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Die positive Macht der Worte II

Veröffentlicht am: 01.07.2017

3.Wovon das Herz voll ist

 

Da unsere Worte das wiedergeben, wovon unser Herz voll ist, haben wir mit unserer Zunge nicht nur ein zuverlässiges Prüfkriterium, um unseren geistlichen Gesundheitszustand zu prüfen, sondern zugleich auch den Hinweis, was wir tun können, um dem hohen Anspruch gerecht zu werden, dass unsere Worte voll Gnade sind. Und dies nicht nur gelegentlich, sondern so, wie bereits in Teil 1 aus dem Kolosserbrief zitiert: Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt, damit ihr wißt, wie ihr jedem einzelnen antworten sollt (Kol 4,5-6).
Wenn wir wissen, dass unsere Zunge nur wiedergibt, wovon unser Herz erfüllt ist, dann gilt es sorgsam darauf zu achten, was wir in unserem Herz bewegen. Wie eng beides zusammenhängt, sehen wir bereits im Buch der Sprüche, wo gesagt wird: Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus. Tue hinweg von dir die Falschheit des Mundes, und verdrehte Reden seien fern von dir! (Spr 4,23-24).

Unser Herz zu behüten, bedeutet unsere Gedanken zu kontrollieren. Wovon sind unsere Gedanken erfüllt, ist es Groll, Wut, Bitterkeit, Neid, Unzufriedenheit oder Hochmut und Stolz, oder sinnen wir über das Wort Gottes nach? Oder anders gefragt, sind die Gedanken, die wir in unserem Herzen bewegen fleischlicher oder geistlicher Natur? Dass unser Herz bei beidem entbrennen kann, sowohl beim Positiven, als auch beim Negativen, möchte ich anhand der folgenden Bibelstellen gegenüberstellen:
Das erste Negativbeispiel finden wir in Psalm 39, wo David sagt: Mein Herz entbrannte in mir, durch mein Nachsinnen wurde ein Feuer entzündet, da redete ich mit meiner Zunge (V5). Sein Herz war entbrannt, wegen der gottlosen Menschen, von denen er umgeben war. Was dazu führte, dass er seinem Unmut Luft machte. Es gibt wohl kaum jemanden, der an diesen Punkt noch nie gestrauchelt wäre. Auch der Psalmschreiber Asaf hatte damit seine liebe Not, so dass er sprach: Siehe, das sind die Frevler; die sind glücklich für immer und werden reich. Soll es denn umsonst sein, dass ich mein Herz rein hielt und meine Hände in Unschuld wasche? (Ps 73,12-13).

Asaf war gefrustet und niedergeschlagen, bis er ins das Heiligtum Gottes ging und das Ende der Gottlosen bedachte (V 17). Und ähnlich verhielt es sich auch bei David. So kann man festhalten, beide haben noch die Kurve gekriegt. Beide konnten, Dank des Wortes, denn wo sonst erfahren wir das Ende des Gottlosen, umdenken. Doch zunächst hatten sie eben Frust im Herzen, und diese Unzufriedenheit, diese Verbitterung brachten sie durch ihre Worte zum Ausdruck. Und wieder sehen wir, wovon das Herz voll ist läuft der Mund über.
Doch kommen wir nun zum positiven Beispiel, und das sehen wir bei den Emmaus Jüngern, die, nachdem ihnen der auferstandene HERR begegnet war, zueinander sprachen: „Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem Weg zu uns redete und wie er uns die Schriften öffnete?“ (Lk 24,32).
Anfangs waren auch sie frustriert, doch als Jesus mit ihnen sprach, da brannte ihr Herz, Hoffnung stieg auf und was passierte, sie redeten miteinander über das, was Jesus ihnen anhand der Schrift aufgezeigt hatte. Dasselbe geschieht auch wenn wir uns intensiv mit dem Wort Gottes befassen. Der Heilige Geist wird uns die Schrift eröffnen, sodass wir uns an der Lehre der Schrift erfreuen können, wie jemand, der große Beute macht (vgl. Ps 119,162). Und dabei wird unser Herz von solch einer Liebe zum HERRN und Seinem Wort entbrannt, dass es uns ergehen wird, wie einst den Aposteln, die sprachen: „Denn es ist uns unmöglich, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden!“ (Apg 4,19-20). Beachtenswert hierbei ist, dass dies ihre Antwort auf das Verbot war, das Evangelium zu verkündigen. Trotz Androhung von Strafe, trotz Widerstand, Hass und Gewalt, konnten sie nicht zurückhalten, wovon ihr Herz erfüllt war. Wir hingegen haben immer noch Glaubensfreiheit und dennoch ist unsere Zunge oft so schwerfällig, wenn es darum geht unseren Glauben zu bezeugen. Über andere Dinge hingegen haben wir oft viel zu sagen, doch woran liegt es? Es liegt daran, wovon unser Herz erfüllt ist.

Die Quelle all unseres Redens ist unser Herz, nur wenn unser Herz ungeteilt auf den HERRN gerichtet ist, und wir uns IHM wirklich ausgeliefert haben, so wie es uns in Römer 12,1 gesagt wird: Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Ist die Voraussetzung gegeben, dass unser Wort allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt ist. Entscheidend ist also unser Herz und was wir darin bewegen. Sinnen wir über das Wort Gottes nach, Tag und Nacht (vgl. Ps 1,2), oder wovon ist unsere Gedankenwelt erfüllt? Laut Philipper 4,8 sollten wir über folgendes nachsinnen: Im übrigen, ihr Brüder, alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgend eine Tugend oder etwas Lobenswertes ist, darauf seid bedacht! (Phil 4,8).

Die Worte „darauf seid bedacht, kann man auch mit „darüber denkt nach“ übersetzen, entscheidend ist, dass wir beim Bibellesen nicht nur schnell die Seiten überfliegen, sondern dass wir uns wirklich mit dem Text beschäftigen und ernsthaft darüber nachsinnen, was der HERR uns damit sagen will. Die Bibel ist die geistliche Nahrung für den Christen, doch beachten wir, die natürliche Nahrung geht auch nicht nur einfach so durch den Körper hindurch - vorne rein und hinten wieder raus - nein, die Speise wird im Magen verdaut und dabei so zersetzt, dass der Körper die Nährstoffe verwerten und in Energie umwandeln kann. Wäre dies nicht der Fall, würden wir trotz bester Nahrung verhungern. Ebenso ist es im Geistlichen, wenn wir nicht über das Wort nachsinnen, wenn wir es nicht im Herzen bewegen, dann haben wir keinen Nutzen, weder von einer Predigt, noch vom Bibellesen.

Es gibt viele Christen, die sich geistlich immer schwach fühlen, doch ihre geistliche Nahrung besteht auch nur aus einem Kalenderspruch. Man könnte gerade meinen, die neutestamentlichen Anweisungen würden lauten: „Lasst das Wort Gottes, nur sehr sparsam und in äußerst geringer Dosis unter euch wohnen!“. Doch dem ist keineswegs so, denn vielmehr wird das Gegenteil gesagt, denn geschrieben steht: Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade! Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn! (Kol 3,16-17).
Nun haben wir auch den Textzusammenhang zu der bereits zitierten Aussage: Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn! Womit uns deutlich vor Augen gestellt wird, dass unser Herz vom Wort Gottes erfüllt und ergriffen sein muss, ehe wir in der Lage sind, diese Anweisung zu erfüllen. Letztlich ist das auch der Schlüssel für ein Leben im Geist. Wir können nur geistlich Leben, wenn wir mit der Quelle verbunden sind. Nur dann wird geschehen, was Jesus ankündigte, als ER sprach: „Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen!“ (Joh 7,38). Entscheidend ist, dass wir uns mit dem Wort befassen, das Geist und Leben ist (vgl. Joh 6,36), und zwar nicht in homöopathischer Dosis, sondern reichlich. Denn geschrieben steht: Das Wort des Christus wohne reichlich in euch. Vielleicht denken wir auch, wir leben halt in einer besonders schwierigen Zeit und die Umstände seien sehr ungünstig. Doch dies ist weder Grund noch Hindernis, denn in diesem Fall gilt umso mehr, was Paulus im Epheserbrief schreibt: Kauft die rechte Zeit aus! Denn die Tage sind böse. Darum seid nicht töricht, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist! Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voller Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt! Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus! (Eph 5,16-20).

Hier haben wir auch die Antwort, wie wir voll Geistes werden können, es geschieht nicht durch eine einmalige Erfahrung, wobei nichts gegen geistliche Erfahrungen spricht, doch der Punkt ist, dass wir voll Geistes werden, indem wir uns mit Geistlichem befassen. Und zwar nicht nur im Kopf, sondern im Herzen. Werdet voller Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt! Doch wie gesagt, dies ist nicht etwas Einmaliges, sondern etwas, das sich tagtäglich wiederholen sollte. Denn wie bei der natürlichen, so auch bei der geistlichen Nahrung, wir müssen täglich Speise zu uns nehmen und müssen diese täglich verdauen, eine einmalige Supermahlzeit wird nicht dafür sorgen, dass wir für alle Zeit gesättigt sind. Die bitte: „Unser tägliches Brot gib uns heute“, gilt auch für das Brot des Lebens. Und keine Frage, Gott gibt uns diese Speise gerne, nur essen und verdauen müssen wir die Speise selbst, dafür sind wir verantwortlich.

Wenn wir nun all dies Bedenken und in Anbetracht dessen das Gebet: „Lass die Reden meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig vor dir sein, HERR, mein Fels und mein Erlöser!“ (Ps 141,3: 19,15), zu unserem eigenen machen, dann ist eines gewiss, der Vater wird diese Bitte nicht unbeantwortet lassen. Beten wir zudem, dass der Vater uns sowohl Ohren, als auch die Zunge eines Jüngers schenken möge, wobei wir sie ja durch die neue Schöpfung schon empfangen haben, doch was wir benötigen, ist eine tägliche Erneuerung. So möge der HERR unsere Ohren alle Morgen neu wecken, damit wir bereit sind zu hören und unser Herz täglich neu mit dem Wasser des Lebens gefüllt wird, so dass von unserem Leib Ströme des lebendigen Wassers fließen können und wir Worte des ewigen Lebens aussprechen können. So wie geschrieben steht: Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt, damit ihr wißt, wie ihr jedem einzelnen antworten sollt (Kol 4,6).


4. Euer Ja sei ein Ja

Gott selbst ist zuverlässig, auf Sein Wort ist immer Verlass, denn nie würde ER etwas sagen, das ER nicht auch so meint, nie würde ER etwas Versprechen, wovon ER später nichts mehr wissen wollte. Wir können sehr dankbar sein, dass dies so ist, denn was wäre der Glaube wert, wenn man bei Gott nie wüsste, wie man dran ist. Bedenken wir nun, dass wir als Christen Sein Reich repräsentieren sollen, dass wir Botschafter an Christ statt sein sollen, dann müssen wir uns vor Augen halten, wie wichtig Verlässlichkeit ist. Wenn wir DEN repräsentieren wollen, der nicht lügen kann, dann müssen wir auch dafür bekannt sein, dass auf unser Wort verlass ist. Und so lehrt auch Jesus in der Bergpredigt: Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen (Mt 5,37).
Hier sehen wir, dass ER von Seinen Jüngern erwartet, dass man sich auf ihr Wort verlassen kann. Sie sollten so sehr dafür bekannt sein, dass sie zu dem stehen, was sie sagen, dass sie es nicht nötig haben, ihre Versprechen ständig durch einen Schwur zu bekräftigen. Es gibt ja das bekannte Sprichwort: „Wer dreimal lügt, dem glaubt man nicht!“, und wer ist es denn, der ständig sagen muss: „Ich schwör’s!“, wenn nicht der, dessen Aussagen man grundsätzlich in Frage stellt, weil er eben nicht dafür bekannt ist, dass man sich auf seine Worte verlassen kann, sondern eher dafür, dass er anderen ständig etwas vormachen will.
Bei einem Jünger des HERRN darf dies nicht so sein, denn ansonsten wird er ein unglaubwürdiger Zeuge sein, einer, der sich eher auf der Schauspielschule bewerben könnte, als dass er dazu geeignet wäre, andere Menschen für das Reich Gottes zu gewinnen. Jakobus, kommt ebenfalls auf das Wort Jesu aus der Bergpredigt zurück, indem er schreibt: Vor allem aber, meine Brüder, schwört nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde noch mit irgend einem anderen Eid; euer Ja soll ein Ja sein, und euer Nein ein Nein, damit ihr nicht unter ein Gericht fallt (Jak 5,12).

Abgesehen davon, dass man als Zeuge in einem Gerichtsprozess aussagen muss, sollte ein Christ überhaupt nicht schwören, ein einfaches „Ja“ oder ein einfaches „Nein,“ sollte ausreichen, damit andere Menschen wissen, wie sie bei uns dran sind. Hierbei sollten wir auch beachten, dass wir auch dann zu unserem Wort stehen müssen, wenn es uns etwas kostet. Ja, man sollte sogar dann zu seinem Wort stehen, wenn man sich damit buchstäblich ins eigene Fleisch schneidet. Beachten wir hierzu, was in Psalm 15 gelehrt wird. Hier stellt der Psalmist die Frage: „HERR, wer darf weilen in deinem Zelt? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berge?“. Entgegen dem heutigen Selbstverständnis, ist es keineswegs selbstverständlich, vor die Augen des Gottes zu treten, über den gesagt wird: Denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer (Hebr 12,29). Die Frage, die David hier unter Inspiration des Heiligen Geistes stellt, ist also durchaus berechtigt. Doch wie lautet nun die Antwort? Was sind die Wesenseigenschaften, die er daraufhin nennt? Es sind die Folgenden: Wer untadelig lebt und tut, was recht ist, und die Wahrheit redet von Herzen, wer mit seiner Zunge nicht verleumdet, wer seinem Nächsten nichts Arges tut und seinen Nachbarn nicht schmäht; wer die Verworfenen für nichts achtet, aber ehrt die Gottesfürchtigen; wer seinen Eid hält, auch wenn es ihm schadet; wer sein Geld nicht auf Zinsen gibt und nimmt nicht Geschenke wider den Unschuldigen. Wer das tut, wird nimmermehr wanken (Ps 15,1-5; vgl. 24,4).

Hier zeigt uns die Schrift, dass wir in unserem Herzen die Wahrheit reden sollen und mit unserer Zunge nicht verleumderisch sein dürfen. Auch soll man niemand schmähen, doch dann kommt das, worauf ich an diesem Punkt hinauswill, David sagt, wer seinen Eid hält, auch wenn es ihm schadet. Auch wenn gesagt wird, dass wir nicht schwören sollen, so können wir doch festhalten, dass bereits unser einfaches „Ja“ verlässlich sein sollte. Ich möchte dazu ein praktisches Beispiel geben, angenommen ich will mein Auto verkaufen und habe mit einem Arbeitskollegen schon einen festen Preis vereinbart, doch an dem Tag, an dem der Kollege das Auto abholen will, bekommt es mein Nachbar mit, und sagt mir, dass er 200,- Euro mehr dafür bezahlen würde. Wenn mein „Ja“ wirklich ein „Ja“ ist, und ich mich mit dem Kollegen bereits preislich einig war, dann kann ich weder hergehen und versuchen 200 Euro mehr vom Kollegen zu bekommen, noch zu ihm sagen: „Tut mir leid, ich habe das Auto an meinen Nachbarn verkauft!“.
Natürlich, mein Geldbeutel würde sich über 200 Euro mehr freuen, doch ein reines Gewissen ist weitaus mehr wert. Weiter ist auch klar, meinem Geschäftskollegen brauche nichts mehr über den christlichen Glauben erzählen, dem habe ich durch mein Verhalten schon alles gesagt. Mit anderen Worten, mein christliches Zeugnis ist unglaubwürdig und ich bringe den Namen des HERRN in Verruf, denn wenn ich bekunde, Sein Nachfolger zu sein, dann vermittle ich dadurch, Jesus hätte sich genauso verhalten, folglich bringe ich Seinen Namen in Verruf. Daher gilt es verantwortlich zu handeln und sich immer dessen bewusst zu sein, dass wir Christen hier auf Erden die hohe Berufung haben, das Reich Gottes zu repräsentieren. Paulus schreibt den Gläubigen in Korinth: Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid durch unsern Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln der Herzen (2Kor 3,3). Die wenigsten unserer Zeitgenossen lesen die Bibel, alles was sie vom christlichen Glauben wahrnehmen, ist das, was sie in unserem Leben sehen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass unser „Ja“ ein „Ja“ und unser „Nein“ ein „Nein“ ist.


5. Redet die Wahrheit in Liebe

In Epheser 4,15 wird uns gesagt: Lasst uns aber die Wahrheit reden in Liebe und in allem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus.
Das ist ein weiterer wichtiger Grundsatz, um den bezeugen zu können, der sprach: „Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge“ (Joh 8,38).
Im heutigen Christentum ist viel von Liebe die Rede, doch oftmals geht dies zu Lasten der Wahrheit; das Gegenteil davon ist starre Orthodoxie, wo man dem Gegenüber die Wahrheit lieblos an den Kopf knallt, und ihn am Ende mit den Worten: „Jetzt sehe zu wie du klar kommst!“, im Regen stehen lässt. Doch die richtige Balance besteht darin, die Wahrheit in Liebe zu reden. Nicht besserwisserisch, nicht schadenfroh, nicht in überheblicher, arroganter Art. In der Welt ist es oft so, dass sich der Mensch etwas auf sein Wissen einbildet. Es kann sein, jemand hat sich das Wissen erst vor wenigen Minuten angeeignet oder es nur ganz zufällig aufgeschnappt, kommt er dann mit einer Person in Kontakt, die nicht denselben Wissensstand hat, dann bringt er es fertig, den anderen verächtlich zu behandeln, so in der Art: „Wie, du weißt das nicht, das weiß doch jeder!“
Auch ist es nicht unüblich, dass man sich freut, anderen überlegen zu sein und sich mit seinem Wissen künstlich aufblasen will. Wenn dann kritisiert wird, dann nur mit dem Ziel, die eigene Überlegenheit auf Kosten des Anderen zur Schau zu stellen. Genau dies gilt es zu vermeiden, denn echte Liebe hat niemals die Absicht, nur zu kritisieren, um sich über den anderen zu erheben, sondern verfolgt immer das Ziel der Zurechtbringung.

Offensichtlich hatte sich auch in der Gemeinde in Korinth eine solche Mentalität der Überheblichkeit eingeschlichen, so dass der Apostel Paulus, ihnen schreiben musste: Die Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber erbaut. Wenn aber jemand meint, etwas zu wissen, der hat noch nichts so erkannt, wie man erkennen soll (1. Kor 8,2). Wer sich mit Seinem Wissen über andere überheben will oder sich gar für etwas Besseres hält, hat im biblischen Sinne, noch nicht recht erkannt. Er hat nur reines Kopfwissen, doch übersieht das Endziel der biblischen Unterweisung, und dies ist: Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben (1.Tim 1,5). Es geht um Liebe aus reinem Herzen, und diese Liebe tut nicht groß, und bläht sich nicht auf (vgl. 1.Kor 13,4). Aber damit ist keine sentimentale, oberflächliche Liebe gemeint, vielmehr geht es um eine Liebe, die auf die Wahrheit des Evangeliums gegründet ist, eine Liebe, die sich nicht über die Ungerechtigkeit freut, sondern die sich freut, wenn die Wahrheit siegt (vgl. 1.Kor 13,6). Doch wie bereits angedeutet, wird heute leider oft die Auffassung vertreten, es sei grundsätzlich lieblos, Kritik zu üben. Der Große Irrtum besteht darin, dass Nettigkeit als Heiligkeit und Freundlichkeit als Frömmigkeit angesehen wird. Der unvergessene Martyn Lloyd-Jones kommt diesbezüglich zu folgender Aussage: Unsere modernen falschen Propheten versuchen, nette Dinge über die Pharisäer und andere zu sagen. Der Prophet in Schafskleidern lehrt, dass man überhaupt nicht kritische und harte Worte gebrauchen dürfte. 1
Gerade von dieser Sichtwiese ist unser modernes Christentum besonders geprägt, so dass der christliche Glaube von vielen so gesehen wird, als ginge es immer nur darum, allen etwas Nettes zu sagen. Dies jedoch deckt sich nicht mit der Lehre der Heiligen Schrift. Denn wenn jemand einen falschen Weg eingeschlagen hat, ist es kein Zeichen der Liebe, ihn darin zu bestärken und zu bestätigen. Bestätigen, bestärken und ermutigen, kann man nur Leute, die auf dem richtigen Weg sind, andere hingegen muss man warnen, doch beides geschieht mit Worten, beides aus dem Motiv der Nächstenliebe. Darum heißt es in den Sprüchen: Wer einen Menschen zurechtweist, findet letztlich mehr Gunst als einer, der mit der Zunge schmeichelt (Spr 28,23).

Worte der Gnade, sind also keine oberflächlichen Schmeichelworte, sondern sollen angemessen sein. Würde sich ein Autofahrer als Geisterfahrer einordnen wollen, dann wäre es das Gegenteil von Nächstenliebe, ihm zu versichern, dass dies der richtige Weg sei. Leider verstehen heute viele das Christentum so, als ginge es lediglich darum, jedem ein gutes Gefühl zu vermitteln, jeder soll das Gefühl haben, er sei auf dem Weg ins Himmelreich, jeder soll Heilsgewissheit haben, selbst wenn er in entgegengesetzter Richtung unterwegs ist. Doch das ist letztlich die Theologie des Satans: „Keineswegs werdet ihr sterben!“ (1.Mo 3,4), lautet die uralte Lüge, die seine Diener auch heute noch predigen, doch Gottes Wort warnt uns: Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten (Gal 6,7).

Und so hat auch Jesus niemals Sünde verharmlost oder Sünder darin ermutigt, weiter gottlos zu leben, vielmehr hat ER den Menschen bezeugt, dass ihre Werke böse sind, und dies wohlwissend, dass er dafür von den meisten, Hass ernten würde (vgl. Joh 7,7). Doch weil gerade diese Erkenntnis Grundvoraussetzung dafür ist, dass Menschen überhaupt begreifen, dass sie Rettung nötig haben, nahm Jesus diesen Hass in Kauf. Und die Schrift bezeugt uns, dass Seine Worte voller Gnade waren, obwohl ER weder Themen, wie Heuchelei, Sünde, Strafe oder Hölle ausgeklammert hat. Seine Worte waren wahrhaft voller Gnade, denn sein Ziel war immer die Zurechtbringung, niemals die Verdammung. Nein, gerade davor wollte ER die Menschen bewahren, und daran hat sich bis auf den heutigen Tag nichts geändert. Immer noch geht es um Seinen Rettungsplan, noch ist Gnadenzeit und noch hat jeder Nachfolger das Vorrecht, daran mitzuwirken. Denn nicht Engel wurden damit beauftragt, das Evangelium zu verkünden, sondern wir, Seine Nachfolger. Doch gerade weil wir diese hohe Berufung haben, müssen wir uns auch der Verantwortung bewusst sein, machen wir uns bewusst, dass geschrieben steht: Wandelt nur würdig des Evangeliums Christi (Phil 1,27). Und bedenken wir dabei auch, beim Arzt im OP-Saal geht es um die Verlängerung dieses irdischen, vergänglichen Lebens, das selbstverständlich kostbar ist, doch beim Evangelium geht es darum, an welchem Ort die unsterbliche Seele eines Menschen, die Ewigkeit verbringen wird. Es geht um Himmel oder Hölle, dazwischen gibt es nichts.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir unsere Zunge nicht Zweckentfremden, sondern dafür Sorge tragen, dass sie ein brauchbares Werkzeug zur Verkündigung des Evangeliums und zum Lob Gottes ist. Wir haben eine hohe Berufung und daher lautet die Anforderung: Wandelt in Weisheit denen gegenüber, die außerhalb [der Gemeinde] sind, und kauft die Zeit aus! Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt, damit ihr wißt, wie ihr jedem einzelnen antworten sollt (Kol 4,5-6).
John MacArthur kommentiert diesen Vers wie folgt: So wie Salz nicht nur würzt, sondern auch vor Verderbnis bewahrt, so soll die Sprache des Christen nicht nur ein Segen für andere sein, sondern auch einen reinigenden Einfluss auf die verfallene Gesellschaft dieser Welt ausüben. 2
Aus diesem Grund sollten wir mit Gottes Hilfe den Vorsatz fassen, der uns durch Psalm 49,4 nahegelegt wird, und dieser lautet: Mein Mund soll Weisheit reden, und das Sinnen meines Herzens ist Einsicht. Dies entspricht auch dem, was dem Apostel Paulus auf dem Herzen lag, daher bat er die Gläubigen in Ephesus: Betet auch für mich, damit Gott mir zur rechten Zeit das rechte Wort gibt und ich überall das Geheimnis der rettenden Botschaft frei und offen verkünden kann.
Machen wir dies doch zum Gebet für uns selbst und zugleich für unsere Glaubensgeschwister, so dass auch unsere Worte allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt sind, und wir wissen, wie wir jedem einzelnen antworten sollen.
Amen

 

Quellangaben

1.Martyn Lloyd-Jones - Bergpredigt. Band 2: "Unser Vater im Himmel..." S.277
2.John MacArthur, Kommentar zum Neuen Testament, S.1757

www.evangeliums-botschaft.de

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