und

Einheit über alles

Gehorsam ist besser als Opfer


Vorwort

Schon seit einiger Zeit beschäftigt mich die Frage, in wie weit das moderne Christentum noch mit dem vereinbar ist, was die Bibel unter Christentum versteht. Was würde wohl ein Mann wie der Apostel Paulus über die Zustände unserer Kirchen sagen? Würde er uns loben weil wir so aktiv an der Vereinigung aller Denominationen arbeiten? Wäre er beeindruckt von unseren kreativen Evangelisationsmethoden?
Was natürlich noch viel entscheidender ist, hat Gott Wohlgefallen an der Art und Weise wie wir das umsetzen, was er uns aufgetragen hat?
Wir haben ohne Frage den Missionsbefehl und wir kennen das Gebet unseres Herrn: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast (Joh 17,21).

Es ist also keineswegs falsch, wenn die christliche Gemeinde diesbezüglich aktiv ist, die Frage ist nur, ob all der Aktionismus unserer Tage, noch im Einklang mit dem Wort Gottes steht? Sicher mache ich mir mit solch einer kritischen Frage, nicht nur Freunde, aber um es mit Paulus zu sagen: Wenn ich noch Menschen gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht (Gal 1,20).

Es geht mir nicht darum, irgendjemand eine böse Absicht zu unterstellen. Sicher ist da viel guter Wille und davon abgesehen, kann ich die Beweggründe des Einzelnen ohnehin nicht beurteilen. Es geht auch nicht darum, dass ich mich als Richter aufspielen möchte oder behaupten würde, alles besser zu machen. Es geht mir lediglich darum, meinen Eindruck, von der gegenwärtigen Lage wiederzugeben. Schließlich bringt es ja nichts, wenn man alles nur mit rosaroter Brille sehen will und nicht bereit ist, sich der Realität zu stellen. Natürlich kann ich nicht behaupten, alles erschöpfend auszuarbeiten und ebenso ist jeder aufgefordert, alles was ich ausführen werde, anhand der Schrift zu prüfen.

Genauso bin ich auch vorgegangen und habe mir erlaubt, den kirchlichen Aktionismus unserer Tage, anhand der Schrift zu hinterfragen. Ich denke wenn wir nicht bereit sind, uns mit dieser Frage auseinanderzusetzen, stehen wir in der Gefahr, den Blick für die Sicht Gottes zu verlieren, doch genau darauf kommt es an, wenn uns wirklich daran gelegen ist ihm zu dienen.
Wenn Dinge nur getan werden weil sie immer so getan werden oder weil es die anderen auch so machen, dann ist offensichtlich, dass die Kirche betriebsblind geworden ist. Daher ist es notwendig zu hinterfragen, in wie weit die Aktivitäten noch dem entsprechen, was Gott sich unter einer christlichen Gemeinde vorstellt.
Schauen wir uns dazu einige Beispiele an, die wir in Gottes Wort finden. Das erste, auf das ich ausführlich eingehen will, ist ein warnendes Beispiel, das wir im Alten Testament vorfinden. Obwohl sich diese historische Geschichte, vor mehr als 3000 Jahren zugetragen hat, sind darin Wahrheiten enthalten, anhand derer wir den Zustand des Christentums unserer Tage beurteilen können.

Leider versäumen wir es oft, die Botschaft der Bibel auf uns und unsere Zeit anzuwenden. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um einen Text handelt, der dazu gedacht ist, uns wach zu rütteln. Irrtümlicherweise sind wir der Annahme, uns gelten nur noch die positiven Aussagen, doch sobald etwas Kritisches oder Ermahnendes kommt, denken wir, dies galt den Menschen jener Zeit, jener Kultur oder wem auch immer, jedenfalls nicht uns.
Wenn wir ehrlich sind, ist das nicht objektiv, wenn wir ehrlich sind, machen wir uns damit selbst etwas vor. Leider ist das oft so beim religiösen Menschen, vieles davon ist nur frommer Aktionismus. Es wird viel Staub aufwirbelt, aber es bringt letztlich keine echte Frucht. Oftmals trifft genau das zu, was bereits der Apostel Paulus seinen religiösen Volksgenossen bescheinigte: Ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer für Gott haben, aber ohne Einsicht (Röm 10,2).

Ihr Fehler war nicht ihr Eifer für Gott, sondern die Tatsache, dass sie ihren Eifer mit Gehorsam verwechselten. Sie dachten, wenn wir etwas in Gottes Namen tun, wird er sicher zufrieden, wenn nicht gar stolz, auf uns sein. Ihr Fehler war, dass sie nicht dazu bereit waren, sich Gottes Wort unterzuordnen, sondern ihre eigenwilligen Handlungen, mit wahrem Dienst für Gott verwechselten. Dies galt insbesondere für die religiösen Führer jener Zeit. Jesus hatte ihnen dieses Dilemma mehrfach vor Augen gestellt. Er warf ihnen vor, die Gebote Gottes ungültig zu machen und durch Menschengebote zu ersetzten (vgl. Jes 29,13; Mt 15,9; Mk 7,7).

Bis in unsere Tage hinein, hat sich an diesem Punkt nicht viel geändert. Immer noch sind viele religiöse Menschen, in ihrem Tun so festgefahren, dass das Wort Gottes nicht zu ihren Herzen durchdringen kann. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass es auch in unserer Zeit viele Pharisäer gibt, sie sind nie ausgestorben und sie drängen auch heute noch darauf, die ersten Plätze zu besetzen und von den Menschen geehrt zu werden (vgl. Mt 23, 6-7).

Wer wirklich Gott dienen will, muss sich bei all seinem religiösen Tun, die Frage stellen, ob sein Eifer wirklich für Gott ist? Mit anderen Worten, geht es wirklich um die Ehre Gottes oder geht es um die eigene Ehre? Wenn es um Gottes Ehre gehen soll, dann muss es auch im Einklang mit seinem Wort sein. Leider gibt es so viele, die meinen es besser zu wissen, sie erheben sich über die Bibel, bezeichnen sich aber dennoch als Diener Gottes. Doch wie will man Gott dienen, wenn man sich gegen sein Wort auflehnt, anstatt ihm zu gehorchen?
Vielleicht denkt mancher, Gott sieht es nicht so eng, für ihn zählt nur der gute Wille. Doch ist das wirklich so, gibt sich Gott damit zufrieden, wenn wir seine Anweisungen nur zu unseren Bedingungen und nach unseren Vorstellungen umsetzten?
Dazu mal ein ganz praktisches Beispiel, eine bekannte Fernsehevangelistin verkündete in einer ihrer Sendungen, in etwa Folgendes: „Definiere zwischen Gott und dir 2-3 Werte oder Regeln die du einhalten möchtest!“

Das klingt auf den ersten Blick ganz gut, immerhin hat man ja zumindest schon mal eine gewisse Zielsetzung und wenn man es dann sogar schafft die 3 Regeln einzuhalten, gibt einem das sogar noch Selbstbestätigung und das Gefühl, jetzt kann Gott mit mir zufrieden sein.
Nun sollte wir aber bedenken, dass Gott Richter dieser Welt ist und dass sein Wort uns erklärt, dass er ein gerechter, unbestechlicher Richter ist. Stellen wir uns mal einen irdischen Richter vor, würde er einen Mörder frei sprechen, wenn der ihm entgegen hält, er hätte sich selbst dazu verpflichtet 3 Gesetze einzuhalten. Nehmen wir an, er wäre so diszipliniert gewesen, nie gestohlen zu haben, er hätte auch nie jemanden betrogen und zusätzlich hätte er sich sogar an die Straßenverkehrsordnung gehalten. Würde der Richter ihn etwa freisprechen? Wäre Mord nun kein Verbrechen mehr, hätte er dieses schlimme Verbrechen etwa durch die Pluspunkte, die er auf anderen Gebieten gesammelt hat, wieder gut machen können?

Entspricht das Beispiel nicht genau dem, was ich Eingangs gesagt habe. Der Mörder hätte sicher kein Problem mit dem Gesetz bekommen, wenn es ihm freigestellt wäre, 2-3 Gesetze, die er sich obendrein noch selbst aussuchen kann, einzuhalten. Sicher wäre er bei der Auswahl seiner Rechte nicht so sparsam gewesen, hier wäre er nie auf die Idee gekommen, dass er nur 2-3 Rechte auswählen darf, hier ist sonnenklar, dass ihm alle Rechte zustehen. Nur mit den Pflichten hat der Mensch so seine Probleme. Ist es wirklich ein fairer, objektiver Umgang mit Gottes Wort, wenn wir alle Zusagen, alle Versprechen, alle Vereisungen und jede Segnung ohne Diskussion oder groß zu hinterfragen, wie selbstverständlich, in Anspruch nehmen, doch sobald etwas gefordert wird, sobald ein Gebot oder eine Ermahnung kommt, fangen wir an zu debattieren?


Gehen wir also nun einmal näher auf die Frage ein, ob wir wirklich davon ausgehen können, dass es Gott mit dem Gehorsam nicht ganz so genau nimmt? Ist er wirklich so wahnsinnig tolerant, wie ihn offensichtlich ein Großteil der Evangelikalen eingestuft, oder ist man hier einer Täuschung aufgesessen?
Um dies anhand der Schrift zu erörtern, möchte ich, wie bereits im Vorwort erwähnt, auf eine Begebenheit eingehen, die uns im Alten Testament berichtet wird. Der Bibeltext, der in 1. Samuel in 15 Kapitel zu finden ist, gibt uns sehr viel Aufschluss darüber, was Gott unter Gehorsam verseht. Vielleicht denkt mancher, was sollen wir mit dem Alten Testament, wir leben doch im neuen Bund, für uns zählt doch nur was das Neue Testament zu sagen hat. Die Bibel sieht es anders, da heißt es, das ist aber geschehen uns zum Vorbild (1.Kor 10,6 vlg. Röm 15,4).


Die Bibel animiert uns dazu guten Vorbilder nachzueifern und warnt uns gleichzeitig vor der Nachahmung schlechter Vorbilder. Der Text um den es geht, zeigt uns ein schlechtes Vorbild und um es vorweg zu nehmen, die Kernaussage lautet: Gehorsam ist besser als Opfer (1.Sam 15,22).

Die Hauptperson, um die es dabei geht, ist der erste König, den das Volk Israel hatte. Wer mit der Bibel vertraut ist, wird wissen, dass das Volk Israel sich zur Zeit des Propheten Samuels einen König gewünscht hatte. Bis dato hatten sie keinen König, doch als Samuel alt geworden war, baten sie den Propheten: Setze nun einen König über uns, der uns richte, wie ihn alle Heiden haben (1.Sam 8,5).

Dem Propheten hatte dies missfallen, schließlich war Israel Gottes auserwähltes Volk, sie sollten sich nicht den Heidenvölkern anpassen, sondern nach Gottes Ordnungen leben. Gott selbst war ihr König und hatte ihnen immer wieder Propheten oder Richter gegeben, die das Volk nach seinem Willen unterwiesen haben. Obwohl dies eine sehr privilegierte, einzigartige Sonderstellung war, bevorzugte es das Volk, sich an den anderen Nationen zu orientieren.
Hier sehen wir eine deutliche Parallele zum modernen Christentum. Statt auf die Weisungen Gottes, die uns in der Bibel offenbart wurden, zu hören, orientiert sich der moderne Christ oftmals lieber an der Welt und am Zeitgeist. Man will schließlich nicht als zurückgeblieben oder engstirnig gelten, daher wird das Wort gerne verwässert, relativiert oder gar umgedeutet, Hauptsache die breite Masse kann den Glauben akzeptieren, Hauptsache man macht es allen und jedem Recht. So gleichen dann viele moderne Wortverkündiger einem Politiker, der sich scheut klare Aussagen zu treffen, es wird immer alles so allgemein wie möglich gehalten, damit man es in jede beliebige Richtung deuten kann. Alles ist wachseich, nichts ist greifbar. Es wird alles und vieles gesagt, nur eines wird tunlichst vermieden und das ist eindeutig Farbe zu bekennen. Wie ein Aal windet man sich, um eindeutige Aussagen und weigert sich einen klaren biblischen Standpunkt zu vertreten.

Der Prophet Samuel hatte einen klaren Standpunkt, er wusste genau wie das übrige Volk, dass Gott nicht wollte, dass sie sich nach den Nationen richten sollten. Gott hatte sie dazu auserwählt, sein Reich zu repräsentieren, sie sollten sich an seine heiligen Ordnungen und Maßstäbe halten und so ein Licht für die Nationen sein. Doch statt darauf einzugehen, wollten sie lieber so sein wie alle anderen. Auch das trifft auf das moderne, weltoffene Christentum zu, aus Angst als altmodisch, konservativ oder gar fundamentalistisch zu gelten, ist in unseren Tagen Anpassung und Toleranz angesagt.

Doch kommen wir zurück zu Samuel, er war traurig, er war enttäuschst und wollte der Bitte des Volkes nicht nachgeben, doch als er zum Herrn betete, sprach Gott zu ihm: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht mehr König über sie sein soll. Sie tun dir, wie sie immer getan haben von dem Tage an, da ich sie aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, dass sie mich verlassen und andern Göttern gedient haben. So gehorche nun ihrer Stimme. Doch warne sie und verkünde ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen wird (1.Sam 8,7-9).
Samuel war gehorsam und machte dem Volk u.a. klar, dass der König das Recht hätte ihre Söhne für sein Kriegsheer zu berufen und dass sie von all ihrem Besitz Abgaben an ihn abgeben müssten, dennoch ließ sich das Volk nicht mehr umstimmen. In ihrem Starrsinn beharrten sie darauf: Ein König soll über uns sein, dass wir auch seien wie alle Heiden, dass uns unser König richte und vor uns her ausziehe und unsere Kriege führe! (1.Sam 8,20).

So bekam Israel seinen ersten König, sein Name war Saul und er war es, der später die eingangs zitierten Worte: „Gehorsam ist besser als Opfer, zu hören bekam. Wie es dazu kam, zeigt der folgende Bibelabschnitt:

Samuel sprach zu Saul: Der HERR hat mich gesandt, dass ich dich zum König salben sollte über sein Volk Israel; so höre nun auf die Worte des HERRN!
So spricht der HERR Zebaoth: Ich habe bedacht, was Amalek Israel angetan und wie es ihm den Weg verlegt hat, als Israel aus Ägypten zog.
So zieh nun hin und schlag Amalek und vollstrecke den Bann an ihm und an allem, was es hat; verschone sie nicht, sondern töte Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel. 
Da bot Saul das Volk auf und er musterte sie zu Telem: zweihunderttausend Mann Fußvolk und zehntausend Mann aus Juda. Und als Saul zu der Stadt der Amalekiter kam, legte er einen Hinterhalt im Tal. Und Saul ließ den Kenitern sagen: Geht, weicht und zieht weg von den Amalekitern, dass ich euch nicht mit ihnen aufreibe; denn ihr tatet Barmherzigkeit an allen Israeliten, als sie aus Ägypten zogen. Da zogen die Keniter fort von den Amalekitern.
Da schlug Saul die Amalekiter von Hawila bis nach Schur, das vor Ägypten liegt, und nahm Agag, den König von Amalek, lebendig gefangen, und an allem Volk vollstreckte er den Bann mit der Schärfe des Schwerts.
Aber Saul und das Volk verschonten Agag und die besten Schafe und Rinder und das Mastvieh und die Lämmer und alles, was von Wert war, und sie wollten den Bann daran nicht vollstrecken; was aber nichts taugte und gering war, daran vollstreckten sie den Bann.
Da geschah des HERRN Wort zu Samuel: Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich von mir abgewandt und meine Befehle nicht erfüllt. Darüber wurde Samuel zornig und schrie zu dem HERRN die ganze Nacht. Und Samuel machte sich früh auf, um Saul am Morgen zu begegnen. Und ihm wurde angesagt, dass Saul nach Karmel gekommen sei und sich ein Siegeszeichen aufgerichtet habe und weitergezogen und nach Gilgal hinabgekommen sei.
Als nun Samuel zu Saul kam, sprach Saul zu ihm: Gesegnet seist du vom HERRN! Ich habe des HERRN Wort erfüllt.
Samuel antwortete: Und was ist das für ein Blöken von Schafen, das zu meinen Ohren kommt, und ein Brüllen von Rindern, das ich höre?
Saul sprach: Von den Amalekitern hat man sie gebracht; denn das Volk verschonte die besten Schafe und Rinder, um sie zu opfern dem HERRN, deinem Gott; an dem andern haben wir den Bann vollstreckt.
Samuel aber antwortete Saul: Halt ein, ich will dir sagen, was der HERR mit mir diese Nacht geredet hat. Er sprach: Sag an!
Samuel sprach: Ist's nicht so: Obschon du vor dir selbst gering warst, so bist du doch das Haupt der Stämme Israels; denn der HERR hat dich zum König über Israel gesalbt. Und der HERR sandte dich auf den Weg und sprach: Zieh hin und vollstrecke den Bann an den Frevlern, den Amalekitern, und kämpfe mit ihnen, bis du sie vertilgt hast!
Warum hast du der Stimme des HERRN nicht gehorcht, sondern hast dich an die Beute gemacht und getan, was dem HERRN missfiel?
Saul antwortete Samuel: Ich habe doch der Stimme des HERRN gehorcht und bin den Weg gezogen, den mich der HERR sandte, und habe Agag, den König von Amalek, hergebracht und an den Amalekitern den Bann vollstreckt. Aber das Volk hat von der Beute genommen Schafe und Rinder, das Beste vom Gebannten, um es dem HERRN, deinem Gott, zu opfern in Gilgal.
Samuel aber sprach: Meinst du, dass der HERR Gefallen habe am Brandopfer und Schlachtopfer gleichwie am Gehorsam gegen die Stimme des HERRN? Siehe, Gehorsam ist besser als Opfer und Aufmerken besser als das Fett von Widdern. Denn Ungehorsam ist Sünde wie Zauberei, und Widerstreben ist wie Abgötterei und Götzendienst. Weil du des HERRN Wort verworfen hast, hat er dich auch verworfen, dass du nicht mehr König seist.

Da sprach Saul zu Samuel: Ich habe gesündigt, dass ich des HERRN Befehl und deine Worte übertreten habe; denn ich fürchtete das Volk und gehorchte seiner Stimme. Und nun, vergib mir die Sünde und kehre mit mir um, dass ich den HERRN anbete.
Samuel sprach zu Saul: Ich will nicht mit dir umkehren; denn du hast des HERRN Wort verworfen, und der HERR hat dich auch verworfen, dass du nicht mehr König über Israel seist.
Und als sich Samuel umwandte, um wegzugehen, ergriff ihn Saul bei einem Zipfel seines Rocks; aber der riss ab.
Da sprach Samuel zu ihm: Der HERR hat das Königtum Israels heute von dir gerissen und einem andern gegeben, der besser ist als du. Auch lügt der nicht, der Israels Ruhm ist, und es gereut ihn nicht; denn er ist nicht ein Mensch, dass ihn etwas gereuen könnte.
Saul aber sprach: Ich habe gesündigt; aber ehre mich doch jetzt vor den Ältesten meines Volks und vor Israel und kehre mit mir um, dass ich den HERRN, deinen Gott, anbete (1. Samuel 15,1-24).


Wie wir im Text gesehen haben, wurde Saul zunächst daran erinnert, dass es Gott war, der ihn zum König auserwählt hatte. Es war nicht so, dass die Mehrheit des Volkes ihn zum König gewählt hätte, nein Gott selbst war es, der ihn zum König salben lies. Bevor Gott ihn zum König berufen hatte, war er ein ganz gewöhnlicher Bürger, nur einer unter vielen. Nun hatte er, nach dem Propheten Samuel, die bedeutendste Stellung im ganzen Volk. Er genoss alle Privilegien eines Königs und hatte ohne Zweifel einen sehr viel höheren Lebenskomfort als der Prophet.

Als nächstes wird Saul aufgefordert, „So höre nun auf die Worte des HERRN!“ und dann folgt der konkrete Auftrag, den es auszuführen gilt: „So zieh nun hin und schlag Amalek und vollstrecke den Bann an ihm und an allem, was es hat; verschone sie nicht, sondern töte Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel“, und was tat Saul?

Er musterte das Volk, nahm seine besten Männer und zog los, um Amalek zu schlagen. Ist sein Verhalten nicht lobenswert, ohne Diskussion, ohne Widerrede setzt er Gottes Auftrag in die Tat um. Wir jedenfalls, wenn wir ehrlich sind, hätten ihn auch als Helden gefeiert, doch zu unserer Überraschung nimmt die Geschichte eine erstaunliche Wendung. Zu unserem völligen Unverständnis kommt ihm der Prophet Gottes entgegen und macht ihm Vorhaltungen. Statt dem siegreichen König zu gratulieren, konfrontiert er ihm mit den erschütternden Worten: „Siehe, Gehorsam ist besser als Opfer!

Aber nicht nur das, weiter erklärt er: Und Aufmerken besser als das Fett von Widdern. Denn Ungehorsam ist Sünde wie Zauberei, und Widerstreben ist wie Abgötterei und Götzendienst. Weil du des HERRN Wort verworfen hast, hat er dich auch verworfen, dass du nicht mehr König seist!“ 

Wie kommt der Prophet dazu dem siegreichen König solch eine merkwürdige Vorhaltung zu machen? Nun, wie der Text zeigt, war es nicht weil er einen schlechten Tag hatte oder weil Saul ihm ohnehin nie wirklich sympathisch war. Vielleicht könnte man auch unterstellen, Samuel sei eifersüchtig gewesen und hätte König Saul den Erfolg nicht gegönnt. So nach dem Motto, er konnte es nicht sehen, wenn ein anderer Mittelpunkt stand, als er selbst.
Wer weiß, vielleicht hätte man es so ausgelegt, wenn uns der Text nicht ausdrücklich sagen würde, dass er nicht seien eigenen Standpunkt vertrat, sondern im Auftrag Gottes handelte. Der Bibeltext sagt ausdrücklich: Da geschah des HERRN Wort zu Samuel: Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich von mir abgewandt und meine Befehle nicht erfüllt. Darüber wurde Samuel zornig und schrie zu dem HERRN die ganze Nacht.
Es war also Gott selbst, der ihn beauftragt hatte, dem König diese niederschmetternde Botschaft zu überbringen. Die ganze Nacht hatte Samuel gebetet, um für Saul einzutreten, doch Gott ließ sich nicht mehr umstimmen. Er blieb bei seinem Standpunkt, für ihn, den wir heute für so wahnsinnig tolerant halten, war das was Saul getan hatte Ungehorsam. Man muss sich das mal vorstellen, Gott bezeichnet das Verhalten Sauls als Ungehorsam. Ist das nicht erstaunlich, Saul hatte doch nicht den Befehl verweigert, er war doch losgezogen, er hatte doch diesen Kampf gegen Amalek geführt und an allem Volk den Bann vollstreckt. Gut, da kam zwar noch dieses „Aber“, indem es heißt, „aber Saul und das Volk verschonten Agag und die besten Schafe und Rinder und das Mastvieh und die Lämmer und alles, was von Wert war, und sie wollten den Bann daran nicht vollstrecken; was aber nichts taugte und gering war, daran vollstreckten sie den Bann“, doch kann Gott so kleinlich und engstirnig sein, muss er nicht froh sein, dass Saul überhaupt losgezogen ist? Saul hat zwar den König verschont, aber den Rest des Auftrags hat er doch abgesehen von der Kleinigkeit, die besten Schafe und Rinder verschont zu haben, ausgeführt.

Natürlich klingt das alles etwas befremdend. Es passt schon mal gar nicht in unser Gottesbild, dass Gott überhaupt diesen Befehl gab - alles unter den Bann, samt Frauen, Kinder und sogar den unschuldigen Tieren. Das passt nun wirklich nicht in unser verklärtes Gottesbild, wie kann Gott nur auf eine solch schreckliche Strafe bestehen? War Saul nicht sogar humaner als Gott, immerhin hat er ja den König und die besten Tiere verschont?

Hier sind wir schon wieder an einem Punkt, der so oft missverstanden wird, der Mensch denkt, er hätte ein Recht auf Leben und Gott sei es ihm schuldig, immer dafür zu sorgen, dass es ihm gut geht. Die Bibel lehrt aber nicht, dass Gott dem Menschen gegenüber in irgendeiner Schuld steht, sondern umgekehrt, der Mensch steht in der Schuld Gottes. Wir sind ihm gegenüber moralisch verpflichtet, er ist unser Schöpfer, er hat uns das Leben geschenkt. Doch anstatt das einzusehen und Gott dankbar zu sein, gilt für den gefallenen Menschen, was in Römer 1, 21 steht:

Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert.
Paulus zählt in diesem 1. Kapitel des Römerbriefs, die ganze Entartung und Gottlosigkeit der gefallenen Schöpfung auf und endet mit den Worten: Und wie sie es für nichts geachtet haben, Gott zu erkennen, hat sie Gott dahingegeben in verkehrten Sinn, sodass sie tun, was nicht recht ist, voll von aller Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier, Bosheit, voll Neid, Mord, Hader, List, Niedertracht; Zuträger, Verleumder, Gottesverächter, Frevler, hochmütig, prahlerisch, erfinderisch im Bösen, den Eltern ungehorsam, unvernünftig, treulos, lieblos, unbarmherzig. Sie wissen, dass, die solches tun, nach Gottes Recht den Tod verdienen; aber sie tun es nicht allein, sondern haben auch Gefallen an denen, die es tun (Röm 1,28-30).

Der Mensch sollte sich also fragen, wozu er geschaffen wurde und sollte seinem Schöpfer Dank bringen, satt in ständiger Auflehnung gegen ihn zu Leben. Gott ist zweifellos, barmherzig und gnädig ist der HERR, langsam zum Zorn und groß an Gnade (Ps 103,8).Doch irgendwann ist das Maß voll, auch wenn es gerne vom modernen Christentum ignoriert wird, so müssen wir doch erkennen, dass Sünde früher oder später schlimme Konsequenzen hat. Gott ist sehr geduldig, aber wir müssen bedenken, dass er ein gerechter und heiliger Gott ist. Wir sollten bedenken, dass er (Gott) die Engel, die gesündigt hatten, nicht verschonte, sondern sie in finsteren Höhlen des Abgrundes gehalten und zur Aufbewahrung für das Gericht überliefert hat. Ebenso lesen wir, dass erdie alte Welt nicht verschonte, sondern nur Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, als achten neben sieben anderen bewahrte, als er die Flut über die Welt der Gottlosen brachte. Auch die Städte Sodom und Gomorra hat er einäschert und zur Zerstörung verurteilt und damit denen ein Beispiel gesetzt, die künftig gottlos sein würden (2.Pt 2,4-6).

Und warum finden wir solche Texte in der Bibel, warum wurden diese historischen Tatsachen für uns aufgezeichnet? Gottes Wort selbst gibt uns die Antwort, es sind eindrückliche Warnungen, an die Gottlosen der zukünftigen Generationen.
Es ist ein fataler Fehler, in Gott nur einen Dienstleister zu sehen, der dafür zu sorgen hat, dass es uns immer gut geht, wir müssen erkennen, nicht er wurde für uns geschaffen, sondern wir wurden für ihn geschaffen. Wer in ständiger Auflehnung gegen ihn lebt, steuert auf Gottes Gericht zu.
Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet? Du aber mit deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufst dir selbst Zorn an auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, der einem jeden geben wird nach seinen Werken (Röm 2,4-6).

Unser Text ist ein Beispiel dafür, wie Gottes Gericht aussehen kann, in diesem Fall führte er sein Gericht durch sein Volk Israel aus, in anderen Fällen sind es Naturkatstrophen oder Krankheiten, doch das schlimmste Gericht steht jedem Menschen erst nach dem Tod bevor. Es ist den Menschen bestimmt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht (Hebr 9,27).

Zur Zeit des Alten Testaments sehen wir oft, wie Gott durch sein Volk Israel Gericht an anderen Nationen geübt hat. Ebenso war es aber auch umgekehrt immer dann der Fall, wenn Israel ihm den Rücken zugekehrt hatte. Immer wieder hat Gott ihnen Propheten gesandt, um sie vor seinem Gericht zu warnen, doch da sie in ihrer Verstockung weiter Gottes Weisungen missachteten, gab er sie in die Hand ihrer Feinde. Doch dies nur am Rande.

Für das Christentum gilt es natürlich nicht, wie im Alten Bund, den Bann an anderen Völkern zu vollstrecken. Weder auf Völkerebene, noch auf persönlicher Ebene, wird der Christ zur Ausübung von Gewalt aufgefordert. Gott hat andere Mittel und Wege, um Gottlose zu bestrafen, darum schreibt uns Paulus: Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes (Röm 12,19).
Im neuen Bund gilt es das Böse durch das Gute zu überwinden. Der Gläubige wird niemals zur Gewaltanwendung aufgerufen. Als Petrus seinen Herrn bei der Verhaftung mit einem Schwert verteidigen wollte und dabei einem Soldaten das Ohr abhieb, forderte Jesus seine Jünger auf, sein Schwert wieder einzustecken. Doch nicht nur das, er heilte sogar noch das Ohr des Soldaten. Jahre später, schrieb dieser Petrus an seine Mitchristen: Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußspuren nachfolgt; der keine Sünde getan hat, auch ist kein Trug in seinem Mund gefunden worden, der, geschmäht, nicht wieder schmähte, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet (1. Pt 2,21-23).

Wenn wir also etwas aus dieser Geschichte lernen wollen, müssen wir es im übertragenden Sinne tun. Wie gesagt, der Christ hat heute nicht den Auftrag an anderem Gericht zu üben, er soll sich noch nicht einmal selbst rächen, wenn ihm Unrecht geschieht, sondern dem Beispiel Jesu folgen und Gott das Gericht überlassen.

Doch kommen wir wieder zurück, zu dem Fehlverhalten von König Saul. Wie können wir es auf uns anwenden? Wie wir gesehen haben, haben wir nicht den Auftrag erhalten, einen Bann zu vollstrecken, das ist nicht das Thema, das war der konkrete Auftrag, den Gott König Saul erteilt hatte. Doch ebenso wie König Saul, haben auch wir ganz klare biblische Anweisungen erhalten und die Frage ist, wie gehen wir damit um?
Machen wir uns auch so pragmatisch an die Umsetzung, haben wir auch so einen 
oberflächlichen Umgang mit Gottes Wort?
Es ist wichtig, dass wir uns an diesem Punkt selbst prüfen und uns die Frage stellen, wie genau nehmen wir es mit Gottes Wort, wie gehen wir mit dem um, was er uns aufgetragen hat? Ebenso wie für Saul galt, „So höre nun auf die Worte des HERRN!“, so gilt es auch für uns, auf Gottes Wort zu hören. Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Mi 6,8).

Wie gehen wir mit dem um, was Gottes Wort von uns fordert? Reicht es aus, wenn wir von uns aus etwas definieren, von dem wir denken, es kommt in etwa dem gleich, was Gott uns aufgetragen hat? Was bedeutet es, das Wort Gottes zu halten? Hält man es am besten, wenn man sich erst gar nicht damit beschäftigt, nach dem Motto, „was ich nicht weiß macht mich nicht heiß?“ Oder indem man sich seine Lieblingsverse auswählt? Oder tut man es indem blinden Vertrauen auf das, was andere einem erzählen? Am besten gar nicht so viele Gedanken machen, es wird schon alles gut werden, schließlich sollte man als moderner Christ doch alles positiv sehen. Kritisches hinterfragen hingegen wäre doch eher unchristlich.
Nun gut, wenn es wirklich so ist, dann ist Saul ja ein gutes Vorbild, schließlich hat er doch recht positiv auf Gottes Auftrag regiert. Gott gab ihm eine klare Aufgabe und er lehnte sich nicht grundsätzlich dagegen auf diesen Auftrag auszuführen. Wir haben auch gesehen, dass er sogar größtenteils umsetzte, was Gott aufgetragen hatte. Ich denke, nach unserem menschlichen Ermessen, würden wir das schon als Gehorsam bezeichnen. Immerhin hat er den Befehl ja nicht verweigert. Er hat ja nicht die Hände in den Schoß gelegt und gar nichts gemacht. Er war also nicht passiv oder gar faul, er hat sich nicht aufgelehnt, gegen den Befehl Gottes, sondern ist bereitwillig und hoch motiviert losgezogen, um die Amalekiter zu schlagen. Doch nicht nur das, er tat dies sogar mit Erfolg, die Mission, so könnte man sagen, ist buchstäblich geglückt. Kann man nicht schon allein die Tatschache, dass er erfolgreich war und die Schlacht gewonnen hat, so deuten, dass Gott mit ihm war? Ist es nicht so, da wo Erfolge verzeichnet werden, da muss auch Gottes Wohlgefallen sein?
Wenn bei einer Massenevangelisation der Sahl oder das Zelt bis auf den letzten Platz gefüllt ist, dann muss Gott offensichtlich Wohlgefallen daran haben. Je größer die Gemeinde, je wahrscheinlicher steht Gott hinter ihr und je gesegneter, Pastor, Pfarrer oder Leitungsteam. Ist es nicht so, dass wir geistliche Dinge oftmals so bewerten? Was Erfolg bringt, muss gut sein. Wer erfolgreich ist, mit dem ist Gott. Wenn die Besucherzahlen ansteigen, dann muss doch Gott dahinter stehen.

Saul hatte auch Erfolg mit seinem Kriegszug. Voller Freude und Stolz errichtete er auf dem Weg nach Gilgal, sogar noch als Denkmal, ein Siegeszeichen auf. Er wollte seinen glorreichen Sieg feiern und dafür sorgen, dass dieser nicht so schnell in Vergessenheit gerät. Und die Frage ist: Hatte er nicht allen Grund sich selbst zu feiern und sich vom Volk bejubeln zu lassen? Gott hatte ihm einen klaren Aufrag gegeben und er war völlig überzeugt, diesen Auftrag erfüllt zu haben.
Sehen wir hier nicht eine Parallele zu manch euphorischen Siegeszügen des modernen Christentums? Wir haben heute so tolle Methoden, wir sind so wahnsinnig kreativ und unser Einfallsreichtum, um Menschen für Jesus zu gewinnen, kennt keine Grenzen. Wie wir bei Saul gesehen haben, hatte die Sache zumindest bei ihm einen Haken. Sein Problem war, er hatte den Befehl des Herrn eigenmächtig umgedeutet und letztlich getan, was ihm am besten erschien. Statt in dem was Gott ihm aufgetragen hatte, das Beste zu sehen, war er der Meinung, es besser zu wissen. Somit ist Saul ein Sinnbild, für eigenwilligen Gottesdienst, er ging zwar auf das Reden Gottes ein, aber eben zu seinen Bedingungen. Was Gott ihm aufgetragen hatte, war gut und schön, aber ein wenig persönlicher Spielraum muss ja wohl noch drin sein. Außerdem muss man doch auch seinen gesunden Menschenverstand einschalten. War es nicht klug von ihm, die besten Tiere zu verschonen? Wozu die Verschwendung alles unter den Bann zu stellen? Ihm erschien es nicht logisch, zudem, wo bliebe sein Ruhm, wenn er ohne Beute zurückkehren würde? Nur dieses Volk auszuradieren und dann mit leeren Händen zurückzukehren, was wäre das für eine bescheidene Rückkehr gewesen. Da war es doch viel besser, den gefangenen König präsentieren zu können und zudem noch Kriegsbeute mitzubringen. So konnte Saul zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Er konnte Pluspunkte bei seinem Volk sammeln und gleichzeitig auch seinem himmlischen Konto ein paar hinzufügen. Den Auftrag Gottes ausführen und seinem Volk imponieren.
Wenn ich eben noch festgestellt habe, dass Saul ein Sinnbild für eigenwilligen Gottesdienst ist, dann kann man hier als weiteren Punkt noch Menschgefälligkeit und Geltungssucht hinzufügen.

Sind wir nicht ständig in der Gefahr ebenso zu handeln? Klar wir wollen Gott dienen, wenn wir Christen sind, doch trifft es nicht auch auf uns zu, dass wir auch andere beeindrucken wollen? Außerdem möchte man doch auch persönliche Erfolge vorweisen und will möglichst überall beliebt sein. Oftmals wird das moderne Christentum so zu einem Spagat zwischen dem was Gottes Wort uns aufgetragen hat und den Erwartungen der Welt. Ist es nicht auch für uns typisch, dass wir beim Wort Gottes ausselektieren? Im Beispiel haben wir gesehen, dass der Bann nur an dem vollstreckt wurde was man als wertlos ansah, wir haben gelesen: Aber Saul und das Volk verschonten Agag und die besten Schafe und Rinder und das Mastvieh und die Lämmer und alles, was von Wert war, und sie wollten den Bann daran nicht vollstrecken; was aber nichts taugte und gering war, daran vollstreckten sie den Bann. 

Wenn wir als Christen zum Kampf gegen die uns leicht umstrickende Sünde aufgefordert werden, neigen wir da nicht auch dazu, uns nur von Lastern loszusagen, die für uns ohnehin nie wirklich eine Bedeutung hatten, während wir an denen, die uns nützlich erscheinen festhalten?
Wir können immer ein sachlich, klares Urteil fällen, solange wir nicht direkt betroffen sind, doch wehe wenn es anders ist. Wie sieht es aus, wenn das Wort uns an einem ganz bestimmten Punkt überführt, hören wir uns das nur an oder löst es bei uns eine Reaktion aus?
Von den ersten Christen beispielsweise wird uns berichtet, viele aber, die Zauberei getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und berechneten, was sie wert waren, und kamen auf fünfzigtausend Silbergroschen (Apg 19,19).
Das ist nur ein Beispiel, man könnte an dieser Stelle viele weitere aufführen, doch es geht mir lediglich darum aufzuzeigen, wie konsequent die ersten Christen waren und wie oberflächlich unsere Generation oftmals ist. In unserem moderneren Christentum ist inzwischen alles erlaubt, dennoch ist man fest überzeugt Christ zu sein und Gott zu dienen.

Doch die Frage ist, wie regieren wir, wenn irgendjemand aufsteht und eine kritische Stimme erhebt? Machen wir es wie Saul? Verhalten wir uns vielleicht genauso wie er? Wie ist unsere Reaktion, wenn uns ein Prophet Gottes in den Weg tritt und uns vorhält, dass wir dem Wort Gottes nicht gehorcht haben? Als sich Saul mit dieser unschönen Vorhaltung konfrontiert wurde, entgegnete er: Ich habe doch der Stimme des HERRN gehorcht und bin den Weg gezogen, den mich der HERR sandte, und habe Agag, den König von Amalek, hergebracht und an den Amalekitern den Bann vollstreckt. Aber das Volk hat von der Beute genommen Schafe und Rinder, das Beste vom Gebannten, um es dem HERRN, deinem Gott, zu opfern in Gilgal.

Saul empfand die Kritik als unberechtigt und so rechtfertigte er sich: „Ich habe doch der Stimme des HERRN gehorcht und bin den Weg gezogen, den mich der HERR sandte“
Wie oft legen wir diese Haltung an den Tag, wir stellen hier und da fest, dass es zwischen unserem Handeln und dem Wort Gottes nicht alles so wirklich zusammenpasst, aber wir pochen darauf, seiner Stimmte gehorcht zu haben und wehe jemand behauptet etwas anderes. Ebenso schnell wie wir dabei sind, uns zu rechtfertigen, sind wir auch darin, die Schuld in den Umständen ober bei anderen zu suchen. Das ist ja alles gut und schön was da steht, aber bei mir ist es etwas anderes. Wir sind sozusagen immer die große Ausnahme. Ja, es sind oft diese vielen Wenn und Aber, hinter denen wir uns verstecken und genauso verhielt sich auch Saul. Auch seiner Rechtfertigung folgte ein ABER. „Aber das Volk hat…“ sprach er und schob die Verantwortung von sich auf andere. Ja, die Mehrheit, der Druck der großen Masse, wenn das kein Argument ist, um Abstriche von Gottes Forderungen machen, was dann?

Noch etwas können wir festhalten. Gott hatte eine genaue Vorstellung, der Auftrag an König Saul war klar und eindeutig formuliert, da war nichts Missverständliches. Darüber hinaus warnte bereits das Gesetzt Mose: Lass nichts von dem, was dem Bann verfallen ist, an deiner Hand kleben (5.Mo 13,18). 
Das Wort Gottes war an diesem Punkt also unmissverständlich und Saul hatte sicher alles verstanden, nur war er der Meinung den persönlichen Freiraum zu haben, das Gesagte so zu deuten, wie es am besten mit seinen persönlichen Interessen zu vereinbaren war. Darüber hinaus, redete er sich tatsächlichen, er könnte den Auftrag Gottes sogar noch toppen. Gott hatte eine gute Idee, aber Saul hatte noch eine bessere und das Beste war, das unter den Bann gestellte, konnte sogar noch dazu verwendet werden, um Gott ein Opfer zu bringen. Ist das nicht erstaunlich, wenn nicht gar lobenswert?

Wie wir gesehen haben, sieht Gott es nicht als lobenswert, im Gegenteil, Gott nennt es nicht Gehorsam, sondern bezeichnet es als Ungehorsam. Hier wird deutlich, wie genau es Gott mit seinem Wort nimmt. Es reicht nicht, wenn wir uns ein paar Wahrheiten aussuchen, denen wir gehorchen und den Rest verwerfen oder nach unserem Geschmack umdeuten.
Saul handelte Eigenmächtig und überheblich, er bildete sich ein, er könne Gottes Weisheit übertreffen. Gott dein Auftrag ist gut und schön, aber ich habe noch einen besseren Plan. Ist das nicht ein treffendes Bild auf die aktuelle Situation der Christenheit? Ist es nicht oft so, dass wir modernen Christen es besser wissen als die Bibel? Natürlich sind unsere Abweichungen immer nur zum Besten für Gottes Sache. Es ist genau wie in dem Beispiel Sauls, man hat vom Gebannten genommen, um Gott zu opfern. Hier stehen wir König Saul in nichts nach, auch in unseren Tagen hält man es für vernünftiger Gebanntes zu verwenden, statt sich davon loszusagen. Auch wir bringen es oft fertigt, Gebanntes zu verschonen um es, wie wir meinen, für Gottes Sache einzusetzen. Wir denken, alles was nützlich sein könnte, sei gut, doch gut ist nur, was in Gottes Augen akzeptabel ist. Aus diesem Grund hat er uns sein Wort gegeben. Wir erfahren darin, was er für richtig erklärt und was in seinen Augen falsch ist. Wenn wir uns darüber hinwegsetzen, dann entspricht unser Verhalten genau dem, was Saul getan hat, wir verwenden Gebanntes.

Mir geht es hier nicht nebensächliche Randthemen, sondern darum, dass klare biblische Verbote außer Kraft gesetzt werden, indem man sie umdeutet oder einfach ignoriert. Doch von Dingen die Gott verabscheut, die ihm verhasst sind und die er uns als Christen eindeutig untersagt, dürfen wir unter keinen Umständen Gebrauch machen. Denn es steht geschrieben: Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt! (2.Tim 2,19).

Wenn wir Gott wirklich dienen wollen, müssen wir uns an sein Wort halten und anerkennen, dass er und nur er allein den Maßstab festgelegt. Nur sein Wort allein gibt uns eine gültige Definition, von dem was gut und dem was böse zu nennen ist. Es ist keinesfalls belanglos und es ist keinesfalls eine Sache des eigenen Ermessens. Gottes Wort warnt uns: Wehe denen, die das Böse gut nennen und das Gute böse; die Finsternis zu Licht machen und Licht zu Finsternis; die Bitteres zu Süßem machen und Süßes zu Bitterem! (Jes 5,20).

Modern wie wir sind, sagen wir vielleicht, Gott nimmt es heute nicht mehr so genau mit dem Gehorsam. Ich bin überzeugt viele Christen denken, Gott sei jetzt toleranter, als zur Zeit des Alten Testaments, doch das entspricht nicht der Realität. Dies ist ganz einfach darin begründet, dass Gott sich nicht geändert hat (vgl. Mal 3,6; Jak 1,17) und dies gilt natürlich insbesondre für seine moralischen Wertvorstellungen. Warum sollte er sie auch ändern, sie waren schon immer gerecht und vollkommen weil Gott vollkommen gerecht ist und weil er ebenso unfehlbar ist, kann er sich auch nicht geirrt haben.
Wer immer noch einwendet, durch den neuen Bund hätte sich alles geändert und drauf besteht, dass Gehorsam nun nicht mehr ganz so wichtig sei, dem sage nicht ich, sondern Jesus: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist (Mt 7,21).

Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass es sich genau daran zeigt, ob wir wirklich Kinder Gottes sind oder nicht. Ordnen wir uns ihm und seinen Wort unter oder lehnen wir uns gegen ihn auf und leben nach unseren eigenen Vorstellungen? Wir können nicht sagen, dass Jesus unser Erlöser ist, wenn er nicht auch unser Herr ist. Und wir können nicht rechtmäßig behaupten, dass er unser Herr ist, wenn er nur über einen Teil unseres Lebens Herr ist und nicht über unser gesamtes Leben.
Es gibt kaum ein deutlicheres Zeichen, als unsere Haltung gegenüber Gottes Wort. Wer sich gegen Gottes Wort auflehnt oder meint es besser zu wissen, lebt noch nach dem Geist der Welt. Die Bibel lehrt, dass die ganze Welt im bösen liegt und erklärt, dass Satan der Fürst dieser Welt ist. Aus diesem Grund ist Ungehorsam und die daraus folgende Auflehnung vergleichbar mit Zauberei, das rebellische Beharren auf die Unabhängigkeit von Gott, ist antigöttlich. Ungehorsam gegenüber Gottes Autorität ist Sünde, es ist Gesetzlosigkeit und wenn wir unser Zeitalter mit offenen Augen betrachten, stellen wir fest, dass sich die Prophezeiung unseres Herrn Jesus erfüllt hat. In seiner Endzeitrede sprach er davon, dass die Gesetzlosigkeit überhand nehmen würde (Mt 24,12). Dass es hier nicht um eine allgemeine Gesetzlosigkeit geht, sondern um das Übertreten von Gottes Geboten wird deutlich, wenn man die Definition beachtet, die in 1.Johannes 3,4 zu finden ist. Da wird uns gesagt: Jeder, der die Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit, und die Sünde ist die Gesetzlosigkeit. Sünde ist Rebellion gegen Gott und wenn ein großer Teil der Christenheit die Schrift mehr und mehr verwirft und der Umgang mit Gottes Wort immer oberflächlicher wird, zeigt dies nur, dass man immer noch von der gefallen Natur beherrscht wird. Eine Natur, die in Gottes Wort als fleischliche Gesinnung beschrieben wird und über die uns weiter gesagt wird, dass sie Feindschaft gegen Gott ist, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie kann das auch nicht. Die aber, die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen (Röm 8,7-8).

Leider sind auch viele frommen Aktivitäten unsere Tage von diesem rebellischen Geist geprägt. Oftmals scheint jedes Mittel Recht zu sein Hauptsache man hat Erfolg, doch wenn die Kirche so weit geht, dass die biblische Wahrheit für eine möglichst weite Popularität in der Welt geopfert wird, gewinnt sie nicht etwa die Welt für Jesus, sondern das Gegenteil ist der Fall, sie hat die Welt wieder lieb gewonnen. Viele opfern Geld und Freizeit für religiöse Betriebsamkeit, doch auch in unseren Tagen gilt: Gehorchen ist besser als Schlachtopfer und Aufmerken besser als das Fett von Widdern!
Aufmerken steht für Aufmerksamkeit, es bedeutet, dass wir Gott unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Wenn wir nicht aufmerksam auf das hören, was er uns zu sagen hat, wie wollen wir ihm dann gehorsam nachfolgen?

Gott hat nur Gefallen an unseren Aktivitäten, wenn sie im Einklang mit seinem Wort sind. Das Neue Testament ist voll von praktischen Anweisungen, die wir nicht einfach ignorieren oder nach unserem ermessen umdeuten dürfen. Sie sind auch nicht so wahnsinnig kompliziert, dass man nie sicher sein kann, was wirklich gemeint ist oder wie es die katholische Kirche meint, dass nur der Klerus dazu in der Lage ist Gottes Wort richtig auszulegen. So nach dem Motto, wer kein Theologiestudium vorweisen kann, ist nicht in der Lage denn Sinn der Schrift zu deuten.
Doch warum sollte dies denn der Fall sein, waren etwa die Verfasser der Schrift hochstudierte Akademiker, die nur so mit Fachbegriffen und Fremdwörtern um sich warfen? Nein, im Gegenteil, oftmals waren es ganz einfache Leute aus dem Volk. Denken wir nur an die Jünger Johannes und Petrus, denen wir einige biblische Bücher zu verdanken haben, sie waren ganz einfache Fischer. Auch Paulus erinnert daran, dass die meisten Gläubigen ganz gewöhnliche Leute waren, wenn er schreibt: Denn seht, eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache. Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache, dass sich vor Gott kein Fleisch rühme (1.Kor 1,26-29).

Wir sehen also, die Christen waren nicht irgendwelche hochqualifizierten Akademiker, sondern in der Regel recht einfache Leute. Wenn man dann bedenkt, dass Christus von seinen Nachfolgern erwartet, dass sie sich an sein Wort halten, dann wäre es doch sehr unlogisch, wenn sein Wort für den Normalsterblichen gar nicht zu verstehen ist. Wie könnte er von seinen Nachfolgern erwarten, dass sie sein Wort befolgen, wenn es mit deren Versand gar nicht zu erfassen wäre? Nein, so dürfen wir nicht über Gott denken, er der uns geschaffen hat, er der unser Ohr gebildet hat, sollte er nicht in der Lage sein, uns ein Wort zu übermitteln, dass wir verstehen und begreifen können? Davon abgesehen, hat er seinen Kindern seinen Geist gegeben. Jesus selbst hatte seinen Jüngern gesagt: Der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe (Joh 14,26).

Und falls nun jemand einwendet, diese Worte galten nur seinen Jüngern und sie würden in der jetzigen Zeit nur dem Klerus gelten, dem sei entgegnet, dass alle wahren Kinder Gottes den Heiligen Geist empfangen haben, denn wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein (Röm 8,9).
Somit können wir uns nicht immer rausreden oder irgendwelche Ausflüchte suchen. Wir müssen uns bewusst machen, dass Gottes Wort keine unverbindlichen Vorschläge unterbreitet, die man dann nach eigenem Ermessen, entweder befolgen oder ignorieren kann. Ganz davon abgesehen muss uns doch klar sein, wenn sein Wort nicht mehr verbindlich ist, hat unser Glaube jeglichen Inhalt verloren.

Wir dürfen uns an diesem Punkt nicht selbst betrügen, ob wir wirklich gläubig sind, zeigt sich immer an unserer Haltung gegenüber Gottes Wort. Damit will ich nicht behaupten, dass Christen unfehlbar sind und immer alles richtig machen, aber letztlich zeigt unsere Haltung immer in welcher Richtung wir unterwegs sind. Jesus nachzufolgen, bedeutet sich an sein Wort zu halten. Das Problem ist, dass sich das moderne Christentum an diesem Punkt immer mehr dem Zeitgeist angepasst hat. Francis A Schaeffer hat diese Problematik bereits in den 80iger Jahren erkannt, in seinem Buch „Die große Anpassung“ kommt er diesbezüglich zu folgender Feststellung: 
Hier haben wir den Zeitgeist unserer Tage – der autonome Mensch, der sich selbst zum Gott erhebt und sich dabei aller Erkenntnis sowie der moralischen und geistlichen Wahrheit widersetzt, die von Gott gegeben wurde.1

 

 

 

Dies war ein Auszug aus dem Buch "Einheit über alles

 

Buch "Einheit über alles" als 

 

 

 

 

 

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Buchempfehlungen zum Thema christliche Einheit

• Einig in Wahrheit - Martyn Lloyd-Jones

• Projekt Einheit - Brüning, Deppe, Gassann

 

www.evangeliums-botschaft.de

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