und

Evangelisation oder Unterhaltungsshow?

Veröffentlicht am 13.04.2016


Und Jesus begann und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sprach: Das Reich der Himmel gleicht einem König, der für seinen Sohn das Hochzeitsfest veranstaltete. Und er sandte seine Knechte aus, um die Geladenen zur Hochzeit zu rufen; aber sie wollten nicht kommen. Da sandte er nochmals andere Knechte und sprach: Sagt den Geladenen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet; meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit! Sie aber achteten nicht darauf, sondern gingen hin, der eine auf seinen Acker, der andere zu seinem Gewerbe; die übrigen aber ergriffen seine Knechte, mißhandelten und töteten sie. Als der König das hörte, wurde er zornig, sandte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Geladenen waren nicht würdig. Darum geht hin an die Kreuzungen der Straßen und ladet zur Hochzeit ein, so viele ihr findet! Und jene Knechte gingen hinaus auf die Straßen und brachten alle zusammen, so viele sie fanden, Böse und Gute, und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen (Mt 22,1-10).

Beim Thema „Das königliche Hochzeitsmahl“ habe ich dieses Gleichnis bereits ausführlich behandelt, doch dabei ging es um die Originalversion der Schrift, in diesem Beitrag nun, geht es um die moderne Version. Mit moderner Version meine ich das, was ein Großteil der Christenheit daraus gemacht hat. Überträgt man nämlich die ausgeklügelten Gemeindewachstumsprogramme auf dieses Gleichnis, dann wäre der Auftrag zwar noch immer derselbe, nur die Umsetzung wäre eine völlig andere. Übertragend würde es dann in etwa wie folgt lauten:

Und jene Knechte gingen hinaus, doch sie hielten sich für klüger als die anderen, denn sie sprachen untereinander: ›Wenn die Gäste kein Interesse an der Hochzeit des Königssohns haben, müssen wir eben mehr auf ihre Bedürfnisse eingehen. So bekommen wir nicht nur den Saal voll, sondern ersparen uns auch unnötige Anfeindungen.‹
So machten sie sich auf den Weg und verteilten an jene die ihre Feldarbeit der Hochzeit vorgezogen hatten, Einladungen für eine landwirtschaftliche Ausstellung und jenen die lieber anderen Geschäften nachgingen, Einladungen für eine Handelsmesse.
Ihr Plan ging auf, alle nahmen die Einladung begeistert an. So galt es nur noch aus dem geplanten Hochzeitsmahl, ein Event zu machen, das dem Geschmack der Besucher gerecht wurde. Die Tatsache, dass der König ursprünglich die Hochzeit seines Sohnes feiern wollte, hatten sie inzwischen völlig verdrängt. Doch das war in ihren Augen auch völlig nebensächlich, für sie war nur entscheidend, dass der Saal voll geworden war und alle bei guter Laune waren.

Vielleicht hat manch einer in seiner Schulzeit schon einmal einen Aufsatz zurückerhalten, bei dem er sich richtig ins Zeug gelegt hatte. Alle Sätze waren wunderbar formuliert und die Rechtschreibfehler hatten sich auch in Grenzen gehalten, dennoch war am Ende nicht mehr drin, als eine Fünf. Wie der Lehrer diese schlecht Note begründet hat, können sich wohl die meisten denken, sein Kommentar lautete: "Thema verfehlt".
Würde man eine passende Überschrift für die geänderte Version des Gleichnisses suchen, wären genau dieselben Worte treffend. Keine Frage, die Diener waren sehr aktiv. Sie sind losgezogen, um fleißig einzuladen und die Aufgabe, den Saal vollzubekommen, haben sie auch gelöst. Um bei dem Beispiel mit dem Aufsatz zu bleiben, könnte man ihnen hier zwar zugutehalten, zumindest kein leeres Blatt abgegeben zu haben, doch würde am Ende nur die Note mangelhaft herauskommen, hätten sie keinen Grund sich zu beklagen, denn eines ist klar, das Thema wurde komplett verfehlt. Sie hielten sich nicht an den Auftrag des Königs, sondern stellten ihre eigenen Ideen über den Befehl des Königs. Statt zu beachten, dass er der König ist, lautete ihr Motto: "Der Kunde ist König".

Ist das nicht auch das Motto des modernen Christentums? Ist es nicht so, dass bei vielen sogenannten christlichen Veranstaltungen mittlerweile jedes Mittel Recht ist, um irgendwie Besucher anzulocken? Ob eine Methode mit der Schrift zu vereinbaren ist oder nicht, scheint eher zweitrangig, wichtig ist nur, dass es funktioniert. Zauberer, Clowns, Theater, Pantomime, Hardrock, Techno, Hip-Hop oder was auch immer gewünscht wird, Hauptsache die Leute werden bei Laune gehalten. Hat John MacArthur nicht Recht, wenn er schreibt: Gemeinde Wachstums-Gurus machen sich keine Gedanken, was die Bibel sagt, sondern was die Massen anzieht…Die traurige Wahrheit ist das nicht die Treue zu Christus und seinem Wort, sondern Popularität zum neuen Maßstab des Evangelikalismus geworden ist und diese Maxime Christus die Herrschaft über seine Gemeinde streitig macht? 30a. Haben wir uns je gefragt, warum wir in der gesamten Heiligen Schrift nicht ein einziges Beispiel für ein solches Verhalten finden?

Nehmen wir uns dazu einmal einige biblische Persönlichkeiten heraus, und schauen uns an, wie sie ihren Glauben gelebt und bezeugt haben. Beginnen wir am besten mit Noah. Wenn man bedenkt, dass er nur 7 Personen für die Arche gewinnen konnte, drängt sich doch förmlich die Frage auf, warum er nicht so kreativ war, wie wir es heute sind? Warum hat er die Leute nicht einfach unter einem Vorwand in die Arche gelockt? Er hätte doch einfach behaupten können, er würde den größten Streichelzoo der Welt bauen. Da wären doch sicher massenweise Familien mit Kindern gekommen.
Vielleicht denkt jemand der Vergleich mit Noah sei weit hergeholt, er passt nicht in unsere Zeit. Jesus sah es offensichtlich anders, er sagte:
Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohns. Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut - sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging; und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin -, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns (Mt 24,37-39).

Auffällig ist, die Leute hatten für alles Zeit, sie führten ein unbeschwertes Leben, gingen ihren Hobbys und Interessen nach, doch sie fragten nicht nach Gott. Während Noah durch den Bau der Arche, Vorsorge für die bevorstehende Flut traf, lebten sie weiterhin getreu dem Motto „the show must go on“. In ihrem Leben gab es keinen Platz für Gott, sie brachten ihm weder Dank, noch achteten sie auf seine Gebote. Und einem Mann wie Noah, der sie vor dem göttlichen Zorngericht gewarnt hatte, wollten sie kein Gehör schenken. In ihren Augen war er ein völlig überdrehter Verschwörungstheoretiker, den man allenfalls belächeln, aber auf keinen Fall ernst nehmen konnte. Bis zuletzt hatten sie unbeschwert und ausgelassen gefeiert und waren nur ihren Vergnügungen nachgegangen. Sie hatten für alles Zeit, nur nicht für Gott. Genau wie im Gleichnis vom Hochzeitsmahl wird deutlich, dass der Stellenwert den Gott in ihrem Leben hatte, nahe Null war.
So beschreibt Jesus die Menschheit, vor der Zeit seiner Wiederkunft. Wenn wir nun bedenken, dass er an anderer Stelle fragt: „Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?“(Lk 18,8), dann stellt sich doch die Frage: Wird er diesen Glauben bei uns finden? Wird er ihn bei mir finden?

„Ohne Kirche keine Hölle!", las ich einmal auf einem Plakat, doch wer so denkt, macht seine Rechnung ohne Gott. Ebenso hätte die Menschheit in den Tagen Noahs die Parole: "Ohne Arche keine Sintflut!", ausrufen können, doch was hätte es ihnen genützt? Es ist egal, ob wir dagegen protestieren, die Sintflut ist ein historisches Ereignis, das uns klar vor Augen stellt, dass wir Gottes Gericht ernst nehmen müssen. Gott hat die frühere Welt nicht verschont, sondern bewahrte allein Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, mit sieben andern, als er die Sintflut über die Welt der Gottlosen brachte (2. Petr 2,4).
Doch warum kamen Noahs Zeitgenossen in der Flut um, war es etwa Noahs Schuld, hatte er versagt, weil er nicht den richtigen Schlüssel zu ihren Herzen fand? War es seine Schuld, dass seine Mitmenschen für alles Zeit hatten, nur nicht für Gott?
Daher noch einmal die Frage, warum war Noah nicht so kreativ wie wir? Warum trat er als Spaßbremse auf und warnte die Menschen vor Gottes Gericht, anstatt sich ihren Bedürfnissen anzupassen? Er hätte doch kulinarische Veranstaltungen und Feste organisieren können. Party machen, essen und trinken, das kam doch immer gut an und die Arche wäre sicher ein geeigneter Partyraum gewesen.

Nun gut, wenn Noah nicht so schlau war, warum hat Jesus nicht die Gelegenheit ergriffen, um uns einen entsprechenden Wink zu geben? Warum erwähnt er, dass es am Ende der Tage so sein würde, wie in den Tagen Noahs, ohne die wichtige Anweisung zu geben, wie man das Problem des offensichtlichen Desinteresses umgehen kann?

Kommen wir zu einer anderen Begebenheit, sehen wir uns doch mal an, welche Worte Jesus seinen Jüngern, bei deren erster Aussendung, mit auf den Weg gab. Wie lautete seine Anweisung, für den Fall, dass die Menschen einer Stadt, die frohe Botschaft ablehnen würden? Wie sollten sich die Jünger gegenüber jenen verhalten, die ihnen die Türe vor der Nase zuhauen würden? Sollten sie in diesem Fall erst mal die Hobbys und sonstigen Interessen dieser Leute in Erfahrung zu bringen, um mit dieser Strategie durch die Hintertür ins Haus zu gelangen? Oder war jetzt vielleicht der Zeitpunkt, spektakuläre Wunder zu wirken, um diese Menschen für das Evangelium begeistern zu können?
Doch nichts dergleichen, ihnen wurde weder aufgetragen, die Sensationslust dieser Leute zu befriedigen, noch sollten sie irgendwelchen Psychotricks anwenden, um sie für das Reich Gottes zu gewinnen, vielmehr lauteten die Worte des Herrn wie folgt: „Und wenn euch jemand nicht aufnehmen und eure Rede nicht hören wird, so geht heraus aus diesem Hause oder dieser Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen (Mt 10,14).
Oder denken an die Zeit der Apostel, warum haben sie einen Mann wie Simon den Zauberer nur so verkannt? Wäre er nicht der geeignete Kandidat gewesen, um Menschenmassen anzulocken? Die Apostel hätten doch seinen Bekanntheitsgrad und seine Fähigkeiten nutzen können. Stellen wir uns nur die Plakate vor, „Evangelisation mit Simon dem Zauberer!“

Doch nicht nur Noah, nicht nur die Apostel, nein, auch Jesus war (wie schon angedeutet) in Sachen moderner Evangelisationsmethoden offensichtlich nicht „up to date“.
Auch er hatte offensichtlich nicht verinnerlicht, dass der Kunde König ist. Als Beispiel möchte ich kurz auf die Brotvermehrung eingehen. Da war Jesus mal richtig erfolgreich, und konnte weit mehr als 5000 Menschen begeistern. (Weit mehr weil im Bericht von etwa 5000 Männern die Rede ist, d.h. Frauen und Kinder waren nicht mitgezählt). Doch was macht er dann, er beginnt zu lehren und plötzlich macht sich so große Unzufriedenheit breit, plötzlich heißt es da: Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? (Joh 6,60)
Und wie hat nun Jesus in dieser Situation reagiert? Sprach er etwa: „Freunde es tut mir Leid, ihr habt mich offensichtlich falsch verstanden?“ Hat er sich etwa für seine Rede entschuldigt und war um Aufheiterung bemüht?
Nein, er setzt noch eins obendrauf und erklärte ihnen: „Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben“ (Joh 6,65).
Das ist nur wirklich eine Zumutung für seine Zuhörer und so lautet das Ende vom Lied: Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm (Joh 6,66).
Und was tat Jesus? Er ließ sie ziehen, er rannte nicht hinterher und versprach:“ Leute, gestern habe ich Brot und Fische vermehrt, heute bekommt ihr sogar ein Drei-Gänge-Menü und außerdem haben meine Jünger ein paar Sketsche für euch einstudiert!“
Jesus tat nichts dergleichen. Ihm ging es nicht darum die Massen zu unterhalten oder die Leute irgendwie bei Laune zu halten. Es ging ihm nicht darum Menschen in ihrer Selbstsucht zu bestärken, sondern ihrer wahren Not, der Sünde, zu begegnen. Er ist gekommen, um Sünder zu retten. Dennoch bestand sein Motto nicht darin, den Leuten den Einstieg so leicht wie möglich zu machen, sondern im Gegenteil, er sprach: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach (Mk 8,34).
Jesus sprach von Selbstverleugnung und er kündigte sogar Hass und Verfolgung um seines Namens willen an. Außerdem vertrat er tatsächlich den Standpunkt, dass es nicht in unserer Macht steht, ob wir gerettet werden oder nicht. Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben (Joh 6,65).

Dazu fällt uns doch nichts mehr ein, das ist doch ungeheuerlich, das klingt ja gerade so, als hätten wir es gar nicht selbst in der Hand. Aber genau so ist es, so liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen (Röm 9,16).
Das ist die Lehre der Bibel und darum machen die ganzen menschlichen Programme überhaupt keinen Sinn. Wir sind völlig auf Gott und sein Erbarmen angewiesen. Davon abgesehen, geht es beim Evangelium nicht um Unterhaltung, sondern um Errettung. Würde sich jemand die Mühe machen und nachlesen wie die ersten Christen evangelisiert haben, dann würde er merken, wie weit unser Multimedia-Christentum vom Original entfernt ist. Das Original finden wir in der Apostelgeschichte und da ist nichts dergleichen zu finden. Keine Clowns, kein Kasperletheater, kein Etikettenschwindel, sondern einfach nur die klare Botschaft des Evangeliums. Dasselbe finden wir auch in den Briefen, es gibt keine Anleitung zur Durchführung christlicher Unterhaltungsshows. Wir finden auch nicht die entsprechenden Ämter. Gott hat weder Clowns noch Showmaster berufen, nein er berief, Apostel, Propheten und Lehrer in die Gemeinde (vgl. 1.Kor 12,28) und was haben sie verkündigt? Haben sie sich selbst dargestellt, wollten sie die Leute beeindrucken, oder haben sie je daran gedacht, sie durch Psychotricks oder menschliche Redekunst zu manipulieren? Nein, das haben sie nicht, im Gegenteil, Paulus sagte ausdrücklich, unsere Ermahnung geschah nicht aus Irrtum, auch nicht aus Unlauterkeit, auch nicht mit List. Und an anderer Stelle erklärt er, meine Rede und meine Predigt bestand nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft (1.Kor 2,4).

Hier sehen wir den Unterschied, es waren nicht menschliche Methoden, die dafür sorgten, dass der ganze Erdkreis aufgewiegelt wurde (vgl. Apg 24,5) und es waren auch nicht menschliche Manipulationskünste, die dafür sorgten, dass sich das Christentum trotz aller Widerstände so rasant ausbreiten konnte, sondern es war die Kraft des Heiligen Geistes und die Treue gegenüber dem Wort Gottes. Wann werden wir endlich aufwachen und erkennen, dass man einen geistlichen Krieg nicht mit menschlichen Waffen führen kann? Hat der Herr nicht gesagt: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht (Jer 17,5).
Ständig steht jemand auf und meint er hätte die ultimative Methode entdeckt, wie man Menschen für Jesus gewinnen kann. Die neuste Methode ist natürlich immer die effektivste und beste und eine Gemeinde die nicht mitzieht, ist nicht mehr im Trend.
Dabei gibt es nur eine richtige Methode und die ist nicht neu, sondern so alt wie das Christentum. Sie besteht darin, auf Gottes Wort zuhören und sich wieder bewusst zu machen, dass wir ohne Jesus nichts tun können (vgl. Joh 15,5).
Nur er hat die Macht, geistlich Tote zu neuem Leben zu erwecken, und wir müssen uns dessen bewusst sein, der Mensch ist von Natur aus geistlich tot. Kolosser 2, 13 sagt: Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden. Und eine ähnliche Formulierung finden wir im Epheserbrief, wenn es heißt: Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden (Eph 2,1).

Gottes Wort macht deutlich, dass jeder Mensch der in diese Welt hineingeboren wird geistlich tot ist. Das ist die schreckliche Folge des Sündenfalls. Wir alle sind Nachkommen Adams und somit auch Erben seiner sündhaften Natur. Das ist auch der Grund, warum der Mensch den Sohn Gottes ablehnt. Das ist der Grund, warum er die Finsternis mehr liebt, als das Licht. Der Mensch ist tot in Übertretung und Sünde. Er ist geistlich gesehen tot, er kennt weder Gott, noch hat er Erkenntnis über seine eigene Verlorenheit. Das er eines Tages vor seinem Schöpfer stehen wird, um Rechenschaft über sein Leben abzugeben, kommt ihm nicht in den Sinn. Mit solchen Dingen will er sich auch gar nicht auseinandersetzen. Es liegt in der Natur des gefallen Menschen, dass er hauptsächlich auf das Hier und Jetzt fixiert ist und nicht wahrhaben will, dass er Gott gegenüber moralisch verpflichtet ist. Er liebt Spaß, er liebt Unterhaltung und er liebt Ablenkung. An geistlichen Dingen hat er kein wahres Interesse, im Gegenteil, es ist ihm sogar eine Torheit. Die Schrift sagt: Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden (1.Kor 2,14).

In diesem Zustand wird der Mensch geboren, er kommt als geistlich toter auf diese Welt. Wie trostlos dieser Zustand ist, wird eindringlich in der Vision des Propheten Hesekiel veranschaulicht.
Des HERRN Hand kam über mich und er führte mich hinaus im Geist des HERRN und stellte mich mitten auf ein weites Feld; das lag voller Totengebeine.
Und er führte mich überall hindurch. Und siehe, es lagen sehr viele Gebeine über das Feld hin, und siehe, sie waren ganz verdorrt.
Das ist das traurige Bild vom gefallen Menschen, er ist geistlich tot, nur Totengebein, kein Leben. Man kann vor einem Toten tanzen, man kann ihm etwas vorsingen, man kann noch so viele Theaterstücke aufführen, eines wird mit Sicherheit nicht passieren, er wird nicht zum Leben erwachen. Darum steht geschrieben: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth (Sach 4,6).

Der Heilige Geist ist eine Person, er ist nicht irgendeine anonyme Kraft über die wir nach Belieben verfügen können. Die Bibel sagt, dass wir ihn nicht betrüben sollen (Eph 4,30), und an andere Stelle wir uns gesagt, dass wir den Geist nicht dämpfen sollen oder wie es andere Übersetzungen sagen, den Geist löscht nicht aus (1.Thess 5,19).
Jesus bezeichnete ihn als den Geist der Wahrheit (vgl. Joh 14,17: 15,26: 16,13) und erklärte weiter: Wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben (Joh 16,8).
Wenn das moderne Christentum ungeachtet dessen, ein biblisches Prinzip nach dem anderen verletzt, darf sich niemand wundern, wenn sich der Heilige Geist zurückzieht. Wir können nicht erwarten, dass der Heilige Geist Menschen in die Wahrheit leitet, dass er Sünder zur Umkehr leitet, solange nur Halbwahrheiten gepredigt werden und solange wir mit dem Thema Sünde so oberflächlich umgehen. Überall da wo wir Sünde verharmlosen, wird sich der Heilige Geist zurückziehen. Überall da wo Sünde nur oberflächlich behandelt wird, widerstrebt man dem Wirken des Heiligen Geistes. Schon im Alten Testament beklagt Gott die Falschheit der Priester und Propheten, indem er sagt: sie heilen den Bruch der Tochter meines Volkes oberflächlich und sagen: Friede, Friede! - und da ist doch kein Friede (Jer 6,14: 8,11).
Das Volk hatte Gott die Treue gebrochen, doch die geistlichen Führer, versprachen ihnen Friede. Dieselben Missstände gab es auch zur Zeit des Apostel Paulus, auch damals gab Leute die nur schöne Reden machten. Paulus warnte vor ihnen indem er schrieb: Ich ermahne euch aber, Brüder, dass ihr achthabt auf die, welche entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, Zwistigkeiten und Ärgernisse anrichten, und wendet euch von ihnen ab!
Denn solche dienen nicht unserem Herrn Christus, sondern ihrem eigenen Bauch, und durch süße Worte und schöne Reden verführen sie die Herzen der Arglosen (Röm 16,17-18).

In unseren Tagen gibt es viele beliebte Prediger, die regelrecht mit Stolz erfüllt sind, weil das Thema Sünde erst gar nicht in ihren Predigten erwähnt wird. Ihre Sorge gilt nur dem hier und jetzt, alles dreht sich nur um ein bequemes, sorgloses Leben, doch da ist keine Sorge um die Ewigkeit. Es geht diesen Predigern nicht um die Frage, wo ein Mensch die Ewigkeit verbringen wird, sondern nur darum, überall angesehen und beliebt zu sein. Wenn die Schrift uns nun sagt: Solche dienen nicht unserem Herrn Christus, sondern ihrem eigenen Bauch, und durch süße Worte und schöne Reden verführen sie die Herzen der Arglosen, wie können wir dann ernsthaft erwarten, dass der Heilige Geist einen solchen Dienst bestätigt? Wie kann man erwarten, dass Menschen aufgrund eines solchen Dienstes von Sünde überführt werden, dass sie neues Leben empfangen?
Klar man kann Menschen auf diese Weise für seine Denomination gewinnen, doch für das Reich Gottes gewinnt man sie nicht, stattdessen gelten die Worte die Jesus an die religiösen Führer seiner Tage gerichtet hat: Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hineingehen. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr durchzieht das Meer und das trockene Land, um einen Proselyten zu machen; und wenn er es geworden ist, so macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr (Mt 23,15-16).

Möge der Herr Gnade schenken, dass die Gemeinde sich wieder ihrer Berufung bewusst wird. Wir sind nicht aufgefordert, uns der Welt anzupassen, sondern aus der Welt herausgerufen, um Menschen für Christus zu gewinnen. Jesus sagte: Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden (Mt 5,13).
Das heutige Christentum ist größtenteils kraftlos geworden, weil die Aktivitäten nicht mehr auf Gottes Wort begründet sind. Man will eine attraktive, zeitgemäße Gemeinde haben und lässt sich eher von Gemeindewachstumsexperten leiten, als vom Wort Gottes. Man lässt fleischlich gesinnte Menschen Fragebögen ausfüllen, um herauszufinden welche Art von Gemeinde sie gerne besuchen würden, doch das hat nichts mehr mit dem zu tun, was uns Gottes Wort über die christliche Gemeinde sagt.
Ich stimme mit John Mac Artur überein, der schrieb: Es ist nicht die Raffinesse unserer Methoden, nicht die Technik unseres Dienstes, auch nicht unsere Predigtkunst, die unserem Zeugnis Kraft verleiht. Nur der Gehorsam gegen einen heiligen Gott und die Treue gegenüber Seinen gerechten Maßstäben im täglichen Leben sind ausschlaggebend dafür.30b
Im selben Buch* schreibt er, die ersten Christen haben die Welt auf den Kopf gestellt. In unserer Generation stellt die Welt die Kirche auf den Kopf.31
Das ist eine traurige Feststellung, doch es ist leider die Wahrheit, unsere Generation sollte sich dringend wieder auf das besinnen, was wahres Christentum ausmacht. Wir dürfen Erfolge nicht an Zahlen messen, erfolgreich sind wir nur, wenn wir Gottes Wort bewahren. Nur dann gilt uns die Verheißung: Ich kenne deine Werke, und ich habe vor dir eine Tür geöffnet, die niemand mehr schließen kann. Du hast nur geringe Kraft, und dennoch hast du an meinem Wort festgehalten und meinen Namen nicht verleugnet (Offb 3,8).
Nicht neue Programme, nicht neue Strategien, sondern das Festhalten am Wort Gottes, ist der Schlüssel. Hier ist die Verheißung einer offenen Tür, die niemand schließen kann. Die wahre christliche Gemeinde ist nicht auf Marketingmethoden gegründet, sondern sie ist aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist (Eph 2,20).
Da wahre Gemeinde ist die Braut Christi, über die Paulus sagt: Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch verlobt mit einem einzigen Mann, damit ich Christus eine reine Jungfrau zuführte (2.Kor 11,2).
Die Bibel redet aber auch von einer falschen Gemeinde, sie wird nicht als Braut, sondern als Hure bezeichnet. Ihr wird geistlicher Ehebruch vorgeworfen. In Offenbarung 17 wird sie wie folgt beschrieben: Komm, ich will dir zeigen das Gericht über die große Hure, die an vielen Wassern sitzt, mit der die Könige auf Erden Hurerei getrieben haben; und die auf Erden wohnen, sind betrunken geworden von dem Wein ihrer Hurerei…Und und auf ihrer Stirn war geschrieben ein Name, ein Geheimnis: Das große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Gräuel auf Erden. Und ich sah die Frau, betrunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu (Offb 17,1-2+5-6).

Nun, die Frage die sich jeder Stellen sollte lautet, gehöre ich zur Braut oder nur zur Imitation? Die in der Offenbarung beschriebene Hure, ist eine Imitation des Christentums, sie gibt nur vor, Gott zu dienen, doch in Wirklichkeit besteht sie aus Hirten, die sich lieber selber weiden, anstatt sich um die Schafe zu kümmern. Jesus hat vor falschen geistlichen Führern gewarnt. Die Frage ist, nehmen wir diese Warnung ernst? Kommen seine Worte in unserem Herzen an, wenn er spricht: „Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?“ (Lk 6,39), oder sind wir in unserer religiösen Betriebsamkeit schon so abgestumpft, dass wir nicht mehr bereit sind, uns dieser Wahrheit zu stellen?
Möge der Herr uns davor bewahren, dass wir zu jenen Sorglosen zählen, die sich während das Schiff der Gemeinde am Sinken ist, durch nichts aus der Ruhe bringen lassen (vgl. Am. 6,1). Möge er es uns schenken, dass sein Wort in unsere Herzen vordringt, auch wenn dabei Schuld und Versagen ans Licht kommt. Denn Eines ist gewiss, wo dies geschieht, ist Gottes Geist am Werk, wo dies geschieht, dient es zu unserem Besten. Es ist zwar schmerzhaft, aber es ist, wie wenn ein Arzt eine eitrige Wunde desinfiziert, damit Heilung geschehen kann. Und bedenken wir, es ist Gottes Liebe, die hinter all dem steht (vgl. Hos 7,1; Hebr 12,6).
Prüfen wir also, um unserer Seele willen, ob wir wirklich Jesus nachfolgen, oder nur einem religiösen System. Jesus gab nur seinen Nachfolgern die Zusage, dass sie nicht in Finsternis wandeln werden (vgl. Joh 8,12). Nachfolge kann nur geschehen, wenn sein Wort, der Maßstab für unser Leben ist. Letztlich geht es darum, jeden Gedanken, der sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, abzuweisen (vgl. 2.Kor 10,5). Egal wie klug und vernünftig es klingen mag, jede Ideologie, jede Religion, jede Weltanschauung, die dem Wort Gottes entgegensteht, stammt vom Geist des Irrtums. Beachten wir hierbei auch wie Paulus diese Schlacht der Gedanken, einen Vers zuvor beschreibt, wenn er sagt:
Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen; so zerstören wir überspitzte Gedankengebäude (2.Kor 10,4).
Es gibt in unseren Tagen Viele, die im frommen Gewand auftreten und versuchen die Jünger nach sich zu ziehen. Sie widerstehen der Wahrheit des Wortes und richten stattdessen ihre eigenen Lehren auf. Hier muss sich beweisen, ob wir wirklich zu den echten Schafen des Herrn zählen. Ob wir Teil jener Herd sind, über die er sagen kann: Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht (Joh 10,5). Oder wie es in Vers 27 heißt: Meine Schafe hören meine Stimme und sie folgen mir!“.

Es ist also ungemein wichtig, dass wir uns vergewissern, ob wir wirklich auf seine Stimme hören. Also auf sein Wort, so wie es uns durch die Schrift offenbart wird und nicht auf Menschenwort. Egal wie wohlklingend, wie smart und nett jemand auftreten mag, wenn er entgegen dem Wort Gottes lehrt, dürfen wir weder ihn, noch seine verderblichen Lehren annehmen (vgl. 2.Joh 9-11).
Bezeichnend für falsche Lehrer und betrügerische Apostel, ist die Tatsache, dass sie den Fokus auf sich selbst lenken. Nicht Jesus, sondern sie selbst, ihre Lehre, ihre Erfahrung, ihre Weisheit und ihre persönlichen Offenbarungen stehen im Mittelpunkt. Der Apostel Paulus hat vor solchen Leuten gewarnt, indem er sagte: „Aus eurer Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes lehren, um die Jünger an sich zu ziehen“ (Apg 20,30).
Daher ist es wichtig, dass wir uns vergewissern, ob uns die geistlichen Führer, denen wir unser Vertrauen schenken, wirklich zu Jesus führen. Wollen sie uns für Christus gewinnen, oder für sich selbst? Mit anderen Worten, folgen wir wirklich Jesus nach, oder einem Menschen bzw. einem menschlichen System? Dies ist sehr entscheidend, denn wenn wir dies außer Acht lassen, wandeln wir leider immer noch in der Finsternis...

 

 

Dies war ein Auszug aus dem Buch "Einheit über alles

 

Buch "Einheit über alles" als 

 

www.evangeliums-botschaft.de

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