und

4. Christus und Schrift gemäße Nachfolge

14.08.2016

Die Geschichte lehrt uns bedauerlicherweise, dass Christen nicht aus der Geschichte lernen. Evangelikale, die nicht „negativ“ sein wollen und nach Einheit auf der alleinigen Grundlage von Gemeinsamkeiten und einem Minimalkonsens streben, also nur das Positive betonen, werden auf Dauer scheitern. Jedenfalls sind die Evangelikalen derzeit weit entfernt von einer Rückkehr zur gesunden Theologie. Im Gegenteil, immer neue progressive Theologien jeglicher Prägung erfassen den Evangelikalismus unserer Tage. Der moderne Evangelikalismus neoevangelikaler Prägung demonstriert nur zu anschaulich, dass die Weichenstellungen des Neoevangelikalismus ebenso falsch waren wie der Verbleib der Evangelikalen im liberalen Mainstream. Hat der neoevangelikale Sauerteig erst einmal seinen Durchsäuerungsprozess begonnen, ist eine Umkehr kaum noch möglich. Und wird diesem Teig das Salz liberaler Theologie beigemengt, verläuft der Gärungsprozess nur umso schneller.

   Fast beklemmend bei den gegenwärtigen Entwicklungen ist die Tatsache, dass selbst konservative Evangelikale kaum noch das Rückgrat haben, falscher Lehre zu widerstehen. Es wiederholt sich, was Lloyd-Jones so eindrücklich beschrieben hat: Die „Bibeltreuen“ erleben eine Zersetzung vom Rand, von der Peripherie her. Das Pferd der Bibeltreue wird von hinten aufgezäumt. Wie oben erwähnt sind es die netten und gebildeten Theologen, die in den grundlegenden Wahrheiten mit konservativen Bibeltreuen durchaus übereinstimmen und bereitwillig Anerkennung aus allen Lagern ernten, dem liberalen wie dem konservativen. Diese sind es, die das Evangelium verändern, umdeuten und verwässern.

   Die uneingeschränkte Autorität und Irrtumslosigkeit der Bibel wird zunehmend in Frage gestellt. Es erübrigt sich der Hinweis, dass dies zu einem immer weiteren Abfall führt – dies lehrt uns die Geschichte durchweg. Während die Bibelkritik die Schrift geradeheraus ihrer Autorität beraubte, sozusagen einen Frontalangriff auf Gottes Wort durchführte, winden sich manche Theologen und Vertreter im evangelikalen Lager geschickt und betonen ihre Übereinstimmung mit den Fundamenten, während sie gleichzeitig doch damit beginnen, biblische Wahrheiten von der Peripherie her auszuhöhlen.

   Diese Entwicklung ist auch an evangelikalen Lehrinstitutionen zu beobachten. Der US-Amerikaner J. Barton Payne weist in einem Artikel darauf hin, dass viele evangelikale Institutionen formal an der Irrtumslosigkeit der Schrift festhalten – allerdings nur, damit die Spendenbereitschaft der Unterstützer nicht versiegt. Würde man sich gegen die Lehre der Irrtumslosigkeit positionieren oder offen die tatsächlichen Lehrüberzeugungen der Dozenten propagieren, könnte der Eindruck entstehen, eine Institution sei liberal geworden – und damit würden Spendengelder versiegen oder nicht mehr so reichlich fließen. Dies gelte es unter allen Umständen zu verhindern, wie ein Vertreter einer theologischen Institution gegenüber Payne offen zugab. 29 Viele derzeitige Evangelikale nehmen ein „breiteres“ Verständnis in Bezug auf die Irrtumslosigkeit der Schrift ein. Liberaltheologischen Ansichten werden Tür und Tor geöffnet. Hat der Liberalismus erst einmal seinen Fuß in der Türe, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er in christliche Institutionen und Gemeinden vordringt. Die Geschichte wiederholt sich, weil Christen aus der Geschichte nicht lernen wollen.

   Insbesondere die Emerging Church führt den alten Liberalismus in neuem Gewande in christliche Kreise ein. Das soziale Evangelium wird unter dem Namen „Transformationstheologie“ neu verpackt. Bibelkritische Thesen werden erneut aufgegriffen, um das Lesen der Bibel zu einem „größeren Nutzen“ zu machen. Man könne, so die Vertreter der neuen emergenten Richtung, von allen Traditionen, den katholischen, mystischen und sogar den interreligiösen, lernen. Der Gemeindepragmatismus, der sich an den Bedürfnissen der Gottesdienstbesucher und nicht an biblischen Prinzipien des Gemeindebaus orientiert, ist weit verbreitet. Überhaupt boomen „Gemeindewachstumsstrategien“ – zumindest theoretisch. Die Resultate im deutschsprachigen Raum sind äußerst dürftig oder bleiben gänzlich aus, entgegen aller vollmundigen Versprechungen ihrer Propagandisten, die angeblich Tausende oder sogar Hundertausende von Gemeinden auf dem Missionsfeld vorweisen.

   Wer nicht bereit ist zu definieren, was Gemeindebau nicht ist, wer nicht bereit ist zu definieren, warum Pragmatismus auf falschen Grundlagen steht, wer nicht bereit ist, Emotionalismus von wahrer biblischer Anbetung zu unterscheiden, wer nicht bereit ist zu definieren, was die Irrtumslosigkeit und Autorität der Schrift nicht ist, verliert sich im Sumpf der pseudoevangelikalen Frömmigkeit – und wird dort untergehen. Wer für das biblische Leitbild und die göttliche Schöpfungsordnung der Ehe steht, aber versäumt zu erklären, was dies nicht beinhaltet, zäumt das Pferd mit dem liberalen Zaumzeug von hinten auf. Dass es unumgänglich ist, nicht nur positive Bekenntnisse zu formulieren, sondern auch negative Kriterien zu benennen, etwa was man unter Bibeltreue nicht versteht und nicht verstehen darf, dürfte dem Leser hoffentlich klar geworden sein. Was als Verwässerung des biblischen Evangeliums im Namen akademischer Theologie liberaler Prägung beginnt, wird den christlichen Glauben auf Dauer zwangsläufig kraftlos und letztlich zunichtemachen.

   Aus diesem Grund leisten Konferenzen nach dem Vorbild der Hirtenkonferenzen von John MacArthur einen wichtigen Beitrag zur Verteidigung biblischer Lehre. Diese Konferenzen setzen sich sowohl in positiver als auch in negativer Weise mit Themen rund um die Bibel auseinander. Die Fremdes Feuer-Konferenz (2014) behandelte die pfingstlich-charismatischen Fehlentwicklungen und legte die biblische Position dar. Die Konferenz zur Irrtumslosigkeit der Schrift (2015) zeigte Fehlentwicklungen im evangelikalen wie im nichtevangelikalen Lager auf und argumentierte überzeugend für die Auffassungen des klassischen Evangelikalismus. Viele weitere dringliche Fragen stehen an. Diese auf die lange Bank zu schieben, wird niemandem helfen. Nachdem die Seile des neoevangelikalen Zeltes sehr weit ausgespannt und die Pflöcke schon auf liberalem Boden eingeschlagen wurden, ist es nun an der Zeit und möglicherweise überfällig, dass aufgrund der Schrift Maß an den Seilen genommen wird. Möglicherweise muss man die Seile wieder zurechtstutzen und die Pflöcke wieder näher am Zelt biblischer Wahrheit einschlagen.

   Wie die Geschichte gezeigt hat, wird ein „weiter so“, ein Zaudern vor klarer Positionierung und der Unwille, sich negativ abzugrenzen, auf Dauer fatale Folgen haben. Folgt der Evangelikalismus dem Beispiel J. I. Packers und irrt vielleicht bald in der Wüste neoevangelikaler, liberaler Beliebigkeit umher? Oder sammeln sich die wahren Evangelikalen aus allen Lagern, ganz gleich, wie klein dieses Lager sein mag? Ist es nicht allemal besser, dem Beispiel von Martyn Lloyd-Jones zu folgen und als Treue gegenüber dem HERRN und seinem Wort den schmalen Weg zu wählen? Das Schwert Gideons (Ri 7,14) kann in der Hand des Allmächtigen viel bewirken, und der hoffnungslos unterlegene David bezwang den Riesen Goliath mit einer Steinschleuder – ein Bild, nicht der Kraft des Menschen David, sondern der Kraft des Glaubens, den Gott all denen schenkt, die ihm vertrauen.

   Dass gerade Christen einer US-Denomination aus dem liberalen Spektrum in diesen Tagen mit gutem Beispiel vorangehen und mit Treue und Mut für das biblische Evangelium einstehen, beweist das Beispiel der Nordamerikanischen Lutherische Kirchen (NALC). Die NALC spaltete sich 2010 von der liberalen Evangelisch-Lutherischen Kirche Amerikas (ELCA). Offenkundig konnte die öffentliche Debatte und folgende Abspaltung den bekennenden Lutheranern nicht schaden. Die NALC ist innerhalb von vier Jahren von anfangs sieben auf etwa 400 Gemeinden mit ca. 140.000 Mitgliedern angewachsen und befindet sich weiterhin im Wachstum. Gott stellt sich zu jenen, die sich zu ihm und zu seinem Wort stellen. Es ist beschämend, dass von liberalen Denominationen Zeichen des Aufbruchs und der Treue zum Wort ausgehen, während sich immer mehr Evangelikale, die sich die Bibeltreue auf ihre Fahnen schreiben, genau den entgegengesetzten Weg in einen liberalen Pluralismus einschlagen. „Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die Finsternis zu Licht und Licht zu Finsternis erklären, die Bitteres süß und Süßes bitter nennen!“ (Jes 5,20).

 

Schrift und Christus gemäße Nachfolge

   Als Judas seinen Brief an die Empfänger einer Gemeinde verfasste, wollte er ihnen eigentlich vom „gemeinsamen Heil“ schreiben (V. 3). Das Eindringen falscher Lehrer und damit die Bedrohung der Botschaft des Heils veranlasste den Verfasser des Briefes jedoch zu einem abrupten Wechsel. Er wandte sich einem gänzlich anderen Thema zu: „Es haben sich nämlich etliche Menschen unbemerkt eingeschlichen, die schon längst zu diesem Gericht aufgeschrieben worden sind, Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Zügellosigkeit verkehren und Gott, den einzigen Herrscher, und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen“ (V. 4). Judas kann kaum Positives schreiben und setzt sich in seinem gesamten Brief mit den negativen Entwicklungen der Gemeinde auseinander, an die er seinen Brief richtete. Heute würde man Judas, der unter der Inspiration des göttlichen Geistes schrieb, als lieblos, negativ und kritisch abtun. Im Himmel jedenfalls ist er als einer bekannt, der für den ein für alle Mal überlieferten Glauben gekämpft hatte. Judas erkannte die Dringlichkeit, gegen die eingedrungenen Irrlehrer vorzugehen und änderte seine ursprüngliche Absicht, über das gemeinsame Heil zu schreiben. Es erstaunt, dass es nur wenige sind, die die Dringlichkeit der derzeitigen Situation erkennen. 

   Der Begriff „bibeltreu“ ist mittlerweile so abgegriffen und verbraucht, dass selbst die liberale Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) diesen Begriff für sich moniert und so definiert: „... die Bibel [ist] nach kirchlichem Verständnis nicht das wörtlich offenbarte Wort Gottes. Vielmehr ist sie nach diesem Verständnis ein Zeugnis der Offenbarung Gottes. Das ist ein wichtiger Unterschied, den Sie sicherlich auch kennen, wenn Sie sich als ‚bibeltreu‘ bezeichnen. Das Studium der Theologie dient gerade nicht dazu, dass man die Bibel ‚verdreht‘, sondern dass man die in der Bibel erhaltene Frohe Botschaft auf eine Weise verkünden kann, die sowohl dem Text gerecht wird als auch denen, die diese Botschaft hören. Darum ist es unbedingt nötig, sich sowohl mit dem Text als einem antiken Text auseinanderzusetzen, der in einer bestimmten Zeit verfasst wurde, als auch zu lernen, wie man die lange Zeit zwischen der Niederschrift und der heutigen Zeit angemessen überbrücken kann.“ 30

   Vordergründig würden viele Evangelikale eine derartige Definition von Bibeltreue im Sinne der EKD ablehnen. Doch ist das Verständnis von Bibeltreue vieler Evangelikaler nicht gerade ebenso von Unschärfe und überdies zunehmend von einer liberalen Prägung gekennzeichnet? Viele Verlage, Gemeinden, Lehrinstitute und Organisationen pochen auf ihre „Bibeltreue“ und haben längst ökumenisches, charismatisches und emergentes Gedankengut aufgenommen, wenngleich noch nicht in dem Maße wie der liberale Mainstream. Deckt man diesen Widerspruch auf, erntet man die üblichen polemischen Erwiderungen, man sei zu kritisch, zu negativ, usw.

   Angesichts der begrifflichen Entwertung von „bibeltreu“ und „evangelikal“ wäre es angemessen, einen neuen Begriff zu prägen – aus Sicht des Autors einen doppelten Begriff. Das Wort „bibeltreu“ findet sich nicht in der Schrift und ist lediglich ein abgeleiteter Begriff, den heute, wie oben gezeigt, mittlerweile jeder für sich beanspruchen und jeweils mit eigenen Inhalten füllen kann. Die Schrift selbst weist folgende Begriffe auf, um Bibeltreue in Lehre und Handeln zum Ausdruck zu bringen:

 

den Weg Gottes der Wahrheit gemäß lehren, Lk 20,21

ἐπ’ ἀληθείας τὴν ὁδὸν τοῦ Θεοῦ διδάσκεις

 

gemäß dem Evangelium, 1Tim 1,11

κατὰ τὸ εὐαγγέλιον

 

gemäß der göttlichen Weisung, Hebr 8,5

κατὰ τὸν τύπον

 

gemäß dem, was geschrieben steht, 2Kor 4,13

κατὰ τὸ γεγραμμένον

 

gemäß der Offenbarung des Geheimnisses, Rö 16,25

κατὰ ἀποκάλυψιν μυστηρίου

 

Der Begriff „Schrift gemäß“ wäre damit eine gute Alternative für „bibeltreu“, da er nicht nur tatsächlich in der Schrift vorkommt, sondern zugleich auf die Schrift hinweist. Die griechische Präposition κατά, gemäß, bedeutet entsprechend, folgend, in Übereinstimmung mit, stimmig, zufolge. Somit wäre jeder nicht Schrift gemäß, der grundlegende Lehren von der Peripherie der Schrift her umzudeuten versucht. Grundlegende Lehraussagen müssen indes unterschieden werden von sekundären Lehrmeinungen. Solange nach gründlicher Auslegung aus der Schrift unterschiedliche Positionen abgeleitet werden können, muss man Lehrmeinungen in gegenseitigem Respekt stehen lassen können, selbst wenn man einer anderen Überzeugung folgt.

   Um theologischen Winkelzügen, der Einführung liberaler Theologie von der Peripherie her, entgegenzuwirken, müssen sekundäre Themenfelder der Bibel gewissenhaft in den biblischen Gesamtzusammenhang eingeordnet werden. Sekundäre Lehrmeinungen, die auf dem Fundament der Schrift stehen, sollten niemals einen Grund zur Spaltung darstellen. Sekundäre Lehrmeinungen hingegen, die die Fundamente biblischer Lehre verlassen, müssen abgewehrt werden, weil „Wahrheit eins ist“, wie Lloyd-Jones deutlich machte. Die grundlegende Wahrheit der biblischen Schöpfungsordnung muss sich beispielsweise in sekundären Lehrmeinungen widerspiegeln. Ist dies nicht der Fall, bleibt damit auch das Fundament biblischer Wahrheit nicht gewahrt.

   Die griechische Präposition κατά, gemäß, wird an anderer Stelle im Neuen Testament für die Person Christi im Zusammenhang mit dem christlichen Wandel verwendet:

Christus gemäß, Kol 2,8

κατὰ Χριστόν

 

Christus Jesus gemäß, Rö 15,5

κατὰ Χριστὸν Ἰησοῦν

Will der Evangelikalismus Schrift und Christus gemäß sein, mit anderen Worten, will er in Übereinstimmung mit der Schrift und dem Wesen des Christus sein, muss er der Schrift und dem Herrn der Schrift, Christus, folgen. Damit wäre dem weitverbreiteten Irrtum Einhalt geboten, Lehre sei nicht so wichtig, entscheidender sei die Beziehung zu Jesus Christus. Doch auch manche konservativen Kreise müssten überdenken, ob ihr vermeintlich „bibeltreuer“ Stand vereinbar ist mit ihrem allzu oft militanten und spalterischen Vorgehen gegen alle, die ihre Lehrüberzeugungen nicht teilen. Sie mögen zwar in vielen Punkten die rechte Lehre vertreten und damit Schrift gemäß sein, aber sie tun es nicht Christus gemäß. Schon geringste Abweichungen in sekundären Lehren haben in der Vergangenheit zu Streitigkeiten, Abspaltung oder Ausschlüssen von Geschwistern geführt.

    Vor dem Preisrichterstuhl Christi wird nicht nur die rechte Lehre beurteilt werden, sondern die Motive des Herzens und die Frucht des Geistes. Letztere kann in kalter Orthodoxie erfrieren und nie zur Reife kommen. „Deshalb nehmt einander auf, wie auch der Christus euch aufgenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit!“ (Rö 15,7) – eine Mahnung vor falscher Absonderung. „Tut nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht, sondern in der Demut achtet einer den anderen höher als sich selbst; ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen! Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein“ (Phil 2,3-6) – ein Aufruf für mehr Demut im brüderlichen Miteinander. An Letzterem mangelt es bedauerlicherweise vielfach. Schon geringste Abweichungen von eigenen Lehrpositionen führen in manchen Kreisen zum Gemeindebann oder mitunter zur Verunglimpfung anderer als Irrlehrer. Alleine die fast 200-jährige Geschichte der „Brüderbewegung“ ist charakterisiert von zahllosen Lehrstreitigkeiten und Spaltungen bis in unsere Zeit. 31

   Ein Christus und Schrift gemäßer Evangelikalismus müsste sich an den Prinzipien und Leitlinien orientieren, wie sie Martyn Lloyd-Jones formulierte, und das reformatorische Schriftprinzip als höchsten Maßstab auf seine Fahnen schreiben. „Habt acht, dass euch niemand beraubt durch die Philosophie und leeren Betrug, gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Grundsätzen der Welt“, so Paulus an die Gemeinde zu Kolossä (Kol 2,8). Diese Auseinandersetzung Christus und Schrift gemäßer Nachfolge mit Philosophien, Überlieferungen und Grundsätzen gemäß menschlicher, weltlicher oder dämonischer Natur (1Tim 4,1) ist so alt wie die christliche Gemeinde selbst. Wie die neutestamentlichen Briefe beweisen, begegnete man diesen Angriffen auf das biblische Evangelium nicht ausschließlich mit der Lehre und Verküdigung der Wahrheit. Die Irrtümer, die es abzuweisen galt, wurden als solche genannt und bezeichnet. Bis auf den Brief an Philemon ist kein einziger Brief im Neuen Testament enthalten, der nicht auch auf die vielfältigen falschen Lehren wie Gesetzlichkeit, Antinomianismus, Gnosis, falsche Apostel und Propheten, Schwärmerei, usw. hinweist.

   Diesem biblischen Geist gilt es zu folgen. Die Wahrheit muss aufgerichtet, verkündigt und gelehrt werden. Alles, was sich gegen die Wahrheit stellt, muss entlarvt und verworfen werden. Dies alles muss aber im Geiste Christi geschehen. Das ist Christus und Schrift gemäße Nachfolge. In Übereinstimmung mit dem Wesen des Christus und in Übereinstimmung mit der Schrift zu wandeln und zu handeln, ist die Herausforderung, der sich alle stellen sollten, die für wahre Nachfolge Christi stehen.

 

Das Christentum war immer ein Glaube des Buches 

Laird Harris schreibt über die Bibel treffend: „In einer dunklen und sündhaften Welt tadelte sie Herrscher, tröstete die Armen, ermutigte die Lernenden, befreite die Gebundenen, brachte Frieden den Herzen und befähigte Menschen für den Dienst in der Mission und Evangelisation. Wer sie neu entdeckte, empfing neues Leben und Kraft. ... Das Christentum war immer ein Glaube des Buches!“
32 

Allein dieses Buch der Bibel kann Wegweiser für ein Christus und Schrift gemäßes Leben sein. Die Schrift kann nicht aufgelöst werden! In der langen Geschichte der Christenheit hat es sich für die Gemeinde Jesu niemals als segensreich erweisen, wenn sie von der Schrift und dem Herrn der Schrift abgewichen ist. Modernen und postmodernen Theologien über die Bibel zu folgen, mag verlockend sein, doch die wahre Kraft liegt in dem alten Evangelium. Dieses Evangelium darf nicht ausgehöhlt werden, weder durch direkte Angriffe noch durch subtile, zersetzende Attacken von der Peripherie her. Beidem gilt es zu wehren, indem das Positive, die Gute Botschaft des Heils, und das Negative, was der Guten Botschaft widersteht, verkündigt und gelehrt wird. Gewiss muss die Betonung auf Ersterem liegen, auf der gesunden Lehre und der frohmachenden Botschaft des Evangeliums.

   Jesus selbst unterwies seine Jünger in der Bergpredigt in dieser Weise. Er sagte ihnen, was sie als wahre Jünger tun und lehren sollten, aber er lehrte sie auch, was sie nicht tun und lehren sollten (Mt 5,15.20.32.34.39.46; 6,1-4.5.7.14.15.16.19.24.25.34; 7,1.6.15.26) – ein Muster, das auch die apostolischen Schriften des Neuen Testaments aufweisen. Diesen Auftrag, das Evangelium in dieser Welt zu verkündigen und Menschen zu Jüngern zu machen, hat der Herr seiner Gemeinde anvertraut. Wahre Nachfolger Christi dürfen es nicht zulassen, dass das kostbare Evangelium von der Peripherie her umgedeutet und verändert wird. Sie stehen in der heiligen Pflicht zu verhindern, dass das Pferd von hinten aufgezäumt wird. Alle, die sich zu Jesus Christus bekennen, werden einmal vor ihrem Erlöser Rechenschaft ablegen müssen. Wohl dem, der einen Christus und Schrift gemäßen Wandel in dieser irdischen Pilgerschaft führte. Dieser wird mit Freimütigkeit vor dem Thron Gottes erscheinen und vollen Lohn empfangen (2Jo 8).


Das Gras wird dürr, die Blume fällt ab; denn der Hauch des Herrn hat sie angeweht. Wahrhaftig, das Volk ist Gras! Das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen; aber das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit! 
Jesaja 40,7-8 

 

 

Quellangaben

 

Georg Walter © alle Rechte an diesem Artikel vorbehalten.

 

 


 

 

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