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Die trügerische Weltweisheit der Hure Babylon

Der Gegensatz zwischen der Weisheit Gottes und der Weisheit dieser Welt, sowie der Unterschied zwischen der keuschen Braut des Lammes und der treuelosen Hure Babylon
 
19.11.2016

 

Würdig bist du, o Herr, zu empfangen den Ruhm und die Ehre und die Macht; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen sind sie und wurden sie geschaffen! (Offb 4,11).

In diesem Bibelvers wird eine ganz entscheidende Wahrheit betont, und zwar ist es der Grund, warum der HERR würdig ist, dass wir IHN anbeten, und zugleich eine Richtigstellung unseres verkehrten menschlichen Denkens. Denn die Aussage: „Du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen sind sie und wurden sie geschaffen“, wird von der Menschheit in der Regel nicht nur ignoriert, sondern förmlich auf den Kopf gestellt. Der Mensch, in seiner gefallenen Natur, geht nämlich von einem Gott aus, der um des Menschen Willen existiert. Doch in Wahrheit ist es genau umgekehrt, wir existieren um Seinetwillen, also durch IHN und für IHN. Gott ist nicht um des Menschen Willen da, sondern der Mensch um Seinetwillen.

Oder anders gesagt, nicht Gott gehört dem Menschen, so dass der Mensch über IHN verfügen könnte, sondern der Mensch gehört Gott. Wenn dies ausnahmslos für jedes Geschöpf Gottes gilt, wieviel mehr gilt es jenen, die durch das kostbare Blut des Lammes teuer erkauft wurden zu Seinem Eigentumsvolk. Über diese Schar der Erlösten, die auch als die Braut des Lammes bezeichnet wird, sagt die Schrift: Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und auferweckt wurde (2.Kor 5,15). Mit „alle“ sind nicht ausnahmslos alle Menschen gemeint, sondern alle, die mit Christus gestorben sind, die ihr altes Leben mit IHM in den Tod gegeben haben (V 14). Es sind die, die geistliches Leben empfangen, und über die gesagt wird: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur (V 17). Doch wer dieses Wunder der Errettung erfahren durfte, ist nicht mehr sein eigener Herr, er gehört weder der Welt, noch sich selbst, sondern zählt vom Tag seiner Bekehrung zum Eigentumsvolk Gottes (vgl. Tit 2,14). Doch das ist ihm keine Last oder schwere Bürde, vielmehr ist es ihm eine Freude. Es ist wie im Natürlichen, eine Braut, die den Bräutigam liebt, muss nicht widerwillig zum Traualtar geschleppt werden, im Gegenteil, sie wird diesen Tag aus tiefstem Herzen herbeisehnen.

Soweit das Wesen der Braut, kommen wir nun zum Charakter der Hure. Ihr geht es nicht um den Bräutigam, vielmehr geht es ihr nur um sich selbst. Sie ist selbstsüchtig und selbstverliebt, was übrigens auch ein Merkmal ist, das die Menschen unserer Tage prägt, und zwar genauso, wie es das Wort Gottes lange im Voraus prophezeit hat, indem geschrieben steht: Denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldliebend, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig (2.Tim 3,2). Weiter heißt es in dieser Aufzählung: Mehr das Vergnügen liebend als Gott, die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen. So werden die Menschen, die in der Endzeit leben, beschrieben, sie lieben das Vergnügen mehr als Gott; dennoch bewahren sie nach außen hin einen frommen Schein. Damit diese Scheinheiligkeit nicht aufgedeckt wird, benötigt man natürlich eine entsprechende Instanz. Eine Institution, die sich darauf spezialisiert hat, allen Menschen den Himmel zu versprechen, und das ist die Hure Babylon, die Sinnbild des geistlichen Abfalls ist. Da es ihr in Wahrheit nicht um den Bräutigam geht, sondern nur um sich selbst, bietet sie solchen Menschen die passende Religion. Eine Religion, die sich ausschließlich um die Erfüllung selbstsüchtiger Wünsche dreht, eine Religion, die einen Gott zum Mittelpunkt hat, der um des Menschen Willen existiert. Eine Religion der Selbstverherrlichung des Menschen, die so von sich selbst eingenommen ist, dass sie spricht: „Ich, und sonst gar nichts!“ (Jes 47,8: 10; Zef 2,15). Die Hure sieht sich selbst als das Maß aller Dinge, nach außen hin gibt sie sich zwar gottesfürchtig, doch sie hat ein rebellisches Herz. Ein Herz, das nicht dazu bereit ist, sich der Herrschaft des HERRN unterzuordnen. Anstatt sich unterzuordnen, will sie selbst die Herrin sein (vgl. Jes 47,7). Folglich lautet der Wahlspruch dieser abgefallenen Kirche: Wir wollen nicht, dass dieser über uns König sei! (Lk 19,14). Sich selbst als das Maß aller Dinge zu sehen und von der Herzenshaltung: „Ich, und sonst gar nichts!“, geprägt zu sein, ist im krassen Widerspruch, zu dem, was die wahre Braut des Lammes auszeichnet. Ihr Sinn ist auf Einfalt und Lauterkeit gegenüber Christus dem Bräutigam ausgerichtet (vgl. 2.Kor 11,3). Für uns mag „Einfalt“ vielleicht negativ klingen, denn wir sehen darin etwas, das wir vielleicht mit dem Wort „naiv“ gleichsetzen würden. Doch hier irren wir, Einfalt gegenüber Christus ist etwas sehr Positives, sie ist vergleichbar mit einem kindlichen Vertrauen. Wer dieses kindliche Vertrauen hat, der stellt Gottes Wort nicht in Frage, auch wenn er nicht alles verstehen oder ergründen kann. Doch wie könnte dieser große Gott auch für uns Menschen vollkommen ergründbar sein? Es ist, wie der HERR selbst durch den Propheten Jesaja sagt: Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken (Jes 55,9; vgl. Jes 40,28; Ps 145,3). Diese Erkenntnis kommt auch in Psalm 139 zum Ausdruck, wenn David sagt: Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß! Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir (Ps 139,17-18). Obwohl David Gott nicht erfassen konnte, war sein Herz und sein Sinn auf Gott ausgerichtet, am Ende seiner Überlegungen sagt er: Am Ende bin ich noch immer bei dir. Das ist diese Einfalt gegenüber dem HERRN, die an Seinem Wort festhält, auch wenn sie nicht alles erfassen kann. Denn genau an diesem Punkt gilt: Vertraue auf den Herrn von ganzem Herzen und verlaß dich nicht auf deinen Verstand; erkenne Ihn auf allen deinen Wegen, so wird Er deine Pfade ebnen. Halte dich nicht selbst für weise; fürchte den Herrn und weiche vom Bösen! (Spr 3,5-7). Ähnliche Worte finden wir auch im Neuen Testament, wo uns gesagt wird: Haltet euch nicht selbst für klug! (Röm 12,6).

Das ist das Wesen der Einfalt gegenüber Christus, das aber nicht so zu verstehen ist, dass wir unseren Verstand beiseitelegen sollen. Nein, das fordert die Schrift nicht von uns, vielmehr sagte der HERR: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand (Mt 22,37). Das Wort Gottes ist durchaus logisch aufgebaut, und es appelliert immer wieder an unseren Verstand, der Punkt, an dem wir uns nicht auf unseren Verstand, sondern auf das Wort verlassen sollen, ist, wenn es unsere Vorstellungskraft übersteigt, oder wenn wir eine göttliche Anweisung nicht verstehen können. An dieser Stelle mal ein praktisches Beispiel, Kinder können vieles noch nicht erfassen, dennoch vertrauen sie den Worten ihrer Eltern. Sie steigen auch dann mit ihren Eltern in ein Flugzeug, wenn sie sich nicht erklären können, wie diese Maschine das Gesetz der Schwerkraft überwinden kann. Ebenso können sie vielleicht nicht verstehen, wozu sie ihre Hausaufgaben machen sollen oder warum sie nicht immer sofort alles bekommen, was sie sich wünschen. Doch warum gibt es von den Eltern Verbote oder erzieherische Maßnahmen, etwa um die Kinder zu unterdrücken und in ihrer Freiheit einzuschränken, verbieten Eltern den übermäßigen Konsum von Süßigkeiten etwa nur, weil sie es ihren Kindern nicht gönnen? Einfalt gegenüber dem HERRN und Seinem Wort hat etwas mit dem festen Vertrauen zu tun, dass unser himmlischer Vater gute Absichten hat (vgl. Mt 7,11). Es ist das Vertrauen in Sein Wort durch das ER uns sagt: So spricht der HERR, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich bin der HERR, dein Gott, der dich lehrt zu deinem Nutzen, der dich leitet auf dem Weg, den du gehen sollst (Jes 48,17).

Kommen wir nun wieder zurück zur Hure, sie will nicht wahrhaben, dass der Weg Gottes der richtige und bessere Weg ist, stattdessen glaubt sie es besser zu wissen und überhebt sich damit über den, der sie erschaffen hat. In Jesaja 47,10 heißt es dazu: Aber du vertrautest auf deine Bosheit. Du sagtest: Niemand sieht mich. Deine Weisheit und dein Wissen, das hat dich irregeführt. Und du sagtest in deinem Herzen: Ich, und sonst gar nichts! Wenn hier gesagt wird, du vertraust auf deine Bosheit muss uns bewusst sein wie böse es ist, den Rat Gottes zu verschmähen. Wer das Wort Gottes ablehnt und sich einbildet, es besser zu wissen, stellt sich über Gott. Er glaubt ferner, Gott würde nicht alles mitbekommen, er redet sich ein, ungeschoren davonzukommen, denn er spricht in seinem Herzen: Niemand sieht mich. So ergeht es jenen, die sich selbst für weise halten, die meinen, man könne Gottes Wort nach Belieben verdrehen und umdeuten oder es gar komplett ignorieren.

Doch dieses Handeln ist nicht etwa neutral oder gar ohne Belang, vielmehr gilt es hier zu beachten, was bereits Spurgeon zu bedenken gab, als er sagte: Ich erzittere, wenn ich höre, wie ein Mann die fundamentalen Prinzipien des Evangeliums nach und nach aufgibt, und sich dabei seiner Freiheit rühmt. Ich höre sie sagen: „Ich habe meine Ansichten, und andere haben ebenso das Recht, ihre Ansichten zu haben.“ Das mag stimmen für bloße „Ansichten“, aber von der Wahrheit selbst, die von Gott geoffenbart wurde, dürfen wir in dieser Weise nicht sprechen. Die Wahrheit ist eins und unveränderlich, und wir alle müssen sie annehmen.
Es geht nicht um deine Ansicht von Wahrheit, denn dies ist ein trübes Licht; sondern es ist die Wahrheit selbst, die dich erretten wird, wenn du sie im Glauben annimmst. 1

Und genau das ist der Punkt, es geht nicht um persönliche Vorlieben oder Ansichten, sondern um das unveränderliche Wort, des ewigen, unveränderlichen, unfehlbaren Gottes. Niemand hat das Recht, den Maßstab, den ER aufgestellt hat, auf den Kopf zu stellen. Wer dies ignoriert, dem gilt folgendes Bibelwort: Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die Finsternis zu Licht und Licht zu Finsternis erklären, die Bitteres süß und Süßes bitter nennen! Wehe denen, die in ihren eigenen Augen weise sind, und die sich selbst für verständig halten! (Jes 5,20-21).
Jeder Mensch, der sich über das Wort Gottes stellt, ist so vermessen, dass er sich gegenüber seinem Schöpfer überlegen hält. Und genau diese entspricht dem Wesen der Hure Babylon. Dieses abgefallene, religiöse System, hält sich für überlegen und aufgeklärt, und belächelt vielleicht sogar jene, die das Wort Gottes noch ernst nehmen.

Doch jene treuen Nachfolger sollten sich dadurch nicht entmutigen oder gar einschüchtern lassen, im Gegenteil, sie dürfen sich freuen, denn ihnen gilt folgende Verheißung: Aber auf den will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist und der da zittert vor meinem Wort (Jes 66,2). Beachten wir in diesem Zusammenhang, der Herr wohnt nicht in den Herzen der Hochmütigen, sondern vielmehr steht geschrieben: Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: In der Höhe und im Heiligen wohne ich und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen (Jes 57,15). Auf die Hure trifft dies mit Sicherheit nicht zu, doch prüfen wir, ob dies unserer Herzenshaltung entspricht, nehmen wir Gottes Wort wirklich so ernst, dass wir unser Leben dadurch prägen lassen? Sind wir uns wirklich dessen bewusst, dass wir völlig von IHM abhängig sind? (vlg. Joh 15,5).

Kommen wir noch einmal auf Jesaja 47,8 zurück, wo über die Hure gesagt wird: Deine Weisheit und dein Wissen, das hat dich irregeführt. Und du sagtest in deinem Herzen: Ich, und sonst gar nichts! Wie schon gesagt, Gott fordert uns nicht auf unseren Versand beiseite zu legen. Doch wenn wir unseren Verstand über Sein Wort stellen, und uns für verständiger halten als unseren Schöpfer, dann gilt was in Römer 1,22 gesagt wird: Da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden. Genau das ist auch das Verhängnis, der von der Bibelkritik durchdrungenen Hure, sie wird durch ihre eigene Weisheit und ihr eigenes Wissen in die Irre geführt. Und hier haben wir das grundsätzliche Problem des abgefallenen Pseudo-Christentums, es gründet sich nicht auf göttliche, sondern auf menschliche, irdische Weisheit. Es ist auf die Weisheit dieser Welt gegründet, über die Gottes Wort: Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott. Und wiederum spricht der HERR: „Ich werde die Weisheit der Weisen vernichten, und den Verstand der Verständigen werde ich verwerfen." (1.Kor 1,19).

Der Ratschluss dieses religiösen Systems ist verdunkelt (vgl. Hi 32,8), weil man das Licht „Jesus Christus“ verworfen hat. Zwar ist in dieser Universalreligion noch Platz für einen Jesus, doch es ist eben nicht Jesus Christus, der im Fleisch gekommene Sohn Gottes, in dessen Namen allein das Heil zu finden ist (vgl. Apg 4,12). Stattdessen ist es ein anderer Jesus, einer, der sich Seinen Platz mit den anderen Religionsstiftern teilt. Ein Christus, der nicht den Anspruch erhebt, HERR und Haupt der Gemeinde zu sein, sondern sich damit begnügt, lediglich eine Randfigur zu sein.

Doch weil dies ein anderer Christus ist, kann nur die Hure, die nicht diese Einfalt gegenüber Christus hat, diesen faulen Kompromiss eingehen. Statt, wie die Braut, zu erkennen, dass in Christus alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind (Kol 2,3), vertraut die Hure auf ihre eigene Weisheit und konstruiert sich einen eigenen Christus, der ihren Vorstellungen entspricht. Genau nach diesem Motto, will die Hure auch das Reich Gottes bauen, und so wundert es nicht, dass die Auswahlkriterien für ihre Mitarbeiter eben diesem Denken entsprechen. Anstatt sich an die Anweisungen der Schrift zu halten, legt man menschliche Auswahlkriterien zu Grunde. Ganz konkret gesprochen, wer kann denn Pfarrer oder Priester werden? Laut der Hure doch nur, wer studiert hat, doch entspricht das den Anweisungen der Schrift? Nein, hier schreibt beispielsweise der Apostel Paulus seinem Schüler Timotheus: Was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Menschen an, die tüchtig sein werden, auch andere zu lehren! (2.Tim 2,2).

Treue zum HERRN, steht hier eindeutig vor einem weltlichen Bildungsstatus. Denn was nützt es denn, wenn ein Mensch Abitur hat, was sagt es darüber aus, ob ein Mensch wirklich die Weisheit hat, die vor Gott zählt? Selbst ein kleines Kind kann in Gottes Augen mehr Weisheit haben, als ein Professor Doktor soundso, und zwar aus dem ganz einfachen Grund: Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit, und die Erkenntnis des Heiligen ist Einsicht (Spr 9,10; vgl Hi 28,28). Genau aus diesem Grund kann der Psalmist sagen: Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Täglich sinne ich ihm nach. Du machst mich mit deinem Gebot weiser, als meine Feinde sind; denn es ist ewiglich mein Schatz. Ich habe mehr Einsicht als alle meine Lehrer; denn über deine Mahnungen sinne ich nach. Ich bin klüger als die Alten; denn ich halte mich an deine Befehle (Ps 119,97-100).

Vielleicht denkt mancher, dies wäre überheblich, doch der Psalmist ist keineswegs überheblich, er verlässt sich ja nicht auf seine eigene Weisheit, sondern auf die Weisheit Gottes, und genau darauf kommt es an. Der Anfang wahrer Weisheit ist der Punkt, an dem ein Mensch anfängt, Gottes Wort ernst zu nehmen. Wer sich dagegen selbst überhebt, und sich auf seine eigene Weisheit verlässt, der wird in die Irre gehen. Abitur zu haben ist nichts Verwerfliches, doch es sagt überhaupt nichts über wahre Weisheit aus. Darum ist es auch ein völlig falsches Auswahlkriterium, für einen geistlichen Dienst. Dass dem so ist, wird umso deutlicher, wenn wir bedenken, dass die Jünger größtenteils einfache Fischer waren. Sie wären also beim Anforderungsprofil unserer anerkannten Landeskirchen durchs Raster gefallen. Ebenso wäre ein Mann, wie Johannes der Täufer niemals in Frage gekommen. Aber nicht nur das, selbst Jesus hätte man die Eignung für ein geistliches Amt abgesprochen, denn ER war lediglich ein einfacher Zimmermann. Betrachten wir ferner, dass über die wahre Brautgemeinde gesagt wird: Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen (1.Kor 1,26), sehen wir, woran dieses religiöse System krankt. Man will Führungspositionen und geistliche Ämter, insbesondere Lehrämter durchgängig mit Personen besetzen, die unter dem wahren Volk Gottes eher die Ausnahme als die Regel sind. Und daher ist es, wie man im Volksmund sagt: Der Fisch stinkt vom Kopf.

Bei der wahren Brautgemeinde ist Christus das Haupt, doch die Hure akzeptiert keinen HERRN über sich, sie will selbst Herrin sein. Darum rebelliert sie gegen das Wort Gottes und lehnt Zurechtweisung ab. Ihre Frömmigkeit ist nicht vom Willen Gottes geprägt, sondern von ihrer Eigenwilligkeit. Mit anderen Worten, sie betreibt einen eigenwilligen Gottesdienst, bei dem es in Wahrheit gar nicht um die Verehrung Gottes geht, sondern um die Befriedigung des Fleisches (vgl. Kol 2,23). Aus diesem Grund ist sie auch nicht bereit, die Selbstoffenbarung Gottes, so wie sie uns in der Heiligen Schrift überliefert wurde, vorbehaltlos anzunehmen. Im Gegensatz zu Jesus Christus, der im Gebet zum Vater sprach: Dein Wort ist die Wahrheit (Joh 17,17), behauptet die abgefallene Hure allenfalls, das Wort enthielte Wahrheit. Die Deutung, was darin wahr ist, bleibt natürlich ihr selbst vorbehalten.

Die wahre Brautgemeinde hingegen erkennt in der Heiligen Schrift die Stimme ihres HERRN. Ihr Erkennungsmerkmal ist, dass sie das Wort ihres HERRN bewahrt. Das bedeutet nicht, dass sie je in der Lage wäre, sich selbst zu erlösen oder nie Fehler machen würde, doch in ihrer Grundausrichtung strebt sie ein gottwohlgefälliges Leben an. Aus diesem Grund neigt sie auch nicht dazu, Sünde zu verharmlosen oder gar zu tolerieren. Vielmehr kommt sie, sobald sie durch das Wort Gottes von einer Sünde überführt wird, zum Thron der Gnade. Das heißt, wahre Kinder Gottes vertuschen ihre Sünde nicht, sondern bringen sie ans Licht (vgl. Joh 12,46; Eph 5,13-14; 1.Joh 1,7). Sie bekennen dem HERRN ihr Versagen, und bitten IHN um Vergebung. Nicht so das Wesen der Hure, sie lebt nach dem Motto: Niemand sieht mich. Sie hasst das Licht (vlg. Joh 3,20). Für sie zählt nicht die Reinheit ihres Herzens, vielmehr geht es ihr nur darum, einen frommen Schein zu wahren. Diese scheinheilige Frömmigkeit hat Jesus mit übertünchten Gräbern verglichen, die von außen zwar schön scheinen, inwendig aber voll von Totengebeinen und aller Unreinheit sind (Mt 3,27). So heißt es über diese Form der Religion: Die freilich einen Schein von Weisheit haben in selbstgewähltem Gottesdienst und Demut und Kasteiung des Leibes, [und doch] wertlos sind und zur Befriedigung des Fleisches dienen (Kol 2,23).

Man verlässt sich auf die eigenen Frömmigkeitsübungen, auf die eigene Weisheit, aber eben nicht auf den, der uns von Gott gemacht worden ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung (1.Kor 1,30). Und weil man so selbstgefällig ist und nicht wahrhaben will, einen Erlöser nötig zu haben, kommt man nicht zum Kreuz, um die Sündenlast abzugeben, sondern redet sich ein, das Ziel aus eigener Kraft erreichen zu können. So macht sich die geistliche Hure selbst etwas vor, indem sie nach außen hin schön geschmückt ist, doch Gott kann sie nichts vormachen. ER sagt in Seinem Wort: Weh denen, die mit ihrem Plan verborgen sein wollen vor dem HERRN und mit ihrem Tun im Finstern bleiben und sprechen: »Wer sieht uns und wer kennt uns. Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht!, und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts! (Jes 29,15-16).

Ist das nicht ein treffendes Bild für die gefallene Menschheit, samt ihrer abgefallenen Religion? Man will sich nichts von Gott sagen lassen. Ja, man will noch nicht mal wahrhaben, dass ER der Schöpfer ist, dem man das Leben zu verdanken hat. Doch das ist eben die menschliche, irdische Weisheit, die in die Irre führt. Im Gegensatz dazu wird die göttliche Weisheit, wie folgt beschrieben: Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, sodann friedfertig, gütig; sie läßt sich etwas sagen, ist voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch und frei von Heuchelei (Jak 3,17).

Das Erstgenannte ist die Reinheit, und genau das ist das Kennzeichen der keuschen Braut. Im Gegensatz zur Hure ist sie auch nicht heuchlerisch, außerdem hält sie sich nicht selbst für klug, sondern lässt sich etwas sagen. Anstatt sich mit einem Pseudochristentum zu verbünden und damit unter einem Joch mit Ungläubigen zu sein, hat sie das Joch Christi auf sich genommen, indem sie sich IHM unterordnet (vgl. Mt 11,29). Die Frage ist, sind wir bereit, uns dem in der Heiligen Schrift offenbarten Willen Gottes unterzuordnen oder passen wir uns ständig dem Zeitgeist an? Spurgeon sagte diesbezüglich sehr treffend: Dem unbekehrten Hals ist das Joch Christi etwas Unerträgliches, während es einem erretteten Sünder sanft und leicht erscheint. Wir können uns daran leicht selbst prüfen: Lieben wir dieses Joch, oder werfen wir es von uns? 2

Gehen wir also sicher, wirklich unter dem Joch des Lammes zu sein, anstatt uns von einer Massenbewegung unterjochen zu lassen, die letztlich in einer Welteinheitsreligion münden wird. Für die wahre Brautgemeinde geht es gewiss nicht darum, sich mit allen Religionen eins zu machen, sondern darum, sich für den Bräutigam bereit zu machen, was Anderes kann es bedeuten, als dem Tag Seiner Wiederkunft freudig entgegenzufiebern und sich rein zu halten, so wie geschrieben steht: Und jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst, wie auch jener rein ist (1.Joh 3,3). Und wenn die Braut Berührungspunkte mit der Hure hat, dann bedeutet reinhalten: Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt! (Offb 18,4).

Vielen Kindern Gottes wird an diesem Punkt ihre Gutmütigkeit zum Verhängnis, sie wollen es irgendwie jedem Recht machen, und so verhalten sie sich ähnlich wie einst der Priester Eli. Vielleicht reden sie sich ja ein, man würde durch den Dialog mit den Religionen etwas für den HERRN erreichen, doch das Einzige, was erreicht wird, ist, dass die große Pilgerschar immer weiter vom ursprünglichen Ziel abdriftet. Denn wer glaubt, es sei im Sinne des Herrn, dass Licht mit Finsternis vermischt wird, und dass man nicht mehr unterscheiden müsse, zwischen Heilig und Unheilig, der irrt gewaltig. In Hesekiel 22 finden wir diesbezüglich eine Vorhaltung Gottes an Sein Volk, die wir uns zu Herzen nehmen sollten: Seine Priester tun meinem Gesetz Gewalt an und entweihen meine Heiligtümer; sie machen keinen Unterschied zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen und lehren nicht, zu unterscheiden zwischen dem Unreinen und dem Reinen (Hes 22,26).

Wir sind aufgefordert zu unterscheiden, zwischen Licht und Finsternis, zwischen heilig und unheilig, darum dürfen wir nicht einfach über alles großzügig hinwegsehen, wie es einst der Priester Eli tat. Die wahre Braut Christi darf sich unter keinen Umständen von der Einfalt gegenüber dem HERRN und Seinem Wort abbringen lassen. Selbst wenn die große Mehrheit der christlichen Bekenner einen anderen Weg eingeschlagen hat, dürfen wir uns nicht von der Masse blenden lassen. Jesus hat die Seinen schon immer als kleine Herde bezeichnet. Natürlich werden die unbiblischen Einheitsbestrebungen fromm verpackt. Die Hure ist hierbei so von sich und ihrem Tun überzeugt, dass göttliche Mahnungen an ihrem Herzen abperlen wie Wassertropfen an einer Fensterscheibe. So verkauft sie ihre Aktivitäten so, als seien sie „christlich“ und beruft sich dabei auch auf die Bibel, und hier bevorzugt auf das Hohepriesterliche Gebet, doch wer Johannes Kapitel 17 wirklich studiert, wird sehr schnell bemerken, dass es in diesem Gebet um die Einheit unter wahren Gläubigen geht. Und diese beschrieb Jesus, als solche, die „Sein“ sind, und die daran erkannt werden, dass sie das Wort Gottes bewahren (vgl. Joh 17,6). Somit ist wahre christliche Einheit nicht da zu finden, wo sich, unter Abstichen an Gottes Wort, religiöse Denominationen vereinen, sondern nur da, wo Christus das Haupt ist. Wenn ER das Haupt ist, muss ER auch das Sagen haben, und das kann nur bedeuten, dass Sein Wort der Maßstab ist.

Abschließend sei gesagt: Die wahre Brautgemeinde ist aus dieser Welt herausgerufen, sie ist dazu aufgerufen sich von der Welt abzusondern anstatt sich mit ihr zu verbünden. Jesus sagte: Heilige sie durch die Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit (Joh 17,17). Weiter sollten wir bedenken: Wenn nicht die Einzigartigkeit des HERRN Jesus Christus im Mittelpunkt steht, wenn es nicht hautsächlich um Seine Person und Sein Werk am Kreuz geht, dann kann man sicher sein, dass es die Hure ist. Und so drastisch das Wort Hure sprachlich klingt, so abstoßend ist dieser geistliche Abfall in den Augen des heiligen Gottes. Es muss uns klar sein, die Hure gehört zu dieser Welt (vgl. 1.Joh 4,5), sich mit ihr zu verbünden, bedeutet, dass man ein Freund dieser Welt sein will. Doch wir können nicht Freund Gottes und Freund der Welt zugleich sein. Denn wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein (Jak 4,4).

Ist angesichts dessen, der in unseren Tagen weitverbreitete Pragmatismus nicht erschütternd? Wie kann es sein, dass ein Großteil der Evangelikalen nahezu alles ertragen kann? Sei es ein anderer Christus, sei es ein anderer Geist, sei es ein anderes Evangelium. Beachten wir, was der HERR der Gemeinde in Thyatira sagt: Aber ich habe gegen dich, dass du das Weib Isebel gewähren lässt, die sich eine Prophetin nennt und meine Knechte lehrt und verführt, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen (Offb 2,20). Wir sind nicht aufgerufen alles gewähren zu lassen, vielmehr steht geschrieben: Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen? Und welchen Zusammenhang der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn wir sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott gesagt hat: "Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein." Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab!, spricht der Herr. Und rührt Unreines nicht an! Und ich werde euch annehmen und werde euch Vater sein, und ihr werdet mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige (2.Kor 6.14-18).

Aus diesem Grund gilt es, die Geister anhand des Wortes zu prüfen. So wie geschrieben steht: Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind! Denn es sind viele falsche Propheten in die Welt ausgegangen (1.Joh 4,1). In diesem Sinne sollte auch dieser Beitrag verstanden, und anhand des Wortes geprüft werden. 

 

Quellangaben: 

1. Charles H. Spurgeon, Predigt, The Broken Fence, ca. 1888, erstmals 1913 veröffentlicht
2. Charles H. Spurgeon, Besser als Gold, Andachtsbuch 3.Januar 
 

 
 
 

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Außerdem ist Wolfgang Lindemeyers Beitrag "Ist die zukünftige Bekennende Gemeinde, die Hausgemeinde der Zukunft?" bezüglich dieses Themas sehr  zu empfehlen, da es darin unter anderem um folgende Themen geht: 

• Unkraut oder Weizen? Hure oder Braut?

• Unterscheidung zwischen Leib Christi und Ökumene

• Merkmale einer Kirche oder Gemeinde, die in den falschen Sog geraten wird

 

 

 

 

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