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Gleichnis vom Hochzeitsmahl - die moderne Version

 24.03.2018


Und Jesus begann und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sprach: Das Reich der Himmel gleicht einem König, der für seinen Sohn das Hochzeitsfest veranstaltete. Und er sandte seine Knechte aus, um die Geladenen zur Hochzeit zu rufen; aber sie wollten nicht kommen. Da sandte er nochmals andere Knechte und sprach: Sagt den Geladenen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet; meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit! Sie aber achteten nicht darauf, sondern gingen hin, der eine auf seinen Acker, der andere zu seinem Gewerbe; die übrigen aber ergriffen seine Knechte, mißhandelten und töteten sie. Als der König das hörte, wurde er zornig, sandte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Geladenen waren nicht würdig. Darum geht hin an die Kreuzungen der Straßen und ladet zur Hochzeit ein, so viele ihr findet! Und jene Knechte gingen hinaus auf die Straßen und brachten alle zusammen, so viele sie fanden, Böse und Gute, und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen (Mt 22,1-10).

Beim Thema „Das königliche Hochzeitsmahl“ habe ich dieses Gleichnis bereits ausführlich behandelt, doch dabei ging es um die Originalversion der Schrift, in diesem Beitrag nun, geht es um die moderne Version, und das ist die Illustration, wie dieses Gleichnis vom „königlichen Hochzeitsmahl“ aussehen würde, wenn man es auf das überträgt, was nach der weitverbreiteten Auffassung unserer Tage, unter Evangelisation zu verstehen ist, bzw. was unser modernes Christentum daraus gemacht hat. Überträgt man die ausgeklügelten Gemeindewachstumskonzepte, auf dieses Gleichnis, dann wäre der Auftrag zwar noch immer derselbe, nur die Umsetzung ist eine völlig andere. Entsprechend müsste dieses Gleichnis, dann in etwa wie folgt lauten:

Und Jesus begann und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sprach:
Das Reich der Himmel gleicht einem König, der für seinen Sohn das Hochzeitsfest veranstaltete. Und er sandte seine Knechte aus, um die Geladenen zur Hochzeit zu rufen; aber sie wollten nicht kommen. Da sandte er nochmals andere Knechte. (Soweit entspricht es noch dem Originalgleichnis, was nun folgt, ist die Illustration der modernen Umsetzung). Und jene Knechte gingen hinaus, doch sie hielten sich für klüger als die anderen, denn sie sprachen untereinander: ›Wenn die Gäste kein Interesse an der Hochzeit des Königssohns haben, müssen wir eben mehr auf ihre Bedürfnisse eingehen. So bekommen wir nicht nur den Saal voll, sondern ersparen uns auch unnötige Anfeindungen. So machten sie sich auf den Weg und verteilten an jene, die ihre Feldarbeit der Hochzeit vorgezogen hatten, Einladungen für eine landwirtschaftliche Ausstellung. Und jenen, die lieber anderen Geschäften nachgingen, Einladungen für eine Handelsmesse. Ihr Plan ging auf, alle nahmen die Einladung begeistert an. So galt es nur noch aus dem geplanten Hochzeitsmahl, ein Event zu machen, das dem Geschmack der Besucher gerecht wurde. Die Tatsache, dass der König ursprünglich die Hochzeit seines Sohnes feiern wollte, hatten sie inzwischen völlig verdrängt. Doch das war in ihren Augen auch völlig nebensächlich, für sie war nur entscheidend, dass der Saal voll geworden war und man alle bei guter Laune halten konnte.

Vielleicht hat manch einer in seiner Schulzeit schon einmal einen Aufsatz zurückerhalten, bei dem er sich richtig ins Zeug gelegt hatte. Alle Sätze waren wunderbar formuliert und die Rechtschreibfehler hatten sich auch in Grenzen gehalten, dennoch war am Ende nicht mehr drin, als eine Fünf. Wie der Lehrer diese schlechte Note begründet hat, ist unschwer zu erraten, sein Kommentar lautete: "Thema verfehlt". Würde man eine passende Überschrift für die geänderte Version dieses Gleichnisses suchen, wären genau dieselben Worte zutreffend. Keine Frage, die Diener waren sehr aktiv. Sie sind losgezogen, um fleißig einzuladen und die Aufgabe, den Saal vollzubekommen, haben sie auch gelöst. Um bei dem Beispiel mit dem Aufsatz zu bleiben, könnte man ihnen hier zwar zugutehalten, zumindest kein leeres Blatt abgegeben zu haben, doch würde am Ende nur die Note mangelhaft herauskommen, wären sie sogar noch gut bedient, denn eines ist klar, das Thema wurde komplett verfehlt. Sie hielten sich nicht an den Auftrag des Königs, sondern stellten ihre eigenen Ideen über den Befehl des Königs. Statt die demütige Haltung eines Dieners einzunehmen und zu respektieren, dass der König das Sagen hat, war es ihr Hochmut, der sie dazu verleitet hat, das Zepter selbst in die Hand zu nehmen. Nicht der Befehl des Königs, sondern ihre eigenen Überlegungen waren ihr Leitmotiv. Und statt zu beachten, dass er der König ist, lautete ihr Motto: "Der Kunde ist König".

Ist das nicht auch das Motto des modernen Christentums? Ist es nicht so, dass bei vielen sogenannten christlichen Veranstaltungen mittlerweile jedes Mittel Recht ist, um irgendwie Besucher anzulocken? Ob eine Methode mit der Schrift zu vereinbaren ist oder nicht, scheint eher zweitrangig, wichtig ist nur, dass es funktioniert. Zauberer, Clowns, Theater, Pantomime, Hardrock, Techno, Hip-Hop oder was auch immer gewünscht wird, Hauptsache die Leute werden bei Laune gehalten. Hat John MacArthur nicht Recht, wenn er schreibt: Gemeinde Wachstums-Gurus machen sich keine Gedanken, was die Bibel sagt, sondern was die Massen anzieht…Die traurige Wahrheit ist, dass nicht die Treue zu Christus und seinem Wort, sondern Popularität zum neuen Maßstab des Evangelikalismus geworden ist und diese Maxime Christus die Herrschaft über seine Gemeinde streitig macht? 1. Haben wir uns je gefragt, warum wir in der gesamten Heiligen Schrift nicht ein einziges Beispiel für ein solches Verhalten finden?

Nehmen wir uns dazu einmal einige biblische Persönlichkeiten heraus, und schauen uns an, wie sie ihren Glauben gelebt und bezeugt haben. Beginnen wir mit Noah, der im Neuen Testament als Prediger der Gerechtigkeit bezeichnet wird (vgl. 2.Petr 2,5). Hat Noah seinerzeit nicht eindeutig versagt? Was sind schon sieben 7 Personen, die er für die Arche gewinnen konnte, gemessen an den modernen Evangelisationskampagnen, bei denen ganze Hallen und Stadien in Begeisterung versetzt werden? Drängt sich hier nicht förmlich die Frage auf, warum Noah nicht so kreativ war, wie wir es heute sind? Warum hat er die Leute nicht einfach unter einem Vorwand in die Arche gelockt? Er hätte doch einfach behaupten können, er würde den größten Streichelzoo der Welt bauen. Da wären doch sicher massenweise Familien mit Kindern gekommen. Wir erinnern uns, die Zeitgenossen Noahs hatten für alles Zeit, sie führten ein unbeschwertes Leben, gingen ihren Hobbys und Interessen nach, doch sie fragten nicht nach Gott. Während Noah durch den Bau der Arche, Vorsorge für die bevorstehende Flut traf, lebten sie weiterhin getreu dem Motto „the show must go on“. In ihrem Leben gab es keinen Platz für Gott, sie brachten ihm weder Dank, noch achteten sie auf Seine Gebote. Genau wie im Gleichnis vom Hochzeitsmahl, wird auch hier deutlich, dass der Stellenwert den Gott in ihrem Leben hatte, nahe Null war.

Beachten wir, nicht irgendwer, sondern Jesus selbst, hat angekündigt, dass die Menschheit vor Seiner Rückkehr, so sein wird, wie die Generation Noahs. So wie Noahs Zeitgenossen, wird die Menschheit nur für ihr Vergnügen leben, und sich nicht um die Rettung ihrer Seele scheren. So uninteressant und lächerlich den Zeitgenossen Noahs die Arche und der alte Noah erschien, so lächerlich und überflüssig wird man in der Endzeit das Kreuz und den Erlöser Jesus Christus achten. Kommt uns diese Haltung nicht sehr bekannt vor? Ist es nicht genau diese Einstellung, die wir heute in unserer Gesellschaft wahrnehmen können? Man will nicht wahrhaben, dass man auf ein göttliches Gericht zusteuert, und sieht keinerlei Notwendigkeit, das Rettungsangebot Gottes anzunehmen. Es ist dieser Hintergrund, vor dem wir die Frage verstehen müssen, mit der wir in Lukas 18,8 konfrontiert werden, wo Jesus sagt: „Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?“. Was unweigerlich zur Frage führt: Wird ER diesen Glauben bei uns finden? Wird ER ihn bei mir finden?

Doch um wieder auf das Ausgangsthema zurückzukommen, ist noch eine ganz andere Frage von Bedeutung, und diese lautet: Warum kamen Noahs Zeitgenossen in der Flut um? War es etwa Noahs Schuld? Hatte Noah versagt, weil er nicht den richtigen Schlüssel zu den Herzen seiner Zeitgenossen fand? War es seine Schuld, dass seine Mitmenschen für Alles Zeit hatten, nur nicht für Gott? Daher noch einmal die Frage, warum war Noah nicht so kreativ wie wir? Warum trat er als Spaßbremse auf und warnte die Menschen vor Gottes Gericht, anstatt seine Worte ihren Interessen und Wünschen anzupassen? Wie konnte er nur so blind für das sein, worauf sie ihr Leben ausgerichtet hatten, genau da hätte er anknüpfen müssen. Er hätte doch kulinarische Veranstaltungen und Feste organisieren können. Party machen, essen und trinken, das kam doch immer gut an. Und die Arche wäre sicher ein geeigneter Partyraum gewesen. Nun gut, wenn Noah nicht so schlau war, warum hat Jesus nicht die Gelegenheit ergriffen, um uns einen entsprechenden Wink zu geben? Warum um alles in der Welt, hat Jesus diese dramatische Geschichte aufgegriffen, ohne auf das Versagen Noahs einzugehen, nicht den richtigen Draht zu seinen Zeitgenossen gefunden zu haben? Warum erwähnt Jesus, dass es am Ende der Tage so sein würde, wie in den Tagen Noahs, ohne die wichtige Anweisung zu geben, wie man das Problem des offensichtlichen Desinteresses umgehen kann?

Kommen wir zu einer anderen Begebenheit, sehen wir uns doch mal an, welche Worte Jesus Seinen Jüngern, bei deren erster Aussendung, mit auf den Weg gab. Wie lautete Seine Anweisung, für den Fall, dass die Menschen einer Stadt, die frohe Botschaft ablehnen würden? Wie sollten sich die Jünger gegenüber jenen verhalten, die ihnen die Türe vor der Nase zuhauen würden? Sollten sie in diesem Fall erst mal die Hobbys und sonstigen Interessen dieser Leute in Erfahrung bringen, um mit dieser Strategie durch die Hintertür ins Haus zu gelangen? Oder war jetzt vielleicht der Zeitpunkt, spektakuläre Wunder zu wirken, um diese Menschen für das Evangelium zu begeistern? Doch nichts dergleichen, ihnen wurde weder aufgetragen, die Sensationslust dieser Leute zu wecken, noch sollten sie irgendwelche Psychotricks anwenden, um Desinteressierte für das Reich Gottes zu gewinnen. Im Gegenteil, der HERR sagte ausdrücklich: „Und wenn euch jemand nicht aufnehmen und eure Rede nicht hören wird, so geht heraus aus diesem Hause oder dieser Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen“ (Mt 10,14).

Oder denken an die Apostelzeit, warum haben die Apostel einen so prominenten Mann wie Simon den Zauberer nur so verkannt? Wäre er nicht der geeignete Kandidat gewesen, um Menschenmassen anzulocken? Die Apostel hätten doch seinen Bekanntheitsgrad und seine Fähigkeiten nutzen können. Stellen wir uns nur die Plakate vor, „Evangelisation mit Simon dem Zauberer!“ Hatten sie hier nicht aus Marketinggesichtspunkten völlig versagt? War ihr Verhalten nicht vergleichbar, als würde ein Fußballteam freiwillig auf einen Elfmeter verzichten? Wie konnten sie diese geniale Möglichkeit nur ungenutzt verstreichen lassen?

Doch nicht nur Noah, nicht nur die Apostel, nein, auch Jesus war (wie schon angedeutet) in Sachen moderner Evangelisationsmethoden offensichtlich nicht „up to date“. Auch ER hatte offensichtlich nicht verinnerlicht, dass der Kunde König ist. Als Beispiel möchte ich kurz auf die Brotvermehrung eingehen. Da war Jesus, nach weltlichen Maßstäben, mal so richtig erfolgreich, und konnte weit mehr als 5000 Menschen begeistern. (Weit mehr, weil im Bericht von etwa 5000 Männern die Rede ist, d.h. Frauen und Kinder waren nicht mitgezählt). Doch was macht ER dann, ER beginnt zu lehren und plötzlich macht sich so große Unzufriedenheit breit, plötzlich heißt es da: Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? (Joh 6,60). Und wie hat nun Jesus in dieser Situation reagiert? Sprach ER etwa: „Freunde es tut mir leid, ihr habt mich offensichtlich falsch verstanden?“ Hat ER sich etwa für Seine Rede entschuldigt, wer ER etwa sofort um Aufheiterung bemüht? Nein, ER setzte sogar noch eins obendrauf, indem ER sprach: „Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben“ (Joh 6,65). Was alle für die leichteste Übung schlechthin halten, nämlich, sich mal so kurz für Jesus zu entscheiden, verlegt Jesus in den Bereich des menschlich Unmöglichen. Es ist allein in Gottes Hand, nicht in unserer eigenen. Das ist für selbstsichere Menschen natürlich der absolute Gipfel, und entsprechend empfanden es auch Seine Zuhörer als eine Zumutung. Folglich lautete das Ende vom Lied: Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm (Joh 6,66). Und was tat Jesus? ER ließ sie ziehen, ER rannte nicht verzweifelt hinterher und versprach: „Leute, gestern habe ich Brot und Fische vermehrt, heute bekommt ihr sogar ein Drei-Gänge-Menü und außerdem haben meine Jünger ein paar Sketsche für euch einstudiert!“

Unfassbar, wie konnte ER nur so unprofessionell sein? Ausgerechnet ER, der Seinen Jüngern gesagt hatte: „Kommt, folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!“, hatte hier offensichtlich den richtigen Ansatz verfehlt. Wie froh kann Jesus doch sein, dass es in unserer Generation so viele schlaue Köpfe gibt, die viel besser wissen, wie man Menschenseelen für das Reich Gottes gewinnen kann. Die Frage ist nur, werden Menschen durch solche Methoden wirklich für das Reich Gottes gewonnen oder nicht eher erfolgreich an der engen Pforte vorbeigeleitet? Jesus sprach davon, dass es nur wenige sein werden, die durch diese Pforte gehen. Ungeachtet dessen, strebt man heute eine große Massenbewegung an. Ist es nicht mehr als augenscheinlich, dass Jesus selbst nie darauf abgezielt hat? IHM ging es nie darum, die Massen zu unterhalten oder die Leute irgendwie bei Laune zu halten. Ebenso wenig war es je Sein Ziel, Menschen in ihrer Selbstsucht zu bestärken; vielmehr geht es Jesus immer darum, der wahren Not der menschlichen Seele zu begegnen, und das ist ihre selbstzerstörerische, sündhafte Natur (vgl. Spr 14,34). ER ist gekommen, um Sünder zu retten. Dennoch bestand Sein Motto nicht darin, den Leuten den Einstieg so leicht wie möglich zu machen, sondern im Gegenteil, ER sprach: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter, seine Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, der kann nicht mein Jünger sein (Lk 14,26-27).

Jesus Christus war kein Versicherungsvertreter, der Seinen Zuhörern das Kleingedruckte vorenthalten hätte, im Gegenteil, ER hat immer mit offenen Karten gespielt. Anstatt Leute in eine Euphorie zu versetzen, um sie möglichst schnell als Seine Nachfolger zu gewinnen, entgegnete ER einem Schriftgelehrten, der sich IHM aus einem spontanen Gefühl heraus anschließen wollte: „Die Füchse haben Gruben, und die Vögel des Himmels haben Nester; aber der Sohn des Menschen hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8,20). Und einem anderen Mann, der auch mal so im Vorbeigehen Sein Nachfolger werden wollte, jedoch erst noch abwarten wollte, bis sein Erbe geregelt war, dem sagte Jesus: „Folge mir nach, und lass die Toten ihre Toten begraben!“ (Mt 8,22).

Das ist nicht gerade so der super einfache Einstieg. Es hört sich nicht im Geringsten so an, als könnte man mal so beiläufig oder aus einer spontanen Laune heraus, ein Nachfolger von Jesus Christus werden. Da aber die modernen Evangelisationsmethoden genau darauf abzielen, nämlich auf schnelle Entscheidungen, bei denen den Zuhörern in aller Regel vorenthalten wird, worum es eigentlich geht, kann nicht oft genug daran erinnert werden, dass Jesus von einer engen Pforte sprach. Seine Aufforderung lautet: "Ringt darum, dass ihr durch die enge Pforte hineingeht; denn viele, das sage ich euch, werden danach trachten, dass sie hineinkommen, und werden's nicht können" (Lk 13,24). Etwas um das man ringen muss, fällt einem nicht einfach so in den Schoß. Ebenso läuft man nicht einfach mal so kurz durch diese enge Pforte durch, von der Jesus sprach. ER hat das weder so gelehrt, noch zu einer überstürzten Entscheidung aufgefordert, viel mehr war und ist es Jesus wichtig, dass ein Mensch gut abwägt, worauf er sich mit der Nachfolge einlässt. Entsprechend sagte ER: Denn wer von euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor hin und berechnet die Kosten, ob er die Mittel hat zur gänzlichen Ausführung, damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und es nicht vollenden kann, alle, die es sehen, über ihn zu spotten beginnen und sagen: Dieser Mensch fing an zu bauen und konnte es nicht vollenden! Oder welcher König, der ausziehen will, um mit einem anderen König Krieg zu führen, setzt sich nicht zuvor hin und berät, ob er imstande ist, mit zehntausend dem zu begegnen, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Wenn aber nicht, so sendet er, solange jener noch fern ist, eine Gesandtschaft und bittet um die Friedensbedingungen. So kann auch keiner von euch mein Jünger sein, der nicht allem entsagt, was er hat (Lk 14,28-32).

Die Frage, die sich abschließend stellt, lautet: Warum gibt es dennoch immer wieder Menschen, die sich ganz bewusst für die Nachfolge entscheiden? Was kann jemanden dazu bewegen, diesen beschwerlichen Weg anzutreten, die Verachtung der Welt in Kauf zu nehmen, und sich so zu verhalten, wie es Jesus im Gleichnis vom Schatz im Acker und von der kostbaren Perle, erzählt hat, wo ER sagte: Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem verborgenen Schatz im Acker, den ein Mensch fand und verbarg. Und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker. Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine kostbare Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie (Mt 13,44-45).

Um sich so zu verhalten und wirklich alles auf eine Karte zu setzen, ist vor allem eines notwendig, und das ist, dass ein Mensch seinen wahren Zustand erkennen muss, er muss sich seiner Verlorenheit bewusst werden. Kann Unterhaltung ein geeignetes Mittel sein, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen? Ein Großteil des modernen Christentums geht offenbar davon aus. Es scheint, als wolle man eher Hollywood nacheifern, als Jesus Christus. Doch die Welt hat genügend Entertainer, die für Zerstreuung und Ablenkungen sorgen, dafür benötigt es kein Christentum. Der Auftrag des Christentums besteht ganz gewiss nicht darin, mit der weltlichen Unterhaltungsindustrie schritthalten zu müssen. Aber da so viele diesem Irrtum unterlegen sind, glaubt man heute, es sei der Auftrag der Gemeinde, der Welt zu zeigen, wie cool es ist, Christ zu sein. Entsprechend gilt es natürlich jedem neuen Trend nachzueifern, denn nichts könnte uncooler sein, als dass man als ewig Gestriger eingestuft wird. Und eines sollte jedem klar sein, unsere moderne Gesellschaft kann nichts mehr anbiedern, als dass einem nachgesagt werden könnte, konservativ zu sein? Wer also an dem alten verstaubten Buch, namens Bibel festhält, der kann eine Menschheit, die ständig auf Neues aus ist, gewiss nicht beeindrucken. Entsprechend werden ständig neue Diskussionen zur Erneuerung der Kirche entfacht, natürlich nicht mit dem Ziel, den Glauben nach dem Maßstab der Schrift auszurichten, sondern von der Motivation geleitet, den aktuellen gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden. Während die Schrift wieder und wieder zur Wachsamkeit aufruft, will man offenbar nur noch an einem Punkt wachsam sein, und dieser ist, auf keinen Fall irgendeinen aktuellen Trend zu verpassen. Die Überzeugung ist, dass dies der einzige Weg sei um den christlichen Glauben attraktiv zu machen.

Entgegen diesem fehlgeleiteten Eifer, könnte nichts weiter vom christlichen Standpunkt abweichen, als eine solche Auffassung. Von daher sei es klar gesagt; wer auch immer glaubt, der Auftrag der Gemeinde bestünde darin, die Welt zu beeindrucken, der hat ein völlig falsches Bild vom wahren Christentum. Wenn das frühere Christentum je die Welt unterhalten hat, wenn es je Arenen füllte, um selbstgefälligen Menschen Unterhaltung zu bieten, dann ganz gewiss nicht als Zirkusclowns oder Rockmusiker, sondern als Märtyrer, die den Löwen zum Fraß vorgeworfen, wurden. Denken wir an den Apostel Paulus, war er etwa als guter Entertainer bekannt? Hat die Welt voll Bewunderung auf ihn und seine Mitapostel geblickt, weil sie den dreh raushatten, wie man Menschenmassen begeistern kann? Dass genau das Gegenteil der Fall war, können wir seinen Worten aus 1.Korinther 4,9 entnehmen, wo der Apostel folgendes festgehalten hat: Denn ich meine, Gott hat uns Apostel als die Allergeringsten hingestellt, wie zum Tode Verurteilte. Denn wir sind ein Schauspiel geworden der Welt und den Engeln und den Menschen (1.Kor 4,9).

Paulus und seine Mitapostel hatten in der Welt denselben Unterhaltungswert, wie ihn einst Noah hatte. Sie wurden belächelt, verspottet und verhöhnt. Entsprechend lesen wir es auch im Hebräerbrief, wo der Schreiber die Empfänger des Briefes auffordert: Gedenkt aber der früheren Tage, an denen ihr, die ihr erleuchtet wurdet, erduldet habt einen großen Kampf des Leidens, indem ihr zum Teil selbst durch Schmähungen und Bedrängnisse zum Schauspiel geworden seid, zum Teil Gemeinschaft hattet mit denen, welchen es so erging (Hebr 10,32-33).

Wer all dies ausblendet, und immer noch darauf pocht, diesen, von der Schrift abweichenden Kurs, unbeirrt beizubehalten, der möge sich um seiner eigenen Seele willen, bitte intensiv mit folgender Warnung auseinandersetzen. Es sind nicht meine Worte, sondern es ist Jesus Christus, der spricht: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht? Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen! (Mt 7,21-23).

Obwohl kaum eine eindringlichere Warnung vor Selbstbetrug vorstellbar ist und Jesus sogar ausdrücklich davon sprach, dass es viele sein werden, die ER am Tage des Gerichts, mit diesem erschütternden Urteil konfrontieren muss, finden diese mahnenden Worte kaum noch Beachtung. Während das selbstsichere Christentum unserer Tage, der fatalen Selbsttäuschung unterlegen ist, Jesus könnte reinem Aktionismus etwas Lobenswertes abgewinnen und man der felsenfesten Überzeugung ist, dieses eigenwillige Handeln sei im Sinne Gottes, stellt Jesus hier klar heraus, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Unübersehbar bekennt ER sich nicht zu jenen, deren Dienst von ihrem eigenen Willen geprägt und geleitet ist, sondern nennt ein Prüfkriterium, das den religiösen Aktionismus unserer Tage regelrecht Lügen straft: Nicht jene, die ihren eigenen Willen tun, werden ins Himmelreich eingehen, sondern, wie es Jesus sagt: „Wer den Willen meines Vaters im Himmel tut!“. Wer hingegen der Täuschung unterlegen ist, er könne sich getrost über Gottes Wort hinwegsetzen, der macht gerade dadurch deutlich, dass die Anrede „Herr, Herr!“, nur ein leeres Lippenbekenntnis ist. Entscheidend ist nicht, dass wir Jesus als unseren HERRN bezeichnen, sondern dass ER der HERR unseres Lebens ist. Jene hingegen, bei denen immer noch das selbstsüchtige ICH auf dem Thron sitzt, mögen sich zwar für sichere Anwärter auf das Himmelreich halten, am Tage des Gerichts, wird ihnen diese Illusion auf erschütternde Weise geraubt. Mögen sie auch viel von Jesus geredet haben, mögen sie viele Veranstaltungen in Seinem Namen durchgeführt und stehts die richtige Anrede verwendet haben, Jesus wird ihnen bekennen: „Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen!“ Lassen wir uns doch durch diese Worte vor falscher Selbstsicherheit warnen, ehe es zu spät ist. Prüfen wir unser Herz und unsere Einstellung, um nicht auf dieses tragische Schicksal zuzusteuern.

 

Quellangabe
1. John MacArthur - Wenn Salz kraftlos wird, S 90

 


Dies war ein Auszug aus dem 9. Kapitel meines neuen E-Books

 

 

 

 

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