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Entflieht dem kommenden Zorn

17.09.2016

Beachte die Frage von Johannes dem Täufer: Als er aber viele von den Pharisäern und Sadduzäern zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: "Schlangenbrut! Wer hat euch eingeredet, ihr könntet dem zukünftigen Zorn entfliehen?“ (Mt 3,7).

Ich habe keinen Zweifel, dass die Pharisäer und Sadduzäer sehr überrascht waren, dass Johannes sie auf diese Weise ansprach. Menschen, die Jünger gewinnen wollen, benutzen normalerweise eine mildere Sprache als diese, und sie wählen attraktivere Themen, da sie fürchten müssen, dass ihre Zuhörer sich von ihnen abwenden, wenn sie zu persönlich werden und zu scharfe Worte verwenden.

Heute besteht kaum noch die Gefahr, dass so etwas passiert, denn die allgemeine Überzeugung ist, dass die Diener des Evangeliums die Seide ohne eine scharfe Nadel nähen können; und anstatt die Menschen mit dem Wort des Geistes zu durchdringen, zeigt ihnen nur den Schwertgriff, lasst sie die leuchtenden Diamanten auf der Schwertscheide sehen, aber lasst sie niemals die Schärfe des zweischneidigen Schwertes spüren. Sie müssen immer trösten und aufmuntern und erfreuen, aber niemals dürfen sie von dem Schrecken des HERRN sprechen.

Dies erscheint die allgemeine Interpretation unserer Berufung zu sein; aber Johannes der Täufer hatte eine andere Gesinnung.

Da kam ein Pharisäer zu ihm, ein sehr religiöser Mann, jemand, der alle Details äußerer Frömmigkeit erfüllte und sogar sehr vorsichtig bei Kleinigkeiten war, ein fester Gläubiger an die Auferstehung und Engel und Geister und an alles, was in dem Buch des Gesetzes geschrieben stand, und ebenso an die Traditionen seiner Vorväter, ein Mann, der es mit der äußeren Religiosität übertrieb, ein Ritualist ersten Grades, der glaubte, wenn es einen gerechten Menschen in der Welt gibt, dann war sicherlich er es.

Er muss sehr schockiert gewesen sein, als Johannes zu ihm über den Zorn Gottes redete und ihm klar darlegte, dass dieser Zorn genauso für ihn wie für alle anderen Menschen bestimmt war. Diese Gebetsriemen und die breiten Quasten seiner Kleider, auf die er so stolz war, würden ihn nicht vor dem Zorn Gottes gegen Ungerechtigkeit und Übertretung schützen; wie jeder gewöhnliche Sünder musste auch er dem kommenden Zorn entfliehen.

Ich wage zu behaupten, dass die Sadduzäer über die deutliche Sprache des Johannes ebenfalls schockiert waren. Auch der Sadduzäer war ein religiöser Mensch, aber er verband seine Religion mit einer größeren Gelehrsamkeit als die Pharisäer – zumindest behauptete er das von sich. Er glaubte nicht an Traditionen, er war zu aufgeschlossen, um sich über die kleinen Details und Äußerlichkeiten der Religion Gedanken zu machen. Er hielt das Gesetz des Mose, aber er hing mehr am Buchstaben als an seinem Geist, und er akzeptierte nicht alles, was geoffenbart wurde, denn er leugnete, dass es Engel oder Geister gab. Er war ein toleranter Kirchenmann von liberaler Auffassung, ganz auf der Höhe des Zeitgeistes. Er bekannte, ein Hebräer von Hebräern zu sein; gleichzeitig ruhte das Joch der Religion sehr leicht auf seinen Schulter. Er war nicht irreligiös; aber hier ist Johannes der Täufer, der dem Sadduzäer wie dem Pharisäer sagt, dass der Zorn Gottes auf sie kommt.

Beide hätten sich ein kleines Streitgespräch mit ihm gewünscht, aber er sprach von dem kommenden Zorn, dem es zu entfliehen galt. Beide hätten Gefallen daran gefunden, mit ihm einige theologische Fragen zu klären und die Unterschiede ihrer Sekten zu erklären, um zu hören, wie Johannes darüber denkt und um sie wissen zu lassen, welchen Weg er bevorzugen würde.

Aber er vergeudete nicht einen Augenblick mit diesen Streitfragen zwischen Pharisäern und Sadduzäern; der eine Punkt, den er ansprechen musste, war der Punkt, den er in einer Versammlung von Zöllnern und Huren angesprochen hätte, und darüber sprach er mit diesen nach außen religiösen Menschen in der gleichen Weise. Sie müssen dem kommenden Zorn entfliehen oder sie mussten, so wahr sie lebten, unter diesen Zorn kommen und verlorengehen.

Johannes blieb bei diesem einen Thema; er legte die Axt an die Wurzel der Bäume, als er die heuchlerischen Bekenner warnte, ihr Leben zu retten, andernfalls würden sie umkommen in dem allgemeinen Gericht, das alle gottlosen Männer erreichen wird.

Dies war nicht der Predigtstil, den die Zuhörer von Johannes liebten; aber Johannes dachte nicht darüber nach. Er kam nicht, um das zu sagen, was die Menschen von ihm wünschten, sondern er trug die Last des HERRN und wollte deutlich aussprechen, was das Beste im ewigen und unsterblichen Interesse des Menschen war. Er sprach darum, erstens, über den Zorn Gottes; und dann sprach er über den Weg, wie man diesem Zorn entgeht.
 


Charles Spurgeon, Auszug aus der Predigt Flee from the Wrath to Come, 23. Oktober 1881, Metropolitan Tabernacle, London.

Ursprüngliche Quelle und Dank:distomos.blogspot.commehr dazu unter dem Vorwort

 

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