und

Der Weg der faulen Kompromisse

12.11.2016

In den letzten Beiträgen hatten wir mit Eli und Micha zwei sehr anschauliche Beispiele unterschiedlicher Herzenshaltungen gesehen. Während Eli ein Beispiel für Halbherzigkeit war, sahen wir in Micha einen kompromisslosen Diener Gottes. Unabhängig von den Erwartungen seines Umfeldes, war er klar darauf ausgerichtet, nur das weiter zu geben, was ihm der HERR aufgetragen hatte. Die Auslegung von Georg Walter war wieder sehr treffend und gut auf unsere Zeit angewendet. In diesem Beitrag soll es daher nicht um eine Wiederholung des bereits Gesagten gehen, sondern darum, den Gegensatz dieser beiden Charaktere zu betrachten. Es geht also um den Gegensatz zwischen Halbherzigkeit und kompromissloser Nachfolge. Wie bereits gesagt, Micha war kompromisslos, er ließ sich nicht von seinem Umfeld beirren, weder was König Ahab von ihm hören wollte, noch was die anderen Propheten ihm in den Mund legen wollten, noch das, was die Mehrheit gerne gehört hätte, war für ihn ausschlaggebend. Einzig und allein das, was der HERR ihm aufgetragen hatte, wollte er weitergeben. Er nahm es dafür sogar in Kauf, in den Kerker geworfen zu werden. So bekam er für seine vorbildliche Treue statt Ehre und Anerkennung das genaue Gegenteil von seinen Mitmenschen. Wäre er an diesem Punkt wie Eli gewesen, hätte er es halt ausnahmsweise einmal nicht ganz so eng gesehen, und den Leuten nach dem Mund geredet, hätten sie ihn wohl auf Händen getragen, doch so passte er nicht zu ihren Vorstellungen und wurde mundtot gemacht. Alle anderen Propheten haben gut geredet, alle haben das Vorhaben des Königs bestätigt und den Geschmack der Zuhörer getroffen. Und ist es nicht auch politisch korrekt, mit der Verkündigung des Wortes, die Vorgaben der Regierung zu erfüllen? Da darf man nicht mehr sagen, dass Jesus Christus der einzige Weg zu Gott ist, denn das wäre ja diskriminierend, auch Homosexualität, darf man nicht mehr als Sünde bezeichnen, vielmehr muss man das Wort Gottes geschickt verdrehen können, um auch hier dem nachzukommen, was der aufgeklärte Zeitgeist fordert. Aber damit nicht genug, man muss es nicht nur tolerieren, sondern hat es zu akzeptieren und darüber hinaus wird gefordert, dass man den göttlichen Segen darüber ausspricht. Statt Sünde, Sünde zu nennen, wird diese beschönigt, verharmlost, und was noch viel dreister ist, man kommt dem Wunsch des Zeitgeistes nach, indem homosexuelle Paare kirchlich getraut werden. Was in Hessen schon seit 2013 praktiziert wird, ist seit diesem Jahr auch in der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg möglich, auch hier werden nun gleichgeschlechtliche Paare getraut. Wer bei solchen Trends nicht mitzieht, dem ergeht es beispielsweise wie Jakob Tscharntke, von dem ich folgendes Zitat weitergeben möchte:

Es gehört zum grundsätzlichen Denken der „Volkskirchen“, dass in ihnen der Wille des Volkes und nicht der Wille Gottes geschieht. Das offenbart höchst eindrücklich auch die einleitende Formulierung des aktuellen idea-online-Berichts: „Die gottesdienstliche Segenshandlung bringe den Willen des „Paares“ zum Ausdruck, „eine Partnerschaft in Verlässlichkeit, in verbindlicher Treue und Verantwortung füreinander zu begründen“.
Es geht um „den Willen des Paares“, den Willen der Menschen, den Willen des Volkes, aber eben nicht um den Willen Gottes.
Aus genau diesem Grund war ich vor mittlerweile ziemlich genau 21 Jahren als damaliger Pfarrer der württembergischen Landeskirche suspendiert und später in den Wartestand versetzt worden. 1

Hier sehen wir, für einen Pfarrer, der sich an das Wort Gottes hält, hat es in dieser Kirche keinen Platz. Denn hier unterstellt man sich nicht der Leitung des Heiligen Geistes, sondern passt sich ständig dem Zeitgeist an. Doch ist es angesichts dessen nicht paradox, dass am 30.10.2016 die Feierlichkeiten zum 500jährigen Reformationsjubiläum eingeleitet wurden? Denn wie passt es zusammen, keine Verwendung für bibeltreue Theologen zu haben und zugleich, den Mann feiern zu wollen, der die Kirche seinerzeit wieder zur Bibeltreue zurückgeführt hat? Ist es nicht Scheinheiligkeit, einen Mann zu feiern, den man schon längst gefeuert hätte? Denn in unserem staatlichen Kirchensystem wäre weder Platz für einen kompromisslosen Propheten, wie es Micha war, noch für einen Mann, wie den Reformator Martin Luther. Wer in diesem Kirchensystem mitmischen oder gar Karriere machen will, der muss zumindest die Halbherzigkeit eines Elis aufweisen können, denn genau dies ist in unserer Generation gefragt. Weil man die gesunde biblische Lehre nicht ertragen kann, sucht man sich Lehrer, die einem nach den Ohren reden. Somit lautet das Anforderungsprofil, genau wie die Aufforderung, mit der man den Propheten Micha konfrontiert hatte: Siehe, die Worte der Propheten sind einstimmig gut für den König. Lass doch dein Wort sein wie das Wort eines von ihnen und rede Gutes! 
Damit fiel Micha durchs Raster, denn seine Antwort lautete: So wahr der HERR lebt, nur was mein Gott mir sagen wird, das werde ich reden! (2.Chr 18,12-13).
Soweit mal die allgemeine Situation in unserer Kirchen- und Gemeindelandschaft. Doch wie stehen wir dazu? Wie stehe ich dazu? Oder anders gefragt: Was erwarten wir von einem Diener Gottes, soll er uns nur nach dem Mund reden, oder möchten wir, dass er uns wirklich das weitergibt, was ihm der HERR aufgetragen hat? Soll er sich bei seiner Verkündigung an das Wort Gottes halten oder soll er lieber sein Fähnchen in den Wind halten, um auszuloten, was dem aktuellen Zeitgeist entspricht?

 

Wem folgen wir nach?

Kommen wir mal zu einer praktischen Überlegung, die mir vor kurzem in den Sinn kam, als wir mit einer kleinen Gruppe eine Wanderung gemacht haben. Auch wenn Wandern in unseren Tagen nicht mehr so populär sein mag, gehe ich davon aus, dass sich jeder Leser in folgende Situation versetzen kann: Angenommen ich bin in einer mir fremden Gegend unterwegs und möchte ein ganz bestimmtes Ziel erreichen. Ich treffe eine kleine Gruppe von Wanderern, sie versichern mir dasselbe Ziel zu haben und so schließe ich mich ihnen an.  Diese Gruppe schließt sich kurze Zeit später einer noch größeren Wandergruppe an und ich trotte weiter unbekümmert hinterher.
So weit so gut. Doch wie reagiere ich, wenn ich, je länger ich diese Gruppe begleite, immer mehr den Eindruck gewinne, dass wir nicht auf das Ziel zugehen, sondern dass wir uns eher davon entfernen? Laufe ich einfach weiter mit und verlasse mich blind auf die anderen oder werfe ich nicht lieber doch noch einmal einen Blick auf meine Wanderkarte?

Anhand dieses Beispiels möchte ich versuchen, die gegenwärtige Situation der Evangelikalen zu illustrieren: Ein Großteil unter ihnen befindet sich, bildlich gesehen, in der eben beschriebenen Situation. Man hatte ursprünglich ein ganz bestimmtes Ziel vor Augen, man war unterwegs zu der Stadt, deren Baumeister Gott ist. Man war vielleicht ursprünglich in einer kleinen Gemeinde oder in einer Bewegung, bei der die Bibeltreue noch wichtig war, doch nach einer gewissen Zeit, meinte man festzustellen, dass die große Volkskirche auf demselben Weg sei, und so fasste man den Beschluss, sich mit dieser innerhalb der Evangelischen Allianz zu vereinen. Unterwegs traf man noch weitere christliche Denominationen und je größer die Schar wurde, umso gewisser war man, den richtigen Kurs eingeschlagen zu haben. So viele Menschen können doch nicht irren, zumal so viele angesehene und redegewandte in der Schar zu finden sind. 
Anfangs, als man noch allein in der kleinen Schar unterwegs war, kam man sich ein wenig wie ein Außenseiter vor, doch nun in dieser großen Gruppe bekommt man auch mehr Beachtung und wird von der Welt ganz anders wahrgenommen. Es ist ein schönes harmonisches Miteinander, man ist auf einem gemeinsamen Weg, verfolgt ein gemeinsames Ziel, doch immer wieder begegnen einem irgendwelche Störenfriede, die einem weismachen wollen, man hätte die falsche Richtung eingeschlagen. Sie reden auf dich ein, und appellieren immer wieder, schaue noch einmal in deiner Wanderkarte nach.

Genau das ist auch mein Anliegen: jeden, der das Ziel hat, Jesus Christus nachzufolgen, möchte ich bitten, seine Wanderkarte zu studieren. Wenn man das macht, wird man bemerken, dass, je länger man dieser großen Schar gefolgt ist, sich diese immer weiter von dem Ziel entfernt hat, das man ursprünglich erreichen wollte. Und so muss sich jeder fragen: laufe ich einfach weiter mit, und verlasse mich blind auf die anderen oder sehe ich noch einmal in meiner Wanderkarte nach?

Vielleicht bin ich auch zu bequem, selbst die Karte zu studieren und laufe lieber brav den anderen hinterher. Und wem folge ich dann, wahrscheinlich denen, die am schnellsten unterwegs sind, man will ja schließlich so früh wie möglich den Zielort erreichen. Doch was nützt es mir schnell voranzukommen, wenn ich in falscher Richtung unterwegs bin? Das Einzige, was ich damit erreiche ist, dass ich mich immer weiter vom Ziel entferne. Es ist unschwer zu erkennen, dass ein solches Verhalten nicht dem gesunden Menschenverstand entspricht, sondern sehr unvernünftig und töricht ist.

Denn der gesunde Menschenverstand würde mich in jedem Fall dazu bewegen, einen Blick in die Wanderkarte zu werfen, doch die Frage ist, warum setzt dieser Verstand bei so vielen Nachfolgern aus? Warum prüfen nur so wenige anhand der Bibel, ob jene, denen sie nahezu blind nachfolgen, wirklich auf das Ziel zusteuern, das sie ursprünglich erreichen wollten? Natürlich ist es bequemer mit der großen Masse zu gehen, doch wer wissen will, wohin dieser Strom führt, der sollte nachlesen, was Jesus in Matthäus 7 Vers 13 sagt.

Leider sind viele Christen in unserer Generation entweder zu wenig mit dem Wort Gottes vertraut oder sie sind schon so abgestumpft, dass das Wort ihr Gewissen nicht mehr wachrütteln kann. Man befindet sich mitten im Sog eines modernen Pseudo-Christentums, bei dem die Frage nach der Wahrheit immer mehr zur Nebensache wird. Man hat sich schon so damit arrangiert, eine biblische Wahrheit nach der anderen zu opfern und bemerkt nicht, dass einem nach und nach das Glaubensfundament unter den Füßen weggezogen wird. So lange nur die Veranstaltungen in einem schönen Rahmen ablaufen und solange sich nur alle wohlfühlen, das scheint die Hauptsache zu sein, ob jedoch all die religiöse Betriebsamkeit noch irgendetwas mit dem zu tun hat, was die Bibel unter Nachfolge versteht, wird kaum noch hinterfragt.  

So bringt man es auch ohne weiteres mit dem Gewissen in Einklang, das 500jährige Reformationsjubiläum zu feiern, ohne auch nur einen ernsthaften Gedanken daran zu verschwenden, was das Anliegen der Reformation war. Luther ging es nicht darum, eine Reformation um der Reformation willen durchzuführen, auch war es nicht sein Anliegen, die Kirche in Richtung seiner persönlichen Vorlieben zu steuern, vielmehr ging es ihm um ein Zurück zum Ursprung. Sein Ziel war es, die Kirche von einem falsch eingeschlagenen Kurs abzubringen. Sein Ziel war eine Neuausrichtung auf den in der Heiligen Schrift geoffenbarten Willen Gottes. Der Luther, den die großen Kirchen heute gemeinsam feiern, wäre bei ihnen gewiss nicht willkommen gewesen. Im Gegenteil, man hätte ihn als Fundamentalist gebrandmarkt, er wäre als Sektierer verschrien worden, der gegen das Gebot der „political correctness“ verstößt. Die moderne Kirche liebt es zu reformieren, doch dabei geht es nicht um ein Zurück zu den biblischen Maßstäben, sondern darum, diese immer weiter auszuhöhlen und umzudeuten. Alles soll dem Geschmack der Zuhörer angepasst werden. Und anstatt anlässlich des Reformationsjubiläums, das hervorzuheben, was dem Reformator so wichtig war, verbeugt man sich vor dem Islam und dem aufgeklärten Humanismus. Anstatt die Kernbotschaft des Evangeliums auf den Leuchter zu stellen, lädt man zu den Feierlichkeiten sogar Vertreter des Islams als Sprecher ein. Statt zu betonen, dass uns Menschen kein anderer Name zum Heil gegeben ist, als allein der Name des Herrn Jesus Christus, übt man sich im Schulterschluss mit den anderen Religionen. Statt hervorzuheben, dass der Mensch allein aus Gnade, allein aus Glauben gerettet wird, stellt man die Werkegerechtigkeit der anderen Religionen auf dieselbe Stufe. In diesem Fall ist dann nicht Christus der Erlöser, vielmehr erlöst sich der Mensch selbst. Nichts könnte dem Evangelium deutlicher widersprechen, nichts könnte in größerem Gegensatz zur Reformation stehen. Doch wer heute wie einst ein Luther seine Stimme gegen solche Missstände erhebt, wird schnell in die Schranken gewiesen.


Keusche Brautgemeinde oder treuelose Hure?

Rudi Holzhauer beschrieb diese Situation sehr treffend, indem er sagte: Die kleine Schar der Treuen wird verdächtigt, verachtet, verspottet, bekämpft und verfolgt werden, weil man sie für Feinde des Geistes, der Kirche, des Friedens und der Einheit aller Gläubigen hält: sie stehen dem endgültigen triumphalen Sieg des „Christentums" im Wege! Dann wird es kommen, wie Jesus Christus in Joh. 16,2 sagt: „... dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu tun." Das hatte schon Saulus von Tarsus geglaubt und ausgeführt. Das vollzog die Kirche der Inquisition, und das wird die „Hure Babylon" (Offb. 17,1-5) in Perfektion tun, denn der Apostel Johannes sieht sie trunken vom Blute der Heiligen (Vers 6). Auf diese Entwicklung steuern wir mit Riesenschritten zu. Schon gelingt es, die Warner mundtot zu machen, und man sieht die Schafe Christi zerstreut wie solche, die keine Hirten mehr haben.
Eine Pseudo-Christenheit dagegen, charismatisch-ökumenisch geeint mit vielen Religionen und mit allen Menschen, die „guten Willens" sind, wird das Instrument des kommenden Weltverführers, des Menschen der Gesetzlosigkeit, sein, bis dieser (das Tier) das Weib, dieses Babylon, nicht mehr benötigt und abwirft (Offb. 17,16; 18,10).2

Gott hat uns in Seinem Wort davor gewarnt, dass am Ende der Tage der große Abfall kommen wird. Die Schrift warnt: Lasst euch von niemandem verführen, in keinerlei Weise; denn zuvor muss der Abfall kommen und der Mensch des Frevels offenbart werden, der Sohn des Verderbens (2.Thes 2,3). Wir wissen, dass hier vom Antichrist die Rede ist und wir wissen ebenso, dass die Schrift uns lehrt, Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind jetzt viele Antichristen aufgetreten; daran erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist (1.Joh 2,18).

Hier zeigt uns die Schrift, dass der Antichrist viele Vorläufer haben wird. Jede Generation hatte ihre Antichristen, die dafür sorgten, dass die Wahrheit unterwandert und umgedeutet wird. Die Glaubensväter haben jenen noch bis aufs Blut widerstanden, doch in unserer Generation lässt man den Dingen ihren Lauf. All das ebnet den Weg für den Antichristen, der gar nicht auftreten muss, um alles was Wahrheit ist umzukehren, sondern der eine christliche Kirche vorfinden wird, bei der die Liebe zur Wahrheit erkaltet ist und sich in einem langsamen, schleichenden Prozess hin zur Gesetzlosigkeit befindet.  Aus diesem Grund wird der Antichrist vom Großteil der anerkannten Kirche angenommen. Satan konnte nicht von heute auf morgen alle christlichen Überzeugungen über den Haufen werfen. Seine Vorgehensweise entsprach eher der Salamitaktik:  erst wollte er nur ein Scheibchen, dann ein weiteres, bis er am Ende die ganze Wurst hatte. 

Die Schrift warnt immer wieder vor Verführung, doch wer nimmt solche Warnungen noch ernst, wer prüft anhand der Schrift, ob die geistlichen Leiter wirklich zu Jesus Christus hinführen oder ob sie den Weg für den Antichrist ebnen? Wie gesagt, die Schrift sagt unmissverständlich, dass vor der Wiederkunft des HERRN Jesus der große Abfall kommen wird. Um abfallen zu können, muss man aber irgendwann mal zu denen gezählt haben, die an Christus glauben. Jene, die nie geglaubt haben, können nicht abfallen, sondern nur solche, die scheinbar dazu gehören (vgl. 1.Joh 2,19). Vor dem HERRN zählt keine fromme Show; wir können die schönsten Gottesdienste gestalten, wir können uns noch so aktiv für die Einheit unter den Gläubigen einsetzten, entscheidend ist, wie es in unserem Herz aussieht. Geht es wirklich um Jesus Christus, so wie ER uns in der Heiligen Schrift begegnet oder glauben wir an einen Pseudo-Christus?

Um unserer eigenen Seele willen, sollten wir uns selbst prüfen, anstatt nur frommes Theater zu spielen. Menschen können wir täuschen, IHM können wir nichts vormachen, ER kennt unser Herz. Wenn wir Sein Wort objektiv lesen, wird es uns zeigen, auf welcher Seite wir stehen: auf der Seite der unbefleckten Braut oder auf der Seite der treuelosen Hure. Der Gradmesser dafür ist die Liebe zum HERRN und zu SEINEM Wort. Wenn wir IHN lieben, werden wir auch Sein Wort lieben. Ist dies der Fall, gilt uns die Zusage: Großen Frieden haben, die dein Gesetz lieben; sie werden nicht straucheln (Ps 119,165). Wer diese Liebe zum Wort Gottes nicht hat, wer das Wort der Wahrheit verwirft und nicht darauf achtet, was Gott durch Sein Wort mitteilt, der wird mit dem Sog der Verführung mitgerissen. Er wird sich blenden lassen von lügenhaften Zeichen und Wundern und jeglicher Verführung zur Ungerechtigkeit. 

Dies ist das Gericht des göttlichen Dahingebens, wenn Gott den Menschen sich selbst überlässt. Im 2.Brief an die Thessalonicher heißt es dazu: Denn sie haben die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen, dass sie gerettet würden. Und darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung, dass sie der Lüge glauben, auf dass gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern Lust hatten an der Ungerechtigkeit (2.Thess 2,9-12). Lassen wir uns also nicht blenden, sondern achten wir auf die Mahnung, die uns sagt: Seid nüchtern und wacht! Denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann (1.Petr 5,8).

Ich befürchte ein Großteil unter uns hat sich schon so sehr daran gewöhnt, es mit dem Wort Gottes nicht mehr so genau zu nehmen, dass der Abfall weiter ungehindert voranschreiten kann. Natürlich ist dies auch ein göttliches Gericht, letztlich wird niemand dieses Gericht aufhalten, doch wenn die Schrift uns ausdrücklich davor warnt, dann hat es nur einen Grund: Wer wirklich auf der Seite des HERRN steht, muss sich deutlich von diesem politisch korrekten Pseudo-Christentum distanzieren. Das vom Wind des Zeitgeistes angetriebene, ökumenische Gemeindeschiff, das auf eine Welteinheitsreligion zusteuert, gleicht der stolzen Titanic. Es gibt zwar wohl noch warnende Stimmen, doch anstatt auch nur daran zu denken, den Kurs zu ändern, wird das Tempo sogar noch beschleunigt. Jeder Gemeinde und jedem einzelnen Gläubige muss bewusst sein, wer sich an dieses große, stolze Gemeindeschiff hält, wird mit diesem Schiff untergehen.  

Lieber auf dem kleinen, unspektakulären Boot der treuen Nachfolger sein, wo Jesus mit an Bord ist. Diesem Boot können die Stürme nichts anhaben, denn der, der Herr über Wind und Wellen ist, der wird die Seinen auch durch die stürmischsten Zeiten hindurch ans Ziel bringen. Doch wir müssen uns entscheiden, denn Entschiedenheit ist die Voraussetzung. Unentschlossenheit hingegen hat noch niemand vor dem Untergang bewahrt. Nur wenn wir dieses fromme Theater hinter uns lassen, und uns in aller Konsequenz auf die Seite des Herrn stellen, sind wir auf der sicheren Seite. Nicht wer es mit der Mehrheit jener hält, die sich als Nachfolger bezeichnen, ist geistlich gesehen auf richtigem Kurs, sondern wer auf die Stimme des HERRN hört. Doch wenn dieses Hören sich nicht im Gehorsam zeigt, dann hören wir nicht wirklich auf IHN. 

Dazu nur ein Beispiel, angenommen ich bin mit dem Auto unterwegs und bemerke, dass mit meiner Bremse etwas nicht in Ordnung ist. Ich fahre sofort zur nächsten Autowerkstatt. Ein KFZ-Mechaniker sieht sich mein Auto an, und sagt mir dann, dass der Wagen Bremsflüssigkeit verlieren würde. "So können sie auf keinen Fall weiterfahren!", erklärt er mir.  Woran wird offensichtlich, ob ich seinen Worten vertrauen schenke, etwa daran, dass ich mich für seinen Rat bedanke und dann weiterfahre oder daran, dass ich seinen Rat beherzige, indem ich die Bremsen reparieren lasse? 

Viele Christen hören das Wort und behaupten, auch sie würden glauben, was sie da lesen, doch wie kann es sein, dass man danach wieder im selben Trott weitermacht? Wo bleibt die Anwendung, was muss passieren, bevor man bereit ist, das sinkende Schiff zu verlassen? Wann hört man endlich auf, tausend Zugeständnisse zu machen, nur um das Gemeindeschiff irgendwie voll zu bekommen? Wann merkt man, dass es Jesus nicht um die Quantität, sondern um die Echtheit ging. Lieber 12 wahre Kinder Gottes, die IHM treu nachfolgen, als 5000 die IHN nur mit den Lippen ehren, aber deren Herz IHM nicht geweiht ist. 

Ein Mann wie A.W. Tozer musste bezüglich seiner Generation bereits zu folgender Feststellung kommen: Der christliche Glaube von heute verändert nicht die Menschen; vielmehr wird er von den Menschen verändert. Er hebt die Moral der Gesellschaft nicht auf höhere Ebene; er lässt sich auf die Ebene der Gesellschaft herab und beglückwünscht sich selbst, dass er einen Sieg errungen hat, weil die Gesellschaft seine Kapitulation mit einem Lächeln akzeptiert.

Was zu viele geistliche Leiter übersehen, ist, dass der wahre christliche Glauben keine Zugeständnisse macht, keine Kompromisse akzeptiert, keine Bedingungen akzeptiert und keine Geschäfte macht. Christus bietet sich den Menschen als Herrn und Retter an und nimmt Sünder nur dann an, wenn sie sich restlos verleugnen und gänzlich auf Gottes Seite wechseln. Der gefallene Mensch entgeht dem Gericht über die Welt, wie Lot der Zerstörung Sodoms entging, indem er Sodom völlig hinter sich lässt, nicht indem er sich Sodom anpasst. 3

Was Tozer schreibt, trifft umso mehr auf unsere Generation zu. Bedenken wir auch, entscheidend ist, wo unser Herz steht. Haben wir Sodom wirklich verlassen, oder sind wir wie Lots Frau? Körperlich hatte sie Sodom bereits hinter sich gelassen, doch ihr Herz hatte sie zurückgelassen. Woran hängt unser Herz, ist es wirklich ungeteilt auf den Herrn gerichtet, oder wollen wir beides vereinen, ein bisschen Christlichkeit und ein bisschen Weltlichkeit? Wenn wir es mit Eli halten, dann werden wir diesen Kompromiss bevorzugen und voll im Trend unserer Zeit sein. Die Anerkennung der Welt, wird uns gewiss sein. Doch bedenken wir, wer der Welt Freund sein will, ist ein Feind Gottes. Hier haben wir auch die Erklärung, warum jene kompromissbereiten Verkündiger sich so großer Beliebtheit erfreuen. Sie sind von der Welt; darum reden sie, wie die Welt redet, und die Welt hört sie (1.Joh 4,5).
Das Herz der geistlichen Hure gehört dieser Welt, darum spricht sie auch die Bedürfnisse fleischlich gesinnter Menschen an. Kein Wunder also, dass die Welt auf sie hört, doch wie steht es um uns?
Auf wen hören wir, auf die vielen kompromissliebenden Elis oder auf die wenigen treuen Diener, wie es Micha einer war. Hören wir auf Diener Gottes, die sagen: So wahr der HERR lebt, nur was mein Gott mir sagen wird, das werde ich reden! (2.Chr 18,12-13)?

Halten wir nochmals fest: das Wesen der Braut ist auf den HERRN gerichtet. Immer da, wo sie Gefahr läuft, von dieser Ausrichtung abzuweichen, gilt, was der Apostel Paulus sagt, wenn er schreibt:
Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch verlobt mit einem einzigen Mann, damit ich Christus eine reine Jungfrau zuführte. Ich fürchte aber, dass, wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, so auch eure Gedanken abgewendet werden von der Lauterkeit und Reinheit vor Christus. Denn wenn einer zu euch kommt und einen andern Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen andern Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das recht gern! (2.Kor 11,2-4)

Was Paulus einst an die Gemeinde in Korinth schrieb, hat an Aktualität nichts verloren. Im Gegenteil, es trifft genau die aktuelle Situation unter den Evangelikalen. Man hat sich von der Lauterkeit gegenüber dem Bräutigam abgewandt, man will in der Welt relevant sein, man will angesehen sein, man will die Welt beindrucken, doch genau das entspricht eben nicht der treuen Braut, sondern der prunkvollen Hure, über die gesagt wird: Wie viel sie sich verherrlicht hat und üppig gewesen ist, so viel Qual und Trauer gebt ihr! (Offb 17,17).
Hier sehen wir, worauf dieses religiöse System aus ist. Es geht in Wahrheit nicht um die Ehre Gottes, es geht nicht um die Verehrung des Erlösers, sondern um Selbstverherrlichung. Man sucht Ehre für sich selbst, anstatt dem die Ehre zu geben, dem sie allein gebührt, und das ist der einzig wahre Gott, der Schöpfer von Himmel und Erde. So wie geschrieben steht: Würdig bist du, o Herr, zu empfangen den Ruhm und die Ehre und die Macht; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen sind sie und wurden sie geschaffen! (Offb 4,11).

 

Quellangaben

1. http://www.efk-riedlingen.de/wordpress/?p=1702#more-1702
2. Rudi Holzhauer –Verführungsprinzipien - S.409
3. A.W. Tozer, The Price of Neglect, 1991, S.96-97

 


 

 

 

Empfehlung:

 

Anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 hat Lothar Gassmann 5 Filme auf dem youtube-Kanal „christwiki" sowie auf seinem Kanal „Lothar Gassmann" veröffentlicht. Dabei geht es darum, dass Reformation nicht nur als historische Erinnerung, sondern vor allem als gegenwärtige Bußbewegung und Erneuerung der Herzen jedes Einzelnen verstanden und gelebt wird!

https://www.youtube.com/user/LotharGassmann/videos

oder

https://www.youtube.com/channel/UC2vgwUVirbJtjAaDlgSjTLg/videos

 

www.evangeliums-botschaft.de

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