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Emerging Church - Wolfgang Nestvogel

Wo die Wahrheit auszieht, da zieht Lüge ein

W
olfgang Nestvogel schreibt über die inhaltliche Besetzung von Begriffen und den Versuch der Vertreter der Emerging Church vertraute Begriffe umzudeuten:

Vertreter der Emerging Church erwecken den Eindruck, sie wollten bewusst auf die Formulierung verbindlicher und präziser biblischer Lehre verzichten; solcher »Dogmatismus« könne von den Zeitgenossen nicht mehr verstanden werden. Dabei übersehen oder verschleiern sie, dass ihr Zugang wesentlich aggressiver ist: Er beabsichtigt nicht nur den Abbau vertrauter biblischer Überzeugungen (Dekonstruktion), sondern ersetzt diese durch unbiblische Lehren, die von der Emerging Church dezidiert propagiert werden. Auch im Hinblick auf biblische Lehre gibt es kein Vakuum - wo die Wahrheit auszieht, da zieht Lüge ein. Da wird biblische Lehre durch eine Vielzahl antibiblischer Lehren ersetzt. Zu behaupten, man könne auf Lehre verzichten, ist entweder Betrug oder Selbstbetrug. 

Der Emerging Church geht es letztlich nicht um einen Verzicht auf Lehre, sondern um die entschlossene Einführung neuer, anderer Lehren. Das geschieht allerdings in der Regel nicht mit offenem Visier, sondern auf schleichendem Wege. Das wichtigste Mittel zur Umsetzung dieser Strategie ist der gezielte Gebrauch jener Sprache, von der man behauptet, sie könne keine eindeutigen Aussagen machen. Dabei werden vertraute Begriffe (wie »Reich Gottes«, Menschwerdung Gottes Inkarnation«) umgedeutet oder neue Begriffe (wie »missional« in Abwandlung des vertrauten »missionarisch«) eingeführt.

Die folgende Skizze soll zeigen, wie mit der Einführung und Propagierung des Begriffs »missional« eine revolutionäre Veränderung des Verständnisses von Mission selbst einherging. 

Die Vordenker der Emerging-Church-Bewegung in Deutschland fordern eine nachhaltige Veränderung des evangelikalen Kurses. Man dürfe in Zukunft nicht mehr damit rechnen, dass die entscheidenden geistlichen Impulse durch die Verkündigung der biblischen Botschaft entstehen würden. Dies sei ein grundlegender Irrtum, behauptet Johannes Reimer. Er sei dadurch entstanden, dass die Evangelikalen den biblischen Missionsbegriff völlig falsch verstanden hätten. »Haben wir den Mut und sagen es: Wir haben versagt.
 

[...] Die evangelikale Bewegung scheint in einer Krise ... sie wurzelt in einem einseitigen und damit falschen Verständnis der Mission.« Man habe in der Vergangenheit zu einseitig auf evangelistische Verkündigung gesetzt. Einer der Schüler Reimers, Tobias Faix, bekräftigte diese Behauptung im Interview mit ideaSpektrum. Befragt zu Reimers Behauptung, bestätigte er: »Einer der Gründe für die derzeitige Krise ist die einseitige Betonung der Verkündigung [...].« Laut Reimer und Faix leidet die evangelikale Welt nicht an zu wenig oder zu oberflächlicher Verkündigung sondern an deren Überfluss! 

Diesen Zustand wollen sie verändern und die Wortverkündigung aus dem Zentrum der Mission verdrängen. Dazu ist es erforderlich, grundlegende evangelikale Überzeugungen, die in bibeltreuen Kreisen als selbstverständlich gelten, infrage zu stellen, aufzuweichen und nachhaltig zu verändern. Anlässlich der Eröffnung des Studiengangs »Gesellschaftstransformation« am Marburger Bildungs- und Studienzentrum (geleitet von seinem Schüler Tobias Faix), behauptete Reimer: Der Missionsbefehl sei keine Aufforderung »zur Proklamation des Evangeliums, sondern zur Transformation des Denkens und als Folge davon des Lebens«. In einem Interview forderte er einen »Paradigmenwechsel«, d. h. eine grundlegende, die Fundamente verändernde Neuausrichtung:»Freilich wird die Erneuerung einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel im Bewusstsein der Verantwortlichen voraussetzen. Und dafür sehe ich bereits deutliche Zeichen an der Wand.«

Eine wichtige Waffe im Kampf um das Denken der Zeitgenossen ist, wie bereits gesagt, die Prägung und inhaltliche Besetzung von Begriffen. Wörter sind Träger von Gedanken, die Herzen verändern können. Das gilt nicht nur in der Theologie. Der Staatsrechtler Helmut Quaritsch hat diesen Sachverhalt auf den Punkt gebracht: »Im Kampf der Geister ist die Besetzung eines Begriffs so wichtig wie im Krieg die Eroberung einer Festung.« In diesem Sinne prägt und benutzt die Emerging-Church- Bewegung zum Beispiel den Begriff »missional«. Wer sich in dieser Situation zurechtfinden und die Geister unterscheiden will, muss den Unterschied zwischen »missional« und »missionarisch« präzise bestimmen können.

Maleachikreis, Verführung auf leisen Sohlen, S.82-85. 

 


 

Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis von Georg Walter, auf dessen Seite http://distomos.blogspot.de ich diesen Beitrag entdeckt habe.  Wer mehr zum Thema „Emerging Church“ erfahren möchte, findet auf dieser Seite weitere Beiträge.

 

Außerdem empfehle ich zu diesem Thema die Vorträge des Maleachitages III
27.10.2012 in Holzgerlingen

 

 

Außerdem sind unter folgenden Links hilfreiche Beiträge zum Thema zu finden:

http://kfg.org/zeitschrift/archiv/apologetik-kritisches/

http://www.clkv.ch/broschuerentexte/cat_view/37-emerging-churchpostmoderne

https://bibelbund.de/2015/11/die-emerging-church-in-ihrem-selbstverstaendnis

 

 

 

www.evangeliums-botschaft.de

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