und

Erfolgsmeldungen zur eigenen Ehre II

oder Frucht zur Ehre Gottes?

Veröffentlicht am: 11.03.2017

 

Im letzten Teil haben wir gesehen, dass David von Satan dazu verleitet wurde, sein Kriegsheer zu zählen. Wir würden das wohl für das normalste der Welt halten, doch wir müssen bedenken, Israel war das Volk Gottes. Die Geschichte dieses Volkes war voller Beispiele für die Macht Gottes, der sie immer wieder vor ihren Bedrängern und Feinden errettet hatte. Mit mächtigem Arm hatte er sie aus der Sklaverei Ägyptens befreit. Der stolze Pharao und sein Kriegsheer waren in den Fluten des Meeres ertrunken, die Israeliten hingegen hatten dieses Meer trockenen Fußes durchquert. Ebenso hatte ihnen Gott den Sieg über die Völker geschenkt, deren Land sie nach Seiner Verheißung einnehmen durften. Die Psamlen sind voll dieser mächtigen Taten Gottes. Immer wieder wird davon berichtet, wie der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs Seine mächtige Hand schützend über Sein Volk gehalten hatte und ihnen Ruhe vor ihren Bedrängern verschafft hatte. Somit hätten sie wissen müssen, dass ihre Stärke nicht ihre militärische Streitmacht, sondern der lebendige Gott war, dem es nicht schwer ist, durch viele oder durch wenige zu retten (1.Sam 14,6). Ein klassisches Beispiel dafür, sehen wir in der Geschichte Gideons, wo der HERR zu Gideon sprach: Zu zahlreich ist das Volk, das bei dir ist, als dass ich Midian in seine Hände geben sollte; Israel könnte sich rühmen wider mich und sagen: Meine Hand hat mich errettet (Ri 7,2). Gott hatte das Kriegsheer, das ursprünglich aus 20.000 Mann bestanden hatte, mehrfach reduzieren lassen, so dass es letztlich nur 300 Männer waren, durch die der HERR Seinem Volk den Sieg über ihre Feinde geschenkt hatte (vgl. Ri 7,1-25).
Doch das ist nur eines, von unzähligen Beispielen, wie der HERR Seinem Volk treu zur Seite stand, die Geschichte Israels ist voll solcher beeindruckenden Beweise der Macht Gottes. Denken wir hierbei auch an die letzten Worte Josuas, als er dem Volk Israel folgendes ins Gedächtnis rief: Und der Herr hat große und mächtige Völker vor euch vertrieben, wie denn niemand bis zu diesem Tag vor euch bestehen konnte. Ein einziger von euch jagt tausend; denn der Herr, euer Gott, kämpft für euch, wie er euch verheißen hat (Jos 23,9-11).

All dies hat Gott in Seinem Wort niederschreiben lassen, um Seinem Volk vor Augen zu stellen, dass ER es ist, dem die Ehre für ihre militärischen Siege gilt, und dass sie es lernen sollten, nicht auf Heer oder Kraft zu vertrauen, sondern auf die Macht ihres Gottes (vgl. Sach 4,6). Allein darin war ihre Stärke, und ihre Sicherheit. Denn es ist, wie es in den Psalmen steht: Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst (Ps 127,1). All dies hatte König David offensichtlich verdrängt, so dass er sich dazu hinreißen ließ, seine kriegstüchtigen Männer zählen zu lassen. Was ein Zeichen dafür war, dass David stolz auf sein Kriegsheer war. Die Siege, die Israel über ihre Feinde errungen hatte, wurden nicht Gott zugeschrieben, sondern der eigenen militärischen Stärke. Bezeichnenderweise werden auch im Kapitel zuvor, die Helden Israels aufgelistet, doch was sagt die Schrift? Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der rettet (Zef 3,17).

Trotz dieser unzähligen geschichtlichen Belege und trotz eigener Erfahrungen hatte sich David dazu verleiten lassen sein Kriegsheer zählen zu lassen. Einige Gedanken dazu habe ich bereits im ersten Teil weitergeben, doch vielleicht waren meine Ausführungen für den ein oder anderen zu abstrakt, so dass der Gedanke aufkommen könnte, das betrifft uns nicht. Denn ich gehe davon aus, keiner der Leser ist ein König, der je in die Situation geraten könnte sein Kriegsheer zu zählen. Dennoch sollten wir dieses Thema nicht vorschnell abhaken, sondern uns fragen, wo wir in der Gefahr stehen, Vergleichbares zu tun. In der Einleitung von Teil 1 habe ich es bereits angedeutet, es ist die Gefahr, andere durch Zahlen beindrucken zu wollen. Wenn immer unser Dienst davon getrieben ist, bestimmte Zahlen erreichen zu wollen, dann zeigt uns diese alttestamentliche Begebenheit, woher diese Motivation stammt. Sie stammt nicht von Geist Gottes, sondern vom Geist des Widersachers. Denn wie gesehen, es war Satan, der diesen Gedanken in Davids Herz gesät hatte. Doch sein Ziel bestand darin, David und letztlich dem gesamten Volk Gottes Schaden zuzufügen. Hier wird deutlich, was uns nicht überraschen sollte, was Satan uns nahelegt, führt grundsätzlich in die falsche Richtung, und dies gilt insbesondere, wenn es ihm gelingt, Gläubige zum Stolz zu verleiten. All das sind menschliche, fleischliche Motive, die uns in die falsche Richtung locken und die letztlich dazu führen, dass wir einen menschengefälligen Dienst verfolgen. Einen Dienst, bei dem es nicht mehr um die Ehre Gottes geht, sondern um die eigene Ehre. Wer also das Wort Gottes mit andern teilen will, muss sich grundsätzlich fragen, ob er dem HERRN und Seinem Wort treu sein will, oder ob er bei allen beliebt sein will. Dies ist eine entweder oder Entscheidung, denn beides zugleich ist unvereinbar (vgl. Gal 1,10). Wenn wir Beliebtheit bevorzugen, wird sich unser Dienst nicht darum drehen, den Namen Gottes groß zu machen, sondern darum, uns selbst einen Namen zu machen. Gerade davon ist der natürliche Mensch regelrecht versessen. Manche Menschen sind nahezu bereit alles zu tun, nur um berühmt zu werden, doch als Gläubige sollten wir uns davor hüten. Überlegen wir uns doch nur, wie sich Jesus verhalten hat, als IHN das Volk zum König machen wollte – ER zog sich zurück. Wenn ER, der Sohn Gottes, sich in dieser Situation zurückgezogen hat, wie viel mehr müssen wir uns davor hüten, auf die Anerkennung der Menschen aus zu sein? (vgl. Joh 6,15). Mich befremdet es, wenn ich höre, dass Preise für die beste Predigt verliehen werden. Was wollen wir mit diesen Auszeichnungen und Titeln erreichen? Halten wir es doch lieber mit dem Apostel Paulus, der aus voller Überzeugung sagen konnte: „Ich halte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck halte, damit ich Christus gewinne!“ (Phil 3,8). 
Wenn Gläubige immer noch solche vergänglichen Titel sammeln, dann haben sie offensichtlich noch nicht den Reichtum in Christus erfasst. Aber nicht nur das, sie zeigen damit, dass ihr Leben von der irdischen Weisheit geprägt ist, anstatt von der Weisheit, die von oben herabkommt. Die Folgen davon sind Eifersucht, Eigennutz und Stolz (vgl. Jak 3,14-16). Doch Stolz und Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Und dies ist keine Weltweisheit, sondern das, was uns Gottes Wort in Sprüche 16,18 lehrt.

Aber kommen wir noch einmal auf den positiven Aspekt zurück, der in diesem Bibelabschnitt deutlich wurde, und das ist Davids Reaktion auf die Konfrontation mit seinem Fehlverhalten. Wie gesehen, hat er sein Fehlverhalten in keinster Weise beschönigt oder verharmlost. Er fing nicht an mit Gott zu diskutieren oder sein Verhalten in irgendeiner Form zu rechtfertigen. Nein, er gab in vollem Umfang zu, sich sehr versündigt zu haben. Die Frage ist, können wir vergleichbares Versagen unserseits auch so klar, als Schuld und Sünde sehen, so dass wir vor den Thron der Gnade kommen, um unser Versagen zu bekennen, und zwar nicht irgendwann, sondern in dem Moment, wo wir durch Gottes Wort damit konfrontiert werden? Oder gehen wir großzügig darüber hinweg, weil ja Gott ohnehin so gnädig ist, und es sicher nicht so eng sehen wird?

Ich denke, was unserer Generation gegenüber dem früheren Christentum am aller meisten abhandengekommen ist, dass ist die Gottesfurcht. Wir kennen nur noch den lieben Gott, doch die Schrift sagt nicht „Liebe, Liebe, Liebe ist der HERR!“, sondern: „Heilig, heilig, heilig ist der HERR!“ (Jes 6,3; Offb 4,8). Vieles was heute in christlichen Gemeinden gang und gäbe ist, wäre undenkbar, wenn man sich über die Heiligkeit Gottes im Klaren wäre. Ja, man würde über Vielem in Sack und Asche Buße tun, und wie einst Jesaja bekennen müssen: „Wehe mir, denn ich bin verloren. Denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich, und mitten in einem Volk mit unreinen Lippen wohne ich!“ (Jes 6,5). Man denke nur an die vielen seelischen Lobpreislieder, die eher eine Selbstbeweihräucherung der eigenen menschlichen Seele sind, als dass dadurch der verehrt würde, dem allein die Ehre gebührt. Doch leider fragt man nicht danach, ob es der Ehre Gottes dient, sondern nur noch, ob diese Art der Musik dazu geeignet ist, den Saal voll zu bekommen. Dabei hat Jesus bei der Tempelreinigung gesagt: „Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden“ (Mt 21,12). Doch wird wirklich Gott angebetet, wenn man IHM Worte in den Mund legt, und sich gegenseitig zu singt, wie toll und gut man doch ist?

William MacDonald hat gesagt: „Geisterfüllte Predigt erhebt immer den HERRN Jesus und erniedrigt sich selbst!“ 2. Doch was für die Predigt gilt, das gilt auch für den Lobpreis. Die grundsätzliche Frage muss gestellt werden: „Dient das Lobpreislied wirklich dazu, dass Jesus erhoben wird, oder wird durch dieses Lied der Mensch geehrt?“ 
Ist es nicht erstaunlich, dass ausgerechnet aus jener Ecke, die sich durch besondere Geistesfülle vom übrigen Christentum abheben will, sogenannte „Lobpreislieder“ kommen, die den Menschen erhöhen anstatt den HERRN?
Beachten wir doch im Gegensatz dazu das Selbstzeugnis jenes Propheten, über den Jesus sagte: „Wahrlich, ich sage euch, unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer aufgestanden als Johannes der Täufer!“ (Mt 11,11). Jener Prophet, über den bereits vor seiner Geburt gesagt wurde: „Denn er wird groß sein vor dem Herrn; weder Wein noch starkes Getränk wird er trinken und schon von Mutterleibe an mit Heiligem Geist erfüllt werden!“ (Lk 1,15).
Was sagte dieser geisterfüllte Prophet über sich selbst aus? War es ihm wichtig, einen großen Namen zu haben, war er stets am Zählen, wie viel Leute er taufte oder schielte er gar voll Eifersucht auf den Dienst des HERRN Jesus? Bestand etwa ein Konkurrenzkampf, wer mehr Jünger um sich scharen würde? Nichts dergleichen, im Gegenteil, Johannes sprach: „Er (Jesus) muss wachsen, ich aber abnehmen!“(Joh 3,30). Hier sehen wir, worin sich Geistesfülle bemerkbarmacht, sie zeigt sich darin, dass man nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellt, sondern dass Jesus großgemacht wird. Es geht nicht um Selbstverwirklichung und darum, selbst groß rauszukommen, sondern es geht um die Ehre Seines Namens. Genau das bewirkt der Heilige Geist, ER ist gekommen, um Jesus zu verherrlichen (vgl. Joh 16,14). Daher darf es nicht um Zahlen gehen, sondern allein um Treue gegenüber Seinem Wort. Allein daran werden Diener Gottes gemessen. Das einzige Prüfkriterium für geistlichen Erfolg, ist, dass wir treue Haushalter sind, die das anvertraute Gut bewahren und unverfälscht an andere weitergeben. Einzig und allein das ist Vorrausetzung, um einst die folgenden Worte aus dem Munde des HERRN zu hören: „Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh hinein in die Freude deines Herrn!“ (Mt 25,21)

Verabschieden wir uns doch von diesem weltlichen Erfolgsdenken, und nehmen wir, anhand dessen was uns die Schrift lehrt, wahr, was die Aufgabe eines treuen Dieners ist. Wir sind Verwalter, wir sind Haushalter Gottes, deren Dienst darin besteht, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen. Wenn wir unbequeme Bibelstellen auslassen, zeigt es nur, dass wir untreu sind und eine falsche Motivation haben. Dies gilt, wie bereits gesagt, auch dann, wenn wir die Wahrheit verkündigen, aber dabei nur den Fokus auf spektakuläre Themen haben, wovon wir uns höhere Besucherzahlen versprechen. Die ganze Schrift wurde uns gegeben, auch so ungeliebte Kapitel wie Römer 9 oder alttestamentliche Bücher wie das Hohelied. Ich kann das auch nur weitergeben, weil ich mich selbst dabei ertappt habe, manches zu überspringen. Ich kann nicht mal sagen warum, aber den Jakobusbrief habe ich oft ausgelassen, ebenso das Markusevangelium. Nach dem mir dies bewusst wurde, habe ich damit begonnen, diese beiden Bücher intensiver zu studieren, und erst da wurde mir bewusst, welch großer biblischer Reichtum mir entgangen war. Wenn wir dies doch wieder neu entdecken, und es wieder lernen, mehr in die Macht von Gottes Wort zu vertrauen, als in irgendwelche menschlichen Strategien, bei denen es letztlich nur um Zahlen geht.

Doch um nicht falsch verstanden zu werden, ich freue mich selbstverständlich über jeden, der diese Seite besucht, doch es soll dabei nicht um Statistiken und Zahlen gehen, sondern darum möglichst viele Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Umso mehr es sind, umso besser, aber nicht meinetwegen, damit ich mit einer Zahl prahlen kann, sondern damit möglichst viele das Wort Gottes hören. Mein Gebet und Herzensanliegen ist es, das Wort Gottes unverfälscht weiterzugeben und es dem HERRN zu überlassen, ob viele oder wenige erreicht werden. Auch was die Frucht angeht, liegt es nicht in meiner Hand, meine Verantwortung ist dieselbe, wie die eines jeden Diener Gottes, egal wie umfangreich der Dienst auch sein mag, es geht darum, treu am Wort Gottes festzuhalten. Und dies bedeutet, den guten Samen des Wortes nicht spärlich, sondern reichlich (also im ganzen Umfang) auszusähen (Mk 4,24-25). Ich bin überzeugt, nur wenn der ganze Ratschluss Gottes verkündigt wird, gilt die Verheißung aus Jesaja 55, wo Gott verspricht, dass Sein Wort nicht leer zurückkommen wird (vgl. Jes 55,11). Wird es jedoch nur selektiv verkündigt, dann werden letztlich nur Halbwahrheiten weitergegeben, die zu einem falschen Gottesbild führen und keine wahre Frucht hervorbringen werden. Verkündet man nur, wonach den Menschen die Ohren jucken, mag man vielleicht Hallen oder gar Stadien füllen und ständig neue Besucherrekorde verzeichnen können, doch Seelen werden damit nicht gewonnen, im Gegenteil, sie werden in die Irre geführt.

Doch nun wieder zurück zu David. Wie gesehen, Satan hatte sein Herz dazu verleitet, seine Streitmacht zu zählen, wodurch deutlich wurde, dass er die Ursache seiner erfolgreichen Kriege letztlich bei sich selbst ausgemacht hatte. Er sah den Grund für den Erfolg in seiner Kriegsstrategie und seinem großen Heer, anstatt in der Macht Gottes. So wurde dem HERRN die Ehre verweigert, die IHM zustand. Denn satt IHM zu danken, klopfte sich David, bildlich gesehen, selbst auf die Schulter. Was auch vielen Christen nicht bewusst ist, vor Gott ist dies absolut inakzeptabel. Lernen wir also durch diesen Bibelabschnitt wieder ernst zu nehmen, was in Jesaja 42,8 geschrieben steht: Ich bin der Herr, das ist mein Name; und ich will meine Ehre keinem anderen geben.
Dass dies keine leeren Worte sind, können wir sehr deutlich in der Strafe sehen, die Davids Fehlverhalten nach sich zog. Wobei Gott David die Wahl gelassen hatte, zwischen unterschiedlichen Strafen zu wählen, indem ER ihm durch den Propheten Gad folgende Botschaft übermittelte: „So spricht der HERR: Nimm dir, entweder drei Jahre Hungersnot oder drei Monate lang Niederlage vor deinen Bedrängern, wobei das Schwert deiner Feinde dich einholt, oder drei Tage das Schwert des HERRN und Pest im Land, und dass der Engel des HERRN Verderben bringt im ganzen Gebiet Israels! Und nun sieh zu, was für eine Antwort ich dem zurückbringen soll, der mich gesandt hat!“ (V 11-12).

Kommen wir nun zu Davids Reaktion, und sehen uns an, was für eine Wahl er getroffen hat. Wir finden die Antwort im Text ab Vers 13, wo folgendes schildert wird:
Und David sagte zu Gad: Mir ist sehr angst! Lass mich doch in die Hand des HERRN fallen! Denn seine Erbarmungen sind sehr groß. Aber in die Hand der Menschen lass mich nicht fallen! Da gab der HERR die Pest in Israel; und es fielen von Israel 70 000 Mann.
Und Gott sandte den Engel nach Jerusalem, um es zu vernichten. Und als er zu vernichten begann, sah es der HERR, und er hatte Mitleid wegen des Unheils. Und er sprach zu dem Engel, der vernichtete: Genug! Lass deine Hand jetzt sinken! Der Engel des HERRN stand aber gerade bei der Tenne Ornans, des Jebusiters. Und als David seine Augen erhob, sah er den Engel des HERRN zwischen der Erde und dem Himmel stehen, sein Schwert gezückt in seiner Hand, ausgestreckt über Jerusalem. Da fielen David und die Ältesten, in Sacktuch gehüllt, auf ihr Angesicht. Und David sagte zu Gott: Habe nicht ich befohlen, das Volk zu zählen? Bin ich es doch, der gesündigt und Böses getan hat! Aber diese Schafe, was haben sie getan? HERR, mein Gott, lass doch deine Hand gegen mich und gegen das Haus meines Vaters sein, aber nicht gegen dein Volk mit dieser Plage! Und der Engel des HERRN sprach zu Gad, dass er zu David sage, David solle hinaufgehen, um dem HERRN einen Altar zu errichten auf der Tenne Ornans, des Jebusiters. Da ging David hinauf auf das Wort Gads hin, das der im Namen des HERRN geredet hatte. Und Ornan wandte sich um und sah den Engel; und seine vier Söhne bei ihm versteckten sich. Ornan aber drosch Weizen. Und David kam zu Ornan heran; und Ornan blickte auf und sah David, und er ging aus der Tenne hinaus und warf sich vor David nieder, mit dem Gesicht zur Erde. Und David sagte zu Ornan: Gib mir den Platz der Tenne, dass ich dem HERRN einen Altar darauf baue! Für den vollen Preis sollst du ihn mir geben, damit die Plage vom Volk abgewehrt wird (1.Chr 21, 13-23). 

Ist das nicht erschütternd? 70.000 Mann starben durch die Pest. Ist uns dies nicht Beweis genug, dass es Gott nicht duldet, wenn ER Seiner Ehre beraubt wird? Für uns mag das ziemlich hart klingen, doch viel schlimmer wäre es gewesen, wenn Gott hier nicht eingegriffen hätte. Denn die schlimmste Form göttlichen Gerichts, ist das Dahingeben, wenn ER halsstarrige Menschen sich selbst überlässt, doch darauf möchte ich später noch einmal zurückkommen. David war nicht so halsstarrig, er hatte einen großen Fehler gemacht, doch er hatte Buße getan. Dennoch hatte er unter den Folgen seiner Fehlentscheidung zu leiden und wahrlich nicht nur er. Auch dies muss uns eine Lehre sein, ohne Frage 1.Johannes 1,9 sagt: Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.
Das steht völlig außer Frage, Gott hatte David auch verziehen, dennoch machte dies sein Fehlverhalten nicht ungeschehen und dies muss auch uns bewusst sein. Durch das Blut des HERRN Jesus, haben wir die Zusage der Vergebung, und wir werden gewiss von unseren Sünden gereinigt, dennoch müssen wir oft unter den Nachwirkungen unserer Fehltritte leiden, weil hier im Irdischen nicht immer alles reparabel ist. Um nur ein Beispiel zu nennen, angenommen ein Mann betrügt seine Frau, wenn er Buße tut und diese Schuld vor dem HERRN bekennt, wird ihm vergeben werden, eine Garantie, dass ihm seine Frau ebenfalls vergeben wird, hat er jedoch nicht. Es kann sein, dass seine Ehe durch diese Sünde zerstört wird, was sich auch negativ auf das Verhältnis zu seinen Kindern auswirken wird. Diese wiederum haben dann auch unter der Sünde ihres Vaters zu leiden. Daher müssen wir unterscheiden, zwischen der geistlichen Ebene und dem, was unsere Sünde in unserem eigenen Leben und in unserem Umfeld anrichtet. Im Vergleich zu König David hat ein Familienvater einen relativ kleinen Einflusskreis, doch das geistliche Prinzip ist dasselbe. Ob im Großen oder im Kleinen, die Sünde ist der Leute verderben, wir dürfen sie also nie als etwas Harmloses sehen, sondern müssen uns immer vor Augen halten, es war unsere Sünde, die Jesus an Kreuz brachte. Können wir an etwas Freude finden, das unserem Heiland so viel Schmerz zufügte?

Doch nun wieder zu David, wie gesehen, musste er mit den Folgen seiner Sünde leben, doch Gott hatte ihm die Wahl gegeben, und zwar musste er zwischen 3 möglichen Strafen entscheiden. Die Wahl die er getroffen hat, macht deutlich, dass er lieber von Gott gerichtet werden wollte, als in die Hände unberechenbarer Menschen zu fallen. David wusste, dass Gott im Gegensatz zu seinen Feinden, keine Freude daran haben würde, ihn und sein Volk zu quälen, und so begab er sich zitternd in die Hand Gottes, indem er sprach: Mir ist sehr angst! Lass mich doch in die Hand des HERRN fallen! Denn seine Erbarmungen sind sehr groß. Aber in die Hand der Menschen lass mich nicht fallen! Stellt sich hier nicht die Frage, ob sich David in Gott getäuscht hatte? „Denn seine Erbarmungen sind sehr groß!“, hatte David gesagt, doch passt das zusammen, wenn wir dann lesen, dass 70.000 Israeliten durch die Pest getötet wurden? Hatte sich David geirrt, war das Erbarmen Gottes gar nicht so groß, wie er gehofft hatte? Keineswegs, genau dieses Erbarmen sehen wir mitten in diesem schrecklichen Gericht, denn mitten im Strafgericht, lesen wir: Und als er (der Engel) zu vernichten begann, sah es der HERR, und er hatte Mitleid wegen des Unheils. Und er (der HERR) sprach zu dem Engel, der vernichtete: Genug! Lass deine Hand jetzt sinken!

Was ich an dieser Stelle betonen möchte, ist, dass wir Gottes Erbarmen nicht darin sehen dürfen, dass ER grundsätzlich auf Gericht und Strafe verzichtet. Es ist nicht so, dass Gott Gnade vor Recht ergehen lässt. Dass ER einfach immer alles durchgehen lässt, und Sünde niemals Konsequenzen haben wird. Das mag zwar der Auffassung der modernen Theologen entsprechen, aber das entspricht nicht dem, was uns die Bibel über Gott lehrt. Denn geschrieben steht, zwar sehr wohl: Der HERR ist langsam zum Zorn und groß an Gnade, der Schuld und Treuebruch vergibt, doch der Text ist damit nicht zu Ende, denn direkt auf diese Aussage folgt ein „Aber“ und dieses lautet, aber keineswegs ungestraft lässt (4.Mo 14,18). Gott lässt nicht Gnade vor Recht walten, Nein, Gott ist ein gerechter Richter, mit dessen Heiligkeit und Reinheit es unvereinbar ist, Sünde ungestraft durchgehen zu lassen. Doch wie war es möglich, dass dem Unheil dennoch Einhalt gewährt werden konnte? 
Es war nur möglich durch ein stellvertretendes Opfer, bei dem Blut fließen musste. Und dies ist ein unumstößliches geistliches Prinzip, welches lautet: Ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung (Hebr 9,22). Und so lesen wir dann ab Vers 26: Und David baute dort dem HERRN einen Altar und opferte Brandopfer und Heilsopfer. Und er rief zu dem HERRN, und der antwortete ihm mit Feuer, das vom Himmel auf den Altar des Brandopfers fiel. Und der HERR sprach zu dem Engel, und der steckte sein Schwert wieder in seine Scheide. 

Doch dieses Opfer und all die unzähligen anderen Tieropfer zurzeit des Alten Bundes waren nur ein Vorschatten auf das vollkommene Opfer, das der Sohn Gottes am Kreuz vollbracht hat. Damals war dies noch Zukunft, heute ist es Vergangenheit, doch die Grundlage der Erlösung war seit eh und je, dieses Opfer des Lammes. Auch die Heiligen im Alten Bund konnten sich ihr Heil nicht durch das Halten des Gesetzes verdienen, selbst die Besten unter ihnen waren nicht vollkommen, keiner war Fehlerlos, alle ohne Ausnahme wurden aus Gnade gerettet, und dies allein auf der Grundlage des überragenden Erlösungswerks von Golgatha. Durch diese Opfer wird dem gerechten Strafgericht Einhalt geboten. „Steckte sein Schwert wieder in seine Scheide!“, sagte Gott dem Engel wegen des Opfers. Was dies neutestamentlich bedeutet sehen wir in den Worten von Jesus: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen (Joh 5,24). Und Paulus wiederholt diese überwältigende Wahrheit, indem er in Römer 8, Vers 1 schreibt: So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.

Das ist Gottes überragender Rettungsplan, doch wer glaubt, man käme grundsätzlich ungeschoren davon, der kann anhand dieser alttestamentlichen Begebenheit deutlich sehen, dass Gott wirklich ein eifersüchtiger Gott ist, der Sünde nicht ungestraft lässt. Menschen, die IHM Seiner Ehre berauben, und zudem so vermessen sind, Sein Rettungsangebot auszuschlagen, werden dem Zorn Gottes nicht entfliehen können. Doch auch jene, die gottesfürchtig leben, sollten nie auf den Gedanken kommen, sie seien perfekt genug, um sich den Weg ins Himmelreich selbst zu ebnen. Wir haben nur Zugang durch das vollkommene Opfer des Lammes. Doch Gottesfurcht ist die Voraussetzung um Gottes Gnade zu erfahren, denn geschrieben steht: Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten (Ps 103,11).

Selbst die Besten unter den Gläubigen werden nicht durch Eigenverdienst, sondern durch Gnade gerettet. So heißt am Ende des 2. Gebots 1: Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten (2.Mo 20,6: 5.Mo 5,10).
Hier wird deutlich, jene, die Gott lieben und Seine Gebote halten, sind dennoch auf Gottes Barmherzigkeit und Gnade angewiesen. Kein Heiliger ist je in der Lage, so vollkommen zu leben, dass er sich seinen Platz im Himmel verdienen könnte. Die Errettung eines Sünders geschieht allein aus Gnade. Doch was ist die Grundvoraussetzung, um Anteil an dieser Gnade zu haben? Es ist genau das, was wir in der Reaktion Davids sehen ist, er suchte nicht nach irgendwelchen Ausreden oder Ausflüchten, sondern war wirklich tief getroffen. So bekannte er seine Schuld, wodurch er wieder mit Gott ins Reine kam. Gottes Wort fordert uns dazu auf, es ihm gleichzutun, indem uns gesagt wird: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2.Kor 5,20).

Diese Versöhnung ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist weder so, dass wir es verdient hätten, noch dass wir irgendeinen Anspruch darauf hätten. Vielmehr ist es allein der unbegreiflichen Gnade Gottes zu verdanken, der mit Seinem Sohn, das Kostbarste gab, um unsere Schuld zu sühnen. Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt (2.Kor 5,21).
Sünde ist in den Augen des heiligen Gottes so schrecklich, dass nur das vollkommene Opfer das Christus vollbracht hat, Seinen Zorn stillen konnte. Nur durch dieses Opfer, ist Versöhnung mit dem heiligen Gott möglich. Doch nichts könnte verkehrter sein, als daraus zu schließen, man müsse Gott aufgrund Seiner unbegreiflichen Gnade nicht ernst nehmen. Gewiss, ER ist bereit uns auf Grundlage dieses Opfers zu vergeben, doch wozu soll dies führen? Etwa dazu, dass wir alles ganz locker nehmen und uns sagen: „ER wird uns sowieso vergeben!“? Gewiss nicht, vielmehr sollte es uns zeigen, wie sehr Gott Sünde verabscheut und uns davor bewahren, mit der Sünde zu spielen. Statt aufgrund dieses überragenden Opfers auf die Idee zu kommen, man hätte jetzt eine Art Freibrief, um weiter in der Sünde zu leben, sagt uns Psalm 130,4: Doch bei dir ist die Vergebung, damit man dich fürchte.

Doch Gottesfurcht ist keine panische Furcht vor einem unnahbaren, unberechenbaren Disput, sondern eine kindliche Unterordnung unter die Herrschaft eines barmherzigen, gütigen Vaters, doch zugleich ist es nicht weniger, als die angemessene Ehrfurcht und Ehrerbietung vor dem, der unser Leben und Schicksal in Händen hält. Gott ist wahrhaftig ein liebender Vater, doch ER ist eben nicht der lockere Kumpeltyp. Gott ist kein antiautoritärer Vater, dessen Kinder sich selbst überlassen sind, sondern ein Vater, der Seine Kinder erzieht. Denn wen der HERR liebt, den weist er zurecht, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn (Spr 3,12). Aus diesem Grund lesen wir im Neuen Testament: Daher, meine Geliebten - wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht nur in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit -, bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern! (Phil 2,12). Gott ist nicht im Alten Testament der Strenge und im Neuen Testament der Lockere, das ist nur eine Lüge des Teufels, der Christen dazu verleiten will, Gottes Güte zu missbrauchen, und darin einen Freibrief für ein zügelloses Leben zu sehen. Beachten wir abschließend was Paulus der Gemeinde in Korinth schreibt, und fragen wir uns, ob wir uns wirklich mit Gott anlegen wollen? Paulus musste die Korinther kritisieren, weil sie das Abendmahl unwürdig eingenommen hatten. Worauf er folgendes sagte: Denn wer isst und trinkt, isst und trinkt sich selbst Gericht, wenn er den Leib des Herrn nicht richtig beurteilt. Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein gut Teil sind entschlafen. Wenn wir uns aber selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber vom Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden (1.Kor 11,29-32).

Das heißt, einige wurden krank, andere wurden sogar mit dem Tod bestraft, wie kommt unser modernes Christentum nur darauf, Gott würde immer alles ganz locker nehmen? Uns erscheint das Vergehen der Korinther vielleicht genauso harmlos, wie der Vorfall mit König David, der sein Kriegsheer zählen ließ, doch, wenn wir wirklich gläubig sind, dann sollten wir wissen, dass das Gericht Gottes beim Haus Gottes anfängt. Weiter sagt die Schrift: Wenn aber zuerst bei uns, was wird das Ende derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen? Und wenn der Gerechte mit Not gerettet wird, wo wird der Gottlose und Sünder erscheinen? (1.Petr 4,17-18). Doch seien wir dankbar, dass Gott uns nicht uns selbst überlässt, sondern uns erzieht, denn würde ER es nicht tun, müsste ER uns mit der Welt verdammen. Die Welt ist dahingegeben, in ihrem verworfenen Sinn, zu tun, was sich nicht ziemt (Röm 1,28), Gläubige hingegen sind aus diesem gefallen System herausgerettet, um die im Fleisch noch übrige Zeit nicht mehr den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes zu leben (1.Petr 4,2). Gottes Erziehung dient dazu, uns auf diesem Kurs zu halten, so heißt es im Hebräerbrief: Alle Züchtigung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit (Hebr 12,11).

 

 


  Kompletter Beitrag als

 

 

Anmerkung:
1. William MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament, S.163
2. Für die 10 Gebote gibt es 2 unterschiedliche Zählweisen

 

www.evangeliums-botschaft.de

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