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Der Index der verbotenen Worte II

Die zerstörerische Macht der Zunge

Veröffentlicht am: 29.01.2017

 

„Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“, so lautet ein bekanntes Zitat von Franz Beckenbauer. Mit Sicherheit steht er mit dieser Meinung nicht alleine da, im Gegenteil, dieses Zitat trifft genau den Zahn unserer Zeit. Ein Großteil der Bevölkerung dürfte ebenso denken, ein Großteil vertritt die Überzeugung, dass das, was man so redet ohne Belang sei. Obwohl dieses Denken im krassen Widerspruch zu dem steht, was uns in Gottes Wort gelehrt wird, zählt Deutschland offiziell immer noch zu den christlichen Ländern. Ja, man feiert sogar dieses Jahr das 500jährige Reformationsjubiläum, doch was ist noch übrig von der Reformation? Es sind allenfalls noch Überreste aus einer Zeit, in der in unserem Land das Wort „Gottesfurcht“ kein Fremdwort war. Dennoch redet man viel von Fortschritt und bildet sich ein, man hätte sich weiterentwickelt, doch in Wahrheit ist das, was man als Fortschritt ansieht, ein Rückschritt, und zwar ein Rückschritt ins finsterste Heidentum. Denn das hierzulande vorherrschende Denken, entspricht exakt den folgenden Psalmworten Davids: Denn der Gottlose rühmt sich der Gelüste seines Herzens, und der Habsüchtige sagt sich los vom Herrn und lästert ihn. Der Gottlose sagt in seinem Hochmut: »Er wird nicht nachforschen!« Alle seine Gedanken sind: »Es gibt keinen Gott«! Sein Mund ist voll Fluchen, Trug und Bedrückung; unter seiner Zunge verbirgt sich Leid und Unheil. Sie erzählen Lügen, jeder seinem Nächsten; mit schmeichelnder Lippe, mit hinterhältigem Herzen reden sie. Der Herr möge ausrotten alle schmeichelnden Lippen, die Zunge, die großtuerisch redet, sie, die sagen: »Wir wollen mit unserer Zunge herrschen, unsere Lippen stehen uns bei! Wer ist unser Herr?« (Ps 10,3-4.7: 12,3-5).

Treffend führen uns diese Bibelverse die überhebliche Einstellung des modernen Menschen unserer Tage vor Augen. Menschen, die sich von Gott lossagen. Menschen, wo die einen sagen: "Er wird nicht nachforschen!", und die anderen: "Es ist kein Gott!". Menschen, die sagen: „Wer ist unser Herr?“, was der Einstellung entspricht: „Niemand steht über mir, niemand hat mir etwas zu sagen, ich bin mein eigener Herr!“. Doch wie bereits im letzten Teil gesehen, ist dies ein Trugschluss, es gibt einen, der über uns steht, und das ist unser Schöpfer, das ist der allmächtige Gott, der unser Leben in Seiner Hand hält. Auch wenn der moderne Mensch die Existenz Gottes noch so sehr leugnen mag, die Schöpfung ist der unwiderlegbare Beweis dafür, dass es einen Schöpfer geben muss, der Mensch ist also ohne Entschuldigung, wenn er eines Tages für sein Tun und Reden zu Verantwortung gezogen wird (vgl. Röm 1,20). Man kann zwar sagen: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“, und vielleicht interessiert es einen ja wirklich nicht, dennoch müssen wir uns darüber im Klaren sein, Gott interessiert es sehr wohl, ER nimmt unsere Worte ernst, so ernst, dass Jesus sagte: „Ich sage euch aber, dass die Menschen von jedem unnützen Wort, das sie reden werden, Rechenschaft geben müssen am Tag des Gerichts!“ (Mt 12,36). Immer wenn Jesus eine Aussage mit den Worten: „Ich sage euch aber“, beginnt, korrigiert ER falsches Denken. Haben nicht auch wir an diesem Punkt Korrektur nötig? Wie leicht schleicht es sich doch ein, dass man das Problem mit der Zunge verharmlost und verniedlicht. Wie schnell geht ein unbedachtes Wort über die Lippen, und wenn einen jemand darauf aufmerksam macht, dann will man nicht wahrhaben, etwas falsch gemacht zu haben, sondern fängt an sich zu rechtfertigen. Man findet ja immer eine Ausrede, und wenn es nur die eigene Gereiztheit ist. „Ich habe Wut im Bauch, also muss ich Dampf ablassen!“ Jeder Psychologe würde es wohl unterschreiben, doch Gottes Wort sagt uns etwas Anderes, da heißt es: „Darum, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn; denn der Zorn des Mannes vollbringt nicht Gottes Gerechtigkeit!“ (Jak 1,19).

Im letzten Teil haben wir gesehen, wie widersprüchlich und verschoben der moralische Wertemaßstab dieser Welt, gerade in Bezug auf die Sprache ist. Auf der einen Seite hat man relativ harmlosen Begriffen den Krieg erklärt, auf der anderen gehören beleidigende, abwertende und verhöhnende Worte, wie selbstverständlich zum normalen Umgangston. Mir war es wichtig diesen krassen Widerspruch innerhalb unserer Gesellschaft aufzuzeigen, doch dies nicht in der Illusion, ich könnte die Welt dadurch besser machen, vielmehr geht es darum, dass einzelne Menschen, die durch das System dieser gefallenen Welt verblendet sind, durch Gottes Wort mit der Wahrheit konfrontiert werden. Denn wie im letzten Teil gesagt, nur die Wahrheit kann von Irrtum befreien. Nur wenn Menschen mit der Wahrheit des Evangeliums konfrontiert werden, kann geschehen, was Jesus in Johannes 8,32 sagte: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!“.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, warum ich aufgezeigt habe, wie weit die moralischen Werte in den Keller gesunken sind, und das ist die Feststellung, dass Gläubige in der Gefahr stehen, sich davon beeinflussen lassen. Der Christ lebt ja schließlich in dieser Welt, er lebt in mitten dieses Umfelds, und eines muss uns bewusst sein, so wie sich die Pharisäer und Schriftgelehrten damals der Aufgabe verschrieben hatten, Jesus und Seinen Jüngern ihre moralischen Wertmaßstäbe aufzuzwängen, so fordert auch der heutige Zeitgeist Unterwerfung. Doch was sagt uns Gottes Wort? Es sagt uns: Seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene (Röm 12,2). Mir war es wichtig beide, in dieser Welt vorherrschenden, Extreme aufzuzeigen, damit wir uns weder durch die Gleichmacherei des Genderismus verrückt machen lassen, noch in das andere Extrem verfallen. Denn es besteht durchaus die Gefahr, dass wir so mit der verdorbenen Umgangssprache vertraut sind, dass wir uns gar nichts mehr dabei denken, diese Sprache bedenkenlos zu übernehmen. Denn wenn man sowas regelmäßig hört oder liest, dann kann es sehr schnell passieren, dass man immer mehr dagegen abstumpft und üble Schimpfworte oder Ausdrücke für harmlos und unbedenklich hält. 

Vielleicht haben wir uns an diesem Punkt sogar einigermaßen im Griff, doch wie gehen wir generell mit derartig abwertender Sprache um? Halten wir es für sinnvoll Musik zu hören oder Filme anzusehen, die von schmutzigen und beleidigenden Worten gekennzeichnet sind? Der natürliche Mensch liebt die Sünde, er lebt für die Sünde, er besingt die Sünde und er feiert die Sünde. Doch können wir als Gläubige daran auch Gefallen finden? Können wir uns an dem erfreuen, was Jesus ans Kreuz brachte? Und wie gehen wir mit entsprechenden Witzen, Spaßmails, WhatsApp Nachrichten oder entsprechenden Beiträgen im Netz um? Ist uns der Inhalt egal, leiten wir so etwas bedenkenlos weiter, Hauptsache es ist lustig? Sollten wir wirklich mit anderen Menschen Inhalte teilen, die Gott verhasst sind? (vgl. Spr 6,16-17). Bedenken wir, die Heilige Schrift sagt, dass wir sogar das vom Fleisch befleckte Gewand hassen sollen (Jud 23). Das bedeutet, wir sollen uns von allem, was unrein ist distanzieren. Es liegt auf der Hand, dass dies auch für unreine Sprache zutrifft. Von daher dürfen wir uns nicht von der lockeren Haltung dieser Welt einlullen lassen. Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht vom Vater, sondern ist von der Welt (1. Joh 2,16). 

Vergessen wir auch nicht, dass Jesus in der Bergpredigt sagte: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch, dass jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka!, dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr!, der Hölle des Feuers verfallen sein wird. Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh vorher hin, versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und bring deine Gabe dar!“ (Mt 5,21-24). „Raka“ bedeute Hohlkopf, man könnte es auch mit Hirnloser widergeben. Machen wir uns bewusst, wie schlimm derartige Beleidigungen in den Augen des HERRN sind. Egal wie entartet ein Mensch aufgrund der Sünde auch sein mag, jeder Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen, jeder spiegelt etwas von Gottes Wesen wider. Wer also das Geschöpf lästert, der lästert auch den Schöpfer (vgl. Spr 17,5). Weiter sollten wir bedenken, dass viele der heute umgangssprachlich akzeptierten Begriffe, so schändlich, obszön und verdorben sind, dass sie in eine Kategorie fallen, die unter Gläubigen nicht einmal genannt werden darf (vgl. Eph 5,12). Das ist auch der Grund, warum wir in Gottes Wort keine Auflistung der aller übelsten Schimpfworte vorfinden. Diese Worte sind in Gottes Augen so abscheulich und verachtend, dass sie in Seinem Wort noch nicht einmal zur Warnung gelistet sind. Doch das ist auch nicht nötig, denn unser Gewissen zeigt es uns klar und deutlich an, welches diese Worte sind, die mit Gottes Heiligkeit absolut unvereinbar sind. Nur kann dieses Gewissen dadurch abstumpfen, indem man sich an solche schlimmen Worte gewöhnt. Überlegen wir uns doch, Jesus sagte: „Ich aber sage euch, wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka!, dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr!, der Hölle des Feuers verfallen sein wird!“. Wenn man sich dadurch, dass man seinen Bruder als Narr bezeichnet, des Feuers der Hölle schuldigt macht, kann man wohl kaum davon ausgehen, dass man bei noch schlimmeren Beleidigungen ungeschoren davonkommt.

Weiter zeigt uns Jesus, dass unser Gottesdienst vergeblich ist, wenn wir mit solch beleidigenen Worten um uns werfen, indem ER im direkten Zusammenhang sagt: „Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh vorher hin, versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und bring deine Gabe dar!“. Dies deckt sich auch mit den Worten aus dem Jakobusbrief, wo geschrieben steht: Wenn jemand meint, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern betrügt sein Herz, so ist sein Gottesdienst nichtig (Jak 1,26). Wir dürfen also die Macht unserer Zunge nicht unterschätzen, sondern können gerade daran unseren eigenen geistlichen Zustand prüfen, denn es ist, wie Jesus sagte: „Wovon das Herz voll ist, läuft der Mund über!“(Mt 12,34). Und das ist es auch, was den Gläubigen und den Gottlosen voneinander unterscheidet. In den Sprüchen heißt es dazu: Das Herz des Gerechten überlegt, was es antworten soll, aber der Mund des Gottlosen sprudelt Bosheiten hervor (Spr 15,28).

Gott weiß, dass wir ein Problem an diesem Punkt haben, ER kennt unser Herz, und IHM ist auch jedes Wort bekannt, und zwar noch ehe wir es aussprechen (vgl. 1Chr 28,9; Jer 17,10; Ps 139,4, Spr 5,21). Daher ist dies auch ein Schwerpunkthema das uns in Seinem Wort immer wieder begegnet. Auch Paulus mahnt uns diesbezüglich, indem er sagt: Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit (Eph 4,29.31). Unter faulem Geschwätz sind verderbliche Worte und Reden zu verstehen, Worte die nicht aufbauend sind, sondern die mit der Absicht ausgesprochen werden, andere zu verletzen. Ebenso wird den Gläubigen gesagt, dass sie sich vor Bitterkeit und Zorn hüten sollen. Und dann kommt noch ein Punkt zum Thema Zunge, und das ist die böse Neigung zu Lästern. Hier müssen wir uns auch besonders in Acht nehmen, dass wir uns nicht von der Welt anstecken lassen, indem wir uns daran beteiligen, wenn man über andere herzuzieht. Bedenken wir diesbezüglich auch, dass die Aussage: „Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen! (Jak 1,22)“, ausgerechnet in dem neutestamentlichen Brief zu finden, der sich so intensiv wie kein anderer, mit den Zungensünden befasst. Besonders beachtenswert hierbei ist auch die Tatsache, dass Jakobus den Umgang mit der Zunge in den direkten Kontrast zwischen irdischer und himmlischer Weisheit stellt. So schreibt er: Wer ist weise und verständig unter euch? Er zeige aus dem guten Wandel seine Werke in Sanftmut der Weisheit! Wenn ihr aber bittere Eifersucht und Eigennutz in eurem Herzen habt, so rühmt euch nicht und lügt nicht gegen die Wahrheit! Dies ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern eine irdische, sinnliche, teuflische. Denn wo Eifersucht und Eigennutz ist, da ist Zerrüttung und jede schlechte Tat. Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, sodann friedvoll, milde, folgsam, voller Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt (Jak 3,13-17).

Die Frage, ob wir weise und verständig sind, können wir uns selbst beantworten, indem wir uns bewusstmachen, dass unsere Zunge das widergibt, wovon unser Herz voll ist. So wie ein Arzt anhand der Zunge den Gesundheitszustand eines Patienten beurteilen kann, so können wir beurteilen, ob wir geistlich Gesund sind. Denn unsere Zunge macht offenbar, was in unserem Herzen ist, ob es von der irdischen oder der göttlichen Weisheit regiert wird. Um unseren Glauben zu prüfen, können wir uns folgende Frage stellen: Trifft auf uns zu, was David in Psalm 37 schreibt, wenn er sagt: „Der Mund des Gerechten spricht Weisheit, und seine Zunge redet das Recht. Das Gesetz seines Gottes ist in seinem Herzen!“ (Ps 37,30-31; vgl. 5.Mo 6,6; Jes 51,7), oder sind es eher die Worte: „Wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid?“ Wie bereits gesehen, hat Jesus dieser Frage, die Aussage: „Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund!“, hinzugefügt. Unser Reden sollte uns also niemals egal sein, im Gegenteil, wir sollten sehr darauf bedacht sein, was wir sagen, und welche Worte auf keinen Fall über unsere Lippen kommen dürfen. Dies zu ignorieren wäre geradeso, als hätten wir extremen Mundgeruch, und würden uns nicht darum scheren, so nach dem Motto: Ist doch nicht mein Problem, wem es nicht gefällt, der soll sich halt die Nase zuhalten. Dabei ist dies nur ein sehr schwaches Bild, denn übertragen auf das Geistliche, steht es außer Frage, dass faules Geschwätz aus dem Munde eines Gläubigen buchstäblich zum Himmel stinkt. Schändliches und abfälliges Reden über andere, ist in den Augen des heiligen Gottes so abstoßend, dass ER nicht bereit ist unsere Anbetung entgegenzunehmen. ER akzeptiert nicht, dass aus unserem Mund zugleich Loben und Fluchen hervorgehen. Daher ist unser Gottesdienst vergeblich, solange wir unsere Zunge nicht kontrollieren (vgl. Jak 1,26).

Lassen wir uns also an diesem Punkt durch die Schrift korrigieren, und nehmen wir uns die Worte zu Herzen, die uns sagen: Darum, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn; denn der Zorn des Mannes vollbringt nicht Gottes Gerechtigkeit! Darum legt ab allen Schmutz und allen Rest von Bosheit und nehmt mit Sanftmut das [euch] eingepflanzte Wort auf, das die Kraft hat, eure Seelen zu erretten! (Jak 1,19-21). „Schnell zum Hören“, bedeutet, dass wir unsere Ohren auf Empfang stellen, wenn uns jemand etwas mitteilen will. Oft hören wir uns lieber selber reden, anstatt anderen zuzuhören. Es ist bestimmt nicht ohne Bedeutung, dass wir zwei Ohren haben, aber nur einen Mund. „Langsam zum Reden“, bedeutet, dass wir den anderen erst einmal ausreden lassen, bevor wir vorschnell Schlüsse ziehen und ihm ins Wort fallen. „Langsam zum Reden“, bedeutet aber auch, dass wir erst zum HERRN reden, bevor wir eine unüberlegte Antwort geben, die wir hinterher bereuen. Denn unsere Worte haben Gewicht, und sie haben auch eine Auswirkung auf unser Leben und unser Umfeld. In den Sprüchen heißt es dazu: Wer seinen Mund behütet, bewahrt sein Leben; wer seine Lippen aufreißt, dem droht Verderben. Von der Frucht des Mundes eines Mannes wird sein Inneres satt, am Ertrag seiner Lippen isst er sich satt. Tod und Leben sind in der Gewalt der Zunge, und wer sie liebt, wird ihre Frucht essen (Spr 13,3: 18,20-21).

Wie gesagt, Jakobus hat sich sehr intensiv mit der gewaltigen Macht der Zunge auseinandergesetzt. Im 3. Kapitel seines Briefes bringt er in Bezug auf die Zügellosigkeit der menschlichen Zunge folgenden Vergleich: Siehe, den Pferden legen wir die Zäume ins Maul, damit sie uns gehorchen, und so lenken wir ihren ganzen Leib. Siehe, auch die Schiffe, so groß sie sind und so rauh die Winde auch sein mögen, die sie treiben — sie werden von einem ganz kleinen Steuerruder gelenkt, wohin die Absicht des Steuermannes will. So ist auch die Zunge ein kleines Glied und rühmt sich doch großer Dinge. Siehe, ein kleines Feuer — welch großen Wald zündet es an! Und die Zunge ist ein Feuer, eine Welt der Ungerechtigkeit. So nimmt die Zunge ihren Platz ein unter unseren Gliedern; sie befleckt den ganzen Leib und steckt den Umkreis des Lebens in Brand und wird selbst von der Hölle in Brand gesteckt. Denn jede Art der wilden Tiere und Vögel, der Reptilien und Meerestiere wird bezwungen und ist bezwungen worden von der menschlichen Natur; die Zunge aber kann kein Mensch bezwingen, das unbändige Übel voll tödlichen Giftes! Mit ihr loben wir Gott, den Vater, und mit ihr verfluchen wir die Menschen, die nach dem Bild Gottes gemacht sind; aus ein und demselben Mund geht Loben und Fluchen hervor. Das soll nicht so sein, meine Brüder! Sprudelt auch eine Quelle aus derselben Öffnung Süßes und Bitteres hervor? Kann auch, meine Brüder, ein Feigenbaum Oliven tragen, oder ein Weinstock Feigen? So kann auch eine Quelle nicht salziges und süßes Wasser geben (Jak 3, 3-12).

Diese Verse bestätigen auf sehr anschauliche Weise, was für eine gewaltige Auswirkung die Zunge haben kann, sie ist ein kleines Glied das sich großer Dinge rühmt. Jakobus zeigt uns durch verschiedene Vergleiche aus der Natur, dass wir die Macht der Zunge nicht unterschätzen dürfen. Obwohl sie so klein ist, hat sie einen gewaltigen Einfluss auf unser Leben. So wie große Pferde durch Zäume, die in ihr Maul gelegt werden, gelenkt werden, so lenkt unsere Zunge den ganzen Leib. So wie das kleine Steuerruder ein großes Schiff lenkt, so steuert die Zunge unseren Lebensweg. Es ist also sehr entscheidend, wie wir sie einsetzen, ob wir sie zur Ehre Gottes gebrauchen, indem wir aussprechen, was nützlich ist und den Hörenden zur Erbauung dient, oder ob wir sie der Ungerechtigkeit zur Verfügung stellen. Trifft das Letztere auf uns zu, dann können wir von Jakobus lernen, welch großen Schaden böse Worte anrichten können. Jakobus erläutert, dass dieses kleine unscheinbare Glied den ganzen Leib befleckt, und kommt dabei zu einer Aussage, die uns aufmerken lassen sollte, indem er sagt: Sie befleckt den ganzen Leib und steckt den Umkreis des Lebens in Brand und wird selbst von der Hölle in Brand gesteckt.

Ist uns bewusst, dass die Hölle selbst die Quelle alles zerstörerischen, bösen Redens ist? Daher die Frage, wem stellen wir unsere Glieder, wem stellen wir insbesondere unsere Zunge zur Verfügung, Gott oder dem Teufel? Die Antwort der Schrift ist klar, sie sagt uns: Stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Werkzeuge der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit! (Röm 6,13). Jakobus gibt uns eine sehr anschauliche Illustration, was passiert, wenn wir unserer Zunge freien Lauf lassen, indem er sagt: Siehe, ein kleines Feuer — welch großen Wald zündet es an! Und die Zunge ist ein Feuer, eine Welt der Ungerechtigkeit. So nimmt die Zunge ihren Platz ein unter unseren Gliedern; sie befleckt den ganzen Leib und steckt den Umkreis des Lebens in Brand.
Das ist ein sehr guter Vergleich, wie klein ist doch die Zunge, und wie groß der Schaden, den sie anrichten kann. So wie ein kleiner Funke ausreicht, um einen ganzen Wald in Brand zu setzen, so schrecklich und verheerend können die Auswirkungen einer zügellosen Zunge sein. Wie viele Ehen, wie viele Freundschaften wurden durch unbedachtes, liebloses Reden zerstört? Achten wir also sorgsam auf die Wahl unserer Worte und machen wir uns bewusst, wie verletzend Worte sein können. Es gibt viele Fälle, wo Mobbing der Grund war, warum sich ein Mensch das Leben nahm. Es waren nur Worte, doch es waren Worte, die ein Menschenleben vernichtet haben. 

Der Grund, warum mir dieses Thema so wichtig ist, besteht keinesfalls darin, dass ich an diesem Punkt fehlerlos bin, sondern weil mich Gottes Wort getroffen hat. Auch ich habe meine Zunge nicht immer im Griff, und folglich habe ich auch schon die entsprechenden Auswirkungen erlebt. Wenn wir uns diesbezüglich prüfen, wird es vielleicht nicht nur mir so gehen, dass wir des Öfteren die schmerzliche Erfahrung durchleben mussten, dass es unsere eigenen Worte waren, die unser ganzes Umfeld in Mitleidenschaft gezogen haben. Es reichen oft nur wenige Worte, um innerhalb kürzester Zeit die Atmosphäre um uns herum zu vergifteten. Aber selbst nach dem das Feuer gelöscht ist, kann die Luft noch lange vom Rauchgestank verpestet sein. Vielleicht hat man sich ja auch innerhalb der Gemeinde im Griff, vielleicht auch in der Firma, was ja wirklich gut ist, aber wie sieht es zuhause in den eigenen 4 Wänden aus? Wie gehen wir mit denen um, mit denen wir am engsten vertraut sind? Ehepartner, Eltern, Kinder, sind wir auch hier darauf bedacht, keine verletzenden Worte auszusprechen? Vielleicht kann man auch lange ruhig sein, doch innerlich staut sich immer mehr Wut an, bis schließlich doch der Kragen platzt und dann wird das Gewitter umso heftiger. Wir sagen vielleicht, der andere ist doch schuld, ich reagiere doch nur angemessen auf seine Launen. 

Ja, es mag sogar durchaus generell so sein, dass wir oft ungerechte Behandlung erfahren, egal ob in der Familie, am Arbeitsplatz oder wo auch immer, wir leben nicht in einer perfekten Welt, sondern sind umgeben von Menschen, die zum großen Teil überhaupt nicht nach Gottes Ordnungen fragen. Mensch, die sagen: „Wir wollen mit unserer Zunge herrschen, unsere Lippen stehen uns bei! Wer ist unser Herr?“ (Ps 12,3). Das heißt, sie führen keinen Glaubenskampf, um ihre zügellose Zunge in den Griff zu bekommen, sie scheren sich nicht um den Willen Gottes und um das Gebot der Nächstenliebe, sondern sind sich selbst am Nächsten, und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Oft sind sie überheblich und schauen verächtlich auf gläubige Menschen herab. Sie fühlen sich überlegen und lassen es uns auch durch ihre verächtlichen Worte spüren. Doch wie reagieren wir darauf? Sehen wir uns hier im Recht, Gleiches mit Gleichem zu vergelten? Lautet unsere Divise in solchen Fällen etwa: „Das lasse ich mir nicht bieten, das geht zu weit, der wird mich kennen lernen!“, und zahlen es dann gleich mit doppelter Münze zurück? Falls ja, verhalten wir uns nicht nach dem Willen Gottes, denn Sein Wort fordert uns im 1. Petrusbrief auf: Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen erbt! (1.Petr 3,3). Dieselbe Anweisung finden wir auch bei Paulus, wenn gesagt wird: Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht. Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«  Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22). Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem (Röm 12,14. 17-21).

Doch dies entspricht nicht nur einer theoretischen biblischen Lehre, sondern genau dem, was Petrus und Paulus auch vorgelebt haben, und ihr Vorbild war unverkennbar der HERR selbst, denn so schreibt es Petrus, wenn er über Jesus sagt, der, geschmäht, nicht wieder schmähte, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet (1.Petr 2,23). Anstatt anderen den Kopf zu waschen, und sie mit Worten niederzumachen, sollen wir das Gericht dem HERRN überlassen. Wir sind nicht dazu berufen, andere zu verfluchen oder zu beschimpfen, sondern sie zu segnen. Beachten wir hier auch, was Jesus in der Bergpredigt über die Feindesliebe lehrt, indem er sagt: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18) und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“ (Mt 5,44-48).

Natürlich werden wir in diesem Leben nicht in dem Sinne vollkommen sein, dass wir perfekt sind, aber wir sollen laut der Schrift zur vollen Mannesreife kommen (vgl. Eph 4,13). Das heißt, wir sollen nicht mehr Kinder und Unmündige im Glauben sein, sondern darauf achten, dass wir die biblische Lehre auf unser Leben anwenden. Was nichts anderes bedeutet, als im Glauben zu wachsen. In einem Lied von Manfred Siebald heißt es: „Wir sind nicht besser, aber besser dran“. Diese Haltung bewahrt uns zwar vor Hochmut, doch es ist nur ein Teilaspekt der Wahrheit, denn keine Frage, durch die Wiedergeburt sind wir gewiss besser dran, doch wie bei der natürlichen, so auch bei der geistlichen Geburt, wir sollten nicht immer Babys im Glauben bleiben, sondern Fortschritte machen. Somit würde ich sagen: „Nicht besser, aber hoffentlich auf dem Weg zur Besserung!“. Letztlich ist jeder Gläubige ein Nachfolger, ein Schüler, und wäre es nicht traurig keine Fortschritte zu machen? Paulus jedenfalls hatte dieses Ziel, er sagte: Ich schätze mich selbst nicht so ein, dass ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist (Phil 3,13). Wenn dies nicht auch unser Ziel ist, stellt sich die Frage, wozu wir uns überhaupt mit Gottes Wort beschäftigen? Denn wozu wurde es und denn offenbart? Paulus gibt uns die Antwort, indem er schreibt: Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet (2.Tim 3,16-17).

Die Aussage: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben“, zeigt uns nicht nur, dass die Schreiber der Heiligen Schrift inspiriert wurden, genau das festzuhalten, was ihnen der Heilige Geist auf Herz legte, sondern machen auch deutlich, dass auch alle Schrift nützlich ist. Kein Buch der Bibel ist überflüssig, kein Kapitel, ja nicht ein Vers können wir unter den Teppich kehren, denn so wie „a l l e Schrift“ eingegeben wurde, so ist auch „a l l e Schrift“ nützlich. Doch wozu? Der Text gibt uns die Antwort: Zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit. Die Heilige Schrift ist ein praktisches Buch, wenn wir nur darin lesen, aber es nicht auf unser Leben anwenden, betrügen wir uns selbst. Wie gesagt, Jakobus war es wichtig auf diesen Selbstbetrug hinzuweisen. Doch gerade in diesem Zusammenhang wendet er so viel Fleiß und Eifer auf, um uns vor der zerstörerischen Macht der Zunge zu warnen, und macht zugleich deutlich, dass unser Gottesdient nichtig ist, wenn wir einen Waffenschein für unsere Zunge brauchen. Aus diesem Grund sollten wir uns überlegen, was wir sagen, wie wir es sagen und auch generell unseren Wortschatz überdenken. Kann es sein, dass die immer mehr entartende Sprache dieser Welt schon auf uns abgefärbt hat? Halten wir beleidigende Worte und herabwürdigende Ausdrücke auch für unbedenklich oder ist uns bewusst, wie sehr Gott ein solches Reden missfällt? Auch wenn wir mit der Meinung eines anderen nicht einverstanden sind, oder uns das Verhalten einer anderen Person missfällt, Gott zeigt uns durch die Schöpfung, dass es unvereinbar ist, wenn aus demselben Mund, Segen und Fluch hervorgeben. Daher beantwortet sich die rhetorische Frage: „Sprudelt auch eine Quelle aus derselben Öffnung Süßes und Bitteres hervor?“, von selbst, Nein, so eine Quelle existiert nicht in Gottes Schöpfung, nur der Mensch ist so entartet, dass er es fertigbringt, aus demselben Munde, Gott zu Loben und zugleich abfällig über seine Mitmenschen zu reden, die nach dem Bild Gottes gemacht sind. Doch wie gesehen, Jakobus schreibt: „Das soll nicht so sein, meine Brüder!“

Jedem Gläubigen sollte dies vertraut sein, doch umso mehr muss man sich über das Verhalten so mancher Christen wundern. Was für Worte da zu hören oder auch im Netz zu lesen sind, das ist echt erschreckend und traurig zugleich. Wie oft vergreifen sich doch Gläubige im Ton, wenn es beispielsweise um Politik geht? Anstatt, wie es der Lehre der Schrift entspricht, für die Regierungen zu beten (vgl. 1.Tim 2,1-2), lässt man seinem Unmut freien Lauf. Persönlich bin ich auch nicht mit jeder Entscheidung von Angela Merkel einverstanden, doch das gibt mir noch lange nicht das Recht, sie mit abfälligen Schimpfwörtern zu betiteln. Als Gläubige muss uns bewusst sein, dass jede Regierung von Gott eingesetzt ist, wer sich gegen die Regierung auflehnt, der lehnt sich gegen die Herrschaft Gottes auf (vgl. Röm 13,1-2). Was in unserer Zeit immer mehr überhandnimmt, ist die Respektlosigkeit gegenüber jeglicher Autorität, sei es irdische oder himmlische. Mit überheblichem Selbstverständnis, spricht man lästernde Worte geben jegliche Herrschaftsmacht aus, und nimmt sich damit etwas heraus, was sich noch nicht einmal Engel erlauben, die an Stärke und Macht größer sind (vgl. 2.Petr 2,11). Als der Erzengel Michael ein Wortgefecht mit Satan hatte, wagte er kein lästerndes Urteil zu fällen, sondern sprach: „Der Herr strafe dich!“ (Jud 9). William MacDonald kommentiert dies wie folgt: Auch wenn Michael ein Erzengel ist, und zwar derjenige, den Gott benutzen wird, um Satan aus dem Himmel zu werfen (Offb12,7-9), so meinte er doch nicht, den lästern zu können, der im Reich der Dämonen herrscht. Alle diese Schelte überließ er Gott.* Das rebellische menschliche Herz will oft nicht anerkennen, dass in einer geordneten Gesellschaft Autorität und Unterordnung unter die Autorität notwendig sind. So sieht man es auch hierzulande im Rahmen der Meinungsfreiheit als sein gutes Recht an, hochrangige Politiker zu verspotten und zu verhöhnen.

Doch der Grund warum ich dies erwähne, ist, dass sich auch Gläubige davon anstecken lassen und nicht beachten, dass geschrieben steht: »Über einen Obersten deines Volkes sollst du nichts Böses reden« (Apg 23,5; 2.Mo 22,27). Wie gesehen, der Erzengel wagte es nicht einmal, ein lästerndes Urteil über Satan auszusprechen, sondern sagte: „Der Herr strafe dich!“. Wir würden vielleicht denken, wenn man jemanden mit den übelsten Schimpfworten beleidigen kann, dann ist es Satan, doch diese Bibelstelle zeigt, dass es selbst hier nicht erlaubt ist. Nehmen wir uns doch hier ein Beispiel, damit nicht über uns gesagt werden muss: „Diese aber lästern alles!“ (Jud 10). Dieser Welt ist nichts mehr heilig, es gibt nichts wovor der Mensch unserer Tage zurückschrecken würde, es zu lästern. Was ein Beleg dafür ist, dass wir mitten im Verderbnis der Endzeit leben, das Paulus wie folgt beschrieben hat: Dies aber wisse, dass in den letzten Tagen schwere Zeiten eintreten werden; denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldliebend, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, lieblos, unversöhnlich, Verleumder, unenthaltsam, grausam, das Gute nicht liebend, Verräter, unbesonnen, aufgeblasen, mehr das Vergnügen liebend als Gott, die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen. Und von diesen wende dich weg! (2.Tim 3,1-5). Wir finden in dieser Auflistung vieles, was die Zunge betrifft, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, undankbar, Verleumder, unbesonnen, aufgeblasen, und wie eingangs gesagt, wenn wir uns nicht bewusstmachen, wie abstoßend dies in den Augen Gottes ist, dann besteht die Gefahr, dass wir uns von diesem Verhalten anstecken lassen, und es irgendwann als unbedenklich empfinden, wenn wir uns genauso verhalten. Gehen wir sicher, dass wir nicht zu der Kategorie zählen, über die gesagt wird: Die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen. Und beachten wir hierzu auch folgende Mahnung aus dem Epheserbrief: Unzucht aber und alle Unreinheit oder Habsucht soll nicht einmal bei euch erwähnt werden, wie es Heiligen geziemt; auch nicht Schändlichkeit und albernes Geschwätz oder Witzeleien, die sich nicht gehören, sondern vielmehr Danksagung (Eph 5,3-4).

Wie gesagt, das Niveau dieser Welt sinkt immer weiter ins bodenlose, doch wir dürfen uns nicht von diesem unheilvollen Strom mitreißen lassen, sondern sollten die Mahnungen der Schrift ernst nehmen, und unser Reden im Licht der Schrift prüfen. Ebenso sollten wir uns auch Gedanken machen, ob wir gefallen an etwas finden können, das unseren HERRN ans Kreuz brachte. Die Welt fühlt sich pudelwohl in der Sünde, sie feiert die Sünde, sie besingt die Sünde, doch können das auch die Lieder für jemanden sein, der durch das kostbare Blut des Lammes erkauft wurde? Wie bereits erwähnt, es gibt weltliche Lieder, die aus schmutzigen Texten bestehen, es gibt Filme, die aus schmutzigen Dialogen und schmutzigen Szenen bestehen und es gibt auch sonst viele Beiträge mit verderblichen Inhalten. Wie gehen wir damit um? Können wir uns etwa an so etwas erfreuen oder lassen wir es gar zu, dass dies auf uns abfärbt? Sagen wir uns, das muss man nicht so eng sehen, die andern nehmen es doch auch ganz locker? Stellen wir uns dazu doch mal folgende praktische Frage: Würde ich diese Musik auch hören, wenn Jesus bei mir zu Besuch wäre, würde ich diesen Film mit IHM ansehen, würde ich IHM den Witz erzählen oder die Whats App Nachricht weiterleiten? Wie würde ich mich verhalten in Seiner Gegenwart? Sind wir uns wirklich bewusst, dass ER uns durch und durch kennt, dass ER jedes unserer Worte kennt, noch ehe wir sie aussprechen oder schreiben? ER wohnt durch Seinen Geist in uns, unser Leib ist der Tempel des Heiligen Geistes, Jesus ist alle Tage bei uns, wir sollten nicht so leben, als wäre ER ganz weit weg, und würde nichts mitbekommen.

Dass die Welt so lebt, als würde ER entweder gar nicht existieren oder zumindest nicht mitbekommen, was sich auf dieser Erde abspielt, mag ja sein. Dass der Gottlose sich sagt: "Er wird nicht nachforschen." "Es ist kein Gott!“, sollte uns auch nicht weiter überraschen, doch wir, die wir durch den Geist Gottes herausgerissen wurden aus der Finsternis, wir sollten nicht so leben, als wäre der HERR Luft für uns. Wie gesagt, vor IHM können wir nichts verbergen. Denken wir an Thomas, als Jesus den Jüngern nach der Auferstehung erschienen war, da war Thomas nicht anwesend. Als ihm die anderen später freudig berichteten, dass sie den HERRN gesehen hatten, sprach Thomas: „Wenn ich nicht in seinen Händen das Mal der Nägel sehe und meine Finger in das Mal der Nägel lege und lege meine Hand in seine Seite, so werde ich nicht glauben!“ (Joh 20,25). Doch was geschah, als Jesus den Jüngern das nächste Mal erschien und Thomas in ihrer Mitte war? Ich denke wir wissen es, Jesus sprach zu Thomas: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (Joh 20,27). Dies sollte bekannt sein, doch worauf ich hinauswill, ist folgendes: Woher wusste Jesus, was Thomas gesagt hatte? Oder eine andere Frage, woher wusste Gott zurzeit Maleachis, dass Sein Volk sich ungerecht behandelt fühlte? Wie kommt die Aussage: „Ihr redet hart gegen mich, spricht der HERR!“, zustande, woher wusste Gott, dass sie sprachen: „Ihr sagt: »Es ist umsonst, dass man Gott dient; und was nützt es, dass wir sein Gebot halten? (Mal 3,13-14). Es ist offensichtlich, weil eben genau das zutrifft, was David in Psalm 139 sagt: „Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest!“.

Wir haben also gesehen, dass Gott keines unserer Worte entgeht, wir haben zudem festgestellt, dass unser Gottesdienst vergeblich ist, wenn wir nicht auf das achten, was wir sagen. Ebenso macht die Schrift auch deutlich, dass wir eines Tages Rechenschaft über jedes unnütze Wort ablegen müssen. Welche Schlüsse können wir aus all dem ziehen? Ich möchte dazu als erstes eine gute Fragestellung weitergeben, die ich im Bibelkommentar von William MacDonald entdeckt habe, wo folgendes zu lesen ist: Wir sollten unseren Glauben mit Hilfe der folgenden Fragen prüfen: Lese ich die Bibel mit dem demütigen Verlangen, von Gott zurechtgewiesen, belehrt und verändert zu werden? Achte ich darauf, meine Zunge zu zügeln? Versuche ich, meine Laune zu rechtfertigen oder möchte ich Sieg über sie haben? Wie reagiere ich, wenn jemand mir einen schlüpfrigen Witz erzählen will?*

Soweit dieser kleine Glaubenstest, kommen wir zu einer weiteren Anwendung. Im Beitrag „Wie weit reichen unsere guten Vorsätze?“, habe ich bereits erwähnt, dass es wichtig ist, dass wir uns geistliche Ziele setzen. Wenn wir also nun durch das Wort Gottes erfahren, dass es Gott missfällt, wenn wir mit derselben Zunge, mit der wir IHN loben, unsere Mitmenschen fluchen, die nach Seinem Bild geschaffen sind. Wenn gesagt wird: Das soll nicht so sein, meine Brüder! Sprudelt auch eine Quelle aus derselben Öffnung Süßes und Bitteres hervor? Dann können wir, wie einst König David, in unserem Herzen folgenden Vorsatz fassen: „Ich sprach: Ich will auf meine Wege achthaben, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge; ich will meinen Mund im Zaum halten, solange der Gottlose vor mir ist!“ (Ps 39,2). 

Wenn wir aber zudem bedenken, dass Jakobus im selben Zusammenhang sagt: Denn jede Art der wilden Tiere und Vögel, der Reptilien und Meerestiere wird bezwungen und ist bezwungen worden von der menschlichen Natur; die Zunge aber kann kein Mensch bezwingen, das unbändige Übel voll tödlichen Giftes! Dann sehen wir, dass wir auf uns allein gestellt, nicht in der Lage sind unsere Zunge in den Griff zu bekommen, denn kein Mensch kann seine Zunge bezwingen. Wir müssen, um auf dieses Bild mit dem Schiff zurückzukommen, das Steuer in Gottes Hand geben. Menschliche Macht kann zwar wilde Tiere zähmen, aber die eigene Zunge bekommt der Mensch nicht in den Griff, dies liegt nur in der Macht Gottes. Darum ist es mit dem Vorsatz allein nicht getan, wichtig ist, dass wir diesen Vorsatz zu unserem Gebetsanliegen machen, und zwar zu einem beständigen. Machen wir doch folgende Psalmworte zu unserm Gebet: „Herr, stelle eine Wache an meinen Mund, bewahre die Tür meiner Lippen! Lass die Reden meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig vor dir sein, HERR, mein Fels und mein Erlöser! (Ps 141,3: 19,15).

 

*Quellangabe: William MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament, S 601, S 741

 

 


 

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