und

Der Kampf des Glaubens - Spurgeon

22.06.2017

C. H. Spurgeons letztes Manifest
in einer Zusammenstellung von Georg Walter, der mir dieses Material freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

 

Charles H. Spurgeon bereitete sich im April des Jahres 1891 für die Pastors College-Konferenz vor, die er ins Leben gerufen hatte und seit 1865 jährlich veranstaltete. Wahrscheinlich konnte er nicht ahnen, dass es die letzte Pastorenkonferenz sein würde, an der er über sein geliebtes Evangelium predigen würde. Spurgeon verstarb überraschend am 31. Januar des Jahres 1892, nicht einmal ein Jahr nach seiner 27. Konferenz.

Der „Prinz der Prediger“, wie er oft genannt wird, predigte von 1854-1892 in der Metropolitan Tabernacle Gemeinde in London, wo sich Sonntag für Sonntag 6000 Menschen versammelten. Bis heute sind über 200 Millionen Exemplare seiner Predigten weltweit verteilt worden. Als Spurgeon im Jahre 1891 seine letzte Pastorenkonferenz abhielt, sprach er über die geistliche Waffenrüstung und die Armee Gottes, die es lernen muss, in der Kraft des Geistes den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen. Auch wenn C. H. Spurgeon kurz darauf seinen Kampf vollendet hatte und in die Herrlichkeit eingegangen war, tobt der Kampf um die Wahrheit des Evangeliums und der persönliche Kampf des Glaubens in jedem treuen Nachfolger Christi weiter, bis der Herr wiederkommt.

Spurgeon erläuterte in seiner Einleitung, worüber er sprechen wollte: „Drei Dinge sind in der gegenwärtigen Zeit von größter Bedeutung, und sie waren immer von größter Wichtigkeit - und werden es immer sein. Das erste ist unsere Waffenrüstung, welche ist das inspirierte Wort; das zweite ist unsere Armee, die Gemeinde des lebendigen Gottes, die er selbst herausgerufen hat und die wir unter dem Befehl des HERRN leiten müssen; und das Dritte ist unsere Kraft, durch die wir unsere Rüstung tragen und das Schwert führen. Der Heilige Geist ist unsere Kraft in unserem Sein und unserem Tun; in unserem Leiden und unserem Dienen; in unserem Wachstum und unserem Kampf; in unserem Ringen und unserem Überwinden. Das dritte Thema ist von größter Bedeutsamkeit, und obwohl wir es zuletzt behandeln, nimmt es die wichtigste Stelle ein.“
1

Er verglich Gottes Wort mit einem Baum und das praktische Christenleben mit den Früchten. Wer dem Wort den Rücken zukehrte, war nicht mehr in der Lage, Frucht hervorzubringen, denn ohne Baum war es aussichtslos, eine Frucht zu ernten. Für Spurgeon hatte die Schrift einen praktischen Zweck und ein praktisches Resultat. Über einen seiner Ältesten, der auf dem Sterbebett lag, berichtet er: „Vor einigen Tagen war ich am Sterbebett eines unserer Ältesten, und es war wie der Himmel auf Erden, als ich mich mit ihm unterhielt. Ich habe noch nie so viel Freude gesehen… Er hoffte, bald bei Jesus zu sein; und er war voller Freude über das, was ihn erwartete.“ 2

Der Älteste lebte unter dem Verkündigungsdienst von Spurgeon, und nun war er bereit, zu sterben, voll von den Wahrheiten des Evangeliums, die Spurgeon treu verkündet hatte. Spurgeons rechtschaffener Älteste fügte auf seinem Sterbebett hinzu: „Wie töricht erscheinen mir jetzt all die Briefe, die sich gegen das Evangelium richten. Einige von ihnen habe ich gelesen, und mir sind die Angriffe gegen den alten Glauben nicht entgangen, sondern sie erscheinen mir als ziemlich absurd, jetzt, da ich kurz vor der Ewigkeit stehe. Was könnten die neuen Lehren jetzt für mich tun?“ Dies sind die Worte eines Ältesten, der unter dem Dienst von Spurgeon lebte und starb. Für ihn gab es bis in die Stunde des Todes keinen Zweifel an dem alten und einfachen Evangelium Christi Jesu, das in den letzten Jahren von Spurgeons Dienst immer heftigeren Angriffen durch die Bibelkritik und den Modernismus ausgesetzt war.

Spurgeon war von einer unverrückbaren Wahrheit überzeugt: „Predige das, was die Menschen fähig macht, dem Tod ohne Furcht in die Augen zu schauen, dann wirst du nichts anderes predigen als das alte Evangelium.“ 3 Gottes Wort war ein Teil der Waffenrüstung eines Christen, vielfach erprobt und niemals kraftlos. Das Wort bringt den Sünder zum Kreuz und schenkt dem Gläubigen die Kraft zu einem heiligen Leben. Die bibelkritischen Kommentare zerstörten nach Ansicht Spurgeons den Glauben, der selbst im Angesicht des Todes die Frucht der Freude zeigt.

Wer die Lehre der Inspiration und Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift in Frage stellte, legte nach Spurgeon die Axt an den Baum, der die Frucht des Geistes hervorbrachte. Für die Lehre der Inspiration der Schrift kämpfte Spurgeon bis zum letzten Atemzug. Über Gottes Wort, das er so sehr liebte, predigte er: „Wir sind uns seiner Inspiration gewiss. Sie werden wissen, dass sich die Angriffe regelmäßig gegen die Verbalinspiration richten. Die Art und Weise der Angriffe sind lediglich ein Vorwand. Das Argument der Verbalinspiration ist nur die Form, aber der eigentliche Angriff richtet sich gegen die Inspiration selbst… Für uns ist die Plenarinspiration der Heiligen Schrift Fakt und nicht Hypothese… Glaubt an die Inspiration der Schrift, und glaubt dies in der eindringlichsten Weise. Man kann nicht an eine Inspiration glauben, die größere Wahrheit oder Vollständigkeit aufweist… Wenn du an Theorien glaubst, die hier ein Stück wegnehmen oder dort die Autorität einer Schriftstelle in Frage stellen, dann wird am Ende eine Lehre der Inspiration übrig bleiben, die ihren Namen nicht verdient. Wenn dieses Buch nicht unfehlbar ist, wo sonst sollten wir Unfehlbarkeit finden?“ 4

Spurgeon wusste, dass der Zustand der Gemeinde Christi zu seiner Zeit nicht besser war als in den Tagen der ersten Apostel. Die Gemeinde zu Korinth war für ihn ein Beispiel, dass man auch heute nicht über den sündigen Zustand von Gemeindegliedern erstaunt sein sollte. Stattdessen sollte jeder Pastor und Mitarbeiter darüber betrübt sein, dass die Gemeinde kein Salz und Licht ist, und er sollte dafür einstehen und kämpfen, dass die Glieder des Leibes Christi vollkommener werden.

Über den Wert von Zahlen und einer wahren Gemeinde sagte Spurgeon: „Ist die Gemeinde real oder statistisch? Dies hängt sehr viel von euch ab, liebe Brüder. Ich lege es euch dringend ans Herz, dass ihr lieber eine reale Gemeinde als keine Gemeinde anstrebt. Tatsache ist, dass religiöse Statistiken zu häufig in einer erschreckenden Weise falsch sind. Das Fabrizieren von solchen statistischen Zahlen ist für gewisse Kreise typisch, wie wir wissen. Ich hörte kürzlich von einem Fall, wonach vier neue Glieder hinzugetan worden sind; wirft man indes einen Blick in die Mitgliederliste, muss man einen Verlust von mindestens 25 Gemeindemitgliedern feststellen. Ist das nicht Falschheit, wenn Zahlen manipuliert werden?... Tut dies niemals!“ 5

Als Spurgeon sich für die Pastorenkonferenz vorbereitete, sagte er einem Bruder, seine Seele brenne, dass Gott einen besonderen Segen auf die Konferenz ausgießt. Doch Spurgeon war sich stets im Klaren, dass alles Tun vom Heiligen Geist geleitet sein muss und dass nur der Heilige Geist das Werk der Gemeinde segnen und vorantreiben kann: „Wir müssen uns auf den Geist Gottes verlassen, wenn wir Resultate erzielen wollen. Keiner unter uns glaubt wirklich, dass er die Macht hat, eine Seele zur Wiedergeburt zu führen. Wir sind nicht so töricht, dass wir behaupten, wir könnten ein Herz aus Stein verändern.“ 6

Die Verkündigung der Prediger, die die modernistische Bibelkritik akzeptierten, empfand Spurgeon als freudlos und verglich sie mit Knochen ohne Fleisch. Für sie ist das Predigen „Arbeit“, obgleich sie nicht viel Arbeit in ihre Predigten investierten, so Spurgeon. Über die Prediger, die wie er an der uneingeschränkten Autorität der Heiligen Schrift festhielten, sagte der Prinz der Prediger: „Wir haben Freude an unserem Dienst. Unsere Lehren machen uns sehr glücklich. Das Evangelium ist eine Labsal für uns, und unser Glaube - obwohl er sehr absurd und unphilosophisch ist – erquickt uns und schenkt uns Vertrauen und Glück… Brüder, wenn wir in der Gegenwart Gottes stehen, dann werden wir und unsere Zuhörer von himmlischer Freude erfasst.“ 7

Über den Heiligen Geist lehrte Spurgeon: „Behandle ihn, wie er behandelt werden sollte. Verehre ihn wie unseren erhabenen Gott und Herrn. Sprich nie vom Heiligen Geist als „eine Sache“; und sprich auch nicht von ihm, als handelt es sich bei ihm um eine Lehre oder einen Einfluss oder einen orthodoxen Mythos. Ehre ihn, liebe ihn und vertraue ihm… Er ist Gott, lass ihn in deinem Leben Gott sein.“ 8

Spurgeon wusste um die große Liebe Gottes. Er glaubte, wo immer wahre, große Liebe ist, kann die Eifersucht nicht klein sein. „Der Herr, dein Gott, ist ein eifersüchtiger Gott.“ Spurgeons Rat: „Halte dich von allem rein, was dich beflecken oder den Heiligen Geist betrüben könnte; denn wenn er sich von uns zurückzieht, werden wir bald vor dem Feind beschämt werden.“ 9 Jede Art von Kompromissen waren für Spurgeon ein Bündnis mit dem Irrtum oder der Sünde und ein Widerspruch zur Wahrheit und Heiligkeit Gottes.

Der Heilige Geist wird mitnichten Falschheit beglaubigen oder Sünde übersehen. Der Heilige Geist ermutigt laut Spurgeon auch niemals die Faulheit des Fleisches. Und keine Verheißung des Heiligen Geistes liegt auf Mutlosigkeit oder Feigheit. „Wenn wir nicht die klare Lehre mit unzweideutigen Worten predigen, wird der Heilige Geist unserem nichtigen Tun seinen Stempel nicht aufdrücken,“ so die Warnung Spurgeons an seine Zuhörer. 10

Die letzten Worte, die Spurgeon während dieser Pastorenkonferenz an seine Zuhörer richtete, könnten heute nicht aktueller als in der Zeit sein, als dieser treue Knecht Gottes lebte und wirkte. Spurgeon schloss mit folgenden Worten:

„Wenn wir nicht den Herrn erheben wollen, arbeiten wir vergeblich. Das ist alles, was ich heute zu sagen habe; aber, meine lieben Brüder, möge dies Auswirkungen auf uns haben! Und es wird Auswirkungen haben, wenn der, der Großes an uns tut, es gebrauchen wird, denn sonst ist es umsonst. Geht voran, ihr Soldaten Jesu, mit dem Schwert des Geistes, welches ist Gottes Wort. Geht voran mit allen Gottesfürchtigen, die ihr führt, und möge jeder stark werden in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Geht in der stärkenden Macht des Heiligen Geistes voran als Männer, die vom Tod ins Leben hinübergegangen sind: Ihr verfügt über keine andere Kraft. Möge der Segen des dreieinigen Gottes auf euch ruhen, auf jedem Einzelnen und auf allen Anwesenden, um des Herrn Jesus Christus willen! Amen.“ 11

 

Anmerkungen

Unter Verbalinspiration wird verstanden, dass die Originalmanuskripte der Bibelbücher von Gott inspiriert (eingegeben) und daher irrtumslos und autoritativ sind.

Die Plenarinspiration bekräftigt, dass die Schrift als Ganzes und in allen ihren Teilen in der Originalhandschrift von Gott inspiriert ist. Alle Aussagen der Bibel - sowohl die das Heil betreffenden als auch die faktischen und ethischen Aussagen - sind wahr und zuverlässig.

 

1.   C.H. Spurgeon,The Greatest Fight in the World-The Final Manifesto,Ambassador,Belfast,1999,S.15
2.   Ebd., S.25.
3.   Ebd., S.26.
4.   Ebd., S.36.
5.   Ebd., S.53.
6.   Ebd., S.65.
7.   Ebd., S.68.
8.   Ebd., S.71.
9.   Ebd., S.74.
10. Ebd., S.75
11. Ebd., S.78.

 


Ursprüngliche Quelle: distomos.blogspot.com

 

www.evangeliums-botschaft.de

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