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Die positive Macht der Worte

Veröffentlicht am: 26.06.2017

1. Die Zunge zuerst
 

Nach längerer Unterbrechung möchte ich dieses Thema nun fortsetzen. In den ersten beiden Teilen dieser Beitragsreihe, ging es hauptsächlich um die zerstörerische Macht der Zunge, in diesem nun soll es überwiegend um die positive Macht von Worten gehen. Überwiegend deshalb, weil die beiden Aspekte so eng miteinander verbunden sind, dass viele Bibelstellen beide Seiten zugleich ansprechen, also sowohl den positiven, als auch den negativen. Warum wir beides beachten müssen, will ich anhand eines kurzen Beispiels veranschaulichen. Stellen wir uns mal einen Arzt vor, der das Skalpell, das er für seine chirurgischen Eingriffe verwenden würde, zugleich auch nutzen würde, um sich seinen Bart zu stutzen und den Dreck unter seinen Fingernägeln zu entfernen. Wer würde sich wohl gerne von solch einem Arzt operieren lassen? Ich glaube die Antwort erübrigt sich, jedem ist klar, dass beides zugleich unvereinbar ist.
Doch so klar es in diesem Beispiel ist, so klar sollte es uns auch sein, wenn es um den Gebrauch unserer Zunge geht. In den Augen Gottes ist es absolut unvereinbar, wenn aus demselben Mund, Segen und Fluch hervorgeben (vgl. Jak 3,10). Wie sehr ihm dies missfällt, sehen wir darin, dass unser Gottesdienst vergeblich ist, wenn wir unsere Zunge nicht zügeln können (vgl. Jak 1,26). Beachtet man zudem, dass in den Sprüchen gesagt wird: Bei vielen Worten bleibt Wortbruch nicht aus, wer aber seine Lippen zügelt, handelt klug (Spr 10,19), könnte man vielleicht vorschnell zu dem Schluss kommen, es sei am besten überhaupt nichts zu reden, doch das wäre gerade so, als würden wir, um auf das Beispiel mit dem Chirurgen zurückzukommen, sagen, am besten es wird überhaupt nie wieder ein Mensch operiert.

Es ist eindeutig, Gottes Ziel besteht nicht darin, uns für immer zum Schweigen zu bringen, ansonsten hätte ER die Macht dazu. Nein, was wir verstehen müssen, ist, dass wir in Christus eine neue Schöpfung sind. Wir sind geschaffen zu guten Werken, und da man mit der Zunge eben nicht nur viel Schaden anrichten kann, sondern auch viel Gutes bewirken kann, geht es darum, sie für den richtigen Zweck einzusetzen, und der besteht darin, die Wohltaten dessen zu verkündigen, der uns berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht (1.Petr 2,9). Wenn die Schrift einen so großen Schwerpunkt darauflegt, dass keine bösen und lästerlichen Worte über unsere Lippen gehen sollen, dann liegt es daran, weil unsere Zunge kein brauchbares Werkzeug für Gott sein kann, solange aus unserem Mund Segen und Fluch hervorgehen (Jak 3,10). Unsere Bestimmung ist es zu Segnen, doch wir machen unser Zeugnis und unseren Dienst für Gott unwirksam, wenn wir missachten, dass beides zugleich nicht geht. Wir dürfen nicht mit derselben Zunge, mit der wir Gott loben, unsere Mitmenschen verlästern, die nach dem Bilde Gottes geschaffen sind. Aus diesem Grund schreibt auch der Apostel Paulus: Jetzt aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden aus eurem Mund (Kol 3,8).
Dieses Ablegen der alten Gewohnheiten begegnet uns immer wieder in der Schrift. An anderer Stelle schreibt Paulus: Stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Werkzeuge der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit! (Röm 6,13).

Dieser Vers zeigt, dass wir unsere Glieder nicht mehr der Sünde, sondern Gott zur Verfügung stellen sollen. Es betrifft also alle Glieder unseres Leibes, doch wenn wir uns nun fragen, mit welchem Glied wir anfangen sollen, welches Glied wir Gott zu aller erst zur Verfügung stellen sollen, dann gibt uns Jakobus 3,2 die Antwort, indem gesagt wird: Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, fähig, auch den ganzen Leib zu zügeln (Jak 3,2).
Hier zeigt uns Jakobus, wer seine Zunge im Griff hat, der ist auch in der Lage, den ganzen Leib zu zügeln, wodurch deutlich wird, das Körperglied, das wir Gott zu aller erst zur Verfügung stellen müssen, es ist unsere Zunge. Was nichts anderes bedeutet, dass wahre Gottesfurcht bei unserer Zunge beginnt.
Um aufzuzeigen, dass dies nicht meine persönliche Theorie ist, möchte ich diese Aussage durch die Lehre aus Psalm 34 untermauern. Dort formuliert der Psalmschreiber David in Vers 12 folgende Einladung: „Kommt, ihr Söhne, hört mir zu: die Furcht des HERRN will ich euch lehren“. In Vers 13 lässt er die Fragestellung: „Wer ist der Mann, der Lust zum Leben hat, der seine Tage liebt, um Gutes zu sehen?“, folgen, ehe in Vers 14 seine Belehrung folgt, die wie folgt lautet: „Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor betrügerischer Rede; lass ab vom Bösen und tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach!“ Daraus können wir ableiten, so wie in Psalm 110 gelehrt wird: „Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang“ (Ps 111,10), so kann man anhand von Psalm 34 festhalten: „Die Furcht des HERRN beginnt beim Umgang mit unserer Zunge!“ Wenn wir uns also fragen, wo die Furcht des HERRN ganz praktisch beginnt, dann ist unsere Zunge der Lebensbereich, bei dem sie sich als erstes auswirkt. Wenn wir also gottesfürchtig leben wollen, gilt es zu aller erst darauf zu achten, was für Worte über unsere Lippen gehen.

Ganz praktisch geht es also darum böse und betrügerische Rede meiden und stattdessen das reden, was den Hörenden zur Erbauung dient. Oder um es mit den Worten der Schrift zu sagen: Kein schlechtes Wort soll aus eurem Mund kommen, sondern was gut ist zur Erbauung, wo es nötig ist, damit es den Hörern Gnade bringe (Eph 4,29). Auch hier sehen wir, wie eng beides zusammenliegt, das Positive, wie das Negative, doch dies nicht etwa weil sie miteinander zu vereinbaren wären, sondern weil es zwei Gegensätze sind. Die Lehre ist, dass wir anstelle schlechter Worte, erbauliche Worte reden sollen. Anstelle böser Worte, gute Worte. Wobei mit „gut“ nicht gemeint ist, alles schön zu reden, sondern dass wir das sagen, was dem anderen wirklich weiterhilft, und zwar in erster Linie in Bezug auf das ewige Heil. Das heißt, bringen meine Worte meinen Gegenüber dem HERRN näher? Somit bedeutet „Gutes reden“, keinesfalls ein Schmeichelredner zu sein, der Böses gut nennt, nur um jedem das zu erzählen, was er gerade hören will. Es geht nicht nur darum, immer nette Worte zu machen, sondern darum, die Wahrheit in Liebe zu bezeugen. Jesus hat auch nicht immer nur nette, schöne Worte gemacht, sondern deckte Sünde und Heuchelei auf, dennoch heißt es über IHN im Lukas Evangelium: Und alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund kamen (Lk 4,22). Und im Johannes Evangelium wird über IHN gesagt: Noch nie hat ein Mensch so gesprochen (Joh 7,45). Besonders beachtenswert hierbei ist, dass dieses Zeugnis ausgerechnet aus dem Mund jener Knechte der Hohenpriester und Pharisäer kamen, die ausgesandt worden waren, um Jesus zu ergreifen, doch zurück kamen sie nicht mit dem in Ketten gebundenen HERRN, sondern mit diesem Zeugnis: „Noch nie hat ein Mensch so gesprochen!“ (Vgl. Joh 7,32.46).
Hier sehen wir, die Worte des HERRN versetzten selbst Seine Feinde in Staunen. Umso mehr gilt dies für Seine Jünger, die sprachen: Du hast Worte des ewigen Lebens (Joh 6,68).

Und das ist die gewaltige Botschaft um die es geht, wenn wir Jesus bezeugen. Es geht um Worte des ewigen Lebens. Doch unser Herz muss selbst davon ergriffen sein, die Botschaft muss zuerst uns selbst getroffen haben, ehe wir andere damit erreichen können. Daher sind nur wahre Jünger des HERRN dazu geeignet, andere zum HERRN zu führen (vgl. Mk 1,17). Doch beachten wir auch hier wieder, was über den HERRN selbst gesagt wird bzw. was Jesaja in prophetischer Rede über IHN angekündigt hatte: Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück (Jes 50,4-5).
Sollte dies nicht auch unser Gebet sein, dass uns eine Zunge gegeben wird, wie sie Jünger haben? Dass wir wissen, mit den Müden zu reden zu rechter Zeit? Doch achten wir, was noch über Jesus gesagt wird: „Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet!“
Voraussetzung um für jeden das rechte Wort zu haben, ist zu aller erst, dass wir selbst Ohren haben, die für Gottes Reden geöffnet sind. Daher sollten wir ebenso beten, dass ER uns alle Morgen neu, die Ohren weckt, damit wir hören, wie Jünger hören. Und dies bedeutet, eben nicht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus, sondern, dass wir uns Sein Wort zu Herzen nehmen. Denn wahres Hören zeigt sich immer im Gehorsam gegenüber dem Gesagten. Zu aller erst muss unser Herz selbst ergriffen und erfüllt sein. Das Wort muss sich zu aller erst auf unser eigenes Leben auswirken, unser Leben muss davon geprägt sein, unser Herz muss dafür brennen. So wie es bei den Emmaus Jüngern war, die sprachen: „Brannte nicht unser Herz“. Nur wenn unsere Herzen für Jesus brennen, können wir die hohe Anforderung erfüllen, die uns in Kolosser 4,6 genannt wird, wo geschrieben steht: Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt; ihr sollt wissen, wie ihr jedem Einzelnen antworten sollt! (Kol 4,6).

Doch das funktioniert eben nur, wenn wir uns darüber im Klaren sind, dass es in den Augen des heiligen Gottes nicht akzeptabel ist, wenn aus demselben Mund Segen und Fluch hervorgehen. Unsere Zunge kann nur ein brauchbares Werkzeug für den HERRN sein, wenn wir sie ausschließlich IHM zur Verfügung stellen. Zur Veranschaulichung dazu noch einmal an ganz simpler Vergleich, nicht nur das eingangs erwähnte Skalpell eines Arztes ist nur für einen ganz bestimmten Zweck vorgesehen, wir selbst haben auch bestimmte Werkzeuge für ganz bestimmte Zwecke ausgesondert. Wir nehmen unser Brotmesser auch nicht, um Dreck vom Boden zu wegzukratzen und schmieren danach unser Butterbrot. Ebenso wenig würden wir mit unserer Zahnbürste zuerst die Toilette reinigen und hinterher unsere Zähne putzen. Wenn wir die Zahnbürste zum vorgesehenen Zweck, nämlich zum Zähneputzen, einsetzen wollen, ist sie ohne Frage ausschließlich zu diesem Zweck ausgesondert. Ebenso ist jeder Gläubige von Gott aus dieser Welt ausgesondert, um ein heiliges Leben zu führen, ein Leben zu Seiner Ehre. So wie geschrieben steht: "Seid heilig, denn ich bin heilig." (1.Petr 1,16). Doch wo fangen wir an, worauf sollten wir als erstes achten? Es ist die Zunge, und dies hat einen ganz einfachen Grund, es ist, weil unsere Zunge das widergibt, wovon unser Herz voll ist. Unsere Worte bringen ans Licht, was in unserem Herzen ist, denn es ist wie Jesus sagte, wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund.
Wir dürfen nie vergessen, dass Gott heilig und rein ist. Machen wir uns daher bewusst, dass der Prophet Jesaja in der Gegenwart Gottes sprach: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen (Jes 6,5). Wie leicht gehen uns doch unbedachte Worte über Lippen, wie leicht verdrängen wir, dass wir nichts vor Gott verbergen können. Unser Leben ist vor IHM wie ein aufgeschlagenes Buch, kein Wort ist auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest, schreibt David in Psalm 139 und Jesus sagte, dass wir einst Rechenschaft ablegen müssen, von jedem unnützen Wort, das über unsere Lippen gekommen ist. Wir können Menschen etwas vormachen, aber nicht Gott.

2.Keine Heuchler

Obwohl die Schrift eine solch starke Betonung auf unsere Worte legt, darf man hier natürlich keinesfalls den voreiligen Schluss ziehen, Worte seien alles. Denn gerade Jakobus, der sich besonders intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, gerade er, der sagte: Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann (Jak 3,2), stellt auch klar heraus, dass unser Glaube ohne Werke tot ist (vgl. Jak 2,26). Es ist also nicht damit getan, nur fromme Worte zu machen, im Gegenteil, Jakobus warnt sogar davor, nur andere belehren zu wollen. Und zwar indem, dass er seinen Ausführungen über die Gewalt der Zunge, folgende Aussage voranstellt: Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein schwereres Urteil empfangen werden! Denn wir alle straucheln oft. Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, fähig, auch den ganzen Leib zu zügeln (Jak 3,1-2).
Dies deckt sich auch mit dem, was Paulus sagt, wenn er schreibt: Ich bezwinge meinen Leib und beherrsche ihn, damit ich nicht anderen verkündige und selbst verwerflich (1.Kor 9,27).
Auch hier könnte man vielleicht auf den Gedanken kommen, lieber gar nichts lehren, doch wenn wir bedenken, dass Jesus Seinen Jüngern befohlen hat: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe!“(Mt 28,19-20), kann auch dies nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Bedenken wir zudem, den Tadel an die Hebräerchristen, denen gesagt wurde: „Denn während ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr wieder nötig, dass man euch lehre, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind!“ (Hebr 5,12), dann sehen wir, dass die Aussage: „Werdet nicht viele Lehrer!“, nicht so gesehen werden kann, dass wir gar niemand belehren sollen. Was die Schrift uns an dieser Stelle verdeutlichen will, ist wie bereits erwähnt, dass wir uns das Wort zunächst einmal selbst zu Herzen nehmen müssen, ehe wir es anderen nahebringen können. Von Natur aus neigen wir nämlich leider dazu, nur andere korrigieren zu wollen, während wir uns selbst irgendwelche Sonderrechte einräumen. Jesus führt uns dieses Fehlverhalten wie folgt vor Augen: Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge! Und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen (Mt 7,3-5).
Bei anderen stören uns oft Kleinigkeiten, für unser eigenes Versagen hingegen, sind wir oft betriebsblind. Erst wenn wir selbst mit Gott im Reinen sind, können wir klar sehen, um anderen eine Hilfestellung geben zu können. Was im Umkehrschluss bedeutet, solange wir selbst nicht bereit sind, uns durch das Wort Gottes belehren und korrigieren zu lassen, sind wir auch nicht dazu geeignet, andere zurechtzubringen. Wir brauchen sowohl die Ohren, als auch die Zunge eines Jüngers, denn nur, wenn wir selbst auf Gottes Wort hören, können wir anderen vermitteln, dass wir Gottes Wort ernst nehmen, was die Grundvoraussetzung ist, dies von anderen zu erwarten.

Stellen wir uns dazu doch nur mal einen Kettenraucher vor, der Vorträge darüber hält, wie schädlich das Rauchen sei. Er kann das Thema noch so gut darlegen, er kann die perfekte Präsentation an die Wand projizieren und noch so eindrücklich an seine Zuhörer appellieren, mit dem Rauchen aufzuhören. Solange er jede kleine Pause nützt, um sich eine Zigarette anzustecken, kauft ihm keiner seine Worte ab. Sein Verhalten zeigt eindeutig, dass er das, was er anderen vermitteln will, selbst nicht ernst nimmt.
So ist es auch beim Gläubigen, wenn wir anderen Menschen vermitteln wollen, dass sie auf das Wort Gottes hören sollen, aber selbst nicht danach leben, ist unser Glaubenszeugnis unwirksam. Ja, schlimmer noch, wir bereiten dem Namen des HERRN Schande. Wir sollten uns an diesem Punkt von dem negativen Beispiel der Volksgenossen des Apostel Paulus abschrecken lassen, dass nicht auch über uns gesagt werden muss: „Denn der Name Gottes wird euretwegen unter den Nationen gelästert!".
Beachten wir, ehe Paulus zu diesem Schluss kam, schrieb er: Wenn du dich aber einen Juden nennst und dich auf das Gesetz stützt und dich Gottes rühmst und den Willen kennst und prüfst, worauf es ankommt, weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist, und getraust dich, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in Finsternis sind, ein Erzieher der Törichten, ein Lehrer der Unmündigen, der die Verkörperung der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetz hat -: Der du nun einen anderen lehrst, du lehrst dich selbst nicht? Der du predigst, man solle nicht stehlen, du stiehlst? Der du sagst, man solle nicht ehebrechen, du begehst Ehebruch? Der du die Götzenbilder für Gräuel hältst, du begehst Tempelraub? Der du dich des Gesetzes rühmst, du verunehrst Gott durch die Übertretung des Gesetzes? Denn "der Name Gottes wird euretwegen unter den Nationen gelästert", wie geschrieben steht (Röm 2,17-24).

Wir können das Wort „Jude“, aus dem Text leider auch durch das Wort „Christ“ ersetzen, denn was damals auf viele zutraf, die sich Juden nannten, trifft heute leider auf viele zu, die sich Christen nennen. Und ebenso wie ihr Fehlverhalten damals der Grund war, warum der Name Gottes gelästert wurde, so liefert jeder, dessen christliches Zeugnis nicht mit seinem Leben übereinstimmt, der Welt einen Grund, Gott zu lästern. Um dem entgegenzuwirken, schreibt der Apostel Petrus: Und führt euren Wandel unter den Nationen gut, damit sie, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, aus den guten Werken, die sie anschauen, Gott verherrlichen am Tage der Heimsuchung! (1.Petr 2,12). Wir dürfen nie vergessen, wir wurden nicht zum Selbstzweck erkauft und erlöst, sondern zur Verherrlichung Gottes. Das Ziel der Erlösung besteht, wie Jesus sagte, darin, dass der Vater geehrt wird. Denn so lehrte ER es in der Bergpredigt, als ER sprach: „So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen!“ (Mt 5,16).

Das sind also die zwei Gegensätze, die uns die Schrift vor Augen stellt, entweder werden Menschen um unserer Werke willen, den Vater im Himmel preisen oder aber der Name Gottes wird um unseretwillen verlästert. Wenn wir Gott wirklich lieben, seht es außer Frage, welchen dieser beiden Gegensätze wir bevorzugen. Es kann nur unser Ziel sein, dass Gott geehrt wird, und darum gilt es zu beherzigen, was Paulus im Kolosserbrief sagt: Alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn! (Kol 3,17). Doch auch hier wird zuerst das Wort genannt, doch weil wir Worte und Werke nicht trennen können, ist klar, dass nicht nur unsere Worte, sondern auch unsere Werke, mit dem Willen Gottes übereinstimmen müssen. Mit Reden allein ist es nicht getan, denn wenn ein Mensch am Verhungern ist, genügt es nicht, nur zu sagen: „Der HERR segne dich!“, oder: „Ich werde für dich beten!“ Denn in dem Moment, wo ich mit der Not dieses Menschen konfrontiert werde, bin ich derjenige, durch den der HERR diesem Menschen ganz praktisch helfen will, und zwar ganz einfach indem ich ihm etwas zu essen gebe. Wenn unser Handeln nicht mit unserem Reden übereinstimmt, sind wir letztlich nur fromme Schwätzer, in denen nicht die Liebe des Vaters ist. Johannes bringt diesen Missstand wie folgt auf den Punkt: Wer aber irdischen Besitz hat und sieht seinen Bruder Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit! (1.Joh 3,17-18).

Aus diesem Grund gilt die Warnung „werdet nicht viele Lehrer“, auch besonders solchen Menschen, die nur eine kalte Orthodoxie lehren. Menschen, bei denen die Einhaltung frommer Rituale und starrer kirchlicher Liturgie einen höheren Stellenwert haben, als das Gebot der Nächstenliebe. Ein typisches Beispiel dafür sehen wir in den Pharisäern, die es zur Weißglut brachte, dass Jesus am Sabbat einen Mann heilte, der eine verdorrte Hand hatte. Anstatt dass sich diese religiösen Führer für diesen Mann gefreut hätten, lesen wir: Die Pharisäer aber gingen hinaus und hielten Rat gegen ihn (Jesus), wie sie ihn umbringen könnten (Mt 12,14).
Dies ist sicher das Höchstmaß an frommer Heuchelei. Doch wir müssen uns generell von jeglicher Form der Heuchelei hüten, denn es ist, wie Jakobus sagte: Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein schwereres Urteil empfangen werden!
Doch obwohl dem so ist, endet diese Aussage nicht an dieser Stelle, denn Jakobus führt diesem Gedanken noch die entscheidende Feststellung, „wir alle straucheln oft“, hinzu, und macht damit postwendend deutlich, dass nicht gemeint ist, dass vollkommene Perfektion die Voraussetzung für ein Lehramt ist. Dies wird umso deutlicher durch das Wörtchen „wir“, mit dem er sich selbst in die Reihe der Strauchelnden stellt. Und dennoch belehrt er uns durch seinen Brief. Ausschlaggebend hierbei ist, ob Sünde unser Lebensstil ist, oder ob wir mit Gottes Hilfe dagegen ankämpfen. Wir dürfen es also nicht als absolute Aussage verstehen, vielmehr ist es vergleichbar mit dem, was Johannes schreibt, wenn er auf der einen Seite sagt: „Wir wissen, dass jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt!“ (1.Joh 5,18), doch zugleich auf der anderen Seite folgende Aussage macht: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns!“ (1.Joh 1,8).

Auch hier wird deutlich, es geht darum, wovon uns Leben beherrscht und geprägt wird. Wenn wir wirklich wiedergeboren sind, dann wird die Sünde nicht die dominierende Macht in unserem Leben sein (vgl. Röm 6,14), und wir werden auch niemals Waffenstillstand mit der Sünde haben, sondern gegen sie ankämpfen. Bei einem Fehltritt werden wir nicht einfach sagen: „Halb so wild, Schwamm drüber!“, vielmehr werden wir es zutiefst bereuen und unser Versagen vor den Thron der Gnade bringen. Bei einem unerlösten Menschen ist dies anderes, er fühlt sich wohl, wenn er in der Sünde baden kann (vgl. 2.Petr 2,22). Wer hingegen zu den Schafen des Lammes gehört, den betrübt die Sünde in seinem Leben mehr als alles andere, darum ist es sein größtes Bedürfnis, rein zu sein von der Sünde (1.Joh 3,3). Das heißt, das Lebensziel der Kinder Gottes ist absolut gegensätzlich gegenüber den Zielen eines unerlösten Menschen. Halten wir also fest, es geht an diesem Punkt nicht um absolute Vollkommenheit, in Form von Perfektion, denn jeder Christ lebt aus Gnade, jeder wird sich immer wieder verfehlen, doch entscheidend ist, dass wir immer wieder aufstehen und weiter auf das Ziel zulaufen, anstatt zu sagen: „Nun ja, wir haben halt alle unsere Schwächen!“ Statt sich selbst zu entschuldigen und sich mit dem Straucheln abzufinden, gilt es die Gnadenmittel in Anspruch zu nehmen, die uns der Vater für den Kampf des Glaubens verordnet hat. Und das ist, das Studium der Schrift und das Anhalten im Gebet.

Worum es Jakobus also geht, ist die Gefahr selbst eine lockere Haltung zum Wort Gottes einzunehmen und sich gewisse Freiheiten herauszunehmen, während man anderen vermitteln will, dass sie nach dem Willen Gottes leben sollen. Wer so eine Haltung eingenommen hat, der ist ein Heuchler, und somit für ein Lehramt völlig ungeeignet. Um diese Aussage zu unterstreichen möchte ich abschließend zu diesem Punkt zitieren, was Jesus diesbezüglich über die religiösen Führer Seiner Tage sagte, indem ER sprach: Auf Moses Lehrstuhl haben sich die Schriftgelehrten und die Pharisäer gesetzt. Alles nun, was sie euch sagen, tut und haltet; aber handelt nicht nach ihren Werken! Denn sie sagen es und tun es nicht. Sie binden aber schwere und schwer zu tragende Lasten zusammen und legen sie auf die Schultern der Menschen, sie selbst aber wollen sie nicht mit ihrem Finger bewegen (Mt 23,3-5).
Prüfen wir uns also an diesem Punkt und erwarten wir von anderen niemals mehr, als wir selbst bereit sind, zu tun. Denn unsere Lehre kann nur dann wirkungsvoll und glaubwürdig sein, wenn unsere Worte mit unseren Handlungen übereinstimmen.

 


Dies war der 3 Teil der Beitragsreihe "Die Macht der Worte" die komplett als Download erhältlich ist

 

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