und

Das Gebet

28.12.2016

 

»Es ist nötig, allezeit zu beten und nicht nachlässig zu werden.« Lukas 18,1
»So will ich nun, dass die Männer an jedem Ort beten.« 1.Timotheus 2,8

 

Das Gebet ist unverzichtbar

Das Gebet ist absolut notwendig für unsere Errettung. Niemand, der von sich behauptet Christ zu sein, wurde ohne Gebet errettet. Ich stehe mit ganzem Herzen zu der Meinung, dass die Errettung ein Geschenk der Gnade Gottes ist. Selbst dem schlimmsten aller Sünder würde ich noch an seinem Sterbebett sagen: »Glaube an den Herrn Jesus Christus und du wirst errettet werden.« Aber ich finde in der Bibel keine Aussage, die uns lehrt, dass jemand errettet wird, ohne darum zu bitten. Genauso, wie niemand die Errettung durch Gebet verdient, wird es auch niemanden geben, der die Errettung ohne Gebet erlangt.
Es gibt einige Dinge, die jeder Mensch selbst tun muss, die keiner für einen Anderen übernehmen kann. Zum Beispiel kann kein Mensch für dich trinken oder essen. Wenn du etwas Bestimmtes erlernen möchtest, dann musst du dich hinsetzen und studieren; dies kann niemand für Dich übernehmen. Das Gleiche trifft auch auf geistliche Dinge zu. Niemand kann für dich Buße tun. Niemand kann für dich zu Christus kommen. Niemand kann für dich das Beten übernehmen. Du musst beten!
Es wird ein Tag kommen, an dem sich eine unzählbare Schar im Himmel versammeln wird, die gemeinsam dem Herrn ein Loblied singen wird (vgl. Offenbarung 7,9). Jeder Einzelne dieses himmlischen Chores hat an Christus geglaubt. Jeder Einzelne von ihnen hat die Reinigung von seinen Sünden erfahren. Jeder Einzelne hat seine Wiedergeburt erlebt. Und jeder Einzelne hat gebetet.
Kurz gesagt, ohne Gebet zu leben, heißt ohne Gott zu leben, ohne Christus zu leben, ohne die Gnade zu leben, ohne Hoffnung zu leben und ohne den Himmel zu leben. So sieht der Weg zur Hölle aus.

 

Das Gebet ist eines der deutlichsten Erkennungsmerkmale eines Christen

Das tägliche Gebet ist eines der deutlichsten Erkennungsmerkmale eines echten Christen. In einer Hinsicht sind alle Kinder Gottes gleich: sie alle beten! Das erste Lebenszeichen eines Neugeborenen ist ein Schrei. In gleicher Weise ist das erste Lebenszeichen eines wiedergeborenen Christen das Gebet. So, wie es für einen Säugling völlig natürlich ist zu schreien, so natürlich ist es für einen Christen, dass er betet. Er erkennt, dass er auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit angewiesen ist. Er fühlt die Leere und Schwachheit in sich. Deshalb fühlt er, wie nötig für ihn das Gebet ist.
In der ganzen Bibel finde ich nicht einen Mann Gottes, der nicht gleichzeitig auch ein Mann des Gebets gewesen wäre. Es ist charakteristisch für die Kinder Gottes, dass sie »den Vater anrufen« (1. Petrus 1,17), dass sie »den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen« (1. Korinther 1,2), während es charakteristisch für die Gottlosen ist, dass sie »den Herrn nicht anrufen« (Psalm 14,4).
Ich habe einige Biografien von gottesfürchtigen Christen der Kirchengeschichte gelesen. Sie unterschieden sich zwar in einigen Punkten, aber eines hatten sie alle gemein: sie waren Menschen des Gebets.
Mir ist bewusst, dass es auch Menschen gibt, deren Gebetsleben nur Fassade ist. Die Tatsache allein, dass ein Mensch betet ist noch kein Beweis für seine Geistlichkeit, denn schließlich kann er auch ein Heuchler sein. Aber eines kann ich mit Gewissheit sagen: wenn ein Mensch nicht betet, dann ist das ein deutlicher Beweis dafür, dass er auch noch kein Kind Gottes ist. Denn anscheinend ist ihm seine Sünde nicht bewusst, oder er hat keine Liebe zu Gott, oder kein Verlangen danach, heilig zu sein. Er mag so viel über Gott reden, wie er möchte – wenn er nicht betet, dann ist er auch kein Christ.
Ich bin auch der Meinung, dass das Vorhandensein eines intensiven Gebetslebens, das deutlichste Zeichen für das Vorhandensein des Heiligen Geistes in einer Person ist. Ein Mensch kann viele Bücher oder tolle Predigten schreiben, aber das alles kann er aus falscher Motivation tun. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Mensch sich zurückzieht, um allein, im Gebet vor seinen Gott zu treten, um ihm sein Herz auszuschütten, ohne dass er dies auch ernst meint. Gott hat selbst das Gebet als ein deutliches Anzeichen der Umkehr bezeichnet. Als er dem Ananias befahl, nach Saulus zu sehen, sagte Er zum Beweis für die Bekehrung des Saulus: »Siehe, er betet.« (Apostelgeschichte 9,11).
Es gibt Menschen, die lange Irrwege gehen, bis sie zum Glauben kommen. Sie gehen durch viele Überzeugungen, Wünsche, Gefühle, Entscheidungen, Hoffnungen und Ängste. Aber all diese Dinge führen sie letztendlich zu nichts. Ein aufrichtiges Gebet hingegen, das von einem zerschlagenen Herzen kommt, hat mehr Wert, als alles andere zusammen. Die erste Handlung, die unser Glaube hervorbringt, ist das Gebet. Das Gebet ist der Lebensodem des Glaubens.

 

Das Gebet ist die am meisten vernachlässigte Pflicht des Christen

Keine christliche Pflicht ist so vernachlässigt, wie die des Gebets. Früher dachte ich, dass all jene, die sich Christen nennen, auch beten würden. Mittlerweile bin ich davon nicht mehr überzeugt; stattdessen denke ich, dass viele von denen, die sich Christen nennen, noch nie gebetet haben. Das persönliche Gebet ist etwas sehr privates zwischen Gott und uns – da niemand es sehen kann. Und gerade deshalb ist man auch sehr versucht, es zu vernachlässigen.
Ich glaube, dass viele nie auch nur ein einziges Wort im Stillen gebetet haben. Sie essen und trinken, gehen schlafen und wachen auf, leben auf Gottes grüner Erde und genießen alles, was ihnen geboten wird. Ihre Leiber werden irgendwann sterben und vor ihnen liegt der Tag des Jüngsten Gerichts. Und trotzdem haben sie nie ein Wort an Gott gerichtet.
Ich glaube auch, dass für viele das Gebet nicht mehr ist, als schön aneinander gereihte Worte. Manche sprechen auswendiggelernte Gebete, ohne sich über den Sinn im Klaren zu sein. Auch, wenn das Gebet vielleicht einen guten Inhalt hat (wie das Vaterunser), leiern es manche einfach nur herunter, ohne darüber nachzudenken. Wir können uns sicher sein, dass Gott so etwas nicht als Gebet ansieht. Gebet ist viel mehr, als nur irgendwelche Worte auszusprechen. Gebet schließt unser Herz mit ein. Saulus hat vor seiner Bekehrung bestimmt eine Menge Gebete gesprochen – aber erst dann, als er es mit einem zerschlagenen Herzen tat, sagte Gott: »er betet!«

Wenn dich das alles überrascht, dann bedenk einmal folgende Tatsachen:

  • Beten ist nichts Natürliches. Das natürliche Verlangen unseres Herzens ist, vor Gott zu fliehen. Von Natur aus lieben wir ihn nicht, wir haben Angst vor ihm. Von Natur aus haben wir keine Empfindung für unsere Sünden oder für unsere geistliche Not. Wir kennen von Natur aus nicht den Wunsch ein heiliges Leben zu führen. Aus diesem Grund sieht der natürliche Mensch keine Notwendigkeit zu beten.
  • Beten ist nichts Gewöhnliches. An die meisten verbalen Aktivitäten sind die Menschen gewohnt, aber beten ist für sie etwas Ungewöhnliches. Für die meisten Menschen wäre es etwas seltsames, fast Peinliches, in der Öffentlichkeit zuzugeben, dass sie täglich beten. In Anbetracht dieser Tatsache glaube ich, dass nur wenige Menschen beten.

Wenn wir das Leben der meisten Menschen betrachten und sehen, wie sie an ihren Sünden hängen, haben wir dann einen Grund zu glauben, dass sie beständig im Gebet gegen die Sünde kämpfen? Wenn wir sie sehen, wie sie sich mit den Dingen dieser Welt beschäftigen, haben wir dann einen Grund zu glauben, dass sie Gott um Gnade zum Dienst bitten? Wie sollten sie auch, wenn sie sich überhaupt nicht für Gott interessieren? Gebet und Sünde passen niemals zusammen. Entweder tötet das Gebet die Sünde oder die Sünde wird das Gebet töten. Wenn ich darüber nachdenke und mir dann die Lebensweise Vieler anschaue, dann glaube ich, dass nur sehr wenige beten.
 

Das Gebet ist der Schlüssel zur Heiligkeit

Ausdauer im Gebet zu haben ist der Weg zu einer herausragenden Heiligkeit. Es besteht kein Zweifel, dass einige Christen in ihrem Glaubensleben mehr erreichen, als andere. Da sind solche, die ihr Leben lang Kleinkinder im Glauben bleiben, bei denen es so scheint, als würden sie niemals geistlich wachsen. Sie haben immer und immer wieder mit bestimmten Sünden zu kämpfen, sie meiden tiefe biblische Lehre, weil sie sie nicht vertragen und dadurch ist ihr Interesse in geistliche Dinge so gering, dass sie niemals über ihren gegenwärtigen Zustand hinauswachsen. Und dann gibt es solche, die immer zu wachsen scheinen, die immer mehr von ihrem Leben mit Christus profitieren. Ihr Glaube wird stärker, ihre guten Taten sind zahlreich, sie unternehmen großartige Dinge für Gott. Wenn sie fallen, dann stehen sie wieder auf und wenn sie Fehler begehen, dann versuchen sie es das nächste Mal richtig zu machen. Sie erkennen von sich selbst, dass sie schwache und geringe Diener sind – und sie sind dennoch diejenigen, die mit ihrem ganzen Leben Christus verkündigen.
Wie ist dieser Unterschied zu erklären? Warum sind manche Christen viel heiliger als andere? Ich persönlich glaube, dass in neun von zehn Fällen, das persönliche Gebet den Unterschied macht. Ich glaube, dass diejenigen, die ein heiligeres Leben führen, dies tun, weil sie ein andauerndes Gebetsleben führen. Wenn Du die Biografien großer Gottesmänner liest, wirst Du erkennen, dass es wahr ist. Kein Christ wurde zu einem bedeutenden Christen, ohne ein bedeutendes Gebetsleben. Wenn es dein Wunsch ist, als Christ zu wachsen, dann musst Du lernen, wie wertvoll das Gebet ist.

 

Abschließende Anmerkungen:

  • Bleib beständig im Gebet. Lass dich durch nichts entmutigen. Du magst oft Entmutigungen erleben und dein Gebetsleben kann manchmal ein richtiger Kampf sein. Aber das ist nichts Ungewöhnliches. Der Teufel hasst es, wenn wir beten, also müssen wir weiterbeten. Lass mich dir einen brüderlichen Rat mit auf den Weg geben: Denke immer daran, wie wichtig Ehrfurcht und Demut für das Gebet sind. Halte dir vor Augen, wer Gott ist und wer du bist.
     
  • Sei ehrlich in deinen Gebeten. Es ist das »aufrichtige Gebet«, das viel bewirkt (vgl. Jakobus 5,16). Anmerkung: Dies wird auch darin deutlich, dass uns in 1.Timotheus 1,5 gesagt wird: Das Endziel der Weisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.
     
  • Bete im Glauben. Wir müssen daran glauben, dass Gott unsere Gebete erhört, wenn wir in Seinem Willen beten (vgl. Markus 11,24). Wenn du betest, musst du auch eine Antwort auf deine Gebete erwarten.
     
  • Bete gezielt. Bekenne jede deiner bewussten Sünden, bete gezielt für deine Schwächen und sage Gott genau das, was du gerade brauchst.
    Denke daran, wie wichtig es ist, für Andere zu beten. Achte darauf, dass deine Gebete sich nicht auf deine Anliegen beschränken.

     
  • Sei dankbar im Gebet. Wir haben sehr viel Grund zum Danken und ich wage es, zu behaupten, dass ein Gebet erst dann ein richtiges Gebet ist, wenn es Dank enthält.
     

Zuletzt möchte ich an die Pflicht erinnern, auf das Gebet zu achten. Viele Christen erleben, gute Zeiten im Gebet und dann beginnt ihr Gebetsleben nach und nach abzuflachen. Das Gebet ist wie ein geistlicher Puls – man kann durch es erfahren, ob man geistlich gesund ist, oder nicht. Also, gib Acht auf dein Gebetsleben. Wenn du das tust, dann wäre ich sehr überrascht, wenn es in deinem geistlichen Leben an etwas mangeln würde.

 

 


Dies war ein kleiner ein Auszug aus dem nachfolgend genannten Buch von John Charles Ryle, entnommen aus dem Kapitel über das Gebet. Das komplette Kapitel ist unter dem LINK bei der Quellangabe zu finden. Ebenso sei erwähnt, dass dieses Buch wirklich sehr zu empfehlen ist, und sich auch gut zum Verschenken eignet.

© Herold-Verlag, J. C. Ryle: „Mit Gott auf dem Weg

 

 

 

www.evangeliums-botschaft.de

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