sollten wir gehen? Nur er hat Worte ewigen Lebens. Ich bete, dass Gott, der Heilige Geist, euch führe anzunehmen, was Gott geoffenbart hat, und dass ihr euch unter die höchste Majestät seines Wortes beugt – insbesondere unter die Macht und Gnade des fleischgewordenen Wortes, unter den Herrn Jesus Christus. Dann wirst du für diese und die nächste Welt großen Frieden haben. Gott segne euch, Geliebte, um Christi willen. Amen.


 

Charles Spurgeon, The Lover of God’s Law filled with Peace. Predigt im Metropolitan Tabernacle, 22. Januar 1888.

Ursprüngliche Quelle und Dank: distomos.blogspot.commehr dazu unter dem Vorwort

www.evangeliums-botschaft.de

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