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3. Die Frucht des Glaubens

19.07.2017

So setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Selbstbeherrschung, in der Selbstbeherrschung aber das standhafte Ausharren, im standhaften Ausharren aber die Gottesfurcht, in der Gottesfurcht aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe. Denn wenn diese Dinge bei euch vorhanden sind und zunehmen, so lassen sie euch nicht träge noch unfruchtbar sein für die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus (2.Petr 1,5-8).

 

Würde man diesen Textabschnitt losgelöst vom Textumfeld betrachten, könnte man daraus vielleicht den Schluss ziehen, dass sich Christen ihren Weg ins Himmelreich durch Fleiß und Tugend selbst erarbeiten müssen. Ferner könnte man zu der vielfach vertretenen Ansicht kommen, es ginge beim christlichen Glauben darum, Menschen moralisch zu verbessern. So nach dem Motto: „Wenn wir uns nur genug anstrengen und bemühen, wird Gott dies belohnen und uns im Himmelreich aufnehmen!“. Viele haben dieses Bild vom christlichen Glauben, viele neigen zu diesem einen Extrem, auf das andere, nämlich aufgrund der Gnade alles ganz locker zu nehmen, werden wir noch zurückkommen. Bleiben wir vorerst bei der ersten Fehlinterpretation, nämlich bei der Werkgerechtigkeit. Dass diese Lehre nicht dem Wesen des Evangeliums entsprechen kann, hat Petrus gleich am Anfang des Briefes aufgezeigt, indem er verdeutlicht hat, dass der christliche Glaube nicht auf die eigene Gerechtigkeit, sondern auf die „Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus“ gegründet ist.

Der Ansatz der christlichen Botschaft besteht also nicht darin, die Menschen zur Besserung anzuleiten, sondern ihnen bewusst zu machen, dass selbst ihre edelsten Bemühungen nicht ausreichen werden, um sich einen Platz im Himmelreich zu sichern. Die Schrift lehrt keine Selbsterlösung, sondern macht deutlich, dass es dem Menschen unmöglich ist, sich aus eigener Kraft aus dem Sumpf der Sünde herauszuziehen. Aus diesem Grund fordert das Wort Gottes Ungläubige auch nicht zu einem tugendhaften Leben oder zu eiserner Selbstdisziplin auf, sondern zur Umkehr und zur Buße. Der erste Schritt zur Rettung, ist immer die Erkenntnis, der völligen Unfähigkeit, Gott gefallen zu können. Wir müssen wahrnehmen, dass unsere eigene Gerechtigkeit vor den Augen des heiligen Gottes wie ein beflecktes Kleid ist. Aus diesem Grund sagt die Schrift: Die aber, die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen (Röm 8,8). Das heißt, alles fleischliche Bemühen - alles, was der Mensch aus sich selbst heraus produziert - ist von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Daher sagte Jesus: Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts (Joh 6,63).

Ersteres ist im Leben des Gläubigen geschehen, er wurde durch den Geist Gottes zu geistlichem Leben erweckt. Petrus war es wichtig, genau diese Tatsache an den Anfang seines Briefes zu stellen. Ehe er irgendeinen Appell an die Empfänger des Briefes richtet, ruft er ihnen zu aller erst ins Gedächtnis, wie reich sie von Gott beschenkt wurden. Er macht ihnen ihre einzigartige Stellung bewusst, dass ihnen derselbe kostbare Glaube zuteilwurde, den auch die Apostel empfangen hatten. Ein Glaube, der nicht auf die eigene Gerechtigkeit gegründet ist, sondern auf die Gerechtigkeit, die aus Gott kommt. Ein Glaube, der den Kindern Gottes durch die Wiedergeburt geschenkt wurde. Durch diese neue Geburt haben die Gläubigen Anteil an der göttlichen Natur. Ihnen ist, wie Petrus sagt, alles geschenkt, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient. Ausschlag dafür ist allein Gottes Gnade, allein Seine Kraft hat dies im Herzen Seiner Auserwählten bewirkt und genau darauf nimmt Petrus Bezug, wenn er Vers 5 mit dem Wort „so“ beginnt. Was er damit zum Ausdruck bringt, ist „auf Grund dessen“, oder „in Anbetracht dieser Tatsache“. Mit anderen Worten, nachdem euch Gott so reichlich beschenkt hat, so setzt nun alles daran, diesen Glauben auszuleben. Lebt darin, macht Fortschritte, in dem ihr es täglich auf das Leben anwendet und darin wandelt.

Man hätte vielleicht auch zu einer anderen Erkenntnis kommen können, man hätte durchaus zu dem bereits angedeuteten anderen Extrem gelangen können, indem man zur Schlussfolgerung gekommen wäre, sich ganz entspannt zurückzulehnen: „Gut, wenn das Heil ein völlig unverdientes Geschenk ist - ohne jegliche Eigenleistung oder Eigenverdienst - dann können wir unserer eigenen Seele getrost sagen: Ruhe aus, iss, trink, sei fröhlich!“ (Lk 12,1). Schließlich wurde man ja von Gott so überreich mit geistlichen Gütern überhäuft, dass es locker ausreichen wird, bis in die Ewigkeit. Leider ist es auch das, was falsche Lehrer aus dem Evangelium machen. Da der Petrusbrief sich diesem Thema noch intensiv zuwenden wird, sei an dieser Stelle nur erwähnt, dass diese Haltung insbesondere beim Christentum in den Wohlstandsländern vorzufinden ist (vgl. Röm 3,8). Doch dies kann niemals der Ansatz jener sein, die wirklich wiedergeboren sind und Anteil an der göttlichen Natur haben. Nein, ihr Herz ist von Dankbarkeit erfüllt, so dass sie in der unbegreiflichen Gnade Gottes keinen Freibrief für ein ausschweifendes Leben sehen, sondern einen Ansporn und eine Motivation, ihrem HERRN mit Freuden zu dienen. Allein diese Dankbarkeit und diese Liebe zu ihrem HERRN und Erlöser, kann die Grundlage jeglicher christlichen Belehrung sein. Es geht nicht darum, als müsse dem vollkommenen Opfer, das Christus am Kreuz vollbracht hat, noch irgendetwas hinzugefügt werden. Nein, das darf nicht das Motiv für das Halten der göttlichen Ordnungen sein, vielmehr ist es so, wie Jesus gelehrt hat: Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten (Joh 14,15). Und diese Liebe ist, wie Paulus schreibt, ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist (Röm 8,5). Das ist der Grund, warum Gläubige überhaupt interessiert sind, den Willen Gottes zu erfahren. Es geht nicht darum, zu erfahren, wo die Grenze des Erlaubten ist, sondern vielmehr um den Wunsch, Gott zu gefallen. Dieses Sehnen und Wollen legt der Heilige Geist in die Herzen der Kinder Gottes und das Mittel dazu ist die gesunde Lehre der Schrift. Genau darauf zielt auch dieser 2.Petrusbrief ab, es geht um geistlichen Wachstum.

Gnade und Friede werde euch mehr und mehr zuteil in der Erkenntnis Gottes und unseres Herrn Jesus!, lauteten die Worte, die Petrus an den Anfang seines Briefes gestellt hat, dass damit nicht reines Kopfwissen gemeint ist, wird deutlich durch die praktische Anleitung: So setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Selbstbeherrschung, in der Selbstbeherrschung aber das standhafte Ausharren, im standhaften Ausharren aber die Gottesfurcht, in der Gottesfurcht aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe.

Ehe wir näher darauf eingehen wollen, sei vorab festgehalten, dass Weisheit und Erkenntnis im biblischen Sinne, immer praktischer Natur sind. So klar wie uns gezeigt wird, dass uns in Christus alles geschenkt ist, so klar ist auch zu sehen, dass wir auch eine Eigenverantwortung haben. Es im Geistlichen, wie im Natürlichen, ein Geschenk ist uns nur dann wirklich von Nutzen, wenn wir es anwenden. Von daher ist uns unser Bibelstudium nur dann von Nutzen, wenn es eine praktische Auswirkung auf unser Leben hat. Wenn dies ausbleibt, so A.W. Tozer, ist es vergleichbar, als würde man zu einem Ringer sagen: „Zeige mir deine Muskeln!“, und er würde antworten: „Sieh dir meine Hanteln an“.z1

Würden uns in diesem Fall seine Hanteln beeindrucken oder wären wir nicht vielmehr am Ergebnis seines Trainings interessiert? Ob die Hanteln für ihn nur Deko-Gegenstände sind oder ob er wirklich damit trainiert, würde doch allein sein Körperbau sichtbar machen. Nicht die Hanteln, sondern seine Muskeln könnten uns beeindrucken. So ist es auch mit den geistlichen Anlagen, die Gott Seinen Kindern geschenkt hat, das Potenzial ist vorhanden, doch wir müssen die Gnadenmittel „Bibelstudium“ und „Gebet“ anwenden und Sorge dafür tragen, die christliche Lehre auf unser Leben anzuwenden. Es ist wie im natürlichen Leben, ein Baby hat die Veranlagung zu laufen, aber wenn es das nach und nach lernt, dann wird es sich nur fortbewegen können, wenn es von dem Erlernten Gebrauch macht. Allein durch das Philosophieren und Nachdenken übers Laufen, wird sich kein Mensch fortbewegen, es funktioniert nur, wenn man seine Füße in Bewegung setzt. Die Veranlagung ist da, die Umsetzung liegt in der Eigenverantwortung und die Fortschritte stehen in der Abhängigkeit wie häufig man davon Gebrauch macht. Oder um ein weiteres Bild zu gebrauchen, können wir uns fragen, was für einen Nutzen der leistungsstärkste Motor in einem Sportwagen haben könnte, wenn die PS nicht auf die Straße gebracht werden? Was wäre erreicht, wenn der Motor nur Lärm macht, aber die Reifen sich nicht bewegen? Der Motor ist da um die Reifen in Bewegung zu setzen, doch dazu muss man einen Gang einlegen, damit die PS auf die Straße kommen und sich das Auto fortbewegt. Der Autobauer hat den Motor nicht eingesetzt, nur damit dieser beim Aufmachen der Motorhaube rein optisch bewundert werden kann, sondern um aus dem Auto ein Fortbewegungsmittel zu manchen. Ebenso verhält es sich mit dem kostbaren Glauben, den Gott Seinen Kindern geschenkt hat, er ist uns gegeben, damit unser Glauben in Bewegung kommt und in Aktion tritt. Ebenso gilt für die christliche Lehre, dass sie ihr Ziel verfehlt hat, wenn die praktische Umsetzung ausbleibt. Weil es genau das war, was Petrus definitiv vermeiden wollte, forderte er die so reich beschenkten Gläubigen auf: So setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis.

Da wir uns dieser praktischen Anleitung im nächsten Teil Schritt für Schritt zuwenden wollen, möchte ich vorab nur aufzeigen, dass wir beides nicht voneinander trennen dürfen, wir benötigen sowohl Eifer als auch Erkenntnis. Denn mit Erkenntnis ohne praktischer Umsetzung liegt man genauso daneben, wie mit religiösem Eifer ohne Einsicht. Da ein Großteil der christlichen Szene eher zu Eifer ohne Einsicht neigt, möchte ich anhand einer kleinen Illustration aufzeigen, was für ein Motiv sich hinter blindem Aktionismus verbirgt. Stellen wir uns dazu folgende Situation vor: Angenommen eine Frau hat einen Rosengarten den sie über alles liebt, wie würde sie wohl darauf reagieren, wenn ihr sechsjähriger Sohn eines schönen Tages auf die Idee die kommen würde, die Rosen abzuscheiden um sie mit einem Rosenstrauß zu überraschen? Vielleicht hätte diese Frau ja Verständnis, weil das Kind noch so klein ist, doch wie würde es wohl aussehen, wenn ihr Mann auf diese glorreiche Idee gekommen wäre? Was wäre wohl los, wenn der Rosenstrauß, den er ihr zum Hochzeitstag überreichen würde, direkt aus ihrem Rosengarten stammen würde? Wir sehen den Unterschied, das Kind handelte aus Unwissenheit, doch von dem Ehemann hätte man so etwas Törichtes wohl kaum erwartet. Somit ist klar, das Herz seiner Ehefrau hätte er damit sicher nicht erfreut, sondern im Gegenteil. Was setzt es also voraus, einen anderen zu erfreuen? Es setzt voraus, ihn zu kennen, dies wiederum kann nur der Fall sein, wenn ein ernsthaftes Interesse an der Person des anderen besteht, was an der Bereitschaft, ihm wirklich zuzuhören, auszumachen ist.

Nehmen wir noch ein weiteres Beispiel. Gehen wir davon aus, seine Frau wäre ein großer Tierfreund, hätte jedoch panische Angst vor Spinnen, wäre sie wohl erfreut, wenn er ihr eine Vogelspinne zum Geburtstag schenken würde? Würde er es aber dennoch tun, was würde es über ihn aussagen? Wahrscheinlich, dass er selber gerne so eine Spinne hätte, und es ihm mehr um die Erfüllung seines eigenen Wunsches geht, als darum seine Frau zu erfreuen. Wie dieses Beispiel zeigt, kann das Motiv, das sich hinter Aktionismus ohne Erkenntnis verbirgt, keine wahre Liebe sein. Es dreht sich mehr um die eigenen Wünsche, anstatt darum dem anderen eine Freude zu machen.

Leider ist genau diese Gesinnung bei vielen zu beobachten, die sich als Christen bezeichnen. Man kann nicht abstreiten, dass sie aktiv sind, was ihr Aktionismus jedoch vermissen lässt, ist Erkenntnis. Was daran auszumachen ist, dass ihre Aktivitäten nicht darauf abzielen das Herz Gottes zu erfreuen. Denn wäre dies der Fall, dann würden sie zuerst nach Seinem Willen fragen, anstatt eigenmächtig zu handeln und zu ignorieren, dass ihr Verhalten im klaren Widerspruch zum offenbarten Willen Gottes steht. Aktuelle Beispiele dafür werden im Laufe dieser Wortbetrachtung noch folgen, was ich jedoch an dieser Stelle anmerken möchte, ist die Tatsache, dass der Glaube dieser Menschen, nur ein leeres Lippenbekenntnis ist. Zwar bekunden sie, Gott zu dienen, in Wahrheit jedoch richteten sie ihren Aktionismus nicht am Willen Gottes, sondern an ihrem eigenen Willen aus. „Wir wollen…“ lautet das Hauptmotiv all ihres vermeintlich frommen Tuns. Doch wer glaubt, Aktionismus sei alles, und gesunde Lehre für unwichtig hält, der befindet sich entweder noch in einem kindlichen Glaubensstand oder zeigt, dass seine Liebe zum HERRN nicht echt ist. Denn wenn wir uns nochmal an das Beispiel mit dem Ehemann zurückerinnern, dann ist offensichtlich, dass ihm die Interessen seiner Frau egal waren. Aber ist es nicht gerade das Kennzeichen von echter Liebe, das einen brennend interessiert, was dem Partner gefällt und was ihm missfällt? Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten, hat Jesus gesagt, doch wer IHN nicht liebt, der wird noch nicht einmal interessiert sein, was Seine Gebote besagen. Viele werden am Tage des Gerichts aufzählen, was sie alles für den HERRN getan haben, doch ER wird sie als Gesetzlose bezeichnen (vgl. Mt 7,23), was deutlich macht, dass ihr Handeln nicht im Einklang mit Seinem Willen war.

Möge der HERR uns vor beidem bewahren: Auf der einen Seite davor, dass wir unser Talent vergraben und unseren Glauben auf reines Kopfwissen beschränken, und auf der anderen davor, dass wir uns von blindem Eifer ohne Erkenntnis leiten lassen. Unsere Werke sind vor Gott nur annehmbar, wenn sie im Einklang mit Seinem Willen stehen. Wobei es nicht darum geht, frei zu interpretieren, was Gott gemeint haben könnte, sondern achtsam auf das zu hören, was ER uns durch Sein Wort sagt (vgl. 1.Sam 15,19-23). Wir haben die Verheißung: »Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen,  den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.« (Ps 32,8). Doch wie leitet uns Gott ganz praktisch? ER leitet uns, indem wir durch Sein Wort Seine Sichtweise erfahren. Wer also den Weg gehen will, den uns Gott zeigt, muss es lernen, diese Sichtweise zu übernehmen. Anstatt zu tun, was in unseren Augen Recht ist, gilt es, unser Handeln an dem auszurichten, was in Seinen Augen Recht ist (vgl. Ri 21,25; 1.Kö 14,8). Aber das ist nur möglich, wenn wir uns mit Seinem, in der Schrift offenbarten, Willen befassen. Doch wie gesagt, nicht nur in der Theorie, sondern im praktischen Leben.  

 

Quellangabe

1. http://www.evangeliums.net/zitate/aiden_wilson_tozer_seite_1.html

 


 

 

www.evangeliums-botschaft.de

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