und

6. Es geht um Trennung, nicht um Anpassung

03.06.2017

Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde!“ (Apg 1,8).

Im letzten Teil haben wir gesehen, wie sich diese Ankündigung verwirklicht hat, wir haben gesehen, dass der Heilige Geist an Pfingsten ausgegossen wurde, und aus verängstigten, unsicheren Jüngern, mutige Bekenner wurden. Ebenso haben wir festgestellt, dass sie sich nicht selbst in den Mittelpunkt ihrer Botschaft stellten, sondern dass genau das eintraf, was Jesus gesagt hatte, sie traten wahrhaftig als Seine Zeugen auf. ER, der Gekreuzigte und Auferstandene, war Inhalt ihrer Verkündigung. Seine Person, Sein Werk, Sein Leben und Seine Lehre, waren das zentrale Thema. Genau daran ist das Wirken des Heiligen Geistes am deutlichsten zu erkennen. Ferner sehen wir es auch in der Tatsache, dass ihr Dienst nicht von Menschenfurcht, sondern von Gottesfurcht geprägt, war. Ihr Ansatz bestand nicht darin, es allen Menschen Recht zu machen, nein, ihr Ziel bestand eindeutig darin, ihrem HERRN treu zu sein, IHM wollten sie gefallen, nicht der Welt. Und so waren es eben nicht nur schöne Worte oder Schmeicheleien, die den Zuhörern der Pfingstpredigt zu Ohren kamen. Nein, es war eine Botschaft, die den Menschen mitten durchs Herz ging. Eine Botschaft, die dazu führte, dass sie bestürzt fragten: Was sollen wir tun, ihr Brüder? (Apg 2,37). Petrus hatte sie mit ihrer Sünde konfrontiert, doch nicht nur das, er stellte ihnen, mit Christus, den Retter vor Augen. „Jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird gerettet werden!", hatte er aus dem Propheten Joel zitiert (Joel 3,5), und das ist auch der Kern des Evangeliums. Es handelt vom Retter Jesus Christus, und das Ziel der Botschaft ist Rettung, und zwar Rettung vor dem gerechten Strafgericht, auf das jeder Mensch, der an seinem sündigen Lebensstil festhält, ungebremst zusteuert. Es geht also nicht um Weltverbesserung, sondern um die Herausrettung aus diesem, dem Untergang geweihten, System. Das war der Grund, warum Petrus seine Zeitgenossen aufforderte: „Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht!“

Sicher halten viele Menschen unserer Generation, diese Aussage für unangebracht. Sicher leben viele in der Annahme, die Menschheit hätte sich inzwischen weiterentwickelt. Doch hat sie das wirklich oder macht man sich hier nur etwas vor? Haben wir heute wirklich eine bessere Moral als die Menschen damals? Sind wir wirklich so viel besser, dass wir diesen Bericht allenfalls als historische Tatsache abhaken können, und uns im Grunde nur fragen müssen, welche Bibelstellen für unsere Generation überhaupt noch relevant sind?
Als Antwort auf diese Frage möchte ich Martyn Lloyd-Jones zitieren, der sehr gut analysiert: Ideen kommen und gehen und verändern sich ständig. Ja, der erstaunlichste und in vielerlei Hinsicht tragischste Aspekt an all dem ist, dass, obwohl sich die Welt ihrer Fortschritte rühmt, ihre Ideen nicht fortschreiten, sondern sich nur im Kreis drehen, genau wie die Moden, die in einem Moment populär sind und dann wieder verworfen und bespöttelt werden. Aber warten Sie nur eine Weile, sie kommen schon wieder.
Frühere Wertmaßstäbe werden verworfen, man hält sie für überholt und nicht mehr zeitgemäß. Die neue Generation will sich von der früheren abheben. Man redet sich ein, eine höhere bessere Moral zu haben, und hält diese für neu. Doch es ist wie, Lloyd-Jones weiterschreibt, nur eine Wiederholung dessen, was der Teufel schon lange sagt. Er stellt eine Idee zurück ins Regal und holt eine andere hervor, und schon haben alle die alte Idee vergessen. Er lässt ein Jahrhundert oder zwei vergehen, dann holt er die erste wieder vor. „Brandneu“, sagen die Leute. „Eine neue Moral.“ Das alles ist so alt wie die Sünde Adams! Nichts Neues ist daran, nichts Originelles, in welchem Sinn auch immer. Alle Perversion und alles Übel sind schon in der Bibel beschrieben, und ebenso auf den Seiten der Weltgeschichte. Seit vielen Jahrhunderten sagt uns die Bibel: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne! (Pred 1,9).1
Und weil dem so ist, hat auch die Botschaft des Evangeliums nichts an Aktualität verloren, auch den Menschen unserer Generation gilt: „Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht!“

Wenn wir nun beachten, was es bedeutet, aus diesem verkehrten Geschlecht gerettet zu werden, dann wird etwas deutlich, worauf ich bereits mehrfach hingewiesen habe: Gerettet zu sein, bedeutet nicht im alten Trott weiterzumachen. Im Gegenteil, die Lebensveränderung die ein Mensch erfährt, dessen Herz durch den Heiligen Geist erneuert wurde, ist so tiefgreifend und radikal, dass Paulus zu der gewaltigen Aussage kommt: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden!“ (2.Kor 5,17). Wenn ein Mensch wirklich eine Begegnung mit dem HERRN hatte, dann ist es ausgeschlossen, dass danach alles zu weiterläuft wie zuvor. Machen wir uns bewusst, der Glaube an Jesus Christus umfasst das ganze Leben, alle Lebensbereiche sind betroffen, alles wird neu, durch die Erneuerung des Geistes. Alles wird neu durch das Leben, das Gott in die Herzen Seiner Kinder legt. Dies führt zwangsläufig zu einem Bruch mit den alten Gewohnheiten und auch zu einer Trennung von dem, was die Bibel als Welt bezeichnet. Wie schon im letzten Teil angemerkt, gab es innerhalb der Kirchengeschichte wohl kaum eine Zeit, in der mehr Verwirrung geherrscht hat, was unter Christentum zu verstehen ist, als in der unsrigen. So klar wie die Bibel uns diese radikale Trennung zwischen der Welt und der Gemeinde zeigt, so klar ist festzustellen, dass heute alles unternommen wird, um diese klare Grenze zu verwischen.

Aus diesem Grund ist mir dieses Thema so wichtig, mir geht es darum, aufzuzeigen, was es laut der Bibel heißt, Christ zu sein. Viele Gedanken hierzu habe ich auch Martyn Lloyd-Jones zu verdanken, daher wird auch in diesem Kapitel noch das ein oder andere Zitat von ihm folgen, doch ich kann Martyn Lloyd-Jones nur deshalb zustimmen, weil das, was er vermittelt biblisch fundiert ist. Und dies allein kann die Grundlage sein, um auszumachen, was unter Christentum zu verstehen ist, und was nicht. Nur die Schrift allein ist der Maßstab. Auf geistlichem Gebiet können wir ohne das geschriebene Wort, so wie es uns in der Bibel überliefert ist, überhaupt nichts beurteilen. Den ersten Christen war dies bewusst, über sie wird uns berichtet: Sie blieben beständig in der Lehre der Apostel (Apg 2,42). Die Apostel waren die Augenzeugen, Jesus hatte Sein Leben mit ihnen geteilt, und ER hatte sie auch dazu berufen, Sein Wort unverfälscht an unsere Generation weiterzugeben. Wer also daran interessiert ist, was es mit Jesus Christus auf sich hat, erfährt es aus ihrem Bericht, sie haben den Grund gelegt, und Gott hat ihren Dienst durch Zeichen und Wunder bestätigt. Niemand hätte damals ihr Zeugnis angenommen, wenn sie auf der einen Seite davon berichtet hätten, aber auf der anderen nichts dergleichen passiert wäre. Ihre Wunder waren genauso unwiderlegbar, wie die, die Jesus selbst vollbracht hatte (vgl. Joh 9,18: Apg 4,15). Niemand konnte es widerlegen, niemand konnte es leugnen, das Einzige, was ihre Feinde tun konnten, war der Versuch sie daran zu hindern, ihren Glauben zu bezeugen, doch auch das gelang nicht, denn ihre Reaktion war: „Wir können's ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben!“ (Apg 4,20).

Ihr Herz brannte für Jesus, ihren HERRN wollten sie großmachen. Was eigentlich überflüssig wäre, weil ER ohnehin den Namen hat, der über allen Namen ist, und das nicht nur damals, nicht nur heute, sondern bis in alle Zeitalter (vgl. Eph 1,21). Der Grund, warum man Seinen Namen hier auf Erden großmachen muss, ist, dass man dies den Menschen bewusstmachen muss. Der Mensch in seiner Verblendung sieht im Kreuz nichts das ihn beeindrucken könnte. Es war bereits Thema von Teil 4: „Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit“. Der Mensch sagt: „Aber, das ist doch viel zu einfältig, wer glaubt denn in unserer aufklärten Zeit noch an sowas?“, doch über diesem menschlichen „aber“ steht ein göttliches „aber“, und diese lautet: Den Berufenen selbst aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Während jene, die verlorengehen die Botschaft lächerlich finden und darüber spotten, erkennen die Berufenen in derselben Botschaft Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Doch warum wiederhole ich das an dieser Stelle? Ich wiederhole es, weil diese Wahrheit auch im Zusammenhang mit der Pfingstpredigt unterstrichen wird. Denn was erwidert Petrus auf die bestürzte Frage: „Was sollen wir tun, ihr Brüder?“. Achten wir genau auf folgenden Wortlaut, er sprach: „Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden! Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, hinzurufen wird!“.

Wer sollte gerettet werden? Wem ist laut Petrus die Gabe des Heiligen Geistes versprochen, „so viele der Herr, unser Gott, hinzurufen wird“ (vgl. Röm 8,30). Gott selbst ist der Handelnde, ER ist es, der hinzuruft. Noch deutlicher sehen wir dies in Vers 47, wo geschrieben steht: Der Herr aber tat täglich hinzu, die gerettet werden sollten. Hier haben einen klaren Beleg dafür, dass die pfingstlerische Lehre bezüglich der Geistestaufe falsch ist, denn allen die der HERR hinzurufen wird, allen Berufenen, allen Gläubigen, ist nicht nur Vergebung der Sünden, sondern auch der Empfang der Gabe des Heiligen Geistes zugesagt. Allen gelten die Worte: Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Die einzige Vorrausetzung die dafür genannt wird, lautet: „Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden!“ Aber nicht nur das wird deutlich, sondern auch, dass Gott der Handelnde ist. Der Mensch kann sich nicht selbst aus der Sklaverei der Sünde befreien, zumal er durch den Fürsten dieser Welt verblendet ist, und zudem die Sünde liebt. Und mehr noch, er erkennt noch nicht einmal, dass es ein grundlegendes Problem zwischen ihm und Gott gibt. Entweder, weil er nur den lieben Gott sehen will, der immer großzügig ein Auge zudrückt. Oder weil er überhaupt nicht wahrhaben will, dass Gott überhaupt existiert. Man hört öfters Menschen sagen, dass sie sich gegenüber der Natur so klein fühlen. Stauend wird die Genialität und die Größe der Schöpfung voll Ehrfurcht bewundert, doch wider alle Vernunft, verweigert man dem Schöpfer die Ehre und betet lieber den Zufall oder die Mutter Natur an. So kann es unzählige Ansichten geben, ja auch Religionen und Philosophien, vieles hört sich vielleicht auch gut und vielversprechend an, doch letztlich verbergen sich hinter all dem nur Lügen des Teufels. Er ist es, der die Menschheit verblendet hat.

Errettung ist also nur durch das Eingreifen Gottes möglich, darum sagte Petrus auch nicht: „Rettet euch selbst!“, sondern: „Lasst euch erretten!“. Doch um ein Gott zu sein, der eingreifen kann, um ein Gott zu sein, der handeln kann, muss Gott auch ein lebendiger Gott sein. Dass genau dies der Fall ist, wird in der Bibel, Seite für Seite, eindrücklich bezeugt. Nur dadurch ist auch die Entstehung der Gemeinde zu erklären, sie ist einzig und allein auf das aktive Eingreifen Gottes zurückzuführen. Was der Bericht auch so deutlich herausstellt, dass er im Grunde überhaupt keinen anderen Schluss zulässt. Der Herr aber tat täglich hinzu, die gerettet werden sollten. ER war der Handelnde und ER ist es auch heute noch, wenn es um echte Errettung geht. Religion kann der Mensch ohne Gott praktizieren, doch Rettung und Befreiung aus der Macht der Finsternis, das vermag nur der lebendige Gott, das ist nur durch die Kraft Seines Geistes möglich. Dies ist auch der wesentliche Unterschied, zwischen toter Religion und wahrem Christentum. Religion ist etwas Menschengemachtes, Menschen handeln, Menschen entscheiden, Menschen verabschieden und Menschen organisieren. Bei der Religion hat der Mensch seinen vermeintlichen „Gott“ in der Hand, doch so wie bei der Religion, alles in der Hand des Menschen liegt, so liegt bei der Rettung alles in der Hand Gottes. Die Initiative geht von IHM aus, und so sehen wir es auch in dem, was Jesus prophezeit hatte: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein“, waren Seine Worte, und genau so war es dann auch. Wir sehen zwar die Jünger in Aktion, wir erleben ihre Dynamik, ihre Kühnheit und ihren Mut, doch die Ursache, war die Kraft des Heiligen Geistes. Aus diesem Grund sagte auch später der Apostel Paulus: Unsere Tüchtigkeit ist von Gott (1.Kor 3,5).

Gott ist also der Handelnde, daher ist die wahre christliche Kirche weder menschliche Institution, noch eine menschliche Erfindung. Und somit ist es auch nicht der Mensch, der festlegt, was unter Christentum zu verstehen ist, sondern Gott. ER ist der HERR Seiner Gemeinde, und wer nicht bereit ist, sich diesem HERRN unterzuordnen, der kann sich diskriminiert fühlen, der kann protestieren, doch die Tatsache, dass er gegen Gott rebelliert, zeigt, dass ER nicht errettet ist. Und hier komme ich noch einmal auf den Punkt aus dem letzten Teil zurück, wo ich aufgezeigt habe, dass es in der sündhaften Natur des Menschen liegt, dass sich bei ihm sofort die Nackenhaare stellen, wenn ihm Worte wie „Gebot“ oder „Verbot“, zu Ohren kommen. Sehen wir uns doch dazu die leidige Diskussion bezüglich der Trauung gleichgeschlechtlicher Paare an. Die Welt ist empört, dass es immer noch Kirchen gibt, die homosexuellen Menschen, ihr vermeintliches Recht auf eine „christliche“ Trauung verweigern. Doch was lehrt die Bibel zu diesem Thema? Ist Homosexualität etwa ein Phänomen unserer Zeit, kannten die Apostel so etwas etwa noch gar nicht? Keineswegs, sehen wir uns an, was Paulus den Gläubigen in Korinth schreibt: Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder. Lustknaben und Knabenschänder waren Bezeichnungen für Homosexuelle, und wie der Text eindeutig lehrt, sagt Paulus, dass diese das Reich Gottes nicht erben werden (vgl. Röm 1,26-27). Dasselbe gilt auch für Ehebrecher und danach folgt eine Auflistung weiterer Sünden, doch dann in Vers 11 lesen wir das Entscheidende, und dies ist die Aussage: Und das sind manche von euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.

Entscheidend hierbei ist das Wort „gewesen“. Gewesen, steht für das, was sie vor ihrer Bekehrung waren. Es steht für das, was die Gläubigen früher waren, nicht für einen Lebensstil, den sie weiter praktizierten. Einige der Christen in Korinth waren früher Homosexuelle, einige waren Ehebrecher, einige waren Alkoholiker und so weiter, doch als Gott in ihr Leben eingegriffen hat, hat ER sie auch von der Macht der Sünde befreit. Wie bereits festgestellt, Christ zu sein bedeutet, nicht im alten Trott weiterzumachen. Nein, Christ zu sein bedeutet, nicht weniger als diese tiefgreifende, radikale Veränderung erlebt zu haben, die in 2.Korinther 5,17, beschrieben wird: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden!“
Das ist es, was jemand zu einem Christen macht, es ist nichts das menschlich machbar wäre, es ist allein vom Handeln Gottes abhängig. Doch wenn Gott eingreift, dann hat es auch sichtbare Auswirkungen aufs Leben. Wo diese Auswirkung hingegen fehlt, handelt es sich um toten Glauben und genau das ist charakteristisch für jede Form von toter Traditionsreligion inklusive, dessen, was unter der Bezeichnung „christlich“ läuft. Von daher stimme ich mit Martyn Lloyd-Jones überein, wenn er zu folgender Feststellung kommt: Jede Vorstellung, das Christentum sei hauptsächlich die Folge von etwas, das wir tun, ist immer vollkommen und unrettbar falsch. Wir müssen jede Vorstellung von uns abschütteln, die christliche Kirche sei das Ergebnis unseres Handelns, und wir setzen damit eine Tradition fort. Das war der Fluch der Juden, die schließlich den Herrn Jesus Christus ans Kreuz brachten. Sie waren traditionell religiöse Leute, und solche waren immer – und sind bis heute – die größten Feinde der wahren Gemeinde, des wahren Glaubens und der wahren Botschaft des Christentums. Doch wie oft läuft so genanntes Christentum genau darauf hinaus!... Es gibt Leute, die offenbar die Förmlichkeit durchschaut haben und sie nun damit wettmachen wollen, dass sie aufregende Veranstaltungen machen und alle möglichen spektakulären und unterhaltsamen Elemente einbringen, um ihre Gottesdienste lebendiger und fröhlicher zu machen. Aber das macht keinen Unterschied, denn es sind immer noch Männer und Frauen, die alles organisieren.2

Gerade weil wir in unserer Generation regelrecht von toter Religion umgeben sind, und vor allem weil insbesondere das, was als offiziell anerkannte Kirche gilt, meist nur verstaubte Tradition ist, kann man nicht oft genug hervorheben, dass Gott ein lebendiger Gott ist. Wo Sein Geist am Wirken ist, muss man sich keine Unterhaltungsprogramme ausdenken, um die Leute bei Laune zu halten. Nicht ohne Grund wird uns in Gottes Wort immer wieder der Gegensatz zwischen dem lebendigen Gott und den toten Götzen der Nationen vor Augen gestellt. Götzen, die keine Augen haben, die keine Ohren haben, die ein Werk des Menschen sind. Sie sind absolut leblos, der Mensch muss sie von einer Ecke in die andere stellen. Wie sinnlos, wie nichtig ist doch solch eine Götzenverehrung und doch halten es viele für sehr intelligent. So erfreuen sich gerade in unserer Generation die fernöstlichen Religionen großer Beliebtheit. Viele intellektuelle Menschen lehnen das Evangelium als töricht ab, aber haben zugleich große Hochachtung und Bewunderung für den Buddhismus. Doch was steckt dahinter? Es geht um völliges Loslassen, es geht um Mediation. (Nebenbei bemerkt, völliges Loslassen ist laut pfingstlerischer Lehre auch der Weg um die Taufe im Heiligen Geist zu empfangen. Auch hier sehen wir, welcher Geist wirklich dahintersteckt. Es kann nicht der Geist Gottes sein, denn der Geist Gottes umgeht nie den menschlichen Verstand).
Aber das nur am Rande, kommen wir wieder zurück zum Buddhismus, wie gesehen es geht dabei ums Meditieren und ums Loslassen, doch was ist das Ziel dabei? Man strebt das Nirwana an, der Weg dahin, ist völlige Passivität und das Endziel ist das völlige Nichts. Wie passend ist hier doch das Bibelwort: Folgt nicht den nichtigen Götzen nach, die nichts nützen und nicht retten können, weil sie nichtig sind! (1.Sam 12,21). Im Gegensatz dazu ist der Gott der Bibel ein Gott der rettet. Doch retten kann ER nur, weil ER im Gegensatz zu den nichtigen Götzen, ein lebendiger, realer Gott ist.

 

 

Doch ER ist nicht nur ein lebendiger, sondern auch ein persönlicher Gott. ER ist kein mystischer Nebel, oder irgendeine unpersönliche, völlig unbeteiligte Macht oder Energie. ER ist der Schöpfer des Himmels und der Erde und ER ist es auch, der immer wieder in die Geschichte der Menschheit eingegriffen hat. ER ist nicht teilnahmslos oder apathisch, nein, ER greift ein, und genau dies ist Inhalt der Bibel, und genau dies war auch Inhalt dessen, was Petrus verkündigt hat. Er sprach von den machtvollen Taten Gottes, insbesondere natürlich von den mächtigen Taten, Wundern und Zeichen, die Gott durch Jesus in ihrer Mitte vollbracht hatte. Und er konnte sagen: „Wie ihr selbst wisst“ (V 22), weil es in jenen Tagen niemand entgangen war, alle hatten es mitbekommen. Ferner sehen wir, dass der Inhalt seiner Verkündigung kein neues politisches Programm war, das er gemeinsam mit den anderen Aposteln aufgestellt hatte. Nein, es ging weder um das Umsetzen menschlicher Programme oder Strategien, noch um die Weltverbesserung, sondern um Errettung, doch dies nicht nach der Devise: „Strengt euch mehr an, rettet euch selbst!“, sondern auf Grundlage von Gottes rettendem Eingreifen. Nicht „rettet euch selbst“, sondern: „Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht!“, lautete die Botschaft.

Doch was bedeutet Retten? Und was hat dies für Konsequenzen. Laut moderner Auffassung überhaupt keine - laut moderner ist es vielleicht so, als hätte man eine Lebensversicherung abgeschlossen, doch mit dem Leben selbst hat es nicht viel zu tun. Es ist nur etwas, das für alle Fälle im Hintergrund läuft und gelegentlich vielleicht etwas wichtiger wird. Zum Beispiel, wenn man ein Fest auszurichten hat und den angemessenen, feierlichen Rahmen sucht. Aber all das hat überhaupt nichts mit „retten“ im biblischen Sinne zu tun. „Retten“ im biblischen Sinne, meint ein herausretten. „Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht!“, bedeutet, dass die Gläubigen in einen anderen Herrschaftsbereich versetzt werden. Sie dienen nicht mehr dem Gott dieser Welt, sondern ihrem Vater im Himmel. Denn so wie der Gläubige auf der einen Seite durch den Geist in den Leib, also in die Gemeinschaft der Heiligen hineingetauft wird, so gilt auf der anderen, dass er aus dem gegenwertigen Zeitlauf herausgerissen wird. Der Begriff „Gemeinde“ steht für die Herausgerufenen, für jene, die Gott für sich abgesondert hat, um sie zu heiligen. Es geht also um eine radikale Trennung aus dem weltlichen System. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich Gläubige hinter Klostermauern verstecken sollen, vielmehr geht es darum, dass sie sich nicht mehr vom Denken dieser Welt beeinflussen lassen dürfen, sondern in ihrem Denken verändert und erneuert werden.
Durch den Geist Gottes wird der Gläubige in die Wahrheit geleitet, durch den Geist kann er Geistliches, geistlich deuten, durch den Geist wird ihm bewusst, dass diese Welt dem Untergang geweiht ist, weil sie durch die Täuschungen Satans verblendet ist. Wobei mit Welt natürlich nicht die Natur gemeint, es sind nicht die Tiere gemeint, es geht nicht um Schöpfung im Allgemeinen, sondern um ein System das Gott entfremdet ist, um eine Denkweise, in der Gott ausgeklammert ist, um eine Organisation, die ohne Gott klarkommen will. Das ist im Grunde die Sichtweise, des Menschen seit dem Sündenfall. Er ist der Lüge aufgesessen, dass Gottes Gebote ihn in seiner Freiheit berauben würden, er meint, darin eine Einengung zu sehen, und versteht nicht, dass ihm Gottes Ordnungen zum Besten dienen, und ihn vor vielem Schaden bewahren würden. Doch woher diese verdrehte Sichtweise? Ich habe es schon angedeutet, letztlich steckt der Fürst dieser Welt dahinter, aber wie geschieht es ganz praktisch, dass der Mensch zu diesem Denken tendiert, in dem Gott keine Rolle spielt? Erneut möchte ich zur Beantwortung dieser Frage auf ein sehr gutes Zitat von Martyn Lloyd-Jones zurückgreifen, er beschreibt es wie folgt:
Wir alle haben unsere Vorurteile und Denkweisen geerbt. Wir alle sind Nachahmer, Grammophonplatten, beinahe Roboter, die immer nur wiederholen, wiederholen, wiederholen. Warum tun wir bestimmte Dinge? Weil alle anderen sie auch tun! Wir wollen up-to-date sein, auf der Höhe der Zeit. Wir wollen tun, was „man“ eben tut. Wir sind Opfer der Medien, der Propaganda der Zeitung und des Fernsehens, des Radios, der Werbung und der Bühne. Und dieser „Weltgeist“, der uns zu dem macht, was wir sind, ist gegen Gott gerichtet. 3
Genau davon werden Christen herausgenommen, weg von diesem „gegen Gott gerichtet sein“ hin zu einer lebendigen Beziehung, und somit zurück zur ursprünglichen Bestimmung des Menschen, nämlich zur ungetrübten Gemeinschaft mit seinem Schöpfer. Und weil in der Welt genau das Gegenteil der Fall ist, gilt es, sich klar von dieser Denkweise zu distanzieren. Der Christ lebt zwar noch in der Welt, aber er ist nicht mehr von dieser Welt.

Erst wenn ein Mensch, durch Gottes souveräne Gnade vom Heiligen Geist von seiner Sünde und Rebellion gegen Gott überführt wird, beginnt er diese Welt mit anderen Augen zu sehen. Erst wenn sein Herz erneuert wird, wird ihm bewusst, dass er in Sünde und Lüge gefangen war. Einst war auch der Christ vom Glanz dieser Welt geblendet und fasziniert. Auch er war in ihren Bann gezogen und lebte wie die Übergingen gemäß dem Zeitlauf dieser Welt, indem er genau das tat, was der Zeitgeist vorgab, und das ist nun mal dasselbe wie alle anderen. Erst durch das Eingreifen Gottes in seinem Leben, ist ihm offenbar geworden, dass in dieser Welt mehr Schein als Sein ist, weil letztlich alles nur auf leeren Versprechungen und Täuschungen basiert. Auch der Christ lebte in diesem System, war voll integriert, hoffte auf eine bessere Welt, träumte vom Weltfrieden, doch durch die Erneuerung seines Herzens und die Innewohnung des Heiligen Geistes hat er erkannt, dass sich hinter all dem nur Täuschungsmanöver Satans verbergen. Alle vermeintlichen Friedensbemühungen sind zum Scheitern verurteilt, weil die Menschheit nicht dazu bereit ist, sich der Herrschaft des Friedefürsten, Jesus Christus unterzuordnen. Erneut möchte ich dazu Martyn Lloyd-Jones zitieren, der bezüglich des Zustands dieser Welt folgendes anmerkt: Was ist es denn, das alle Bemühungen der Menschheit, sich selbst zu helfen, zunichtemacht? Warum scheitert letztlich jede Zivilisation? Woran liegt es, dass die Welt, wie sie es in der ganzen bekannten Geschichte getan hat, immer noch darum kämpft, sich selbst zu befreien, es aber nie schafft?
Es gibt nur eine Antwort – es liegt am Teufel, dem „Gott dieser Welt“ (2.Kor 4,4), dem „Fürsten der Macht, der Luft, des Geistes, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirkt“ (Eph 2,2). Und diese Welt ist so wie sie ist, weil sie das nicht weiß. Es liegt am Teufel, dass all unsere Bemühungen scheitern und sinnlos sind und nichts uns befreien kann. Eine gewaltige unsichtbare, geistliche Macht lähmt und blendet den Verstand von Männern und Frauen. 4


Frieden wird es hier auf Erden nicht eher geben, bis Jesus wiederkommt und Sein Friedensreich aufrichten wird. Doch wer diese Hoffnung hat, der passt sich nicht an das gefallene weltliche System an. Nein, geschrieben steht: Jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst, wie auch jener rein ist (1.Joh 3,3). Gerade weil es besonders im Trend unserer Zeit ist, sich der Welt anpassen zu wollen, ja, weil sogar behauptet wird, um die Welt zu erreichen, müsse man in der Welt relevant sein, sei es abschließend noch einmal in aller Deutlichkeit gesagt: Nichts könnte weiter an der Absicht des Evangeliums vorbeigehen, als den Gläubigen zu sagen, dass es darauf ankäme, der Welt zu zeigen, dass Christen sich nicht groß von den Menschen dieser Welt unterscheiden würden. Nein, wahre Christen sind anderes und sie sind auch dazu auserwählt und ausgesondert, um anders zu sein. Es war nie der Ansatz, weder der von den Aposteln, noch der von Jesus, das Gläubige gleichförmig sein sollten, im Gegenteil, es wird ausdrücklich gesagt: Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene (Röm 12,2). Und an anderer Stelle wird es sogar noch deutlicher, wenn es heißt: Wer nun ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes (Jak 4,4; vgl. 1.Joh 2,15).

Es geht nicht darum, dass sich Gläubige anpassen sollen, sondern darum einen klaren Kontrast zu bilden. Kennzeichen echten Glaubens ist nicht die Anpassung an die Welt, sondern das Überwinden der Welt (vgl. 1.Joh 5,4). Der Gläubige ist nicht dazu vorherbestimmt, gleichförmig dieser Welt zu sein, sondern er ist von Gott dazu vorherbestimmt, dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig zu sein (Röm 8,29). Und je mehr dies der Fall ist, je mehr wird ein Unterschied deutlich werden, und diesen gilt es nicht zu verbergen, im Gegenteil, unmissverständlich hat Jesus in der Bergpredigt gelehrt: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein!“ (Mt 5,13-14). Sind nicht weite Teile des Christentums zu fadem Salz verkommen? Angeblich will man die Welt gewinnen, doch das Gegenteil ist der Fall. Und der Grund dafür ist, weil Gesundheit leider nicht ansteckend ist, Krankheit aber schon. Wir dürfen uns also nicht von falschen Evangelisationsansätzen blenden lassen, sondern müssen uns an die klare Lehre der Schrift halten, und diese besagt, dass wir tadellos und lauter sein sollen. Unbescholtene Kinder Gottes, wie Paulus schreibt, inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter dem ihr leuchtet wie Himmelslichter in der Welt (Phil 2,15). Und an anderer Stelle schreibt der Apostel: Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife; denn ihr alle seid Söhne des Lichtes und Söhne des Tages; wir gehören nicht der Nacht und nicht der Finsternis (Thess 5,4-5).

Finsternis und Licht sind Gegensätze und es ist grundsätzlich so, dass sich Licht immer von der Finsternis abhebt, hinter einer Lehre, die etwas anderes vermitteln will, kann niemals der Geist der Wahrheit stehen. Wenn Gott einen Menschen neu macht, so Martyn Lloyd-Jones, dann muss er durch seine Andersartigkeit auffallen; er kann unmöglich noch denen gleichen, die die göttliche Natur nicht empfangen haben und nicht von neuem geboren sind. Ist es darum nicht unbegreiflich und erschreckend, immer wieder Christen begegnen zu müssen, die über diese Selbstverständlichkeit erstaunt sind und sie abzustreiten suchen? Die einzige Person, für die ich in der heutigen Zeit kein Verständnis habe, ist der Christ, der nicht als „eng“ bezeichnet werden will. 5
Bleiben wir also bei dem, was geschrieben steht, auch wenn es noch so viele als „zu eng“ ansehen. Die Schrift macht klar, es geht immer um Trennung von der Welt, niemals um Anpassung. Denn es ist, wie Wilhelm Busch treffend formuliert hat: Gottes Volk ist Gottes Volk. Und Welt ist Welt. Man versucht immer wieder, die Grenzen zwischen beiden zu verwischen... Man hört oft den Satz: »Jesusjünger sind Bürger zweier Welten.« Die Bibel sagt es anders. Sie sagt, dass die Glieder des Volkes Gottes Bürger der himmlischen Welt sind, auf dieser Welt aber sind sie »Gäste und Fremdlinge«.6  Daher sei es abschließend noch einmal klar hervorgehoben, Kinder Gottes sind nicht zur Gleichförmigkeit mit der Welt aufgerufen, sondern dazu, ihr Licht vor den Menschen leuchten zu lassen. Aber das nicht aus eigener Kraft, sondern aus Seiner Kraft. Denn ist allein die Kraft des Heiligen Geistes, die uns zu einem solchen Leben befähigen kann. Darum gebührt allein dem HERRN die Ehre.

Amen


 

Quellangaben:
1. Martyn Lloyd-Jones -  Apostelgeschichte Band 1, S. 102
2. Ebd. S. 33
3. Ebd. S. 111
4. Ebd. S. 112
5. Martyn Lloyd-Jones - Licht an einem dunklen Ort, S. 147
6. Die Wilhelm-Busch-Bibliothek, S.15

 

 

 

 

 


 

Die komplette Beitragsreihe, bestehend aus den folgenden Kapiteln, ​stelle ich anbei kostenlos als Download zum Lesen und zum Weiterverteilen zur Verfügung:


1. Jüngerschaft oder nur oberflächliche Bekennerschaft?
2. Wir aber predigen Christus
3. Die Mauern von Jericho und die Botschaft vom Kreuz
4. Haltet den Herrn, den Christus, in euren Herzen heilig!
5. Es geht nicht um Religion, sondern um eine Person
6. Es geht um Trennung, nicht um Anpassung
7. Das Problem moderner Evangelisationsmethoden

 

 

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