und

Gesunde Lehre ist unverzichtbar

07.12.2016

Bis ich komme, sei bedacht auf das Vorlesen, das Ermahnen und das Lehren.

1.Timotheus 4,13

 

Auf welche Weise lehrt der Heilige Geist? Er lehrt zweifelsohne hauptsächlich durch das Wort und unserer eigenen Vertrautheit mit diesem Wort. Aber wenn es ihm gefällt, einer Person eine Wahrheit Gottes zu offenbaren, und ich lese diese Wahrheit, die diese Person vertritt, nicht in der Schrift, dann ist sie nachlässig mit der Lehre des Geistes Gottes umgegangen. Was die Wunder unseres Heilands angeht gab es nicht eines, das nicht notwendig war. Er hat nie ein Wunder vollbracht, das man nicht aufgrund der gewöhnlichen Naturgesetze hätte wirken können. So verhält es sich mit der Lehre des Heiligen Geistes – ich habe kein Recht zu erwarten, dass der Geist mir Wahrheiten offenbart, ohne in der Bibel zu lesen, denn er will, dass ich sie in der Bibel finde. Der Heilige Geist hilft unserer Schwachheit , aber nicht unserer Faulheit. Er wurde uns zu einem Zweck gegeben, damit er uns helfe, wenn wir schwach sind, aber nicht, dass wir uns unserer Trägheit ergeben.

Ich hatte manchmal die unsägliche Qual, eine Predigt zu hören, die angeblich vom Heiligen Geist eingegeben war, aber aus welcher klar hervorging, dass der Prediger nie zuvor über das Thema, über welches er sprach, nachgedacht hatte – und ich kann nur sagen, dass ich nicht vermochte, irgendetwas schönes an der Predigt zu finden, und ich konnte ferner überhaupt etwas entdecken, was diese Predigt zur einer Quelle der Erbauung machte und einer Predigt überlegen war, die von jemand anders vorbereitet worden war. Ich dachte, ich habe eine ganze Menge Anzeichen menschlicher Unwissenheit bemerkt – aber nur einige sehr wenige Hinweise auf das Wirken des Heiligen Geistes. Sollten wir uns nicht stets daran erinnern, dass der Heilige Geist sein eigener Ausleger sein muss, wenn wir die Heilige Schrift richtig verstehen wollen? Was Vorsehung angeht heißt es in einem Lied: „Gott ist sein eigener Ausleger, und er wird es offenbaren“ – und das verhält sich gewiss so mit der Schrift. Kommentatoren und Ausleger sind in der Tat sehr hilfreich, aber der beste Ausleger ist stets der Autor des Buches selbst. Hätte ich ein Buch, das ich nicht ganz verstehe, wäre es eine große Erleichterung, wenn der Autor in meiner Nachbarschaft wohnen würde, denn dann könnte ich zu ihm gehen und ihn fragen, was er meinte. Genau in dieser Position bist Du als Christ! Die Bibel wird dir manchmal Kopfzerbrechen bereiten, aber der göttliche Autor, der weiß, was sie bedeutet, ist allezeit bereit, dir ihre Bedeutung aufzuschließen. Er wohnt in dir und wird mit dir sein, und Christus Jesus sagte: „Wenn der Heilige Geist kommt, wird er euch in alle Wahrheit leiten.“

Gottes Wort zu verstehen reicht indes nicht aus. Wir bedürfen auch, dass er uns seine Kraft erfahren lässt. Wie können wir dies erreichen außer durch den Heiligen Geist? Dein Wort hat mich erquickt, o Gott, aber dies geschieht nur, wenn Gott mich durch sein Wort erquickt. Das Wort Gottes muss wörtlich genommen werden, aber es ist der Buchstabe, der tötet. Nur der Geist gibt Leben, und vortrefflich wie seine Aussagen sind, haben die Worte in sich selbst keine geistige Kraft, es sei denn, dass der Heilige Geist sie erfüllt; andernfalls werden sie zu Quellen ohne Wasser und zu Wolken ohne Regen. Ist es dir nicht oft so ergangen? Ich spreche nun deine eigene Erfahrung an. Du hast manchmal einen Abschnitt der Schrift gelesen und dieser schien zu leuchten, dein Herz brannte in dir, und du hast gesagt, dass Gottes Wort in Kraft zu dir kam. Alles hängt vom Heiligen Geist ab, der durch das Wort spricht, denn selbst das Licht des Wortes Gottes ist in einem großen Maße nichts als das Mondlicht. Das bedeutet, es ist eine Wiederspiegelung des Lichtes, das von Gott selbst ausgeht, der die einzige wahre Quelle des Lichts ist. Wenn Gott das Wort nicht erleuchtet, wenn wir es lesen, dann erleuchtet uns das Wort nicht, sondern wird für uns zu einem dunklen Wort, oder wie jemand sagte, es wird „vielmehr zu einer Verdunkelung als zu einer Offenbarung; Gott wird vielmehr vor uns verborgen, als dass er uns geoffenbart wird.“ Leser, richte den Blick nach oben! Das nächste Mal, wenn du die Bibel in die Hand nimmst, richte deinen Blick nach oben, bevor du sie öffnest, und während deine Augen Zeile für Zeile einer Seite lesen, richte deinen Blick nach oben und bete, dass Gott diese Zeilen erleuchtet! Und wenn du am Ende eines Kapitels angelangt bist und die Bibel zur Seite legst, nimm dir eine Minute Zeit, nochmals den Blick nach oben zu richten und um seinen Segen zu bitten. Wenn wir uns beim Lesen der Schrift doch immer an den Heiligen Geist erinneren würden. Wenn wir keinen anderen Nutzen aus dem Lesen der Schrift haben würden als nur diesen, dass wir unsere Seelen dazu bewegen, über den einen gepriesenen Gott nachzusinnen, dann wäre dies für sich selbst genommen ein unschätzbarer Segen! Lies die Schrift also, indem du über sie nachdenkst, und rufe dir ihren großen Verfasser in Erinnerung.

Keine geistige Übung ist heute mehr aus der Mode gekommen wie das Nachsinnen! Und doch ist dies, um Brookes Aussage zu gebrauchen, „eine Pflicht, die die Seele fett macht.“ Das Vieh frisst das Grass, aber die Nährstoffe nimmt es durch das Wiederkäuen auf. Das Lesen ist die Sammlung unserer Nahrung, aber das Nachsinnen ist das Wiederkäuen, das Verdauen, die Einverleibung der Wahrheit Gottes. Ich ergreife die Wahrheit, wenn ich lese, aber ich finde das reine Gold darin, wenn ich darüber nachsinne. Ruth sammelte die Ähren, aber danach drosch sie den Weizen. Der Leser ist der Sammler, aber derjenige, der nachsinnt, ist der Drescher. Aus Mangel an Nachsinnen geht die Wahrheit Gottes verloren. Unser trügerisches Gedächtnis ist wie ein Sieb – und was wir hören und was wir lesen geht verloren, und nur wenig bleibt zurück; und dieses wenige ist für uns oft nutzlos aufgrund unseres Mangels an Fleiß, gründlich damit umzugehen. Oft empfinde ich es als sehr profitabel, morgens einen Schrifttext als ein süßes Häppchen unter meiner Zunge zu haben, um diesen Geschmack, sofern es mir gelingt, den ganzen Tag in meinem Mund zu schmecken. Es gefällt mir, den Text in meinem Denken immer und immer wieder zu bewegen, denn jeder einzelne Text der Schrift wird sich dir wie ein Kaleidoskop erweisen. Drehe es in die eine Richtung und du sagst: „Was für eine schöne Wahrheit Gottes ist dies!“ Drehe es in eine andere Richtung, und du siehst die gleiche Wahrheit unter einem anderen Blickwinkel. Drehe sie nochmals in eine andere Richtung – und tue dies den ganzen Tag – und du wirst erstaunt und erfreut sein, wie viele Lichtstrahlen aus der gleichen Wahrheit hervorgehen, und welch wunderbare Mannigfaltigkeit und Verknüpfungen du darin entdecken kannst. Wenn du dies den ganzen Tag getan hast, wirst du zu dem Empfinden kommen müssen, dass selbst ein einzelner Text Unendlichkeit enthält, so dass du ihn niemals gänzlich verstehen kannst, sondern du wirst erkennen, dass er immer jenseits deines Verständnisses bleibt. Gib bei einem Abschnitt der Schrift nicht zu schnell auf, wenn du nicht sofort seine Kraft und Fülle begreifst. Das Manna, das in der Wüste vom Himmel fiel, war nur einen Tag lang süß – wenn es einen zweiten Tag aufgehoben wurde, zerfrassen es die Würmer und es stank. Aber eine Portion des Manna, die in einem goldenen Behälter in die Bundeslade gelegt wurde, verlor niemals ihre Süße und ihren himmlischen Nährgehalt. Und es gibt einen Weg, wie man die wertvollen Abschnitte in Gottes Wort, die uns heute gegeben sind, in einer Weise bewahrt, damit du vierzig Tage lang, gestärkt durch diese, kraftvoll voranschreiten kannst und Tag um Tag, und sogar Monat um Monat, frische Nahrung im gleichen Text finden kannst. Dies kann jedoch nur erreicht werden, wenn man über einen Text der Schrift nachsinnt.

Und gewiss ist Gottes Wort überströmend an Wohlgeruch, aber erst dann, wenn der Wohlgeruch durch ehrfürchtiges und liebevolles Nachsinnen entlockt wird. Du kannst die Süße und den Wohlgeruch aus Gottes Wort erst dann empfangen, wenn du es mit dem Stößel deines Nachsinnens im Mörser deiner Gedanken immer wieder zerkleinert hast. Also sinne über dies nach! „Aber wie können wir nachsinnen“, mag jemand fragen, „wenn wir an so viele Dinge denken müssen?“ „Eines aber tut not“, und es ist notwendig, dass ein Christ über die Dinge Gottes nachsinnt. Ich weiß, dass du dich in deinen Gedanken mit vielen Dingen beschäftigen musst, und ich kann nicht von dir verlangen, dies nicht zu tun, aber wann immer du Zeit zum Ausruhen hast, lass deine Gedanken in dein wahres Heim einkehren. Die Vögel des Himmels sammeln den ganzen Tag über ihre Nahrung, aber nachts finden sie auf einem Ast Ruhe; wenn das Geschäft des Tages erledigt ist und das tägliche Brot verdient wurde, fliege zu deinem Nest und lass deine Seele Ruhe finden in einem kostbaren Abschnitt von Gottes Wort. Auch während des Tages, wann immer du Ruhe von all deinem Mühen hast, richte dein Sinnen nach oben – und es wird dir helfen, dies zu tun, wenn du einen Text nimmst und ihn zu Flügeln machst, die es dir ermöglichen, zu fliegen und über himmlische Dinge nachzusinnen. Lese und sinne nach!

Lies die Bibel nicht als ein Buch für andere Leute. Lies sie nicht nur, um zu sagen: „Ja, sie ist wahr, sehr wahr. Ich glaube, dass ihre Lehren die Offenbarung des unfehlbaren Geistes von Gott selbst sind.“ Sondern strebe danach eine Seite der Schrift zu lesen, indem du stets erkennst, wie sehr sie dich angeht. Viele unter euch finden in der Schrift sehr wenig, außer dass sie Drohungen enthält. Betet zu Gott, dass er euch hilft, das Gott euch selbst den Ernst der Drohungen empfinden lasst, denn wenn ihr heute die Drohungen innerlich tief erfassen könnt, mögt ihr nach und nach von ihrer tragischen Erfüllung befreit werden! Wenn ihr vor Gottes Wort zittert, werdet ihr niemals unter der Hand Gottes zittern müssen. Wenn ihr heute innerlich erfasst, dass Gottes Zorn kommen wird, werdet ihr den Zorn in der kommenden Welt nicht erfahren müssen. Bittet Gott, dass seine Drohungen euch leiten werden, dass ihr eure Sünden hinter euch lasst, und dass ihr zur Vergebung in Christus geleitet werdet. Sodann, wenn ihr über die biblischen Berichte über das menschliche Herz und über den Sündenfall, über das Übel und die Verderbtheit unseres Wesens lest, seht und erkennt euch wie in einem Spiegel und sagt von jedem Mensch, über deren Sünde ihr hört: „Ich bin ein solcher Mensch wie dieser war, und falle ich nicht in genau dieselbe Sünde, besteht doch in meinem Herzen die Möglichkeit und Gefahr, dass mir dies ebenso geschieht, es sei denn Gottes Gnade bewahrt mich davor.“ Nehmt euch diese Erzählungen zu Herzen und lernt daraus, damit sie euch entweder ermutigen oder warnen.

Was Lehre angeht, vergiss nicht, dass eine Lehre tötet, es sei denn, sie wird von dir persönlich erfahren. Ich habe einige gekannt, die große Freude an der Lehre der Erwählung hatten, die selbst nicht erwählt waren, und einige, die über die Lehre der Rechtfertigung aus Glauben sehr erfreut waren, aber die nicht den Glauben hatten, um gerechtfertigt zu werden! Ich habe auch einige gekannt, die sich der Lehre des Ausharrens [Unverlierbarkeit des Heils] rühmten, aber die, sofern sie bis zum Schluss ausharrten, gewiss in der Hölle landeten, denn sie waren auf dem Weg dorthin. Es ist das eine, die Wahrheiten Gottes zu kennen und für diese mit der Verbissenheit und Bitterkeit eines Streitsüchtigen zu kämpfen, aber es ist eine ganz andere Sache, diese zu genießen als unser eigenes Erbe und unser ewiges Erbteil! Bitte den Herrn, dir die Wichtigkeit aller Wahrheiten zu zeigen, und gib dich nicht zufrieden, bis dir diese Wahrheiten persönlich wichtig geworden sind. Dies soll insbesondere mit den Verheißungen so sein. „Ich werde euch nicht verlassen, noch euch versäumen.“ Nun, dies ist eine sehr schöne Verheißung, aber wenn sich diese so liest: „Ich werde dich nicht verlassen, noch dich versäumen“, zu was für einer umgestalteten und herrlichen Verheißung wird sie sodann! Der starke alte Luther pflegte zu sagen: „Der ganze lebendige Glaube ist in den persönlichen Fürworten.“ Ist das nicht so? „Wenn du durchs Wasser gehst, so will ich bei dir sein, und wenn durch Ströme, so sollen sie dich nicht ersäufen“ (Jes 43,2). O wahrlich, solch eine Verheißung ist wie die Trauben von Eschkol, aber sie befindet sich im Tal von Eschkol, und ich kann sie dort nicht greifen. Die Verheißung wird dann Wirklichkeit, wenn die Trauben mich dort erreichen, wo ich gerade bin, und wenn ich diese empfange und mich selbst an ihrer köstlichen Süße erfreuen kann.

Achte darauf, die Gebote zu tun. Einige halten stets danach Ausschau, was die Pflichten anderer Leute sind, und sie sind große Richter und Kritiker über das, was andere tun. „Wer bist du, dass du jemanden richtest?“ Jeder steht und fällt seinem eigenen Herrn. Erkenne, welche Gebote für dich selbst bindend sind, und dann, als Kind Gottes, eile schnell, um seine Gebote zu tun. Lies die Bibel wie ein Mann das Testament seiner Angehörigen liest – um herauszufinden, welches Vermächtnis für ihn dort zu finden ist. Behandle die Bibel wie ein Kranker das Rezept des Arztes gebraucht – befolge die Anweisungen, indem du persönlich tust, was dir angeordnet wurde. Bitte Gott, dass deine Bibel nicht zur Bibel eines anderen wird, sondern dass sie deine Bibel bleibt – Gottes eigenes Reden an deine Seele über die Dinge, die dir Frieden schenken.

Lese die Bibel und handle danach. Wenn du dies nicht tust, liest du zu deinem eigenen Gericht! Wenn du liest „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet“ und du glaubst nicht, dann bist du „schon gerichtet“ (Jo 3,18), weil du nicht an den Sohn Gottes geglaubt hast. Das Evangelium ist allen Menschen eine sehr ernste Sache; wenn es nicht ein Wohlgeruch des Lebens zum Leben (2Kor 2,16) ist, dann muss es stets einen anderen Geruch haben – es wird zu einem Geruch des Todes zum Tode! Einige lesen scheinbar die Bibel, um zu erkennen, wie man nicht danach handelt – je mehr Gott gebietet, desto ungehorsamer sind sie. Obgleich er sie zu sich zieht, wollen sie nicht zu ihm kommen. Und wenn er sie ruft, antworten sie nicht. Ein jämmerliches, jämmerliches Herz ist das, welches das Wort so gebraucht, dass die Sünde noch schwerer wird. Unser Leben sollte eine neue Übersetzung der Bibel sein – und wenn Gottes Gnade reichlich darin ist, wird es so sein. Setzt die Bibel in die Umgangssprache um. Der Christ ist die Bibel des Weltmenschen. Der Weltmensch liest nie die Bibel, aber er liest den Jünger Christi, und er bildet sich ein Urteil über den christlichen Glauben anhand des Lebens derer, die den christlichen Glauben bekennen. Die Welt wird besser lernen und wahrscheinlich eher zur Erkenntnis Christi kommen, wenn das Leben der Christen besser ist, und wenn die Bibel des christlichen Lebens mehr mit der Bibel der christlichen Lehre übereinstimmt. Gott, mache uns heilig! Heilige uns, an Geist, Seele und Leib, und dann werden wir in einer feinen Art und Weise sowohl der Gemeinde als auch der Welt dienen. Lies und handle danach! Aber wir werden nur dann in der Lage sein, dies zu tun, wenn uns der Heilige Geist helfen wird.

Lies und bete. Dies bedeutet zu lesen und vom Heiligen Geist abhängig zu sein. Aber ich will euren Seelen einen ganz anderen Punkt vor Augen stellen. Martin Luther sagte, er habe mehr durch das Gebet gelernt als durch irgendeine andere Weise. Eine Schriftstelle wird sich dir oft eröffnen, wenn du darüber betest. Handle nach der Schriftstelle, und du wirst sie verstehen. Ich gehe davon aus, dass ein Mann, der Anatomie studiert und niemals im Leben einen Leib gesehen hat, niemals in der Lage sein wird zu wissen, wofür ein bestimmtes Band oder ein Knochen ist – aber wenn er jenen Leib bewegen könnte, dann mag er verstehen, wozu all die verschiedenen Teile gebraucht werden, vorausgesetzt dass er in der Lage ist, diese zu sehen. Also wenn eine Schriftstelle sozusagen tot vor uns liegt, mag es sein, dass wir sie nicht verstehen, aber wenn der Text durch Gebet lebendig wird und wir ihn umsetzen, verstehen wir ihn prompt. Wir mögen einen Text mit einem Hammer bearbeiten, manchmal durch Nachsinnen, und den Hammer immer wieder ansetzen, und doch mag er sich uns nicht erschließen, aber wenn wir zu Gott rufen, öffnet sich ein Text augenblicklich, und wir erkennen darin die wunderbaren Schätze göttlicher Weisheit und Gnade, die darin verborgen sind.

Aber das Gebet sollte nicht allein dazu dienen, eine Schriftstelle zu verstehen. Ich denke, wir sollten über einer Schriftstelle beten, damit wir daraus lernen, was Gott uns mitteilen will. Eine Schriftstelle ist wie eine Schatzkiste, die verschlossen ist, und Gebet ist der Schlüssel, um sie zu öffnen, und dann empfangen wir den Schatz Gottes. Die Schriftstelle ist Gottes Brief reich an liebevollen Worten, aber das Gebet muss das Siegel des Briefes brechen. Wenn das Lesen sich mit Gebet verbindet, und das Gebet sich mit dem Lesen, dann geht eine Person mit ihren beiden Füßen, der Vogel fliegt mit seinen beiden Flügeln. Nur zu lesen bringt keinen Nutzen, zu beten ohne zu lesen, kann die Seele nicht so reich machen, aber wenn wir beides tun, wird es sein wie wenn Pferde den Streitwagen ziehen, und sie kommen rasch sehr fröhlich auf ihren Wegen voran. Christ, lies und bete! Aber achte darauf, dass du nicht liest, ohne das Gelesene mit deinem Gebet zu bewässern. Paulus mag pflanzen und Apollos mag bewässern, aber Gott schenkt das Wachstum. Und selbst in diese

Lese und erprobe, was du hörst. Erprobe, was du bekennst. Erprobe, was du liest. Ein Goldschmied besitzt Flaschen mit Säure, mit denen er alles erprobt, was ihm zum Ankauf angeboten wird, um zu prüfen, ob es sich um Gold oder lediglich um eine Fälschung handelt. Und ein Christ sollte Gottes Wort in seinen Händen halten und in als Schatz in seiner Seele bewahren, um damit alles zu prüfen, was er hört. „Prüft alles, das Gute behaltet“ (1Thess 5,21). Viele Hörer glauben alles, was gesagt wird aufgrund der Person, die ihnen etwas verkündet. Das ist nicht die Gesinnung Christi. Wir sollten nichts als lebendige christliche Wahrheit annehmen, es sei denn sie ist uns von oben gesandt worden. Und wie sehr wir einen Pastor oder Lehrer respektieren mögen, dürfen wir unser Urteilsvermögen wegen einer Person nicht aufgeben, um deren Lehre anzunehmen, nur weil diese Person sich entschieden hat, diese zu vertreten. Alles, was sich als Wahrheit Gottes ausgibt, das dir verkündet wird, mag es noch so glänzen vor Redekunst und mag es noch so vernünftig und richtig klingen, muss an der Schrift geprüft werden. Es ist jedoch sehr schwer, die Menschen zu bewegen, dies zu tun. In dem Augenblick, in welchem du ihnen sagst, dies zu tun, scheinen sie sich einzubilden, dass du aus finsteren Motiven heraus handelst.

In Bezug auf unseren christlichen Glauben gibt es einen Konservativismus in unserem Wesen, der an und für sich gut wäre, wenn er von einem anderen Prinzip in die Ausgewogenheit geführt würde: Festzuhalten an dem, von dem ich weiß, dass es richtig ist, aber bereit zu sein, alles zu empfangen oder alles zu tun, was Gott mich lehren möge, dass ich es empfangen oder tun solle - das ist noch richtiger. Ich muss wissen, an was ich festhalte, ansonsten könnte ich mich an dem verletzen, an dem ich mich festhalte und was ich gelernt habe.

Die Frau aus Samaria sagte: „Unsere Vorväter haben Gott auf diesem Berg angebetet.“ Dies ist das Argument von vielen Leuten. „Unsere Vorväter haben es so oder so gemacht.“ Dies wäre ein Hauptargument, das davon ausgeht, dass unsere Vorväter immer Recht hatten, aber ein sehr absurdes Argument, wenn wir davon ausgehen, dass sie falsch handelten. Ich hoffe, dass wir nicht sind wie dieser frühe Sachse, der fragte, wohin sein Vater und alle seine Vorfahren gegangen sind, und als man ihm sagte, dass sie zweifelsohne alle verloren waren, antwortete er dem Missionar, dass er lieber an den Ort kommen wolle, wo seine Vorfahren sind, als Christ zu werden und sich von ihnen zu trennen. Es gibt eine Reihe von Leuten, die scheinbar diese Überzeugung in sich haben und sich darin rühmen. Ihre Vorfahren glaubten dies oder jenes, und sie haben den Wunsch, ihnen nachzufolgen. Es gibt viele, die Glaubenslehren bekennen, die sie niemals selbst erkannt haben und die sie nicht wirklich verstehen und begreifen. Sie hatten die Schale, aber sie erreichen niemals den Kern.

Verhält es sich heute Abend nicht so mit vielen unter uns? Wenn dir eine Lehre Gottes durch den Kopf geht, finde eine Schriftstelle oder Schriftstellen, die sie beweist. Wenn es scheinbar andere Schriftstellen gibt, die in eine andere Richtung weisen, zerstückle und zerteile sie nicht, sondern akzeptiere alles und warte bis der Heilige Geist dir offenbart, worin sie alle übereinstimmen. Die Schrift muss nicht deine Meinung bestätigen, sondern deine Meinung muss sich dem gesegneten Wort unterordnen.

Es gibt eine Fabel über einen törichten Gärtner, der einen Baum hatte, welcher ein seltsames Wachstum aufwies. Der Gärtner wollte den Baum nicht beeinträchtigen und baute also eine Mauer um ihn herum, damit der Baum an dieser Mauer entlang wachse. Ich denke, der Mann ist bei weitem weiser, der keine Mauer baut und stattdessen den Baum beschneidet. Es gibt Leute, die eine Begabung haben, die Schrift zu verändern, damit diese sich ihrer Sichtweise anpasst, indem sie ein Wort streichen, ein anderes auslassen, oder die Bedeutung einer Schriftstelle völlig verändern, obgleich jeder weiß, dass all dies erzwungen und unnatürlich ist, oder sie basteln solange an einer Schriftstelle herum, bis sie die andere Bedeutung oder Eigenart annimmt, die ihnen passt. Das ist nicht Ehrfurcht. Das ist nicht die Art und Weise, wie man Gottes Wort behandeln sollte.

Gottes Wort ist kein Stück Wachs, das wir nach unseren Vorstellungen – oder den Vorstellungen irgendwelcher anderer Leute – formen können. Wenn kein anderer sagt, was er meint, Gott sagt immer, was er meint. Er will nicht, dass wir in einer Sprache sprechen, die ein halbes Dutzend verschiedener Bedeutungen hat – und Gott selbst spricht nicht in dieser Weise. Er spricht so klar, dass es nicht schwierig ist zu wissen, was Gott meint, wenn wir offen sind und wissen wollen, was er meint – insbesondere wenn wir diesbezüglich vor Gott treten. Lasst uns sodann diesen Rat annehmen und die Geister prüfen, ob sie von Gott sind, und lasst uns wie die edlen Beröer die Schrift durchforschen, ob es sich so verhält; also lasst uns die Schrift lesen und lasst uns prüfen, was wir lesen.

Lies die Bibel und erzähle weiter, was du gelesen hast. Dies wird ein effektiver Weg sein, um das Gelesene im Gedächtnis zu behalten. Wenn du einen Abschnitt in der Schrift liest und dich daran erfreust, geh zu deinem kranken Nachbarn und erzähle ihm, was Gott dir gesagt hat. Wenn du einen unwissenden triffst und du weißt etwas über Gott, teile ihm dies mit. Die Nationen werden durch den Austausch mit Handel bereichert, und das gleiche gilt für Christen. Wir alle haben etwas, das andere nicht haben, und andere besitzen, was wir nötig haben. Lasst uns miteinander Handel treiben. „Da besprachen sich die miteinander, welche den Herrn fürchteten“ (Mal 3,16), und es ist eine gute Sache, dass sie dies taten. Unsere Gespräche sind zu oft sehr frivol – es gibt viel Spreu und wenig Weizen. Wenn wir mehr über die Schrift sprechen würden und dies als eine Gewohnheit unter Christen einrichten könnten, würden wir schneller wachsen und stärker werden, und wir wären in den Dingen des Königreich Gottes weiser.

Ich kenne eine Person, die als junger Mann den ganzen Tag bis zum Abend die Bibel las, und dann predigte er jeden Abend. Die Verkündigung am Abend von dem, was er über den Tag gelesen hatte, prägten die Wahrheiten Gottes in sein Denken ein und waren für ihn von unsagbarem Nutzen. Wenn du eine Stunde lang die Bibel gelesen hast, verbringe eine weitere halbe Stunde damit, einem Kind oder einem Diener oder einem Suchenden oder einem kranken Heiligen das mitzuteilen, das dich bereichert und dir geholfen hat. Ich kann euch, jedem einzelnen, meine lieben Brüder und Schwestern, die ihr Mitglieder dieser Gemeinde seid, nur sehr ans Herz legen. Viele Bekehrungen gehen auf persönliche Aktivitäten unserer Gemeindemitglieder zurück. Gott gehört unser Dienst, aber ihm gehört auch dein Dienst. Es ist in unseren Gottesdienst eine Freude, wenn Bekehrte kommen und sagen, dass dass gepredigte Wort von der Kanzel ein Segen für sie war, und doch denke ich, dass sie genauso oft sagen, dass es das Wort Gottes war, das im Unterricht oder in den Kirchenbänken weitergegeben wurde, sie segnete – denn nicht wenige unter euch sind Fremden zu geistlichen Eltern geworden. Es ist natürlich so, dass, wenn du nichts weißt, dann kannst du nichts weitergeben. Wenn du niemals etwas gelesen hast, was durch den Segen Gottes deine eigene Seele mächtig erfasst hat, versuche nicht, mit anderen zu sprechen. Es muss zuerst etwas in deiner eigenen Seele begonnen haben, aber wenn du mit der göttlichen Wahrheit in persönlichen Kontakt gebracht wurdest, lasst den ersten Impuls eurer Seele sein: „Erzähle allen Sündern, welch lieblichen Heiland du gefunden hast.“ Die Frau von Samarien ließ ihren Wasserkrug zurück und ging in die Stadt und sagte: „Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe! Ob dieser nicht der Christus ist?“ (Jo 4,29). Meine Lieben, lasst uns das gleiche tun. Ich weiß von keinem lebendigen Ding, selbst von einer Wildblume in der Hecke, das nicht versucht, die Existenz seiner Art aufrechtzuerhalten. Der Fingerhut verstreut seinen Samen am Hang, ganz gleich wie klein die Pflanze sein mag, sie versucht, sich selbst zu reproduzieren. So ihr Christen, die ihr das edelste Werk Gottes seid, ihr solltet euch nicht zufrieden geben, bis euer Leben sich beständig um die Wahrheit Gottes dreht, die euch lebendig wurde und für andere zum neuen Leben wird.

Was für eine herrliche Krone und welch herrlicher Abschluss für diesen Abendgottesdienst wäre es, wenn wir von Gott gebraucht würden, eine Seele aus der Finsternis ins Licht zu führen und aus der Sklaverei in die Freiheit. Wir können dies nicht selbst tun, aber Gott vermag uns dabei zu helfen. Würdet ihr nicht eine Meile laufen, ja viele Meilen, um dies zu erreichen? Nun, du musst keine Meilen laufen. Es ist möglich, dass genau die Person, die heute abend neben dir sitzt, die Person ist, die Gott vorherbestimmt hat, gesegnet zu werden und von dir gesegnet zu werden. Auf jeden Fall versuche es. Nichts wird umsonst sein, viel kann gewonnen werden. Warum hat Gott dich die Wahrheit gelehrt? Zu deinem eigenen Nutzen? Ja, aber du sollst nicht selbstsüchtig sein. Sei zumindest so selbstlos wie die drei Aussätzingen, die, als sie das Lager in der syrischen Wüste fanden und die Fülle an Gold und Silber, sagten: „Wir handeln nicht recht. Dieser Tag ist ein Tag guter Botschaft; so kommt nun, wir wollen gehen und es dem Haus des Königs melden!“ (2Kö 7,9). Lieber Freund, du handelst nicht gut, wenn du die Bibel nur für dich selbst liest. Wenn du die Bibel gelesen hast, geh hinaus und teile anderen mit, was du gelesen hast, und der Segen wird dein eigenes Herz erreichen, selbst wenn er andere nicht erreicht. Und du wirst gesegnet sein, und Gott wird verherrlicht werden.


 

Charles H. Spurgeon, ursprüngliche Quelle und Dank: distomos.blogspot.com

mehr dazu unter dem Vorwort

www.evangeliums-botschaft.de

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