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Das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl

Veröffentlicht am 02.04.2016

Am Ende der vierteiligen Beitragsreihe „Hosianna oder kreuzige ihn?“, habe ich das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl angeführt. Als Ergänzung dazu möchte nun abschließend, etwas näher auf die lehrreichen Worte des Herrn eingehen, die uns wie folgt überliefert wurden:

Und Jesus begann und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sprach:
Das Reich der Himmel gleicht einem König, der für seinen Sohn das Hochzeitsfest veranstaltete. Und er sandte seine Knechte aus, um die Geladenen zur Hochzeit zu rufen; aber sie wollten nicht kommen. Da sandte er nochmals andere Knechte und sprach: Sagt den Geladenen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet; meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit! 

Sie aber achteten nicht darauf, sondern gingen hin, der eine auf seinen Acker, der andere zu seinem Gewerbe; die übrigen aber ergriffen seine Knechte, mißhandelten und töteten sie. Als der König das hörte, wurde er zornig, sandte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Geladenen waren nicht würdig. Darum geht hin an die Kreuzungen der Straßen und ladet zur Hochzeit ein, so viele ihr findet! Und jene Knechte gingen hinaus auf die Straßen und brachten alle zusammen, so viele sie fanden, Böse und Gute, und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen. Als aber der König hineinging, um sich die Gäste anzusehen, sah er dort einen Menschen, der kein hochzeitliches Gewand anhatte; und er sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an? Er aber verstummte. Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, führt ihn weg und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Da wird das Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt! (Mt 22,1-14).

Ist das nicht eine ungeheuerliche Respektlosigkeit gegenüber dem König? Da lädt er seine Untertanen zur Hochzeit seines Sohnes ein, doch anstatt sich die Leute geehrt fühlen und freudig zusagen, lehnt einer nach dem anderen unter irgendeinem Vorwand ab. Sie schenken der Einladung des Königs keinerlei Beachtung, seien es Äcker oder Gewerbe, alles scheint wichtiger, als die Teilnahme am königlichen Hochzeitsmahl. Doch nicht nur das, manche gehen sogar noch auf seine Knechte los, misshandeln und töten sie.

Versuchen wir doch mal dies auf unsere Zeit zu übertragen. Stellen wir uns vor, wir wären zu einem Staatsbankett geladen. Würden wir uns nicht verwundert fragen, ob hier ein Irrtum vorliegt? Würden wir nicht denken, dies muss wohl eine Verwechslung sein? Welches Staatsoberhaupt würde schon ganz gewöhnliche Menschen aus dem Volk, zu so einer bedeutenden Feierlichkeit einladen? Wahrscheinlich hätten wir nicht mal die passende Kleidung für solch einen Anlass, doch die Diener würden uns versichern, dass wir maßgeschneiderte Kleidung auf Staatskosten bekommen würden. Würden wir eine solche Einladung etwa ignorieren? Würden wir hier tatsächlich absagen?
Doch nehmen wir mal an, wir wären tatsächlich so dreist, was würde es über uns aussagen? Oder vielmehr, was würde es wohl über unsere Einstellung gegenüber dem Gastgeber aussagen? Wäre nicht schon allein unsere Ablehnung ein Zeichen der Geringschätzung, wenn nicht gar der Verachtung? Und wie viel mehr Verachtung hätten wohl jene, die die Überbringer dieser Einladung misshandeln und töten würden? Genau diese Verachtung, diese Ablehnung und diesen abgrundtiefen Hass gegenüber Gott und seinem Sohn, bringt Jesus in diesem Gleichnis zum Ausdruck.

Gehen wir auf eine andere Ebene, stellen wir uns vor, die Einladung käme von einem Menschen, der uns sehr viel bedeuten würde. Nehmen wir an, es wäre jemand, der sehr viel für uns getan hätte und dem wir wahnsinnig viel zu verdanken hätten. Wie würden wir auf seine Einladung reagieren? Würden wir hier etwa auch mit faulen Ausreden kommen? Würden wir seine Einladung etwa auch ignorieren nach dem Motto: „Sorry, ich habe schon etwas Besseres vor!“? Wohl kaum. Aber wo wäre es denn der Fall, bei wem wären wir denn um keine Ausrede verlegen? Na klar, bei jemand der uns nichts bedeutet, jemand dessen Gemeinschaft wir nicht schätzen. Da würden wir selbst unsere Arbeit vorziehen, denn wir würden es als reine Zeitverschwendung ansehen, uns mit dieser Person abzugeben.

Ist es nicht krass, dass Jesus solch ein drastisches Bild benutzt, um uns zu verdeutlichen, wie kaputt und zerrissen, die Beziehung zwischen Gott und Mensch in Wahrheit ist? Und zeigt es nicht auch deutlich, dass die Feindschaft vom Menschen ausgeht, und nicht von Gott? Er will die Versöhnung, nur der Mensch weigert sich und will nichts davon hören. Um dieser Versöhnung willen wurde Gottes Sohn Mensch und kam auf diese Erde, doch gleich zu Beginn des Johannes Evangeliums lesen wir die erschütternden Worte: Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf (Joh 1,11). Und im fünften Kapitel, sagt Jesus: „Ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet“(Joh 5,40).
Doch dieses traurige Bild, zeigt zum Glück nur die eine Seite, erfreulicherweise gibt es noch eine andere, und die sehen wir darin, dass der Hochzeitssaal am Ende voll wurde. Das ist ein Bild für die unzählbare Schar jener, die der Einladung des Königs gefolgt sind und noch folgen werden. Der Apostel Johannes, dem ein Einblick in die Zukunft gewährt wurde, gibt uns dazu einen wunderbaren Ausblick, indem er schreibt: Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm! (Offb 7,9-10).

Jesus Christus, das Lamm Gottes, starb nicht umsonst den qualvollen Kreuzestod, sein Lohn sind all jene, die Gottes Einladung annehmen. Und genau dies ist Sinn und Zweck von diesem Gleichnis, es geht um die Einladung ins Reich Gottes. Denn der König im Gleichnis steht für Gott, sein Sohn steht für Jesus, die Diener sind die Überbringer der guten Nachricht und die Adressaten sind wir. Die Einladung ergeht also an jeden von uns persönlich. Der Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, der König der Könige, lädt uns durch diese Worte ein, in sein Reich zu kommen.
Ist das nicht umwerfend? Der hocherhabene Gott, der über allem thront und spricht: „Ich bin der HERR, und sonst gibt es keinen Gott!“ (Jes 45,18), lädt ganz gewöhnliche Leute ein? Menschen ohne großartige Privilegien, ohne Ehrentitel, ohne Status, ohne Rang und Namen, einfach nur ganz gewöhnliche Leute aus dem Volk. Doch die entscheidende Frage lautet: Wie reagieren wir darauf? Gehören wir auch zu jenen, die tausend Ausreden parat haben, oder nehmen wir diese außergewöhnliche Einladung freudig an? Gottes Wort führt immer zu einer Reaktion. Welche Reaktion es bei uns auslöst, kann nur jeder für sich selbst beurteilen.

Wie im Gleichnis gesehen, gab es solche, die seine Einladung annahmen, und solche, die sie ablehnten. Da waren Leute, die sich nichts aus der Einladung machten, die es nicht scherte, aber auch noch jene, die es nicht einmal dabei bewenden ließen, ihre Abneigung durch Ignoranz zum Ausdruck zu bringen. Nein, ihre Ablehnung gegen den König, ging sogar soweit, dass sie seine Knechte misshandelten und töteten. Wie abgrundtief muss wohl der Hass dieser Menschen auf den König und seinen Sohn sein, dass sie derart bösartig auf diese freundliche Einladung regieren?
Jesus hatte seinen Jüngern diesen Hass um seinetwillen mehrfach angekündigt (vgl. Mt 10,22: 24,9; Mk 13,13; Lk 6,22: 21,12+17, Joh 15,18) und seine Worte haben sich bewahrheitet. Dieser unbegründete Hass gegen den Herrn (Joh 15,25; Ps 69,5), der in der Kreuzigung gipfelte, hat sich bis heute fortgesetzt. Angefangen von den Aposteln, bis hin zu den Christenverfolgungen in unserer Zeit, starben und sterben weltweit, unzählige seiner treuen Zeugen den Märtyrertod (vgl. Offb 6,9-11).

Wenn auch auf traurige und erschütternde Weise, wird darin deutlich, dass die Botschaft vom Kreuz, eine Reaktion auslöst. Eine Reaktion, die wie schon erwähnt, auf der einen Seite Ablehnung in Form von Gleichgültigkeit oder Aggression, bis hin zu Hass und Totschlag auslöst. Doch auf der anderen Seite, und das ist das Erfreuliche, haben unzählige Menschen das Gnadenangebot Gottes angenommen. Und all jenen, die dieser Einladung bislang noch nicht gefolgt sind, sei gesagt, dass dieses Gnadenangebot noch Gültigkeit hat. Noch leben wir in der Gnadenzeit, noch steht die Tür zum Reich Gottes offen, noch gelten seine Worte: „Kommt her zu mir, alle!“ (Mt 11,28).  
Gott hat durch das Evangelium die Vorkehrung für unsere Errettung getroffen, wenn wir dennoch verloren gehen, weil wir seinen Heilsplan missachten, liegt es nicht in seiner, sondern allein in unserer Verantwortung. Weil Gott uns liebt, legt er uns in aller Eindringlichkeit nahe, die Einladung nicht auszuschlagen. Im Lukas Evangelium, in dem der Herr dieses Gleichnis in leicht abgewandelter Form erzählt, berichtet ein Knecht seinem Herrn, das noch Raum da sei, worauf dieser erwidert: „Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde“ (Lk 14,22-23).

In der Tatsache, dass der Herr seinen Knecht dazu auffordert, die Leute zu nötigen, diese Einladung anzunehmen, sehen wir, wie wichtig dem Herrn unsere Errettung ist. Er hat genügend Raum geschaffen, niemand wird aufgrund von Platzmangel aus dem Himmelreich ausgeschlossen werden, das Opfer, das Jesus am Kreuz vollbracht hat, reicht für alle aus. Und keine Schuld ist zu groß, dass sie nicht durch sein Blut ausgetilgt werden könnte. Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden (Röm 5,20b).
Wie barmherzig Gott ist, sehen wir auch darin, dass er seine Boten trotz vieler Ablehnungen mehrmals ausgesandt hat. Es besteht also kein Zweifel darin, dass er nicht will, dass wir aufgrund unserer Sünde verloren gehen. Er will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1.Tim 2,4). Daher finden wir bereits im Alten Testament die rhetorische Frage: Sollte ich wirklich Gefallen haben am Tod des Gottlosen, spricht der Herr, HERR, nicht vielmehr daran, dass er von seinen Wegen umkehrt und lebt? (Hes 18,23).
Dass er in seiner unbegreifliche Liebe alles Erdenkliche unternommen hat, sehen wir darin, dass er wirklich bis zum Äußersten gegangen ist: Nicht einmal seinen eigenen Sohn hat er verschont, sondern hat ihn um unserer Sünde willen dahingegeben (vgl. Röm 8,32). Und mehr noch, die Schrift sagt: Dass Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechneten (2.Kor 5,19).

Wenn uns das kalt lässt, und wir dieses alles überwältigende Versöhnungsangebot ablehnen, dann wird es am Tage des Gerichts kein Erbarmen mehr für uns geben. Wie schon gesagt, noch ist Gnadenzeit, noch steht die Tür für unsere Rettung offen. Doch wir dürfen den Reichtum von Gottes Güte, Geduld und Langmut nicht verachten, sondern sollten darin vielmehr erkennen, dass uns seine Güte zur Buße zu leiten soll (vgl. Röm 2,4). Um hier nur ein Beispiel für Gottes Langmut und Geduld herauszugreifen, möchte ich kurz auf die Tage Noahs eingehen. Jesus selbst hatte an anderer Stelle darauf Bezug genommen, indem er sagte: Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohns: Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um (Lk 17,26-27, vgl. Lk 14,17-20).
Gott gab dieser Generation eine sehr lange Frist, als er abwartete, während die Arche gebaut wurde (vgl. 1.Pt 3,20). 120 Jahre hat Noah an der Arche gebaut, 120 Jahre kündigte er dadurch das bevorstehende Gericht Gottes an. (Anmerkung: Zu dieser Zeit hatten die Menschen eine höhere Lebenserwartung). Ist es nicht erschütternd, dass keiner seiner Zeitgenossen die Botschaft vom bevorstehenden Gericht ernst genommen hat? 120 Jahre stand die Tür zur Arche offen, 120 Jahre wurde Noah belächelt. Bestimmt sah man in ihm eine Spaßbremse, wahrscheinlich war die Arche vielen ein Dorn im Auge, so wie es heute das Kreuz ist. Doch es liegt immer im Auge des Betrachters, wer die Arche nur von außen sah, war hoffnungslos verlorenen, wer jedoch in der Arche war, der war in Sicherheit, der war gerettet. Bedenken wir auch, es war nicht Noah, sondern Gott selbst, der die Tür der Arche verschlossen hat (vgl. 1.Mo 7,16). Für alle, die zu diesem Zeitpunkt außerhalb der Arche waren, gab es keine Möglichkeit mehr zur Umkehr, für sie war es zu spät, um dem göttlichen Gericht zu entfliehen. Und weil auch für jeden von uns die Zeit der Gnade begrenzt ist, warnt Gottes Wort: Seht darauf, dass nicht jemand Gottes Gnade versäume (Hebr 12,15a).

Die Botschaft des Evangeliums, ist die Einladung Gottes zu unserer Errettung. Doch eine Einladung stellt uns natürlich auch vor eine Entscheidung. Desweiteren muss uns auch bewusst sein, jede Einladung ist mit einem Termin verbunden, man kann also mit der Entscheidung nicht ewig hin warten. Niemand weiß, wie lange er lebt und niemand weiß, wie oft diese Einladung noch an ihn ergehen wird. Möge auf uns nicht zutreffen, was Hiob 33,14 besagt: Gott redet einmal und zum zweitenmal, aber man beachtet es nicht.

Durch Nichtbeachtung kommt niemand ins Reich Gottes, es reicht auch nicht aus, sich alles nur anzuhören, seine Verheißungen gelten nur jenen, welche das Wort Gottes hören und es tun! (Lk 8,21). Durch das Evangelium werden wir aufgefordert, zu Jesus zu kommen. Mit all unserer Sündenlasst, dürfen wir zu ihm kommen, denn er lädt uns ein: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Mt 11,28). Zudem verspricht er uns: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh 6,37), doch wenn wir zu jenen gehören, über Jesus, wie eingangs zitiert, sagen muss: „Ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet“, wird uns weder seine Einladung, noch seine Zusage, etwas nützen.
Man kann sich regelrecht daran gewöhnen alles nur anzuhören, ohne je darauf zu regieren, aber den Weg zu kennen und ihn nicht zu gehen, führt nicht ans Ziel. Wie das Gleichnis gezeigt hat, werden wir durch diese Einladung vor eine Entscheidung gestellt. Niemand kann sie uns abnehmen, weder ein Priester, noch ein Pfarrer, noch der Papst, weder unsere Eltern, unser Ehepartner, oder sonstige Verwandten, wir selbst müssen uns entscheiden, niemand sonst kann das für uns tun.

Gerade in unserer Generation, wird das Evangelium überwiegend so präsentiert, als sei es ein Selbstläufer. Auch wenn dies nicht immer offen ausgesprochen wird, so wird doch vielfach der Eindruck vermittelt, dass man automatisch daran Anteil hätte. Diese fehlgeleitete Theologie, hat eine universelle Erlösung zum Inhalt, die für alle Gültigkeit hat, unabhängig davon, ob jemand etwas davon wissen will, oder nicht. Dabei ist es völlig unerheblich, ob man zu jenen zählt, die der Einladung gefolgt sind, oder zu jenen, die nicht wollten (vgl. Mt 21,3). Letztlich, so wird behauptet, kommen alle ins Himmelreich.
Allein die Tatsache, dass Jesus das Gleichnis mit den Worten „Das Reich der Himmel gleicht…“, begonnen hat, widerlegt diese Lehre, denn diese Aussage weist darauf hin, dass diese Illustration uns zeigen soll, wie wir ins Reich Gottes gelangen können. Würde man automatisch ins Himmelreich kommen, wäre dieses Gleichnis ebenso überflüssig, wie der Missionsbefehl. Jesus hat durch dieses Gleichnis in bemerkenswerter Klarheit aufgezeigt, dass niemand automatisch ins Himmelreich hineinkommt. Wie im Gleichnis gesehen, konnten nur jene, die der Einladung gefolgt sind, am königlichen Hochzeitsmahl teilnehmen, alle anderen waren ausgeschlossen. Somit müssen wir uns entscheiden, wem wir vertrauen, jenen die sagen: »Friede! Friede!«, und ist doch nicht Friede (Jer 6,14), oder Jesus Christus, der uns durch dieses Gleichnis eindrücklich vor Augen stellt, dass uns das Evangelium vor eine Entscheidung stellt. Eine Entscheidung, die uns, wie schon gesagt, niemand abnehmen kann, und die von lebenswichtiger Bedeutung für unsere Seele und unser ewiges Schicksal ist. Daher gilt es wohl zu überlegen, wie wir uns entscheiden. Natürlich kann man abwiegeln, natürlich kann man es verdrängen, doch wir müssen eines bedenken: Wer sich nicht entscheidet, hat auch eine Entscheidung getroffen, er hat sich gegen den Erlösungsplan Gottes entschieden, er hat sich gegen den Erlöser, Jesus Christus entschieden, denn wer nicht mit ihm ist, der ist gegen ihn (vgl. Mt 12,30; Lk 11,23).

Leider halten sich gerade in ehemals christlichen Ländern, in denen noch ein Überbleibsel von christlicher Religion und christlichen Werten vorhanden sind, irrtümlicherweise unzählige für Christen, obwohl sie Christus nie wirklich als ihren Herrn und Erlöser angenommen haben. Es gab in ihrem Leben auch nie einen innerlichen Zerrbruch, nie haben sie über ihre Sünde geweint und um Gnade gefleht. Obwohl sie sich noch nie ernsthafte Gedanken gemacht haben, ob ihr Leben mit Gott in Ordnung ist, besteht für sie kein Zweifel, dass sie Anwärter auf das Himmelreich sind. Sie haben zwar ein christliches Bekenntnis, doch sie haben nie den alten Menschen abgelegt, es kam nie zu einer echten Erneuerung des Sinnes, und ebenso wenig haben sie den neuen Menschen angezogen, der nach Gott geschaffen ist, in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit (vgl Eph 4,22-24). Sie haben sich nie wirklich bekehrt, weil ihnen die Notwenigkeit dafür nie wirklich bewusst war. Wer sich selbst für gerecht hält, der verschmäht, sowohl das Blut des Lammes (vgl Offb 7,14), als auch die Kleider des Heils, die uns vor Gott gerecht machen (vgl. 2.Kor 5,21).
Doch mit dieser Haltung entsprechen sie exakt dem Mann aus dem Gleichnis, den der König fragte: „Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an?“
Dieser Mann hielt es nicht für nötig, die Kleider des Heils anzulegen, die uns allein in Christus geschenkt werden. So wie Jesaja sagt: Ich freue mich im HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet (Jes 61,10).
Stattdessen  hatte er sein Vertrauen auf seine eigene Gerechtigkeit gesetzt. Er hielt sich für gut genug, für das Reich Gottes. Er war zwar ein christlicher Bekenner, aber war nie bereit sich Jesus Christus unterzuordnen. Stattdessen hatte er seinen eigenen Glauben und war der Meinung, er könnte sich den Weg zu Gott, durch seine religiösen Bemühungen selbst ebnen. Was auch immer er im Kreuz sah, er sah darin nie den Platz, den er selbst hätte einnehmen müssen, er war sich nie bewusst, wie nötig er dieses stellvertretende Opfer hatte. Ob er es offen zugab oder nicht, im Grunde zählte er zu jenen, für die die Botschaft vom Kreuz eine Torheit ist (1.Kor 1,23).

Auch heute begegnen einem vielfach solche Menschen in christlichen Kreisen und dies nicht selten auf den Kanzeln, oder in anderen wichtigen Führungspositionen. Sie haben nie wirklich verinnerlicht, dass das Kreuz mehr ist, als nur ein Symbol das lediglich dafür steht, dass Gott mit der Menschheit mitleiden würde. Beim Kreuz geht es um die Schuldfrage, es geht darum, dass der Sohn Gottes sein Leben als Sühneopfer gab, um uns von Schuld und Sünde zu befreien. Die Tatsache, dass so viele dieses Opfer geringschätzen, ist ein Beleg für eine falsche Selbsteinschätzung und mangelnde Sündenerkenntnis. Da man sich selbst, als des Himmels würdig erachtet, lebt man in der trügerischen Illusion, keine Erlösung nötig zu haben. Dies macht deutlich, dass die Schrift keine Autorität über dem Leben dieser Menschen hat. Ihr Irrtum kommt daher, weil sie die Schrift nicht kennen (vgl. Mt 22,29). Doch egal ob Unkenntnis oder bewusste Ignoranz, nicht was wir denken oder sagen ist entscheidend, sondern das was Gottes Wort sagt, und da seht geschrieben: Aber nun sind wir alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Wir sind alle verwelkt wie die Blätter, und unsre Sünden tragen uns davon wie der Wind (Jes 64,5).
Selbst unter eifrigen Kirchgängern sind etliche, die sich nie im Licht von Gottes Wort, als verloren und untauglich für das Reich Gottes gesehen haben. Obwohl sie eine äußerliche Form von Religiosität haben(vgl. 2.Tim 3,5), gehen sie achtlos am Kreuz vorüber. Sie wissen das Opfer, das Jesus am Kreuz vollbracht hat, nicht wirklich zu schätzen, statt ihre Hoffnung allein darauf zu setzten, vertrauen sie auf ihre eigenen Verdienste und ihre eigene Frömmigkeit. Doch sie können noch so fest davon überzeugt sein, sichere Anwärter auf das Himmelreich zu sein, am Tage des Gerichts werden sie verstummen. Denn auf die Frage: „Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an?“, folgt die Aussage: Er aber verstummte. 
Und dann sagt der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, führt ihn weg und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Da wird das Heulen und Zähneknirschen sein.

Ist das nicht ein erschütterndes Bild, das uns Jesus hier vor Augen stellt? Das klingt ganz anders als, wir kommen alle in den Himmel, weil wir so brav sind.
Doch bedenken wir, Jesus konfrontiert uns mit dieser unschönen Wahrheit, weil er uns liebt. Seine Absicht besteht darin, uns wachzurütteln (vgl. Eph 5,14), weil er uns dieses schreckliche Schicksal ersparen will. Doch entscheidend ist, dass wir seine Einladung ins Reich Gottes annehmen. Und das bedeutet, die Erlösung anzunehmen, die uns durchs Kreuz angeboten wird, indem wir Buße tun. Buße ist keine leichte Kurskorrektur, sondern eine Kehrtwendung um 180°, so wie es der verlorene Sohn gemacht hat, nachdem er am Ende seiner selbstsüchtigen Sinnsuche, bei den Schweinetrögen angelangt war. Als er in seiner völligen Verzweiflung den Entschluss gefasst hatte, sich zu seinem Vater aufzumachen, um ihm zu sagen: „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen! Mach mich wie einen deiner Tagelöhner!“, wie wurde er da vom Vater empfangen, was waren die ersten Worte des Vaters? Er sprach zu seinen Sklaven: „Bringt schnell das beste Gewand heraus und zieht es ihm an!“ (Lk 15,22).
So reagiert der Vater, wenn wir von unseren falschen Wegen umkehren. Wenn wir Buße tun, weil wir im Licht seines Wortes unsere Unwürdigkeit erkannt haben, bekommen wir das beste Gewand von ihm. Die Frage ist, können auch wir sagen: „Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen oder ich bin nicht mehr würdig deine Tochter zu heißen!“? Oder gehören wir zu denen, die sich wie selbstverständlich, für Kinder Gottes halten und sich allen Ernstes einbilden, des Himmels würdig zu sein? Wer auf diesem Standpunkt verharrt, bekommt kein neues Gewand vom Vater, sondern wir am Tage des Gerichts vor Scham verstummen (vgl. Mt 22,12b, Röm 3,19, Ps 31,18). Wir können hier noch so tolle Überzeugungen vertreten, der Herr wird das letzte Wort über unserem Leben haben. Wer an jenen Tag mit den Kleidern seiner eigenen Gerechtigkeit vor den tritt, der Augen wie Feuerflammen hat (vgl. Offb 2,18), den wird die schreckliche Strafe treffen, vor der uns Jesus durch dieses Gleichnis so eindringlich gewarnt hat. Er, der so geduldig, so sanftmütig, gnädig und barmherzig ist, und der uns auf jede erdenkliche Art zur Umkehr bewegen will, wird seinen Dienern befehlen müssen: Bindet ihm Hände und Füße, führt ihn weg und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Da wird das Heulen und Zähneknirschen sein.
Gerade weil so viele Menschen in einer schrecklichen Selbsttäuschung leben, kann ich es nicht oft genug sagen: Wir können am Tage des Gerichts nicht mit dem Kleid unserer eigenen Gerechtigkeit vor Gott treten, wir müssen dieses befleckte Kleid im hier und jetzt ablegen, und uns vom Vater neu einkleiden lassen. Ohne dieses neue Kleid, gewaschen im Blut des Lammes (vgl. Offb 7,14; 12,11), sind wir ausgeschlossen vom neuen Jerusalem. Nur das Blut des Lammes verschafft uns den Zutritt. Daher sagt die Schrift: Selig sind, die ihre Kleider waschen, dass sie teilhaben an dem Baum des Lebens und zu den Toren hineingehen in die Stadt (Offb 22,14).

Jesus beendet dieses Gleichnisses mit der Aussage: „Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt!“ (Mt 22,14). Damit macht er deutlich, dass der allgemeine Ruf des Evangeliums an alle Menschen gerichtet ist. Wie schon gesagt, Gott hat durchs Evangelium die Vorkehrung für die Errettung aller getroffen. Dies entspricht auch dem Missionsbefehl, den Jesus seinen Jüngern nach seiner Auferstehung gegeben hat. In seinen letzten Worten, bevor er in den Himmel aufgefahren ist, gab er ihnen den Auftrag: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur!“ (Mk 16,15). 
Soweit der allgemeine Ruf, doch wer sind nun die Auserwählten? Auch das wird sowohl durch das Gleichnis, als auch durch den direkten Missionsbefehl deutlich: Es sind jene, die die Einladung annehmen und dem Ruf folgen, jene die glauben. Nicht wer gleichgültig ist, nicht wer das Evangelium ignoriert, sondern wer daran glaubt, wird gerettet. Das ist nicht meine persönliche Meinung, sondern das entspricht den Worten, die direkt auf den Missionsbefehl folgen, wo Jesus sagt: Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden (Mk 16,16).

Auch das haben wir im Gleichnis gesehen, keiner von jenen, über die gesagt wurde: Sie aber achteten nicht darauf (Mt 22,5, vgl. 2.Chr 33,10), hatte ein Anrecht darauf, am Festmahl teilzunehmen. Dieses Festmahl ist ein Bild für die immerwährende Freude im Himmelreich, nur die Auserwählten werden daran teilhaben. Jene, die nicht glauben, werden, wie Jesus selbst sagte, verdammt werden.

Es ist also ein fataler Irrtum, zu glauben, man würde ohne auf den Ruf des Evangeliums zu reagieren, automatisch ins Himmelreich kommen. Automatisch landet man nur in der Verdammnis, dafür muss sich niemand bewusst entscheiden, denn diese Entscheidung hat der Mensch bereits im Paradies getroffen, als das erste Menschenpaar lieber auf die schmeichelnden Worte der Schlange vertraute, anstatt auf die Worte ihres Schöpfers zu hören. Damit haben Adam und Eva auch für alle ihre Nachkommen, also für die gesamte Menschheit, die Weichen gestellt. Vor dem Sündenfall lebten sie in Harmonie und Eintracht mit Gott, doch nach dem Sündenfall wird folgendes über sie berichtet: Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter den Bäumen im Garten (1.Mo 3,8). Ob es nun überzeugte Evolutionisten wahrhaben wollen oder nicht, wir alle zählen zu der gefallenen Nachkommenschaft Adams. Genau wie es bei Adam und Eva nach dem Sündenfall der Fall war, so steckt es auch in unserer gefallen Natur, unserem Schöpfer auszuweichen. Der Mensch hat Gott seit dem Sündenfall den Rücken zugewandt und wer nicht bereit ist, seinen Kurs zu ändern, der landet unweigerlich in der ewigen Verdammnis. Denn dieser Kurs, weg vom Angesicht Gottes, endet unweigerlich in der ewigen Gottesferne. Wer sich ein Leben lang vor dem Angesicht Gottes versteckt und die Finsternis mehr liebt als das Licht, darf sich nicht beschweren, wenn er in der ewigen Finsternis landet. Doch beachten wir hierbei auch was uns in Johannes 3,36 gesagt wird, wo es heißt: Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm (Joh 3,36).

Ist uns bewusst, was das bedeutet? Hier wird nicht gesagt, der Zorn Gottes kommt über ihn, sondern er bleibt auf ihm. Wer ohne Jesus lebt, steht unter dem Zorn, denn wer ohne ihn lebt, ist noch unter dem Gesetz und das besagt: »Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, um es zu tun« (Gal 3,10b). Die frohe Botschaft des Evangeliums jedoch lautet:
Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns; denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt«, (Gal 3,10b: 3,13, 5.Mo 21,23).
Wer die Botschaft verachtet und das Opfer, dass Jesus vollbracht hat verschmäht, der bleibt unter dem Fluch und geht demselben schrecklichen Schicksal entgegen, das Satan und seinen Engeln bestimmt ist: Ewige Pein in der Hölle (vgl. Mt 25,41). Doch weil der Herr uns dieses schreckliche Schicksal ersparen will, sendet er auch heute noch seine treuen Boten aus, doch dazu zählen nicht jene, die allen den Himmel versprechen, sondern nur jene, die sagen können: So sind wir nun Botschafter für Christus, und zwar so, daß Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nun stellvertretend für Christus: Laßt euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm [zur] Gerechtigkeit Gottes würden (2.Kor 5,20-21).


 

 


 

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