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2. Die große Gefahr des Selbstbetrugs

Veröffentlicht am 09.04.2017

In Teil 1 ging es darum das Vorurteil zu widerlegen, dass der christliche Glaube diskriminierend sei, zudem sollte die Illustration mit der erfundenen Person namens „Erich Stolz“, illustrieren, dass sich der natürliche Mensch gegenüber Gottes Rettungsangebot genauso überheblich und selbstgefällig verhält, wie dieser Mann. Im Grunde war es derselbe Ansatz, den einst der Prophet Nathan verfolgte, als er den Auftrag bekam, König David von seiner Schuld zu überführen. Auch Nathan kam nicht direkt auf Davids Vergehen zu sprechen, sondern schilderte David einen vergleichbaren Fall um dadurch die schwerwiegende Sünde des Königs zu illustrieren. Dabei stellte er David einen Mann vor Augen, der sich im Prinzip auf dieselbe Weise versündigt hatte, wie der König selbst. Dies blieb nicht ohne Wirkung. David war so verärgert über das Fehlverhalten dieses Mannes, dass er dem Propheten zornentbrannt antwortete: „So wahr der HERR lebt: Der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat!“ (2.Sam 12,5).
David hatte also das Vergehen und die Schuld eindeutig erkannt, er hatte sein Urteil gefällt, dieser Mann, so David, sei des Todes würdig. Doch dann kam vom Propheten die überraschende Antwort, die David mitten durchs Herz ging, und diese lautete: „Du bist der Mann!“ (V7).
Das war das Ziel des ersten Teils, es ging darum anhand es Verhaltens von Erich Stolz, die abweisende Haltung des Menschen gegenüber dem Rettungsangebot Gottes darzustellen.

In seiner Überheblichkeit schlägt der Mensch die Erlösung, die ihm durchs Kreuz von Golgatha angeboten wird, entweder ganz offen aus, oder er macht sich diesbezüglich überhaupt keine Gedanken. Der Grund dafür ist sein Selbstverständnis, dass, sofern Gott überhaupt existiert, überhaupt kein Zweifel besteht, dass ihm ein Platz Himmelreich sicher sei. Genau vor diesem Selbstbetrug will uns Gottes Wort warnen, doch dies mit der Absicht, uns bewusst zu machen, dass noch eine zweite Chance besteht. Um dies wahrzunehmen, müssen wir uns jedoch auf die Wahrheit des Evangeliums einlassen, anstatt auf irgendwelche Lügen zu vertrauen. Lügen klingen oft viel schöner, sie verlangen uns nichts ab, doch wer sich darauf verlässt, der wird einst vor verschlossener Tür stehen. Mir geht es gewiss nicht darum mit aufspielen zu wollen oder gar zu behaupten, ich hätte einen Platz im Himmel verdient, während es anderen nicht zustehen würde. Im Gegenteil, bildlich gesehen, bin ich wie einer dieser Arbeitskollegen von Erich Stolz, obwohl ich weiß, dass es nicht bei jedem gut ankommt, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass jeder Mensch ohne Jesus verloren ist. Genau darauf zielt auch das Evangelium ab. Nicht alles wird toleriert, nicht alles wird gut geheißen. Nein, Gottes Wort trennt Wahrheit und Lüge, Licht und Finsternis. Denn es steht geschrieben: Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen (Hebr 4,12-13). Gottes Wort ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Nur wenn wir bereit sind, auf dieses Wort zu hören, erfahren wir die Wahrheit über uns selbst, denn nur dieses Wort ist absolut unparteiisch, wir hingegen sind voreingenommen. Wir können nie ein völlig neutrales Urteil fällen, solange es um unsere eigene Person geht. Es fällt uns immer wesentlich leichter das Vergehen und die Schuld bei einem anderen wahrzunehmen, als bei uns selbst. Genau aus diesem Grund hatte der HERR Nathan aufgetragen, David mit dieser neutralen Illustration zu konfrontieren. Wer mit dem Wort Gottes vertraut ist, dem ist bekannt, wie David darauf reagiert hat. Er tat Buße in Sack und Asche, er hat sein Vergehen zutiefst bereut (vgl. Ps 51), was dazu führte, dass er wieder mit ganzen Herzen zu Gott umgekehrt ist. Genau dies war die Absicht des ersten Teils, wie weit dieses Ziel erreicht wurde, kann nur jeder für sich selbst beantworten.

In diesem zweiten Teil soll es nun darum gehen das Thema noch etwas weiter zu vertiefen. Warum ich dies für notwendig halte, begründet sich darin, weil das Evangelium von vielen falsch gelehrt wird. Viele behaupten, ein einmaliges Übergabegebet würde ausreichen. Manche stellen es auch so dar, als ginge es nur darum, durch dieses eine Gebet sein Ticket für den Himmel zu sichern, doch gerade weil ich das Beispiel mit der Eintrittskarte verwendet habe, will ich sicher gehen, nicht missverstanden zu werden. Es geht nicht nur darum, ein Ticket zu lösen, es geht um eine beständige Gemeinschaft mit dem Erlöser. Es geht nicht darum, nur einmal durch ein kurzes Gebet anzuklopfen, und danach nie wieder mit dem HERRN in Verbindung zu treten. Echter Glaube sieht anders aus. Sehen wir uns dazu an, wie Paulus die Gläubigen in Korinth anredet: An die Gemeinde Gottes in Korinth, an die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen samt allen, die den Namen unsres Herrn Jesus Christus anrufen an jedem Ort, bei ihnen und bei uns (1.Kor 1,2). Hier steht nicht, „die den Namen unseres Herrn Jesus Christus angerufen haben“, sondern „die den Namen unsres Herrn Jesus Christus anrufen“. Es ist also etwas, das ihr Leben prägt, nicht nur eine einmalige Angelegenheit, so also wäre es mit einem Gebet getan. Natürlich ist dieses erste Gebet sehr wichtig, aber könnten wir uns noch an einen Menschen erinnern, der nur ein einziges Mal mit uns gesprochen hat? Würden wir etwa sagen, „dieser Mensch steht mir ganz besonders nahe“, nur weil er vor etwa 20 Jahren einmal ganz kurz mit uns geredet hätte, und sei es nur, weil er sich am Telefon verwählt hätte?
Wenn das unsere Vorstellung vom christlichen Glauben ist, dann deckt sich diese nicht einmal annähernd mit dem, was Gottes Wort über die Beziehung zwischen Christus und Seiner Gemeinde sagt. Die Bibel beschreibt diese Beziehung als so innig und exklusiv, dass die wahre christliche Gemeinde als die Braut des Lammes bezeichnet wird (vgl. Offb 21,19). Die Gläubigen sind also mit Christus verlobt und dies nicht aus Zwang, sondern aus Liebe. Und was macht eine Verlobung deutlich? Die Verlobung ist ein Treueschwur, ein Heiratsversprechen, man bringt damit öffentlich zum Ausdruck, dass man sich auf den einen Partner festgelegt hat, womit alle anderen Partner tabu sind. Somit ist ein Flirt mit anderen Religionen, wie es gerade in unseren Tagen voll im Trend ist, völlig ausgeschlossen. Gleiches gilt für die Liebe zur Welt. Auch solche Argumente, wie die Aussage, man könne von den anderen Religionen lernen, sind hier absolut fehl am Platz, denn welcher Mann hätte wohl Verständnis, wenn ihm seine Verlobte untreu wäre, mit der Begründung, sie könne von anderen Männer auch viel lernen. Solchen Aussagen kommen gewiss nicht von einer keuschen Braut, sondern allenfalls von einer treuelosen Frau, die ein falsches Spiel spielt. Einer Frau, der es nicht um den Bräutigam geht, sondern allenfalls darum, etwas von IHM zu bekommen.

Womit wir auch schon zum Gegensatz der reinen Braut kommen, und das ist die Hure (vgl. Offb 19,2). Hierbei handelt es sich um eine billige Imitation echten Glaubens. Die Hure steht für ein religiöses System, das nicht für Treue und Loyalität gegenüber dem Bräutigam steht, sondern, wie die Bezeichnung unschwer erkennen lässt, für Untreue. Das Wort Hure klingt sehr abstoßend, vielleicht verwundert es aus diesem Grund so machen, dieses Wort überhaupt in der Bibel zu finden, doch die Bibel nennt die Dinge immer beim Namen. So abstoßend wie wir dieses Wort empfinden, so abstoßend ist es für Gott, wenn sich Menschen nur als Seine Diener ausgeben, aber in Wahrheit gar nicht bereit sind, sich Seiner Herrschaft unterzuordnen. Das Schlimme dabei ist nicht nur die Tatsache, dass sie Gottes Gebote durch Menschengebote ersetzen (vgl. Mk 7,7), sondern dass sie allen Menschen einen Platz im Himmel versprechen. In diesem Punkt verhält sich die Hure genauso wie der Stadionsprecher aus unserem Beispiel, sie gibt sich als Dienerin Gottes aus, doch in Wahrheit will sie sich nur wichtig und beliebt machen. In Wahrheit macht sie nur leere Versprechen. Laut ihrer Theologie, ist die enge Pforte, von der Jesus sprach, auch gar nicht eng, sondern ganz im Gegenteil, niemand muss darum ringen hindurchzugehen, sie ist so breit, dass man sie gar nicht verfehlen kann. So wie der Stadionsprecher allen freien Eintritt versprach, verspricht die Hure allen Menschen einen Platz im Himmel. Lassen wir uns also nicht von irgendwelchen Titeln blenden, sondern beurteilen wir jede Lehre, anhand dessen, was Gottes Wort lehrt und beachten wir gerade diesbezüglich auch die ernsten Worte, die Jesus seinerzeit an die religiöse Obrigkeit gerichtet hat: „Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hineingehen. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr durchzieht das Meer und das trockene Land, um einen Proselyten zu machen; und wenn er es geworden ist, so macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr. Wehe euch, ihr blinden Führer!“ (Mt 23,13-15).
Dass dies nicht nur ein spezielles Problem war, das allein auf die Zeit Jesu zutraf, macht folgendes Zitat des bekannten Predigers Martyn Lloyd-Jones deutlich; treffend analysiert er: Es stellt sich immer deutlicher heraus, dass die gefährlichsten Feinde echten Glaubens nicht die offensichtlichen Gegner sind, sondern vielmehr jene, die ein falsches unechtes Christentum verbreiten. Ein Blick in die Kirchengeschichte belehrt uns, dass dies immer wieder der Fall war. Ein falsches und vorgetäuschtes Christentum hat sich immer als Hindernis und größter Feind geistlichen Lebens herausgestellt. Und ganz gewiss ist das gegenwärtige Problem der weltliche Kurs der Kirche. Uns sollte darum weit mehr dieser Zustand der Kirche beunruhigen als der Zustand der Welt. 3

Kommen wir hier noch einmal auf Erich Stolz zurück, wer weiß ob er nicht vielleicht doch den Aushang am Schwarzen Brett beachtet hätte, wer weiß, ob er nicht doch auf seine Kollegen gehört hätte. Mit ein Grund seiner Verblendung, war, wie gesehen, das vollmundige Versprechen, des vermeintlichen Stadionsprechers. Ohne Frage, es ist viel einfacher und weitaus bequemer, auf den Stadionsprecher zu hören. Man muss überhaupt nichts tun, es wird überhaupt nichts erwartet, und doch wird einem alles versprochen. Ja tatsächlich, es ist einfacher das zu glauben, aber wie weit man damit kommt, hat der erste Teil hoffentlich deutlich aufzeigen können.

Doch um die richtige Lektion daraus zu ziehen, gilt es genau wie in unserem Beispiel, an diesem Punkt eine Entscheidung zu treffen, nehmen wir die Karte, die uns der Sohn anbietet oder verlassen wir uns weiterhin auf den Stadionsprecher? Glauben wir den Lügen Satans, denn letztlich steckt er dahinter (vgl. 2.Kor 11,14) oder vertrauen wir auf das Wort Gottes? Genau vor diese Entscheidung stellt uns das Evangelium, und man kann diese Entscheidung nicht umgehen, indem man es einfach ignoriert. Um reinzukommen muss man etwas tun, man muss das Angebot der Erlösung annehmen, wer das Angebot ignoriert, wird einst vor verschlossener Tür stehen.

So wie in unserem Beispiel allein die Eintrittskarte entscheidend war, so wird es am Tage des Gerichts allein von Bedeutung sein, ob Jesus wirklich der HERR unseres Lebens war, ob wir wirklich in dieser lebendigen Beziehung mit IHM gelebt haben. Warum werden denn am Tage des Gerichts etliche die Worte: „Ich kenne euch nicht!“, zu hören bekommen? Weil diese Gemeinschaft eben nicht bestanden hat, weil Jesus in ihrem Leben nie eine Rolle spielte, weil sie nie bereit waren, sich Seiner Herrschaft unterzuordnen. Sie sagten vielleicht: „Herr, Herr“, (Mt 7,21), doch haben Sein Wort nie ernstgenommen. Und so leben viele Menschen in Selbstbetrug und Selbsttäuschung. Doch warum schreibe ich diese Zeilen, etwa weil ich jemanden etwas Böses Wünsche? Keinesfalls, ich wünsche jedem der diese Zeilen liest von ganzem Herzen, dass er sein Herz nicht verschließt, sondern es für den öffnet, dem der erste Platz in unserem Herzen zusteht, und das ist der HERR Jesus Christus, der unsere Schuld und Sünde ans Kreuz getragen.

Leider nehmen so viele Menschen dieses Thema auf die leichte Schulter, sie leben so, als müssten sie nie sterben, sie leben so, als sei diese Erde und damit nur das Vergängliche von Bedeutung. Darüber hinaus gibt es auch viele die sich für Christen halten, obwohl sie es nicht sind. Theologen, Pfarrer und Seelsorger haben es ihnen versichert, weil sie irgendeine religiöses Erwartung erfüllt haben, bei den einen ist es ein Übergabegebet, andere behaupten die Taufe sei entscheidend. Wieder andere machen es an ihrer Kirchenmitgliedschaft fest. Und so leben viele in einem trügerischen Scheinfrieden, genau wie es bei Erich Stolz der Fall war, so wie es für ihn außer Frage stand, dass man ihm Einlass gewähren würde, so sind diese Menschen ihres Heils sicher. Wie gefährlich solch eine falsche Heilssicherheit ist, hat Jesus immer wieder deutlich gemacht. Nie hat ER sich nur darauf beschränkt, nur von einem guten Anfang zu sprechen, vielmehr besagt Seine Lehre: „Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden!“ (Mt 10,22). Und an anderer Stelle sprach ER: „Wacht nun und betet zu aller Zeit, dass ihr imstande seid, diesem allem, was geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen!“ (Lk 21,36). Beachten wir, Jesus sagte dies nur wenige Tage vor Seiner Kreuzigung. ER war also nicht um sich selbst besorgt, sondern um Menschen, die dem Gericht Gottes leichtfertig gegenüberstehen und sich einreden, es sei mit ein wenig Interesse an religiösen Dingen getan. Doch die Aussage des HERRN verdeutlicht, dass es eben nicht mit einem Gebet getan ist, ebenso wenig mit rein formellen Kirchenbesuchen. Ebenso wenig wird es darauf ankommen, ob jemand regelmäßig seine Kirchensteuern bezahlt hat. „Wacht nun und betet zu aller Zeit!“, bedeutet, ein anhaltendes beständiges Gebetsleben zu führen. Es bedeutet ferner, sich von Sünde unbefleckt zu halten, es bedeutet der Heiligung nachzujagen (vgl. 1.Tim 6,14: 2.Petr 3,14: 1.Thess 4,3: Hebr 12,14). Es ist auch nicht damit getan, sich lediglich Bibelwissen anzueignen, um bei religiösen Themen mitreden zu können. Nein, solche Menschen bezeichnete Jesus nicht als selig. Es ist zweifellos gut sich mit Gottes Wort zu befassen, doch Jesus hat gelehrt: Wenn ihr dies wisst - selig seid ihr, wenn ihr's tut (Joh 13,17, vgl. Lk 11,28). Mit anderen Worten: Glaube ohne Werke ist tot (Jak 2,26). Um die praktische Bedeutung dessen noch einmal zu unterstreichen, möchte ich J.C. Ryle zitieren, er schreibt: Wir werden durch Erfahrung entdecken, dass nicht alles Gold ist, was glänzt, und alle wahre Christen sind, die ein lautes Bekenntnis zum Christentum abgeben. Die Sprache des Christentums ist genau der Teil des Glaubens, welche ein falscher Christ sich am allerleichtesten aneignen kann. Der tägliche Lebenswandel eines Menschen und nicht das Geschwätz seiner Lippen ist der einzige sichere Test seines Charakters. 4
Und so lautet sein Ratschlag: Wenn wir wissen wollen, ob wir ein Teil oder Los in Christus haben, dann lasst uns unser Leben betrachten. Wem folgen wir nach? Welches sind die großen Ziele und Zwecke, für welche wir leben? Wer eine echte Hoffnung auf den Herrn Jesus Christus hat, kann immer an der Grundausrichtung seines Lebens erkannt werden. 2
Gerade in unserer Zeit kann man dies nicht deutlich genug hervorheben, denn was größtenteils gelehrt wird, ist eine billige Gnade, so als würde Jesus Menschen erlösen, damit diese weiterhin in Sünde leben können (vgl. Röm 6,1-2). Doch das ist gewiss nicht die Lehre der Heiligen Schrift, im Gegenteil, geschrieben steht: Er (Christus) ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist (2.Kor 5,15). Wir müssen uns von dieser Vorstellung verabschieden, dass der Glaube keinen Einfluss auf das Leben haben müsse. Treffend kommt John MacArthur zur Feststellung: Die Welt ist voll von Menschen, die so leben, als ob sie nicht an die Bibel glauben, aber darauf bestehen, dass sie trotzdem Christen sind. Tatsache ist, dass sie nicht bereit sind, sich der Herrschaft Christi zu unterwerfen, wie es in seinem Wort gezeigt wird, und dieser Mangel offenbart, dass ihr Anspruch, Christ zu sein, eine tragische Illusion ist. 5

Jesus hat immer wieder vor diesem Selbstbetrug gewarnt. Sei es durch das Gleichnis mit dem Hausbau oder durch die Aussage: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen (Mt 7,16.24). Wer meint, er sei gerettet, jedoch genauso lebt wie alle anderen Menschen um sich herum, befindet sich in einem gewaltigen Irrtum. Er kann wohl von Jesus reden, er kann sich auch als Christ bezeichnen, doch er hatte definitiv keine Begegnung mit Jesus. Denn eines macht die Schrift deutlich, wenn Jesus in das Leben eines Menschen kam, ging dieser danach nicht denselben Weg wie zuvor. Denken wir nur an den Zöllner Zachäus, bevor er die Tür seines Hauses für Jesus geöffnet hatte, war er ein korrupter, geldgieriger Mensch, doch nachdem Jesus in sein Leben getreten war, sprach Zachäus: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich von jemand etwas durch falsche Anklage genommen habe, so erstatte ich es vierfach. Und was sagte Jesus darauf hin? ER sprach: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist; denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist (Lk 19,8-10).

Wir sehen in diesem Beispiel mit dem Zöllner Zachäus nicht nur, dass Jesus gekommen ist, um zu suchen und zu retten, was verloren ist, sondern auch das diese Rettung eine sichtbare Auswirkung auf das Leben des Geretteten hat. John MacArthur schreibt diesbezüglich: Es wäre ein Widerspruch, zu behaupten, Gott habe eine Person auserwählt, in Christus zu sein, ohne mit der Heiligung bei diesem Menschen begonnen zu haben. Und doch meinen heute viele Tausende, Christen zu sein, ohne je eine Veränderung in ihrem Leben festgestellt zu haben... Wir dürfen die Heiligung nicht als etwas betrachten, was in unser Belieben gestellt ist. Ohne Heiligung wird niemand den Herrn schauen (vgl. Hebr. 12,14). 6
Der christliche Glaube ist keine tote verstaubte Religion, nein, dieser Glaube ist lebendig, er ist lebensverändernd und radikal. Achten wir auch auf folgendes: Jesus machte die Feststellung, dass dem Hause des Zachäus Heil widerfahren sei, erst nach dessen radikaler Sinnesänderung. Heute will man allen Menschen das Heil zusprechen, unabhängig davon, ob der Glaube auch nur die geringsten Auswirkungen auf ihr Leben hat. Wer solche Versprechen macht, der verhält sich letztlich nicht anders als der vermeintliche Stadionsprecher aus dem ersten Teil dieses Beitrags. Und wer auf solche Menschen vertraut, dem wird es einst ergehen, wie Erich Stolz, er wird einst vor verschlossener Tür stehen. Ausgegrenzt aus dem Reich Gottes. Empört sagen viele: „Wie kann das sein, das ist doch diskriminierend!“ Doch die Wahrheit ist, nicht der Mensch,  sondern Jesus Christus, der Sohn Gottes, wird diskriminiert. Als ER einst als Mensch auf diese Welt kam, gab es für IHN keinen Raum in der Herberge (vgl. Lk 2,7), genau dies wiederholt sich, mit jedem menschlichen Herz, das IHM gegenüber verschlossen bleibt. Das verstockte, ungläubige Herz verweigert Jesus den Zutritt, somit es der Ungläubige der sich gegenüber Christus verschließt, indem er IHN aus seinem Leben ausgrenzt. Dass damit letztlich Gott selbst diskriminiert wird, wird durch folgende Aussage deutlich: „Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat“. Und ebenso sagte Jesus: „Wer mich hasst, der hasst auch meinen Vater“ (Joh 5,23: 15,23).Wer Jesus aus seinem Leben ausklammert, der klammer Gott aus. Wer Jesus nicht ehrt, der ehrt auch den Vater nicht und wer Jesus hasst, dessen Hass richtet sich gegen Gott.

Daher sei es abschließend noch einmal klar gesagt, es ist der Mensch, der sich von Gott lossagt, es ist der Mensch, der nicht bereit ist, sich der Herrschaft Gottes zu unterstellen, es ist der Mensch, der sich gegen Gott auflehnt. Mit welchem Recht hoffen solche Menschen, dass sie eines Tages in Seinem Reich aufgenommen werden? Um dieses paradoxe Verhalten zu illustrieren, möchte noch ein letztes Beispiel nennen: Es gibt hier in Deutschland sogenannte „Reichsbürger“, hierbei handelt es sich um Menschen, die nicht bereit sind, die Bundesrepublik Deutschland als Staat anzuerkennen. Sie leben zwar in diesem Land, weigern sich jedoch Steuern zu bezahlen und sehen es auch nicht ein, warum sie sich an das Grundgesetz halten sollten. Machen wir uns bewusst, wer die Herrschaft Jesus Christi nicht anerkennen will, wer nicht bereit ist, sich den Ordnungen und Geboten Gottes zu unterstellen, der Verhält sich gegenüber dem Reich Gottes, genauso wie diese Reichsbürger gegenüber der Bundesrepublik Deutschland. Noch ist das Reich Gottes ein unsichtbares Reich, dennoch ist es schon mitten unter uns, und zwar im Herzen eines jeden Menschen, der nicht mehr gegen Gott rebelliert, sondern Gottes Versöhnungsangebot angenommen hat (vgl. Lk 17,21). Doch wenn dies wirklich der Fall ist, wird es eine gewaltige Auswirkung auf das Leben des Geretteten haben. Die Auswirkung wird so radikal sein, wie im Beispiel mit dem Zöllner Zachäus gesehen. Sie wird von so grundlegender Natur sein, dass zutreffend ist, was im 2.Korinterbrief 5,17 geschrieben steht: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden (2.Kor 5,17).

 

 

 

 

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