und

Fixpunkte der Wahrheit

 

Ein Christentum, das nur Begeisterung kennt und wenig Unterweisung, mag vorübergehend von Nutzen sein; aber für das ewige Leben müssen wir jene großen Lehren kennen, die dem Evangelium zugrunde liegen.
Ich erzittere, wenn ich höre, wie ein Mann die fundamentalen Prinzipien des Evangeliums nach und nach aufgibt, und sich dabei seiner Freiheit rühmt.
Ich höre sie sagen: „Ich habe meine Ansichten, und andere haben ebenso das Recht, ihre Ansichten zu haben.“ Das mag stimmen für bloße „Ansichten“, aber von der Wahrheit selbst, die von Gott geoffenbart wurde, dürfen wir in dieser Weise nicht sprechen. Die Wahrheit ist eins und unveränderlich, und wir alle müssen sie annehmen.
Es geht nicht um deine Ansicht von Wahrheit, denn dies ist ein trübes Licht; sondern es ist die Wahrheit selbst, die dich erretten wird, wenn du sie im Glauben annimmst.

Ich bin sofort bereit, meine Art und Weise, wie ich eine Lehre formuliere, aufzugeben, aber die Lehre selbst gebe ich nicht auf. Ein Mann mag die Wahrheit in der einen, ein anderer in einer anderen Weise darbieten; aber die Wahrheit selbst darf niemals preisgeben werden.
Der Geist der liberalen Schule raubt uns alles, darunter die Gewissheit. Ich würde gerne einige der großen Männer dieser Schule nach ihrer Meinung fragen, ob es wert ist, für irgendeine Lehre der Schrift zu sterben und ob die Märtyrer nicht große Narren waren, wenn sie ihr Leben für nichts als Ansichten ließen, die richtig oder falsch sein könnten?Dieses liberale Kirchendenken reißt steinerne Mauern ein; der Teufel und seine ganze Gefolgschaft wird in die Gemeinde Gottes eindringen und ihr großen Schaden zufügen, sofern er nicht gestoppt wird. Eine legere Haltung in Glaubensfragen richtet in der Gesinnung jedes Menschen großes Unheil an.

Kürzlich traf ich einen Mann, den man der Intoleranz bezichtigte, und ich sagte: „Gib mir deine Hand, alter Gefährte. Ich habe Gefallen daran, mich von Zeit zu Zeit mit intoleranten Menschen abzugeben, denn diese feinen alten Kreaturen werden immer seltener, und der Stoff, aus dem sie gestrickt sind, ist so gut, dass mehr Männer und weniger Weichlinge unter uns wären, wenn es mehr von diesen gäbe.“
In der letzten Zeit haben wir kaum Männer mit Rückgrat erlebt; die meisten gehören der Rasse der Quallen an. Ich habe Zeiten erlebt, in denen ich sagen musste:“ „Seid frei, und entledigt euch aller Enge; aber jetzt muss ich meinen Appell ändern und ausrufen: Bleibt beharrlich in der Wahrheit.“

Der Glaube, der ein für alle Mal den Heiligen überliefert wurde, ist heute für mich umso erstrebenswerter, da er als eng bezeichnet wird, denn ich bin der Weite überdrüssig, die von zerstörten Hecken kommt. Es gibt Fixpunkte der Wahrheit und bestimmte Gewissheiten des Glaubens, und wehe dir, wenn du es zulässt, dass diese Steine der Mauer fallen.
Ich befürchte, dass die Trägen eine große Schar bilden und dass Zeiten kommen werden, in denen man die Lauheit bereuen wird, die von dieser nachlässigen Generation so gern gesehen wurde. (1)

 

Wahrheiten, die geglaubt werden müssen

Es gibt eine Reihe von Wahrheiten, die geglaubt werden müssen; sie sind grundlegend für das Heil, und, sofern sie nicht mit ganzem Herzen angenommen werden, wird die Seele ruiniert werden. Nun in der Urgemeinde sagten die Heiligen nicht, wie die Scheinheiligen von heute es tun: „Wir müssen sehr barmherzig sein und dem Bruder seine Meinung lassen; er sieht die Wahrheit von einem anderen Standpunkt und drückt diese mit anderen Worten aus, aber seine Meinung ist ebenso gut wie unsere, und wir dürfen nicht sagen, dass er sich im Irrtum befindet.“

Das ist eine gegenwärtig in die Mode gekommene Art, die göttliche Wahrheit zu verdrehen und es allen recht zu machen. Auf diese Weise wird das Evangelium abgewertet, und ein „anderes Evangelium“ wird verkündigt. Ich würde gerne den modernen, toleranten Geistlichen fragen, ob es eine Lehre irgendeiner Art gibt, für die der Mensch bereit sein müsste, sich verbrennen zu lassen oder für sie ins Gefängnis zu gehen. Ich glaube, dass sie keine Antwort darauf hätten, denn wäre ihre Weitherzigkeit korrekt, dann wären die Märtyrer Toren höchsten Grades… Für sie ist schwarz und weiß die gleiche Farbe, sofern man sie nur aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Ja und Nein sind ihrer Meinung nach ebenso gleich. Ihre Theologie verändert sich wie Goodwin Sands [Sandbänke im Kanal für Dover, berüchtigt für Schiffbrüche], und sie betrachten Standhaftigkeit als Scheinheiligkeit. Irrtümer und Wahrheit sind im Kreise ihrer Barmherzigkeit ebenso miteinander vereinbar.

Die Apostel betrachteten den Irrtum nicht auf diese Weise. Sie rieten nicht zur weitherzigen Barmherzigkeit gegenüber der Falschheit oder bezeichneten den Irrlehrer nicht als einen Mann tiefer Gedanken, dessen Ansichten „erfrischend originell“ waren; noch weniger äußerten sie einen so bösen Unsinn über die Möglichkeit, den Glauben in ehrlichem Zweifel zu leben. Sie glaubten nicht daran, dass man durch Zweifel zur Rechtfertigung kam, wie unsere Theologen es tun; sie zielten auf die Umkehr des irrenden Bruders, sie behandelten ihn als eine Person, die bekehrt werden muss; und sie sahen in ihm auch einen Menschen, der, sofern er sich nicht bekehren würde, seine Seele dem Tod preisgeben würde.

Es gab nicht so viele oberflächliche Leute wie unsere kultivierten Freunde der „modernen Schule“, die letztlich gelernt haben, dass die Göttlichkeit Christi in Frage gestellt werden kann, das Werk des Heiligen Geistes ignoriert werden kann, die Inspiration der Schrift verworfen werden kann, der Erlösung kein Glaube geschenkt werden kann und die Wiedergeburt verworfen werden kann, und doch kann dieser Mann, der alle diese Dinge tut, als guter und sehr frommer Gläubiger gelten! (2)

 


1. Charles Spurgeon,Predigt: The Broken Fence, ca. 1888, erstmals 1913 veröffentlicht.

 

2. Charles Spurgeon, The Soul Winner, Kapitel 15.

 

Ursprüngliche Quelle und Dank: distomos.blogspot.commehr dazu unter dem Vorwort

 

 

www.evangeliums-botschaft.de

Nach oben