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Eli, ein halbherziger Priester II

28.10.2016
 
Im ersten Teil hat Georg Walter das Leben und Verhalten des Priesters Eli und seiner Söhne sehr treffend auf unsere Generation angewendet, indem er aufgezeigt hat, dass es leider viele Parallelen zum geistlichen Abfall in unseren Tagen gibt. Im zweiten Teil möchte ich nun versuchen, den ein oder anderen Punkt noch etwas zu vertiefen. Dazu will ich noch einmal auf ein paar Schlüsselaussagen aus dem biblischen Bericht zurückkommen. Eine davon, finden wir in den Worten, die wir am Ende des Textes finden, wo über Eli gesagt wird: Denn er war alt und ein schwerer Mann (1.Sam 4,18).
 
Diese Aussage zeigt, dass der Priester Eli am Ende seines Lebens ein wohlgenährter Mann war. Offensichtlich war er Zeit seines Lebens mehr um sein leibliches Wohl besorgt, als um sein geistliches. Statt seinen Sinn auf das zu richten, was Droben ist, war er eher von einer fleischlichen Gesinnung geprägt. Anstatt seine Freude und Erfüllung in einer ungetrübten Beziehung zum Herrn zu suchen, war er irdisch gesinnt.
 
Letztlich war es genau diese Gesinnung, die ihn davon abhielt, seine Söhne zurechtzuweisen. Zwar hat er sie mit ihrem frevelhaften Verhalten konfrontiert, doch erstens geschah dies erst, als er bereits sehr alt war, und zweitens ließ er dabei die notwendige Konsequenz vermissen. Die Zurechtweisung seiner Söhne war eher eine Art Alibiverhalten, so als wollte er sein Gewissen beruhigen, indem er zu sich sagen konnte, es angesprochen zu haben. Zugleich wollte er es sich mit seinen Söhnen nicht verscherzen. Es war sozusagen ein Spagat, zwischen seinem Gewissen und seinen fleischlichen Wünschen. So war er an diesem Punkt zwiegespalten -  geistlich gesehen, war ihm bewusst, welch schreckliches Vergehen es war, dass seine Söhne das Opfer des Herrn geringachteten, doch zugleich war da noch eine andere Stimme in ihm, und diese flüsterte ihm ein: „Wenn du an diesem Punkt zu streng bist, werden sie dich zukünftig nicht mehr mit den besten Stücken des Opferfleisches versorgen!“
 
Dass dies mehr als eine vage Vermutung ist, machen die Worte deutlich, mit denen der HERR das Gericht über Elis Haus angekündigt hat, wo es heißt: Und du ehrst deine Söhne mehr als mich, dass ihr euch mästet von dem Besten aller Opfer meines Volkes Israel (1.Sam 2,29).
Das Wörtchen „ihr“ macht deutlich, dass der Herr, Eli nicht nur vorhielt, dass sich dessen Söhne mit dem Opferfleisch mästeten, sondern dass ER, Eli mit einbezieht. Es heißt nicht „sie“ (also nur die Söhne) mästen sich, sondern: „Ihr“ mästet euch von dem Opferfleisch. Eli selbst war zwar nicht direkt an dem gottlosen Verhalten seiner Söhne beteiligt, doch weil sie auch ihn, mit dem unrechtmäßig an sich gerissenen Opferfleisch versorgten, profitierte er letztlich auch davon. Je konsequenter er seine Söhne mit ihrer Schuld konfrontiert hätte und je deutlicher er sich davon distanziert hätte, je wahrscheinlicher hätten sie ihn das spüren lassen. Es wäre sehr naheliegend gewesen, dass sie gesagt hätten: „Ok Vater, wenn du da mit deinem Gewissen nicht klarkommst, kein Problem, wir finden schon Verwendung für den Anteil, den wir dir immer abgegeben haben!“
 
Solche oder ähnliche Gedanken, werden ihm vermutlich durch den Sinn gegangen sein, und diese Überlegungen waren es wohl, die den Ausschlag gaben, dass er jahrelang über das abscheuliche Verhalten seiner Söhne hinweggesehen hatte. Als er es schließlich zur Sprache brachte, geschah dies, wie gesagt, nicht mit der nötigen Konsequenz, weil er sich nicht deutlich genug, vor dem abscheulichen Treiben seiner Söhne, distanzierte. Doch wie sollte er dies auch glaubwürdig vermitteln, wo er doch all die Jahre über, geschwiegen hatte? Dennoch gab ihm der HERR die Möglichkeit, seinen menschengefälligen, fleischlichen Kurs zu ändern, denn es gab eine Zeitspanne zwischen der ersten Warnung vor dem göttlichen Gericht, und jenem Tag, als der HERR zu Samuel sprach, um Eli erneut damit zu konfrontierten. Daher lautete die Botschaft, die der HERR Samuel übermittelte: Denn ich hab's ihm angesagt, dass ich sein Haus für immer richten will um der Schuld willen, dass er wusste, wie sich seine Söhne schändlich verhielten, und ihnen nicht gewehrt hat (1.Sam 3,13).
Der HERR hatte es Eli angezeigt, doch anstatt, dass Eli noch einmal auf seine Söhne zugegangen wäre, ließ er den Dingen ihren Lauf. Aus diesem Grund warf ihm der Herr vor, seinen Söhnen nicht gewehrt zu haben, und dies obwohl ER Eli ausdrücklich vor dem Gericht gewarnt hatte. Wie bereits erwähnt, rein menschlich gesehen, hätte sich Eli damit ins eigene Fleisch geschnitten, denn immer das Beste vom Opferfleisch abzubekommen oder womöglich ganz von der Versorgungskette ausgeschlossen zu sein, ist ein himmelweiter Unterschied. Und je älter er wurde, je mehr war er von seinen Söhnen abhängig. Es gab ja damals auch noch kein Rentensystem, somit bestand umso mehr die Abhängigkeit gegenüber seinen Söhnen. Menschlich sind seine Überlegungen wirklich nachvollziehbar, doch letztlich ist es eben nur eine rein irdische Sichtweise, eine Sichtweise, die ausblendet, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt, sondern dass unser Leben in der Hand Gottes liegt.
 
Doch ehe man zu sehr mit Eli ins Gericht geht, stellt sich für uns natürlich die Frage, ob wir nicht in derselben Gefahr stehen? Ich denke genau an diesem Punkt, sollten wir unsere eigene Gesinnung prüfen. Sind wir wirklich immer treu und konsequent in unserem Denken, Handeln und Reden oder ziehen wir diese klare Linie nur durch, sofern sich daraus nicht irgendwelche Nachteile für uns ergeben könnten? Dazu einmal ein paar praktische Überlegungen:
 
 
1. Ist es nicht auch so, dass jene, die im vollzeitlichen Dienst stehen, sich bei konsequenter Treue zum Wort Gottes, rein menschlich gesehen, fragen müssen, ob sie nicht auf dem Ast sägen, auf dem sie sitzen? Besteht hier nicht die Gefahr, sich dazu verleiten zu lassen, unangenehme Themen zu umgehen und sich ausschließlich mit solchen zu befassen, bei denen man sich der allgemeinen Zustimmung sicher sein kann? So stellt sich die Frage für den Verkündiger, ist es mir wirklich ein Anliegen, das weiterzugeben, was Gottes Wort lehrt oder selektiere ich aus, indem ich keine heißen Eisen anfasse, sondern nur versuche die Erwartungen der Zuhörer zu erfüllen? Ist nicht auch dies der Grund dafür, warum sich viele darauf spezialisiert haben, nur Trostworte zum Inhalt ihrer Verkündigung zu machen? Wir alle benötigen Trost, und ich möchte hier auch nicht falsch verstanden werden, doch wir müssen uns fragen, ob wir wirklich bereit sind, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen oder ob wir dazu neigen, ein einseitiges Bild von Gott weiterzugeben? Vielfach führt eine solche Einstellung dazu, dass man Verheißungen, die nur jenen gelten, die in Christus sind, auch auf Ungläubige ausweitet, und so sehen sich viele dazu berufen, die Schrift nur dazu zu verwenden, allen Menschen Trost zu spenden. Dazu ein Zitat von Tim Kelly, er sagte in einer Predigt:  Es ist wichtig für uns zu verstehen, dass die Bibel nicht dazu da ist, um verlorenen Menschen Trost zu spenden, sondern um sie zur Buße zu rufen.*
Das wird nicht überall auf Gegenliebe oder Begeisterung stoßen, daher muss ein treuer Diener Gottes, rein menschlich gesehen, damit rechnen, dass es ihm ebenso ergehen kann, wie seinem Herrn. IHM wurde eines Tages vorgehalten, dass Seine Rede zu hart sei. Der Bericht aus dem Johannes Evangeliums lässt uns wissen: Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm (Joh 6,66).
 
Steht also jemand im vollzeitigen Dienst, wie ist es dann um seine finanzielle Absicherung bestellt, wenn die Leute die Gemeinde verlassen? Die Schrift macht kein Geheimnis daraus, dass dies passieren kann, doch die Frage, die sich hier stellt, lautet: Bin ich bereit diesen Preis zu bezahlen?
Doch nicht nur vollzeitliche Diener können in die Falle der Menschengefälligkeit tappen, auch Ehrenamtliche können sich dazu verleiten lassen, die Botschaft abzuschwächen. Hier sind es dann nicht finanzielle Aspekte, sondern vielleicht die Sorge, sich unbeliebt zu machen. Auch könnte jemand von einem Karrieredenken geleitet sein und sich aus Furcht, ein erstrebtes Amt nicht zu bekommen oder ein bestehendes zu verlieren, zur Menschengefälligkeit verleiten lassen. Prüfen wir also anhand der Schrift immer wieder unsere Motive und machen wir uns bewusst, was Paulus zu diesem Thema sagt, wenn er schreibt: Predige ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen gefällig zu sein? Wenn ich noch Menschen gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht (Gal 1,10).
Bleiben wir kurz beim Apostel Paulus, was war das Ergebnis? Nun, da sind zum einen die Zeilen, die er an seinen Schüler Timotheus gerichtet hat, in denen er berichtet: Das weißt du, dass sich von mir abgewandt haben alle, die in der Provinz Asien sind, unter ihnen Phygelus und Hermogenes (2.Tim 1,15). Weiter berichtet der Apostel: Und wir geben in nichts irgendeinen Anstoß, damit unser Amt nicht verlästert werde; sondern in allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Verfolgungen, in Mühen, im Wachen, im Fasten (2.Kor 6,3-5) und ferner erfahren wir:
Sowohl erniedrigt zu sein, weiß ich, als auch Überfluss zu haben, weiß ich; in jedes und in alles bin ich eingeweiht, sowohl satt zu sein als auch zu hungern, sowohl Überfluss zu haben als auch Mangel zu leiden (Phil 4,12). All das nahm der Apostel Paulus in Kauf, und nicht weniger war erforderlich, um sagen zu können:
Darum bezeuge ich euch am heutigen Tage, dass ich rein bin vom Blut aller; denn ich habe nicht unterlassen, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen (Apg 20,26-27).
Wie bereits gesehen, konnte Eli dies am Ende seiner Tage nicht von sich behaupten, doch die Frage, die sich für uns stellt, lautet, wie steht es um uns? Trachten wir wirklich zuerst nach dem Reich Gottes, suchen wir wirklich das, was droben ist oder sind wir irdisch gesinnt? Oder anders gefragt: Folgen wir dem Beispiel von Paulus oder dem von Eli?
 
 
2. Wie Georg Walter bereits im 1 Teil festgestellt hat, ist das Beispiel mit Eli nicht etwas, das ganz weit weg ist, sondern im Gegenteil: Männer wie der Priester Eli gab es nicht nur zur Zeit des Alten Bundes, sondern es gab sie zu allen Zeiten, so schreibt auch der Apostel Paulus: Denn viele leben so, dass ich euch oft von ihnen gesagt habe, nun aber sage ich's auch unter Tränen: Sie sind die Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist die Verdammnis, ihr Gott ist der Bauch und ihre Ehre ist in ihrer Schande; sie sind irdisch gesinnt. Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus (Phil 3,18-20; vgl. Röm 16,18).
Beachten wir hier die Parallele zu den beschriebenen Charaktereigenschaften, jene, die Paulus als Feinde des Kreuzes bezeichnet, sind zugleich solche, deren Gott ihr Bauch ist. Wie in der Geschichte Elis, haben wir dieselbe Übereinstimmung: Die Opfergabe des Herrn wurde missachtet, entscheidend war es nur, den Bauch voll zu bekommen. Der Sinn war nicht auf das Zukünftige gerichtet, sondern ausschließlich auf das Gegenwertige. Auch hier können wir uns selbst prüfen, Jesus sagte: „Wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein!“ (Lk 12,34).
Worauf sind wir fokussiert, worum kreisen unsere Gedanken, was ist das Hauptziel unseres Lebens? Jagen wir wirklich der Heiligung nach, ohne die niemand den Herrn sehen kann, oder gehen wir voll und ganz im Hier und Jetzt auf? Sind wir solche, über die Jesus sagen kann, sie sind nicht von dieser Welt, wie ich nicht von dieser Welt bin? (Joh 17,16) Kann über uns gesagt werden, was die Schrift über Mose sagte, wenn es heißt: Durch den Glauben wollte Mose, als er groß geworden war, nicht mehr als Sohn der Tochter des Pharao gelten, sondern wollte viel lieber mit dem Volk Gottes zusammen misshandelt werden als eine Zeit lang den Genuss der Sünde haben, und hielt die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er sah auf die Belohnung (Hebr 11, 24-26)?
 
 
Sehen wir unseren Anteil in diesem irdischen Leben (vgl. Ps 17,14) oder können wir sagen: Mein Teil ist der Herr (Ps 16,5)? Haben wir das Ziel im Hier und Jetzt, Ansehen und Reichtum zu erwerben oder trachten wir nach der zukünftigen Stadt, deren Baumeister Gott ist? (vgl. Hebr 11,10).
 
 
3. Noch etwas wird aus dem Bericht über Eli und dessen Söhne deutlich, und zwar ist es die Tatsache, dass wir nicht nur erfahren, dass sie die Opfergabe des HERRN verachteten, sondern es wird auch gesagt: Und die Söhne Elis waren Söhne Belials, sie kannten den HERRN nicht (1.Sam 2,12). Genau dasselbe Priestertum begegnet uns auch zurzeit Jesu, ER musste jenen, die sich zu Seiner Zeit als Diener Gottes ausgaben, sagen: Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun (Joh 8,44).
 
Ist dies nicht eine krasse Feststellung, wenn über Priester, die im vollzeitigen Dienst für den Herrn stehen, gesagt werden muss, dass sie den Herrn nicht kannten, ja, wenn sie sogar als Söhne des Bösen bezeichnet werden müssen? Aber genauso war es zurzeit Elis, so war es zurzeit Jesu und so ist auch in unseren Tagen. Auch in unseren Tagen gibt es vielfach Menschen, die im vollzeitlichen Dienst stehen, obwohl sie keine lebendige Beziehung zum Herrn haben. Daher sind sie ausschließlich irdisch gesinnt und verachten das Opfer. Sie geben vor, Diener Gottes zu sein und verdienen ihren Lebensunterhalt damit und entsprechen somit 1:1 dem, was die Söhne Elis zurzeit des Alten Bundes trieben; so wie diese das Opfer des Herrn geringachteten, ebenso sind jene Feinde des Kreuzes.
 
Es mag sein, dass sie diese Feindschaft verschleiern, indem sie sich nach außen hin sehr fromm geben und viel von Liebe und Toleranz sprechen, doch allein die Tatsache, dass sie die Erlösungsbotschaft des Evangeliums relativieren, macht deutlich, dass sie das Opfer, das Jesus Christus am Kreuz vollbracht hat, geringachten. Entgegen dem, was Christus über sich selbst sagte (vgl. Joh 14,6) behaupten sie, alle Religionen würden zu Gott führen. In ihren Augen ist Jesus Christus nicht der Weg zu Gott, sondern nur ein Weg unter vielen. Doch wie kann man angesichts dessen, dass Gott der Vater in Christus das Kostbarste gab, das er geben konnte, nur so herab wertend und über dieses alles überragende Erlösungswerk denken? Wie kann man den Erlöser nur so gering schätzen?
Es kann nur einen Grund geben - das Opfer, das ER am Kreuz vollbracht hat, wird verachtet, weil man sich nicht bewusst ist, überhaupt einen Erlöser nötig zu haben. So treten diese modernen Feinde des Kreuzes den Sohn Gottes förmlich mit Füßen, indem sie im Prinzip nichts anderes behaupten, als dass der ER Sein Blut für nichts und wieder nichts vergossen hätte.
 
Der alttestamentliche Bericht über den Priester Eli und dessen Söhne endet mit dem göttlichen Gericht. Doch wie ist es nun zurzeit des Neuen Bundes? Ist es wirklich so, wie viele denken - war Gott nur zurzeit des Alten Testaments streng, wohingegen ER nun über alles großzügig hinwegsieht? Sicher werden jene sogenannten Diener Gottes, die das Kreuz verachten, es so sehen, doch wie sehr sie darin irren, macht der Hebräerbrief durch folgende Worte deutlich:
Wenn jemand das Gesetz Moses verwirft, muß er ohne Erbarmen sterben auf die Aussage von zwei oder drei Zeugen hin; wieviel schlimmerer Strafe, meint ihr, wird derjenige schuldig erachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein geachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat? (Hebr 10,28-29).
 
Es ist gewiss keine Bagatelle, den Sohn Gottes mit Füßen zu treten und Sein Blut zu verachten; im Gegenteil, gegen solche richtet die Schrift sehr harte Worte, denn über sie wird gesagt: Sie sind Wolken ohne Wasser, vom Wind umhergetrieben, kahle, unfruchtbare Bäume, zweimal abgestorben und entwurzelt, wilde Wellen des Meeres, die ihre eigene Schande ausschäumen, umherirrende Sterne; deren Los ist die dunkelste Finsternis in Ewigkeit (Jud 12; 2.Petr 2,17).
Sie geben vor, den Weg zu kennen, doch wer ihnen nacheifert, landet im Verderben. Sie geben vor, Licht für andere zu sein, doch in Wahrheit sind sie Irrsterne, wer sich an ihnen orientiert, wird mit ihnen zugrunde gehen. Sie sind wie Wolken ohne Wasser, denn sie versprechen Regen, doch wer auf sie hofft, dessen Leben wird am Ende einer kahlen Wüste gleichen. Unfruchtbare Bäume - mag sein, dass sie Blätter treiben, doch wer darauf hofft, dass sie auch Nahrung geben, wird am Ende verhungern. Und so verhungern viele Menschen in geistlicher Hinsicht, weil sie blind auf solche geistlichen Führer trauen.
 
 
4. Kommen wir von diesem falschen Priestertum, bestehend aus Menschen, die keine lebendige Beziehung zum Herrn haben, zurück zu jenen, die wirklich wiedergeboren sind. Wenn wir uns zu diesen zählen, ist die Frage, wie begegnen wir diesen Missständen? Halten wir es hier mit Eli und hüllen uns lieber in Schweigen oder erheben wir unsere Stimme dagegen? Über Jesus selbst wird gesagt, dass ER einen Eifer für das Haus Seines Vaters hatte. Der Eifer um dein Haus verzehrt mich (Joh 2,17). Wie ist es um unseren Eifer bestellt? Lässt es uns etwa kalt, dass man Christus auf dieselbe Stufe stellen will, wie jeden beliebigen Religionsstifter? Ist es uns gleichgültig, wenn entgegen den Worten des HERRN, behauptet wird, es gäbe verschiedene Wege zum Heil? Halten wir es für unbedenklich wenn eine biblische Wahrheit nach der anderen gestürzt wird? Wenn dem so ist, dann sollten wir unsere Lehre aus dem Leben Elis ziehen.
Am Ende seines Lebens stirbt er als wohlgenährter Mann, um sein körperliches Wohlergehen hatte er gesorgt, nur sein geistliches Leben hatte er verkümmern lassen. Doch worauf sind wir fokussiert, worauf bin ich fokussiert? Eli war es letztlich zum Verhängnis geworden, dass er sich zu sehr um seine fleischlichen Bedürfnisse sorgte. Anstatt die Werke des Fleisches durch den Geist zu töten, traf er zu viel Vorsorge für sein Fleisch, wodurch Begierden wach wurden (vgl. 8,13, Röm 13,14).
Doch entspricht dies nicht genau dem Kampf, in dem wir täglich stehen? Jesus sagte: Wer sein Leben liebt, verliert es; und wer sein Leben in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen Leben bewahren (Joh 12,25).
 
Sind wir bereit unser Eigenlegen täglich mit Christus in den Tod zu geben oder sitzt immer noch unser Ich auf dem Thron unseres Herzens? Hier ist das Problem unserer Generation, einer Generation, über die gesagt wird: Denn die Menschen werden selbstsüchtig sein (2.Tim 3,2). Diese übertriebene Selbstliebe lähmt uns im Eifer für den Herrn, denn sie flüstert uns ein, das widerfahre dir nur nicht (Mt 16,22), mach dich nicht unbeliebt, verbau dir nicht den Weg zu einer christlichen Karriere. Doch dies ist eben nicht das, was im Sinne Gottes ist, sondern was unserer menschlichen Selbstsucht entspricht.
 
Und so verteidigen wir auch unser Recht, uns aus allem herauszuhalten. Anstatt Missstände aufzudecken und offen anzusprechen, üben wir uns immer mehr darin, alles zu beschönigen. Unser Problem ist, dass uns die Anerkennung unter den Menschen wichtiger ist, als die Anerkennung bei Gott. Daher ist es wichtig, dass wir damit aufhören, ständig unser Eigenleben zu verteidigen. Anstatt es mit allen Mitteln zu verteidigen, müssen wir es mit Christus in den Tod geben. Nur wenn dies auf uns zutrifft, können wir wie Paulus sagen, nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir (Gal 2,20).
Dafür müssen wir uns täglich entscheiden und das bedeutet, dass weder Stolz noch Neid, noch gekränkt oder beleidigt sein, einen Raum in unsere Herzen finden darf. Ebenso wenig sollten wir uns von Karrieredenken leiten lassen, entscheidend ist, dass unser Herz ungeteilt auf den Herrn gerichtet ist. Somit stellt sich die Frage: Hören wir auf die Stimme unserer fleischlichen Begierden oder auf die Stimme Gottes? Kompromisse sind nicht generell verwerflich, doch wenn es um die Wahrheit geht, sind sie fehl am Platz. Als Gläubige sind wir aufgefordert, die Wahrheit zu verteidigen, anstatt sie durch faule Kompromisse zu verwässern.
 
 
5. Noch etwas ist im Leben Elis beachtenswert, und zwar ist es die Tatsache, dass er Samuel, der zu jener Zeit noch ein junger Knabe war (vgl. 1.Sam 3,1), regelrecht beschworen hat, ihm nichts von der Botschaft des HERRN vorzuenthalten. Der Bibeltext berichtet, dass Eli zu Samuel sagte: „Was war das für ein Wort, das er dir gesagt hat? Verschweige mir nichts. Gott tue dir dies und das, wenn du mir etwas verschweigst von all den Worten, die er dir gesagt hat“. Da sagte ihm Samuel alles und verschwieg ihm nichts (1.Sam 3,16-17).
 
Hier sehen wir, Eli war sehr interessiert, den Willen Gottes zu erfahren. Wenn man bedenkt, dass er bereits zuvor durch einen Mann Gottes mit einer Gerichtsbotschaft konfrontiert wurde, und sich die Umstände seitdem nicht geändert hatten, ist dies umso erstaunlicher, zumal er danach nichts dagegen unternommen hatte. Somit musste Eli davon ausgehen, dass es keine positive Botschaft sein würde, die ihm der HERR durch Samuel übermitteln würde. Dennoch wollte er alles erfahren.
Auch hier wieder die Frage: Wie steht es um uns? Kann es sein, dass wir ebenso wie Eli, aufrichtiges Interesse daran haben, den Willen Gottes zu erfahren? Kann es sein, dass wir die Bibel mit dieser Motivaton lesen und Predigten mit dieser Herzenshaltung verfolgen? Dann ist es bis zu diesem Punkt sehr lobenswert, doch achten wir, welche Auswirkung diese Haltung auf Elis Leben hatte. Welche Konsequenzen zog er daraus? Wie der Text zeigt, akzeptierte er das Wort des Herrn, doch was er vermissen ließ, war die Anwendung. Warum fasste er sich nicht wenigsten nach dieser wiederholten Gerichtsankündigung ein Herz, und warnte seine Söhne?
Doch wie bereits gesagt, es soll hier nicht darum gehen, auf den Fehlern Elis herumzureiten, sondern um die Frage, welche Schlüsse wir daraus ziehen können? Einzig aus diesem Grund, wurde uns diese Lebensgeschichte überliefert (vgl. Röm 15,4). Es geht für uns darum, nicht dieselben Fehler zu machen. Darum gilt es, die Situation auf uns, und unsere Generation, anzuwenden. Bei näherem Betrachten, befinden sich nämlich all jene, die Gottes Wort noch ernst nehmen, in einer vergleichbaren Situation wie Eli. Denn wie gesehen, es gibt in unseren Tagen viele, die das Opfer des Herrn geringachten, und in Wahrheit Feinde des Kreuzes sind. Wer nun meint, man solle dies nicht so eng sehen und nicht auf das achten, was uns trennt, sondern auf das, was uns verbindet, der verhält sich an diesem Punkt genauso, wie es Eli tat. Eli wurde genau aus diesem Grund, Gericht über sein Haus angekündigt, doch bedenken wir: So wie ihm, Gericht über sein Haus angekündigt wurde, so konfrontiert uns Gottes Wort mit folgender Gerichtswarnungen: Denn die Zeit ist da, dass das Gericht anfängt an dem Hause Gottes (1.Petr 4,17).
Treffen uns solche ernsten Worte noch, oder haben wir uns schon so daran gewöhnt, es nur beim Hören zu belassen, dass wir uns einreden, das Hören allein, würde uns zu Nachfolgern machen? Die Wahrheit wissen zu wollen, und sich alles anzuhören, ist gut, doch wir müssen uns auch gedanklich damit auseinandersetzten und den Herrn immer wieder um Gnade anflehen, dass ER uns zum Wollen auch das Vollbringen schenkt. „Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein“ mahnt Jakobus und entlarvt ein solches Verhalten als Selbstbetrug (Jak 1,22). Gehen wir also an diesem Punkt sicher, dass wir uns nichts vormachen. Und weil die Schrift zudem sagt: „Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde“ (Apg 20,28), benötigen wir ebenso den Mut, in Liebe auf Missstände hinzuweisen. Nicht besserwisserisch, nicht aus Stolz, nicht aus Eigennutz, sondern in Demut. Vielleicht denken wir, es sei lieblos, auf Fehlverhalten hinzuweisen, doch die Wahrheit aus Menschengefälligkeit für sich zu behalten, ist eine falsch verstandene Liebe, sie gründet sich nicht auf dem Gesetz der Nächstenliebe, sondern letztlich nur in der Eigenliebe. Einer Liebe, die sich immer nur um die Frage dreht, welche Konsequenzen könnte es für mich haben?
 
 
6. Eine negative Konsequenz kann es sein, dass es zu Trennungen führt, die sehr schmerzlich sind. Jesus hat dies nicht vorenthalten, sondern im Gegenteil, ER kündigte Seinen Nachfolgernd folgendes an:
Meint nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Wer sein Leben findet, wird es verlieren, und wer sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden (Mt 10,34-38).
Jesus spricht hier von Trennungen, die bis in die engsten Familienverhältnisse hineingehen können. Auch Freundschaften können davon betroffen sein, doch der Grund für diese Trennung ist nicht darin zu suchen, dass die Gläubigen streitsüchtig wären, nein, ihnen wird gesagt, soviel an euch liegt, lebt mit jedermann in Frieden. Der Grund ist, dass wenn Gläubige sich klar auf die Seite des Herrn stellen, werden sie für den Ungläubigen immer mehr ein Dorn im Auge sein. Das Problem liegt nicht beim Gläubigen, sondern daran, dass die Ungläubigen die Finsternis mehr lieben als das Licht.
 
Versetzen wir uns noch einmal in Elis Lage - hätte er seinen Standpunkt klarer vertreten, wäre es ihm so ergangen, wie es Jesus beschrieben hat: Seine eigenen Söhne hätten sich von ihm abgewandt.
Sind es nicht solche Ängste und Befürchtungen, die Gläubige zu faulen Kompromissen verleiten können? Das Fleisch sehnt sich nach Harmonie, nach Annahme und Akzeptanz, doch wer klar auf der Seite des Herrn steht, wird dafür nicht den Applaus der Welt bekommen. Im Gegenteil, es kann zu Ausgrenzung, Diskriminierung, Trennung, Feindschaft und Verfolgung führen. Das ist nicht der Weg, den das menschliche Fleisch bevorzugt, der alte Mensch bevorzugt den Weg des geringsten Widerstandes. Er möchte sich nicht aufreiben, er scheut sich vor Konfrontation, so zieht er es vor, zu schweigen oder versucht sich anzupassen, um nicht anzuecken. Dies geschieht auch dann, wenn man zwar das Richtige tut, aber es unter einem falschen Vorwand begründet. 
Sollte sich beispielsweise jemand verwundern, warum ich mir einen bestimmten Film nicht anschaue, kann ich es so begründen, dass mir ein bestimmter Schauspieler nicht gefällt oder ich könnte sagen, ich hätte schon etwas anderes vor. Oder ein Jugendlicher könnte sagen, dass es seine Eltern nicht erlauben würden.
Doch um als Christ klar Stellung zu beziehen, sollten wir sagen, ich sehe mir das nicht an, weil ich es nicht mit meinem Glauben vereinbaren kann. Ich sollte sagen, ich finde es abstoßend, wenn in einem Film so eine vulgäre Sprache verwendet wird und finde auch die Sexszenen abstoßend. Ich will mich an das Wort Gottes halten und da heißt es: Fliehet die Unzucht (1.Kor 6,18; vgl. 1.Thes 4,3).
 
Wenn wir uns so verhalten, geschieht, was der Apostel Petrus sagt: Hierbei befremdet es sie, dass ihr nicht mehr mitlauft in demselben Strom der Heillosigkeit, und sie lästern (1.Petr 4,4). Doch das ist nicht alles, was Petrus darüber zu sagen hat, er zeigt uns nicht nur die negative Seite, sondern auch die Positive, und die lautet: Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet um des Namens Christi willen, denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch (1.Petr 4,14).
 
 
7. Abschließend möchte ich sagen, so wie wir unser Leben nicht auf das Irdische, sondern auf das Geistliche ausrichten sollen, ebenso verhält es sich auch mit der Quelle der Kraft, um dieses übernatürliche Leben zu führen. Wir finden diese Quelle nicht hier auf dieser Erde, wir finden sie nicht in unserem Fleisch, sondern allein im Herrn und in der Kraft Seines Geistes. Genau das unterscheidet auch die Gläubigen von den Ungläubigen, Gläubige setzen ihr Vertrauen auf den lebendigen Gott, Ungläubige hingegen, vertrauen auf ihre eigene Stärke. Und so finden wir in 1.Samuel die bemerkenswerte Aussage: Die Füße seiner Frommen behütet er, aber die Gottlosen kommen um in Finsternis; denn niemand ist stark durch eigene Kraft (1.Sam 2,9).
 
Der Grund warum Gottlose umkommen, besteht darin, dass sie sich einreden, ohne Gott klar zu kommen, und diese Selbstüberschätzung, wird ihnen zum Verhängnis. Sie sehen in den göttlichen Ordnungen und Geboten eine Einengung ihrer Freiheit und wollen lieber ihre eigenen Wege gehen. Der Gläubige hingegen vertraut auf Gottes Wort und drauf, dass der Weg Gottes, der Beste Weg ist. Denn der HERR belehrt uns nicht, um uns zu unterdrücken, sondern im Gegenteil, Seine Unterweisungen dienen uns zum Guten (vgl. Jes 48,17).
Dennoch rettet sich der Christ nicht durch das Halten der Gebote selbst, sondern vielmehr wird er durch die Gnade Gottes dazu befähigt, nach dem Willen des HERRN zu leben (vgl. Tit 2,12; Phil 2,13). Das Leben als Christ ist ein übernatürliches Leben, das nur jene führen können, die vom Geist Gottes geleitet werden. Der Geist Gottes macht den Unterschied, ER befähigt den Gläubigen zur Nachfolge, so lesen wir in Römer 8: Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes. Und das alles geschieht aus Gnade, beachten wir hierbei auch, was der HERR zu Paulus sagte: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Aufgrund dessen kommt Paulus zum Schluss: Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne (2.Kor 12,9).


*Quellnachweis: Tim Kelly - Aufwand und Abhängigkeit in der Reinigung, Predigt über Psalm 119,9-16


 

 

 

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