und

Das Schwert des Geistes

18.08.2016

Nehmt das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist (Eph 6,17).

Christ zu sein bedeutet, ein Krieger zu sein. Der gute Soldat Jesu Christi darf nicht erwarten, dass es für ihn in dieser Welt leicht sein wird – diese Welt ist ein Kampfplatz. Auch darf er nicht auf die Freundschaft der Welt hoffen, denn dies wäre Feindschaft gegen Gott. Seine Berufung ist der Kampf. Während er die Rüstung, die ihm gegeben wurde, Stück für Stück anlegt, kann er sich selbst die weisen Worte zusprechen: „Dies erinnert mich an Gefahr, dies bereitet mich auf den Kampf vor, dies sagt mir, dass ich auf Widerstand stoßen werde.“

   Aus unserem Text geht deutlich hervor, dass unser Sieg nur durch Kampf errungen wird. Viele versuchen es mit Kompromissen, aber wenn du ein wahrer Christ bist, kannst du so nicht handeln. Die Sprache der Täuschung ist einer heiligen Zunge nicht angemessen. Unser Gegner ist der Vater der Lüge, und alle, die auf seiner Seite stehen, üben sich in der Kunst der Zweideutigkeit, aber die Heiligen verabscheuen dies. Wenn wir über Bedingungen für Frieden verhandeln und versuchen, etwas durch Politik zu erreichen, haben wir uns auf einen Weg begeben, der uns Schande bringen wird. Wir haben von unserem göttlichen Feldherrn nicht den Auftrag erhalten, einen Waffenstillstand auszuhandeln oder Bedingungen, die für uns so gut wie möglich sind. Wir wurden nicht ausgesandt, um Zugeständnisse zu machen! Manche sagen, wenn wir ein wenig nachgeben, wird die Welt auch uns ein wenig entgegenkommen, und es könnte daraus etwas Gutes entstehen. Wenn wir nicht zu strikt und zu eng sind, dann wird Sünde vielleicht ein wenig anständiger erscheinen. Dies sei ferne! Das ist gewiss nicht der Befehl, den wir von unserem Feldherrn erhalten haben. Wenn Friede geschlossen werden soll, wird Er den Frieden schließen, Er wird es tun, oder Er wird uns sagen, was wir tun sollen. Aber gegenwärtig haben wir andere Befehle.

   Wir sollten auch nicht darauf hoffen, etwas zu gewinnen, wenn wir uns neutral verhalten oder wenn wir gelegentlich einen Waffenstillstand anbieten. Wir sollen vor Konflikten nicht zurückschrecken und mit den Feinden unseres HERRN so einvernehmlich verfahren wie möglich, indem wir ihre Versammlungen besuchen, um ihre Verlockungen zu genießen. Solche Befehle finden wir nicht in der Schrift. Ihr sollt eure Waffen ergreifen und in den Kampf ziehen.

   Keiner sollte davon träumen, die Schlacht zufällig zu gewinnen. Kein Mensch wurde jemals heilig durch einen glücklichen Zufall. Unendlicher Schaden entstand durch Unachtsamkeit, aber niemand hat jemals den Kampf des Lebens dadurch gewonnen. Die Dinge laufen zu lassen, wie sie sind, führen in die Hölle. Wir haben nicht den Befehl, uns still zu verhalten und Dinge auf die leichte Schulter zu nehmen. Nein, wir sollen allezeit beten und beständig wachsam sein. Der eine Satz, der aus dem Text spricht, ist dieser: Nehmt das Schwert des Geistes! Nehmt das Schwert des Geistes! Es bedeutet nicht diskutieren oder debattieren! Es bedeutet nicht verhandeln oder Kompromisse machen. Das donnernde Wort heißt: Nehmt das Schwert! Die Stimme unseres Feldherrn ist klar wie eine Trompete: Nehmt das Schwert! Kein Christ wird diesem Text gehorsam sein, wenn er nicht mit klarer, kantiger und entschiedener Standhaftigkeit, mit Mut und Entschiedenheit, das Schwert ergreifen wird! Wir müssen in den Himmel eingehen mit dem Schwert in der Hand.

   Das Wort Gottes, das unsere Waffe ist, stammt aus edler Quelle, denn es ist das Schwert des Geistes. Es hat die Eigenschaften eines Schwertes, denn es ist der Geist Gottes, der ihm diese Eigenschaften gegeben hat. Wir sehen, es ist der Heilige Geist, der ein Schwert hat. Er ist still wie der Tau, sanft wie Salböl, zart wie die Zephirlilie in der Abenddämmerung und friedfertig wie eine Taube. Und doch, dies ist ein anderer Aspekt, er schwingt eine tödliche Waffe. Er ist ein Geist des Gerichts und des Feuers, und er trägt sein Schwert nicht umsonst. Von ihm kann gesagt werden: „Der Herr ist ein Kriegsmann, Herr ist sein Name.“

   Das Wort Gottes in der Hand des Geistes fügt tödliche Wunden zu und lässt das Herz des Menschen bluten. Können einige unter euch sich daran erinnern, wie ihr Sonntag für Sonntag von seinem Schwert getroffen wurdet? Wart ihr nicht so betroffen, dass ihr ärgerlich wurdet? Ihr hattet euch beinahe entschlossen, nie wieder das Evangelium zu hören. Dieses Wort verfolgte euch und drang durchs Herz bis in die Geheimnisse eurer Seelen – und es fügte euch tausend Wunden zu. Schließlich war euer Herz von Nadelstichen übersät, was besser ist als im Herzen getroffen zu sein – und dann kam die Hinrichtung! Die Wunde war tödlich, und niemand als der, der töten kann, hat dich lebendig gemacht! Erinnerst du dich daran, wie deine Sünden getötet wurden, eine nach der anderen? Der Nacken der Sünde wurde auf den Schlachtpflock gelegt, und der Geist übte mit seinem Schwert das Amt des Henkers aus. Danach, Gott sei gedankt, wurden auch deine Ängste, Zweifel, Hoffnungslosigkeit und dein Unglaube in Stücke zerhackt durch dieses Wort. Das Wort gab dir Leben. Aber zunächst war es etwas, das alles tötete. Deine Seele war wie ein großes Schlachtfeld nach einem großen Kampf unter dem Wirken des göttlichen Geistes, dessen Schwert aus dem Kampf nicht leer zurückkommt.

   Geliebte, der Geist Gottes ist von Generation zu Generation im Kampf mit Amalek, mit dem Bösen und mit dem Irrtum. Er wird keines der Übel schonen, die heute die Nationen beschmutzen. Sein Schwert wird nicht zur Ruhe gelangen, bis alle Kanaaniter zerstört sind. Der Heilige Geist verherrlicht nicht nur Christus durch das, was er offenbart, sondern auch durch das, was er zerstört. Der Kampf mag kräftezehrend sein, aber er wird von Zeitalter zu Zeitalter geführt werden, bis der Herr Jesus erscheint, denn der Geist Gottes wird stets dafür kämpfen, dass Liebe über Hass siegt, die Wahrheit Gottes über den Irrtum, die Heiligkeit über die Sünde und Christus über Satan! Er wird Sieger sein, und diejenigen, die mit ihm sind, werden durch seine Macht mehr als Überwinder sein. Der Heilige Geist hat den Krieg erklärt, und er führt ein zweischneidiges Schwert.

   Das Wort Gottes, das wir weitersagen, ist das einzige Schwert, das der Heilige Geist gebraucht. Ich weiß, dass der Heilige Geist Predigten der Gnade benutzen kann, aber dies ist nur insofern möglich, wie Gottes Wort darin enthalten ist. Ich weiß, der Heilige Geist kann christliche Literatur benutzen, aber dies ist nur insofern möglich, wie Gottes Wort ausgeteilt wird. Die Überführung von Sünde, die Bekehrung und der Trost werden alleine durch Gottes Wort gewirkt. Erlerne also die Weisheit, das Wort Gottes für heilige Zwecke zu gebrauchen. Der Heilige Geist ist Gott und daher ist er der größte Geist im gesamten Universum. Alle Weisheit wohnt in ihm.

   Ein Kriegsmann würde alle Sorgfalt aufwenden, um sein eigenes Schwert zu schmieden. Hätte ein Mann sein eigenes Schwert gemacht, hätte er das Metall gehärtet, hätte er die Klinge vielfach durchs Feuer gehen lassen und ein vollkommenes Schwert geschaffen, dann könnte er das Vertrauen in sein Schwert setzen, sofern er ein begabter Schmied ist. Heute ist es die Regel, dass ein Produkt, wenn es fertiggestellt ist, von geringer Qualität ist. Gewöhnlich werden Aufträge heute schlampig ausgeführt. Aber wenn ein Mann etwas für sich selbst anfertigt, dann wird er es wahrscheinlich sehr gründlich tun und etwas herstellen, worauf er sich verlassen kann. Der Heilige Geist hat dieses Buch der Bibel geschaffen, er selbst – jeder Teil des Buches enthält seine Initialen und seine Prägekraft – und daher verfügt er über ein Schwert, das es wert ist, von seiner Hand geführt zu werden, eine Klinge „Made in Jerusalem“ von einer himmlischen Fabrik. Es gefällt ihm, eine so göttliche Waffe zu führen, und er gebraucht sie in herrlicher Weise!

   Das Wort Gottes ist überdies das Schwert des Geistes, weil es eine Klinge hat. Weil der Heilige Geist darin ist, ist die Klinge scharf und durchdringend. Ich glaube an die Inspiration der Heiligen Schrift, nicht nur in Bezug auf ihre Niederschrift, sondern bis heute. Sie ist noch heute inspiriert. Der Heilige Geist haucht diesen ausgewählten Worten Leben ein. Ich sagte euch, dass das Schwert durchweg scharf ist, aber ich muss hinzufügen, dass es der Heilige Geist ist, der es scharf macht. Es hätte überhaupt keine Schärfe, wenn nicht der Heilige Geist darin wäre und ihm ständig Schärfe geben würde. Wie viele Leute lesen ihre Bibel und haben keinen Nutzen davon. Die Prediger des Evangeliums mögen Gottes Wort in aller Aufrichtigkeit und Reinheit verkündigen, doch wenn der Heilige Geist nicht gegenwärtig ist, dann könnten sie gleichfalls moralische Essays halten, und nichts Gutes käme daraus hervor. Der Heilige Geist fährt auf dem Streitwagen des Wortes umher und nicht in einem Wagen des modernen Denkens. Die Schrift ist die Bundeslade, die das goldene Gefäß mit Manna enthält, und das göttliche Licht der Herrlichkeit des Herrn strahlt über ihr auf. Der Heilige Geist Gottes wirkt durch und mit dem Wort Gottes – und wenn wir diesem Wort gehorchen, können wir gewiss sein, dass der Heilige Geist mit uns sein wird und unser Zeugnis kraftvoll machen wird. Lasst uns darum beten, dass der Heilige Geist das Herz der Zuhörer durch unsere Verkündigung ergreift, damit wir nicht viel reden und wenig erreichen. Erhöre uns in dieser Hinsicht, o du Gepriesener!

   Das Wort Gottes ist das Schwert des Geistes, weil der Heilige Geist alleine uns unterweisen kann, es zu benutzen. Junger Mann, denkst du, dass du deine Bibel nehmen und sofort predigen kannst, in richtiger Weise und mit Erfolg? Dann machst du in deinem Hochmut einen Fehler? Ein Schwert ist eine Waffe, die denjenigen verletzen kann, der es in seinem übermütigen Stolz führt. Niemand kann das Schwert des Geistes recht führen, es sei denn er ist der erwählte Mann, den Gott vor Grundlegung der Welt berufen und in der Kunst der Kampfführung ausgebildet hat. Daran erkennt man die Erwählten – sie lieben Gottes Wort und sie haben Ehrfurcht vor dem Wort – und sie können zwischen dem Wort der Menschen und dem Wort Gottes unterscheiden. Seht auf die Lämmer auf der Weide, und es mögen dort Tausend Mutterschafe und Lämmer sein, aber die Lämmer finden stets den Weg zur Mutter. In gleicher Weise weiß ein wahres, wiedergeborenes Gotteskind, wohin es sich wenden muss für die Milch, die seine Seele nährt. Gottes eigenes Volk verfügt über das Unterscheidungsvermögen, wo es Gottes Wort findet, das ihnen wohltut. Sie werden sich nicht von der verschlagenen List menschlicher Gedanken irreführen lassen! Die Heiligen kennen die Schrift durch ihren inneren Instinkt! Das heilige Leben, das Gott durch den Heiligen Geist den Gläubigen in ihr Inneres gegossen hat, liebt die Schrift und lernt es, die Schrift für heilige Dinge zu nutzen.

   Du musst nicht nur selbst fest stehen, sondern du musst Seelen für Christus gewinnen. Versuche nicht, die Sünde anderer zu bezwingen oder das Herz anderer für Christus zu gewinnen, es sei denn du gebrauchst das Schwert des Geistes. Wie lacht doch der Teufel, wenn wir versuchen, Bekehrte ohne die Heilige Schrift und ohne den Heiligen Geist zu machen. Er lacht, er macht unsere Torheit lächerlich. Was könnt ihr tun mit euren kleinen Spielzeugschwertern aus Holz – was könnt ihr erreichen, wenn jemand von Kopf bis Fuß die Rüstung der Sünde trägt? Ihr Prediger, versucht nicht, originell zu sein, sondern gebt euch damit zufrieden, die Dinge des Christus zu nehmen und diese den Menschen zu zeigen, denn darin wirkt der Heilige Geist, und ihr handelt weise, wenn ihr seine Methoden und sein Schwert einsetzt. Kein Sünder wird errettet werden, es sei denn er erkennt die Wahrheiten in Gottes Wort. Kein Mensch wird jemals zur Buße, zum Glauben und zum Leben in Christus geführt werden, es sei denn er wird der Wahrheit durch den Heiligen Geist ausgesetzt.

   Ich höre große Töne, großes Geschrei allerorts über große Dinge, die kommen sollen – wir werden es sehen. Die ganze Welt wird in die Gemeinde kommen, so sagen sie. Ich befürchte, dass die Welt nicht besser werden wird, wenn man sie in die Gemeinde aufnimmt. Diejenigen, die prahlen, sollten auf diese weisen Worte hören: „Der, der seine Rüstung anlegt, soll sich nicht mehr rühmen als der, der seine Rüstung ablegt.“ Wenn ein Kriegsmann mit etwas anderem als dem Schwert des Wortes Gottes in den Kampf zieht, dann sollte er es besser sein lassen, sich zu rühmen, denn er wird zurückkommen mit einem zerbrochenen Schwert, ohne seinen Schild, und er selbst wird ohne Ehre sein. Niederlage wird das Los des Mannes sein, der das Wort des Herrn verlässt.

 


Am 19. April 1891, wenige Monate vor seinem Tod im Januar 1892, predigte Spurgeon über das Schwert des Geistes (The Sword of the Spirit).

 

 

Ursprüngliche Quelle und Dank:distomos.blogspot.commehr dazu unter dem Vorwort

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