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Die Bibel ist kein Klumpen Wachs

09.09.2016

Ich sehe dies als einen allgemein gültigen Grundsatz an, aber es gibt offensichtlich viele Leute, die dies nicht glauben. Das gegenwärtige Prinzip unserer Zeit scheint zu sein: "Einige Dinge sind wahr oder unwahr, je nach Standpunkt, den man einnimmt. Schwarz ist weiß, und weiß ist schwarz, je nach den Umständen. Wahrheit ist natürlich wahr, aber es wäre ungehobelt, wenn man sagen würde, dass das Gegenteil eine Lüge sei; wir müssen nicht scheinheilig sein, und schließlich heißt es, so viele Meinungen wie Menschen'."

Unsere Vorväter waren klar und deutlich, indem sie Grenzen absteckten. Sie hatten starke Überzeugungen über fundamentale biblische Wahrheiten, und sie verteidigten diese mit ganzem Eifer, wenn sie glaubten, dass sie schriftgemäß waren. Ihr Gebiet war von Hecken und Gräben umgeben; heute haben ihre Söhne aber die Hecken entfernt und die Gräben aufgefüllt, so dass nun alles eben ist und man die Grenzsteine beliebig verschieben kann.

Die Schule des modernen Denkens macht sich über den lächerlichen Positivismus der Reformatoren und Puritaner lustig; sie schreitet in einem herrlichen Liberalismus voran, und allzu schnell wird sie eine große Allianz zwischen Himmel und Hölle zustande bringen, oder besser gesagt, eine Vermischung von zwei Reichen auf der Grundlage von gegenseitigen Zugeständnissen, wobei Wahrheit neben Lüge wie ein Löwe neben dem Lamm stehen kann. Dennoch gilt für mich und meinen altmodischen Glauben, dass einige Lehren wahr sind und dass Aussagen, die dem völlig widersprechen, unwahr sind - wenn "Ja" eine Tatsache ist, dann ist "Nein" ebenso eine Tatsache, und wenn "Ja" recht ist, dann muss "Nein" verworfen werden.

Wir haben einen Glauben zu verkündigen, meine Brüder, und wir sind mit einer Botschaft Gottes betraut. Es obliegt uns nicht, eine neue Botschaft zu erfinden, wenn wir vorangehen. Wir haben nicht einen allgemeinen Missionsbefehl von unserem Herrn empfangen: "Wie du gerade in deinem Herzen empfindest und was du gerade in deinem Kopf erdenkst, das predige. Gehe mit der Zeit. Was immer die Menschen hören wollen, predige ihnen, und sie werden errettet werden." Nein, das lesen wir gewiss nicht im Missionsbefehl. Die Bibel ist genau. Sie ist kein Klumpen Wachs, den wir nach unserem Belieben formen können, je nach der vorherrschenden Mode.

Ihr großen Denker seht die Bibel als eine Schachtel mit Buchstaben an, mit welchen ihr spielen und damit machen könnt, was ihr wollt, oder als eine Zauberflasche, aus der alles kommen kann, was man will, von Atheismus bis Spiritualismus. Ich bin zu altmodisch, um vor dieser Theorie niederzufallen und sie anzubeten. Da gibt es etwas, das mir die Bibel sagt - mit Gewissheit sagt - und dies ist nicht begleitet von einem " vielleicht" oder einem " wenn" oder einem "möglich" oder 50000 anderen Vermutungen; das ist die Bibel nicht! Sie ist das geoffenbarte unfehlbare Wort, das geglaubt werden muss, und das Gegenteil davon ist ein tödlicher Irrtum, der direkt vom Vater der Lüge kommt.

Wenn wir also glauben, dass es so etwas gibt wie Wahrheit und Lüge, dass Wahrheit nur in der Bibel zu finden ist, dass die Evangelien etwas Konkretes sind, an das Menschen glauben müssen, dann liegt es an uns, das alles zu lehren - und es entschieden zu lehren. Wir haben es mit Menschen zu tun, die entweder errettet werden oder verloren gehen, und sie werden sicherlich nicht errettet werden durch eine falsche Lehre. Wir haben es mit Gott zu tun, dessen Diener wir sind, und Er wird nicht geehrt werden durch unsere Falschheit; und Er wird uns keinen Lohn geben und sagen: "Wohlan, guter und treuer Knecht, du hast das Evangelium ebenso vermischt, wie jeder andere Mann, der vor dir lebte."

Wir haben eine sehr ehrenvolle Stellung, und unser Geist sollte dem von Micha gleichen, der sagte: "Wie der Herr, mein Gott, lebt, vor dem ich stehe, was immer der Herr zu mir spricht, das will ich reden." Nicht mehr und nicht weniger als Gottes Wort sollen wir verkünden, aber wir sollen es in einem Geist tun, der die Söhne der Menschen wissen lässt, dass wir Gott glauben und in unserem Vertrauen zu ihm unerschütterlich sind, ganz gleich was die Menschen denken.

 


Charles Spurgeon, The Need of Decision for the Truth – A College Address

in The Sword and the Trowel, März 1874 (Auszüge)

 

Ursprüngliche Quelle und Dank:distomos.blogspot.commehr dazu unter dem Vorwort
 

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