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Ein Mann mit einem geteilten Herzen

05.10.2016

Was einen Mann mit geteiltem Herzen angeht, ist er ein unglücklicher Mann. Wer kann glücklich sein, wenn rivalisierende Mächte in seinem Inneren miteinander streiten. Die Seele muss eine Ruhestätte für sich finden, oder sie wird niemals Ruhe finden. Der Vogel, der auf zwei Ästen sein Nest baut, wird niemals Frieden haben, und die Seele, die zwei Ruhestätten sucht, zuerst die Welt und dann den Erlöser, wird niemals Freude oder Trost empfinden.

Ein ungeteiltes Herz ist ein glückliches Herz, darum sagt David: „Richte mein Herz auf das Eine, dass ich deinen Namen fürchte!“ Diejenigen, die sich Gott ganz hingeben, sind gesegnete Leute, denn sie erkennen, dass der Glaube ein „lieblicher Weg, und alle seine Pfade sind Frieden.“

Leute, die weder das eine noch das andere sind, sind stets unruhig und erbärmlich. Die Furcht vor Entlarvung und das Gewissen über das eigene Fehlverhalten wirken zusammen und beunruhigen die Seele, da sie mit Unruhe, Leid und Ruhelosigkeit erfüllt werden. Solch ein Mann ist in sich selbst unglücklich.

Er ist außerdem für die Gemeinde unbrauchbar. Wie sollte ein solcher Mann uns von Nutzen sein? Wir können ihn nicht über das Evangelium predigen lassen, dass er selbst nicht praktiziert. Wir können ihn nicht als Diakon einsetzen, da er das Leben der Gemeinde ruinieren würde. Wir können ihm die Angelegenheiten der Gemeinde in der Ältestenschaft nicht anvertrauen, weil er selbst nicht geistlich ist und daher nicht vertrauenswürdig.

Er ist in jeder Hinsicht kein Nutzen für uns. „Verworfenes Silber nennt man sie, weil der Herr sie verworfen hat.“ Ihr Name mag auf der Gemeindeliste stehen, aber es wäre besser, man würde ihn löschen. Er mag unter uns sitzen und Geld spenden, aber es wäre besser, wir würden auf ihn und sein Geld verzichten, selbst wenn er doppelt oder dreifach so viel spendet. Wir wissen, dass keine Person, die in ihrem Herzen nicht in lebendiger und vollständiger Weise mit dem Christus verbunden ist, niemals im geringsten einen Dienst für die Gemeinde tun kann.

Aber nicht nur das; er ist ein Mensch, der für die Welt gefährlich ist. Solch ein Mann ist wie ein Aussätziger, der sich unter gesunden Menschen bewegt. Er verbreitet Krankheit. Der Trunkenbold ist ein Aussätziger, der isoliert ist. Er richtet vergleichsweise wenig Schaden an, denn er gleicht einem Aussätzigen, der aus der Gesellschaft ausgestoßen wurde. Seine Sucht ruft laut: Unrein, unrein, unrein.

Aber der Mann mit geteiltem Herzen ist jemand, der seinen Glauben bekennt und daher toleriert wird. Er sagt, er sei Christ, und daher ist er in der Gesellschaft akzeptiert, obgleich er voller Verdorbenheit und Täuschung ist. Obgleich er äußerlich weiß wie ein Grab erscheint, ist er für die Welt gefährlicher als die meisten bösartigen Menschen. Bindet ihn, lasst ihn nicht wirken, baut ein Gefängnis für ihn.

Aber was sage ich hier? Wenn ihr ein Gefängnis für Heuchler bauen müsstet, würde ganz London nicht ausreichen, um alle Heuchler einzusperren. O meine Brüder, ungeachtet der Unmöglichkeit, diese alle zu binden, sage ich, dass der tollwütigste Hund im heißesten Wetter nicht halb so gefährlich für Menschen ist als der Mensch mit einem geteilten Herzen, als jemand, der mit dem tollwütigen Gift seiner Heuchelei auf seinen Lippen umhergeht und die Seelen der Menschen damit ansteckt.

 


Charles Spurgeon, A Divided Heart, New Park Street Pulpit, Band 5, Predigt Nr. 276.
© Georg Walter

 

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