und

Einheit versus Uniformität

10.11.2016

Der Mangel an Einheit in der Wahrheit zeigt zu deutlich, dass der Leib Christi sich nicht in einem gesunden Zustand befindet

 

Ich glaube, wir müssen sehr sorgfältig und sehr konsequent auf die gesunde Lehre des Evangeliums achten, das wir verkündigen und predigen. Gesunde Lehre, so nenne ich es – und hier mag ich möglicherweise ein heikles Thema anschneiden, aber warum ist dies von größter, ja höchster Wichtigkeit?

Es sollte, so versichere ich feierlich, bei der Verkündigung des Dieners Christi keine Uniformität geben, denn diese ist mit dem Leben nicht vereinbar, sondern es sollte Einheit bestehen – was mit dem Leben nicht nur vereinbar ist, sondern was das höchste Merkmal gesunden Lebens ist.

Ich glaube nicht, dass die Zeit jemals kommen wird, wenn wir alle einer Meinung sind und alle die gleichen Begriffe und Aussagen verwenden, was lehrmäßige Wahrheiten angeht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemals eine Zeit geben wird, ausgenommen im lang erwarteten Tausendjährigen Reich, wenn jeder Bruder das Bekenntnis des anderen Bruders akzeptieren wird, wenn unser Streben, unsere Erfahrungen und unsere Auslegung des Evangeliums identisch sind im wahrsten Sinne des Wortes. Aber ich vertrete die Ansicht, dass es ein unwandelbares Bekenntnis zu den fundamentalen Lehren göttlicher Wahrheiten geben sollte und geben muss, wenn unsere Gemeinden intakt und gesund sein sollen.

Um der Liebe willen sollte ich bereit sein, jemandem weit entgegenzukommen, und ich muss eingestehen, dass vieles in der Diskussion zwischen Arminianern und Calvinisten keine Debatte um wichtige Wahrheiten waren, sondern um Begriffe, mit denen man wichtige Wahrheiten ausdrückt. Als ich über den Konflikt las zwischen dem mächtigen Mann, dessen Stimme in diesen Mauern gehört wurde, Mr. Whitefield, und diesem anderen ebenso mächtigen Mann, der in jener Zeit gebraucht wurde, Mr. Wesley, hatte ich den Eindruck, dass sie nach der gleichen Wahrheit strebten und dass die Lebendigkeit der Gottesfurcht nicht der Hauptpunkt ihrer Kontroverse war.

Aber meine Brüder, wenn es jemals so weit kommen sollte, dass ich der Anlass für Zweifel an der Göttlichkeit Christi oder der Person des Heiligen Geistes sein sollte, wenn es dazu kommen sollte, dass ich Begriffe des Evangeliums benutze, die im Gegensatz zu allem stehen, was zu allen Zeiten als Wahrheit betrachtet wurde; wenn es jemals dazu kommen sollte, dass unsere Vorstellungen von göttlicher Gerechtigkeit sowie dieser großen Erlösung, die das Fundament des ganzen Evangeliums ist, wie es uns überliefert wurde, verunstaltet und verdreht werden, dann ist es Zeit, meine Brüder, dass die Schwertscheide ein für allemal beiseite getan und das Schwert gezogen werden muss.  Gegen alle, die diese kostbaren, wichtigen Wahrheiten angreifen, die das Herz unseres heiligen Glaubens darstellen, müssen wir kämpfen bis zum Tode.

Es ist nicht möglich, dass man ein und dieselbe Wahrheit zugleich bejaht und verneint. Es wird uns ständig gesagt, wenn eine Person einer anderen widerspricht, dies nur eine andere Sichtweise sei. Nein, meine Brüder, dieser Mann ist blind, er hat überhaupt keine Sicht; der andere hingegen sieht, da die Augen seines Verständnisses erleuchtet sind. Es mag zwei Ansichten über eine Wahrheit geben, aber zwei Ansichten über eine Wahrheit werden sich niemals direkt widersprechen. Eine Lehre muss die richtige und die andere die falsche sein. So sehr ich auch nachdenken mag, ich kann mir nicht vorstellen, dass jemals eine Zeit kommen wird, in der „Ja“ und „Nein“ sich problemlos im gleichen Bett zur Ruhe begeben können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemals eine eheliche Allianz zwischen dem Positiven und Negativen geben kann.

Glaubt ihr, dass es derartiges gibt! Gewiss, es gab Riesen in einer Zeit, als die Söhne Gottes die Töchter der Menschen sahen; und möglicherweise werden wir gigantische Häresien erleben, wenn Gottes eigene Kinder ihren Blick auf die schönen Töchter der Philosophie richten und sich ungeheuerliche Verführungen über diesen Erdball ausbreiten werden.

Der Mangel an Einheit in der Wahrheit zeigt zu deutlich, dass der Leib Christi sich nicht in einem gesunden Zustand befindet. Kein menschliches System kann man als normal bezeichnen, wenn der Mensch die Asche dem Brot oder das trübe Wasser der frischen Quelle vorzieht, die aus einem Berg hervorsprudelt. Ein solcher Mann muss krank sein, sonst würde er dieser Torheit nicht folgen.

Wir müssen auf die Bewahrung einer gesunden Gemeinde achten.

 


Charles Spurgeon, Peace at Home and Prosperity Abroad, Predigt vom 9. Mai 1860 für die London Missionary Society in Whitefield’s Tabernacle, im Moorfields.

Ursprüngliche Quelle und Dank: distomos.blogspot.commehr dazu unter dem Vorwor

 

www.evangeliums-botschaft.de

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